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Wie die Digitalisierung Geschäftsreisen verändert

Die Digitalisierung sorgt im B2B-Bereich für eine enorme Beschleunigung der Reisewelt, Reisen werden online gebucht, in ein paar Stunden lassen sich in Paris oder Prag Business Meetings organisieren und dank dem Smartphone ist das Hotel für den Geschäftstermin auch bereits gebucht – alles meist nur einen Klick entfernt. Diese Beschleunigung stellt auch die Tourismusbranche vor enorme Herausforderungen. Geschäftsreisende sind heute mit Smartphones und anderen Gadgets ausgestattet und können Ihre Reise unabhängig von Ort und Zeit planen. Dadurch ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für Navigation und Kommunikation – Themen, denen Veranstalter von Geschäftsreisen mehr und mehr Beachtung schenken müssen.

Geschäftsreisen werden online gebucht

Seit etwa acht Jahren verzeichnet der Tourismus weltweit ein überdurchschnittliches Wachstum, so wurden im Jahr 2017 insgesamt 1,32 Milliarden Ankünfte gezählt und in diesem Jahr ist deren Zahl sogar noch weiter gestiegen – um mehr als 30 Prozent laut Jahresbericht der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO).

Die digitale Vernetzung ermöglicht es Reiseanbietern heute, ihre Preisbildung flexibler zu gestalten. Mit der Folge, dass die Planung von Dienstreisen komplizierter geworden ist und Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt. Früher setzten gerade größere Unternehmen noch auf feste Vertragsvereinbarungen mit Hotels oder Hotelketten um möglichst große Planbarkeit zu haben. Mittlerweile geht der Trend allerdings zu einer flexibleren Planung, die nicht selten auch „Last Minute“ erfolgt. Darüber hinaus weisen immer mehr Unternehmer ihre Mitarbeiter an, selbstständig bei Online-Portalen zu buchen. Diese Portale haben sich eine Zeit lang mit Bestpreisklauseln niedrige Preise sichern können, mussten diese aus kartellrechtlichen Gründen jedoch wieder streichen. Dadurch haben die Hotels wieder an Einfluss gewinnen können. Einer Studie von Mydealz.de zufolge bieten sie heute in 70 Prozent der Fälle auf ihren eigenen Websites bessere Konditionen an als über Portale wie HRS oder Booking.com & Co. erhältlich wären. Ein Preisvergleich lohnt also.

Online-Buchungen sind verbindlich – Expertin Elisabeth Unger, TEST Berlin

Aber Achtung: Bei Hotelbuchungen gilt in der Regel kein Widerrufsrecht. In der Regel kann ein Kunde bei Internetgeschäften innerhalb von 14 Tagen von einem Kauf zurücktreten. Doch diese Möglichkeit besteht nicht, wenn ein Zimmer online gebucht wird.

„Eine Hotelbuchung ist ein Beherbergungsvertrag“, sagt Elisabeth Unger, die Geschäftsführerin der Event-Service-Agentur TEST Berlin. „Online-Buchungen sind daher verbindlich.“ Rechtlich sei es unerheblich, ob die Unterkunft online oder klassisch im Reisebüro gebucht wurde, sagt die Expertin. Wer kündigt, muss deshalb in den meistens Fällen Stornogebühren zahlen. Es sei denn, im Vertrag sind ausdrücklich Ausnahmeregelungen vorgesehen. Bei vielen Anbietern ist zum Beispiel die Kündigung bis zu einem Stichtag vor der Abreise kostenlos möglich. Unger von TEST Berlin empfiehlt: Sollte ein Kunde die Frist einmal verschwitzt haben, so hat er die Möglichkeit beim Hotel anrufen und freundlich um Kulanz bitten.

Die Zukunft der Geschäftsreise

Bei all den Angeboten, die miteinander konkurrieren und sich fortlaufend verändern, ist es mit herkömmlichen Methoden schwierig, das Reisebudget unter Kontrolle zu halten. Auch hier gewinnen digitale Technologien immer mehr an Bedeutung. Ohne Smartphone, Cloud und Künstliche Intelligenz ist die effektive Planung und Umsetzung von Geschäftsreisen heutzutage kaum noch möglich. So erfolgt die Reisekostenabrechnung heute immer häufiger über Apps und Cloud-Anwendungen, die zeit- und raumunabhängig aufgerufen werden können und alle Informationen übersichtlich speichern.

Dass Smart Devices eine immer wichtigere Rolle für Geschäftsreisen spielen, geht auch aus einer Studie hervor, die das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik im Auftrag des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. erstellt hat. Die Forscher gehen davon aus, dass Geschäftsreisende spätestens ab dem Jahr 2025 mithilfe digitaler Technologien kontinuierlich und in Echtzeit Informationen zu ihrer Reise abrufen können. Daraus sollen dann ganz neue Möglichkeiten der strategischen Optimierung des Travel Managements entstehen. Die Studie betont, dass dies vor allem für die Frage der Sicherheit zentral sein wird.

Das Smartphone macht die Abrechnung

In Zukunft werden Business-Reisende ganz selbstverständlich automatisierte Prozesse zur Buchung und Abrechnung ihrer Geschäftsreisen verwenden. Daraus werden wiederum neue Geschäftsmodelle für entsprechende Dienstleister entstehen, zum Beispiel für innovative Bezahlmodelle. Moderne Video-Konferenz-Systeme werden es außerdem möglich machen, Meetings durchzuführen und dabei weitestgehend unabhängig vom momentanen Aufenthaltsort der Teilnehmer zu sein. Auch im Bereich der individuellen Mobilitätslösungen dürfte es viel Bewegung geben.

In Zukunft werden digitale Technologien eine beinahe lückenlose Echtzeitbetreuung ermöglichen. Experten gehen davon aus, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft viel stärker eingesetzt werden wird. Lernfähige Systeme werden Parameter und Muster in den Reisedaten erkennen können. Für den einzelnen Reisenden bedeutet das: Wenn er mehrfach ein bestimmtes Ziel ansteuert, muss er sich vor Ort nicht mehr umständlich durch lange Listen von Hotels suchen. Stattdessen schlägt ihm die KI gleich nach der Landung auf dem Flughafen sein Lieblingshotel in der Stadt vor.

Die Nachhaltigkeit nicht vergessen

Ein Thema, das mehr und mehr in den Vordergrund rückt ist Nachhaltigkeit. Muss es wirklich immer das Flugzeug sein? Wie lässt sich die Geschäftsreise umweltfreundlicher und dennoch effizient gestalten. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen ReiseVerbandes legen viele Geschäftsreisende heute Wert auf Nachhaltigkeit. 68 Prozent der Befragten gaben an, nach Möglichkeit mehrere Termine miteinander zu verbinden und 53 Prozent bevorzugen den Zug vor dem Flugzeug. Beim Hotel legen hingegen nur 31 Prozent Wert auf Umweltfreundlichkeit. Die Umfrage ergab auch, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den Arbeitnehmern stärker ausgeprägt ist als bei den Unternehmensleitungen. Während 81 Prozent der Studienteilnehmer angaben, dass Ihnen Umweltfreundlichkeit auf ihren Business-Trips wichtig sei, achten aber nur 47 Prozent der Unternehmen bereits bei der Planung darauf.

Die digitalen Zukunftstechnologien und der Wunsch der Kunden nach umweltfreundlichen Mobilitätslösungen sind die aktuell größten Herausforderungen im Bereich Geschäftsreisen. Um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen, müssen bisherige Vorgehensweisen hinterfragt und gegebenenfalls optimiert werden. (red)

Diesel-Fahrverbote: Viel Ärger und saubere Luft für Berlin

Das Urteil ist gefällt. Am Dienstag sprach sich das Berliner Verwaltungsgericht für Fahrverbote in Berlin aus. Damit stimmt es einer Klage der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) zu. Sie erwirkte zuvor bereits in Städten wie Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main Fahrverbote. Zwar hatte die DUH gefordert, den gesamten Innenstadtbereich für ältere Diesel zu sperren, dies erschien den Richtern aber unangemessen.

In vielen Bereichen innerhalb der Innenstadt werden bereits die gesetzlichen Grenzwerte für Stickstoffoxide eingehalten, begründete der Vorsitzende Richter Ulrich Meinecke die Entscheidung. Nur auf einigen Strecken wird die kritische Grenze von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft überschritten. Als besonders belastet bezeichnete Meinecke die Leipziger Straße, die Brückenstraße, die Reinhardtstraße, die Friedrichstraße, die Stromstraße sowie Alt Moabit in Berlin-Mitte. Zudem legte das Gericht Fahrverbote für den Kapweg und die Leonorenstraße fest. Auf insgesamt 117 Straßenabschnitten (circa 15 Kilometer Strecke) muss der Senat nachfolgend prüfen, ob hier Fahrverbote notwendig sind.

Eine Lösung mit vielen Problemen

Betroffen von den Verboten sind rund 200.000 Autofahrer, die sich bislang von den Verboten nicht sehr begeistert zeigten. Dazu kommen etliche Pendler und Lastwagenfahrer. Das Verbot richtet sich an Fahrer von Dieseln der Abgasnormen 1 bis 5; moderne Diesel der Euronorm 6 sind bislang vom Verbot ausgenommen. Allerdings plädiert die DUH dafür, die Verbote auf moderne Diesel mit den Euronormen 6a, 6b und 6c auszuweiten. „Auch die Euro-6-Diesel sind ja bekanntermaßen nicht alle sauber“, kommentierte ein Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung den Vorschlag am Montag. Von einer Ausweitung wären Schätzungen zufolge über 300.000 Fahrer betroffen.

Eine wichtige Frage scheint allerdings noch nicht geklärt: Wie kontrolliert man die Einhaltung der Verbote? Hierfür schlägt die SPD die Einführung einer sogenannten Blauen Plakette für saubere, nachgerüstete Diesel vor. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hingegen schloss diese Möglichkeit in der Vergangenheit bereits kategorisch aus. Jedoch besteht noch ein weiteres Problem: Bei der Berliner Polizei fehlt es an Kapazitäten, um entsprechende Kontrollen durchzuführen. „So lange der Senat der Polizei nicht 3000 weitere Stellen genehmigt und so lange es keine blaue Plakette gibt, mit der saubere Diesel gekennzeichnet werden können, werden die Regelungen nicht umgesetzt werden können“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher des polizeilichen Landesbezirks Berlin.

Wirtschaft verurteilt Fahrverbote

Kritische Stimmen melden sich auch aus der Wirtschaft. Laut der Handwerkskammer Berlin sind Handwerksbetriebe und Dienstleister in dem Bereich überproportional von den Verboten betroffen. Sie müssen mit ihren Dieselfahrzeugen auch Kunden in der Innenstadt erreichen. „Egal ob Handwerker oder Handwerkskunde – in beiden Fällen sind Handwerksbetriebe die Leidtragenden. Das kann nicht sein“, kritisierte Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin.

Diese Einschätzung teilt auch die IHK Berlin-Brandenburg. „Die weiteren Planungen müssen vor allem den Wirtschaftsverkehr beachten“, mahnte der Präsident der IHK Ostbrandenburg, Carsten Christ. Einer Umfrage der IHK zufolge sind 50 Prozent aller Unternehmen in Berlin und Brandenburg von den Fahrverboten betroffen. Das entspricht etwa 80.000 betroffenen Betrieben. „Lokale Fahrverbote kann die Stadt verkraften, solange der Lieferverkehr gesichert und die Durchfahrtverbote zeitlich begrenzt bleiben“, ergänzte Dr. Beatrice Schramm, die Präsidentin der IHK Berlin. Somit deuten sich schon jetzt Ausnahmeregelungen für einige Diesel an. Und das bedeutet wiederum einen ungeheuren bürokratischen Aufwand für die prüfenden Behörden. Angesichts dieser Komplikationen stellt sich die Frage, wie effektiv die streckenweisen Fahrverbote tatsächlich sind.

Ungenügende Maßnahmen des Senats

Doch sind die Fahrverbote besser als überhaupt keine Veränderung, führten die Richter in diesem Prozess an. Berlin überschreitet den Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft um ganz 9 Mikrogramm. Angesichts solch einer Übertretung seien die bisherigen Maßnahmen des Senats schlicht nicht ausreichend und eine „rückläufige Tendenz“ der Werte nicht genug.

Bis zuletzt hatte der Senat versucht, Fahrverbote abzuwenden. Regine Günther (parteilos, für Grüne), Senatorin für Verkehr und Umwelt, äußerte noch vor dem Prozess auf Twitter, streckenbezogene Fahrverbote seien für sie die letzte Option. Stattdessen setzte die Verkehrsverwaltung für Umwelt bislang vor allem auf Anreize anstelle von Verboten, beispielsweise für Elektromobilität. So initiierte Günther, unter anderem, dass die Busse der BVG bis 2030 auf Elektroantriebe umgerüstet werden. Außerdem führte die Senatsverwaltung Tempo-30-Begrenzungen auf belasteten Strecken ein. Noch steht allerdings nicht fest, wie effektiv diese zur Senkung der Werte beitragen.

Die Behörden sind für die Einhaltung der Grenzwerte zuständig. Kommen sie ihrer Verpflichtung nicht nach, hat das Konsequenzen. Es liegt jetzt am Senat, die Interessen der Wirtschaft und Anwohner gleichermaßen zu vertreten und das Urteil angemessen umzusetzen. (ke)

Peter Buchner: S-Bahn Berlin ist auf einem guten Weg

Auf der Eisenbahnfachmesse InnoTrans standen die Berliner in der vergangenen Woche Schlange, um eine Neuheit in Augenschein zu nehmen. Die von der Stadler Pankow GmbH entwickelten Prototypen der neuen S-Bahn der Baureihe 483 und 484. Obwohl diese erst 2021 auf den Ringbahnlinien auf die Schiene kommen, ist das ein eindrucksvolles Zeichen für die Modernisierung der Flotte. Mehr als 250 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die Züge investiert, berichtete S-Bahn-Chef Peter Buchner beim INFRANEU-Frühstück im Berlin Capital Club am Gendarmenmarkt.

Glücksfall Buchner

Buchner, der seit 2009 die Geschicke der S-Bahn leitet, ist ein ausgewiesener Verkehrsexperte und hat mehr Qualität in die vielschichtigen Aufgabenfelder der S-Bahn Berlin gebracht. Prof. Dr. Dieter Flämig, geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender von INFRANEU, bezeichnete Buchner als Glücksfall für das Verkehrsunternehmen. Der Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit (INFRANEU) lädt regelmäßig Gäste zu Gesprächen ein, um wirtschaftliche und politische Themen zu diskutieren.

Mehr als 430 Millionen Fahrgäste befördert die Berliner S-Bahn jährlich, eine Mammutaufgabe für die Säule des öffentlichen Nahverkehrs. Der Bahnmanager hat dabei zahlreiche Herausforderungen zu meistern: Marode Technik, veralteter Wagenpark und zunehmende Störungen von außen. Dem begegnet Buchner mit seinem Team mithilfe einer Qualitätsoffensive und einem umfassenden Investitionsprogramm in die technische Infrastruktur.

Qualitätsverbesserung

Peter Buchner setzt dabei auf besondere Instrumente, um schnell konkrete Verbesserungen in das Tagesgeschäft der Deutsche Bahn-Tochtergesellschaft zu implementieren. So hat er eine Art Taskforce ins Leben gerufen, also 50 Mitarbeiter, die neben ihrer Haupttätigkeit mitwirken, um direkt Qualitätsverbesserungen in das S-Bahn-Netz zu ermöglichen. Der interdisziplinäre Ansatz der S-Bahner ermöglicht einen fundierten und themenübergreifenden Hebel bei diesem effektiven Steuerungsinstrument.

Zum interdisziplinären Ansatz gehören unter anderem Verbesserungen im Bereich des Kundenservice, der Sicherheit und dem Liniennetz. Letzteres erweitert die S21 durch eine neue Nord-Süd-Verbindung, die sich gegenwärtig noch im Bau befindet. Schon 2020 sollen hier erste Züge auf den neuen Gleisen rollen. Mit der neuen S21 kommt eine Verbindung vom Nordring über den Hauptbahnhof bis zur Yorkstraße schrittweise hinzu.

Digitaler Service

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die digitalen Angebote der S-Bahn Berlin. Seit 2012, als die S-Bahn ihren Twitter-Account ins Leben rief, hat sich die Zahl der Abonnenten auf stolze 202.000 erhöht. Damit folgen mehr Leute der S-Bahn als den Twitter-Seiten von Microsoft Deutschland, Siemens und Volkswagen Deutschland zusammen. Doch nicht nur auf Twitter, auch mithilfe der S-Bahn-App können sich Kunden über Verspätungen und Ausfälle der Züge in Echtzeit informieren. Zukünftig sollen derartige Informationen auch an den Bahnhöfen und in den Zügen selbst verfügbar sein. Anzeigetafeln an Bahnhöfen sollen demnach präzise anzeigen, wann der nächste Zug einfährt und welche Möglichkeiten Wartende haben, die Problemstellen zu umfahren. In den Zügen der neuen Generation selbst versorgen digitale Anzeigetafeln die Passagiere über den Fortschritt auf der Strecke und zu erwartende Verspätungen.

 In puncto Sicherheit in den Bahnhöfen verstärkte die S-Bahn in den vergangenen Monaten bereits das Einsatzpersonal massiv. „Unser Anspruch ist es, dass sich alle Kunden auf der Fahrt mit der S-Bahn wohl und sicher fühlen“, erklärte Buchner. Neben zusätzlichen Sicherheitskräften während der Nacht weitet die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn deswegen auch ihre Videoüberwachung aus. Diese kommt nicht nur an den Bahnhöfen, sondern auch in den neuen Zügen der Baureihe 483 und 484 zum Einsatz.

Die neuen Wagen der Baureihe 483 und 484 | Foto: Volkmar Otto/Messe Berlin GmbH

Die neuen Wagen der Baureihe 483 und 484 | Foto: Volkmar Otto/Messe Berlin GmbH

Qualitätsoffensive greift: Verbesserung der Pünktlichkeit

Im Feld der Verspätungen hat sich die S-Bahn allerdings nicht viel vorzuwerfen: Im Februar lag die Pünktlichkeitsquote bei 94 Prozent. Dennoch plädiert der S-Bahn-Chef für ehrgeizige 96 Prozent Pünktlichkeit. Im Juli hätten sie dieses Ziel fast erreicht, sie lagen sogar darüber, so Buchner. Doch dann kamen ihnen ein paar schlechte Tage voller Ausfälle und Verspätungen in die Quere. Sie zogen die Quote nach unten. Das Qualitätsprogramm schient laut der Zahlen zu greifen. Andernfalls hätte die S-Bahn ihre Pünktlichkeit im kurzen Zeitraum zwischen Februar und Juli nicht dermaßen erhöhen können.

Obwohl die Fertigungsphase der neuen Züge der Baureihen 483 und 484 größtenteils abgeschlossen ist, vergeht bis zu deren Einsatz noch einige Zeit. Vorerst werden die Bahnen auf einem Testgelände und nachfolgend auf ausgewählten Strecken im S-Bahn-Netz getestet. Ab 2021 sollen sie dann vorrangig die Ringbahnlinien S41 und S42 befahren. Die von Peter Buchner vorgestellte Qualitätsoffensive forciert jedoch nicht nur die Wagen an sich, sondern alle Bereiche, in denen die S-Bahn tätig ist. So können sich durch die umfassenden Verbesserungen nicht nur die knapp 3.000 Mitarbeiter des Unternehmens, sondern alle 1,4 Millionen tägliche Passagiere der S-Bahn freuen. (red)

InnoTrans 2018: Die Zukunft des Schienenverkehrs

Unter dem Berliner Funkturm findet derzeit die InnoTrans 2018, die internationale Leitmesse für Verkehrstechnik, statt. Insgesamt 3.000 Aussteller präsentieren auf der weltweit führenden Bahnmesse ihre neusten Innovationen und Produkte rund um den Schienenverkehr. Bis einschließlich Freitag kann das Fachpublikum die Messe besuchen, danach ist das Gelände bis zum Sonntag allen Bahnfans zugänglich. Unter dem Motto „Zukunft der Mobilität“ stehen vor allem die Digitalisierung und neuartige Technologien wie autonomes Fahren im Mittelpunkt der Messe.

Aber auch Themen wie Energieeffizienz und Umweltschutz sowie vorausschauende Wartung rücken vermehrt in den Fokus der führenden Bahnmesse. Neue Möglichkeiten, durch die Digitalisierung bedingt, vereinfachen zahlreiche Abläufe und Prozesse im Bahnwesen. Diese innovativen Ansätze sorgen so für neue Lösungen von altbekannten Problemen wie mangelnder Kundeninformation. Darüber tauschen sich zahlreiche internationale Fachexperten auf der Messe aus. Aussteller wie das Forschungsunternehmen Terreplane Technologies aus Columbia/USA, die französischen Schienenexperten Ateliers d’Occitanie oder auch CN-Consult aus Mittenaar in Hessen zeigen, wie die Zukunft der Schiene aussehen kann.

Sauberer, leiser, effizienter und inklusiver

Allzu passend, dass bei solch einem Kaleidoskop an Ausstellern auch die Ansprache durch die supranationale EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc erfolgte. Sie stellte im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung den Besuchern neueste Daten einer EU-weiten Umfrage vor. Laut dieser fahren 80 Prozent der EU-Bürger mindestens einmal im Jahr mit dem Zug, was die Relevanz des Schienenverkehrs als Verkehrsmittel verdeutlicht. Dennoch nutzen nur fünf Prozent die Bahn als tägliches Fortbewegungsmittel. Grund hierfür sind häufige Verspätungen sowie mangelhafter Umgang mit Kundenbeschwerden. „Da gibt es für Sie noch viel Arbeit zu tun“, richtete sich die EU-Kommissarin an die Fachgäste der Veranstaltung. „Die Branche muss sauberer, leiser, effizienter und inklusiver werden“.

Am Punkt „Sauberkeit“ arbeitet die Deutsche Bahn bereits. Ihr erklärtes Ziel ist es, 50 Prozent der CO2-Emmissionen bis 2030 einzusparen. Schon zum jetzigen Zeitpunkt setzt die Bahn im Fernverkehr auf 100 Prozent Ökostrom, bis 2050 möchte der Konzern komplett CO2-frei agieren. Allgemein gibt es in Deutschland ein komplexes und umfassendes Schienennetz. Für dessen Ausbau sei die Finanzausstattung bereits gegeben, betonte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf der Messe. Der Bund stellt für den Ausbau der Infrastruktur  bis 2030 eine Summe von rund 270 Millionen Euro zur Verfügung. Was löblich ist, da die Bahn eine klimafreundliche Alternative zum motorisierten Verkehr darstellt. Dennoch liegt der Anteil des Transports auf der Schiene beim Güterverkehr nur bei 18 Prozent und beim Personenverkehr lediglich bei knapp 10 Prozent. Daher muss die Politik Anreize schaffen, um den Zugverkehr attraktiver zu gestalten. Einige Ansätze sind bereits jetzt auf der InnoTrans 2018 zu sehen.

Berlin-Brandenburg auf der InnoTrans

Vor allem in Berlin ist die Notwendigkeit eines gut funktionierenden Personennahverkehrs klar ersichtlich. So konnten die Berliner Verkehrsgetriebe (BVG) in den vergangenen Jahren ein stetiges Wachstum der Fahrgastzahl verzeichnen –  2017 um ganze 1,9 Prozent. Kaum verwunderlich also, dass die Region Berlin-Brandenburg auf der InnoTrans mit einem großen Stand vertreten ist. Auf über 1.000 Quadratmetern präsentieren fast 70 Aussteller die neuen Entwicklungen im Schienenverkehr der Hauptstadtregion. Highlight ist hier die Präsentation der neuen S-Bahn-Züge von Siemens/Stadler. Die Züge, die ab 2021 auf den Gleisen unterwegs sein sollen, sind mit neuen Anzeigetafeln und traditionellem rot-gelben Anstrich schon jetzt ein Hingucker auf der Messe.

Auch in Potsdam betrachtet man Neuerungen im Nahverkehr: Beispielsweise testet Siemens im Rahmen der Industriemesse autonome Straßenbahnen. Ohne Passagiere, aber mit einem Fahrer, der bei Problemen eingreifen kann, fährt die Tram über einen sechs Kilometer langen Streckenabschnitt. Mit Sensoren und Rechnern ausgestattet soll die Bahn Hindernisse selbstständig erkennen und automatisch bremsen und beschleunigen. Bisher habe es keine Probleme gegeben, erklärten die Potsdamer Verkehrsbetriebe. Autonome Trams sind aber nur eine von insgesamt 146 Weltpremieren, die Messechef Christian Göke für die InnoTrans ankündigte. (ke)

Berliner Flugverkehr: Neue Langstreckenflüge nach Nordamerika

Gute Nachrichten für Touristen aus den USA und Kanada sowie Nordamerika-Fans: Die Fluggesellschaft Primera Air kündigte vier neue Langstreckenflüge für den Flughafen Berlin-Tegel an. Ab Juni 2019 sollen Angaben von visitBerlin zufolge mehrere Male pro Woche die Metropolen Toronto, Philadelphia und Boston angeflogen werden. Zudem wird eine neue Strecke eingerichtet, die täglich Passagiere in die Weltstadt New York City bringen soll.

Berlin bei Langstreckenflügen auf den hinteren Plätzen

Sowohl als Start-up– als auch als Tourismusmetropole gewinnt Berlin zunehmend an internationaler Bedeutung. Dennoch verfügt der Flughafen TXL nur über sechs interkontinentale Flüge. Damit liegt er im Ranking der Hauptstädte auf einem der letzten Plätze. Nur fünf andere Städte, wie Kiew oder Bratislava, bieten noch weniger Flüge an. Im Vergleich: An Londons Flughafen Heathrow können sich Reisende über 155 Langstreckenflüge freuen. Sogar Frankfurt am Main zählt 109 Langstreckenflügen und liegt somit deutlich vor der Hauptstadt.

Nun erkannte die dänische Fluggesellschaft Primera Air die Lücke im Flugverkehr. „Die Ansiedlung von Primera Air ist ein weiterer Erfolg für Berlin“, freut sich Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin. „Besonders Boston und Toronto sind zwei gute Ergänzungen unserer interkontinentalen Anbindungen. Die Airline nutzt die Chancen unserer Stadt.“

Lufthansa: Langstreckenflüge von und nach Berlin unprofitabel

Vor allem den Cheflobbyist der Lufthansa, Kay Lindemann, dürften die neuen Strecken des Konkurrenten ärgern. Noch vor wenigen Wochen erklärte die größte deutsche Fluggesellschaft, sie habe nicht die Absicht Langstreckenflüge von Berlin aus anzubieten. Die Stadt sei nur eine „überschaubare wirtschaftliche Kraft“, so Lindemann. „Wir binden die Hauptstadt gut an. Dennoch hat Berlin keine Dax-Konzerne, ist auch sonst kein Wirtschaftszentrum“, rechtfertigte er das Vorgehen seines Konzerns. Diese Einschätzung stieß in Wirtschaft und Politik aus vehementen Widerspruch. „Berlin ist die Hauptstadt der größten und wichtigsten Volkswirtschaft wie auch der wissenschaftliche Hotspot Europas“, verteidigte IHK-Vizegeschäftsführer Christoph Irrgang Berlins internationale Bedeutung.

Nicht zum ersten Mal stehen Anschuldigungen im Raum, dass die Lufthansa die Hauptstadt vernachlässige. Schon nach Einstellen der Direktverbindung Berlin – New York City im März kritisierte der regierende Bürgermeister, Michael Müller (SPD), die Maßnahmen der deutschen Fluggesellschaft. „Berlin zieht immer mehr Menschen aus beruflichen, aber auch aus touristischen Gründen an. Das Einstellen der Direktverbindung nach New York ist deshalb falsch und gegen den langfristigen Entwicklungstrend der Stadt“, sagte er dem Tagesspiegel. In den folgenden Monaten bestätigte sich Müllers Einschätzung: Die Zahl der Geschäftsreisenden kletterte im ersten Halbjahr 2018 auf über 5 Millionen und auch die Anzahl der Touristen blieb mit 6,4 Millionen hoch.

Immer mehr Flugverkehr zwischen Berlin und New York City

Die Zahlen sprechen jedenfalls für sich: Mit 200.000 Touristen im ersten Halbjahr 2018, 2,2 Prozent mehr als im Vorjahr, liegen die USA nur knapp hinter Großbritannien bei der Zahl der internationalen Berlin-Besucher. Auch von deutscher Seite aus sind die USA ein beliebtes Reiseziel. Im Jahr 2017 wurden auf der Strecke von Berlin-Tegel zum New Yorker JFK Airport 430 Flüge mit einem Fahrgastaufkommen von 93.297 Passagieren gezählt. Das sind knapp 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Es zeigt sich, dass das Interesse der Berliner an Flügen in die USA steigt, und umgekehrt. Nun wird eben ein dänisches, statt eines deutschen Unternehmens die Bedürfnisse der Passagiere erfüllen. (ke)

Nach Genua-Drama: Keine absolute Sicherheit auf Berliner Brücken

Nach dem Brückeneinsturz in Genua, Italien sorgen sich auch in Berlin immer mehr Bürger um den Zustand der Infrastruktur. Doch der Senat beschwichtigt – die Berliner Brücken seien „sehr sichere Bauwerke“. Durch regelmäßige Kontrollen und Begehungen werde die Sicherheit garantiert.

Berlin, die Stadt der Brücken. In der Hauptstadt gibt es 1085 Brücken, für den Rad-, Fuß-, Schienen-, und Automobilverkehr. Obwohl der Senat die Sicherheit der Brücken garantiert, gab es 2017 in der Stadt 42 landeseigene Brücken, die sich nur in einem ausreichenden, und zwei, die sich sogar in einem ungenügenden Zustand befanden. Nur etwa ein Viertel, 230 Brücken, bewerteten die Prüfer als gut oder sehr gut. Besorgniserregend ist auch die Bilanz bei den bundeseigenen Brücken. Bei diesen, meistens sind es Autobahnbrücken, befinden sich drei Viertel nur in einem befriedigenden oder ausreichenden Zustand. Bei einer Schulklasse mit solch einer Leistung wären vermutlich schon längst Konsequenzen gezogen worden. Wieso dann nicht auch bei der Infrastruktur?

Sperrungen und Beschränkungen auf Berliner Brücken

Der Zustand der Brücken ist das Ergebnis jahrelanger Sparpolitik. Das Personal in den entsprechenden Ämtern wurde abgebaut, Sanierungen erhielten kaum Mittel. Dennoch gehe von den Brücken keine akute Gefahr aus. Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung in der Senatsverwaltung für Verkehr betonte dem rbb gegenüber, dass Brücken es durch Risse „ankündigen“ würden, wenn sie in einen bedenklichen Zustand geraten. Sollte das geschehen, werde unverzüglich gehandelt. Jährlich werden etwa 100 kurzfristige Reparaturen an Berliner Brücken durchgeführt. Hinzu kommen langfristige, umfangreiche Sanierungsarbeiten an derzeit 20 Brücken.

Bei alten Brücken rechnet das Tiefbauamt die Statik nach, um zu überprüfen, ob die Brücke noch den Anforderungen des heutigen Verkehrs entspreche. Beispielsweise hat sich der Einsatz von LKWs erheblich erhöht. Außerdem finden alle drei Jahre ausführliche Kontrollen, und mehrmals jährlich Begehungen durch die Behörden statt. Bei Bedenken werden Verkehrsbeschränkungen oder Sperrungen eingesetzt, aktuell sind etwa 80 aktiv. So kann beispielsweise eine Brücke am Autobahndreieck Funkturm im Westen der Stadt nur noch einspurig von PKWs befahren werden. Auf anderen Brücken des Berliner Rings gilt vorsorglich Tempo 60 oder ein Überholverbot für LKWs.

Senat investiert in Sanierungsarbeiten

Aber was tut die Politik, um den Zustand der Infrastruktur zu verbessern? Der Senat kündigte umfassende Investitionen in die Sanierung von maroden Brücken an, die noch im laufenden Jahr aktiv werden sollen. Dorothee Winden, von der Senatsverwaltung für Verkehr, bezifferte die geplante Investitionssumme auf 41,5 Millionen Euro für Brücken, die dem Land gehören. Auch die Bundesbrücken wurden nicht vergessen: Für diese stehen 13,7 Millionen Euro bereit. „Berlin investiert nach Jahren des Sparens in erheblichem Umfang in die Sanierung und in den Neubau von Brücken“, erklärte Winden die Maßnahmen.

Die Investitionen sind zwar dringend notwendig, aber nicht zwingend ausreichend. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) schätzte 2017 die erforderliche Summe für Sanierungen der vorhandenen Brücken auf 1,3 Milliarden Euro. Auch von der Opposition wird die Aussage, die Berliner Brücken seien generell sicher, angezweifelt. Frank Scholtysek, verkehrspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kritisiert beispielsweise die erhebliche Anzahl von Brücken, die von den Prüfern schlecht bewertet wurden: „Das bedeutet, die Konstruktionen haben einen nicht ausreichenden Bauwerkszustand.“ Immerhin – die derzeit geplanten Investitionen sind ein Anfang für eine dringend erforderliche Instandsetzung. (ke)

Berliner Senat plant massive Veränderungen im Nahverkehr

Langes Warten, überfüllte Züge. Vor allem im Sommer können Bahnfahrten zur Tortur werden. Doch genau das soll jetzt besser werden. Im Berliner Nahverkehr soll ein 10-Minuten-Grundtakt zukünftig die Regel sein. Das ist das formulierte Ziel des Entwurfs für den Nahverkehrsplan 2019-2023 des Senats. Neben der Optimierung in den Fahrtzeiten soll auch die Busflotte modernisiert werden. Dieselfahrzeuge sollen durch Elektrobusse ersetzt werden. Autonome Kleinbusse werden bereits getestet.

Auch Pendler können aufatmen. Nach langem Stillstand sollen nun auch die stetig wachsenden Berliner Randbezirke besser angebunden werden. Durch den starken Zuzug in den Berliner Speckgürtel muss der Nahverkehr ausgebaut werden. CDU-Verkehrspolitiker Oliver Friederici fasst die Anforderungen treffend als „Berlin braucht mehr U-Bahn“ zusammen. Allerdings wird der Ausbau des U-Bahn-Netzes in der Politik noch rege diskutiert. Während der Koalitionsvertrag der rot-rot-grünen Regierung dem Ausbau des Straßenbahn- und Fahrradnetzes höchste Priorität einräumt, plädiert Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) nachdrücklich für den Ausbau des U-Bahn-Netzes. Die Senatorin betont, dass eine langfristige Planung notwendig sei. „Es muss vermieden werden dass alle auf das Auto umsteigen, die nicht direkt innerhalb des S-Bahn-Rings wohnen“, so die Senatorin, „daher brauchen wir entsprechende Anschlüsse.“

Was soll sich laut Nahverkehrsplan ändern?

Beim U-Bahn-Netz ist bisher eine Erweiterung der vorhandenen Linien geplant. Für den Ausbau der Linien U6, U7 und U8 laufen bereits Machbarkeitsprüfungen. Geplant ist eine Verlängerung der U6 Richtung Norden bis zum Flughafen Tegel. Zudem soll die U7 besser an den zukünftigen Flughafen BER angebunden werden, um nach dessen Öffnung erwartete Passagierströme zu transportieren. Auch wird seit vielen Jahren über eine Verlängerung der U8 bis in Märkische Viertel diskutiert.  Bei der S-Bahn konzentriert man sich auf den Ausbau der Linie S21 auf der Nord-Süd-Strecke. Sie soll den Nordring mit dem Hauptbahnhof verbinden. Bis 2030 sind zusätzliche Verlängerungen bestehender S-Bahn-Linien geplant, um die Berliner Randgebiete besser an den ÖPNV anzuschließen

Geplant ist auch der weitere Ausbau des Tram- und Busnetzes. Neue Metro- und Express-Buslinien sollen bestehende Lücken im Fahrplan schließen. Insgesamt prüft der Senat die Machbarkeit von über 10 neuen Metro- und Expressbuslinien. Zudem sind bei der Straßenbahn Netzerweiterungen in alle Richtungen geplant. Die heute hauptsächlich im Ostteil der Stadt verkehrende Straßenbahn soll zukünftig vermehrt auch in der City-West fahren. Die Strecken sind zum Teil schon im Bau und sollen bis 2021 in Betrieb genommen werden.

Fahrgast- und umweltfreundliche Maßnahmen

Umwelttechnisch setzt der Senat auf Ökostrom. Die Busse sollen bis 2030 auf Elektromobilität umgerüstet werden. Bis 2023 plant die BVG, Elektrobusse zu kaufen, die in Betriebshöfen geladen werden können. Oberleitungsbusse, einst für tot erklärt, erleben ein Revival: bis 2030 sollen sogenannte „Streckenlader“-Busse auf den Straßen unterwegs sein. Diese laden während der Fahrt ihre Batterien auf, sodass sie Teilstrecken ohne Oberleitungen überbrücken können. Der Senat geht dennoch von einem erforderlichen Neubau von 240 Kilometern Leitungen aus.  Entsprechende Netze sollen bald in Spandau getestet werden

Bei all den neuen Maßnahmen kommen auch die Fahrgäste nicht zu kurz. Denn für diese plant der Senat, längere Fahrzeuge einzusetzen und die Taktung der Fahrten zu verkürzen. So sollen überfüllte Bahnen vermieden werden. Außerdem arbeitet die S-Bahn an neuen Informationssystemen, um besser bei Störfällen zu informieren. Sie sollen verhindern, dass Fahrgäste ratlos am Gleis stehen, wenn ihr Zug ausfällt.  Der Nahverkehrsplan muss jedoch zuerst  von den einzelnen Ressorts überarbeitet werden. Es wird sich zeigen, ob die Probleme der verkehrlichen Infrastruktur durch die geplanten Maßnahmen überwunden werden können. (ke)

Berliner Flughafenchaos zum Ferienstart?

In der Schule packten die Berliner Schulkinder gestern ihre Zeugnisse ein, Zuhause vermutlich ihre Koffer. Pünktlich zum Ferienstart wird wieder ein erhöhter Urlaubsansturm auf die Berliner Flughäfen erwartet. Mit mehr Personal möchte die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) das Chaos der während der Sommerferien erwarteten 4,9 Millionen Passagiere verhindern. Vor allem in den ersten Ferientagen, vom 5. bis 8. Juli sind Reisende dazu angehalten, genug Zeit für Abfertigung und Sicherheitskontrollen einzuplanen. Denn fällt in Tegel eine Anlage aus, dann bleibt diese ohne Ersatz.

Daher lautet die Empfehlung der FBB, mindestens zwei Stunden vor Abflug reisebereit vor Ort zu sein. Wie soll anders mit den täglichen rund 25.000 zusätzlichen Passagieren in Tegel verfahren werden? Die Berliner Flughäfen erwarten einen Reiseanstieg um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für Tegel bedeutet dies täglich 75.000 Passagiere abzufertigen, statt im Normalbetrieb 50.000. In Schönefeld werden im Reisezeitraum Juli/ August rund 10.000 Reisende mehr pro Tag erwartet. Insgesamt steuern die 89 Airlines 56 verschiedene Reiseziele an. Zu den beliebtesten gehören Palma de Mallorca, Antalya und Barcelona.

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

In Tegel werden während der Ferien täglich bis zu 25.000 Passagiere mehr erwartet. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Früher in die Ferien, ohne zusätzliches Terminal

Wie die Berliner Flughäfen mitteilten, werde es im Urlaubszeitraum vor allem bei der Abfertigung zu Engpassbereichen kommen. Trotzdem wird in Tegel ausgerechnet jetzt eine zusätzliche Kontrollstelle mit mehreren Schaltern in Terminal D gebaut, das hauptsächlich von der Lufthansa-Tochter Eurowings genutzt wird. Man fange mit dem Bau bewusst während der Ferien an. Der Geschäftsverkehr, der üblicherweise nur mit Handgepäck reise, ginge während der Ferien erfahrungsgemäß zurück. Stattdessen treffen Urlauber, die zumeist Gepäck abgeben, wesentlich früher am Flughafen ein. Die Kontrollstelle soll bis Ende August fertiggestellt werden. Die Ferienreisenden, deren Kinder ab dem 17. August wieder die Schulbank drücken, werden hiervon wohl nicht profitieren.

In den letzten Jahren war aufgefallen, dass manche Eltern ihre Kinder schon ein paar Tage vor Ferienstart aus der Schule nahmen. Trotzdem eine Missachtung der Schulpflicht gesetzlich verboten ist, liebäugelten Eltern mit günstigeren Reisepreisen vor dem Ferienstart. Wie der Tagesspiegel recherchierte, kann eine Reise, beispielsweise auf die griechische Insel Korfu, nach Ferienstart schon rund einen Tausender mehr kosten. Durchaus möglich sind Genehmigungen für den frühzeitigen Ferienbeginn, mit Rücksicht auf berufliche Verpflichtungen der Eltern. Alternativ können Kinder auch vorab vereinbarte schulische Ersatzleistungen für den verfrühten Ferienstart erbringen. Allerdings lassen die Schulleiter günstige Reisepreise hier nicht als Begründung gelten. Das Risiko für eine Reise ohne Genehmigung der Schule am Flughafen aufgegriffen und eine Bußgeldstrafe von 2.500 Euro zu kassieren, steht in keinem Verhältnis zum günstigeren Urlaubspreis. Vor einer Kontrolle musste sich in Berlin, anders als in Bayern, bisher jedoch nicht gefürchtet werden. Die Schulbehörden erbaten dieses Jahr keine Amtshilfe bei der Polizei.

Wieder ohne den BER in den Ferienstart

Schönefeld verfügt inzwischen über ein Adaptives Passagierleitsystem (APLS), das Passagiere an Kontrollpunkten wählen lässt und somit den schnellsten Weg ermöglicht. Die Reisenden entscheiden welche Kontrollen sie durch elektronische Erfassung ihrer Reisedokumente und welche mit Assistenz des Personals durchlaufen. Der schnellste Weg wird ihnen jeweils durch angegebene Wartezeiten angezeigt. Tegel verfügt bisher ausschließlich in Terminal C über ein solches System. In Tegel gibt es zudem fast gar keine redundanten Anlagen, weswegen ein Ausfall einen Stau bei der Abfertigung zur Folge hätte. Laut Flughafensprecher Daniel Tolksdorf halte sich jedoch zusätzliches Personal bereit, das eine zeitnahe Reparatur gewährleisten könne. Diese könnten innerhalb von zwei Stunden vor Ort sein, um sich mit defekten Anlagen zu befassen. Tolksdorf rät den Passagieren, die trotz der großzügig eingeplanten zwei Stunden in Zeitnot geraten, sich hiermit an das sowieso schon überlastete Personal zu wenden. Dem Tagesspiegel sagte er, man könne dann „sicher eine Lösung finden“.

 

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Die sechs Millionen Euro, die bis Anfang 2019 als Investition in den Flughafen fließen, sollen jedoch eine bessere Aufenthaltsqualität für Passagiere ermöglichen. Auch eine stärkere Prozesssicherheit bei internen Abläufen soll gewährleistet werden. Allerdings sind dies Versprechungen, die schon oft gemacht, aber nie umgesetzt wurden. Gut, dass in Tegel investiert wird, aber wann wird der BER endlich fertig?

Investitionen in schnellere Prozesse – und Ersatzanlagen?

In den Flughafen Schönefeld sollen bis Ende 2025 sogar noch weitere 50 Millionen Euro investiert werden. Denn Schönefeld soll nach Öffnung des BER im Oktober 2020 garantieren, dass der Pannenflughafen mit dem Flugbetrieb nicht direkt überfordert ist. Tegel senkt zwar derzeit die Gesamtverluste der Flughafengesellschaft, wird aber entgegen der Stimmen des Volksentscheides schließen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Tegel 112 Millionen Euro. Vor der Airberlin-Pleite waren es 2016 noch 119 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht konnten diese Zahlen die Gesamtverluste der FBB jedoch um rund 18 Millionen Euro senken. Dank der Wirtschaftlichkeit Tegels wird der ausgewiesene Bilanzverlust dadurch „nur noch“ mit 915 Millionen Euro beziffert (Quelle: Tagesspiegel).

Aussicht auf Entlastung? Der BER soll voraussichtlich im Oktober 2020 öffnen. | Foto: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Schönefeld und Tegel erreichen durch die Verzögerungen am BER nicht nur personal- sondern auch platztechnisch täglich ihre Kapazitäten. Die Flughäfen arbeiten während der Ferienzeit und dem erhöhten Passagieraufkommen am Limit. Zuletzt übernahmen die Billigfluglinien Easyjet und Eurowings etliche Start- und Landerechte von der Pleite-Airline Airberlin. Interkontinentalflüge werden jedoch weiterhin in sehr geringem Ausmaß angeboten und bisher nur vereinzelte Strecken von Billigflug-Airlines übernommen. Scoot, die Tochter der Singapur Airlines, fliegt seit Mai 2018 eine Nonstop-Verbindung zwischen Berlin und Singapur an, von der Kongress- und Messereisende profitieren. Auch eine Verbindung in den kanadischen Großraum Toronto wurde erst im Juni wieder aufgelegt. (cn)

Fahrzeugmangel der BVG: Auf welchen Strecken wird es bald knapp?

Aus acht Waggons werden sechs, dann Kurzzüge mit vier – und bald fahren gar keine Züge mehr. Der Fahrzeugmangel bei der BVG nimmt zunehmend den Charakter einer Posse an. Die Verkehrsbetriebe überlegen mittlerweile, eine U-Bahnlinie ganz einzustellen. Während viele Wagen defekt oder in Reparatur sind, verzögert sich der Kauf neuer Wagen weiterhin auf unbestimmte Zeit. Für den Bau der Berliner U-Bahnzüge war bisher Siemens verantwortlich, die derzeit nicht liefern können.

Die BVG versuchte eine Dringlichkeitsbestellung für mindestens 80 neue Wagen an die Firma Stadler zu vergeben. Die Direktvergabe ohne Ausschreibung konterte Siemens mit einer Klage, weil das Unternehmen in dem Verfahren  eine rechtswidrige und künstliche Beschränkung des Wettbewerbs sah. Vor der Vergabekammer unterlag Siemens, die nächste Verhandlungsrunde ist vor dem Kammergericht für Oktober angesetzt.

Fahrzeugmangel mit verheerenden Folgen

Im Erfolgsfall wäre eine Verschärfung der Situation gewiss. Bei der BVG ist man darauf bereits vorbereitet – zu Lasten der Allgemeinheit: Verlängerte Taktungen, verkürzte und überfüllte Züge sowie in letzter Konsequenz die Stilllegung einer U-Bahnstrecke. Von der Einstellung werden am ehesten die Linien U1 oder U4 betroffen sein. Nach derzeitigen Angaben wäre ein Verzicht auf die U4, die nur fünf Stationen vom Nollendorfplatz bis zum Innsbrucker Platz anfährt, realistischer.

Die Waggons der anderen Linien können für die U1 bis U4 auch nicht eingesetzt werden, da die Züge schmaler sind. Auf den vom Fahrzeugmangel am meisten betroffenen Linien, fahren die 472 Wagen des Kleinprofils der BVG. Auf den Linien U5 bis U9 operieren die rund 800 Wagen des Großprofils. „Beim Einsatz der Züge müssen wir jeden Tag jonglieren“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.

 

Permanentes Jonglieren mit den Waggons: auf Berliner Gleisen fahren Wagen des Groß- und Kleinprofils. | Foto: pexels.com

Permanentes Jonglieren mit den Waggons: auf Berliner Gleisen fahren Wagen des Groß- und Kleinprofils. | Foto: pexels.com

 

Veraltete Fahrzeugflotte

Die oft großflächig besprühten Züge werden sofort aus dem Verkehr gezogen, damit die Täter über ihre Schmierereien erst gar nicht triumphieren können. Doch auch für Technikstörungen sind die Züge durch ihr hohes Alter anfällig. Die gesamte Flotte ist durchschnittlich rüstige 29 Jahre alt. Somit ist die BVG mit der Bestellung schon geraume Zeit in Verzug. Für die leidgeprüften Berliner Fahrgäste, die im Jahr 2017 auf rund 563 Millionen Kundenfahrten die U-Bahn nutzten, bedeutet dies überfüllte Waggons, lange Wartezeiten und Ausfälle.

Seit 2016 läuft eine europaweite Ausschreibung für neue Züge. Die Vergabe von Aufträgen sowie die Zulassung und Herstellung der Züge dauert meist mehrere Jahre. Mit einer erhofften Auftragsvergabe 2019 wäre eine Lieferung frühestens 2021 möglich. Der Berliner Fahrgastverband erwartet bereits eine massive Belastung des öffentlichen Nahverkehrs bis mindestens 2023. „Der Fahrzeugmangel ist eine mittlere Krise. Wir appellieren an Siemens, dass man sich mit der BVG einigt und nicht auf sein Recht pocht“, sagte Jens Wieseke, Vizevorsitzender der Interessengemeinschaft, der Deutschen Presse-Agentur.

 

Immer mehr Berliner nutzen den öffentlichen Nahverkehr, der gelegentlich auch Sightseeing ermöglicht. | Foto: pexels.com/ photomat

Immer mehr Berliner nutzen den öffentlichen Nahverkehr, der gelegentlich auch Sightseeing ermöglicht. | Foto: pexels.com/ photomat

 

Immer mehr Berliner nutzen öffentlichen Nahverkehr

Allein die Fahrtennutzung der Berliner U-Bahn wuchs in den vergangenen fünf Jahren um elf Prozent an. Die per Direktauftrag angeforderten U-Bahnzüge von Stadler sind nur ein erster, dringend benötigter Lückenfüller. Weitere 450 Züge sollen zusätzlich bestellt werden. „Wir kriegen den täglichen Verkehr hin, aber das ist schon eine Leistung. Wir brauchen dringend Fahrzeuge“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Sie möchte jedoch nichts von den Spekulationen über die komplette Einstellung einer Linie gehört haben, berichtet die Berliner Zeitung.

Berliner Verkehrspolitiker diskutierten in den vergangenen Jahren die Alternative, entweder das Straßenbahnnetz oder unterirdische Linien weiter auszubauen. Im Koalitionsvertrag des rot-rot-grünen Senats ist ein Ausbau des Straßenbahntransports vereinbart. Kritiker befürchten durch die Gleislegung allerdings eine Zurückdrängung des Autoverkehrs. Die von der Verabschiedung des Berliner Mobilitätsgesetztes bereits angeschlagene Autolobby warnt bereits vor einem Abschied von der autogerechten Stadt. Für einen Ausbau der Straßenbahnen sprechen indes die Kosten: Jeder Kilometer U5 – die bisher einzige Neubautätigkeit im U-Bahnnetz – kostet 249 Millionen Euro. Ein Kilometer Straßenbahnschienen ließe sich schon für rund 10 Millionen auslegen.

 

Oberirdisch oder unterirdisch? Die Berliner Politik diskutiert einen Ausbau des Straßenbahn- oder U-Bahnnetzes. | Foto: pexels.com

Oberirdisch oder unterirdisch? Die Berliner Politik diskutiert einen Ausbau des Straßenbahn- oder U-Bahnnetzes. | Foto: pexels.com

 

Oberirdisch oder unterirdisch?

Kritiker wenden ein, dass Metropolen wie London und Shanghai nicht versuchen noch zusätzliche Verkehrsmittel auf die Straße zu bringen. Womöglich obsiegt am Ende die schnellere Lösung. Denn trotz günstiger Straßenbahnkilometer wäre es kontraproduktiv, die bereits vorhandenen U-Bahnstrecken teilweise einzustellen oder zu verkürzen.

Angesichts der vergangenen Versäumnisse und zukünftigen Verzögerungen legte die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) nun eine detaillierte Nahverkehrsprognose vor. Die Entwicklung des Verkehrs bis 2030 ist den „4 x 4 Prioritäten für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik“ zu entnehmen. Der öffentliche Nahverkehr sei der stärkste Hebel zur Lösung der absehbaren Engpässe, die auch den Wirtschaftsverkehr betreffen werden.

„Berlin muss nach dem jahrelangen Quasi-Stillstand bei Ausbau und Pflege der Verkehrsinfrastruktur nicht nur zurückkehren zur Normalität einer funktionierenden Verwaltung, sondern auch einen riesigen Sanierungsrückstau aufholen. Dazu müssen noch ganz neue Wohn- und Gewerbegebiete angebunden werden. Es gilt also, nicht nur einen, sondern gleich drei Gänge hochzuschalten. Anders ist die wachsende Stadt nicht zu meistern“, mahnt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. (cn)

Neustart in Deutschland: Uber will E-Bikes in Berlin verleihen

Nachdem sein umstrittendes Geschäftsmodell 2015 in Deutschland verboten wurde, steigt der Fahrdienstleister nun auf ein neues Konzept um und will demnächst Elektrofahrräder in Berlin anbieten. „Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland und wir sind hier, um einen neuen Ansatz umzusetzen“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Uber ist ein Fahrdienstvermittler, der sich vor allem in den USA einen Namen gemacht hat. Mit seiner Dienstleistung UberPop werden private Fahrer, die ein Pkw besitzen, an beförderungswillige Kunden vermittelt. Um das Unternehmen weiter auszubauen, sei eine Expansion nach Europa nowendig. Das Unternehmen sieht vor allem Deutschland als wichtigen Markt.

Gescheiterte Expansion nach Europa

Während in den USA sich das Geschäftsmodell als erfolgreich erwiesen hat, hagelte es in Europa heftige Kritik. Vom Europäischen Gerichtshof wurde der Fahrdienstleister nicht als Vermittler eingestuft und wird daher nicht mehr als ein klassischer Taxidienst gesehen. Nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) in Deutschland müssten somit alle UberPop Fahrer eine Taxikonzession besitzen. Da die vermittelten Fahrer somit ohne Lizenz fahren, hat das Landgericht Frankfurt den Dienst im März 2015 für gesetzeswidrig erklärt. Uber hat diesen Dienst infolgedessen Ende Mai des selben Jahres vollständig eingestellt.

Das Umweltbewusstsein in der Hauptstadt wächst. Mittlerweile steigen immer mehr Menschen auf Elektrofahrzeuge um. Dies hat auch der Fahrdienstvermittler Uber erkannt und will künftig die Vermittlung von Elektrofahrräder anbieten. „Wir wollen die Elektrifizierung unterstützen. Nur mit Autos lässt sich Mobilität in Städten nicht stemmen“, sagte Dara Khosrowshahi

Neustart mit Elektrofahrräder

Bislang hat Uber elektrisch angetriebene Fahrräder nur in San Francisco angeboten. Mit Berlin wäre dies der zweite Ort. Erst im April hat der US-Fahrdienstleister das Start-up Jump übernommen. Die orangefarbenen E-Bikes vom New Yorker Start-up Jump will Uber bis Ende des Sommers auf die Straßen bringen.

 

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

 

Uber wäre damit allerdings nicht der einzige Dienstleister, der solche umweltbewussten Fahrmöglichkeiten anbietet. In Berlin konkurrieren bereits Anbieter wie Nextbike, oBikes oder Lidl-Bike am Markt.

Uber plant schon nächstes Projekt: UberGreen

Berlin spielt eine zentrale Rolle bei der Mobilität. Neben Elektrofahrrädern gibt es auch Sharing-Dienstleister, die elektrisch betriebene Autos oder auch Roller anbieten. Mit UberGreen will der Fahrdienstvermittler demnächst auch Elektroautos zur Verfügung stellen. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit Autoherstellern, um passende Fahrzeuge zu finden“, so der Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty.

In München startete bereits die Testphase mit 30 Renault Fahrzeugen. Auch in Berlin sollen bald Elektroautos zum Einsatz kommen. Geplant ist, dieses Angebot europaweit anzubieten. (dn)

Veranstaltungen

Railway Forum Berlin

Auf der Fachkonferenz diskutieren Führungskräfte der Bahnindustrie über aktuelle Trends, neue Produktlösungen und zukünftige Strategien im Schienenverkehr.

Rund 500 Manager aus den Bereichen Beschaffung und Technik der Deutschen Bahn, Systemhersteller, Zulieferer, politische Entscheider und Wissenschaftler tauschen sich bei Keynotes, Vorträgen und Workshops aus. Eine Ausstellung innerhalb der Konferenz zeigt Produkt- und Prozessinnovationen von rund 80 Zulieferfirmen der Bahnindustrie. Bei Werksführungen an mehreren Standorten in Berlin erhalten Teilnehmer zudem praktische Einblicke in die Produktionsabläufe des Gesamtsystems Bahn.

(Anmeldung erforderlich)

Bus2Bus

Die Bus2Bus ist Fachkongress und Messe der Busbranche. Auf dem Messegelände Berlin diskutieren Bushersteller und Zulieferer sowie Busbetreiber und Verkehrsexperten über aktuelle Themen sowie innovative Geschäftsansätze.

Bushersteller, Zulieferer und Dienstleister kommen hier mit Verkehrsunternehmen und Verkehrsexperten zusammen.

Neben Businessmodellen stehen Themen wie neue Antriebstechniken, Speicherkapazität, moderne Designs und Connectivity auf der Agenda. Innovationen werden über die Aussteller-Exponate sowie in Keynotes, Workshops und Foren vorgestellt.

21. Technischer Kongress 2019

Auf dem 21. Technische Kongress werden die künftigen Herausforderungen der Fahrzeugindustrie und die Zukunft des Automobils u.a. in den Themenbereichen Vernetzung und Automatisierung, klima- und umweltfreundliche Antriebe sowie Sicherheit im Straßenverkehr vorgestell und diskutiert.

Die urbane Mobilität, die Sicherheit von Daten und die Lösungen unserer Industrie werden ebenfalls auf dem Technischen Kongress eine bedeutende Rolle spielen.

Smart & Mobil – Mobilität neu gedacht für die Stadt

Der Berliner Verkehr und seine Alltagsprobleme sind ein klassisches Dauerthema der Hauptstadteinwohner. Während die Berlinerinnen und Berliner – in aller Regel in ungewohnter Übereinstimmung – ihren Frust über die häufig marode Infrastruktur und über den Sanierungsstau bei Brücken, Bahnhöfen und Straßen äußern, ist es mit dieser seltenen Eintracht spätestens dann vorbei, wenn der Blick in die Zukunft gerichtet wird!

Ob Rad- oder Autofahrer, Fußgänger oder öffentlicher Personennahverkehr, ob „car-sharing“ oder Elektromobilität: die Erwartungen der Menschen an die Zukunft der städtischen Mobilität und den Stellenwert der verschiedenen Transportmittel stellen Politik und Verwaltung vor die Herausforderung, die zugrundeliegenden Zielkonflikte mit kluger Politik und tragfähigen Konzepten zu entschärfen.

Auf der Suche nach kluger Mobilitätspolitik bietet die rasant fortschreitende Digitalisierung wertvolle Entwicklungsperspektiven, der technische Fortschritt eröffnet ungeahnte, spannende Möglichkeiten. Doch wie sind bislang die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland? Was ist heute bereits technisch möglich, und worauf muss sich die Gesellschaft einlassen, um neue Mobilitätskonzepte nicht nur zu ermöglichen, sondern auch mitzugestalten?

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lädt herzlich ein, diese und weitere Fragen im Rahmen derAbendveranstaltung gemeinsam mit namhaften Experten aus dem Verkehrssektor, der Politik und Forschung zu diskutieren und neue Ideen und Konzepte kennenzulernen.

(Anmeldung erforderlich)