Wissen was kommt: Migräne-Therapie mit der M-sense App. | Foto: M-sense / Johannes Windolph

Wissen was kommt: Migräne-Therapie mit der M-sense App

Kann eine Smartphone-App dazu beitragen Kopfschmerzen, speziell starke Migräne-Anfälle, zu lindern? Bereits 2013 stellte sich der Migräneforscher Dr. Markus Dahlem diese Frage als er mithilfe von mathematischen Analysen die Vorgänge von Migräneattacken belegen konnte.Seiner damaligen, von Migräne geplagten Mitbewohnerin, die erstmals sein Interesse am Thema weckte, konnte er nun auch helfen. Sie führt nun Kopfschmerz-Tagebuch mit der M-sense App.

Während anhaltende elektrische Entladungen von Nerven, den Kopf quälen, können Patienten oft weder das Haus noch ihr eigenes Zimmer verlassen. Von allem geplagt was Geräusche verursacht oder Licht verströmt, sind rund 12 Prozent der Deutschen von Migräne betroffen. Meist wurden sie jedoch nur medikamentös behandelt. Das Berliner Newsenselab-Team hat mit der Entwicklung der App M-Sense eine alternative Behandlung entwickelt, um die extremen Kopfschmerzepisoden für Betroffene vorhersehbar und vor allem kontrollierbar zu machen. Die App ist bereits ein zertifiziertes Medizinprodukt. Als erstes dieser Art, lernt der Algorithmus der App mithilfe künstlicher Intelligenz auch noch dazu und verbessert das Modell für die Benutzer somit stetig.

 

Gründungsgesellschafter der Newsenselab GmbH (vl.n.r.): Simon Scholler, Stefan Greiner, Dr. Markus Dahlem und Martin Späth. | Foto: Newsenselab GmbH / Johannes Windolph

 

Studie zur digitalen Prävention gestartet

„Unser Ziel ist es, die Kopfschmerztage der Betroffenen um mindestens 50 Prozent zu reduzieren“, erklärt CEO und Mitgründer Stefan Greiner. Um dieses Vorhaben zu fundieren, kooperieren die BARMER-Krankenkasse und die Deutsche Telekom, unter wissenschaftlicher Betreuung der Charité für ein gemeinsames Projekt. Hierzu bewerten 1.000 von Kopfschmerzen und Migräne betroffene Mitarbeiter_innen der Deutschen Telekom, ihre Erfahrungen mit M-sense für neun Monate. Die Studie soll das Potenzial der personalisierten und mobilen Migränetherapie von M-sense sichtbar machen, mit der bis zu 40 Prozent der Schmerzattacken nicht-medikamentös reduziert werden können.

Nachdem Benutzer die App mit möglichen Einflussfaktoren der eigenen Migräne gefüttert haben, beobachtet und analysiert M-sense das Krankheitsbild. Anhand mathematischer Modelle warnt M-sense anschließend vor Trigger-Faktoren. Ziel ist es nicht nur die Häufigkeit der Attacken langfristig zu verringern, sondern auch ein individuell abgestimmtes Therapiemodell zu erstellen. Durch Entspannungs- und Bewegungstraining sowie präventive Maßnahmen kann nachgewiesen sogar der Medikamentenkonsum der Migränepatienten reduziert werden. Die von der App automatisch festgestellten Wetterverhältnisse und weitere äußere Einflussfaktoren tragen zum sogenannten Biofeedback der Patienten bei.

 

Nach der Eingabe möglicher Einflussfaktoren der eigenen Migräne, warnt die App anschließend vor Trigger-Faktoren. | Foto: M-sense

 

Arznei durch M-sense Analyse

Im Zuge etlicher Datenskandale der Plattformen und Apps von Internetriesen und kleineren Anbietern, deren Nutzungen erst möglich sind, wenn man der Speicherung und Weiterverwendung jeglicher eigener Daten zustimmt, ist das Konzept von M-sense bereits fortschrittlicher. „Wir werden [mithilfe der Patientendaten] neue biologische Zyklen ausmachen können. Man muss Patienten jedoch auch davor schützen, dass ihre Daten ungenutzt bleiben. Daten sind der Schlüssel zur personalisierten Therapie“, so Dahlem. Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten.

 

Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten. | Foto: M-sense / Johannes Windolph

Benutzer können selbst entscheiden ob sie ihre Daten zur Analyse auf dem Handy lassen, oder mit dem Server synchronisieren möchten. | Foto: M-sense / Johannes Windolph

 

Was bei Kopfschmerzen und Migräne beginnt soll sich mit den mathematischen Analysemodellen auch auf andere chronische Krankheiten übertragen lassen. Das vierköpfige Gründerteam von Newsenselab macht es sich zum erklärten Ziel, chronische Krankheiten für Betroffene kontrollierbar zu machen. Sodass diese sie nicht in wiederholtem Maße im Alltag außer Gefecht setzen. (cn)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.