Besucheransturm auf Berlins Betriebe bleibt trotz Lockerung aus.
Besucheransturm auf Berlins Betriebe bleibt trotz Lockerung aus. Foto: Bild von Free-Photos auf Pixabay

Überall Existenzängste: Berlins Betriebe weiterhin im Corona-Stress

Handwerksbetriebe und Einzelhändler konnten während des Lockdowns wenig bis gar nicht arbeiten. Nun lockerte der Senat die Corona-Maßnahmen. Die Situation der Betriebe bleibt trotzdem enorm angespannt. Denn der Kundenansturm bleibt aus.

Trotz Lockerung – das Verlustgeschäft bleibt

Lange Schlangen von erwartungsvollen Kunden, die nun alles ausgeben wollen, was sie seit Mitte März ansparten – so die Hoffnung des Einzelhandels. Seit dem 23. April dürfen, unter Einhaltung bestimmter Hygienemaßnahmen, Geschäfte wieder öffnen. Der erwünschte Besucheransturm blieb jedoch aus. So ergab eine IHK-Umfrage in Potsdam, dass ein Drittel aller Geschäfte im Einzelhandel über 50 Prozent weniger Kunden als üblich haben und jedes zehnte sogar gar keine hat.

Eine Normalisierung können sich die meisten Unternehmen frühstens nächstes Jahr vorstellen – ein Zehntel rechnet erst nach 2021 mit einer Rückkehr zu alten Umsatzzahlen.

Weniger Verkäufe – weniger Steuern

Doch nicht nur die Betreiber leiden unter dem Verlustgeschäft im Handel. Aufgrund weniger Verkäufe sind die staatlichen Steuereinnahmen zwangsläufig rückläufig. „Der dramatische Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen im April gibt leider einen Vorgeschmack darauf, wie massiv sich die Pandemie auf die Berliner Wirtschaft und die ganze Stadt auswirken wird. Die jetzt beschlossenen Lockerungen sind deshalb ein richtiger und wichtiger Schritt, wir dürfen uns aber nicht der Illusion hingeben, die Wirtschaft könne jetzt nahtlos an Vor-Corona-Zeiten anknüpfen.“, mahnte Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin. Es sei nun entscheidend, dass die Politik die Wirtschaft unterstütze. Das würde auch wieder zu einer Steigerung der Steuereinnahmen führen. Lockerungen müssen, soweit epidemiologisch vertretbar, umgesetzt werden, um einen Ausgleich zwischen sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Interessen zu schaffen. Ebenso sollte die Förderung von Innovationen nun mehr denn je im Mittelpunkt stehen – sowohl zur Wiederbelebung der Wirtschaft als auch zur Vorsorge für die Zeit nach der Pandemie, so Kramm weiter.

Das Berliner Handwerk ist nun wieder komplett arbeitsfähig – dennoch sind Verluste unausweichlich

Die Handwerkskammer Berlin (HWK) beobachtet Gleihes in ihrem Sektor: „Das Berliner Handwerk will und kann nun wieder mit ganzer Kraft arbeiten. Jetzt wird es darum gehen, Verluste zu verringern, denn Vieles ist leider nicht mehr aufholbar. Was jetzt möglich ist, werden wir angehen.“, sagte Carola Zarth, Präsidentin der HWK Berlin.

Zudem forderte die HWK, dass die Politik die Handwerksbetriebe nicht aus den Augen verlieren dürfe. Für viele Betriebe gibt auf Grund der Corona-Maßnahmen kaum bis keine Aufträge – trotz Lockerungen. So ist die Zeit beispielsweise für Messebauer katastrophal, da ohne Großveranstaltung ihre Haupteinnahmequelle wegbricht.

COVID-19 Krankenhaus ist fertig

Die gute Nachricht des Tages: Das COVID-19-Krankenhaus ist bereit. Dank der strengen Corona-Maßnahmen der letzten Wochen werden die 500 Intensivbetten auf dem Messegelände zurzeit nicht gebraucht, aber insbesondere mit Blick auf den kommenden Winter beruhigen die erweiterten Kapazitäten die Berliner enorm. Denn ohne ein Medikament oder Impfstoff ist eine zweite Welle nicht auszuschließen. „In kurzer Bauzeit von nur 4 Wochen haben wir das Corona-Behandlungszentrum gebaut. Es soll die Versorgung von Berlinerinnen und Berliner im Fall der Fälle absichern. Das hier entstandene Reservekrankenhaus kann als Vorlage für die Notfallplanung in einer Pandemielage dienen. Denn die Bilder aus Italien, Spanien und New York haben uns gezeigt, dass gut aufgestellte Krankenhaussysteme überlastet werden können.“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Falls das Krankenhaus nicht gebraucht wird, können die herkömmlichen Hospitale die Reservebetten und Geräte für ihre Intensivstationen nutzen. (aak)

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