Die Zeile in der Uhlandstraße: Ein Musterbeispiel für dringend benötigte Stadtreparatur | Foto: Patzschke & Schwebel

Wohnraumverhinderer am Werk – Diesmal: Das Uhland House

KOMMENTAR

Berlin wächst jährlich um die Größe einer mittelgroßen Kleinstadt, Wohnraum wird knapp, Mieten und Preise explodieren. Dieser Sachverhalt ist allgemein bekannt und auch hitzig diskutiert worden. Doch offensichtlich ist die Not immer noch nicht groß genug. Denn es lässt sich nicht anders erklären, dass politische Entscheider Wohnraumverhinderung nach wie vor praktizieren und Bauträger massiv bekämpft werden.

Nur einer von vielen, aber ein aktueller Fall ist das geplante Uhland House. Wer die Ecke an der Uhlandstraße/Berliner Straße kennt, wird sofort wissen, um welches Areal es geht. An der Uhlandstraße drängen sich mehrere Imbissbuden in dem einstöckigen und schlauchartigen Gebäude, das eine Tiefe von maximal drei Metern aufweist. Hinter dem Gebäude ragt eine riesige Brandwand der benachbarten Altbauten empor. Um die Ecke, in der Fechnerstraße 7, schließt sich ein siebenstöckiges Wohngebäude an. Das gesamte Areal wirkt heruntergekommen und aus der Zeit gefallen, bestenfalls ein Provisorium.

60er Jahre Bau: Das Bestandsgebäude in der Fechnerstraße 7 | Foto: Patzschke & Schwebel

Umfassende Stadtreparatur an einem maroden Standort

Das Unternehmen Krieger + Schramm will sich nun der Herausforderung stellen und plant eine umfassende Stadtreparatur sowie die – noch wichtigere – Schaffung von 79 zusätzlichen Wohnungen auf dem komplizierten Grundstück. Die Planungen sehen den Abriss der Gebäude vor, die aus Gründen der Schadstoffbelastung und Energiebilanz nicht mehr sanierungsfähig sind. Aktuell laufen Gutachten, die zwar noch nicht ganz abgeschlossen sind, aber schon jetzt eine Asbestbelastung ermitteln konnten. Typisch für in den 60er Jahren errichtete Gebäude.

Der Entwurf von Patzschke & Schwebel, den Architekten für das geplante Uhland House, schlägt eine Blockrandbebauung vor, die das Stadtbild an der Stelle heilen soll. Um Wohnraum in dem Schlauch an der Uhlandstraße bauen zu können, ist eine Überbauung des öffentlichen Raums, also des Gehwegs, erforderlich. Nur so ist eine sinnvolle Umsetzung von Wohnungsbau an dem Standort überhaupt möglich. Im Übrigen befinden sich zahlreiche ähnlich gestaltete Arkaden in unmittelbarer Nähe des Standorts und über ganz Berlin verteilt, wie auch in der Leipziger Straße oder Friedrichstraße. Der Gehweg müsste also mit einer Arkade überbaut werden, im unteren Bereich würden Gewerbeeinheiten, ab dem ersten Stock dann Wohneinheiten, geschaffen werden. Insgesamt verfügte das Gebäude über sieben Geschosse und wäre damit um ein Geschoss niedriger als die angrenzenden Altbauten oder das direkt gegenüberliegende Neubauobjekt. Der Innenhof soll mit Grünflächen gestaltet werden und dadurch eine ganz neue Aufenthaltsqualität bekommen. Außerdem ist eine etwa 1.000 qm große Dachbegrünung vorgesehen.

Ursprungsplanung wurde bereits mehrfach modifiziert

Seit etwa einem Jahr wurden in Abstimmungen mit der Verwaltung -ausgehend von der Ursprungsplanung (Oktober 2017)- mehrfach den Anforderungen der Verwaltung entsprochen und die Vorstellungen derselben in die Planung eingearbeitet. Dabei ist es zu mehreren Planungsänderungen gekommen, die unter anderem zu signifikanten Flächen- und Höhenreduzierungen geführt haben.

Krieger + Schramm ist ein mittelständische Unternehmen mit Sitz im thüringischen Dingelstädt, das mit dem Uhland House sein erstes Projekt in der Hauptstadt plant. Das Unternehmen setzt sich ein für seine Mitarbeiter ebenso wie für seine Kunden und zeigt großes soziales Engagement. Nicht von ungefähr wurde Krieger + Schramm in den letzten zwanzig Jahren mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter „Bauunternehmen des Jahres“, „Deutschlands bester Ausbilder“, „Zukunftspreis Thüringen“ und „Arbeitgeber des Jahres“.

Soziales Familienunternehmen auf der Suche nach Konsens

Die sozialen Fragen, die sich bei der Entwicklung des Projekts ergeben, wurden von Krieger + Schramm frühzeitig und bestimmt angegangen. Das Unternehmen engagierte eigens zu diesem Zweck einen Mediator, der gemeinsam mit der zuständigen Mitarbeiterin der Hausverwaltung das persönliche Gespräch mit jedem einzelnen Mieter gesucht hat.  Den Bestandsmietern wurde bei der Suche nach Ersatzwohnraum geholfen und Unterstützung bei allen weiteren Themen angeboten. Mit 15 der 24 Mieter konnte man bereits eine Einigung erzielen.

Das Uhland House von der Uhlandstraße aus gesehen | Foto: Patzschke & Schwebel

Das Uhland House von der Uhlandstraße aus gesehen | Foto: Patzschke & Schwebel

Die Vorhabenträger haben sich außerdem strikt zu den Vorgaben des Zweckentfremdungsverbots bekannt. In dem neuen Uhland House sollen 24 Wohnungen zu einem Mietpreis von 7,92 Euro pro Quadratmeter entstehen. Für die restlichen 79 Wohnungen schließt Krieger + Schramm eine Vermietung als Ferienwohnung oder für zeitlich begrenztes Wohnen aus. Stattdessen sollen 1-3 Zimmerwohnungen für Alleinstehende, Familien und Senioren geschaffen werden. Angestrebt ist eine gemischte Hausgemeinschaft.

Vorwürfe im Stadtentwicklungsausschuss

Nun wurde das Vorhaben im Stadtentwicklungsausschuss Charlottenburg-Wilmersdorf vorgestellt und diskutiert. Abgesehen von einer feindseligen Atmosphäre, von der wohl viele Vorhabenträger in Berlin ein Lied singen können, drehte sich das Gros der Einwendungen um die soziale Frage. Wie soll mit den neun verbliebenen Mietern umgegangen werden? Laut Mirko Fiedler, Niederlassungsleiter in Berlin, ist man nach wie vor bestrebt, eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden: „Natürlich steht es auch jedem Bestandsmieter frei, nach der Fertigstellung des Gebäudes, eine der neuen Wohnungen zu beziehen.“

Das Uhland House von der Berliner Straße aus gesehen | Foto: Patzschke & Schwebel

Das Uhland House von der Berliner Straße aus gesehen | Foto: Patzschke & Schwebel

Aus Sicht einiger der Ausschussmitglieder ist das Vorhaben so nicht genehmigungsfähig, es wird unterstellt, die Bestandsmieter übervorteilen zu wollen.

Schaffung von Wohnraum gilt nicht als Argument

Es stellt sich (mal wieder) die Frage, was die Verantwortlichen aus der Politik denn wollen. 103 neue Wohnungen an einem maroden, heruntergekommenen und schadstoffbelasteten Standort sind für viele jedenfalls kein ausreichendes Argument. Eine umfassende und vorausschauende Betreuung der Bestandsmieter ebenfalls nicht. Wie viel Kompromiss- und Gesprächsbereitschaft muss ein Bauträger denn in dieser Stadt noch zeigen, um in einer öffentlichen Ausschusssitzung nicht diskreditiert und mit haltlosen Vorhaltungen überzogen zu werden?

Sicher sind soziale und baulich relevante Fragen wichtig, zu diskutieren und umzusetzen. Wenn dies jedoch umfassend berücksichtigt wird, welche Gründe gibt es dann noch, gegen die Koalitionsvereinbarung des Senats, die ausdrücklich die Schaffung von Wohnraum vorsieht, zu agitieren? Muss an dieser Stelle wirklich die Rede von Ideologie sein? Und kann man von Populismus sprechen, wenn man sieht, wie sich einige Politikvertreter verhalten?

Berlin scheitert an sich selbst

Ganz sicher kann man jedoch sagen, dass Berlin hier mal wieder daran scheitert, diese Stadt auch in Zukunft zu einem lebenswerten Ort für die Menschen zu machen. Ohne ausreichenden Wohnraum ist das kaum möglich. Selbst dann, wenn so wie an dem Beispiel des Uhland Houses, niemand geschädigt wird, setzen sich die Wohnraumverhinderer Berlins einmal mehr durch und suggerieren, sich dem Schutz der Menschen verpflichtet zu fühlen. Was für eine Ironie! (red)

 

 

 

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