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Wie steht es um die Berliner Wirtschaft?
In ihrer gemeinsamen Konjunkturumfrage holten die IHK Berlin und die Handwerkskammer Berlin ein Stimmungsbild der Berliner Wirtschaft ein. | Foto: Geschäft Foto erstellt von pressfoto - de.freepik.com

Wie steht es um die Berliner Wirtschaft?

21. Oktober 2021

In einer gemeinsamen Konjunkturumfrage unter Berliner Unternehmen und Handwerksbetrieben holten die IHK Berlin und die Handwerkskammer Berlin ein Stimmungs- und Zahlenbild der lokalen Betriebe ein. Ihr Ergebnis: Die Wirtschaft erholt sich – doch Lieferengpässe, steigende Preise und fehlende Fachkräfte bremsen eine noch schnellere wirtschaftliche Erholung.

Auswirkungen mit langfristigen Folgen

Wäre die Berliner Wirtschaft eine Achterbahn, befänden sich ihre Wagen nach einer rasanten Abfahrt wieder auf einem beschwerlichen Anstieg. Die konjunkturelle Dynamik Berlins hat im Herbst an Fahrt gewonnen. Das zeigt sich in vielen Branchen, die einen Erholungskurs verzeichnen können. Doch nicht alle können an das Vorkrisen-Niveau anschließen. Die Krise hat ihre Spuren hinterlassen – insbesondere bei der Veranstaltungs- und Beherbergungsbranche. Sie haben die pandemischen Auswirkungen wirtschaftlich noch nicht überwunden.

Hinzu kommen noch weitere Folgeeffekte der Krise. Die in der Krisenzeit ungeplanten Ersparnisse führen zu einer erhöhten privaten Nachfrage von Waren. Diese trifft auf eingeschränkte Produktionskapazitäten, die durch die Lieferengpasse entstanden sind. Für Unternehmen sind zudem die steigenden Rohstoff- und Energiepreise eine gegenwärtige und zukünftige große Herausforderung.

Das Ganze in Zahlen

Schaut man auf den Geschäftsklimaindex ist zu erkennen, dass dieser sich zum dritten Mal in Folge erholt und auf 125 Punkte stiegt. Damit liegt er zwar unter den Höchstwerten der Vor-Corona-Zeit, aber deutlich über dem Wert im Herbst 2020 (106 Punkte). Der Index berechnet sich aus den Angaben zur aktuellen geschäftlichen Lage des befragten Unternehmens und den Erwartungen für das kommende Jahr. Wie steht es um die Investitionsaktivitäten? Dort liegt der Wert mit 37 Punkten sogar über dem von 2019, also vor Beginn der Krise.

Auch der Arbeitsmarkt bleibt weiter in Bewegung. Da, wo Unternehmen verstärkt einstellen wollen, fehlen die geeigneten Mitarbeiter*innen. Der wachsende Mangel an Fachkräften droht die wirtschaftliche Erholung zu bremsen. Mehr als 52 Prozent der Unternehmen sehen hierin eine Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung, so die Konjunkturumfrage. Dies gilt aktuell zum Beispiel in der Gastronomie.

Kritische Stimmen von der IHK Berlin und der Handwerkskammer Berlin

„Die gute Nachricht ist: Die Erholungstendenzen setzen sich fort. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass wirtschaftliches Wachstum kein Selbstläufer wird. Die Politik muss einen klaren Fokus auf die Wirtschaft setzen: Es darf keinen weiteren Lockdown für Geimpfte und Genesene geben, weitere finanzielle oder bürokratische Belastungen müssen ausbleiben und die Verwaltung gehört endlich auf moderne und funktionierende Füße gestellt. Nicht zuletzt fordern wir die Landesregierungen dazu auf, sich für eine länderübergreifende Fachkräftestrategie im Rahmen eines Metropolraummanagements von Berlin und Brandenburg einzusetzen. Ein Schwerpunkt hierbei muss Nachwuchsqualifizierung sein, damit Betriebe und Jugendliche besser zur dualen Ausbildung zusammenfinden.“ merkt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin an.

Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin betont überdies ist tragende Rolle des Berliner Handwerks für die lokale Wirtschaft:Die Berliner Handwerkerinnen und Handwerker sehen wieder positiver in die Zukunft. Nach wochenlangem Stillstand in einigen Betrieben durch Corona geht es Schritt für Schritt aufwärts. Die Geschäfte laufen aktuell sehr viel besser, als von den Betrieben noch im Frühjahr dieses Jahres erwartet wurde. 86 Prozent der Handwerksbetriebe sind zufrieden oder bewerten ihre aktuelle Lage als gut. Auch deswegen sucht das Handwerk in Berlin neue Mitarbeiter: Jeder dritte Handwerksbetrieb will Beschäftigung aufbauen! Der Optimismus wäre sicherlich noch größer, gäbe es nicht die Engpässe bei der Materialbeschaffung und Probleme in den Lieferketten. Steigende Rohstoff- und Energiepreise gehen auch am Berliner Handwerk nicht spurlos vorbei. Schlussendlich bleibt der positive Blick nach vorn. Die Krisen der letzten 20 Jahre haben gezeigt: Das Berliner Handwerk kann Krise und hält die Stadt am Laufen.“

Es geht aufwärts, aber nicht für alle. Denn es liegen noch einige Herausforderungen auf dem Weg dorthin vor den Unternehmen. (kk)