Das modernste Energiekonzept für den Flughafen Tegel.

Tegel bekommt einzigartiges Energienetz

Noch ist der Airport TXL in Betrieb, doch damit soll ja in absehbarer Zeit Schluss sein. Und genau aus diesem Grund haben die Berliner Stadtwerke und der Stromversorger E.ON nun einen bedeutenden Schritt vollzogen. Gemeinsam haben sie für den am Flughafen geplanten Forschungs- und Industriestandort Urban Tech Republic und das Schumacher Quartier ein hochinnovatives Energiekonzept entwickelt. Mit dem haben sie als Bietergemeinschaft eine EU-weite Ausschreibung gewonnen. Das Areal soll künftig über ein neuartiges Niedrigtemperaturnetz mit Wärme und Kälte versorgt werden. Umweltfreundlich, nachhaltig und innovativ, so kündigte es die Bietergemeinschaft an. 60 Millionen Euro kostet dieses ausgereifte Energiekonzept für das gesamte Areal. Das Land Berlin hat für die Umsetzung die Tegel Projekt GmbH beauftragt.

Kosten sparen

Es soll eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas werden, das auch die rund 5000 Wohnungen einbezieht, die im Schumacher Quartier entstehen sollen. Es ist geplant, diese neuen Wohnungen technisch so auszustatten, dass sie mit dem neuen Wärmenetz korrespondieren. Das sogenannte Low-Exergie-Netz (kurz: LowEx-Netz) hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber klassischen Fernwärmenetzen. Es arbeitet mit einer niedrigeren Betriebstemperatur. Dadurch können Wärmeverluste reduziert werden, also auch Kosten. Im Winter wird das Wasser nur auf 40 Grad anstatt auf 120 Grad erhitzt. Im Sommer reichen 20 Grad. So können die angeschlossenen Labor- und Bürogebäude mittels Wärmepumpen die für sie optimalen Temperaturen herstellen. Die Jahreskosten sollen laut Projektbetreiber für Abnehmer von LowEx-Wärme bei Berlin TXL deutlich unter denen vergleichbarer Fernwärmesysteme liegen.

Netz soll Energie aus Solaranlagen, Kraftwerken, Geothermie und Abwasserwärme vereinen

Außerdem kann überschüssige oder selbst erzeugte Energie, beispielsweise Energie aus erneuerbaren Quellen oder Produktionsabwärme von Gewerbe- und Industriebetrieben, dem System zugeführt werden. Jeder Kunde ist also zugleich auch Produzent. „In der geplanten Größenordnung ist das LowEx-Netz weltweit einzigartig“, sagte Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH. Mit einer Länge von zehn Kilometern sei das Wärmenetz das nachhaltigste Energiesystem, das wir kennen. 80 Prozent der gelieferten Wärme stamme aus erneuerbarer Energie. Man wolle mit der Kohlendioxid-Reduktion so „nah an die Null wie es geht“, betonte Bouteiller. Das ist ein sportliches Ziel – aber so ist Berlin halt.

Ein Leuchtturm-Projekt

Bis 2050 will sich die Hauptstadt zur klimaneutralen Metropole wandeln. Ein Mammutprojekt, wie in Tegel, muss da natürlich die Vorreiterrolle übernehmen. So sieht es auch Jörg Simon, Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. Als kommunales Unternehmen setze man auf einem für Berlin sehr bedeutsames und emotional besetztes Gelände ein Energiekonzept mit Leuchtturmcharakter um. Für diesen Plan gibt es allerdings eine unabdingbare Voraussetzung: der Flughafen Berlin Brandenburg muss fertig werden. Bisher hält BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup am Termin fest: Im Oktober 2020 soll der neue Flughafen eröffnen.

Baubeginn in drei Jahren

Ein halbes Jahr nach der BER-Eröffnung soll Tegel geschlossen werden. Der Baubeginn ist demnach im Sommer 2021, man rechnet mit einer Bauzeit von drei bis fünf Jahren. Die Bietergemeinschaft ist sehr optimistisch und motiviert. Allein schon der Zuschlag durch das Land Berlin beweise, dass „klimafreundliche Lösungen sich auch wirtschaftlich durchsetzen können, wenn sie intelligent und innovativ entwickelt“ würden. „Für uns ist es das erste Netz einer völlig neuen Generation und ein wichtiger Schritt für die kommunale Energiewende“, sagte E.ON Vorstandsmitglied Karsten Wildberger.

Abschied nehmen

Für Tegel-Fans und Nostalgiker sieht es wahrscheinlich immer düsterer aus. Nicht nur das Abgeordnetenhaus stimmte im Juni für eine Schließung von TXL. Auch die FDP zögert. Wer weiß, ob die Liberalen noch mit einer Klage beim Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin dem Volksentscheid zur Durchsetzung verhelfen wollen. (kh)

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