Weltbürger mit Kurpfälzer Dialekt
Im Filmgeschäft brauche es Risikofreude, Individualität und viel Leidenschaft, so Nico Hofmann | Foto: UFA GmbH

Weltbürger mit Kurpfälzer Dialekt

Im Gespräch mit Nico Hofmann, CEO, UFA GmbH

Nico Hofmann ist bei seinen Antworten fokussiert, schnell, präzise und offen. Seine Heimatverbundenheit macht sich nicht nur an seinem Kurpfälzischen Dialekt bemerkbar.

Kann man davon sprechen, dass Filme wieder lokaler werden?

Nationale Identität punktet. Unsere Produktionen, darunter z. B. Dresden, Die Flucht, Unsere Mütter, unsere Väter, die Kudamm-Reihe, aber auch Serien von anderen Produktionsfirmen wie Babylon Berlin oder Dark … das alles sind erfolgreiche und auch im Ausland viel beachtete Produktionen.

Also stimmt es nicht, dass der deutsche Film international fast keine Rolle spielt?

Weltbürger mit Kurpfälzer Dialekt

Deutscher Film international: Unsere Mütter, unsere Väter wurde in 148 Länder verkauft | Foto: ZDF_UFA Fiction

Unsere Mütter, unsere Väter wurde in 148 Länder verkauft. Deutschland 83/86 haben international Preise gewonnen und Zuschauer auf der ganzen Welt begeistert. Viele Filme, die fürs deutsche Fernsehen produziert wurden, laufen auf Plattformen wie Netflix oder Amazon. Man kann bestimmt sagen, dass deutsche Filme immer internationaler werden.

Wie hat sich der Film in den letzten Jahren verändert?

Der Markt hat sich internationalisiert, die Finanzierung wird immer komplexer. Es gibt neue Player, wie z. B. TVNow, aber auch junge, sehr schnell erfolgreiche Start-ups von Studenten und Jungregisseuren, die am Markt erfolgreich reüssieren. Ich verfolge das alles sehr genau, auch weil viele der Regisseurinnen und Regisseure bei mir an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert haben.

Was braucht es in diesem Business?

Es braucht Risikofreude, Individualität und viel Leidenschaft.

Was waren die größten Flops in Ihrer Karriere?

Dutschke und Der Rücktritt über die Christian Wulff-Affäre, aber nur bei der Quote.

Tut die Filmförderung genug für den Deutschen Film?

Ja, es wird viel für den Deutschen und Internationalen Film in Deutschland getan. Es gibt zahlreiche verschiedene Töpfe und das Gesamtvolumen der Filmförderung ist hoch.

Sie haben zusammen mit Ihrem Chefdramaturgen Thomas Laue ein Buch geschrieben: „Mehr Haltung bitte! Wozu uns unsere Geschichte verpflichtet.“ Darin denken Sie auch über ihre eigene gesellschaftliche Verantwortung nach.

Die innere Haltung, der innere Kompass ist in allen Themen wichtig. Wie gehe ich mit meinen Mitarbeitern um? Wie lebe ich meinen Alltag als Chef und als Bürger? Welche Filme produziere ich und wie setze ich mich mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen auseinander? Oder z. B. das Thema Klimaschutz: Auf meine Initiative hin begleitet die UFA Show & Factual in Person von Philipp Grieß und seinem Kamerateamaktuell die größte Arktis-Expedition aller Zeiten, um den Klimawandel besser zu verstehen. Wir sind als exklusiver Bewegtbild-Produzent für die gesamte Dauer der Expedition mit an Bord als Filmteam. Die Dokumentation wird im Herbst 2020im Ersten zu sehen sein.

Lieber Kino, Fernsehen oder Netflix auf dem Sofa?

Alles. Ich gehe viel ins Kino, schaue mir aber auch sonst sehr viel an, ob im Fernsehen, in der Mediathek, auf TVNow oder auf verschiedenen Plattformen. Gerade begeistert mich auf Netflix Skylines, eine Serie bei der Soleen Yusef, eine ehemalige Studentin, mit Regie geführt hat.

Welche zukünftigen Projekte stehen an?

Da gibt es einige, so z. B. Die Porsche-Saga. Das Projekt wird viel Energie benötigen. (dd)

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