Das Tempelhofer Feld. | Foto:© A.Savin, Wikimedia Commons

Tempelhofer Feld: Ringen um die Randbebauung

Genau vor zehn Jahre stellte der Flughafen Tempelhof seinen Betrieb ein. Am 30. Oktober 2008 startete hier das letzte Flugzeug in Richtung Mannheim. In den vergangenen zehn Jahren konnte sich der Senat jedoch auf kein Konzept für die Nutzung des riesigen Tempelhofer Feldes einigen. Nach Volksentscheiden von 2008 und 2014 steht jetzt wieder eine Randbebauung des Tempelhofer Felds auf dem Programm.

Angestoßen hatte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD) die erneute Debatte: „Die Diskussion beginnt wieder, weil der Druck wächst.“ Bis 2030 fehlen dem Land Berlin rund 194.000 Wohnungen, jedoch stehen nur Flächen für etwa 180.000 Wohnungen zur Verfügung. Anstelle der geforderten Randbebauung setzt die Rot-Rot-Grüne Koalition allerdings auf Verdichtungen. So sollen Supermarktdächer bebaut, Plattenbauten aufgestockt und Baulücken geschlossen werden.

Wirtschaft unterstützt Müller

Diese Maßnahmen sind nicht ausreichend, findet der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). „Der Wohnungsmarkt verschärft sich spürbar, wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren“, sagt BBU-Sprecher David Eberhart. Unterstützung findet seine Aussage von der Berliner Industrie und Handelskammer (IHK). „300.000 Einwohner mehr als noch vor zehn Jahren suchen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum. Eine Wirtschaft, die im selben Zeitraum um 20 Prozent gewachsen ist, sucht händeringend nach Flächen“, sagt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK. Es sei falsch, heutige Entwicklungen auf einer Faktenlage von 2008 zu diskutieren. Damals war die Situation auf dem Wohnungsmarkt vergleichsweise entspannt. „Daher gehört die Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit gemischten Wohnquartieren auf die politische Tagesordnung“, fordert Eden. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) plädieren ebenfalls für ein Umdenken in der Bewirtschaftung des Areals: „Trotz der rasanten Entwicklung Berlins dort nur Gras wachsen zu lassen, ist keine sehr kluge Entscheidung.“

Für den Erhalt der Grünfläche spricht sich naturgemäß die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld aus. Fast 740.000 Berlinerinnen und Berliner hätten 2014 gegen eine Bebauung gestimmt, um das Feld „für alle Zeiten als einzigartigen Ort für die Stadt, ihre Gesellschaft und Bevölkerung zu sichern“, so Michael Schneidewind, Vorstandsmitglied der Initiative. An dieser Entscheidung sei auch vier Jahre später nicht zu rütteln.

Flughafengebäude als Experimentierort

Im Gegensatz zum Feld stehen die Pläne für das ehemalige Flughafengebäude schon lange fest. „Das Flughafengebäude soll in den kommenden Jahren zu einem neuem Stadtquartier und Experimentierort werden: ein Areal voller Ideen, mit Raum zum Arbeiten und Ausprobieren, für Veranstaltungen und  vielfältige Begegnungen“, erläutert Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Zu diesem Zweck finde bereits eine intensive Bürgerbeteiligung statt. „Mit der Öffnung des Towers, der Geschichtsgalerie und dem Alliiertenmuseums wird ein touristischer Magnet entstehen“, hofft Lompscher. (ke)

 

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