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Berliner Wirtschaft könnte um vier Prozent wachsen – Industrie hat weiter mit Lieferproblemen zu kämpfen
Coronabedingte Lieferprobleme in der Wirtschaft | Foto von Pavel Danilyuk von Pexels

Berliner Wirtschaft könnte um vier Prozent wachsen – Industrie hat weiter mit Lieferproblemen zu kämpfen

25. Januar 2022

2021 verzeichneten vor allem die Digitalwirtschaft und der Online-Handel eine solide Entwicklung. Andere Branchen wie der stationäre Einzelhandel haben indes weiter mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Der Unternehmens-Spitzenverband fordert ein Neustart-Programm für Tourismus, Messen und Gastronomie.

Berliner Wirtschaft blickt optimistischer in die Zukunft

Einfacher dürfte die Situation auf absehbare Zeit nicht werden. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung, wie die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) in Hinblick auf das Wachstum des Jahres 2022 zusammenfassen.

UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck weist zwar darauf hin, dass die Erholung der Konjunktur in der Region Berlin-Brandenburg mit Fortschreiten der Pandemie weiter leide, dass aber für den Fall, dass man Corona in den Griff bekomme, mit einem Wachstum von vier Prozent zu rechnen sei. In Brandenburg sehe der Chef des Verbandes ein Wachstum von drei Prozent als realistischen Wert.

Lieferketten weiter gestört

Die Wirtschaft hat jedoch nach wie vor nicht nur mit der Pandemie selbst, sondern auch mit allen damit einhergehenden Problemen zu kämpfen. Hervorzuheben sind hier die nach wie vor gravierenden Lieferengpässe, von denen vor allem die Industrieunternehmen betroffen sind. So berichten laut Amsinck acht von zehn Mitgliedsbetrieben aus den Bereichen Fahrzeugbau, Elektroindustrie und Maschinenbau, dass sie aktuell Probleme mit dem Lieferverkehr haben. Das verarbeitende Gewerbe hingegen zeige auch in der Corona-Pandemie eine solide Entwicklung. Aktuellen UVB-Zahlen zufolge konnte es im Vergleich mit dem Jahr 2020 einen Zuwachs von 3,7 Prozent verzeichnen.

Noch stärker ist der Boom in der Digitalwirtschaft. Hier lag der Umsatzzuwachs im ersten Halbjahr 2021 bei 11,6 Prozent. Angaben der UVB zufolge erholt sich auch das Baugewerbe, auch wenn hier noch immer ein Minus von 4,7 Prozent zu Buche steht. Das Plus des Handels von knapp 4,5 Prozent ist vor allem auf den Boom des Online-Handels zurückzuführen, der eine Umsatzsteigerung von 38 Prozent verzeichnete. Im Einzelhandel hingegen sieht es mit einem Minus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr weiter schlecht aus.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Gastronomie ab, weiß der Experte für Kühlmöbel Christian Berg von Kälte Berlin: „Die strengen Restriktionen machen nach wie vor vielen Gastwirten zu schaffen. Auch ist abzusehen, dass die Einführung der 2G-Plus-Regelung eher zu einer Verschlimmerung der Lage führen wird.“ Angaben der Unternehmensverbände Berlins und Brandenburgs zufolge hat die Zahl der Übernachtungen um 5,8 Prozent abgenommen, was sich auch stark auf die Tourismus-nahen Branchen Gastronomie und Kultur ausgewirkt hat.

In Brandenburg möglicherweise Sondereffekte

Der Vorsitzende der UVB verweist dabei aber auch auf Chancen, die sich aktuell etwa in Brandenburg eröffnen. Hier könnten sich bald Sondereffekte bemerkbar machen. Tesla hat angekündigt, in diesem Jahr 60.000 Fahrzeuge zu produzieren. Die UVB sieht in diesem Jahr ein Potenzial für 11.000 neue Stellen in Brandenburg.

Ebenso biete die Energie-Region Lausitz Potenzial, in der sich aktuell ein starker Modernisierungsprozess vollziehe, so Amsinck.