Heidi Hetzer und Günter Münstermann vor der Spielbank Berlin kurz bevor es für die Weltreise on the road ging| Foto: Spielbank Berlin
Heidi Hetzer und Günter Münstermann vor der Spielbank Berlin kurz bevor es für die Weltreise on the road ging| Foto: Spielbank Berlin

Zum Tod von Heidi Hetzer: Wenn die Welt nicht groß genug ist…

Weltenbummlerin, Unternehmerin, Berliner Original: „Ich kann ja nur Auto“, sagte Heidi Hetzer einmal. Eine Aussage, die – wie so oft – von diesem für sie so typischen Augenzwinkern und einer fast mädchenhaften Koketterie begleitet wurde. Dabei war sie für viele Menschen viel mehr als nur eine autoverrückte Berlinerin. Mit Benzin im Blut, niemals ängstlich und von einer unerschütterlichen Lebensfreude angetrieben, war sie ein Symbol dafür, dass man sich vor dem Älterwerden nicht zu fürchten braucht. Gerade noch hat Heidi Hetzer den nächsten Trip geplant. Von November 2019 bis Mai 2020 sollte es wieder nach Afrika gehen, sie wollte diesmal mit ihrem umgebauten pinken Toyota-Geländewagen entlang der Westküste des Kontinents fahren.

Die Leidenschaft für Motoren und Rennen zeigte sich schon früh. 1953 – gerade einmal 16 Jahre alt –  fuhr sie ihr erstes Rennen. Insgesamt 150 Trophäen hat die Motorsportlerin im Laufe ihrer Rennfahrerkarriere gewonnen. Im Alter von 31 übernahm die gelernte Kfz-Mechanikerin das Unternehmen ihres Vaters, das sie über die Jahre hinweg zu einem der größten Berliner Autohäuser ausbaute – bekannt über die Stadtgrenzen hinaus. 2012 verkaufte sie die Firma, da weder ihre Tochter noch ihr Sohn Interesse daran hatten, das Familienunternehmen weiterzuführen.

„Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt“

Nun ist Heidi Hetzer gestorben, das Goethe-Zitat „Ich lebe nicht mehr, aber ich habe gelebt“ ist als letzter Eintrag auf ihrer Homepage zu sehen. Ein Satz, der zutreffender nicht sein könnte. Denn Heidi Hetzer war eine Frau, die auf bestehende Normen pfiff und tat, wonach ihr als bekennende Motorsportbegeisterte und Globetrotterin der Sinn stand. Immer treu an ihrer Seite war ihr geliebter Oldtimer Hudo, mit dem sie 40 Länder durchreist hatte und dabei 34 mal in die Werkstatt musste. Kleinere Pannen am Wegesrand, die meistens rasch eigenhändig erledigt wurden, nicht mitgezählt.

Bis zuletzt hatte sie eine Offenheit, eine Neugier auf das Fremde und einen unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen. Auf ihrer Weltreise, die Heidi Hetzer im Alter von 77 Jahren antrat, führte sie ihr Weg mit Hudo rund 85.000 Kilometer durch die Türkei, den Iran und China bis nach Neuseeland und über die USA wieder zurück nach Berlin. Achtmal hat sie dabei den Äquator überquert.

Spielbank Berlin war Sponsor der Weltreise

Die Spielbank Berlin war damals als Unterstützer und Sponsor mit an Bord. Günter Münstermann, damals Geschäftsführer der Spielbank Berlin, verabschiedete die Grande Dame des Motorsports damals persönlich und drückte die Daumen für den anstehenden weltumspannenden Road-Trip.

Auch nach ihrer Rückkehr besuchte Heidi Hetzer die Spielbank Berlin mehrmals und war auch Gast bei diversen Charity-Events. Für ihr soziales Engagement wurde sie vor einigen Jahren sogar mit der Benennung einer neuentdeckten Orchideenart geehrt. Heidi Hetzer war immer mit Vollgas bei der Sache, ganz gleich ob beim Charity-Pokern oder beim Autofahren.

Die „benzinverrückte Berliner Göre“

Die Eindrücke ihrer Weltreise verarbeitete Heidi Hetzer nach ihrer Rückkehr in einem Buch mit dem Titel „Ungebremst leben: Wie ich mit 77 Jahren die Freiheit suchte und einfach losfuhr“. Diesmal ist die „benzinverrückte Berliner Göre“, wie sich selbst einmal genannt hat, losgefahren, ohne dass es eine Rückkehr gibt. Doch eines steht fest: Wo immer sie jetzt auch ist, langweilig wird es ihr ganz sicher nicht! Wir aber werden sie vermissen. Mach’s jut, Heidi. (ak)

 

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