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Ergebnisbericht der Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ vorgestellt

Die vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, einberufene Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ hat gestern ihren Ergebnisbericht vorgestellt. Darin spricht sich das elfköpfige Expertengremium unter Vorsitz von Prof. Dr. Karl Lauterbach für die Entwicklung abgestimmter Strategien und gemeinsamer Strukturen zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der landeseigenen Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH aus. Vorgeschlagen wird konkret ein Aufgabenverbund, der eine koordinierte Standortplanung und Aufgabenteilung ermöglicht. Eine engere Kooperation wird bei Forschung und Transfer und in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften angeregt. Mit einer gemeinsamen IT- und Dateninfrastruktur sollen zudem wichtige Fortschritte in der Digitalisierung erzielt werden, wie etwa die Einführung einer digitalen Patientenakte. Hinsichtlich der biomedizinischen Forschung schlägt der Bericht die Entwicklung einer übergreifenden Forschungsstrategie unter Berücksichtigung der verschiedenen Akteure am Wissenschaftsstandort Berlin vor.

Die Etablierung des Berlin Institute of Health als Exzellenzsäule innerhalb der Charité wird von der Kommission ausdrücklich begrüßt. Detaillierte Vorschläge liefert der Bericht auch für Weiterentwicklungen beim wissenschaftlichen, medizinischen und administrativen Personal, von der Ausbildung bis hin zur Verbesserung von Karrierewegen. Die Empfehlungen der Kommission haben zum Ziel, Berlin zu einem in der stationären Krankenversorgung und medizinischen Forschung international führenden Standort weiterzuentwickeln und den wachsenden Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen nachhaltig zu sichern.

„Gesundheitsstadt Berlin 2030“ – Berlin kann ein europäischer Spitzenstandort in der Medizin werden

Der Vorsitzende der Zukunftskommission, Prof. Dr. Karl Lauterbach, erklärte bei der Vorstellung des Berichts: „Ich bin begeistert von der Qualität und der Intensität der Diskussionen mit den Sachverständigen und den Kolleginnen und Kollegen, und ich bedanke mich bei allen ganz herzlich. Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Ergebnis vorlegen. Werden die Vorschläge umgesetzt, kann Berlin ein europäischer Spitzenstandort in der Medizin werden.“

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller: „Ich danke Prof. Karl Lauterbach und allen Mitgliedern der Kommission ganz herzlich. Ihr Bericht gibt detaillierte Vorschläge, wie wir den Gesundheitsstandort Berlin in der medizinischen Forschung und Versorgung gemeinsam an die internationale Spitze führen können. Er bestätigt das immense Potenzial, das wir mit der Charité und Vivantes in unserer Stadt haben und bestärkt uns darin, ihre strukturelle Zusammenarbeit voranzutreiben. Das ist ein Mammutvorhaben, das eine breite Beteiligung, gute Koordination und einen langen Atem benötigen wird. Damit legen wir die Weichen für die nächsten Jahrzehnte am Gesundheitsstandort Berlin.“

Die Gesundheitsversorgung der Zukunft

Die Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kolat, betont: „Der Bericht zur Gesundheitsstadt Berlin 2030 gibt dem Berliner Senat wichtige Empfehlungen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft in der wachsenden Stadt. Schon jetzt verfügt Berlin über eine einzigartige medizinische Versorgung. In Zukunft wird es um eine noch bessere Zusammenarbeit der Kliniken gehen. Wir wollen, dass die Krankenhäuser Berlins miteinander daran arbeiten, die Menschen in der wachsenden Stadt erstklassig zu versorgen. Dabei wird es um eine Kooperationsstruktur in der Forschung, Digitalisierung und in der Ausbildung gehen.“

Zur Kommission: Die unabhängige Zukunftskommission „Gesundheitsstadt 2030“ bestand aus elf externen Sachkundigen aus Wissenschaft, Verbänden, Kliniken, Unternehmen und Patientenvertretungen. Die Mitglieder arbeiteten auf ehrenamtlicher Basis und haben seit Mai 2018 insgesamt sieben Mal getagt. In die Formulierung ihrer Empfehlungen flossen auch Erkenntnisse aus Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern in diversen Verantwortlichkeiten von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, dem Deutschen Herzzentrum Berlin und dem Berlin Institute of Health mit ein. (red)

GASAG: Treiber der Energiewende

1998 unterschrieb die GASAG die erste Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin. Was ist seitdem erreicht worden?

Die Vereinbarung wird alle fünf Jahre verlängert. Wir haben sie also schon viermal unterschrieben und werden sie auch gern ein weiteres Mal unterzeichnen. Bis 2015 haben wir fast 1,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Erneuerbare Energien wie Windkraft und Bio-Erdgas tragen einen großen Teil dazu bei. So haben wir alte Heizungen, die noch mit Öl und Kohle betrieben wurden, ausgetauscht. Wir sehen uns nicht nur als Treiber der Energiewende in Berlin, sondern auch als Partner für alle Stakeholder. Wir können andere Unternehmen nur aufrichtig ermuntern, über solche Vereinbarungen nachzudenken. Klimaschutz wird auf diese Weise auch ein Teil von Geschäftsmodellen.

Was sind Ihre Milestones für 2019?

Als Energieunternehmen planen wir langfristiger. Insgesamt wollen wir in unsere Kerngeschäftsfelder Netz, Vertrieb und Dienstleistungen weiter ausbauen und unseren Kundenstamm erweitern. Unser erklärtes Ziel ist es, eine CO2-neutrale Zukunft mitzugestalten. Um dies zu erreichen, werden wir in den kommenden drei Jahren 400 Millionen Euro investieren. Des Weiteren wird unser Portfolio durch die Produktion erneuerbarer Energien ergänzt. All das sind Bestandteile unserer Strategie GASAG 2025.

Wie positioniert sich die GASAG als Infrastrukturdienstleister in einem sich dramatisch wandelnden Energiemarkt?

Erdgas ist in Berlin mit über 50 Prozent der wichtigste Brennstoff für die Wärmeversorgung. Fast jedes zweite Gebäude ist bereits an das Erdgasnetz angeschlossen. Unser Ziel ist, dass auch unsere Kunden den Klimaschutz stärker fokussieren und zum Beispiel durch die Klimaprämie zum Wechsel von Öl auf Gas motiviert werden. Es gibt immer noch 20 Prozent Ölheizungen, da müssen wir ran.

Welche Strategien verfolgt die GASAG als breit aufgestellter Energieerzeuger und -dienstleister im Bereich Digitalisierung? Wo sind noch Potenziale, die Sie heben wollen?

Wer die Kunden da abholen will, wo sie stehen, kommt um digitale Konzepte nicht herum. Die Technik hilft uns dabei, den Kunden immer stärker in den Mittelpunkt zu stellen, ihn besser zu verstehen und den Kontakt in beide Richtungen zu intensivieren. Viele wollen halt nicht mehr ins Kundenzentrum kommen, erwarten aber trotzdem zeitgemäßen Service. Zudem hat Digitalisierung bereits jetzt in zahlreichen Prozessen, bei Produkten oder in der Kommunikation zu effizienten und intelligenten Abläufen beigetragen.

In Zukunft werden in Städten und Quartieren ganz andere Energie- und Mobilitätsvoraussetzungen herrschen. Welchen Beitrag für nachhaltige Stadtquartiere kann die GASAG dabei leisten?

Der EUREF-Campus beweist eindrucksvoll, was wir dank unserer Erfahrung und unserem fachlichen Know-how zur Energiewende in Quartieren beitragen können. Der Campus wird bereits seit 2014 CO2-neutral versorgt und das zu marktgerechten Preisen. Auch unser Tochterunternehmen GASAG Solution Plus hat viele Projekte, in denen Klimaschutz und Erneuerbare Energien ein Thema sind.

Langfristig sollten in den Städten Energiespeicherlösungen eingeplant werden. Die GASAG hat nahe des Olympiastadions einen großen Erdgasspeicher, der bis 2023 stillgelegt werden soll. Ich sehe hier die Möglichkeit, den Speicher sinnvoll zu nutzen und darin zum Beispiel Wasserstoff, umgewandelt aus Erneuerbaren Energien, einzuspeichern. Generell kann das Gasnetz auf diese Weise ein starkes Instrument für die Energiewende werden.

Sie gehen ja bereits vielfältige Partnerschaften ein, ich nenne nur Gegenbauer und die CG Gruppe. Welche Rolle wird die GASAG im Jahr 2030 spielen?

Wichtig ist mir, dass beide Seiten lernen und von Partnerschaften profitieren können. Grundsätzlich sind wir mit unseren Angeboten schon sehr gut aufgestellt. Aber wir wissen, dass sich die Immobilienwirtschaft weiter verändern wird, wo wir 2030 stehen werden, wissen wir dementsprechend jetzt noch nicht final. Aber die Richtung ist klar: Vom Dach bis in den Keller, vom Einfamilienhaus bis zum Quartier können wir dem Kunden liefern, was er braucht. Ob Wärme, Kälte, Versorgungskonzepte, Erneuerbare Energien oder Mobilitätslösungen.

Was sind die aktuellen Forschungsfelder der GASAG und mit welchen Institutionen kooperieren Sie?

Wir haben als Unternehmen selber keinen eigenen Forschungsbereich. Umso wichtiger ist für uns, auch als Berlin Partner, die Kooperation mit anderen Berliner Institutionen. Ein gutes Beispiel ist das InfraLab Berlin, ein Co-Working- und Co-Creation-Projekt der sechs großen Infrastrukturunternehmen, BSR, BVG, BWB, Vattenfall, Veolia und der GASAG, auf dem EUREF-Campus. Gemeinsam wollen wir einen Beitrag für die Entwicklung Berlins leisten, indem wir in enger Zusammenarbeit mit Politik, Industrie und Wissenschaft Smart City-Projekte realisieren.

Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit der GASAG aus?

Derzeit sind wir wirtschaftlich gut aufgestellt. Mit dem Jahr 2018 waren wir zufrieden. Um jedoch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir strategische Veränderungen vornehmen. Dazu gehört auch, dass wir das Unternehmen etwas verschlanken müssen.

Sie spielen auch im Markt der Elektromobilität eine Rolle. Wie sehen Sie hier die Perspektiven und was ist Ihr Beitrag für eine flächendeckende Versorgung?

Mobilität ist ein sehr wichtiges Thema, das sich sehr gut mit dem Thema Energie koppeln lässt. Das Stichwort Eco-Mobilität spielt hier eine wichtige Rolle. Grundsätzlich sehe ich die Elektromobilität im Bereich Stadtverkehr angesiedelt. Hier bringen wir uns als Unternehmen deutlich ein. Unser Leasingangebot mit einem E-Smart lief sehr gut, was uns darin bestätigt, neue Angebote in diesem Bereich zu schaffen. Gemeinsam mit ubitricity bieten wir Ladelösungen für zu Hause. Und auch in neuen Stadtquartieren entwickeln wir neue Energielösungen, wie etwa in der Tiefgarage installierte E-Ladesäulen. Außerdem arbeiten wir derzeit an einem konkreten Angebot für das Handwerk und die Taxibranche. Unser Ziel wird esdabei sein, gemeinsam mit einem Automobilhersteller Erdgasfahrzeuge in nennenswerter Größenordnungen in den Markt zu bringen, als Alternative zum Diesel. Damit haben wir schon früher gute Erfahrungen gemacht, ich erinnere an die Aktion „1000 Umwelttaxis“.

Potenzial sehe ich zum Beispiel auch im ÖPNV. So könnten die Fahrzeuge mit Biogas betrieben werden, was der Umwelt zugutekommt. Auch im Schwerlastverkehr wäre der Einsatz von Erdgas eine Alternative zum Diesel, um schnell etwas für den Klimaschutz und für die Luftreinhaltung zu tun. Und deutlich leiser sind diese Fahrzeuge auch. Das Berliner Erdgas-Tankstellennetz könnte aus dem Stand 10.000 zusätzliche Fahrzeuge versorgen.

Die GASAG ist ja traditionell ein Good Corporate Citizen. Welche Schwerpunkte beim bürgerschaftlichen Engagement wollen Sie persönlich setzen?

In der Hauptstadtregion haben wir tiefe Wurzeln und hier sind wir zuhause. Deshalb legen wir auf Partnerschaften sehr viel Wert. Unser längstes und größtes Sponsoring ist und bleibt das für die Eisbären Berlin. Dieses Engagement besteht schon seit 22 Jahren, wodurch natürlich auch eine emotionale Bindung entstanden ist. Neben dem Sport unterstützen wir aber auch andere kulturelle Vereine oder Veranstaltungen, wie etwa die Einheitsfeier im vergangenen Jahr rund ums Brandenburger Tor. Wir sehen uns als Partner der Bürger und sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. (cr)

Hochschulzulassung: Senat stimmt Entwurf des Staatsvertrages zu

Über ein Jahr lang wird nun schon bundesweit über die Abschaffung der Wartezeit und der Einführung einer Talentquote bei der Studienplatzvergabe im Fachbereich Medizin diskutiert. Jetzt hat der Berliner Senat auf Vorlage des Regierenden Bürgermeisters und Senators für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, beschlossen, dem Entwurf des Staatsvertrags über die Hochschulzulassung zuzustimmen.

Hochschulzulassung für Medizin zum Teil verfassungswidrig

Am 19. Dezember 2017 entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, das die Verfahrensvorschriften zur Vergabe von Studienplätzen für Medizin teilweise verfassungswidrig sein. Daraufhin wurde eine Novellierung des bisher geltenden Staatsvertrages erforderlich, heißt es vom Berliner Senat. Der Gesetzgeber wurde daraufhin verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2019 eine Neuregelung zu schaffen.

Der neue Staatsvertragsentwurf über die Hochschulzulassung soll den bisher geltenden Staatsvertrag vom 5. Juni 2008 ersetzen. Mit dem neuen Vertrag soll erreicht werden, dass bei der Studienplatzvergabe im Bereich Medizin die Eignung der Bewerber stärker berücksichtigt wird.

Neuerungen des Staatsvertragsentwurfs zur Hochschulzulassung

Die Anforderungen für einen Studienplatz für Medizin sind hoch. In der Regel müssen die Bewerber im Auswahlverfahren der Hochschulen ein Abitur mit einer Eins vor dem Komma vorweisen. Für viele Bewerber war daher die Wartezeit die einzige Alternative, um einen Studienplatz zu bekommen. Aktuell liegt diese bei mindestens 14 Semestern, also sieben Jahren. Doch genau diese wird nun mit dem neuen Entwurf des Staatsvertrags abgeschafft. Die Begründung: Bei der Auswahl nach Wartezeit handle es sich nicht um ein eignungsorientiertes Kriterium. Doch was bedeutet dies für diejenigen, die schon länger auf einen Studienplatz warten? Für diese soll es laut des Senats eine Übergangsregelung geben. „Für einen Zeitraum von zwei Jahren und mit abnehmender Gewichtung wird die Zeitspanne seit Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung (Wartezeit) ergänzend zu anderen Auswahlkriterien berücksichtigt“, lautet der Vorschlag.

Darüber hinaus wird im neuen Staatsvertrag die Abiturbestenquote von 20 auf 30 Prozent erhöht. Außerdem soll es eine sogenannte zusätzliche Eignungsquote im Umfang von zehn Prozent geben. Damit würden sich für Bewerber unabhängig von der Abiturnote Chancen für einen Studienplatz eröffnen. Für das hochschuleigene Auswahlverfahren sollen einheitliche Vorgaben zur Standardisierung und Strukturierung festgelegt werden und es soll ein Verfahren eingeführt werden, das die Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung länderübergreifend vergleichbar macht. Zudem bestimmt eine neue Regelung des Staatsvertragsentwurfs, dass die Hochschulen neben dem Ergebnis der Hochschulzugangsberechtigung mindestens ein schulnotenunabhängiges Kriterium mit erheblichem Gewicht, wie etwa eine abgeschlossene medizinische Ausbildung berücksichtigen müssen.

Langer Weg zum Inkrafttreten der neuen Regelungen

Bevor der neue Staatsvertrag in Kraft tritt, müssen sich jedoch die Finanzministerkonferenz sowie die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit dem Staatsvertrag über die Hochschulzulassung befassen und die Länderparlamente zustimmen.

Der Entwurf sieht auch vor, dass der Staatsvertrag frühestens auf das Vergabeverfahren zum Sommersemester 2020 Anwendung findet. (aw)

Start-ups in Berlin: Warum sich Gründer eine andere Stadt suchen sollten

Die deutsche Hauptstadt liegt im internationalen Wettbewerb hinten. Andere Städte haben attraktivere Bedingungen für junge Unternehmen. Die Gründer von Start-ups in Berlin müssen auf Vorteile verzichten, die andere internationale Städte bieten, eine davon ist München.

Der Global Talent Competitiveness Index (GTCI) erhebt jährlich anhand von fünf Kategorien die Performance von 114 Städten und 125 Ländern. Aus den verrechneten Kennzahlen für Forschung, Internationalität, Attraktivität, Entwicklungschancen und die Bedingungen im Umfeld geht die US-amerikanische Hauptstadt Washington D.C. als Siegerin auf Stadtebene hervor, im internationalen Ländervergleich bietet die Schweiz die beste Ausgangslage für Gründer.

Das europäische Niveau ist hoch

Die besten Voraussetzungen für den globalen Wettbewerb um Talente finden sich größtenteils in Europa. Innerhalb der Top Ten landen außer Singapur und den USA (immerhin Platz zwei und drei) nur europäische Länder. Deutschland belegt den 14. Rang, musste sich 2018 allerdings noch mit dem 19. Platz zufrieden geben. Bei kleinen Volkswirtschaften mit hohem Einkommen sehen die Autoren ein gutes Klima. Kopenhagen, Oslo, Wien und Zürich vervollständigen hinter Washington die Top Fünf. München belegt Platz 20, Berlin erreicht nur Platz 32.

Die Hauptstadt hat nicht die besten Voraussetzungen für Talente

Ein genauer Blick auf die erhobenen Kennzahlen zeigt, dass sich die deutsche Konkurrentin München vor allem bei den Forschungsausgaben, dem wirtschaftliches Umfeld und dem Einkommensniveau profilieren kann. Auch die Sicherheitslage und die Flughafensituation sorgen für Pluspunkte für die bayerische Landeshauptstadt. In Sachen Bezahlbarkeit und Lebensqualität hat Berlin die Vorteile auf ihrer Seite, genauso sieht es mit der Ärztezahl und der Zahl der Studierenden aus.

Der größte Unterschied zwischen Berlin und der europäischen Spitzenreiterin Kopenhagen ist die Ansiedlung von intergouvernementalen Organisationen. Weitere deutliche Abweichungen finden sich bei der Reichweite von sozialen Netzwerken und dem wirtschaftlichen Umfeld. Einzig bei der Ausstattung mit Ärzten und der Bezahlbarkeit kann sich Berlin merkbar absetzen.

Start-up-Standort Berlin

Circa alle 20 Stunden wird ein neues Start-up in Berlin gegründet. 84 Prozent von ihnen werden von einem Team ins Leben gerufen. Die Hälfte der Berliner Start-ups ist mit sieben oder mehr Mitarbeitern dazu vergleichsweise groß.

Im vergangenen Jahr musste sich Berlin im deutschlandweiten Vergleich das erste Mal geschlagen geben.  Laut des Deutschen Start-up Monitors 2018 hat jedes fünfte Start-up seinen Sitz in NRW. In Berlin waren es nur rund 16 Prozent aller Start-ups.

Welche Bedingungen können für Start-ups in Berlin geschaffen werden?

In der Langzeitanalyse des GTCI zeigt sich, dass im Wettbewerb um Talente die Kluft größer wird. Städte haben die Möglichkeit, als Talent-Knotenpunkte zu fungieren. Auf kommunaler Ebene sehen die Autoren der Studie ein höheres Potential kurzfristig auf Trends zu reagieren. Für die Berliner Regierung und Verwaltung hat diese Beobachtung Appellcharakter.

Washingtons Spitzenreiterposition leiten sie von ihrer stabilen Wirtschaft, der dynamische Bevölkerung, der herausragenden Infrastruktur und Konnektivität ab. Die Kompetenz der Arbeitskräfte ist hoch, die Bildungsinstitutionen der Region hochkarätig. Viele Punkte davon erfüllt Berlin, zur Infrastruktur gehört allerdings mehr als die geplanten Modellversuche für 5G.

Die digitale Transformation verlangt nach unternehmerischer Innovation

Der Autor der Studie Felipe Monteiro betont die gewachsene Bedeutung von Innovation als Wirtschaftsfaktor: „Sämtliche Arten von Organisationen müssen unternehmerisches Talent anziehen, und zwar in einem Zeitalter, in dem Ökosysteme rund um den Globus durch die digitale Transformation radikal umgestaltet werden.“ (mw)

World Health Summit: Wir müssen es gemeinsam anpacken

Mit einem eindringlichen Appell zur internationalen Zusammenarbeit endete der 10. World Health Summit. „Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Wohlstand, Wohlergehen und ein würdevolles Leben“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Abschlussveranstaltung, die gemeinsam mit dem Grand Challenges Meeting der Bill & Melinda Gates Foundation ausgerichtet wurde. „ Nur, wenn wir es gemeinsam anpacken, haben wir eine gute Chance, die Gesundheitsziele der Vereinten Nationen 2030 zu erreichen.“

Deutschland habe in den vergangenen Jahren eine wichtige Führungsrolle übernommen, betonte Microsoft-Gründer Bill Gates. „Wir brauchen die Regierungen, und wir brauchen Wissenschaft“, so Gates. Zuvor hatte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Globalen Aktionsplan zur gemeinsamen Arbeit an den Gesundheitszielen der Vereinten Nationen vorgestellt. „Es geht darum, Menschenleben zu retten“, sagte der WHO-Chef.

Positive Bilanz

Der Gründer und Präsident des World Health Summit, Prof. Dr. Detlev Ganten zog eine positive Bilanz der dreitägigen Konferenz: „Wir spüren neue Energie im Feld der globalen Gesundheit – in Berlin, in den akademischen Institutionen, in der Politik. Das ist es, was wir brauchen!“ Denn die Wissenschaft bleibe eine treibende Kraft, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Beim 10. World Health Summit hatten 2.400 Teilnehmer aus 100 Nationen neue und bessere Strategien für die globale Gesundheitsversorgung diskutiert – zum Beispiel zur Stärkung von Gesundheitssystemen weltweit, zum Schutz vor Pandemien, im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen oder in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung.

Unter den 300 Sprechern waren die norwegische Premierministerin Erna Solberg, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Stefan Oschmann, der Vorstandsvorsitzende von Merck sowie Gayle Smith, die Chefin der internationalen Lobby- und Kampagnenorganisation ONE.

Was ist der World Health Summit?

Der World Health Summit ist eine der bedeutendsten internationalen Konferenzen für Global Health und steht traditionell unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. Gegründet wurde das jährliche Treffen 2009 anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Charité.

Der nächste World Health Summit findet vom 27. bis 29. Oktober 2019 in Berlin statt. (red)

Anja Karliczek: Künstliche Intelligenz hält Einzug in unseren Alltag

Technologieförderung, aber mit Strategie: Die Bundesregierung hat ihre Eckpunkte für eine Strategie Künstliche Intelligenz (KI) im Juli beschlossen. Auf dem Digitalgipfel in Nürnberg soll am 3. und 4. Dezember 2018 die offizielle Vorstellung der Strategie erfolgen. Hier eine kleine Zusammenfassung der Zukunftspläne.

Mit den Eckpunkten für KI strebt die Bundesregierung die Erforschung, Entwicklung und Anwendung von künstlicher Intelligenz in Deutschland an. Ziel ist es, die Technologie auf ein weltweit führendes Niveau zu bringen. Die Eckpunkte dienen hierbei als Grundlage für die Strategie KI, die in den nächsten Monaten noch ausgearbeitet wird. Geschehen wird das in den folgenden Wochen über einen von der Bundesregierung initiierten Konsultationsprozess. Dazu werden bundesweit arbeitende Organisationen, Verbände und Institutionen verschiedene Expertenworkshops sowie Fachforen gemeinsam durchführen.

Gemeinsinn im Fokus

Geplant ist, die Nutzung von KI verantwortungsvoll und zum Wohle der Gesellschaft voranzubringen sowie neue Wertschöpfungspotenziale zu erschließen. Die Kabinettvorlage wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales erarbeitet. „Künstliche Intelligenz hält Einzug in unseren Alltag und wir wollen, dass diese Technik den Menschen hilft. Daher stellen wir den Nutzen für den Menschen in unserem Lande in den Mittelpunkt unserer KI Strategie. Richtig gestaltet ist KI ein wichtiger Schlüssel für Wachstum und Wohlstand“, so Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Ambitioniertes Vorhaben

Darüber hinaus soll die Forschungslandschaft in Deutschland mit Kompetenzzentren ausgebaut werden. Insbesondere deutsche Großstädte sollen sich mehr mit Europa vernetzen können. Außerdem kann auf diese Weise auch nach passenden Fachkräften aus der Wissenschaft Ausschau gehalten werden. Aber auch die Arbeitsbedingungen des Wissenschaftsnachwuchses sollen attraktiver gestaltet werden, unter anderem durch zusätzliche Professuren für KI. Zudem wird sich die Forschungsförderung wandeln: Eine Agentur für Sprunginnovationen soll gegründet werden, die sich auch dem Thema Künstliche Intelligenz annehmen wird.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fasst es folgendermaßen zusammen: „Künstliche Intelligenz ist nicht irgendeine Innovation – sie ist eine Basis- Innovation, die unsere Wirtschaft und unser Leben insgesamt verändern und verbessern wird. Deshalb wollen wir, dass Anwendungen von Künstlicher Intelligenz auch nicht irgendwo auf der Welt entwickelt und umgesetzt werden, sondern hier bei uns in Deutschland und Europa. Die Eckpunkte für eine Strategie Künstliche Intelligenz der Bundesregierung legen dafür den Grundstein. Wir senden ein Aufbruchssignal an Unternehmen und Gründer, denn es geht vor allem darum, unsere hervorragenden Forschungsergebnisse auch in Produkten und Dienstleistungen anzubieten und Deutschland so zu einem weltweit führenden Standort für KI zu machen. Künstliche Intelligenz zu entwickeln und zu beherrschen – sei es beim autonomen Fahren, in der Krebsdiagnostik oder bei den Produktionsprozessen der Zukunft – ist eine Schlüsselfrage für Deutschland und Europa. Mit unserer KI-Strategie werden wir schlagkräftige Antworten geben.“ (lj)

Charité Global Health: Zentrum für globale Gesundheit

Die weltweite Gesundheitsversorgung verbessern – mit diesem Ziel hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt Charité Global Health gegründet. Das interdisziplinäre Zentrum wird die verschiedenen Global Health-Projekte der Charité bündeln, koordinieren und ausbauen, um eine sichtbare Schnittstelle nach innen und außen zu sein. Zudem steht die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft im Mittelpunkt.

Themen wie die weltweite Ausbreitung von Infektionskrankheiten, antibiotikaresistente Krankheitserreger oder nicht-übertragbare Volkskrankheiten wie Diabetes gehören zum Fachgebiet Global Health. Ziel ist es, Menschen auf der ganzen Welt vor gesundheitlichen Problemen zu schützen. Außerdem ist ein Ziel, Krankheiten bestmöglich zu bekämpfen und so die globale Gesundheitsversorgung zu verbessern. Auch die psychische Gesundheit sowie die gesundheitlichen Folgen von Krisen und Migration sind zentrale Themen von Global Health. Mit diesen internationalen Herausforderungen befasst sich das neue Zentrum für globale Gesundheit der Charité in der Forschung, Lehre und Krankenversorgung.

Charité Global Health essentiell für Vernetzung von Forschungsfeldern

„Mit Charité Global Health bauen wir unsere internationale Expertise aus, um Lösungen für drängende globale Gesundheitsprobleme zu finden. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland sein Engagement für globale Gesundheit gerade verstärkt, ist dies ein konsequenter Schritt – sowohl für die Charité als auch für Berlin als Gesundheits- und Wissenschaftsstadt“, erklärt Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums, dazu: „Global Health-Themen sind interdisziplinär, daher müssen viele verschiedene Bereiche der Forschung und Gesundheitsversorgung zusammenarbeiten.“ In Zeiten der Globalisierung werde es immer wichtiger, beispielsweise gegen Epidemien gerüstet zu sein, denn Viren kennen keine Landesgrenzen, so Drosten.

Internationale Zusammenarbeit stärken

Die enge Zusammenarbeit mit Akteuren aus Berlin, Deutschland und der Welt wird in dem neuen Zentrum einen besonderen Stellenwert einnehmen. So bereitet Charité Global Health derzeit Kooperationen mit der London School of Hygiene and Tropical Medicine und der Oxford University vor. (red)

Unterstützung für Betriebe beim digitalen Wandel

Die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg bekommt in Zukunft Unterstützung beim digitalen Wandel. Firmen sollen Technologien, die in den Universitäten und Forschungseinrichtungen der Hauptstadt entwickelt werden, noch schneller als bislang in Produktion und Entwicklung einsetzen können. Das ist der Kern einer neuen Kooperation zwischen den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg (UVB) und dem Fraunhofer Leistungszentrum „Digitale Vernetzung“, zu dem die Spitzen beider Organisationen jetzt in Berlin den Startschuss gegeben haben.

„Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe sind beim rasanten digitalen Wandel auf Unterstützung angewiesen. Das Fraunhofer Leistungszentrum ist für uns ein idealer Partner, um Innovationen in die betriebliche Praxis zu bringen. Damit wird die Hauptstadtregion noch wettbewerbsfähiger“, sagte UVB-Präsident Dr. Frank Büchner. „Wir wollen dabei helfen, Berlin zu einem Leuchtturm für die nächste Welle der Digitalisierung zu machen“, ergänzte Prof. Manfred Hauswirth, der Sprecher des Leistungszentrums Digitale Vernetzung. Dazu organisiere das Institut den Schulterschluss der universitären und außeruniversitären Forschung mit der Wirtschaft. Berlin sei mit seinen Fraunhofer-Instituten, weiteren renommierten Forschungseinrichtungen, Universitäten, Unternehmen und der spannenden Start-up-Szene ein idealer Standort für den digitalen Wandel, so Hauswirth.

Unterstützung in verschiedenen Bereichen

Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit werden in den Bereichen Medizin, Mobilität und Zukunftsstadt, Industrie und Produktion sowie kritische Infrastrukturen liegen, erklärten die beiden Organisationen. Das Fraunhofer Leistungszentrum forscht hier an Basis- und Querschnittstechnologien ebenso wie an Lösungen für den Unternehmensalltag. Bereits seit zwei Jahren unterstützen die Unternehmensverbände mit ihrer Plattform „UVB Digitallabor“ Verbände und Unternehmen bei der digitalen Transformation.

Den Auftakt der Zusammenarbeit bildete ein Forum unter dem Titel „Wie digitale Assistenzsysteme die Arbeit verändern“. Dabei stand im Fokus, welche digitalen Assistenzsysteme – vom 3-D-Drucker bis zur Augmented Reality-Brille – heute schon in der Praxis funktionieren und sich für Unternehmen rechnen. Die Fraunhofer-Experten berichteten den rund 100 Unternehmensvertretern zudem über den Stand der Technik bei der Industrie 4.0. Auch um den Einfluss der Digitalisierung auf Aus- und Fortbildung und um Wissenstransfer in Unternehmen werde es gehen. „Kein Unternehmen kann die Herausforderungen des digitalen Wandels mehr allein bewältigen“, sagte UVB-Präsident Dr. Büchner. (red)

 

KI-Studie: Im Wirtschaftsleben der Hauptstadtregion angekommen

Künstliche Intelligenz (KI) treibt die technologische Entwicklung zurzeit branchenübergreifend voran. Die Region Berlin-Brandenburg profitiert von dieser Entwicklung. Dies zeigt die Studie „Künstliche Intelligenz in Berlin und Brandenburg“, die die  Technologiestiftung Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe durchführte, auf. Demnach erfolgt fast die Hälfte aller deutschen KI-Gründungen hier. Mittlerweile entwickeln mehr als 200 Unternehmen in Berlin und Brandenburg Innovationen mit Künstlicher Intelligenz und erwirtschaften rund acht Prozent des Umsatzes im Bereich der Daten- & Softwaredienstleister.

KI-Studie

Die Technologiestiftung Berlin hat diese und viele weitere Zahlen und Fakten für die erste branchenübergreifende Studie zu Künstlicher Intelligenz in Berlin-Brandenburg ermittelt. Ergänzt wurden die Zahlen von der Wirtschaftsförderung Brandenburg.

„Die Studie bietet eine erste richtige Vermessung zum Thema KI als Bestandteil unseres erfolgreichen digitalen Ökosystems. Berlin ist der maßgebliche Standort für Künstliche Intelligenz. Diese dynamische Entwicklung wollen wir strategisch begleiten und stärken. Zudem helfen wir den Bezirken und Behörden, ihre Datensätze zu öffnen und anwendbar zu machen“, so Christian Rickerts, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Anwendungsbereiche

Einst galt KI als ein Nischenfach der Informatik. Das hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Sprach- und bildverstehende, autonome und kollaborative Systeme: Wo die Umgebung über Sensoren oder Zähler in Form von digitalen Daten erfasst werden kann, verarbeiten die Systeme die Daten immer schneller. Mittlerweile „lernen“ Datenverarbeitungssysteme, treffen auf Grundlage der Daten Entscheidungen, kommunizieren mit anderen Maschinen und imitieren in einem allerdings noch stark eingegrenzten Bereich menschliche Intelligenz.

„Von den Unternehmen, die sich in unserer Region mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen, wurden fast die Hälfte erst 2014 und später gegründet. Das zeigt, wie dynamisch sich die Entwicklung vollzieht. Berlin-Brandenburg sollte den Bereich strategisch weiterentwickeln. Mehr Studienplätze, Leuchtturmprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und auch mit den Verwaltungen sowie mehr öffentliche Sichtbarkeit des Themas würden die wichtige technologische Entwicklung noch stärker in der Region verankern und auch die traditionelle Wirtschaftsunternehmen für diesen wichtigen Zukunftstrend fit machen“, sagt Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin.

Veränderungen durch KI

Selbst die Gesundheitswirtschaft wird von KI-Anwendungen revolutioniert. So gibt es bereits Gesundheitsapps, die Vitaldaten ihrer Nutzer auswerten und auf dieser Datenbasis Gesundheitstipps weitergeben, oder Internetsuchmaschinen, die die Bilder im Netz immer besser „lesen“ können. Das sind zwei Beispiele für KI, die beim Endverbraucher ankommen. Zurzeit verändert KI aber vor allem Geschäfts- und Produktionprozesse.

Hier liegt auch der Schwerpunkt der Berliner KI-Unternehmen. Rund 36 Prozent arbeiten im Bereich Business Intelligence/Prozessmanagement und erwirtschaften 43 Prozent des Umsatzes der KI-Unternehmen. Erst dann folgen die Bereiche Health, in dem 10 Prozent der Unternehmen tätig sind und 15 Prozent des Umsatzes erwirtschaften. Dann folgt der Mobilitätsbereich mit neun Prozent der Unternehmen und einem Umsatzanteil von 14 Prozent.

Wirtschaftszweig KI

Vor allem die KI-Unternehmen ziehen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, die in den letzten Jahren sehr erfolgreich Venture Capital (VC) eingeworben haben. Außerdem haben die KI-Unternehmen dafür gesorgt, dass in Berlin ein auch im Vergleich mit Frankreich und Großbritannien deutlich über dem Durchschnitt liegendes VC-Engagement zu verzeichnen ist (6,4 Millionen Euro pro Unternehmen in Berlin-Brandenburg gegenüber 6,1 Millionen in Deutschland und 5,1 Millionen in Großbritannien). Dabei entfielen 70 Prozent des VC auf fünf Unternehmen. Von denen sind drei im Bereich Business Intelligence und Prozessmanagement tätig und zwei gehören dem Gesundheitsbereich an.

Diese fünf VC-finanzierten Unternehmen sind allerdings keine typischen Repräsentanten des Berliner KI-Bereiches. Insgesamt sind die Berliner KI-Unternehmen eher klein, was auch damit zu tun hat, dass sie sehr jung sind. Fast die Hälfte (49 Prozent) beschäftigen zwischen ein und zehn Mitarbeiter. Sie entwickeln vor allem wissensbasierte Expertensysteme (26 Prozent), Sprach- (21 Prozent) sowie bildverstehende Systeme (15 Prozent).

Prognosen und Voraussetzungen

Die Prognosen der Studie zur weiteren Umsatzentwicklung gehen zwar auseinander, je nachdem wie die Experten die allgemeine Entwicklung einschätzen. Alle stimmen aber darin überein, dass der Umsatz in diesem Bereich stetig anwachsen wird.

Darüber hinaus erfüllt Berlin-Brandenburg alle Voraussetzungen, um die Chancen zu nutzen. Die Region hat im KI-Bereich exzellente universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Diese beeinflussen die technologische Weiterentwicklung wesentlich. Außerdem sorgen die Forschungseinrichtungen für qualifizierte Hochschulabsolventen, die den Technologietransfer über Köpfe sicherstellen. Überdies sind sie wesentlich daran beteiligt, dass öffentliche Fördergelder in den Bereich fließen. 2017 waren es fast 20 Millionen Euro. (red)

 

China macht es vor, Berlin macht es nach: Die Hauptstadt soll künftig mit Elektrobussen ausgestattet werden

China ist zwar nicht auf dem neuesten Stand was die Technik im Straßenverkehr betrifft, dennoch sind sie der deutschen Hauptstadt in einem Punkt weit voraus: Rund 5.000 Elektrobusse sind auf Chinas Straßen unterwegs. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop besuchte während ihrer Delegationsreise die Stadt Peking, um sich genauer über die Thematik zu informieren. Dafür schaute sie sich am 18.04.2018 einen großen Betriebshof für Elektrobusse, Xiaoying Bus Terminal im Chaoyang Distrikt an.

China zeigt Ramona Pop wie das mit den Elektrobussen funktioniert

State Grid, dem gigantischen staatlichen Netzbetreiber, der für 80 Prozent der Energieversorgung von 1,3 Milliarden Chinesen zuständig ist, erklärte, dass im Xiaoying Bus Terminal die größte und leistungsfähige Ladestation der Welt vorhanden sei. 30 Busse der staatlichen Marke Foton, die mit Daimler kooperiert, können dort gleichzeitig aufgeladen werden. Das vollständige Aufladen beträgt nur 20 Minuten.

Die Crème de la Crème des Unternehmens Foton kamen zu dem Treffen mit der Senatorin. Begrüßt wurde Pop von Liang Zhaowen, Staatssekretär und eine wichtige Führungsposition der Foton-Nutzfahrzeugsparte. Auch Gary Gao, Foton-Manager, war anwesend. Voller Stolz präsentierten sie die Anlage, in der die ganzen Busse an den Ladesäulen zu finden waren. Insgesamt beläuft sich die Kapazität auf 360 Kilowatt. Laut mitgereister Energieexperten würde diese Menge für die Stadt Berlin nicht tragbar sein. Die Frage von Pop, wie stark die Leitung sei, die diese immense Strommenge zur Verfügung stellt, wurde leider nicht richtig beantwortet.

BVG will Elektrobusse auf Berlins Straßen bringen

BVG Chefin, Sigrid Nikutta und Senatorin Pop waren beide von der Vorstellung der Elektrobusse in Peking begeistert. Die rot-rot-grüne Koalition ist seit längerem versucht die Berliner Luft zu verbessern. Gleichzeitig würde dadurch der Lärmpegel auf den Straßen immens verringert werden. Eine erste Ausschreibung für 30 Elektrobusse wurde bereits durchgeführt. Zu einer Zusammenarbeit mit Foton kam es jedoch nicht. Laut Gao ist die Firma daran orientiert, ganze Lösungen zu finden und nicht vereinzelt Busse zu verteilen. Im Sommer 2018 sollen laut Nikutta die nächsten 30 Busse ausgeschrieben und die hauseigene Flotte soll somit stetig auf emissionsarme Antriebe umgestellt werden.

Hierzulande sind die Hersteller noch nicht wirklich überzeugt von den Elektrobussen. Es müsse noch viel erprobt und erforscht werden, bevor man sich an den Zahlen Pekings orientieren kann. Elektrobusse fungieren in Deutschland bisher lediglich als Modellprojekt. Bevor man sie bedenkenlos auf Deutschlands Straßen einsetzen darf, müssen diesbezüglich noch einige Technikfragen geklärt werden. (ls)

Veranstaltungen

11. ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung

Wissenschaft ist überall. Nicht nur in Universitäten und Fachhochschulen – sondern auch in Stiftungen, Think Tanks, in Unternehmen, bei Verbänden und Parteien. Sie ist eine Bezugsgröße für gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen, und sie muss auch als Gradmesserin für die Wahrheit herhalten. Wissenschaft aber ist nicht nur erkenntnis-, sondern auch interessensgeleitet, und sie wird ausgeführt von vielfältigen Akteurinnen und Akteuren. Wenn Wissenschaft aber eine Agenda hat – wem dient sie dann?

Die diesjährige ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung fragt: Wem gehört die Wissenschaft? Wer darf im Namen der Forschung eine Studie beauftragen und verbreiten, welche Akteure bezeugen ihre Glaubhaftigkeit? Wie viel echte Erkenntnis steckt in Auftragsforschung? Wie unabhängig sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland?

Diese und weitere Fragen diskutieren hochkarätigen Referenten auf der diesjährigen Hochschulkonferenz, zu der DIE ZEIT gemeinsam mit ihren Partnern Vertreter aus Bildungspolitik, Wirtschaft und Wissenschaft nach Berlin einlädt.

(Anmeldung erforderlich)

Lange Nacht der Wissenschaften 2019

Bei der klügsten Nacht des Jahres öffnen zahlreiche Institutionen ihre Türen und bieten Wissenschaft zum Mitmachen an.

Zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen aus Berlin und Potsdam laden in sonst nicht öffentlich zugängliche Labore, Archive, Bibliotheken und Hörsäle. Die 19. Lange Nacht der Wissenschaften bietet spannende Experimente, aktuelle Forschungsergebnisse und anregende Gespräche.

(gebührenpflichtig)