Wohnungsnot: IHK stellt Bau- und Flächenkonzept vor | Foto: pixabay.com

Wohnungsnot: IHK stellt Bau- und Flächenkonzept vor

In Berlin wird derzeit kaum ein Thema so viel diskutiert wie die Not auf dem Wohnungsmarkt. Rund 77.000 Wohnungen sollen in der deutschen Hauptstadt fehlen. Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) prognostiziert, dass bis 2030 insgesamt sogar bis zu 200.000 Wohnungen benötigt werden. Derweil verfehlt die rot-rot-grüne Koalition ihre selbst gesteckten Ziele und musste zuletzt die Zahl der geplanten Wohnungen nach unten korrigieren.

Angesichts dieser kritischen Lage hat die IHK Berlin den Senat nun dazu aufgefordert, die Wohnungsbaupolitik umzusteuern.

Wohnungsnot: IHK stellt Bau- und Flächenkonzept vor

Aufgrund der gut ausgebauten Infra- und Wirtschaftsstruktur galt Berlin als attraktiver Standort für zahlreiche Investoren und Unternehmen. Doch mittlerweile hat der angespannte Wohnungsmarkt die Attraktivität Berlins als Industrie- und Wirtschaftsstandort längst überschattet. Besonders für Fachkräfte vieler ansässiger Unternehmen wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Die Mietpreise sind in den vergangenen Jahren infolge der Wohnraumverknappung dramatisch angestiegen. Parallel dazu wird in Deutschlands einziger Metropole viel zu wenig gebaut. Die Bundeshauptstadt hat zwar ambitionierte Baupläne, hängt aber mit dem tatsächlichen Wohnungsbau stark hinterher.

Um den Wohnungsbau zu beschleunigen, stellte die IHK vergangene Woche das Konzept „Fünf Bausteine für die Bau – und Flächenpolitik in Berlin“ vor. In erster Linie ist das Baukonzept für das Aufstocken, Ausbauen von Dachgeschossen oder Wohnungsbau über Supermärkten gedacht. Dadurch könnten insgesamt bis zu 42.000 zusätzliche Wohneinheiten entstehen.

Privatinvestoren als Chance

Darüber hinaus plädiert die Industrie- und Handelskammer dafür, mehr private Investoren in den Wohnungsbau der Hauptstadt zu involvieren. „Die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften können nur einen Bruchteil der benötigten Wohnungen bauen. Das heißt: Die Privaten sind nicht das Problem sondern ganz im Gegenteil der maßgebliche Teil der Lösung. Das muss die Politik endlich anerkennen und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen“, so Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Um jedoch mehr Privatinvestoren ins Boot holen zu können, müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden. Denn vor allem die Bauordnung stellt den privaten Investoren bei der kooperativen Baulandentwicklung ein erhebliches Hindernis dar. „Immer mehr gesetzliche Vorschriften machen das Bauen immer teurer. Wirtschaftlichkeit ist aber nun einmal Grundlage privater Bautätigkeit. Den Preis für diese verfehlte Baupolitik zahlt am Ende die breite Mittelschicht“, kritisiert Eder.

IHK fordert flächendeckendes Gewerbeflächeninformations- system

Während die Wohnungen auf der einen Seite immer knapper werden, fehlt es auf der anderen Seite aber auch vermehrt an Gewerbeflächen. Hierzu forderte die IHK ein flächendeckendes Gewerbeflächeninformationssystem. „Wirtschaft braucht Platz. Deshalb benötigt Berlin ein Gesamtkonzept für seine Industrie – und Innovationsstandorte“, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Angesichts der Flächenknappheit sieht die IHK vor, die Ränder des Tempelhofer Felds, der Schönerlinder Straße oder der Elisabeth-Aue zu bebauen.

Dem Land Berlin kommen diese Maßnahmen sehr entgegen, denn gerade jetzt besteht Handlungsbedarf, um die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen. Noch ist die Hauptstadt ein attraktiver Standort für viele Unternehmen. Doch wenn Firmen keine Gewerbeflächen sowie bezahlbare Unterkünfte für ihre Angestellten finden, könnte sich dies bald ändern. (dn)

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