Erste Lockerungen nach dem Shutdown nur mit strengen Hygieneregeln möglich
Erste Lockerungen nach dem Shutdown nur mit strengen Hygieneregeln möglich | Foto: Bild von Juraj Varga auf Pixabay

Wie sollte der Weg aus dem Shutdown aussehen?

Kleine Geschäfte dürfen wieder öffnen – unter der Voraussetzung von strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Zudem beschloss der Berliner Senat heute auch die so oft geforderte Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr. Doch der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ZIA kennt noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten für Lockerungen nach dem Shutdown.

Wie retten man die Wirtschaft ohne Menschenleben zu gefährden?

Das ist die große Frage, die uns aktuell beschäftigt. Laut Virologen ist die Gesellschaft noch am Anfang der Corona-Krise. Die Gewerbebranche leidet allerdings bereits massiv unter den Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2. Selbst milliardenschwere Konzerne fordern Unterstützung vom Staat. So hat beispielsweise H&M Kurzarbeitergeld beantragt. Wie soll in einer solchen Situation das kleine Geschäft von nebenan überleben? Auch der Staat kann nur gewisse Zeit mit Soforthilfepakten seine geschätzten Mittelstandsunternehmen vor der Insolvenz retten. Demnach wächst der Druck, einen Weg aus dem Lockdown zu finden. Seit Wochen diskutieren Politiker wie der Spagat zwischen Rettung der Wirtschaft und Eindämmung des COVID-19 Virus gelingen kann. Dabei stehen sie im stetigen Kontakt mit Medizinern und Experten der Wissenschaft.

Trotzdem finden sich Kritiker zu den bisherigen Lockerungsmaßnahmen. Laut dem Zentralen Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) brauche Gesellschaft und Wirtschaft noch mehr Einbindung anderer fachlicher Erfahrung. Neben dem derzeitigen Expertenteam der Regierung könne man ebenso auf Handels- und Wirtschaftsimmobilien spezialisierte Verbände hinzuziehen. „Diese Kommission könnte sich fachlich mit der vielkritisierten Regel zur Öffnung von Läden nur bis 800 Quadratmetern und den noch immer sehr unterschiedlichen Handhabungen von Sortimenten und Abstandsregelungen der Besucher befassen. Dies würde zudem zu einer massiven Stabilisierung der Wirtschaftsleistung Deutschlands führen, einen besser kontrollierbaren Weg zurück in die Normalität ermöglichen und mehr Verständnis in der Bevölkerung angesichts der massiven Grundrechtseingriffe schaffen.“ erklärte ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner.

Weg aus dem Shutdown: Betriebe entlasten und Hygiene fördern

Zum Beispiel rät der ZIA statt „ruinösen Rabattschlachten“, eine vorübergehende Halbierung der Mehrwertsteuer zu nutzen. Die Steuern würden die Betriebe dann nach gewisser Zeit zurückzahlen, wobei man ein Teil auch erlassen solle.  „Der Einzelhandel käme auf diese Weise zu mehr Liquidität, um sein wirtschaftliches Überleben und damit Arbeitsplätze und Vielfalt in den Innenstädten zu sichern“, erklärte Iris Schöberl, Vorsitzende des ZIA-Ausschusses Handel.

Des Weiteren fordert der Immobilienausschuss eine Ausweitung der Hygieneregeln. So sollten neben den häufig vorhandenen Schutzwänden von Kassierern auch eine Pflicht zur Einhaltung der „Anzahl pro Person pro Quadratmeter“-Regel gelten. Sprich die Ladenbetreiber müssen darauf achten, dass sich in 20 Quadratmeter nur eine Person befindet. Zusätzlich müsse die ständige Reinigung von Berührungspunkten wie Türklinken gewährleistet sein.

Auch die KfW-Förderung weist aus Sicht der ZIA noch Mängel auf. Obwohl Handelskonzerne bereits von der Unterstützung profitieren, greift das Programm häufig nicht bei Immobilienunternehmen. „Es wäre hilfreich, wenn diese Unternehmen Kredite für Betriebsmittel erhalten, um damit etwaige bauliche Umstrukturierungen vorzunehmen, denn Corona wird die Handelslandschaft verändern und größere Anpassungsbedarfe nach sich ziehen“, erklärte Schöberl die Forderung.

Mieten werden sinken

Das Analyseunternehmen bulwiengesa wagt erste Annahmen über mögliche Auswirkung der Krise auf den Einzelhandel. Umsatzeinbüßen sind in den meisten Betrieben kaum zu vermeiden. Um trotzdem einen Gewinn zu erzielen, werden Kosten an jeder Stelle gespart. Da Betriebe langfristig kaum Personal- und Warenbeschaffungskosten reduzieren können, werden die Mieten sinken, vermutet bulwiengesa. „Zweifellos sollten Vermieter den Einzelhändlern entgegenkommen. Im anderen Fall könnte ihnen sonst ein länger anhaltender Leerstand drohen, da Belegungsalternativen zunächst kaum vorhanden sind.“, erläuterte Joseph Frechen Bereichsleiter Einzelhandel und Niederlassungsleiter Hamburg. „Auch die in der Vergangenheit stark favorisierte Gastronomie ist zumindest keine Alternative mehr. Allerdings sind Vermieter nicht für die Sanierung der Einzelhändler verantwortlich.“ (aak)

 

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