Umdenken erforderlich: Hier findet am 21. September ein Wohnungsgipfel statt | Foto: pixabay.com

Wohngipfel in Berlin: Es muss ein Umdenken stattfinden!

Die grassierende Wohnungsnot in deutschen Städten wird als eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit gesehen. In den Metropolen wird Wohnen auch für Normalverdiener unbezahlbar. Kern des Problems: Es gibt vor allem in den Großstädten zu wenig Wohnungen, und es werden zu wenige neu gebaut. Es muss dringend ein Umdenken stattfinden.

Die Bedeutung und die Komplexität des Problems zeigen sich in der Teilnehmerliste des Wohngipfels in Berlin. Neben Kanzlerin Angela Merkel sind gleich vier Minister der Bundesregierung, alle Regierungschefs der Bundesländer, Vertreter der Städte und Gemeinden, mehr als ein Dutzend Verbände der Immobilien- und Wohnungsbranche, Mieterbund, Gewerkschaften und Baubranche vertreten.

Umdenken: Investoren und Architekten fordern Bebauung von Kleingartenflächen

Der Berliner Investor und Anwalt Arne Piepgras appelliert an die Politik, fordert ein radikales Umdenken und einen zielorientierten und nachhaltigen Masterplan Wohnen, der auch eine Bebauung von Kleingartenflächen in Betracht zieht. Für Andreas Becher, Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes Deutscher Architekten, ein sinnvoller Vorschlag: „Wenn wir den Mut hätten, die Kleingärten, die zu mehr als 70 Prozent im Eigentum der Stadt sind, neu zu ordnen, hätten wir Platz für mindestens 300.000 bezahlbare Wohnungen“, so Becher. „Wir bräuchten nur ein Drittel der Fläche zu bebauen, der Rest blieben Kleingärten, Frei- und Grünflächen.“

 

Arne Piepgras fordert von der Politik einen konkreten Masterplan zur Bekämpfung der Wohnungsnot | Foto: BERLINboxx

Arne Piepgras fordert von der Politik einen konkreten Masterplan zur Bekämpfung der Wohnungsnot | Foto: Selina Lindner

Vordenker Piepgras hat der Berliner Politik den Vorschlag, Kleingärten – zumindest teilweise – zu bebauen, bereits vorgelegt. Konkret schlägt Piepgras vor, die innerstädtischen Kleingartenanlagen, die sich überwiegend auf Stadtflächen befinden, nicht nur für Wohnungsbau, sondern auch für die Entwicklung von dringend benötigten Schulen und Kitas zu nutzen: „Es ist immer die Rede von den vorhandenen freien Flächen in Berlin, die für den Wohnungsbau genutzt werden sollten. Dabei wird jedoch übersehen, dass für eine Schule etwa 50.000 qm benötigt werden. Flächen in diesem Ausmaß sind in Berlin kaum noch vorhanden.“

Studie: Mehrheit der Berliner begrüßt teilweise Bebauung 

Zuspruch erhält Piepgras dabei von einer Mehrzahl der Berliner. Eine Studie hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der Menschen eine teilweise Bebauung von innerstädtischen Kleingartenflächen begrüßen wurde. Das Votum fällt umso deutlicher aus, wenn die Altersgruppen betrachtet werden, denn vor allem junge Menschen halten die Nutzung solcher Flächen als Bauland für sinnvoll.

Ein Umdenken ist substanziell: Kleingartenflächen dürfen keine heilige Kuh sein | Foto: pixabay.com

Ein Umdenken ist substanziell: Kleingartenflächen dürfen keine heilige Kuh sein | Foto: pixabay.com

„Die grassierende Wohnungsnot stellt uns alle vor große Probleme. Daher braucht es mutige Lösungsansätze. Staatliche Regulierungen wie etwa eine Mietpreisbremse bringen uns nicht weiter. Wir müssen bereit sein umzudenken und auch unbequemen Wahrheiten ins Gesicht zu blicken“, so Piepgras.

Dabei sollen die Kleingärtner keineswegs leer ausgehen. Als Alternative könnten die Laubenpieper Parzellen auf den im Umland Berlins befindlichen Stadtgütern erhalten. Auf diesen Flächen könnten soziale Quartiere entstehen, die dem Erholungsanspruch der Großstädter eher gerecht werden, als kleine Laubenpieperanlagen, die oftmals mitten in der Stadt zwischen Stadtautobahn und Hochhäusern liegen. In vielen anderen Ländern ist das schon lange Normalität: „Man sollte mal in unser Nachbarland Dänemark schauen. Die Menschen besitzen dort Parzellen außerhalb der Stadt, oft direkt am Meer. In Kopenhagen selbst wird man vergeblich nach innerstädtischen Kleingartenflächen suchen“, so Piepgras.

Bebauungsstudie: Stadtquartier mit 15.000 Wohnungen könnte entstehen

Exemplarisch ließ Piepgras durch den renommierten Architekten Rainer Michael Klotz eine Bebauungsstudie für die Anlage am Spandauer Damm durchführen.

Dort könnte ein eigenständiges Stadtquartier entstehen, ein neuer Kiez, der alles enthält, was die Bewohner benötigen: Wohnungen, Kitas, Schulen, Sportplätze, Grünflächen, Spielplätze, Lofts, Büros, Arztpraxen, Jugend- und Freizeiteinrichtungen, Gewerbe und Gastronomie. Neben der Infrastruktur könnten dort mehr als 15.000 Wohnungen entstehen.

„Solche Anlagen würden eben nicht nur Wohnraum bieten, sondern auch Parkanlagen und Grünflächen, die einen sicher höheren Beitrag für die Lebensqualität in der Stadt leisten würden als Laubenpieperanlagen und im Übrigen für alle Menschen, nicht nur für die Kleingärtner, nutzbar wären. Man muss sich nur einmal die Zahlen ansehen und Prioritäten setzen. 15.000 Wohnungen gegenüber einigen Gartenlauben“, sagt Piepgras.

Wohnungsnot: Appell an die Politik

Piepgras denkt in dem Zusammenhang nicht an den eigenen Profit, denn die Kleingartenflächen gehören der Stadt und sollten von landeseigenen Wohnungsbauunternehmen bebaut werden – was auch die Schaffung von dringend benötigtem günstigem Wohnraum ermöglichen würde. Vielmehr ist es dem Unternehmer wichtig, Perspektiven aufzuzeigen

„Ich appelliere an die Vertreter der Politik und auch an die Bewohner unserer Stadt. Die auf dem Wohngipfel besprochenen Vorschläge sind unzureichend. Die Wohnungsnot in den deutschen Städten wird sich in Zukunft dramatisch entwickeln. Wenn wir nicht heute die Weichen stellen für eine sinnvolle Nutzung von städtischen Flächen, wenn wir es nicht wagen, über den Tellerrand hinauszublicken, dann sehen wir uns in wenigen Jahren mit einer Situation konfrontiert, die sich nicht mehr zurückdrehen lässt,“ so Piepgras. (sl)

 

 

 

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