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Geringeres Bevölkerungswachstum in der Hauptstadt – Berlin ist trotzdem voll

Die deutsche Metropole ist mit seinen vielfältigen Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten ein bedeutender Anziehungsmagnet für Zuziehende aus dem In- und Ausland. Da hilft es nicht gerade, dass die Hauptstadt schon seit Jahren überfüllt ist und mit dem Wohnungsbau nicht hinterherkommt.

Allerdings zeigte sich bei der Fachtagung Bauen und Wohnen des Statistischen Landesamts am Montag im Roten Rathaus, dass Berlin doch nicht mehr so stark wächst wie gedacht. Bis Mitte des Jahres 2019 ist die Bevölkerungszahl der Stadt mit 7.814 mehr Berlinern lediglich um 0,2 Prozent auf knapp 3,6 Millionen Menschen angestiegen. Damit erscheint die Prognose des Senats für das Jahr 2030 mit circa 3,83 Millionen Einwohnern zumindest aktuell nicht mehr utopisch.

Der Berliner Wohnungsmarkt braucht Atempause

Für den Berliner Wohnungsmarkt wäre es wünschenswert, wenn sich die Lage entspannen würde. Denn aktuell müssen Geringverdiener mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für die Bezahlung der Miete ausgeben. Außerdem sind die Baulandpreise in den letzten Jahren exorbitant gestiegen – seit 2008 haben sie sich vervierfacht.

Abwanderung aus der Hauptstadt, Bevölkerungswachstum in Brandenburg

In Zusammenhang mit dem geringeren Bevölkerungswachstum in der Hauptstadt steht möglicherweise die Bereinigung des Berliner Melderegisters. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in einer aktuellen Pressemitteilung angab, wurden im Zuge der Europawahlen im ersten Halbjahr 2019 3.000 weggezogene Anwohner, die sich nicht abgemeldet hatten, aus dem Melderegister gestrichen. Viel entscheidender für das geringere Bevölkerungswachstum sei jedoch eine andere Ursache – die Abwanderung in das benachbarte Brandenburg.

Während die Einwohnerzahl in der Hauptstadt um 0,2 Prozent gesunken ist, ist sie in Brandenburg genau um diesen Wert gestiegen. Dabei fallen zwei Drittel des Zuwachses auf Berlin. Die Entspannung der Wohnsituation in der Hauptstadt scheint aber nun dazu zu führen, dass die Mietpreise im Umland und Brandenburg stark ansteigen. Und nicht nur das – zunehmend verschärfen sich auch das Verkehrsaufkommen und der Kampf um Schul- und Kitaplätze durch die neu Zugezogenen.

Bevölkerungswachstum in Berlin bleibt weiterhin Thema

Wie sich zeigt ist das Thema noch nicht vom Tisch. Berlin ist zwar aktuell keine „Schwarmstadt“ mehr, allerdings ist die Hauptstadt immer noch überfüllt. Außerdem hat auch der Mietendeckel noch ein Wörtchen mitzureden. Denn der vom Senat abgesegnete Beschluss verhindert zwar das Steigen der Wohnpreise in Berlin für die nächsten fünf Jahre, macht die Stadt durch das Eindämmen der Wuchermieten aber eventuell wieder beliebter. (sz)

WerkStadtForum City West erarbeitet gemeinsame Ziele und Strukturen für die City West

Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf? Darauf möchte das WerkStadtForum City West eine Antwort finden.

Auf Initiative des Bezirks Charlottenburg Wilmersdorf, der AG City e.V., der IHK, dem VBKI und dem Werkbund startete deshalb am 09.09.2019 das WerkStadtForum City West mit der ersten Sitzung des Kuratoriums. Eingeladen wurden die Teilnehmer von Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Charlottenburg Wilmersdorf, Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City e.V. und Gottfried Kupsch Vorstand AG City e.V.

Aufbauend auf diese erste Veranstaltung fand am dann am 26.09.2019 der erste Workshop mit ca. 40 Vertretern der Stadtgesellschaft statt, zu denen auch Vertreter der Fraktionen der BVV des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gehörten. Dort sollten erste Ziele erarbeitet werden. Weitere Veranstaltungen sind für die kommenden Wochen und Monate geplant. Darüber hinaus soll im WerkStadtForum City West ein ständiger Dialog zum Thema Zukunftsgestaltung City West stattfinden, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

WerkStadtForum City West: Pläne für die Zukunft von Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf steht an einem wegweisenden Wendepunkt, an dem auf viele Fragen und Probleme Antworten gefunden werden müssen. Das Stadtleben muss für alle wieder attraktiver werden, indem die Aufenthaltsqualität zukunftsorientiert und nachhaltig verbessert wird. Jetzt kommt es darauf an, wie alle Beteiligten diese seltene Chance ergreifen und Charlottenburg-Wilmersdorf in die Zukunft führen.

Das WerkStadtForum City West hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, im Dialog mit einem fachlich vielseitig aufgestellten Teilnehmerkreis, die Bedürfnisse der Stadt in einem Workshop Format zu diskutieren, Handlungsempfehlungen für ein notwendiges Leitbild zu erarbeiten und im Anschluss konkrete Umsetzungsempfehlungen für zukünftige Bauprojekte abzuleiten.

Schwerpunkte sind neben der räumlichen Orientierung auf die City West und ihre Bedeutung für die Gesamtstadt die Themen Verkehr und Mobilität, soziale Komponenten wie Wohnen und Versorgung, Stadtraum und Stadtökologie (Freiräume und deren Funktion, Städtebau, Stadtgrün, Energie, Nachhaltigkeit) Baugeschichte und Denkmalschutz, Kultur und Medien, sowie Gewerbe, zu dem die Entwicklung der Einzelhandelsflächen, Büroflächen und die Entwicklung des Tourismus gehören. Alles wird dabei immer unter der Prämisse betrachtet, dass die Identität der Stadt nicht verloren gehen darf.

Die Workshops des WerkStadtForum City West

Zu den Workshops des WerkStadtForum City West kommen ca. 40 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen. „Wir haben nicht nur Unternehmer, Politiker und Verbände, sondern auch die Kirchengemeinde und Vertreter der Universitäten für eine Zusammenarbeit gewinnen können“, sagt Gottfried Kupsch, Vorstand der AG City e.V. „Damit haben wir die organisatorischen Voraussetzungen, um für die City West einen umfassenden Raumkonsens zwischen den unterschiedlichen Interessen zu finden, wie wir ihn im Grunde auch für ganz Berlin bräuchten.“

Dem 16-köpfigen Kuratorium gehören unter anderem Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt in Charlottenburg-Wilmersdorf, Gottfried Kupsch von der AG City e.V., Jochen Brückmann von der IHK, Michael Knoll vom VBKI sowie Tim Heide vom Werkbund an.

Dem Kuratorium gehören ferner an:

  • Andreas Schulten (bulwiengesa)
  • Christoph Langhof (Langhof Architekt)
  • Stefan Jäckel (ST raum a)
  • Sebastian Seelig (BuroHappold Engineering)
  • Dr. Wolfgang Schäche (Beuth Hochschule)
  • Matthias Blessing (Fachanwalt für öffentliches Baurecht)
  • Stephan Allner (DIE WOHNKOMPANIE)
  • Benedikt Scholler (Drees & Sommer)

„Das Kuratorium soll als ein fachliches Gremium alle Prozesse des Forums begleiten und durch Anregungen und Hinweise verbessern sowie die Inhalte präzisieren und schärfen, um Ergebnisse zu erreichen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden können“, sagt Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City e.V. „Das Kuratorium ist jedoch nicht Entscheidungsträger hinsichtlich der Beurteilung und Genehmigung von Projekten.“ Diese Aufgabe stehe allein dem Bezirk zu. Die Organisation und Moderation des WerkStadtForum City West liegt in den Händen von Caroline Lehmann und Wolf Uwe Rilke. (red)

„Berliner, kauft Euch Eure Stadt!“

Im Gespräch mit Jörg Widhalm, Generalbevollmächtigter der Berliner Volksbank

Seit dem Jahr 2000 ist Jörg Widhalm, Leiter des Bereichs Immobilien und Infrastruktur, für die Berliner Volksbank tätig. Angesichts anhaltender Niedrigzinsen, einer nach wie vor angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt sowie der Diskussion zum „Mietendeckel“ hat die BERLINboxx mit ihm über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven des Berliner Immobilienmarkts gesprochen.

Die Mietpreisspirale in Berlin dreht sich zwar immer weiter, aber in den vergangenen drei Jahren nicht mehr ganz so schnell wie noch zuvor. Dennoch raten Sie zum Kauf von Wohneigentum. Warum?

Ganz einfach: Weil die Voraussetzungen dafür derzeit recht günstig sind. Zwar haben auch die Immobilienpreise in Berlin inzwischen einen historischen Höchststand erreicht – aber da man das zum Kauf benötigte Kapital derzeit für absolute Niedrigzinsen von deutlich unter zwei Prozent für 15 oder gar 20 Jahre angeboten bekommt, sollte man ernsthaft überlegen, eine Eigentumswohnung zu erwerben, statt weiter zu mieten.

Obwohl der „Mietendeckel“ dafür sorgen soll, dass die Mieten in den nächsten fünf Jahren nicht erhöht werden dürfen?

Ja – denn zum einen wissen wir heute noch nicht, wie es nach dem Ablauf der Fünf-Jahres-Frist weitergehen wird. Und zum anderen sprechen allein die nackten Zahlen für einen Immobilienkauf:  Ein Netto-Haushaltseinkommen von 3.200 Euro vorausgesetzt, zahlt man für eine 75 Quadratmeter-Neubauwohnung bei einem Preis von 5.000 bis 6.000 Euro pro Quadratmeter und einer Kreditlaufzeit von 15 Jahren letztlich nur rund zehn Euro pro Quadratmeter inkl. Warmen Hausnebenkosten. Davon können Käufer in Städten wie Hamburg, Düsseldorf oder München nur träumen.

Angesichts der Wohnungsknappheit in Berlin fragt sich nur, wo solche Wohnungen zu finden sein sollen…

wir sind bei der Suche gerne behilflich. Wobei potenzielle Immobilienkäufer vor allem eines wissen sollten: Sie müssen bereit sein, auf eine gewisse Flexibilität zu verzichten und mindestens die nächsten zehn Jahre in der Stadt wohnen bleiben zu wollen. Andernfalls ergäbe ein Wohnungserwerb kaum Sinn. Wer aber sogar noch länger die eigene Immobilie bewohnt, der zahlt in 20 Jahren weniger als ein Mieter. Selbst das Zinsänderungsrisiko ist am Ende einer Laufzeit von 15 Jahren aufgrund der dann bereits erfolgen Tilgung relativ überschaubar.

Die Wohneigentumsquote liegt bundesweit bei 45 Prozent, in Berlin bei lediglich 18 Prozent. Sollte und könnte die Politik insofern vielleicht etwas nachhelfen?

Es ist nicht die Aufgabe der Berliner Volksbank, in dieser Richtung entsprechende Empfehlungen zu geben. Doch würde die eine oder andere Maßnahme gewiss nicht schaden — wie beispielsweise das Bereitstellen brachliegender Flächen als Bauland. Denn was auch nicht zu unterschätzen ist: Wenn Menschen Wohneigentum kaufen und selbst bewohnen, dann bleiben sie ihrer Region treu. Man könnte auch sagen: Berliner, kauft Euch Eure Stadt! Denn auf diese Weise gehört Berlin auf lange Sicht hin den Eigentümern – die auch in Berlin wohnen. Das Thema Mietsteigerungen hätte sich dann mehr oder weniger erledigt.

Manche Experten warnen bereits vor einer drohenden Immobilienblase…

Das halte ich für Unsinn. Denn eine Immobilienblase droht nur dann, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt – und tatsächlich ist es genau andersherum. Außerdem zeichnet sich eine Blase dann ab, wenn Immobilien innerhalb relativ kurzer Zeit weiterveräußert werden. Auch das ist in Berlin derzeit bei Eigentumswohnungen nicht der Fall. Wer sich heutzutage eine Wohnimmobilie kauft, der behält sie auch.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen sollten: Wie wird es um den Berliner Immobilienmarkt in zehn Jahren bestellt sein?

Da bin ich nach wie vor optimistisch. Vorausgesetzt, dass die Politik nicht durch drastische Maßnahmen in den Markt eingreift, erscheint mir eine Wertsteigerung von 20 Prozent in den nächsten zehn Jahren durchaus realistisch. Das wäre immer noch deutlich weniger Wachstum, als wir es bereits in den zurückliegenden vier Jahrzehnten zu verzeichnen hatten. (fs)

Nach erbittertem Streit in der rot-rot-grünen Koalition – Mietendeckel wird durchgesetzt

Der monatelange Kampf von SPD, Linken und Grünen um den geplanten Mietendeckel scheint gewonnen – zumindest in Teilen. Noch im September hatte der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, den landesrechtlichen Mietendeckel als verfassungswidrig beschrieben. Nun schätzt die Senatsverwaltung für Inneres den Gesetzesentwurf größtenteils als verfassungskonform ein.

SPD, Linke und Grüne bekommen ihren Mietendeckel

Die Durchsetzung der Mietobergrenzen sind für die rot-rot-grüne Koalition ein großer Erfolg. Durch den Mietendeckel soll eine Erhöhung der Wohnraumpreise rückwirkend ab dem 18. Juni 2019 für fünf Jahre pausiert werden. Dennoch ist eine jährliche Mieterhöhung um 1,3 Prozent künftig dann möglich, wenn die betroffenen Wohnungen unter den geplanten Mietobergrenzen liegen.

Auch die mietrechtlichen Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) bestätigen eine Verfassungskonformität des Gesetzesentwurfs. So existieren keine preisrechtlichen Vorgaben, die dem Mietendeckel im Weg stehen könnten.

Forderung nach Mietsenkung wird abgelehnt

Kritisch sieht die Senatsverwaltung für Inneres aber die rückwirkende Einfrierung der Mieten. Die Umsetzung dieses Vorhabens erweist sich vor allem bei Staffelmieten, deren regelmäßige Erhöhung bereits fest im Mietvertrag verankert ist, als schwierig.

Auch der Gesetzentwurf von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zur Mietsenkung bleibt weiterhin in der Kritik. Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Senatsverwaltung für Inneres halten den Plan Lompschers für verfassungswidrig.

Wohnungswirtschaft mit dem Mietendeckel auf Kriegsfuß

Weniger glücklich über den geplanten Mietendeckel zeigt sich die Wohnungswirtschaft (GdW). Für den Präsidenten des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft, Axel Gedaschko, stellen die Pläne der SPD eine Gefahr für das Wohnen in der Hauptstadt dar: „Die Positionen der SPD-Fraktion zum Thema Mietrecht sind keine Basis dafür, mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen und hätten negative Folgen für Vermieter und Mieter“.

Aus diesem Grund möchte die GdW eine Öffentlichkeitskampagne auf den Weg bringen, um sich gegen den Mietendeckel auszusprechen. Laut einem Schreiben der GdW, das der Berliner Zeitung vorliegt, sei es das erklärte Ziel, „die Wohnungswirtschaft nicht länger von denjenigen diskreditieren zu lassen, die uns als Miethai sehen wollen, der sich am schmalen Einkommen der Mieterinnen und Mieter mästet“. (sz)

Erbitterter Streit um den Mietendeckel: R2G am Scheideweg?

Der geplante Mietendeckel sollte eigentlich zu einer Entschärfung der angespannten Wohnsituation in der Hauptstadt führen. Das Ziel: Keine Mieterhöhung für fünf aufeinanderfolgende Jahre, um den explodierenden Wohnraumpreisen entgegenzuwirken.

Nun diskutieren SPD, Linke und Grüne schon seit Monaten über eine Umsetzung des Vorhabens. Eine Einigung der rot-rot-grünen Koalition ist allerdings immer noch nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil – insbesondere der Entwurf zur Absenkung der Mieten führt zu einer Verhärtung der Differenzen zwischen den Parteien.

Geplanter Mietendeckel spaltet die Koalition

Aktueller Zündstoff ist der Gesetzesentwurf von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die LINKE), der bis zum kommenden Montag von den Senatsverwaltungen unterschrieben werden sollte. Senatskanzlei als auch Senatsinnenverwaltung, beide SPD-geführt, stören sich insbesondere an der geplanten Absenkung der Mieten. Die Umsetzung des Vorhabens sei rechtlich unsicher und sehr aufwendig.

Die Senatskanzlei äußerte bezüglich der rechtlichen Lage deutliche Zweifel. „Weiterhin sehe ich die vorgesehene Möglichkeit, Mieten in bestehenden Verträgen abzusenken, in verschiedener Hinsicht kritisch“, so der Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach.

Uneinigkeiten bezüglich der Mietsenkung – rot-rot-grüne Regierungskoalition in Zeitnot

Während die SPD die geplante Mietsenkung geschlossen ablehnt, will Die LINKE das Vorhaben weiterhin umsetzen. Die Grünen geben sich nach wie vor distanziert. So äußerte sich Daniela Wagner, Sprecherin für Stadtentwicklung, Ende Juni noch kritisch zum Thema Mietendeckel: „Dass der Bund nun einen Mietendeckel für bundeseigene Wohnungen einführen will, löst das Problem nicht.“

Die Diskrepanzen zwischen den Parteien verlangen nach weiteren Gesprächen und Diskussionen. Dafür ist aber nicht mehr viel Zeit. Eine Einigung des Senats war für den 15. Oktober angesetzt, damit bis zum geplanten Inkrafttreten des Mietendeckels im Januar 2020 alle notwendigen Schritte abgeschlossen sein können – in Anbetracht der aktuellen Lage ein utopisches Ziel.

Wird der geplante Mietendeckel zur Gefahr für das Koalitionsbündnis?

Michael Müller, der sich zunächst noch für den Mietendeckel ausgesprochen hatte, aber keine Zukunft für die geplanten Mietsenkungen sieht, erfährt von seinen Koalitionskollegen aktuell viel Gegenwind. Kultursenator Klaus Lederer von den Linken spricht auf Facebook sogar von einem Bruch „gemeinsamer Verabredungen“.

Die aktuellen Konflikte der rot-rot-grünen Koalition lassen auch die Frage nach dem Bestehen des Bündnisses laut werden. Zwar stehen Neuwahlen momentan (noch) nicht zur Debatte, allerdings stellt das Streitpotenzial des Mietendeckels die Koalitionspartner auf eine harte Belastungsprobe. (sz)

Höhere Mietzuschüsse für einkommensschwache Haushalte – Wohnungslosigkeit in Berlin bekämpfen

Wer in Berlin aktuell eine Wohnung sucht, muss sich in Geduld, Beharrlichkeit und Belastbarkeit üben. Hohe Mieten und ein genereller Wohnraummangel sind in der Hauptstadt seit Jahren ein großes Problem.

Besonders hart trifft der angespannte Wohnungsmarkt allerdings sozial benachteiligte Menschen, die oft keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach, ist sich sicher, dass eine Erhöhung der Mietzuschüsse für einkommensschwache Haushalte zum 1. Oktober die Lage entschärfen wird: „Mit der jetzigen Anhebung der Mietzuschüsse müssen sich noch weniger Menschen sorgen, dass ihre Miete nicht mehr vollständig vom Jobcenter oder vom Sozialamt übernommen wird. Wir wollen, dass auch die Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind, in ihren Wohnungen bleiben können und nicht an den Rand der Stadt gedrängt werden.“

Positive Entwicklung bereits im ersten Halbjahr 2019

Die Mietzuschüsse und generellen Verbesserungen der Ausführungsvorschrift Wohnen (AV-Wohnen) zeigten bereits im ersten Halbjahr 2019 ihre Wirkung. Acht Prozent weniger Menschen mussten aus finanziellen Gründen ihre Wohnungen verlassen. Dazu haben auch Sonder- und Härtefallzuschläge sowie der Umzugsvermeidungszuschlag beigetragen, in deren Fällen die Miete vollständig übernommen wird.

Mietzuschüsse – Erhöhung der Richtwerte und Klimabonus

Die Richtwerte der Bruttokaltmiete steigen abhängig von der Größe des Haushalts um drei bis sieben Prozent an. Berechtigte erhalten also zukünftig mehr Geld, um weiterhin ihre Wohnung finanzieren zu können. Außerdem bekommen Menschen, die energetisch sanierte Wohnungen beziehen, einen Klimabonus – der Richtwert erhöht sich in diesem Fall also nochmal.

Neben dem allgemeinen Anstieg der Richtwerte wurde die AV-Wohnen auch in anderen Punkten verbessert. Besonders für die rund 36.000 Wohnungslosen, die aktuell darauf warten, bezahlbare Wohnungen zu beziehen, soll sich die Situation jetzt verbessern. Sie dürfen die Richtwerte zukünftig um mehr als 20 Prozent überschreiten. Gewinner der Neuerungen sind neben Familien auch Alleinerziehende. Aufgrund der Erhöhung der Grenzwerte liegen inzwischen fast 60 Prozent der Bestandmieten von Alleinversorgern innerhalb der Richtwerte. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen sind ein wichtiger Schritt, um die Wohnungslosigkeit in der Hauptstadt weiter zu reduzieren. (sz)

Hochhausbau in Berlin – doch nicht grenzenlos?

Berlin ist seit Jahren ein Magnet für Menschen aus aller Welt, die es zum Urlauben, aber auch zum Leben und Arbeiten in die deutsche Metropole zieht. Der Beliebtheitsstatus der Hauptstadt macht aber gleichzeitig die Frage nach neuem Wohn- und Arbeitsraum zu einem dringlichen Problem. Deswegen wird seit einiger Zeit diskutiert, ob zukünftig mehr in die Höhe gebaut werden sollte, um andere Freiflächen und Grünanlagen zu schützen.

Allerdings stehen die Regulierungen des im Juli vorgelegten „Hochhausleitbilds für Berlin“ der Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher dem uneingeschränkten Hochhausbau doch mehr im Weg, als zuvor gedacht.

„Wachstum nach oben“ – aber nur unter bestimmten Bedingungen

Zwar bekenne sich Berlin, so Lüscher, „zum Wachstum nach oben“, allerdings ist der Hochhausbau in der Hauptstadt künftig mit bestimmten Kriterien verbunden. Eine ausdrückliche Vorschrift bezüglich der Höhe der Gebäude gibt es aktuell zwar noch nicht. Dennoch müssen bestimmte Punkte beim Bau erfüllt sein. So wurde festgelegt, dass die Räumlichkeiten in Hochhäusern ab 60 Metern in Zukunft sowohl als Wohn- als auch als Arbeitsfläche genutzt werden müssen. Für jedes neue Gebäude sind knapp drei Viertel der Fläche für Büros angesetzt, der Rest soll als Wohnraum vermietet werden.

Auch was die Zugänglichkeit zu den Gebäuden angeht, müssen bestimmte Vorschriften erfüllt sein. Das Erdgeschoss und der oberste Stock sollen für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Diese Vorgaben erschweren natürlich eine schnelle Umsetzung der geplanten Gebäude. Auch mehrjährige Genehmigungsverfahren und der Einbezug der Anwohner entschleunigen möglicherweise den Bauprozess künftig.

Kritik am „Hochhausleitbild für Berlin“

Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins zu Berlin, Tobias Nöfer, steht dem Vorschlag der Berliner Senatsbaudirektorin kritisch gegenüber: „Wir fürchten, dass die Frage der Hochhausstandorte weiterhin von der Durchsetzungskraft einzelner Investoren, der Stärke oder Schwäche von Bürgerinitiativen, der Abwägungsfähigkeit der öffentlichen Hand und dem Zufall abhängen werden.“ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sehe insbesondere die Vorschriften für die Nutzung der Fläche als problematisch. Die Vorgaben für die räumliche Aufteilung in Wohn- und Arbeitsraum seien so nicht immer umsetzbar.

Hochhausbau in Berlin – geplante Projekte und Zukunftsvisionen

Andererseits laufen aktuell zahlreiche Projekte, die auf eine Baugenehmigung hoffen. So ist Architekt Helmut Jahn, der für den Bau des Bahntowers am Potsdamer Platzes verantwortlich war, in der Planung eines 300 Meter hohen Gebäudes am Europacenter.

Darüber hinaus will Baufachmann Christoph Langhof an der Avus neun neue Hochhäuser bauen. Langhof sehe den Vorteil seiner geplanten Gebäude in der Einsparung von freien Flächen. Außerdem sei auch die Lage am Messegelände aufgrund der guten Anbindungsmöglichkeiten ideal, sagt er. Ob die geplanten Projekte allerdings umgesetzt werden können, steht noch offen. (sz)

Sinkende Baugenehmigungen und Wohnraummangel – Berlin als Neubau-Verhinderer Nummer Eins

Die Genehmigungen für den Bau von neuem Wohnungsraum in deutschen Städten sinken stetig. Von Januar bis Juli 2019 wurden in Deutschland insgesamt 3,4 Prozent weniger Wohnungsneubauten genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Die Hansestadt Hamburg, die sich 2018 noch als Spitzenreiter beim Neubau rühmen konnte, musste einen hohen Rückgang von 36 Prozent in Kauf nehmen. Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Andreas Ibel sieht die sinkenden Baugenehmigungen kritisch: „Die ausgewiesenen Bauflächen sind ausgereizt, die Projekte abgearbeitet. Es ist deshalb unabdingbar, dass nun in großem Maßstab neues Bauland für den Wohnungsbau ausgewiesen wird.“

Stärkster Rückgang in den A-Städten – Berlin an oberster Stelle

Ausgesprochen schlimm trifft es die Bundeshauptstadt, in der bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist. Ibel bezeichnet Berlin sogar als „Neubau-Verhinderer Nummer Eins unter den sieben A-Städten.“ Demnach sei die Anzahl der Grundstücke, die als Bauland genutzt wurden, in den letzten zwei Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2019 konnten 13 Prozent weniger Baugenehmigungen durchgesetzt worden. Dieser Umstand ist angesichts des angespannten Wohnungsmarktes besonders prekär.

Wohnungsneubau nur durch die Zulassung von mehr bezahlbarem Bauland

Laut Ibel könne die Trendwende beim Neubau nur eingeleitet werden, wenn mehr bezahlbares Bauland zugelassen wird: „Neue Wohnungen können nur geplant werden, wenn man auch weiß, wo man sie bauen soll.“ Ein weiteres Problem sind die nicht endenden Bebauungsplanverfahren, die bis zu neun Jahre andauern können. Ist dieser Prozess überstanden, können sich die Antragsteller aber immer noch nicht freuen. Denn im Anschluss muss noch ein langes Genehmigungsverfahren durchlaufen werden, bis tatsächlich gebaut werden kann.

Die Krise im Wohnungsneubau macht sich zieht drastische Folgen nach sich. Immer weniger Investoren möchten ein Risiko eingehen und in der Hauptstadt investieren. Gemäß einer Umfrage des Landesverbandes Berlin-Brandenburg gab ein Großteil der Immobilienunternehmen an, geplante Investitionen gestoppt zu haben. Ibel warnt, dass Bauherren durch die zunehmend investorenfeindliche Stimmung, den Mietendeckel und die Enteignungsdiskussion verschreckt würden. (sz)

100-jähriges Jubiläum Groß-Berlin – Internationaler Städtebauwettbewerb „Berlin-Brandenburg 2070“

Groß-Berlin, so wie wir es heute kennen, wird im nächsten Jahr 100 Jahre. Anlässlich des Jubiläums plant die Stadt Berlin, im Rahmen eines internationalen Architekturwettbewerbs, innovative Ideen für die zukünftige Stadtentwicklung vorzustellen.

100 Jahre Groß-Berlin – eine Geschichte von Stadtentwicklern

Bereits 1910 widmeten sich ambitionierte Denker der Entwicklung des Stadtbilds und legten grundlegende Bausteine für die städtebauliche Gestaltung Berlins. Ziel des bevorstehenden Events ist es, nachhaltige Visionen für die rasant wachsende Metropolregion im Jahr 2070 zu entwickeln.

Der Wettbewerb wurde von dem Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (AIV) auf den Weg gebracht. Laut Vorsitzendem Tobias Nöfer läge die Wichtigkeit dieser Veranstaltung darin, dass die Großstadtregion von morgen nur mit vereinten Kräften lebenswert gestaltet werden könne.

Bis April nächsten Jahres müssen alle Beiträge und strategischen Überlegungen der Teilnehmenden zu den städtebaulichen Vorstellungen eingereicht werden.

Ausstellung „100 Jahre (Groß-)Berlin. Ein unvollendetes Projekt“

Mit der öffentlich zugänglichen Ausstellung „100 Jahre (Groß-)Berlin. Ein unvollendetes Projekt“ im Kronprinzenpalais in Berlin-Mitte ab dem 01. Oktober bis Ende des Jahres 2020 findet der internationale Städtebauwettbewerb seinen Höhepunkt. Neben der Vorstellung der Wettbewerbsbeiträge sind hier Besonderheiten im Stadtbild der Metropole zu sehen. Zu bestaunen sind unter anderem die Berliner „Mietskasernen“, zahlreiche Grünflächen und UNESCO-Welterbesiedlungen. Im Rahmen der Ausstellung wird auch der Gewinner des ersten Platzes bekannt gegeben, der sich über eine stattliche Summe von 70.000 Euro freuen kann.

Groß-Berlin 2020 – Städtebaulichen Herausforderungen mit nachhaltigen Ideen entgegentreten

Der Wettbewerb wird von einigen Kolloquien begleitet. Dort können Fragen zu relevanten Themen wie Mobilität in der Region, Klima und Energie, oder Wohnen und Arbeiten diskutiert werden. Mit Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung, den Klimawandel und das Städtewachstum debattieren fachliche und zivilgesellschaftliche Vertreter Ideen für die zukünftige Entwicklung der Metropole. Die Teilnehmenden stellen sich brennenden Fragen nach der Vereinbarkeit von Verkehr mit dem Ziel der Klimaneutralität Berlins, oder begeben sich auf die Suche nach der Umsetzung einer digitalen Vernetzung von Wohnen, Arbeiten und Wissenschaft.

Partner des Projekts sind die Technische Universität Berlin, das Leibnizinstitut für Raumbezogene Sozialforschung und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin. Zu den Sponsoren zählen bisher unter anderem die Berliner Volksbank, die Deutsche Bahn, die Copro-Gruppe und alle landeseigenen Berliner Wohnungsbaugesellschaften. (sz)

 

Mietenwahnsinn Berlin: Studentenwohnungen sind Mangelware

Immer mehr junge Menschen streben nach dem Schulabschluss ein Hochschulstudium an. Im Wintersemester 2018/2019 waren stattliche 2.867.586 Studenten an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Ein weiteres Ansteigen der Zahlen wird für die Zukunft erwartet. Besonders begehrt sind Studienplätze in den großen Metropolen, wo in den Sommermonaten der Run auf eine Bleibe beginnt. Doch die Wohnungssituation in den deutschen Metropolregionen ist angespannt. Die Städte kämpfen mit steigenden Bevölkerungszahlen und einem Wohnungsbau, der nicht hinterherkommt. Ein Wunschziel für viele angehende Akademiker ist Berlin. Die Stadt, die aufgrund der extrem gestiegenen Preise in den letzten Jahren zum Sinnbild für den Mietenwahnsinn geworden ist. Bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware in der Stadt! Gerade für junge Studenten, die meist mit einem schmalen Budget nach einer Unterkunft in Studentenwohnheimen, WGs oder Einzimmerwohnungen suchen, gibt es nur wenige Möglichkeiten.

Schwindelerregende Zahlen

Denn auch die Zahlen sind schwindelerregend. Fast 191.000 Menschen sind an den Hochschulen der Hauptstadt eingeschrieben. Viele dieser Studierenden hoffen, einen der begehrten Wohnheimplätze zu ergattern. Allerdings konnte das studierendenWERK BERLIN zu Beginn des Wintersemesters 2019/2020 nur 9.158 Wohnheimplätze zur Verfügung stellen – bei bereits über 3.500 Studierenden auf der Warteliste.

Die Lage wird sich voraussichtlich weiter verschärfen, da zum Wintersemester 2019/2020 über 20.000 Abiturienten erwartet werden. Es sind zwar neue Studentenwohnheime geplant, allerdings können diese nur ca. 50 bis 80 Studierende beherbergen. Angesichts der aktuellen Schließung des Wohnheims Hafenplatz in Kreuzburg mit über 400 Plätzen ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch auch wenn Studierende eine Zusage für einen Wohnheimplatz bekommen, kostet dieser im Durchschnitt monatlich immerhin 400 Euro.

Senat kann Versprechen zu Schaffung von Studentenwohnungen nicht halten

Aufgrund der prekären Lage in der Hauptstadt hat sich der Senat im Jahr 2015 das Schaffen von 5000 neuen Wohnungen in Berlin zum Ziel gesetzt. Allerdings wurden bisher nur knapp 1400 der versprochenen Wohnraumplätze zur Verfügung gestellt. Nun sollen die Verwaltungen effektivere Umsetzungsstrategien entwickeln. Auch die Wohnungsbaugesellschaften planen, zukünftig sechs Prozent der neugebauten Wohnungen an Studierende vermieten. Zusätzlich ist in Planung, aktuell an Geflüchtete bereitgestellte Wohncontainer schneller an Studenten zu vermieten. Durch diese Maßnahmen soll etwas Druck vom Kessel genommen werden.

Sicher ist: Studenten müssen weiterhin viel Geduld aufbringen und mit  hohen Mietpreisen sowie langen Wartezeiten rechnen. Das studierendenWERK BERLIN empfiehlt daher, gegebenenfalls vorerst auf Wohnungen am Stadtrand ausweichen. (sz)

Veranstaltungen

Wohn-Dialog Berlin

Die Stimmung in Berlin ist aufgeheizter denn je – es fehlt an bezahlbarem Wohnraum und die Politik hat bisweilen keine Antworten gefunden, die Situation zu entschärften. Forderung nach Enteignung und öffentlicher Begrenzung der Mietpreise werden immer lauter. Um die Situation zu entschärfen braucht es Lösungen, die wir auf im Dialog mit Experten beider Seiten – Investoren als auch Betroffenen finden wollen.

(Anmeldung erforderlich und gebührenpflichtig)