Beiträge

Trotz steigenden Mietpreisen – Der Berliner Immobilienmarkt boomt

Die Attraktivität Berlins als Wohn- und Arbeitsort steigt von Jahr zu Jahr. Auf dem Weg zur Metropole wächst die Stadt Jahr für Jahr, besonders in den letzten fünf Jahren stieg die Bevölkerung jedoch sprunghaft an. Aktuell steigt die Einwohnerzahl jedes Jahr um 40.000 Menschen. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach bezahltem Wohnraum. Wer sich jedoch heute in Berlin nach preisgünstigen Wohnungen umschaut, wird nur wenig Glück haben. Denn die Hauptstadt hat derzeit mit drastisch steigenden Mieten zu kämpfen. Auch die Leerstandsquote sinkt weiterhin auf 1,6 Prozent.

Nichtsdestotrotz hält der Boom auf dem Immobilienmarkt aufgrund des wachsenden Nachfrageüberhangs für Wohnimmobilien weiterhin an. Um den Bedarf an Wohnraum und auch an Arbeitsstätten decken zu können, sind bereits mehrere Projekte geplant. So hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen das Wohnungs- und Städtebauprogramm Wachsende Stadt initiiert. Dieses beinhaltet den Bau von 14 Stadtquartieren.

Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht

Trotz der steigenden Preisen bleibt die Nachfrage nach Wohnraum, aber auch nach Bürofläche ungebrochen. Vor allem wollen immer mehr Start-up Unternehmen ihren Standort nach Berlin verlegen. Denn die Hauptstadt verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, ein großes Flächenangebot und ein breites Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften.

„Dass eine Vielzahl an großen Unternehmen derzeitig darüber nachdenken, ihre Zentrale nach Berlin zu verlagern, ist in dieser Dimension neu für die Stadt. Es unterstreicht aber wie dynamisch der Standort mittlerweile von nationalen wie internationalen Firmen gesehen wird“, so Jan-Niklas Schroers, Associate Director und Teamleader Office Agency bei Savills Berlin.

 

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

Die Nachfrage nach Bürofläche bleibt weiterhin hoch. Immer mehr Start-ups wollen sich in Berlin niederlassen. | Foto: pixabay.com

 

Wohnen auch außerhalb des S-Bahn-Ringes wird gefragter

Infolge der sinkenden Leerstandquote und den steigenden Mietpreisen ziehen immer mehr Menschen in den Berliner Speckgürtel um. Auch Randlagen rund um den S-Bahn-Ring rücken immer mehr in den Fokus.

„Für große, namhafte Mieter kommen immer mehr auch Lagen um den S-Bahn-Ring infrage. Hier können sie noch für 15 bis 20 Euro Flächen mieten anstatt die Spitzenmietpreise in den besten Lagen zahlen zu müssen“, erklärt Schroers.

Für den Berliner Markt wird 2019 etwas Entlastung erwartet

Aufgrund der Flächenpipeline könnte sich der Berliner Markt ab 2019 etwas erholen. So geht aus dem Büromarktbericht des Immobilien-Dienstleistungsunternehmens Savills hervor, dass im kommenden Jahr knapp 500.000 m² neue Bürofläche entstehen soll. 2020 sind sogar 700.000 m² geplant. „Durch die zu erwartende Entwicklung im kommenden Jahr dürfte das Mietpreiswachstum – je nachdem wie sich die Nachfrage entwickelt – in der Folge verlangsamen“, sagt Christian Leska, Managing Director Office Agency bei Savills in Berlin.

 

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

Flächenpipeline könnte Berliner Markt entlasten | Quelle: Savills

 

Darüber hinaus will Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, nun den Wohnungsbau weiter ankurbeln. So will Lompscher die Zahl der Stadtquartiere von 11 auf 14 erhöhen. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 rund 42.000 neue Wohnungen gebaut werden. (dn)

Wohnraummangel: Nachfrage im Berliner Umland boomt

Nach wie vor wächst Berlin rasant, die Wohnraumnot nimmt immer weiter zu. Kürzlich wurde bekannt, dass Berlin die Stadt mit dem höchsten Anstieg bei Miet- und Kaufpreisen ist – und das weltweit!

In der Folge ist die Nachfrage nach Wohnungen im Berliner Speckgürtel innerhalb der letzten fünf Jahren dramatisch gestiegen.

Die Not auf dem Wohnungsmarkt

Die Mietpreise haben sich mancherorts in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt und für viele ist angemessener Wohnraum kaum noch bezahlbar. 2016 haben die Berliner Behörden rund 30.000 Menschen ohne Wohnungen in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Berlins Sozial-Staatssekretär, Alexander Fischer, schätzt, dass die Zahl im vergangenen Jahr um 50.000 zugenommen hat.

Angesichts der Umstände, die sich auf dem Wohnungsmarkt zunehmend verschlechtern, setzten rund 13.000 Menschen Mitte April ein starkes Zeichen. Unter dem Motto „Widerstand – gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ hatten 254 Initiativen und Organisationen zum Protest aufgerufen. Tausende Menschen schlossen sich dem Aufruf und forderten Kurskorrekturen von Politik und Wirtschaft.

Boomender Speckgürtel in Berlin

Aufgrund dieser Entwicklungen, ist es die logische Folge, dass die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern im Berliner Umland erheblich gewachsen ist.  Denn hier sind die Preise – noch – wesentlich niedriger. Laut einer immowelt-Studie ist das Interesse am Berliner Umland in den letzten fünf Jahren um 311 Prozent angestiegen. Damit liegt die Hauptstadtregion deutschlandweit auf Platz 1.

„Aktuell werden in Berlin Eigentumswohnungen und Häuser für mehr als 3.370 Euro pro Quadratmeter im Median angeboten – und somit 79 Prozent teurer als noch 2011. Das Umland lockt hingegen mit vergleichsweise preiswerten Immobilien von 2.280 Euro“, heißt es in der Studie.

Berlin braucht bis 2030 117.000 Wohnungen mehr

Berlins Bevölkerungszahlen werden auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Die aktuelle Bevölkerungsprognose der Stadtentwicklungsverwaltung geht davon aus, dass bis 2030 rund 181.000 Einwohner mehr in der Stadt wohnen werden. Um diesen Zuwachs zu schultern, wird  Berlin bis zu 117.000 Wohnungen mehr benötigen. Es ist fraglich, ob die Hauptstadt das in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum schaffen kann. Die Zahl der Berliner, für die Gemeinden im Berliner Umland eine attraktive Alternative sind, wird folglich ebenfalls weiter wachsen. (dn)

Veranstaltungen

Mehr bezahlbarer Wohnraum durch mehr Markt – genial oder irreal?

Lange Jahre hat das Thema bezahlbarer Wohnraum eine untergeordnete Rolle in der gesellschaftspolitischen Debatte in Deutschland gespielt. Prognosen zum demografischen Wandel und vergleichsweise moderate Mietpreissteigerungen rückten das Thema aus dem Focus. Heute bezeichnen Politiker aller Couleur die Wohnungsfrage als die aktuell wichtigste sozialpolitische Herausforderung. Über die Diagnose herrscht breiter Konsens, über die Therapie dagegen weitgehend Dissens. Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium propagieren in einem wegen seiner radikalen Forderungen viel beachteten Gutachten mehr Markt als den richtigen Weg zu mehr bezahlbarem Wohnraum. Andere Experten fordern mehr staatliche Interventionen, auch in Bereichen, die seit Jahren in der politischen Diskussion tabuisiert wurden, Bodenpolitik zum Beispiel. Im Difu-Dialog soll es daher um weitere Möglichkeiten der Wohnungspolitik – zwischen Rückbesinnung und Pragmatismus – gehen.