In Berlin wurden 2017 gut 20 Prozent mehr Wohnungen gebaut als im Jahr zuvor | Foto: pixabay.com

Wohnungsbau: Der Bedarf bleibt trotz Zuwachs

In Berlin wurden 2017 gut 20 Prozent mehr Wohnungen gebaut als im Jahr zuvor. Dennoch ist die Entwicklung im Wohnungsbau „noch nicht bedarfsgerecht“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg e.V., Dr. Robert Momberg. Damit reagierte er auf die Bekanntgabe der Anzahl der Wohnungsfertigstellungen 2017 in Berlin durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Momberg weiter: „Die Versäumnisse der Vergangenheit, insbesondere was die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum anbelangt, haben zu einer Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt geführt, die entschieden verbessert werden sollte.“

2017 wurden in der Hauptstadt 12.785 Wohnungen fertiggestellt. Im Vergleich zu 2016 ein Zuwachs von 20,5 Prozent. Die Zahl der Berliner Einwohner stieg dabei 2017 gegenüber 2016 um 1,1 Prozent. Zwar harmonierte die Wohnungsbauentwicklung damit rein rechnerisch durchaus mit der Bevölkerungsdynamik. Um jedoch den wachsenden Einwohnerzahlen insgesamt gerecht zu werden, hätte deutlich mehr Wohnungen gebaut werden müssen.

Bedarfsprognose für Wohnungsbau nicht erreicht

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hatte im Vorjahr eine Bedarfsprognose ermittelt, wonach jährlich 20.000 neue Wohnungen bereitgestellt werden müssten, um sowohl der Bevölkerungsentwicklung als auch dem hohen Nachholbedarf Schritt zu halten. Die Zahlen der in 2018 bislang erteilten Genehmigungen zur Schaffung von Wohnraum „zeigen, dass der Wohnungsbau in Berlin auch im laufenden Jahr noch von einer bedarfsgerechten Entwicklung entfernt ist“, sagt Momberg.

Angesichts des Wohnraummangels wird das Wohnen immer teurer. Die durchschnittlichen Nettokaltmieten stiegen in Berlin innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 40 Prozent an. Die Immobilienpreise zogen ebenfalls an – für Eigentumswohnungen um 54 Prozent, bei Häusern sogar um 65 Prozent.  Die Kaufwerte für Bauland haben sich von 2016 auf 2017 mit einem Plus von 150 Prozent mehr als verdoppelt. Auch die Kosten für Personal, Baumaterial, Energie, Transporte, Deponiegebühren, Planung und Architektenleistungen haben sich verteuert, mit  entsprechenden Auswirkungen auf die Erstellungskosten für Wohnungen. Die haben sich, gemessen an den Baukosten für einen Quadratmeter Wohnraum, 2017 relativ zum Vorjahr um fünf Prozent erhöht.

 

Berlin braucht jährlich 20.000 neue Wohnungen | Foto: pixabay.com

Berlin braucht jährlich 20.000 neue Wohnungen | Foto: pixabay.com

 

Warnung vor weiteren Verwerfungen

Wenn dieser Entwicklung nicht konsequent in Form der zügigen Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Einhalt geboten werde, ist gerade in Städten wie Berlin mit seiner hohen Anziehungskraft mit weiteren Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt zu rechnen, so die Warnung des Bauindustrieverbandes. „Die Politik in Berlin hat das Wohnungsproblem erkannt. Wir fordern, dass alle bestehenden Programme und Förderinstrumente zur Schaffung von Wohnraum gerade im unteren Preissegment umgesetzt und darüber hinaus weitere Anstrengungen unternommen werden, die den Wohnungsbau in Berlin weiter ankurbeln, um das Wohnungsproblem innerhalb der nächsten Jahre positiv zu lösen“, so der Appell des Hauptgeschäftsführers Momberg. (hf)

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