Beiträge

Rückenwind für Postdienstleister: Umrüstung der Lastenräder zu E-Bikes

Seit der Öffnung des Marktes für Postdienstleistungen 2008, sind private Postdienstleister nicht mehr aus deutschen Briefkästen wegzudenken. Ausgeliefert wird zumeist mit dem Fahrrad. Etwa 60 Kilo wiegt ein voll beladenes Rad, die Zusteller müssen häufig anspruchsvolle Strecken im jeweiligen Stadtdschungel bewältigen. Eine Lösung sehen viele Zustelldienste in der Nachrüstung ihrer Räder zu E-Bikes. Der private Zusteller PIN Mail AG und die Zwickauer Pendix GmbH kooperieren nun, um auch älteren Mitarbeitern weiterhin einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. Die Auslieferungen werden zudem auf körperlich fordernden Strecken erheblich erleichtert. Pendix stellt Umbausätze für Fahrräder her und bietet nachrüstbare Elektromotoren an. Durch die Umrüstung vieler Postunternehmen auf grünen, klimaneutralen Transport sind diese auch für Lastenräder immer gefragter.

„Zustellräder sind teuer in der Anschaffung und nicht leicht zu fahren. Rüsten die Kurierdienste ihre Flotte nun mit einem Elektroantrieb nach, macht das das Leben für die Zusteller leichter“, sagt Thomas Herzog, Gründer und Geschäftsführer von Pendix. Er spricht damit die zu Tausenden vertretenen Fahrradflotten hierzulande an. Insgesamt könne man schätzungsweise eine halbe Million Fahrräder mit eDrive Elektromotoren nachrüsten.

Rückenwind statt Knochenjob

Seit Ende 2016 sind testweise fünf Räder des PIN Mail Zustelldienstes mit Rückenwind unterwegs. Im Herbst 2017 wurden weitere 27 Nachrüstsätze eingebaut und einem Langzeittest unterstellt. Motivation für die Nachrüstung ist es, den Zustellern den täglichen „Knochenjob“ zu erleichtern. „Wahre Helden“ hat das Unternehmen seine Mitarbeiter in einer großangelegten Öffentlichkeitskampagne genannt, denen sie nun die Arbeit erleichtern wollen. Gerade in einer Großstadt wie Berlin seien Briefzusteller täglich vor besondere Herausforderungen gestellt. Ständiges Anfahren und Bremsen, teilweise sehr anspruchsvolle Strecken gelte es zu bewältigen.

Zwar befinde man sich mit den Pendix-Antrieben noch in einer Testphase, diese sehe jedoch bisher auch auf dem „besonderen Berliner Pflaster“ sehr vielversprechend aus. Wirkliche Anfangsschwierigkeiten habe es nicht gegeben. Nur über den Ladezyklus der Akkus und die damit verbundenen Standzeiten der Räder müsse man sich noch ein messtechnisches Bild verschaffen um diese effizient in den Umschlagplan einzubauen.

Kompakter Akku, der Rückenwind für Zusteller liefert. | Foto: PIN Mail AG

Kompakter Akku, der Rückenwind für Zusteller liefert. | Foto: PIN Mail AG

Etablierte Postdienstleister unterstützen den jungen Markt

„Die Nachrüstantriebe sind ja noch ein recht junger Markt. Wir gehen davon aus, dass ein Akku etwa fünf bis sechs Jahre hält. Das Gute an dem Pendix-System ist, dass es möglich ist, den Akku auszuwechseln auch wenn neue, noch effizientere Akku-Technologien auf den Markt kommen. Der Antrieb muss dann nicht mit ausgewechselt werden, geschweige denn gleich das ganze Rad“, so Fricke. Mit leerem Akku sei noch kein Mitarbeiter ins Depot zurückgekehrt.

Im Rahmen eines Pilotprojektes entschlossen sich auch die anderen fünf großen Berliner Postunternehmen, es der PIN AG gleich zu tun. Um den städtischen Lieferdienst und Andrang auf den Straßen zu reduzieren, legen ebenso DHL, UPS, DPD, GLS und Hermes die letzte Meile bis vor die Haustür per Lastenrad zurück. Unter dem Kürzel KoMoDo – Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche setzen sich die Postdienste für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern ein. Von der Senatsverwaltung für Verkehr und dem Umweltbundesamt als Forschungsprojekt gefördert, geht es bei diesem Zusammenschluss vor allem um den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsarten. Für den Umschlag der Pakete von großen, häufig in zweiter Reihe parkenden Abgas-Schleudern zu effizienten, platzsparenden und klimaneutralen Lastenrädern, gibt es spezielle „Mikro-Hubs“ in Berlin. Die grüne Hauptstadtpost der PIN AG versendet bereits 100 Prozent CO2-neutral, vom Einwurf bis zur Zustellung.

Der klimaneutrale Trend der Mobilitätsbranche

„Nachhaltiger, umweltbewusster und menschenverträglicher Verkehr ist auf Dauer nur auf zwei Rädern möglich“, erklärt Pendix-Mitgründer Herzog. Auch er kommt ursprünglich aus dem Motorsport, sieht elektrisch angetriebene Fahrräder jedoch als sportliche Alternative, um auch nach 10 Kilometern nicht völlig erschöpft auf der Arbeit anzukommen. Dieses Prinzip soll nun auch den Zustellern der PIN AG ermöglicht werden. Das Unternehmen setzt neben der klimaneutralen Bilanz seiner Fahrräder, vor allem auf die gesundheitliche Förderung ihrer Mitarbeiter. „Uns geht es dabei vor allem um die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Auch die älteren Kolleginnen und Kollegen in unserer Mannschaft sollen gerne zur Arbeit kommen und ihre Erfahrung dauerhaft einbringen können. Ihr Feedback ist uns extrem wichtig“, so Fricke.

Fahrräder oder nachgerüstete E-Bikes rücken als Verkehrsmittel der Zukunft immer mehr in den Fokus – zumindest für die Mobilitätsbranche und die Verbraucher. Während die Politik noch die Förderung von Elektroautos als oberste Priorität ausruft, legen Start-ups bereits nachhaltige Lösungen und Alternativen vor. Der Trend von Tempo 30-Teststrecken, Fahrverboten für alte Diesel, modernen Klapprädern und Fahrradkreuzungen geht zu autofreien Innenstädten. (cn)

Berliner Mobilitätsgesetz: Vorrang für umweltfreundliche Verkehrsarten

Nachdem sich die Rot-Rot-Grüne Landesregierung Berlin kürzlich einigte, soll das neue Mobilitätsgesetz am 28. Juni verabschiedet werden. Fest steht bereits, dass der Schwerpunkt auf den umfangreichen Ausbau einer sicheren Verkehrslage für Radfahrer und Fußgänger gesetzt wird. Der motorisierte Individualverkehr der Autofahrer wird bislang ausschließlich in einer Präambel des Gesetzesentwurfes festgehalten. Berlin ist damit das erste Bundesland, was sich per Gesetz für umweltfreundlicheren Verkehr und ein friedliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer stark macht.

Der von der Fahrradlobby befürchtete Paragraf, der das Mobilitätsgesetz eben nicht mit einem „Fahrradgesetz“ gleichsetzen und Autofahrer wieder stärker hervorheben sollte, wird nicht inkludiert. Stattdessen hat auch der öffentliche Nahverkehr Vorrang und verstärkten Anspruch auf seine vorgesehenen Flächen. Für die BVG wird vorgesehen Falschparker, die nicht nur auf Fahrradwegen ungebetene Gäste sind, nun zeitiger Abschleppen zu dürfen. Zudem soll sie mit Bussen und Bahn bis 2030 komplett emissionsfrei und klimaneutral unterwegs sein. Bis zum Stichtag Ende Juni möchte man sich noch über den Wirtschaftsverkehr und die intelligente Mobilität beraten und in das neue Gesetz aufnehmen.

Berlin senkt seine Emissionen durch neues Mobilitätsgesetz. | Foto: pexels.com

Rot-Rot-Grün und die sichere, ökologische Verkehrswende

„Rot-Rot-Grün bringt mit diesem Gesetz die soziale und ökologische Verkehrswende voran und schafft Voraussetzungen, um Mobilität für alle in der wachsenden Stadt zu gewährleisten“, so Carola Bluhm von der Linksfraktion. Durch ihren verkehrspolitischen Sprecher Oliver Friederici kündigte die CDU jedoch bereits ihre Ablehnung an, wie der Tagesspiegel mitteilte. Während die CDU von einer „Drangsalierung“ und „Ausbremsung“ der Autofahrer sprach, kritisierte auch der ADAC die „Asymmetrie“ des Gesetzes (Quelle: Tagesspiegel).

Hier werden vor allem Tempo 30-Zonen und die Reduzierung der Parkplätze in der Innenstadt angesprochen. Ähnliches stand auch im Rahmen der Fahrverbote für alte Diesel zur Debatte. Im neuen Mobilitätsgesetz sollen nun nicht nur langsamere Streckenabschnitte für Autofahrer für eine „Vision Zero“ sorgen. Das Vorhaben meint eine „Stadt ohne Tote und Verletzte“ und somit verkehrsbedingte Unfälle. Von diesen gab es laut B.Z. 2017 über 2200 mehr, als noch im Vorjahr 2016. Mit Radverkehrsanlagen auf allen Hauptstraßen und einer zusätzlichen Verbreiterung der Radwege soll für mehr Unabhängigkeit vom motorisierten Verkehr gesorgt werden. Zudem werden umfangreiche Stellflächen für Räder, darunter auch Fahrradparkhäuser, versprochen.

 

Im Mobilitätsgesetz werden Fahrradparkhäuser, schnelle Radwege und Fahrradkreuzungen verpsrochen. | Foto: pexels.com

Im Mobilitätsgesetz werden Fahrradparkhäuser, schnelle Radwege und Fahrradkreuzungen versprochen. | Foto: pexels.com

Gleichwertige Realisierung in allen Stadtbezirken

Die Reform soll gleichwertige Ergebnisse für alle Stadtbezirke erzielen und beim Ausbau in jedem Fall auch die äußeren Bezirke berücksichtigen. Auch die Erweiterung der polizeilichen Fahrradstaffel kann als Methode gewertet werden, vorbildlich voranzugehen und den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsarten zu fördern. Dies könnte auch das Sicherheitsbewusstsein vieler stärken, die bisher noch nicht auf Fahrräder umstiegen, da sie sich auf den engen Querschnitten der Berliner Straßen nicht genug beachtet fühlten. Antje Kapek und Silke Gebel von der Grünen-Fraktion dankten „dem Volksentscheid Fahrrad für den Rückenwind in Richtung Verkehrswende“.

In dieser Hinsicht kam es diese Woche jedoch kürzlich zu einer Eigeninitiative einiger Radfahr-Aktivisten, wie der Tagesspiegel berichtet. Zwei symbolische Poller ohne Reflektoren, wurden von Aktivisten an der Schöneberger Kreuzung Kolonnenstraße/Hauptstraße aufgestellt. Diese grenzten einen von Autofahrern oft übersehenen und in der Kurve geschnittenen Radweg ab. Während die Polizei wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ gegen Unbekannt ermittelt, sollen die Aktionen bis Freitag weitergehen.

Asymmetrie im Mobilitätsgesetz ausmerzen

Stadtplaner Friedemann Kunst, wies darauf hin, man müsse gerade jetzt „klarstellen, wie man mit Straßen umgehen will“ (Quelle: Berliner Zeitung). Kunst, der bis 2013 die Abteilung Verkehr der Senatsverwaltung leitete, spricht damit unter anderem die Verlängerung der A100 an. Diese wird für nötig gehalten, wolle man den Autoverkehr in anderen Stadtteilen reduzieren oder verbannen. Fließender Verkehr ist zudem wesentlich umweltschonender als Stau auf Autobahnen oder das Stop-and-Go der Stadt. (cn)

Das Mobilitätsgesetz für ein friedliches Miteinander im Straßenverkehr. | Foto: pexels.com

Das Mobilitätsgesetz für ein friedliches Miteinander im Straßenverkehr. | Foto: pexels.com

EU-Kommission: der Plastikmüll in den Meeren soll gar nicht erst produziert werden

Noch vor der anstehenden Europawahl 2019 soll die notwendige Rechtsänderung zur Minderung von Einwegplastikprodukten in der EU beschlossen sein. Der Vizepräsident der EU-Kommission in Brüssel, Frans Timmermans, plant ein Verbot von häufig in Küstenregionen gefundenen Plastikprodukten. Grund ist die extreme Vermüllung der Meere von der nach den Meerestieren, im Laufe der Nahrungskette, auch der Mensch betroffen ist. Einwegprodukten für die es längst umweltfreundlichere Alternativen gibt, steht ein Verbot bevor. Anderes Plastik soll mit EU-weit verpflichtenden Recyclingquoten zurückgedrängt werden. Laut der Zeit entstehen allein in der EU jährlich 26 Millionen Tonnen Plastikmüll, von denen lediglich 30 Prozent ordentlich gesammelt und wiederverwertet werden. Durch auffällige Kennzeichnungen von Supermarktprodukten sowie Aufklärungskampagnen durch die EU-Länder und deren Industrie soll der Verschmutzung der Umwelt, insbesondere der Meere, nicht länger tatenlos zugesehen werden.

Die EU-Kommission identifizierte zehn Einweg-Kunststoffprodukte, die ein unnötig hohes Aufkommen in den Meeren der Welt und somit auch den Mägen der Meerestiere aufweisen. Zukünftig verboten werden sollen Wattestäbchen, Plastikbesteck und –teller, Trinkhalme, Luftballonstäbe sowie Rührstäbchen für Getränke. Für Einweg-Plastikflaschen wird vorgesehen sie nur noch zu verkaufen, wenn die Deckel an ihnen befestigt sind. Die formierten Reduktionsziele und vorgesehen Verbote bleiben bisher jedoch nur Vorschläge. Sie werden wirksam und rechtskräftig sobald das EU-Parlament sowie der Europäische Rat ihre Zustimmung geben.

 

Durch Vermüllung gefährdete Strände und Tiere. | Foto: pixabay.com

Durch Vermüllung gefährdete Strände und Tiere. | Foto: pixabay.com

 

Das Sinnbild unnötigen Einweg-Plastikmülls. | Foto: pexels.com

 

Pfand und Preiszuschläge auf einstigen Plastikmüll zeigen Wirkung

Das in Deutschland bereits 2003 eingeführte Pfandsystem ist ein Vorreiter. Im Zuge dessen werden jährlich fast 100 Prozent aller Einwegflaschen gesammelt oder wiederverwertet beziehungsweise –verwendet. Bis 2025 möchte die EU-Kommission verpflichtende Recyclingquoten von bis zu 90 Prozent in der gesamten EU durchsetzen. Für nicht wiederverwerteten Plastikmüll der einzelnen Staaten ist bislang eine monetäre Abgabe geplant. Diese Strafgelder könnten wiederum dem Ausgleich anderer Lücken im EU-Haushalt zugutekommen.

Neben Richtlinien, wie einer Verbrauchsgrenze sowie einem Preiszuschlag für Verpackungsmüll, soll auch die produzierende Industrie zur Verantwortung gezogen werden. Besonders Hersteller vieler Plastikprodukte wie Einkaufstüten, Folien und Verpackungen werden sich an Säuberungen der Umwelt und Aufklärungskampagnen beteiligen müssen. Hier wird vorgesehen die Bürger stärker für das Thema zu sensibilisieren, um vom Kauf unnötiger Artikel abzuraten. In Deutschland ist das Mitbringen der eigenen Stofftasche für den Einkauf in verschiedensten Geschäften bereits Gang und Gebe. Infolge einer Einigung von Staat und Handel auf eine Selbstverpflichtung war es bis 2018  Ziel, 80 Prozent der Tüten kostenpflichtig zu machen.

 

Selbstverpflichtung des Handels als Vorreiter in Deutschland. | Foto: DUH

 

Grillspaß, Bioteller und die „Plastikseuche“                                 

Bilder von Strohhalmen in den zierlichen Nasen von Schildkröten sowie in ihren Flossen und Panzern, eingewachsen in Plastikhalterungen für Getränke, gingen bereits mehrfach um die Welt. Nun wird auch von einer „Plastikseuche“ beim Menschen gesprochen. Die sehr langsam zerfallenden Kunststoffe und das langjährig im Meer treibende Mikroplastik, landen am Ende auf unseren Tellern. Inwieweit diese Stoffe auch eine Gefahr für den menschlichen Organismus darstellen, konnten Forscher bisher nicht abschließend klären. Allerdings lässt der gesunde Menschenverstand erahnen, dass es nicht sonderlich gesund sein kann.

Der Weg den Timmermans mithilfe der EU zukünftig fahren will sieht nicht vor, den EU-Bürgern den „Grillspaß“ zu nehmen, wie er kürzlich andeutete. Vielmehr ginge es darum, die Verpackungen und Produkte aus Kunststoff, die zu Millionen Tonnen im Meer landen, gar nicht erst zu produzieren. „Jede Sekunde landen etwa 700 Kilogramm Plastikmüll in unseren Ozeanen“, warnt Timmermans, laut Tagesschau. Man könne anstelle von Plastik zu Papptellern greifen oder Besteck aus Holzabfällen herstellen lassen. Frankreich ist anderen EU-Ländern mit dem Verbot von Einweg-Plastikgeschirr aus Erdöl, in dieser Hinsicht voraus. Das häufig verwendete Einweg-Picknickgeschirr wird hier derzeit aus biologischen Erzeugnissen angeboten.

Zweifel an einer Symbolpolitik – wodurch wird das Plastik ersetzt?

Doch auch diese Alternative wird von Naturschutzorganisationen skeptisch beäugt und zum Teil scharf kritisiert. Das Ersetzen von Plastik durch Papier sei nicht automatisch umweltfreundlicher. Dies verdeutlicht der doppelte Energieaufwand bei der Herstellung von Papiertüten und die spezielle Behandlung für deren Langlebigkeit. Verrotten tut dieses speziell behandelte Papier weiterhin genauso wenig wie Plastik. Frankreichs Alternative des Einweggeschirrs aus Mais würde, laut Berliner Zeitung, beim Anbau zudem eine große Belastung für Boden, Grundwasser und Klima darstellen. Vorwürfe einer Symbolpolitik wurden bereits kurz nach Vorstellung des Gesetzesvorstoßes laut. So wird bei dem vorgesehen Ersatz von einem Einwegprodukt durch ein anderes, beispielsweise aus Papier, vor einer schlechteren Ökobilanz gewarnt.

 

Wovon die EU-Kommission spricht... | Foto: pixabay.com

Wovon die EU-Kommission spricht… | Foto: pixabay.com

 

Stattdessen befürworten die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund (Nabu) einen Ausbau des Mehrweg- und Pfandsystems. Die rund 12,2 Millionen jährlich im Meer herumtreibenden Tonnen an Plastikmüll (Quelle: Berliner Zeitung), sollen nicht durch andere schädliche Stoffe ersetzt, sondern stark minimiert werden. Timmermans deutete an, dass aufgrund der immensen Ablagerungen an Plastik und weiterhin produziertem Müll, „noch einiges zu tun“ sei. Ein Plan, der Verbote für die Industrie vorsieht scheint radikal, will jedoch zum Ausweichen auf andere Stoffe anregen. Angesichts der rund 80.000 zwischen Haiti und Kalifornien treibenden Tonnen an Kunststoff (Quelle: Tagesspiegel) ist er jedoch auch längst überfällig. (cn)

GASAG Unternehmenssitz bald am EUREF-Campus

Der GASAG Unternehmenssitz wird in drei Jahren vom Hackeschen Markt auf den EUREF-Campus verlegt. Die Bauarbeiten für die neue Unternehmenszentrale auf dem Gelände in Schöneberg haben bereits begonnen. Das Effizienzhaus wird Ende 2020 fertiggestellt sein. Seit 2014 ist die GASAG Solution Plus für das Energiekonzept des gesamten Quartiers verantwortlich, mit dem die CO2-Klimaschutzziele der Bundesregierung schon heute erreicht werden. Somit zieht das Unternehmen „back to the roots“ an einen traditionsreichen Standort der eigenen Geschichte, der heute für die Energieversorgung der Zukunft steht.

Auf dem Gelände zwischen S-Bahnhof Schöneberg und Südkreuz wurde bis 1946 Stadtgas produziert. Der Gasometer markiert noch heute weithin sichtbar diesen ehemaligen Standort der GASAG. Auf dem 5,5 Hektar großen Campus hat die EUREF AG seit 2008 einen beispielhaften Standort für Innovationen rund um die Themen Energie und Mobilität entwickelt. Zahlreiche Unternehmen und Startups haben sich inzwischen dort angesiedelt, in denen über 3.000 Beschäftigte arbeiten und forschen.

Energiewende als Verpflichtung 

„Als Energiedienstleister fühlt sich die GASAG besonders verpflichtet, sich für die Energiewende in Berlin einzusetzen“, betont Vera Gäde-Butzlaff, Vorstandsvorsitzende der GASAG. „Dazu zählt nicht nur anderen effiziente Technologien und erneuerbare Energien anzubieten, sondern diese auch selbst zu nutzen. Das können wir am besten mit dem eigenen Unternehmenssitz zeigen. Wir freuen uns, zusammen mit der EUREF AG am Campus in Schöneberg weiter an der Energiezukunft zu arbeiten.“

Reinhard Müller, Vorstand der EUREF AG: „Vor zehn Jahren gab es viele Zweifler in Berlin, als ich das Areal rund um den Schöneberger Gasometer von der GASAG erworben habe. Heute ist der EUREF-Campus einer der Zukunftsorte der Hauptstadt. Hier zeigen wir, immer mit Unterstützung der GASAG, dass die Energiewende machbar und bezahlbar ist. Dass die GASAG jetzt auf den EUREF-Campus zurückkehrt, gibt unserer Idee einen weiteren Schub. Willkommen zu Hause!“

Der künftige Unternehmenssitz der GASAG ist als KfW-55 Effizienzhaus konzipiert, mit dem zusätzlich die strengen Vorgaben der EnEV für den Energieverbrauch nahezu halbiert werden. Dazu beitragen werden beispielsweise eine Dreifachverglasung, die Wärmedämmung, der Einsatz von Smart Metering sowie lokal erzeugte, regenerative Energie. Der Bauherr – die EUREF AG – und seine Architekten gewährleisten außerdem schon beim Bau einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen durch eine CO2-neutrale Errichtung. (red)

 

Volkswagen eröffnet Nachhaltigkeitsausstellung „SHIFT“ in Berlin

Das Thema Nachhaltigkeit spielt nicht nur im Alltag für viele Deutsche eine immer größere Rolle. Auch die Wirtschaft entwickelt neue Konzepte für mehr Nachhaltigkeit. Die Volkswagen Group präsentiert ihre Ideen bereits seit dem 16. November in der Nachhaltigkeitsausstellung SHIFT im DRIVE Forum.

Verantwortlich für die Konzeption, die inhaltliche und visuelle Gestaltung sowie die Produktion der Schau sind drei Berliner Agenturen: Archimedes Exhibitions, Graft Brandlab und Rat für Ruhm und Ehre.

SHIFT: Die Mobilität der Zukunft

Mit der Ausstellung thematisiert der Volkswagen Konzern seine Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft. Bereits seit 2016 veröffentlicht der Volkswagen Konzern sein Nachhaltigkeitsmagazin SHIFT. Neben einer Microsite und Dialogveranstaltungen wird auch in der Ausstellung das ganzheitliche Konzept von Volkswagen präsentiert. Im Mittelpunkt stehen Szenarien darüber, wie Mobilität in Zukunft aussehen könnte – und zwar aus der Perspektive des Menschen. Themen wie Autonomes Fahren, Industrie 4.0, alternative Antriebe oder Ressourcenschonung werden in der Ausstellung berücksichtigt.

Zwölf interaktive Exponate vermitteln den Besuchern die vielfältigen Möglichkeiten von Mobilität sinnlich und experimentell. Überraschende Sichtachsen, multimediale Terminals, Hörspiel-Stationen, ungewöhnliche Materialien und nicht zuletzt das Spiel mit Gegensätzen erwarten den Besuchern auf einem 1.600 Quadratmeter großen Areal.

Umweltbewusste Ausstellungsstücke

Im Sinne der Nachhaltigkeit achteten die Gestalter auf höchstmögliche Transparenz und verwendeten für die Exponate unbehandeltes Holz und andere nachhaltige Materialien. Dies hat zum Vorteil, dass dadurch die einzelnen Objekte sich optimal zum Upcycling nutzen lassen. Verwendete Banner können später zu Taschen verarbeitet werden oder die Audio-Bänke einem gemeinnützigen Zweck zugutekommen. Auf diese Weise leben nach Ausstellungsende die verwendeten Materialien weiter und tragen damit die Prinzipien der Nachhaltigkeit in die Welt hinaus.

Schon beim Betreten der Ausstellung wird das Thema der nachhaltigen Mobilität deutlich. Die Besucher befinden sich inmitten eines Gewirrs aus Straßen, das in unterschiedliche Richtungen zur Zukunft der Mobilität führt. Welcher Weg ist der Richtige? Eine Frage, die hier bewusst unbeantwortet bleibt. Mit dem Rundgang durch die Ausstellung sollen die Besucher die Vielfältigkeit von Mobilität erleben.

Vegetarismus Formen – Was essen Vegetarier?

Ob aus Überzeugung, gesundheitlichen oder ethischen Gründen – immer mehr Menschen stellen ihre Ernährung auf eine Form des Vegetarismus um. Nach Angaben des Vegetarierbunds ernähren sich rund 8 Millionen Menschen in Deutschland vegetarisch, wobei die Tendenz weiterhin deutlich steigt. Doch, was heißt es sich vegetarisch zu ernähren, welche Formen des Vegetarismus gibt es und was hat es mit dem Trend der vegetarischen Küche auf sich?

Vegetarismus Formen im Überblick

Der Begriff vegetarisch leitet sich vom Lateinischen „vegetare” (= beleben) bzw.  „vegetus” (= frisch, lebendig, belebt) ab.

Der Vegetarismus bezeichnet eine Ernährungs- und Lebensweise des Menschen, bei der neben pflanzlichen Nahrungsmitteln nur solche Produkte verzehrt werden, die von lebenden Tieren stammen. Demnach werden Fleisch, Fisch und alle daraus hergestellten Produkte, wie z.B. Gelatine oder Schmalz gemieden.

Es wird zwischen vier Formen von Vegetariern unterschieden, die nur bestimmte tierische Produkte essen oder eben meiden. Da die Bezeichnungen der verschiedenen Vegetarier Typen nicht allen bekannt sind, hier ein Überblick der klassischen Vegetarismus Formen.

Vegetarismus Form Meiden von
ovo-lakto-vegetarisch Fleisch und Fisch
lakto-vegetarisch Fleisch, Fisch und Eier
ovo-vegetarisch Fleisch, Fisch Milch und Milchprodukte
vegan Haben die strengste Ernährungsweise und meiden alle vom Tier stammenden Lebensmittel, Milch, Eier und Honig mit eingeschlossen

Gründe für vegetarische Ernährung

Die Hauptgründe für eine vegetarische Ernährungsweise liegen meist in der ethischen oder der gesunden Lebenseinstellung. So lehnen zum einen viele Menschen die Massentierhaltung ab und sprechen Tieren die gleiche Würde wie Menschen zu. Zum anderen ist die vegetarische Ernährung nicht nur tierfreundlich, sondern auch gut für die Gesundheit. Denn unzählige Studien konnten einen Zusammenhang zwischen pflanzlicher Kost und niedrigem Cholesterin, niedrigem Blutdruck, weniger Herzinfarkten, vermindertem Krebsrisiko und niedrigerem Gewicht zeigen.

Immer mehr in den Vordergrund für Vegetarier rücken auch globale Umweltaspekte. Denn eine vegetarische Ernährung schont die natürlichen Ressourcen der Natur. So verbraucht die Herstellung von tierischen Nahrungsmitteln viel Wasser und Energie. Außerdem wird für das Kraftfutter der Tiere Regenwald abgeholzt, wodurch riesige Waldflächen zerstört werden. Viele Tiere finden dadurch keinen Lebensraum mehr und auch bestimmte Pflanzenarten sterben aus. Dadurch wird die biologische Vielfalt des Planeten Erde zerstört. Je nachdem, welche Bedeutung man dem Verzicht von Erzeugnissen tierischer Herkunft beimisst, entscheidet man sich für die ein oder andere Form des Vegetarismus. Natürlich sind manche Menschen auch Vegetarier, weil ihnen Fleisch und Fisch nicht schmecken oder nicht bekommen.

Nachteile einer vegetarischen Ernährung

Auch wenn eine vegetarische Ernährungsweise einige gesundheitsfördernde und ökologische Vorteile mit sich bringt, muss auch die Schattenseite beachtet werden. Denn Vegetarier müssen für ihre Ernährung einen höheren Aufwand betreiben. So ist das Angebot an vegetarischer Kost in vielen Supermärkten nur sehr klein. Zudem muss immer darauf geachtet werden, dass das Produkt keine tierischen Spurenelemente enthält.

Der wahrscheinlich größte Nachteil, insb. bei der strengsten Vegetarismus Form: dem Veganismus, liegt in der teilweisen Mangelversorgung. Denn der Körper hat bestimmte Bedürfnisse, was die Ernährung betrifft. Im Zuge einer vegetarischen Ernährung wird oftmals zu wenig Eiweiß, Zink oder auch Jod aufgenommen, was letztendlich zu Mangelerscheinungen führen kann.

Ovo-Lakto-Vegetarische Lebensweise aus wissenschaftlicher Sicht zu bevorzugen

Der Grundgedanke des Vegetarismus ist prinzipiell positiv zu betrachten. Denn der Vegetarier fördert mit seiner vegetarischen Ernährungs- und Lebensweise nicht nur seine Gesundheit, sondern berücksichtigt damit auch die Umwelt.

Dennoch muss man bei der vegetarischen Kost darauf achten, dass der Bedarf an Makronährstoffen wie Proteinen und Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralien ausreichend gedeckt wird. Daher ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht die ovo-lakto-vegetarische Ernährung am besten für die Gesundheit. (dn)

Schlechte Luft in Berlin: Droht jetzt ein Diesel-Fahrverbot?

Die Luft in der Hauptstadt ist viel schlechter als gedacht. An vielen Orten werden die Grenzwerte für Stickoxid überschritten. Das ergaben Messungen, die gemeinsam vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der Technischen Universität Berlin (TU) durchgeführt wurden. Daraufhin klagte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wegen Überschreitung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid gegen den Berliner Senat.

Schlechte Luft adé

Es scheint so, als wäre ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in naher Zukunft unumgänglich. In dem von der DUH angestrebten Prozess soll entschieden werden, ob das Land Berlin Fahrverbote als Maßnahme in seinen Luftreinhalteplan aufnehmen muss. Die DUH war bereits in anderen deutschen Großstädten, beispielsweise München, mit solch einem Verfahren erfolgreich.

Eine blaue Plakette für Diesel?

Außerdem plädiert die DUH für die Einführung einer blauen Plakette. Diese sollen nur Diesel bekommen, die die Werte der Euro-6-Abgasnorm erfüllen. Das Stickstoffdioxid in der Luft der Hauptstadt stammt zu 80 Prozent von Dieselmotoren. Zurzeit gibt es davon in Berlin ca. eine halbe Million Diesel-Fahrzeuge. Da die Fahrzeuge vor allem in der Wirtschaft zum Einsatz kommen, wird befürchtet, dass besonders Unternehmen unter Fahrverboten leiden würden. (red)

Chargery: Mobile Ladestationen für Elektroautos

Das Elektroauto bietet eine umweltfreundliche Alternative im Straßenverkehr. Doch viele Elektromobilisten kennen das Problem: Wenn das Elektroauto geladen werden muss, ist die nächste Lademöglichkeit nicht unbedingt in Sichtweite. Für dieses Problem hat das Berliner Start-up Chargery eine Lösung erdacht:  Mobile Ladestationen soll das Aufladen von E-Autos zukünftig komfortabler machen.

Gegründet wurde das Start-up diesen Herbst von drei jungen Berlinern: Christian Lang, Philipp Anders und Paul Stuke.

In einem Magazin las Christian Lang, dass der britische Automobilhersteller Bentley seinen Kunden anbietet, deren Autos mit einem mobilen Tankwagen zu betanken. Dadurch kam er auf die Idee einer mobilen Ladestation für Elektroautos.

 

Die Chargery Gründer Philipp Anders, Christian Lang,
Dr. Paul Stuke (v.l)

 

Mobile Ladestationen für Elektroautos

Das Besondere an der mobilen Ladestation ist, dass sie in Form eines 150 Kilogramm schweren Fahrradanhängers zum Kunden transportiert wird. Dabei handelt es sich um einen silbernen Kasten, etwa so groß wie eine Umzugskiste, in dem sich zwölf Batteriepacks befinden. Diese Lithium-Ionen-Akkupakete haben eine Gesamtkapazität von 24 Kilowattstunden, womit sich viele Elektroautos komplett aufladen lassen. Demnächst plant das Unternehmen den Ladeanhänger auf 50 Kilowattstunden zu erweitern. Laut den Gründern wird der gelieferte Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen. Zugeliefert werden die Akkus von der Berliner Firma Greenpack.

Eine ortsunabhängige Ladealternative

Gebucht wird die mobile Ladebox vom Kunden per App. Chargery verspricht, dass sobald ein Kunde sich darin für einen Ladevorgang anmeldet, die mobile Ladestation innerhalb von nur 30 Minuten per Fahrradkurier zum Standort des Elektroautos transportiert wird. Damit bietet die mobile Ladestation eine komfortable Alternative zu den Ladesäulen. Denn falls ein Elektroauto liegen bleibt, kann es sehr teuer werden, da es sich nicht einfach per Spritkanister innerhalb weniger Minuten betanken lässt. Da es in Berlin noch kein flächendeckendes Netz an Lademöglichkeiten gibt, bleibt dann nur noch das Abschleppen.

Die ersten Kunden

Derzeit arbeitet Chargery mit fünf mobile Ladestationen. Zu den ersten Kunden zählt das Carsharing-Unternehmen DriveNow des Automobilherstellers BMW. Zurzeit sind es drei bis fünf Ladelieferungen pro Tag. Da sich das Unternehmen für den Anfang erstmal auf Geschäftskunden fokussiert, ist die App für Privatkunden noch nicht verfügbar. Die Erweiterung auf diese Kundengruppe ist für Anfang 2019 anvisiert.

Die Branche der mobilen Ladestation

Chargery ist nicht das einzige Unternehmen, das mobile Ladestationen anbietet. Denn auch andere Unternehmen wie Nomadic Power verfolgen dasselbe Konzept. Zudem ist die Zahl der E-Autos besonders in der Hauptstadt noch gering. Dementsprechend ist der Markt für das Start-up auch klein. In der Debatte um Elektroautos wird immer noch heiß diskutiert. Denn in Berlin waren laut der Berliner Zeitung im Januar 1,195 Millionen Pkw zugelassen, davon waren jedoch nur 1668 Elektroautos. So sollen private Verbraucher „keine Lust“ haben, Verbrenner gegen Stromer austauschen zu wollen.

Andererseits arbeitet der Senat mit dem Mobilitätsgesetz an einer umweltfreundlicheren Mobilität. Dabei wird auch das Elektroauto ein wichtiges Thema sein. Laut der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wird die Elektromobilität in den nächsten Jahren im Personen- und Güterverkehr der Stadt an Bedeutung gewinnen. Daher ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur bedeutend und wird somit den Markt für mobile Ladestationen vergrößern.

Nominiert für den Greentec Award

Für ihr umweltbewusstes Konzept einer mobilen Lademöglichkeit für Elektroautos wurde das Start-up Chargery für den Greentec Award 2018 in der Kategorie Mobilität nominiert. Die Greentec Awards sind eine internationale Preisverleihung für die weltweit innovativsten Projekte für Umweltschutz und Green Lifestyle. Natürlich hoffen die Gründer auf den Gewinn des Preises. Mit der verbundenen Publicity erhoffen sie sich neue Investoren zu finden. Für das nächste Jahr wird nämlich dringend frisches Kapital benötigt, um so die Expansion in andere Städte finanzieren zu können. (dn)

Berliner Senat: Erster Entwurf zum Mobilitätsgesetz

Im vergangenen Jahr starben in Berlin 56 Menschen bei Verkehrsunfällen. In diesem Jahr sind es bislang 33 Verkehrstote, darunter neun Radfahrer. Es ist zu befürchten, dass diese Zahl bis Neujahr noch ansteigen wird. Doch damit soll in Zukunft Schluss sein: Mit dem im Berliner Senat vorgelegten Entwurf für das erste Mobilitätsgesetz Deutschlands soll die Mobilität in Berlin nicht nur umwelt- und klimafreundlicher, sondern auch sicherer werden. Das Mobilitätsgesetz wurde bereits im Frühjahr 2017 geschaffen. Es legt die Grundlagen für eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems in seiner Gesamtheit fest.

Die Bausteine des Mobilitätsgesetzes

Das Mobilitätsgesetz besteht insgesamt aus mehreren Bausteinen und zieht dabei alle Verkehrsmittel in Betracht. Bisher umfasst der erste Baustein eine allgemeine Zielsetzung, langfristige Optimierungsmaßnahmen für den öffentlichen Nahverkehr und für den Radverkehr. Die allgemeine Zielsetzung legt beispielsweise mittel- und langfristige Ziele fest, die den Klima- und Umweltschutz, die Aufenthaltsqualität, die Verkehrssicherheit sowie die Förderung des Umweltbundes umfassen.

Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden zum Beispiel die Barrierefreiheit der Haltestellen und Stationen des ÖPNV neu definiert. Die Barrierefreiheit soll mehr Komfort und Zugänglichkeit für alle Fahrgäste bieten. Ganz unabhängig von speziellen Bedürfnissen oder einer möglichen temporären oder dauerhaften Behinderung. Des Weiteren sieht das Mobilitätsgesetz ein sogenanntes Vorrangnetz für den ÖPNV vor. Es berücksichtigt vor allem die Strecken mit einem dichten Nahverkehrsangebot. Mit dem Vorrangnetz sollen Busse oder Trams möglichst Vorfahrt haben, damit die Planung jeglicher Verkehrsinfrastruktur angemessen berücksichtigt werden kann. So können die Fahrgäste fahrplanmäßig die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, ohne mit Verspätungen rechnen zu müssen.

Radverkehrsnetz wird insgesamt gestärkt

Ähnliche Optimierungen sind auch für den Radverkehr vorgesehen. Im Mobilitätsgesetz soll der Radverkehr mit dem Ausbau der Infrastruktur weiter gefördert und sicherer gestaltet werden. Demnach sollen 100.000 Radstellplätze, 100 Kilometer Radschnellwege und an jeder Hauptverkehrsstraße Radstreifen geschaffen werden. Außerdem ist auch die Sanierung alter Radfahrwege geplant. Grundsätzlich wird in diesem Abschnitt des Mobilitätsgesetzes ein Radverkehrsnetz auf Haupt- und Nebenstraßen vorgeschrieben. So sollen lückenlose und sichere Verbindungen ermöglicht werden.

Laut der Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek wird es das bundesweit erste Gesetz sein, das für Radfahrer Partei ergreift.

„Je mehr Menschen auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen können und wollen, desto schneller kommen auch die voran, die auf das Auto angewiesen bleiben. Deswegen stärkt das Mobilitätsgesetz den öffentlichen Personennahverkehr und den Radverkehr […]“, so die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther.

Erst im nächsten Jahr folgen die Bausteine zum Fußverkehr und zur Intelligenten Mobilität. Bezüglich Letzterem wird sich das Mobilitätsgesetz näher mit Car Sharing und der Digitalisierung beschäftigen.

Die Debatte um das Mobilitätsgesetz

Die neuen Regelungen und Optimierungen dürften vor allem die Radfahrer freuen. Zudem soll mit dem Mobilitätsgesetz nicht nur eine umwelt- und klimabewusste Mobilität gewährleistet werden, sondern soll auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Ziel ist es dabei die Anzahl der Verkehrsunfälle weiter zu reduzieren. Der Hauptstadtverkehr für alle teilnehmenden Parteien soll sicherer und Emissionen reduziert werden.

Die Kehrseite des Mobilitätsgesetzes ist jedoch, dass an dieser Stelle der Autoverkehr noch benachteiligt wird. Während neue Radwege entstehen sollen, kritisieren die Autofahrer die fehlenden Parkplätze. Nach wie vor werden nach Meinung der Autofahrer die Radfahrer auf ihre Kosten bevorzugt. So werfen sie dem Senat eine „autofeindliche Politik“ vor. Immer wieder entstehen Staus durch die ohnehin schon ewigen Baustellen und nun soll die Infrastruktur für die Radfahrer und den ÖPNV ausgebaut werden. Dies hat laut den Kritikern zur Folge, dass nur noch mehr Baustellen entstehen werden. Für Unmut sorgt auch, dass noch nicht beschlossen wurde, wer die Kosten für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur tragen wird.

Zurzeit wird das Mobilitätsgesetz erst einmal dem Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme übergeben. Anschließend wird der Senat den Entwurf absegnen müssen, um dann den Gesetzentwurf an das Abgeordnetenhaus zur ersten Lesung weiterzureichen. Danach wird er zur Diskussion in den Ausschüssen und zur abschließenden zweiten Lesung übergeben. Das neue Mobilitätsgesetz für die Hauptstadt ist auf dem Weg, einem sehr langen, wie es scheint. (dn)

Airlines im Test: Deutscher Klimaschutz liegt in der Luft

Die Klimaschutzorganisation Atmosfair veröffentlichte einen Airline-Index, indem die 200 größten Fluggesellschaften der Welt auf ihre Effizienz bei der Vermeidung von Treibhausgas-Emissionen untersucht wurden. Der Airline-Index basiert auf dem Kohlenstoffdioxid-Ausstoß einer Fluggesellschaft pro Kilometer und Passagier aller geflogenen Strecken. Gerechnet wurde mit Daten aus dem Jahr 2015 wie dem Flugzeugtyp, dem Triebwerk, die Verwendung aerodynamischer Flügelspitzen, die Sitz- und Frachtkapazität und die jeweilige Auslastung auf jedem Flug.

Airline Tuifly auf den vorderen Plätzen im Klimaschutztest

Anhand der Daten teilte Atmosfair alle Fluggesellschaften in Effizienzklassen ein. Erschreckend ist, dass keine der Airlines der Klasse A zugeordnet werden konnte. In Klasse B allerdings befinden sich die britische Fluggesellschaft Tui Airways, die deutsche Tochtergesellschaft Tuifly und West Air aus China. Leider setzen nur wenige Airlines hocheffiziente Maschinen für den Luftverkehr  ein. Die Lufthansa Group schaffte es mit ihrer Airline lediglich in Klasse D und belegt damit im internationalen Ranking nur Platz 65.

Lufthansa ist noch nicht effizient genug

Ein Atmosfair Experte sagt dazu: „Lufthansa bestuhlt die Flotte insgesamt leicht unterdurchschnittlich und nutzt damit ihr Effizienzpotenzial nicht voll aus.“
Dabei setzt sich die Lufthansa Group seit geraumer Zeit für den Klimaschutz ein. Sie kooperiert beispielsweise seit geraumer Zeit mit der Schweizer Non-Profit-Organisation myclimate. Jeder Passagier kann über einen CO2-Rechner seine Emissionen gezielt berechnen und für die Einsparung der Emissionen seines Fluges spenden.

Auch ihre vier Klimaschutzsäulen sind eine tolle Vorkehrung, aber überzeugen noch nicht im weltweiten Vergleich. Das liegt mitunter daran, dass die Klimaschutzziele bis 2020 angedacht sind. Die vier Säulen umfassen die Förderung des technischen Fortschritts, verbesserte Infrastruktur, operative Maßnahmen und ökonomische Instrumente. Bis 2020 hat sich die Lufthansa vorgenommen gegenüber dem Jahr 2006 ihren CO2-Ausstoß pro geflogenem Kilometer um 25 Prozent zu senken. Somit soll das IATA Treibstoffeffizienzziel unterstützt werden.

„Die Städte sind weltweit für mehr als 70 Prozent der Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich. Berlin soll Modellstadt für erfolgreichen urbanen Klimaschutz werden und über die Stadtgrenzen hinaus Impulse setzen. Klimaneutralität bis 2050 ist für Berlin ein notwendiges und machbares Ziel. Jetzt haben wir die Maßnahmen verabschiedet, wie umgesteuert werden soll“, ließ Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, im Juni diesen Jahres verlauten. Ob die Maßnahmen auch beinhalten, die Lufthansa mit ihren vielen von Air Berlin übernommenen Verbindungen dazu zu verpflichten, ihre Effizienzklasse zu verbessern, bleibt allerdings offen. (red)

Veranstaltungen

Es konnte leider nichts gefunden werden

Entschuldigung, aber kein Eintrag erfüllt ihre Suchkriterien