Baugenehmigungen für Berlin stagnieren. | Foto: pexels.com

Weiterer Rückgang der Baugenehmigungen für Berlin

Wie das Landesamt für Statistik mitteilte, erlebte die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Quartal 2018 einen weiteren Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) verweist als Sprachrohr der Immobilienwirtschaft wiederholt auf schnellere Grundstücksvergaben und mehr Bauland. Bereits 2017 war in Deutschland ein Rückschritt beim Bau von Wohnungen erlebt worden.

Der Rückschritt bei den erteilten Wohnungsbaugenehmigungen beläuft sich ebenfalls im ersten Quartal 2018 bereits auf 19 Prozent. Diese Zahl schließt Bauvorhaben für Neubau, den Ausbau von Büro- und Gewerbeflächen für Wohnzwecke und den Bau von Eigentumswohnungen ein. Der Einbruch führt nicht nur zu einer Verschärfung der Berliner Wohnungsnot. Experten schätzen, dass die verzögerte Fertigstellung neuer Wohnungen auch  für einen weiteren Anstieg der Mieten um 12 Prozent sorgen könnte.

Durch Mieten und Mangel in einen anderen Kiez

Schon 2017 wurde als Jahr der geringsten Baugenehmigungen seit 2010 verzeichnet. Jetzt ist der Bausenat noch vorsichtiger und mit zur Verfügung gestelltem Bauland lässt er lange auf sich warten. Die 880 genehmigten Anträge auf Bauvorhaben von Januar bis März 2018, beinhalten nicht nur Wohnungsbau, sondern auch Gewerbeflächen. So sind es in Berlin ausschließlich 4325 bewilligte Wohnungen im ersten Quartal, mit denen die Wohnungsnot reduziert werden soll. In diese kann jedoch noch lange nicht eingezogen werden. Außer den Zuziehenden, sind auch Wohnungssuchende aus finanziellen Gründen betroffen, die bezahlbaren Wohnraum für den Familienzuwachs suchen. Die Wohnungssuche findet jedoch selten im eingewurzelten Kiez statt, sondern bedeutet häufig den Umzug in ein anderes Viertel. So kletterten Berliner Kaltmieten seit 2005 um 50 Prozent in die Höhe, wie Statista informiert. Alte Mietverträge mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen unter fünf Euro, werden beim Umzug durch Mietpreise von zehn Euro aufwärts ersetzt. Ein Umzug in Bezirken mit für Berlin unterdurchschnittlichen Nettokaltmieten ist nur noch in Treptow-Köpenick, Spandau und Marzahn-Hellersdorf möglich. Hier liegen die Quadratmeterpreise allgemein noch unter acht Euro.

„Es geht darum, Kostentreiber zu identifizieren, zu beseitigen und Widersprüche aufzulösen. Die Bauvorschriften müssen entschlackt und Bauen wieder einfacher, schneller und kostengünstiger werden. Nur so können wir ausreichend bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen schaffen“, so Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Der Wohnungsbau braucht mehr Baugenehmigungen. | Foto: pexels.com

Baugenehmigungen als Spiegel des Investitionsklimas

Über 1.600 Mitgliedsunternehmen aus ganz Deutschland sind im BFW vertreten, die für 50 Prozent des Wohnungsneubaus verantwortlich sind. Anlässlich der veröffentlichten Zahlen, prognostiziert der Verband einen Fertigstellungsrückgang des Wohnungsbaus auf 250.000. Jedoch hatte die Bundesregierung von mindestens 375.000 deutschlandweit benötigten Wohnungen gesprochen. Insbesondere die Immobilienlobbyisten fordern die Verfügbarkeit des dringend erforderlichen Baulandes und schnellere Verfahren.

Die Genehmigungszahlen gelten als Ausdruck des Investitionsklimas und der Bereitschaft der Wohnungsunternehmen. Die größten Investitionshürden für den Wohnungsneubau stellen die administrativen und bauordnungsrechtlichen Hindernisse sowie der Mangel an Baugrundstücken dar. Hinzu kommt die Arbeit an der Kapazitätsgrenze, die Bauunternehmen aufgrund von Fachkräftemangel erleben.

Unter Druck und im Verzug                                                                                         

„Die sinkenden Baugenehmigungszahlen des ersten Quartals zeugen von den Versäumnissen der Politik aus den vergangenen Jahren. So haben sich die politischen Rahmenbedingungen laut 60 Prozent unserer befragten Mitgliedsunternehmen im letzten Jahr verschlechtert“, kommentierte BFW-Präsident Ibel.

Linken-Politikerin Lompscher steht nun unter großem Druck behördliche Prozesse zu beschleunigen, damit Anträge zukünftig schneller bearbeitet und Wohnungen fertiggestellt werden können. Auch der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, ehemals selbst Stadtentwicklungssenator, wird sich für diese Politik verantworten müssen.

In die Höhe wachsen

Insgesamt können attraktive Wohnräume an zentralen Standorten in den kommenden Jahren nur mit zusätzlicher Verdichtung gewonnen werden. Daher wird es erforderlich sein, in die Höhe zu bauen. Denn viele möchten gleichzeitig mit Nähe zum Grünen wohnen und inmitten einer abwechslungsreichen Mischung aus Wohnblock und Freizeitaktivitäten leben. Es erscheint jetzt essentiell mit innovativen Bauvorhaben an die Arbeit zu gehen. Sodass die für eine Großstadt vergleichsweise entspannte Infrastruktur Berlins erhalten bleibt. (cn)

 

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