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Ramona Pop über das Berliner Wirtschaftswachstum

Berlin ist als Tourismus-Destination gefragter denn je und der Hotelmarkt wächst überdurchschnittlich schnell. Die große Nachfrage führt zu Wirtschaftswachstum. In ihrem Konjunkturbericht zur wirtschaftlichen Lage spricht Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, von der Steigerung der Berliner Wirtschaftstätigkeit. Ein wesentlicher Grund dafür sei die stark wachsende Tourismusbranche. Berlin ist, bezüglich des Hotelmarktwachstums, unter den Top-5-Städten Deutschlands.

Berliner Senat rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent

2018 ist der Berliner Hotelimmobilienmarkt im zehnten Jahr in Folge gewachsen. Daraus resultieren höhere Erlöse, steigende Übernachtungszahlen und ständig ausgebuchte Hotels. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop plant am heutigen Tag die Veröffentlichung des Konjunkturberichts zur wirtschaftlichen Lage in Berlin. Teile des Inhalts sind bereits bekannt. Der Berliner Senat entnimmt dem Schreiben für das Gesamtjahr 2019 ein Wachstum des lokalen Inlandsproduktes um 2,0 Prozent. Grund dafür sei laut Senatorin Pop unter anderem die wachsende Tourismusbranche und der sich differenzierende Markt. So werden zum Beispiel noch in diesem Jahr rund 60 Millionen Euro in die Modernisierung des InterContinental Berlin investiert, um die Zimmer an die neusten Standards anzupassen. Auch das Luxussegment wird immer weiter ausgebaut.

Gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum

Seit 2014 nimmt das Wachstum des lokalen Inlandproduktes im Vergleich zum Durchschnitt aller deutschen Bundesländer rasant zu. So gab es beispielweise im Jahre 2016 ein extrem starkes Wachstum von 5,1 Prozent. Wichtiger Faktor für die Stabilität und das konstante Wachstum sei laut Senatorin Pop zudem die wachsende Digitalwirtschaft und die dadurch entstehenden neuen Arbeitsplätze. Auch das Wachstum von Dienstleistungen trage zur günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt bei.

Zum Dienstleistungssektor zählt auch das Baugewerbe, in dem die Berliner Unternehmen sehr unabhängig von anderen Weltregionen sind und daher kaum von aktuellen Krisen betroffen sind. Die Unabhängigkeit von internationalen Auftraggebern führe zu guten Voraussetzungen für weiteres Wachstum. (tf)

Wirtschaftswachstum: „Berlin ist international wettbewerbsfähig“

Im Gespräch mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) Die BERLINboxx sprach mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop über das anhaltende Wirtschaftswachstum Berlins, welche Bedeutung die Ansiedlung des Siemens Innovations-Campus für die Stadt hat und wie die Berliner Wirtschaft langfristig vom jetzigen Boom profitieren kann.

Frau Pop, Berlin hat sich im Wettbewerb um Siemens gegen internationale Standorte wie Singapur durchgesetzt. Was genau waren die Standortvorteile von Berlin?

Siemens wurde 1847 in Berlin gegründet – diese Berliner Erfolgsgeschichte werden wir nun zusammen weiterentwickeln. Gemeinsam mit dem Berliner Traditionsunternehmen wollen wir Zukunft gestalten. Berlin und Siemens sind starke und verlässliche Partner. Wir haben in den letzten Monaten erfolgreich die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Siemens in den Wirtschaftsstandort Berlin investiert. Der Einsatz hat sich gelohnt: Wir haben uns gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt, Siemens wird 600 Millionen Euro in den Innovations-Campus investieren. Siemens findet hier in Berlin alles für die Zukunftsthemen Smart Infrastructures, Energie und Mobilität. Unsere Stadt ist mit der boomenden Digitalwirtschaft, den internationalen Talenten, unserer Forschungsdichte und der modernen Industrie der passende Standort für den Campus.

Was versprechen Sie sich von der Ansiedlung? Welche gesamtstädtische Bedeutung hat sie?

Auf dem Siemens Innovations-Campus werden Synergien durch das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen, die in bestimmten, für Siemens und Berlin wichtigen Innovationsfeldern und Schlüsseltechnologien zum Tragen kommen. Damit wird der Industriestandort gestärkt und gleichzeitig der Weg zur Smart City fortgesetzt. Der Innovations- Campus sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue. Dieses zukunftsweisende Projekt ist bedeutend für Siemens, die Siemensstadt und ganz Berlin. Auch die Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen: Dass Siemens sagt, wir bleiben und investieren in Deutschland und gehen nicht nach Asien oder die USA zeigt, dass Berlin international wettbewerbsfähig ist.

Berlin gilt als Start-up-Hauptstadt Europas. Städte wie Lissabon oder Warschau wollen zu ebendieser werden. Wie wollen Sie den Titel „verteidigen“?

Berlin hat weltweit eine enorme Strahlkraft als Digital- und Start-up-Metropole. Deutschlandweit liegt die Hauptstadt bei den Neugründungen auf dem Spitzenplatz. Zwei Drittel des Risikokapitals, das 2017 in Deutschland von Start-ups akquiriert werden konnte, landete bei Berliner Unternehmen – insgesamt drei Milliarden Euro. Wir setzen Impulse für Innovation und bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Wir bieten beste Rahmenbedingungen, nach wie vor vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten, die Nähe zu europäischen Märkten und Fachkräfte in den schnell wachsenden Branchen Fintech, Gesundheit und der Digitalindustrie. Wir ruhen uns auf dieser positiven Entwicklung nicht aus, sondern arbeiten stetig weiter an vielen Projekten, um das erfolgreiche Ökosystem zu stärken.

Günstige Mieten, Freiräume und eine besondere Kultur haben Berlin früher ausgemacht. Die Stadt wird immer teurer, Gewerbeflächen sind Mangelware. Das schreckt Unternehmen/Start-ups mehr und mehr ab. Wird Berlin dem Wachstum noch gerecht? Welche Standortvorteile können in Zukunft überzeugen?

Um die Potenziale unseres dynamischen Wirtschaftswachstums weiterhin ausschöpfen und in weiteren Arbeitsplatzzuwachs umsetzen zu können, ist ein ausreichendes Flächenangebot für die Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen wichtig. Bei aller Unterstützung für die Anstrengungen zur Schaffung neuen Wohnraums dürfen wir die Arbeitsplatzentwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Arbeitsplätze können nur erhalten oder neu geschaffen werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Daher verfolgen wir eine engagierte Gewerbeflächenpolitik, der in Zeiten der wachsenden Stadt eine ständig steigende Bedeutung zukommt.

Wie wollen Sie die Umsetzung des „Masterplans Industrie“ vorantreiben?

Auch die Entscheidung von Siemens, in Berlin den Innovations-Campus zu entwickeln, bestätigt: Berlin hat sich als innovativer Industriestandort etabliert. Unsere Industrie ist sehr stark, wo industrielle Produktion und industrienahe Dienstleistungen verschmelzen, insbesondere an der Schnittstelle von Forschung und Digitalisierung. Mit dem Masterplan Industrie stärken wir diese neuen Industriebereiche, da sie zu einer nachhaltigen, ökologischen Modernisierung der Wirtschaft beitragen. Der Masterplan Industriestadt Berlin ist eine gemeinsam getragene Strategie des Senats, des Netzwerks Industriepolitik sowie der Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft. Wir stellen über die neue Geschäftsstelle Masterplan Industrie ein zentrales Projektmanagement für den Masterplan insgesamt sicher.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Berliner Wirtschaft nicht nur jetzt boomt, sondern auch nachhaltiger wird und Berlin perspektivisch auch etwas vom jetzigen Boom hat?

Die Krisenjahre Berlins blieben nicht ohne Folgen für die Stadt. Und die Folgen sind immer noch spürbar. Aber wir holen nun Versäumtes nach und investieren in die Zukunft. Wir haben ein entschlossenes Investitionsprogramm für Berlin gestartet: für Schulen und Kitas, Krankenhäuser, ein Stadtwerk für die Energiewende; wir bauen den öffentlichen Nahverkehr aus und fördern die Fahrradinfrastruktur.

Und wir handeln vorsorglich: Zum Jahreswechsel werden wir die 3,7 Milliarden Euro Schulden aus den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise getilgt haben. Wir halten also die Schuldenbremse bereits im laufenden Konjunkturzyklus ein. Das können andere Bundesländer nicht von sich behaupten. Wir haben Berlin gut vorbereitet auf schwächere Phasen, schließlich werden auch internationale Risiken größer. Wir haben hohe Investitionsmittel für die nächsten Jahre gesichert und können damit trotz Schuldenbremse Konjunkturimpulse setzen.

Geht der Aufwärtstrend auch 2019 so weiter? Welches Wirtschaftswachstum erwarten Sie?

Die Berliner Wirtschaft setzt ihren Wachstumskurs fort und schafft in einem überdurchschnittlichen Maße neue Arbeitsplätze. In der Hauptstadt behalten die Wachstumskräfte die Oberhand. Taktgeber ist der Branchenmix aus stark wachsenden Dienstleistungsbranchen und robustem Produzierenden Gewerbe. Ich rechne für das Jahr 2018 mit einem Wachstum von etwa 2,7 Prozent. Trotz internationaler Risiken erwarten wir für 2019 zurzeit 2,3 Prozent Wachstum. Damit liegen wir weiter über dem Bundesdurchschnitt. Jetzt gilt es, diesen Prozess zu verstetigen und die Weichen für eine mittel- und langfristig erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung zu stellen. (cr)

Digitalwirtschaft – neue Initiative berlin.digital unterstützt bei der Fachkräftesicherung

Die Berliner Digitalwirtschaft und Gründerszene ist stark. Jedoch fällt es vielen Unternehmen schwer, geeignete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden. Aus diesem Grund hat das Branchennetzwerk media:net berlinbrandenburg eine neue Initiative ins Leben gerufen. Mit berlin.digital setzt sie sich für die Interessen der Digitalwirtschaft ein und unterstützt Berliner Unternehmen im Recruiting, Onboarding und in der Vernetzung von HR-Verantwortlichen.

Digitalwirtschaft immer wichtiger für die Hauptstadt

Mittlerweile ist jeder achte Arbeitsplatz in Berlin in der Digitalwirtschaft zu finden. Damit umfasst die lokale Digitalwirtschaft mehr als 77.000 Arbeitsplätze in über 9.000 Unternehmen. Jedoch sind viele Stellen unbesetzt, da ein starker Fachkräftemangel herrscht. Dieser hemmt das Wachstum und lähmt auf lange Sicht die Innovationskraft, sagen die Initiatoren von berlin.digital. Genau bei diesem Problem setzt daher die neugegründete Initiative an.

Andrea Peters, CEO media:net berlinbrandenburg, betont: „Die Stadt ist ein Gewinner der digitalen Transformation. Die Digitalbranche trägt massiv zum Wirtschaftswachstum in Berlin bei. Damit das so bleiben kann, unterstützen wir die Unternehmen aus der Digitalbranche vor allem auf der Suche nach Talenten und möchten viele Prozesse – darunter auch behördliche – für sie vereinfacht wissen.“

Die größte Herausforderung der Berliner Digitalwirtschaft: Fachkräfte finden!

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat eine Umfrage möglich gemacht, in der das Hauptproblem der Unternehmen deutlich wurde. So wünschen sich viele vor allem Unterstützung bei der Rekrutierung und dem Onboarding neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Mithilfe von Jobbörsen, Jobnewslettern, Recruitingtagen und Messeständen auf Fachkonferenzen im In- und Ausland sollen die Firmen nun die Möglichkeit bekommen, besser mit potentiellen Bewerbern in Kontakt zu kommen.

„Das digitale Ökosystem in Berlin bietet alles, was das Gründerherz begehrt: zunehmende Präsenz von Investoren, immer noch vertretbare Mietpreise und eine hohe Lebensqualität, was viele exzellente Arbeitskräfte aus der ganzen Welt anzieht. Diese wertvollen Fachkräfte mit verlässlichen Prozessen zu begrüßen und sie zügig mit den richtigen Unternehmen zusammenzubringen, ist entscheidend. Hier kann berlin.digital einen relevanten Beitrag leisten“, so Florian Heinemann, Investor und CEO von Project A Ventures sowie Aufsichtsrat von media:net.

Weitere Schwerpunkte der Initiative berlin.digital werden der Erfahrungsaustausch und die Professionalisierung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Human Ressources sein. „berlin.digital setzt da an, wo die Digitalwirtschaft aktuell die meisten Herausforderungen bewältigen muss: beim Recruiting geeigneter Fachkräfte. Gemeinsam mit der Initiative und weiteren Berliner Unternehmen möchten auch wir noch mehr Talente erreichen und für die Berliner Digitalszene begeistern“, heißt es von Claudia Frese, CEO MyHammer. (aw)

IHK schlägt Alarm: Senat muss Belange der Unternehmer stärker berücksichtigen

„Die Berliner Wirtschaft stellt dem Senat ein extrem schlechtes Zeugnis aus“, satgt Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), bei der Präsentation der Ergebnisse eines Workshops der 99 Vollversammlungsmitglieder. „Die Politik hat die Berliner Unternehmer nicht im Blick. Wir haben das Gefühl, dass ein Aufbruchssignal ausbleibt.“ Die Chefs der Vertretung von mehr als 300.000 Unternehmen in der Hauptstadt zeigen sich besorgt, dass der rot-rot-grüne Senat die ökonomische Entwicklung falsch einschätzt und die Zukunft der Stadt verspielt.

„Wir hatten schlechte Ergebnisse erwartet, aber nicht so schlechte“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Die derzeit „gute Konjunktur ist kein Selbstläufer“. IHK-Präsidentin Kramm sieht Berlin „am Scheidepunkt“. Wesentlicher Motor des Aufschwungs in den vergangenen Jahren seien die Standortfaktoren niedrige Mieten und günstige Lebenshaltungskosten gewesen. „Wir waren arm, billig und hatten Platz“, so Kramm. Damit sei es inzwischen vorbei. „Was machen wir ohne ,arm, aber sexy‘?“ Berlin stünde nun in Konkurrenz zu London, Paris oder Tel Avis. Eder fordert von der Politik neue Ideen für eine nachhaltige Wirtschaft: „Wir wünschen uns mehr Zug, Geschwindigkeit und Willen.“

IHK-Kritik an Neubaupolitik

Mit der Situation des Neubaus sind 87 Prozent der IHK-Vertreter unzufrieden. Immer weniger Baugenehmigungen würden erteilt, die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen blieben hinter den Zielen im Koalitionspapier zurück. Nach wie vor mache es die Politik den privaten Bauherren schwer. Schluss mit Denkverboten, fordern die Delegierten. Große Flächen wie die Elisabeth-Aue und das Tempelhofer Feld müssten zumindest an den Rändern bebaut werden. Auch bei den Gewerbeflächen senken 77 Prozent die Daumen. In den Vorjahren seien gut 400 Hektar Gewerbeflächen verloren gegangen. Die IHK fürchtet, dass 2030 sämtliche Gewerbeflächen aufgebraucht seien.

Beim Thema Verkehr sind 77 Prozent nicht befriedigt. Der Senat berücksichtige zu wenig den Wirtschaftsverkehr. Bei Bildung, insbesondere beim Übergang von Schule in den Beruf, winken 79 Prozent der Unternehmer ab. Nur jeder Zehnte von jährlich 28.000 Schulabgängern finden direkt in die duale Berufsausbildung. Kritik gab es wegen der Oberstufenzentren, die mit ihren schulischen Ausbildungsgängen den Betrieben die Auszubildenden wegschnappten. 1.200 Ausbildungsplätze seien unbesetzt.

 

IHK-Umfrage: Berliner Unternehmen fordern mehr Neubautätigkeit und Akquisition von Gewerbeflächen. | Foto: pexels.com

IHK-Umfrage: Berliner Unternehmen fordern mehr Neubautätigkeit und Akquisition von Gewerbeflächen. | Foto: pexels.com

 

Digitaler Stand in Behörden katastrophal

Über die Verwaltung äußern sich 86 Prozent unzufrieden. Eine zentrale Stelle für Baugenehmigungen müsse dringend geschaffen werden. Außerdem ein Online-Serviceportal für Unternehmen. Das digitale Leistungsniveau in den Ämtern nennen viele „eine Katastrophe“.

Einzig bei den Investitionen zeigen sich nur 44 Prozent unbefriedigt. 20 Prozent sind mit der Schuldenbremse und den 2,4 Milliarden Euro Investitionen bei landeseigenen Betrieben wie der BVG einverstanden. Dennoch mahnt IHK-Hauptgeschäftsführer Eder: „Der Senat muss jetzt für gute Rahmenbedingungen sorgen.“(hf)

Neu ab Tegel: Nonstopflüge nach Singapur

Ab heute ist die Hauptstadt ist für Reisende aus Asien noch besser zu erreichen. Mit Scoot werden die bislang 14 Flugstunden von Tegel nach Singapur künftig ohne Zwischenstopp zurückgelegt. Vier Mal die Woche steuert der Großraum-Flieger „Dreamliner“ den Flughafen Tegel an und verbindet die beiden Millionen-Metropolen miteinander. Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag wird die Direktverbindung geflogen. Der Ticketverkauf für die Nonstopflüge startete bereits im Frühjahr. Als wichtiges Drehkreuz für den Luftverkehr werden von Singapur aus viele Anschlussflüge in den asiatischen Raum sowie nach Australien und Neuseeland erreicht. Scoot ist eine Tochtergesellschaft der Singapore Airlines und fliegt 61 Ziele in weltweit 16 Ländern an.

„Scoot hat erkannt, welche Chancen sich in Berlin bieten. In Südostasien ist das Interesse an der deutschen Hauptstadt schon jetzt sehr groß. Und Singapur ist nicht nur wichtiger Umsteigepunkt für Reisende aus Asien sondern auch für Besucher aus Australien. Mit Scoot rücken beide Kontinente ein gutes Stück näher an Berlin heran“, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer vom offiziellen Berliner Reiseportal visitBerlin.

Premiere für Nonstop-Verbindung: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (3. v.r.) stellt mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft die neue Fluglinie vor. | Foto: visitBerlin

Premiere für Nonstop-Verbindung: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (3. v.r.) stellt mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft die neue Fluglinie vor. | Foto: visitBerlin

Potenzial für Nonstopflüge erkannt

Der Stadtstaat Singapur an der Südspitze der malaysischen Halbinsel gilt als Knotenpunkt internationaler Wirtschaft. Die zusätzliche Flugverbindung zu einem der bedeutendsten Finanzzentren Asiens ist nicht nur für den Tourismus, sondern auch Geschäftsreisende im Messe- und Kongressgeschäft ein Gewinn. Für den asiatischen Tourismus ist Berlin als Gründungsstandort für Start-ups bekannt. Jedes fünfte Berliner Start-up ist zugezogen, das ist mehr als in allen anderen Gründerzentren weltweit. Die kreative Szene boomt, während Touristen die Hauptstadt für die ganz spezielle Berliner Mischung besuchen.

Besucher aus Asien und Australien blieben mit rund drei Aufenthaltstagen auch deutlich länger in der Stadt als der durchschnittliche Gast aus anderen Breiten. Dieser verbringt rund 2,4 Tage in Berlin. Die rund 1,44 Millionen Übernachtungen in Berliner Unterkünften wurden von mehr als einer halben Millionen asiatischen Touristen gebucht, die Berlin 2017 bereisten. Nun bietet die Billigfluggesellschaft Scoot Ticketpreise von weniger als 400 Euro an und legt die Strecke in 12 Stunden zurück.

Tegel, heute morgen um 7 Uhr: Erste Landung des Nonstopfluges aus Singapur. | Foto: visitBerlin

Tegel, heute morgen um 7 Uhr: Erste Landung des Nonstopfluges aus Singapur. | Foto: visitBerlin

Erforderlicher transkontinentaler Ausbau

Tourismusgesellschaften und Flughafen-Experten sprechen von einer Bereicherung für die Anbindung und den Tourismus der deutschen Hauptstadt. Nach der Airberlin-Pleite wurden von Berlin aus nur noch vier interkontinentale Ziele angeflogen. Zeitweilig werden sie von der Lufthansa übernommen. Neben New York sind Peking, Doha und die mongolische Hauptstadt Ulan-Bator die Langstreckenziele. Anfang Juni wurde als Erweiterung des transatlantischen Verkehrs von Berlin aus die Nonstop-Verbindung zum kanadischen Großraum Toronto ausgebaut. (cn)

 

Unternehmenswachstum sichern: Berlin braucht mehr Gewerbeflächen

Eine ähnlich dramatische Entwicklung wie der Berliner Wohnungsmarkt nimmt auch die Flächenverfügbarkeit für Gewerbe an. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) könnte das Berliner Wirtschaftswachstum aufgrund des Wegzuges vieler mittelständischer Unternehmen darunter leiden. Hohe Immobilienpreise und Mieten sowie nicht zur Verfügung stehende Gewerbeflächen werden als Hauptmotiv für die Unternehmensverlagerung aus Berlin heraus angegeben (Mai 2018). Dies ließen vor allem 50 kleinere Unternehmen wissen, denen es unmöglich erscheint noch Räumlichkeiten in Berlins zentralen Lagen zu finden. Des Weiteren verstärken die rund 3700 Unternehmen die Berlin seit 2013 verließen, die Dringlichkeit einer Veränderung. Die IHK korrigierte ihre wirtschaftliche Wachstumsprognose für das laufende Jahr aus diesem Grund von 2,5 auf 2,2 Prozent. Dies steht den 3,1 Prozent in 2017 nach, womit Berlin damals das bundesweite Wachstum sogar überholte. Nun liegt Berlin mit seinem schwächsten Stand seit Herbst 2016 (IHK), mit 2,2 auf gleicher Ebene wie das gesamtdeutsche Wachstum.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop kündigte bereits die Gründung einer Gesellschaft für Gewerbegrundstücke und –immobilien an, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Die neue Gesellschaft solle zukünftig die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beim Erwerb neuer Gewerbeflächen unterstützen. Über den Gründungszeitpunkt oder den finanziellen Apparat ist bisher wenig bekannt. Der Zugriff auf die 50 Millionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur, Wachstum und Nachhaltigkeit, soll gewährleistet sein.

Schwächer als im Vorjahr mit 2,2 Prozent Wachstum (IHK). | Foto: pexels.com

Schwächer als im Vorjahr mit 2,2 Prozent Wachstum (IHK). | Foto: pexels.com

Zukunftssicherung durch vorhandene Wettbewerbsvorteile

Nach dem erstaunlich starken Rückgang der Arbeitslosenrate um 0,8 Punkte auf 8,1 Prozent, würde auch diese Gründung weitere Arbeitsplätze schaffen. Die IHK spricht trotzdem von einer „sehr guten konjunkturellen Lage“ und einem „freundlichen Geschäftsklima“ für die Unternehmen. Nicht zuletzt ist Berlin weiterhin Gründungsmetropole und weist durch ihre bekannte Berliner Mischung eine hohe Lebensqualität auf. Die IHK warnt hauptsächlich vor zukünftigen Hürden für Unternehmen, wodurch Berlin seine 2017 erzielten Spitzenleistungen einbüßen könnte. Außerdem wird im Zuge der fehlenden Standorte vor dem Verlieren der bislang vorhandenen Wettbewerbsvorteile und der Attraktivität gewarnt.

„Vor diesem Hintergrund bleibt es besonders wichtig, die Weichen für wirtschaftliches Wachstum in Berlin richtig zu stellen und bei den drängenden Themen – von der Modernisierung der Verwaltung bis zur Flächenverfügbarkeit für Industrie und Gewerbe – weiter voranzukommen. Sonst muss die Stadt vielleicht in Kürze bedauern, das konjunkturelle Hoch nicht zukunftssichernd genutzt zu haben“, so Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Alternative Gewerbeflächen in Brandenburg

Trotz eines Rückgangs um 11.000 Arbeitssuchende im Vergleich zu 2017, wird der Fachkräftemangel von den Unternehmen weiterhin als bedeutsames Risiko angesehen. Rund zwei Drittel gaben in einer IHK-Umfrage an, hier die Befürchtung zu haben an Wachstum einzubüßen. Zu den immer schwerer zu besetzenden Stellen kommt eine Skepsis im Export. Die Trägheit in den Auslandsgeschäften sei vor allem auf die herrschende politische Unsicherheit und die Schwankungen internationaler Handelsbeziehungen zurückzuführen.

Export ist abhängig von politischer Stabilität. | Foto: pexels.com

Als erster der negativen Standortfaktoren wundert es nicht, dass lediglich 4 Prozent der Berliner Flächen für Gewerbezwecke genutzt werden. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu Städten wie Hamburg oder Bremen, die ihr Angebot und ihre Attraktivität zusätzlich ausbauen (Quelle: Tagesspiegel). Der Schwund an, höchstwahrscheinlich auch für den Berliner Wohnungsbau genutzten Gewerbeflächen, machte seit 2000 bereits 468 Hektar aus. Mit der Gründung der neuen Gesellschaft möchte der Senat nun die Abwanderung kleinerer Unternehmen und Start-ups in Brandenburger Gebiete eindämmen. Ein Drittel der Unternehmen, die seit 2013 Berlin verließen, scheint dort bisher eine aussichtsreiche und günstigere Alternative gefunden zu haben. (cn)