Der "Pears Jüdischer Campus" wird ein großes Bildungszentrum. | Foto: pexels.com

Zukunft und Sichtbarkeit für die Toleranz: „Pears Jüdischer Campus“ Berlin

In der Westfälischen Straße in Berlin Charlottenburg wird bis 2020 der „Pears Jüdischer Campus“ als interkulturelle Begegnungsstätte und Bildungszentrum entstehen. Am Sonntag setzte Außenminister Heiko Maas den ersten Spatenstich für das deutschlandweit größte Projekt seiner Art. Der seit 2008 von Rabbiner Yehuda Teichtal geplante Campus soll eine Ausbildung vom Kindergarten bis zum Abitur unter jüdisch-orthodoxen Gesichtspunkten ermöglichen. Auch die Erwachsenenbildung und Flächen für Festveranstaltungen, Aufführungen, Kunst und Kultur werden planmäßig untergebracht. Als Ort der Toleranz und des Miteinanders sowie der Erhöhung der Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in der Stadt, wird der jüdische Campus bewusst als offener Ort betont. Hier sollen auch nicht-jüdische Organisationen, Religionen und Menschen willkommen sein sowie Platz für ihre Veranstaltungen geboten werden.

Zwei Drittel der Bauinvestition in Höhe von 18 Millionen Euro sind bereits zusammengetragen. Das bisher beispiellose Projekt unterstützen neben dem Bund, dem Land Berlin und der EU, hauptsächlich die „Pears Family Charitable Foundation“, die auch Namensgeber sind. Rabbiner Teichtal ist Mitglied der orthodoxen Berliner Chabad Lubawitsch-Gemeinde, die das Bildungs- und Begegnungszentrum auch leiten werden. „Orthodox aber offen“ mithilfe von Integration, lautet der zweigleisige Fahrplan.

 

Der Campus wird eine Begegnungsstätte der Toleranz. | Foto: pexels.com/ Tirachard Kumtanom

Der Campus wird eine Begegnungsstätte der Toleranz. | Foto: pexels.com/ Tirachard Kumtanom

 

„Wunder der Vergebung“ statt erneute Antisemitismusgefahr

Außenminister Maas erinnerte an das Zitat des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter-Steinmeier: „Wer Häuser baut, der bleibt“. Dieses verwendete er damals bei der Einweihung des Bildungszentrums der Chabad-Gemeinde, 2011. Maas fügte zum Spatenstich diesmal zuversichtlich und erfreut hinzu: „Wer einen Campus baut, der baut die Zukunft. Denn der Jüdische Campus ist ein starkes Zeichen, ein dauerhaftes Bekenntnis zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und eine hoffungsvolle Bereicherung für die Bildungslandschaft in Berlin.“ Weitere hochranginge Zeugen der Initiierung waren Kultursenator Klaus Lederer, Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau und der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Der Campus sei auch in Zeiten erneuter „Herausforderungen mit dem Antisemitismus“, von Fremdenfeindlichkeit und „Berührungsängsten“ ein wichtiges Gegenbeispiel für Toleranz und Anerkennung, wie Rabbiner Teichtal  betonte (Quelle: rbb). Maas bezeichnete die durch Sport, Kultur und Offenheit getragene Bildungseinrichtung des Weiteren als „Wunder der Vergebung“. Diese Zukunft nimmt nun 10 Jahre nach Beginn der Planung durch den visionären Rabbiner und 80 Jahre nach den Novemberprogromen 1938, endlich Form an. Rabbiner Teichtal kam vor 22 Jahren aus New York nach Berlin um „Brücken zu schaffen“, die nun großflächiger den je Gestalt annehmen.

 

Damals schon beim jüdischen Lichtfest Chanukka dabei: (v.l.n.r.) Jeremy Issacharoff, Israelischer Botschafter, Heiko Maas, Bundesjustizminister, Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin, Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, Rabbiner Yehuda Teichtal | Foto: Dirk Lässig

Damals schon beim jüdischen Lichtfest Chanukka dabei: (v.l.n.r.) Jeremy Issacharoff, Israelischer Botschafter, Heiko Maas, Bundesjustizminister, Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin, Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, Rabbiner Yehuda Teichtal | Foto: Dirk Lässig

 

Orthodoxer Stil und moderne Architektur auf dem „Pears Jüdischer Campus“

Die orthodoxe Schul- und Kleiderordnung sowie das koschere Mensa-Essen, entgegen eines jüdisch-liberalen Lebensstils, werden mit der Integration aller Lernenden begründet. Durch Regeln wie beispielsweise die Geschlechtertrennung bei Tanzveranstaltungen, könnten auch Kinder aus orthodoxen Familien am gesamten Alltag auf dem Campus teilhaben. So würde keine erneute Aufteilung in den integrierten Einrichtungen Kita, Grundschule, Gymnasium und Sport herrschen. Diese wird bei den Schulfächern jedoch in weltliche und religiöse Fächer vorgenommen. 7000 Quadratmeter wird die Einrichtung auf einem Grundstück in der Westfälischen Straße umfassen. Für Rabbiner Teichtal ist der gewählte Standort, nicht nur der seiner Gemeinde, sondern Berlin zeigt sich durch die Realisierung seines Projekts, weiterhin als „offener Ort für alle Menschen aus allen Gesellschaften“ (Quelle: Berliner Morgenpost).

Entworfen wird der Campus von Star-Architekt Sergej Tchoban. Seine Entwürfe sind in Berlin bereits in Form des Cubix Multiplex-Kinos am Alexanderplatz, der Mall of Berlin am Leipziger Platz und vielen weiteren Bauten zu sehen. In Potsdam realisierte der russisch-stämmige Tchoban die Wohnanlage Speicherstadt und beweist Flexibilität und Kreativität was die Nutzung seiner entworfenen Gebäude angeht. Wie die B.Z. berichtet, soll der mit glasierter Keramik zu verkleidende „Jüdische Campus“ im Blau der israelischen Flagge erstrahlen. (cn)

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