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Der gläserne Patient: Was passiert mit unseren digitalen Gesundheitsdaten?

Für ein simples Physiotherapie-Rezept fährt man durch die halbe Stadt. In der Arztpraxis erreicht man auch nach zwei Wochen Urlaub niemanden wegen der Laborergebnisse. Arztbriefe, Befunde, Rezepte und Diagnosen hinterlassen nicht nur bei uns Zuhause, sondern auch in Arztpraxen Stapel an Papier. Im Gegensatz zur Kontoführung ist bei der Gesundheitsakte selten alles an einem Ort – und schon gar nicht an unserem. Mitgliederstarke Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (TK) und die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) testeten bereits mobilere Variante die eigenen Gesundheitsdaten übersichtlich und digital zu speichern.

Was man in die elektronische Gesundheitskarte (eGK) seit zehn Jahren nicht integrierte, soll nun mithilfe einer digitalen Gesundheitsakte möglich werden. TK-Safe heißt die elektronische Patientenakte der Techniker, die alle Daten der bisherigen Chipkarte und erstmalig alle Papierstapel in sich vereint. Auch die Allianz Versicherung und die junge Online-Banking Plattform N26 schlossen sich zur Entwicklung einer „mobilen Gesundheitsakte“ zusammen. In die App Vivy können alle medizinischen Daten eingetragen, verwaltet und nur mit den zuständigen Ärzten geteilt werden. Der Patient behält bei Vivy sowie bei TK-Safe und dem Angebot der AOK die Datenhoheit. Alle Gesundheitsdaten können, solange nicht mit entsprechenden Ärzten geteilt, nur auf dem Smartphone oder der elektronischen Akte online abgerufen werden. Ziel ist es Mehrfachbehandlungen und Doppelmedikationen zu vermeiden sowie mehr Selbstbestimmung für die Patienten zu gewährleisten.

 

Unübersichtlich für Patienten: Unsere Gesundheitsdaten liegen meist an vielen verschiedenen Orten – viele davon auch noch auf den Servern der Arztpraxen. | Foto: pexels.com

 

Nicht länger warten mit den Daten

Das Angebot umfasst alle medizinischen Daten wie Rezepte, Diagnosen, Laborergebnisse, Medikamenteneinnahmen, Terminvereinbarungen und Erinnerungsfunktionen. Diese medizinischen Daten sollen in den digitalen Systemen dezentral zusammengeführt werden. Durch bisherige Kooperationen mit Kliniken und Praxen können die drei Anbieter zukünftig bundesweit über 35 Millionen Patienten erreichen. Der Umstieg auf die digitale Patientenakte ist dabei freiwillig und kostenlos. Einheitliche Standards und ein bundesweit angeschlossenes Datensystem sind bisher noch nicht aufgebaut. Das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn (CDU) erarbeitet derzeit den Aufbau der digitalen Gesundheitsakte, die  Einführung ist für 2021 geplant. Parallel ist man bisher mit dem weiteren Vorantreiben der eGK beschäftigt. Etwa auf der Karte gespeicherte Gesundheits- und Notfalldaten, die der Patient immer dabei hat, sollen die eGK zukünftig nützlicher machen.

Sowohl die TK als auch die AOK führten repräsentative Umfragen durch, die ihnen bestätigten, dass ein Warten auf den digitalen Schritt der Bundesregierung nicht nötig sei. Die durch den AOK Bundesverband in Auftrag gegebene YouGov-Umfrage verdeutlichte: 82 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine Zusammenführung ihrer medizinischen Daten in einer digitalen Gesundheitsakte aus. Mehr als zwei Drittel würden ein vorhandenes Angebot nutzen, während 78 Prozent die vorausgesetzte Datenhoheit befürworten. „Das reine Vorhalten von Daten bietet keinen Mehrwert, wir müssen aus ihnen Informationen machen, damit sie unseren Versicherten nutzen. Und vor allem müssen sie selbst die Hoheit über ihre eigenen Daten bekommen“, so TK-Vorstand Jens Baas.

TK-Safe und Vify bieten alle Gesundheitsdaten an einem Ort

Vify bietet neben der Verwaltung aller medizinischen Dokumente auch einen persönlichen Gesundheitscheck an. Medizinische Unterlagen werden durch ein paar Klicks über einen verschlüsselten Link von den Ärzten abgefragt. Dazu müssen die entsprechenden Arztpraxen das Angebot auch nutzen. Mithilfe des Blutbildes und anderer hinterlegter Daten ermittelt Vify das biologische Alter des Patienten. Auf einen Klick können auch Termine vereinbart oder eventuelle Wechselwirkungen bei der verschriebenen Medikation eingesehen werden. Notfalldaten und –kontakte können auch bei gesperrtem Bildschirm jederzeit abgerufen werden. Neben der Allianz sind bereits die DAK-Gesundheit, die Bahn BKK, die IKK Classic, Barmenia, Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung mit an Bord. So werden durch weitere Kooperationen mit insgesamt 90 gesetzlichen und vier privaten Krankenkassen zukünftig 25 Millionen Bundesbürger erreicht.

 

Die digitale Gesundheitsassistentin Vivy auf dem Smartphone. | Foto: Vivy

 

Manuell kann der Patient die medizinische Historie der TK-Safe Gesundheitsakte durch eigene Daten ergänzen. Baute man das TK-Safe Angebot in die Basisleistungen der Krankenkasse mit ein, erreichte man die 11 Millionen Mitglieder. Interessensbekundungen habe man von vielen Kliniken erhalten, die zusammen mehr als die Hälfte aller deutschen Krankenhausbetten abdecken, so die TK. So könnten Befunde nach der Entlassung direkt an die digitale Akte des Patienten zur Vorstellung beim Hausarzt übermittelt werden. Zur Entwicklung der App, die Ende des Jahres herauskommt, arbeitete die Versicherung mit IT-Dienstleister IBM zusammen. Bisher läuft die Testphase für die sich alle TK-Mitglieder bei Interesse online registrieren können.

Digitale Vorteile erzielen große Reichweite

Die AOK testete ihr Angebot bislang ausschließlich in zwei Kliniken in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Nun kooperiere man jedoch mit Vivantes und der Sana Kliniken AG, zwei der größten sowohl kommunalen als auch privaten Klinikkonzerne. Bei einem erfolgreichen Ausbau könnten die 26 Millionen Mitglieder freiwillig auf die Nutzung der elektronischen Akte umsteigen. Umgerechnet stünden also alle drei Angebote zusammen in näherer Zukunft über 60 Millionen Bundesbürgern zur Verfügung.

Schnelle Prozesse, keine Postwege, wenig Papierkram und alle Daten selbstbestimmt und selbstverwaltet auf einen Blick. Permanent selbst auf dem neuesten Stand über die eigene Gesundheit zu sein, ermöglicht dem Patienten auch eine stärkere Souveränität. Patienten können in Arztgesprächen eine andere Position einnehmen. Auch für die interprofessionelle Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten ist die Gesundheitsakte förderlich. Diagnosen und Therapieentscheidungen werden durch die strukturierte Einsicht so von mehreren Ärzten unterstützt.

 

Laborergebnisse, Röntgenbilder, Blutbilder: Direkt nach der Untersuchung übermittelt der Arzt aktualisierte Gesundheitsdaten an die App. | Foto: pixabay.com

Laborergebnisse, Röntgenbilder, Blutbilder: Direkt nach der Untersuchung übermittelt der Arzt aktualisierte Gesundheitsdaten an die App. | Foto: pixabay.com

 

Wer wacht wo über welche Daten?

Neben Fehldiagnosen auf die sich ein folgender Arzt möglicherweise verlässt, bleiben jedoch auch datenschutzrechtliche Fragen bisher offen. Kann eine komplette Verschlüsselung der Daten gewährleistet werden? Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? Können sie zu Forschungszwecken abgerufen werden? Um diese Fragen vor den Krankenkassen und Unternehmen jedoch richtig für sich beantworten zu können, braucht es eine digitale Gesundheitskompetenz. Kritiker und Verbraucherzentralen pochen außerdem auf einheitliche Standards des Staates, die dem derzeitigen Konkurrenzrennen der Krankenkassen und Unternehmen entgegenstehen.

Mit Blick auf das Abwerben von Mitgliedern und die Zusammenarbeit mit Banken wie der N26, dem IT-Dienstleister IBM oder privaten Klinikgruppen, scheinen die jeweiligen Apps nicht nur die bestmögliche Behandlung ermöglichen zu wollen. Obwohl alle Angebote bislang kostenlos sind, stehen Daten heutzutage als wertvollste Währung im Kurs. TK-Vorstand Jens Baas betonte, dass es bei der technischen Basis elektronischer Akten unter den Krankenkassen keinen Wettbewerb geben solle. Denn Daten sollten bei Kassenwechseln mitgenommen werden können, wie die Frankfurter Rundschau berichtete. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bemerkte jedoch, nur der Staat könne höchste Sicherheitsstandards garantieren. Bundesgesundheitsminister Spahn solle deshalb hierzu in näherer Zukunft ein Bundesamt für Digitalisierung im Gesundheitswesen schaffen. Mit den einheitlichen Standards ist allerdings vor 2021 nicht zu rechnen.

 

Der gläserne Patient: Kann eine komplette Verschlüsselung der Daten gewährleistet werden? Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? | Foto: pixabay.com

Der gläserne Patient: Wem sollen die Daten zukünftig noch zur Verfügung stehen? | Foto: pixabay.com

 

Höhere Gesundheitskompetenz

Die elektronischen Gesundheitsakten werben derzeit mit schnelleren Prozessen und einer besseren Aufklärung über die eigenen Gesundheitsbedürfnisse. Um diese verbesserte Form der Versorgung für die breite Masse der Bevölkerung zugänglich zu machen, sind weitere Informationsangebote essentiell . Zudem sollten Workshops den Zugang auch für ältere Patienten ermöglichen, die möglicherweise eine Hemmschwelle gegenüber dem Digitalen zu überwinden haben.

Darüber hinaus muss, wie bei allen jungen Angeboten, das Netz an Kooperationspartnern, vordergründig in Bezug auf kleinere, lokale Praxen stärker ausgebaut werden. Damit gewährleistet ist, dass nicht nur ein Teil der relevanten medizinischen Dokumente in der App verwaltet und der Rest unbeachtet liegen gelassen wird. (cn)

Berliner Start-ups überzeugen bei erstem Rewe Gründerwettbewerb

Dieses Jahr veranstaltete Rewe den ersten Gründerwettbewerb eines Unternehmens im Lebensmitteleinzelhandel. In diesem Rahmen wurde auch erstmalig der „Rewe Start-up Award“ in Köln vergeben. Dabei stammen alle fünf aus den 170 Bewerbern ausgewählten Finalisten-Start-ups  aus Berlin. Nicht umsonst hat die Hauptstadt in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf in der Start-up Szene erlangt. „Selo Green Coffee“ setzte sich am Ende durch und konnte den Wettbewerb mit einem gesunden, koffeinhaltigen Getränk für sich entscheiden. Neben der Aufnahme in das Sortiment der über 3.000 Rewe-Filialen und den Online-Handel des Unternehmens, bekommen die Finalisten zukünftig auch Unterstützung in Marketing-Fragen. Bisher hatte sich die Anteil an Food-Start-ups in den deutschen Rewe-Märkten sehr an lokaler und regionaler Vermarktung ausgerichtet. Jetzt ruft das Unternehmen dazu auf, sich nicht nur während der Wettbewerbszeiten mit innovativen Produkten an Rewe zu wenden.

„Junge Unternehmen sind heute viel ideenreicher und kreativer als noch vor ein paar Jahren und reagieren blitzschnell auf Ernährungstrends. Nur fehlt es naturgemäß oftmals noch an wichtigen Kontakten, umfangreichem Branchenwissen und der für eine bundesweite Vermarktung notwendigen Professionalität. Mit dem REWE Start-up Award und unseren Partnern haben wir eine zeitgemäße und dauerhafte Plattform für Gründer geschaffen“, sagt REWE-Marketingleiter und Jury-Mitglied Dr. Johannes Steegmann.

Gründerwettbewerb spürt aktuelle Food- und Lifestyle-Trends auf

Die Finalisten-Start-ups halten mit den neuesten Entwicklungen der Lebensmittelbranche mit und werden von BERLINboxx im Folgenden vorgestellt. Sie verfolgen einen Trend, der sich schon lange nicht mehr nur langsam durchsetzt. Von fairen Produktionsbedingungen, über gesunde und vor allem ausschließliche natürliche Inhaltsstoffe, bis hin zu speziellen Diäten. Heutzutage liegt der Fokus auf gesunder, ausgewogener und der Umwelt gegenüber rücksichtsvoller Ernährung, die kaum Zeit im durchorganisierten Alltag einnimmt. Von fettigem Fast-Food wird Abstand genommen und stattdessen bewusst auf die Zusammensetzung der Produkte geachtet. Auch nachhaltige Produktionsbedingungen und Verpackungen sowie die Unterstützung der Erzeuger liegen immer mehr Unternehmen und Verbrauchern am Herzen. Vor allem in Großstadtregionen sind diese Kriterien für Manche ein Muss für den Kauf eines Produktes. Diese sind innerhalb weniger Minuten zubereitet und meist praktisch zum Mitnehmen geeignet. So bleibt nach eigenen Worten vieler Food-Start-ups mehr Zeit für die anderen wesentlichen Dinge im Leben. Die Finalisten-Start-ups des Rewe-Gründerwettbewerbs stehen diesen Anforderungen in nichts nach. Sie sind stattdessen wohl eher Branchen-Innovateure, die endlich entdeckt wurden.

„Es ist toll zu sehen, mit welcher Kreativität die Finalisten die Jury überzeugen konnten. Um die Zukunft des Einkaufens gemeinsam zu gestalten, sind Impulse von außen wichtig. Wir lassen uns gerne von den innovativen und unkonventionellen Ideen der jungen Gründer inspirieren. Im Gegenzug können wir unsere Erfahrung und unser Wissen direkt an die Start-ups weitergeben“, erklärt Fridolin Frost, Managing Director Snacks bei Mondelēz International in Deutschland und Jury-Mitglied.

Der Trend geht in Richtung gesund, Bio und vegan. | Foto: pexels.com

Der Trend geht in Richtung gesund, Bio und vegan. | Foto: pexels.com

Gesundheit im praktischen Format: Die fünf Finalisten

„Selo Green Coffee“

 Der erste Gewinner des diesjährig initiierten Wettbewerbs präsentiert sich durch weniger ist mehr. „Selo Green Coffee“ ist ein Erfrischungsgetränk aus grünen, nicht gerösteten und biologisch angebauten Kaffeebohnen. Der Flascheninhalt ist so koffeinhaltig wie ein doppelter Espresso, dabei vegan, sehr kalorienarm und frei von Zuckerzusätzen, Aromen und Konservierungsstoffen. Darüber hinaus liegen dem Start-up die Erzeuger in Kolumbien sehr am Herzen, mit denen sie ein enges partnerschaftliches Verhältnis pflegen. So hat sich Selo verpflichtet, einen Teil des Umsatzes in Entwicklungsprojekte zu investieren, die der Kooperative zugutekommen.

"Selo Green Coffee": Die Gewinner des "Rewe Start-up Awards" mit Jurymitgliedern. | Foto: REWE,, Michael Gottschalk

„Selo Green Coffee“: Die Gewinner des „Rewe Start-up Awards“ mit Jurymitgliedern. | Foto: REWE,, Michael Gottschalk

 „Hummingbird“

Der diesjährige Gewinner des FitFood-Awards der FITBOOK-Redaktion ist „Hummingbird“, mit seinen Frühstücks-Variationen, die einen gesunden Lebensstil unkompliziert machen. Es produziert so genannte Blendies. Dabei handelt es sich um verschiedene getrocknete Superfoods, die zu kleinen Bällen gepresst sind. Wenn diese zusammen mit etwas Flüssigkeit sowie Obst und Gemüse in einen Mixer gegeben werden, lassen sich mit ihnen schnell nährstoffreiche Smoothies herstellen. Die in Australien entwickelten Produkte bestehen aus rein natürlichen Inhaltsstoffen und können – bei höherem Stresslevel – auch bequem online bestellt werden. Das tägliche Frühstück punktet hier mit schneller Zubereitung und nicht mehr wegzudenkenden Superfoods.

„Oh My Dough“

Die Gründer von „Oh My Dough“ erfüllten sich mit sorgenfrei verzehrbarem, rohem Keksteig nach eigenen Angaben einen Kindheitstraum. Abseits von Eissorten, in denen dieser nur verarbeitet ist und auf wenigen Löffeln die Herzen von Keks-Fans höher schlagen lässt, bietet „Oh My Dough“ ganze Becher voll davon an. Der Geschmack des ungewöhnlichen Snacks hat laut Gründern hier oberste Priorität.

„Nuri Food“

„Nuri Food“ zeigt sich innovativ mit tiefgekühltem Babybrei, der in Form von Pellets den Bedürfnissen entsprechend aufgetaut werden kann. Auch hier überzeugten 100 Prozent an Bio-Zutaten und die Wahl zwischen vegetarischen und veganen sowie Fleisch-Varianten, bei der Auswahl. Durch das schonende Schock frosten, ist das Start-up darauf bedacht mehr Nährstoff und Vitamine in ihren Babygläschen zu erhalten. Im Gegensatz zu herkömmlicher Babynahrung sei dies durch die Methode gewährleistet und gleichzeitig flexibler und tiefgefroren länger haltbar. „Nuri Food“ setzt auf diese Weise darauf Eltern und Kind mit ihrem Produkt, die Zubereitung von häufigen Mahlzeiten zu erleichtern und so mehr Zeit zu schenken.

„Wildcorn“

Zum Schluss bietet „Wildcorn“ einen gesündere Variante des beliebten Home-Kinos und eine alternative zu hochkalorischen Chips. Das Produkt des Start-ups bietet Popcorn ohne Zuckerzusatz, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker an und ist auch für Veganer geeignet. Der Snack vereint die Nachfrage aller von verbreiteten Food-Intoleranzen betroffenen Menschen und basiert nur auf Bio-Mais und ausgewählten Gewürzen. Bundles verschiedener Sorten können online bestellt werden, oder die einzelnen Tüten des gesunden Etwas bald in den Rewe-Märkten gefunden werden. (cn)

 

Rasante Umbrüche durch Digitalisierung in Berlin

Wie hoch ist die Bedeutung der Digitalisierung für Großstädte wie Berlin? In die Hauptstadt zieht es neue Kompetenzzentren für maschinelles Lernen und von künstlicher Intelligenz profitierende Start-ups, die für ein neu gestaltetes Arbeitsumfeld sorgen. Deutschland, vor allem aber Berlin als Gründermetropole, will in der Entwicklung von KI nicht hinter großen Investoren der digitalen Zukunft wie China und den USA zurückbleiben. Zum Auftakt des 21. Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fordern Politiker ein nachhaltiges Geschäftsmodell und befürworten Investitionen in digitale Bildung.

 

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

 

Menschliche Arbeit wird austauschbar

Etwa 70.000 Berliner arbeiten im digitalen Umfeld der Hauptstadt. In der Eröffnungsrede des 21. DGB-Bundeskongresses sprach Bundespräsident Frank Walter Steinmeier unter anderem über die Neugestaltungen durch die Digitalisierung der letzten Jahre. Neben einer geforderten „Ethik der Digitalisierung“,thematisierte er auch die Gestaltung dieser für eine zukünftige Arbeit mit der KI. „Wir müssen die Digitalisierung so gestalten, dass sie Arbeit aufwertet und nicht ersetzt“, so Steinmeier.

Der Unterschied zu vergangenen technologischen und industriellen Umwälzungen sei die Betroffenheit aller Berufsfelder von einem eventuellen Austausch durch intelligente Systeme. Diese können dann Busse selbst fahren lassen, Bücher katalogisieren oder das Postsystem revolutionieren. Die große Menge an heutzutage zu verarbeitenden Daten treibt auch die maschinelle Innovation hierfür voran.

Digitalisierung der Arbeitsplätze

Nachhaltige Digitalisierung ist nicht nur aus Material- und Umweltsicht bisher fragwürdig, sondern auch in Bezug auf die Schaffung und Kürzung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sorgen die zunehmende Nutzung des Internets und mehrerer Devices für eine starke Erhöhung der Stromnachfrage. Materiell betrachtet ist die Basis der Geräte, die uns mit dem schnellen Internet verbinden, schon aufgrund ihrer Produktionsprozesse nicht konstruktiv. Doch auch die zunehmenden Aufgaben, die von mit KI arbeitenden Systemen gelöst werden können, betreffen alle Berufsgruppen. So wird von einer Wegrationalisierung der Arbeitsplätze und größer werdenden Einkommensschere der kommenden 20 Jahre gesprochen.

Gerade für die Start-up Branche sind diese selbstdenkenden – zum Teil auch selbstständig lernenden – Systeme attraktiv und Berlin als Standort einträglich. Rund die Hälfte aller auf KI setzenden deutschen Start-ups siedelt sich derzeit in Berlin an. Grund dafür ist, abgesehen von der hohen Lebensqualität trotz verhältnismäßig niedriger Gewerbemieten, auch die einfache Rekrutierung guter Mitarbeiter.  Als IT-Standort und europäische Gründermetropole hat sich Berlin einen internationalen Namen gemacht.

 

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

 

Den Nachwuchs zieht es an die Spree

Für Oktober ist die Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für maschinelles Lernen in Berlin geplant.Von dessen Angebot können Informatikinteressierte für ihre Jobs der Zukunft profitieren. Schon 2017 wurde das von den großen Berliner Universitäten getragene Einstein Center Digital Future im Robert-Koch-Forum (Mitte) in Betrieb genommen. Es wurde zu Forschungszwecken rund um Themen wie Smart Housing und Mobilität sowie zur digitalen Bildung des Nachwuchses, gegründet. Ziel ist es digitalen Nachwuchs zu gewinnen und abseits von großen Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook, wieder eine Vorreiter-Position einzunehmen.

Weitere Projekte, wie ein Internet-Institut, sind in Planung. Den Standort hierfür gewann Berlin in einer Ausschreibung des Bildungsministeriums vor anderen deutschen Städten. Auch die EU-Kommission erhöhte ihre Förderung für die KI im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. In diesem wird vorgesehen bis 2020 rund 1,5 Milliarden Euro zu investieren und 2,5 Milliarden Euro mit Co-Investitionen zu mobilisieren. (cn)

Asia-Pacific Week 2018: Berlin auf dem Digitalisierungskurs

Fernost ist zukünftig Berlins wichtigster Wirtschaftskooperationspartner, das ist das Fazit der 13. Asia-Pacific Week (APW). Am 23. April 2018 eröffnete Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, die APW in der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin. Eröffnungsreden hielten Größen der Digital-Szene, darunter Cedrik Neike (Siemens-Vorstand für Asien und Energie), Clas Neumann (Head of Global SAP Labs) sowie Dr. Pun-Arj Chairatana (Director, National Innovation Agency Thailand). Die Asia-Pacific Week sei ein idealer Ort, um über große Zukunftsfragen zu diskutieren, so die Grußworte des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Highlights der Asia-Pacific Week

Asien gilt als Vorreiter in der Digitalisierung der Öffentlichkeit, das zeigt sich besonders auf den APW- Digitalisierungskonferenzen. Teilnehmer diskutierten dort beispielsweise über Themen wie Gesundheit, Sicherheit, E-Government, Mobilität, Energie und Klimaschutz. Premiere feierte auch die erste FinTech Summit AsiaBerlin mit zahlreichen Experten aus China und Indien. Neu war zudem ein mehrtägiges Programm für Investoren aus Asien. Viele VC’s und Business Angel’s aus Fernost besuchten die deutsche Hauptstadt zum ersten Mal und gewannen Einblick in Berlins lebendiges Start-up-Ökosystem.

Wichtiger Programmpunkt der Asia-Pacific Week war auch in diesem Jahr die „Connecting Startup Cities“ (CSC) als führende Plattform für den deutsch-asiatischen Dialog.  Sie ermöglichte den Besuchern den Wissensaustausch sowie Networking- und Matchmakingevents für Start-ups und Unternehmen. Darüber hinaus setzten sich in spannenden Panels nationale und internationale Digital-Experten wie Tilman Au (CO-CEO der Digital Value Excellence GmbH), Eva Xiao (Tech-Journalistin aus China) und Sissel Hansen (Gründerin und CEO von Start-up Guide) mit aktuellen Streitfragen rund um die Digitalisierung und Technik auseinander.

Technischer Journalismus steht aktuell in der Kritik

Übereinstimmung herrschte im Panel „How Tech Journalism Frames Innovation“ über folgendes: Niemand ist mit dem derzeitigen Tech-Journalismus zufrieden. Der Hype, den die Berichterstattung über Technik gerade erfährt, ist gefährlich. Nachrichten erscheinen in kürzester Zeit im Newsfeed, aber Schnelligkeit bedeutet nicht automatisch bessere Qualität. „Journalisten konzentrieren sich vermehrt auf das Produkt und vergessen die Geschichte der Entrepreneure“, warf die Sissel Hansen, ein. Natürlich sei der Skandal um Facebook einer der Hauptauslöser gewesen, den technischen und allgemein digitalen Journalismus zu hinterfragen.

 

Digital-Experte Tilman Au (Co CEO diva-e) äußert sich zum Technikjournalismus auf der Asia-Pacific Week 2018 l Foto BERLINboxx

Digital-Experte Tilman Au (Co-CEO diva-e) äußert sich zum Technikjournalismus auf der Asia-Pacific Week 2018 l Foto: BERLINboxx

 

Digital-Experte Au sah das ähnlich und gab zu bedenken, dass Fake-News auch in dieser Branche eine Gefahr darstellen. Mit der Digital Value Excellence GmbH (diva-e) entwickelte er schon erfolgreiche Konzepte und Strategien zur Digitalen Transformation für namhafte Unternehmen (z.B. Deutsche Postbank AG, HypoVereinsbank etc.). Daher kennt er sich mit den Neuerungen der Digitalisierung und auch der deutschen Skepsis gegenüber technologischen Entwicklungen aus. Au äußerte den Wunsch, den übrigens seine Panel Kollegen teilten, nach mehr Start-up-Kooperationen, aber auch einem besseren journalistischen Netzwerk. Gemeinsam könne so mehr Transparenz und Objektivität in die Tech-Berichterstattung erreicht werden.

Start-up-Kooperationen mit Asien werden vertieft

Asien ist für Berlin wichtig und liegt mit seinen Technologien im Trend. „Die Zusammenarbeit mit Start-up und Digitalisierungsagenturen in Indien, China und den ASEAN-Staaten bietet eine sinnvolle und nachhaltige Struktur zur Verknüpfung mit den Start-up-Ökosystemen in Asien. Ich freue mich, dass uns mit dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten German Accelerator in Singapur ein strategischer Partner in der Region zur Seite steht. So konnten wir ihn als bundesdeutschen Partner für unsere Kooperationsvereinbarungen mit Indonesien, Thailand und Malaysia gewinnen, die in diesen Wochen unterschrieben werden“, erklärte Senatorin Pop den aktuellen Stand der Wirtschaftsbeziehung mit Asien. Bereits Anfang dieses Jahres besuchte sie Senatorin China und nahm an der Einweihung der neuen Wirtschaftsrepräsentanz in Berlins Partnerstadt Peking teil. (lj)

Gregor Marweld: Die Berliner Büroflächen-Ampel steht auf rot

Gregor Marweld zählt zu den erfahrensten Experten der Berliner Immobilienszene und hat sich in der Hauptstadt einen exzellenten Ruf als Immobilien- und Anlagespezialist erarbeitet. In seinem Buch „Das Wohnen der Zukunft: Die aktuelle Situation auf dem Berliner Immobilienmarkt – Herausforderungen und Chancen“ und seinem Blog „Marwelds Meinung“ beschäftigt er sich mit Immobilien-Themen, die die Hauptstadt bewegen.

Gewerbeflächen – gibt’s nicht

Die Berliner Wirtschaft boomt: 213.000 neue Arbeitsplätze sind in den letzten fünf Jahren in Berlin entstanden. Doch langsam wird es eng – sehr eng. Mit einer Leerstandquote von unter 2 % innerhalb des S-Bahn-Rings ist die Lage auf dem Büroflächenmarkt dramatisch. Will Berlin sein wirtschaftliches Wachstum fortsetzen, müssen neben neuen Wohnungen also auch deutlich mehr Büro- und Gewerbeflächen entstehen. Eine vorausschauende Politik darf diese Fakten nicht ignorieren. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop hat den Ernst der Lage erkannt und will auch bei Gewerbeimmobilien vom kommunalen Vorkaufsrecht Gebrauch machen. 50 Millionen Euro aus dem Ankaufsfonds des Senats sollen für den Ankauf von Büro- und Gewerbeimmobilien reserviert werden.

Betriebe ziehen ins Umland

Weil es für Investoren und Projektentwickler lukrativer ist, hochpreisige Eigentumswohnungen in attraktiven Innenstadtlagen zu bauen, sind seit 2005 kaum noch neue Büro- und Gewerbeflächen in der City entstanden. Wer ein flächenintensives Gewerbe betreibt, hat in Berlin so gut wie keine Chance mehr und muss ins Brandenburger Umland ausweichen. Die unschöne Konsequenz: Berlin entgehen dadurch Gewerbesteuereinnahmen in beachtlicher Höhe. Einnahmen, auf die eine Stadt, die damit wirbt, arm aber sexy zu sein, nicht verzichten kann. Das Gewerbeflächen-Kataster, das der Senats gerade erstellen lässt, ist ein guter Anfang, neue Flächen zu identifizieren und zu erschließen. Bei einem jährlichen Gewerbeflächenverbrauch von 20 bis 25 ha sind die Reserven in knapp zehn Jahren allerdings erschöpft. Deshalb müssen die zur Verfügung stehenden Flächenpotenziale klug genutzt werden.

Start-ups brauchen Hauptstadt-Flair

Für innovative Start-ups, die der Treiber des Wachstums sind und auf die kreative Szene der Hauptstadt angewiesen sind, ist das Brandenburger Umland keine Alternative. Doch in Berlin ist der Markt für Büroimmobilien leergefegt. Und wer doch noch ein Büro ergattert, muss dafür 20 Euro pro Quadratmeter zahlen. Ein stolzer Preis, der das Budget junger Unternehmen sprengen dürfte. Wenn Berlin sein wirtschaftliches Wachstum nicht aufs Spiel setzen will, muss der Senat die Entwicklung von Büro- und Gewerbeflächen vorantreiben. Im Gegensatz zu anderen europäischen Metropolen verfügt Berlin noch über freie Flächen in nennenswertem Umfang. Zum Beispiel am S-Bahnhof Südkreuz, in der Eurocity nördlich des Hauptbahnhofs oder auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Grunewald.

Wohnen und Arbeiten rücken zusammen

Um dem steigenden Bedarf an Büro- und Gewerbeimmobilien gerecht werden zu können, muss das städtebauliche Konzept der Funktionstrennung zwischen Wohnen und Arbeiten neu ausgerichtet werden. Denn getrennte Wohn-, Arbeits- und Lebensbereiche sind aufgrund begrenzter Flächen nicht mehr realisierbar.  Wohnen, Leben und Arbeiten wird in Berlin in Zukunft gemeinsam gedacht. Gefragt sind urbane Quartiere, in denen man sich rund um die Uhr aufhalten kann. Mit Gebäudekomplexen, die alles unter einem Dach vereinen, was der moderne Großstädter des 21. Jahrhunderts braucht. Die Einführung der neuen Baurechtskategorie „Urbanes Gebiet“ zeigt, dass man die Zeichen der Zeit in Berlin erkannt hat.

Aktuell zieht der Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien wieder an. Vermutlich, weil sich Wohnimmobilien aufgrund hoher Erstellungs- und Transaktionskosten mit zwei Prozent Rendite nicht mehr rechnen. Außerdem gibt es für Büro-und Gewerbeimmobilien kein kooperatives Baumodell, das Investoren die Schaffung von 30 Prozent Sozialwohnungen aufnötigt. (bt)

Die Berliner Wirtschaft: Boomtown oder Pannenhauptstadt?

Sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Anzahl der Arbeitsplätze – Berlins Wirtschaft erlebt derzeit einen Boom wie seit Jahren nicht mehr.

Das sieht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung jedoch nicht so. Im Gegenteil: Für fast die Hälfte der befragten Einwohner gilt Berlin als unattraktiv. Dies geht aus einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey hervor.

Berliner: Unsere Wirtschaft boomt!

Für die vom Tagesspiegel beauftragte Studie des Meinungsforschungsinstituts Civey wurden insgesamt 844 Berliner und 5020 Menschen bundesweit befragt. Rund 54 Prozent der Berliner halten ihre Stadt für einen attraktiven Wirtschaftsstandort. Bei der Frage, welche Stadt das höchste Entwicklungspotenzial habe, waren sich die Berliner einig: ihre geliebte Stadt Berlin.

Auch die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop lobt die Hauptstadt: „Die Berliner Wirtschaft boomt und ist weiter auf Expansionskurs“. So ist Berlin nach langen Jahren des Strukturwandels endlich angekommen und sei ein heute ein dynamischer und innovativer Standort. Laut der Umfrage ist Berlin am attraktivsten als Standort für Unternehmen der Digitalwirtschaft. Die Berliner Wirtschaft wächst seit Jahren, vor allem ist dies in der Start-up Branche gut zu beobachten. Berlin wird als Start-up Hotspot im europäischen Vergleich immer attraktiver  und übertrifft mittlerweile die Gründerszenen in anderen Metropolen.

Für fast die Hälfte der Deutschen ist Berlin unattraktiv

Wenn es nach dem Rest der deutschen Bevölkerung geht, dann ist Berlin ein eher unattraktiver Wirtschaftsstandort. Während lediglich 7,1 Prozent der Deutschen die Hauptstadt als attraktiv einschätzen, sehen rund 40,9 Prozent Berlin als unattraktiv. „Berlin steuert gerade einmal vier Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei und hat sogar einen leicht dämpfenden Effekt von 0,2 Prozent auf das Pro-Kopf-Einkommen der gesamten Republik“, heißt es vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Unternehmensberatung McKinsey warnte in einer Standortstudie, dass Berlin eine geringe Exportorientierung habe. Demnach hat die Berliner Wirtschaft immer noch nicht die jahrzehntelange Teilung der Stadt überwunden und leide bis heute an strukturellen Schwächen.

Berlin hat Entwicklungspotenzial

In einem Punkt sind sich beide Partien einig: Die Zahl der Arbeitsplätze wird in der Hauptstadt in den kommenden fünf Jahren steigen. Dennoch herrscht Uneinigkeit darüber, wie stark das Wachstum ausfallen wird.

„Berliner erleben hautnah, dass es wirtschaftlich bergauf geht in der Stadt. Das Straßenbild verändert sich, die Mieten steigen und Unternehmen bauen neue Niederlassungen. Vieles davon wird jedoch im Rest von Deutschland nicht wahrgenommen. Hier stehen eher Negativ-Nachrichten von der Flughafenbaustelle BER oder die Schwierigkeiten in der Verwaltung im Vordergrund“, sagt Civey Geschäftsführer Gerrit Richter. Da bleiben die Meinungen der Berliner und der Deutschen wohl gespalten. (dn)

Der Cleantech Business Park bekommt sein erstes Unternehmen

Eine freudige Nachricht vom Cleantech Business Park: Knapp zwei Jahre nach seiner Fertigstellung bekommt Berlins größtes Industriegebiet endlich sein erstes Unternehmen.

Die größte Industriefläche Berlins

Der Cleantech Business Park (CBP) befindet sich im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Mit einer Fläche von 90 Hektar ist er das größte zusammenhängende Industrieareal in Berlin. Der Industriepark entstand von 2010 bis 2015. Für die infrastrukturelle Erschließung und die Baureifmachung stellte die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung insgesamt 43 Millionen Euro aus den GRW-Fördermitteln bereit.

Nach der Fertigstellung im Dezember 2015 startete 2016 der Verkauf der Flächen an Investoren aus der Cleantech-Branche. Seitdem konnte bisher kein erfolgreicher Abschluss vermeldet werden.

Zukunftsort für Unternehmen der Cleantech-Branche

Der sich im Nordosten der Hauptstadt befindende Industriepark ist speziell auf produzierende Unternehmen der Cleantech-Branche ausgerichtet. Sie umfasst Bereiche der umweltfreundlichen Energien und Energiespeicherung, der Energieeffizienz, der nachhaltigen Mobilität, der Kreislaufwirtschaft, der nachhaltigen Wasserwirtschaft, der Rohstoff- und Materialeffizienz sowie der grünen Chemie.

Als Cluster für etablierte Global Player sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen bietet der Cleantech Park Möglichkeiten zum Austausch von Know-how. Zudem profitiert der Industriepark von seinem Standort in Marzahn. Dieser verfügt über eine ideale Verkehrsinfrastruktur, eine moderne Schullandschaft und eine große Vielfalt an Aus- und Weiterbildungsinstitutionen. Vor allem soll die optimale Anbindung an die Berliner Innenstadt die jungen Cleantech Unternehmen ansprechen.

Ein idealer Standort für junge Unternehmen

Besonders für junge Unternehmen ist eine räumliche Konzentration mit anderen Unternehmen wichtig. Standortfaktoren stehen in der Unternehmensbranche an höchster Stelle. Der Cleantech Business Park bietet auch die unmittelbare Nähe zu anderen Unternehmen. So grenzt das Industriegelände an das 1.200 Hektar große Industrie- und Gewerbegebiet „Berlin eastside“. Bei „Berlin eastside“ sind mehr als 35.000 Unternehmen registriert. Darunter namhafte Unternehmen wie z.B. Knorr-Bremse, Berlin Cosmetics, Harry Brot, ALBA, Coca Cola oder Elpro.

In unmittelbarer Nähe zum Industrieareal befindet sich auch das CleanTech Innovation Center (CIC). Das CIC ist ein Coworking-Innovationszentrum für Start-ups. Es dient als Treffpunkt für junge Unternehmen, die saubere Technologien entwickeln und vermarkten. Somit haben zukünftige Unternehmen im CBP die Möglichkeit sich mit anderen Unternehmen der Branche auszutauschen und vom Informationsfluss zu profitieren.

Der Cleantech Business Park bekommt sein erstes Unternehmen

Zwei Jahre nachdem der Cleantech Business Park fertiggestellt wurde, bekommt er endlich sein erstes Unternehmen: Die Swissbit Germany AG will seine Kapazitäten erweitern und plant einen Produktions- und Entwicklungsstandort. Die Swissbit Germany AG ist eine europäische Entwicklungs- und Produktionsfirma, die industrielle Speichermedien herstellt. Da seine Kapazitätsgrenze im GSG-Gewerbehof an der Wolfener Straße im Marzahner Stadtteil erreicht ist, will das Unternehmen nun in den Cleantech Business Park umziehen.

Noch vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Denn seit seiner Fertigstellung hatte sich kein einziges Unternehmen auf dem Industriegelände angesiedelt. Da bleibt die Frage, ob mit der Swissbit Germany AG nun endlich der Bann gebrochen wurde und schon bald ein Durchbruch für den Industriepark in Sicht ist. Laut dem Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen, Johannes Martin, seien bereits 20 weitere Hektar für fünf Unternehmen reserviert. (dn)

Experte Florian Nöll: Die etablierte Wirtschaft muss sich für Start-ups öffnen

Wir haben mit dem Experten für Start-ups und die digitale Wirtschaft gesprochen: Florian Nöll. Als Vorsitzender des Start-up-Verbandes fungiert er als Dolmetscher zwischen innovativen Unternehmensgründungen und der Politik.

Florian Nöll, was ist die Aufgabe des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V.?

Als Repräsentant und Stimme der Start-ups in Deutschland engagieren wir uns für ein gründerfreundliches Deutschland. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeiten wir Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken. Wir werben für innovatives Unternehmertum und tragen die Start-up-Mentalität in die Gesellschaft. Als Netzwerk verbinden wir Gründer, Start-ups und deren Freunde miteinander. Uns gibt es seit mittlerweile fünf Jahren. Von anfänglich ein paar dutzend Mitgliedern sind wir auf 750 Mitglieder angewachsen. Wir sind die einzige politische Vertretung der Start-ups in Deutschland.

Warum ist es so wichtig, junge Start-ups zu unterstützen?

Start-ups sind bereits heute echte Jobmotoren. In Berlin sind mehr Menschen in der Digitalwirtschaft beschäftigt als im industriellen Sektor. Wenn wir unsere Wirtschaft, unsere Konzerne und unseren Mittelstand digitalisieren und somit fit für das 21. Jahrhundert machen wollen, dann geht das nicht ohne die Start-ups. Sie sind dynamisch und flexibel genug, die Digitalisierung jeden Tag neu in ihr Geschäftsmodell zu integrieren. Die etablierte Wirtschaft muss sich für Start-ups öffnen, denn nur durch das Zusammenspiel von Start-ups und etablierter Wirtschaft können wir uns unseren Wohlstand auch in Zukunft sichern.

In keiner anderen deutschen Stadt werden so viele Start-ups gegründet wie in Berlin – woran liegt das?

Hier spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Die Lebenshaltungskosten sind in Berlin immer noch geringer als etwa in München oder Hamburg. Sowohl Büromieten als auch die Mieten für Wohnraum sind längst nicht auf dem Niveau wie in diesen Städten, auch wenn die Berliner Mieten seit Jahren steigen. Zudem treten Start-ups hier nicht mit einer Vielzahl finanziell gut ausgestatteter Industriekonzerne auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz wie beispielsweise in Bayern. Zum anderen ist Berlin sehr beliebt bei jungen Menschen aus der ganzen Welt. Das internationale Flair, das reichhaltige kulturelle Angebot und die Berliner Clubs wirken wie ein Magnet.

Kann Berlin es mit anderen Start-up-Städten wie London oder Amsterdam aufnehmen?

Auf jeden Fall! In Europa ist Deutschland, insbesondere Berlin, mittlerweile der bedeutendste Start-up-Standort. Berlin hat London, unter tätiger Mithilfe des Brexit, den Rang abgelaufen, wenn es um die zukünftigen Potenziale der Start-up-Wirtschaft geht.

Nach der Bundestagswahl 2017: Was wünscht sich der Bundesverband Deutsche Startups e.V. von der neuen Regierung?

Start-ups bewegen sich nicht im luftleeren Raum. Sie sind von einem regulatorischen Rahmen umgeben, der dringend angepasst werden muss.

Dazu zählen folgende Punkte:

  1. Mehr Gründer:

Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten verlernt, ein Gründerland zu sein. SAP ist das einzige Unternehmen im DAX, dessen Gründer noch leben. Eine offene Einstellung zum Unternehmertum muss bei jungen Menschen schon durch Entrepreneurship Education in Schule und Hochschule sowie in der beruflichen Bildung gefördert werden.

  1. Mehr Vielfalt:

Gründer und Fachkräfte aus anderen Ländern bleiben und arbeiten in Deutschland, wenn sie hier willkommen geheißen werden. Eine Willkommenskultur, die den Fachkräften den Einstieg in das Leben und das neue Land erleichtert, ist unerlässlich. Dazu benötigen wir ein Einwanderungsgesetz! Ein gutes Einwanderungsgesetz ist mit einer Stellenanzeige vergleichbar: Wir sagen, wen wir suchen, was wir bieten und zu welchen Konditionen und Bedingungen wir die Stelle vergeben.

  1. Mehr Kapital:

Während mittlerweile ein gutes Angebot an Kapital in der Frühphase vorliegt, mangelt es deutschen Start-ups immer noch erheblich an Wachstumskapital. Um hier Abhilfe zu leisten, müssen sich institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen für Investitionen in Start-ups öffnen. Dazu müssen die gesetzlichen Restriktionen, die solche Investitionen verhindern, entsprechend liberalisiert werden.

Was erwartet uns bzw. die Start-up-Szene im Jahr 2018?

Um diese Frage zu beantworten lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Das Start-up-Ökosystem, die Technologien und die Branchen bewegen sich in Wellen. Das deutsche Start-up Ökosystem begann sich vor über 10 bis 15 Jahren mit E-Commerce zu entwickeln. Später folgten die Plattformen. Vor drei Jahren machte die FinTech-Technologie einen Sprung, woraufhin viele FinTechs gegründet worden sind. Die Branchen und Geschäftsmodelle entwickeln sich also parallel zu neuen Technologien. Momentan reden alle über Machine Learning, Artificial Intelligence oder Blockchain. Diese Technologien machen gerade riesige Fortschritte. Ich denke, dass wir in diesen Bereichen die meisten Neugründungen im Jahr 2018 sehen werden.

Ich hoffe, dass die neue Regierungskoalition das Thema Digitalisierung endlich anpackt. Dazu gehört, dass dieses Thema in einem eigenen Ministerium abgebildet wird. Wir brauchen ein eigenes Digitalministerium, welches einen Gestaltungsanspruch an die Digitalisierung unserer Gesellschaft und der Wirtschaft hat. Dieses Ministerium muss vom zukünftigen Kabinett die dafür nötigen Entscheidungskompetenzen auf legislativer und exekutiver Ebene zugesprochen bekommen. Der momentane digitalpolitische Flickenteppich, die Aufteilung zwischen Innen-, Justiz-, Wirtschafts- und Verkehrsministerium tut der deutschen digitalen Wirtschaft, allen voran den deutschen Start-ups, nicht gut. (cr)

Innovationspreis der degewo: „Smart Up the City 2017“

Heute findet das große Finale des ersten „degewo Innovationspreises: Smart Up the City 2017“ statt. Am Abend wird dem Gewinner feierlich sein Preis verliehen. Er wird für anwendbare, digitale Technologien, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle rund um die Themen Immobilienmanagement, Energieversorgung, Gebäudeautomation, Mobilität und Kommunikation vergeben. Insgesamt haben sich 74 Bewerber aus Deutschland, den USA, Kenia, Italien, Dänemark und dem indischen Silicon Valley, Bangalore, für den Wettbewerb angemeldet.

Die Finalisten stehen fest

Für die heutige Preisverleihung stehen die fünf Finalisten bereits fest. Dem Sieger winkt für sein Projekt ein Preisgeld von 3.000 Euro. Zu den fünf Finalisten gehören: Die Berliner Plattform Doozer für professionelles Modernisierungsmanagement, die Brandenburger Online-Wohnungsvermittlung  Housyder Online-Schlüsselbestelldienst MyKeys24, das Berliner Technologieunternehmen Metr und dem Technologieunternehmen Lift Technology aus Hannover.

Innovationspreis „Smart Up the city“

Die degewo ist eines der führenden Wohnungsbauunternehmen in Berlin und fördert auch Stadtentwicklungsprojekte. In dem Wettbewerb suchte die Wohnungsbaugesellschaft gezielt nach innovativen, digitalen sowie technischen Lösungen und Dienstleistungen für ihre Wohnungsimmobilien. GründerInnen und Startups im Bereich Smart Building, Smart City oder PropTech konnten sich bis zum 11. August unter bewerben. Dieses Jahr vergibt sie zum ersten Mal den „degewo Innovationspreis Smart Up the City 2017“.  (red)

Veranstaltungen

NKF Summit Vol. 4

Der NKF Summit ist ein Startup-Crash-Kurs für Unternehmen. Mit dieser Digitalisierungskonferenz bietet NKF Media eine Plattform für den Austausch zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen.

Inhaltlich geht es um die brennende Frage, wie alteingesessene Unternehmen unterschiedlicher Größe mit Hilfe von Start-ups die Digitalisierung optimal nutzen können. Dahinter steht die Überzeugung, dass Wirtschaftlichkeit im Kontext der digitalen Transformation und des internationalen Wettbewerbs nur durch ein tiefes Verständnis der Startup-Welt gewährleistet werden kann.

Startupnight

Die Startupnight ist eines der größten Startup-Events in Europa, bei dem sich Start-ups Unternehmen, Investoren und potenziellen Kunden präsentieren.

EYnovation™ Go Global to Berlin

Auf dieser Veranstaltung führt EYnovation ™ in das Berliner Startup-Ökosystem ein, stellt potenzielle Investoren und Partnerschaften vor und organisiert praxisorientierte Sessions zum Thema Business in Berlin.

(Anmeldung erforderlich)