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Lehrermangel: In Berlin fehlen mehr als 1.200 Lehrer

Aufgrund des sich vergrößernden Personalmangels , spitzt sich die Lage an Berliner Schulen immer mehr zu. Für das kommende Jahr werden mehr als 1.200 Lehrer benötigt, doch der Lehrermarkt ist so gut wie leer gefegt.

Um die Lücke zu schließen, setzt Bildungssenatorin Scheeres neben Quereinsteiger nun auch auf Pensionäre und Lehramtsstudenten.

Für das kommende Schuljahr braucht Berlin 3.000 Lehrer

Wie die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Pressekonferenz am vergangenen Montag bestätigte, gibt es derzeit an Berliner Schulen eine Versorgungslücke. Demnach fehlen nach den Sommerferien in Berlin etwa 500 Lehrer. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich 160 Pensionäre bereit erklärt, weiterzuarbeiten.

Die dramatische Lage um den Lehrermangel wird allerdings noch größer. Denn für das kommende Schuljahr werden 3.000 zusätzliche Lehrer gebraucht, um Pensionäre zu ersetzen und auf die steigende Schülerzahlen reagieren zu können. Laut der Bildungssenatorin konnten bislang von den 3.000 freien Lehrerstellen 1750 besetzt werden. 1250 sind allerdings noch offen.

Quereinsteiger sollen Lehrermangel ausgleichen

Um die Mangelsituation in den Griff zu bekommen, setzt Berlin nun auf sogenannte Quereinsteiger. Das sind diejenigen, die eine fachliche Ausbildung absolviert, aber kein Lehramt studiert haben. Die Quote der Quereinsteiger lag zuletzt bei rund 43 Prozent. „Es kann sein, dass wir jetzt über 50 Prozent kommen“, so Scheeres.

Für das bevorstehende Schuljahr haben sich 2.000 Quereinsteiger beworben, von denen jedoch nur 1.000 die Voraussetzungen erfüllten. Die Quereinsteiger werden vor allem in den Mangelfächern Mathematik, Musik, Sport und Physik eingesetzt.

Scheeres‘ Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Angesichts des akuten Lehrermangels, hat Scheeres Maßnahmen entwickelt, die die Streichung von einigen Schulangeboten vorsehen. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres. Dabei hatte die Senatorin in der Vergangenheit stets betont, wie wichtig zusätzliche Förderstunden doch seien.

Darüber hinaus soll die Verteilung der Lehrer gerechter werden. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, so die Senatorin. Des Weiteren gibt Scheeres Lehramtsstudenten die Möglichkeit, auf Minijob-Basis zu unterrichten. Ob es wirklich eine gute Lösung ist, Quereinsteiger oder Lehramtsstudenten einzusetzen, bleibt fragwürdig. Denn um den Unterricht sinnvoll gestalten zu können, fehlt es ihnen an qualifizierter pädagogischer Ausbildung. (dn)

Digitale Lernplattformen befinden sich auf dem Vormarsch

Stephan Bayer machte sprichwörtlich aus seiner Not eine Tugend, besser gesagt eine Geschäftsidee. Das war 2008, als er BWL- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studierte. Wie vielen anderen Studenten machten auch ihm die Prüfungsvorbereitungen immer wieder zu schaffen. Da er vor allem Probleme mit dem sturen Auswendiglernen hatte, suchte Stephan Bayer nach einer anderen Lernmethode. Die Lösung brachte ein mit seiner Kamera aufgenommener Kurzfilm in Vorbereitung einer Mathematikprüfung. Jetzt erschloss sich ihm der Prüfungsstoff viel besser. Diese Erfahrung machten auch seine Kommilitonen, denen er sein Lernvideo zur Verfügung stellte. Diese kleine Geschichte markiert die Grundsteinlegung für seine mittlerweile mehrfach ausgezeichnete digitale Lernplattform sofatutor.com. Bayers Idee revolutionierte den Lernmittelmarkt. Er selber wurde einer der bekanntesten Experten für digitale Bildung und Lernmotivation.

Mit knapp 14.000 Lernvideos und 42.000 interaktiven Übungsaufgaben ist sein Berliner Unternehmen sofatutor einer der digitalen Vorreiter der deutschen Bildungslandschaft. Förderpartner der Lernplattform ist unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Digitale Lernmaterialien für über 20 Fächer

Bayer und sein Team haben inzwischen digitale Lernmaterialien für 23 Fächer entwickelt. Besonders viel Wert legt er auf einen innovativen und zeitgemäß gestalteten Inhalt. Ansprechen sollen die digitalen Lernoptionen Schüler von der Grundschule bis zum Abitur, aber auch Auszubildende und Studierende finden passende Lerninhalte auf der Onlineplattform. Besonders wichtig ist Bayer die Einbeziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie sollen Spaß am Lernen haben. „In unseren neuesten digital animierten Videos zum Beispiel bauen wir Mathethemen in kleine Geschichten mit bunten und witzigen Charakteren ein. Kindern fällt es leichter, Fragen zu verstehen, wenn sie den Sinn dahinter verstehen“, erläutert Gründer Bayer. Also bietet er mit seinem Unternehmen neben Videos, interaktiven Übungen sowie Druckvorlagen für Arbeitsblätter auch einen Hausaufgaben- Chat an.

Täglich können Schüler mit fachspezifischen Lehrern chatten, um den Lernstoff und die Hausaufgaben besser erfassen und dann losen zu können. „Dort bekommen Schüler eine direkte Rückmeldung mit konkreten Tipps und Hinweisen zu offenen Problemstellungen, die zur richtigen Lösung verhelfen, ohne sie bloß vorzugeben“, erklärt Bayer. All diese Optionen können die jungen Plattformnutzer bequem von zu Hause in Anspruch nehmen. Bei sofatutor ist der Name Programm.

Wachstum stärkt die Position auf dem Bildungsmarkt

Anfang 2018 gewann die sofatutor GmbH mit Frog Capital einen neuen Gesellschafter hinzu. Investiert werden sollen rund drei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Onlineplattform sowie in den Ausbau ihrer Position auf dem Bildungsmarkt in der DACH-Region.

Zudem engagiert sich das junge Unternehmen in unterschiedlichen Kooperationsprojekten im Bereich „digitaler Unterricht“. Jüngst startete ein Projekt mit dem Bundesland Bremen. Das konnte der entscheidende Erfolgsfaktor für Bayers Online-Lernplattform „Made in Berlin“ sein. (lj)

Berliner Schule – Spiegelbild unserer Gesellschaft

Bildungsdesaster – so hieß es in den vergangenen Jahren oftmals, wenn von den  Schulen in Berlin die Rede war. Inzwischen hat sich viel getan und noch mehr ist geplant: Angefangen von der Schulbauoffensive, über das Quereinsteigerprogramm für Lehrer bis zur Etablierung neuer Lehrinhalte. Über die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen sprachen wir mit Sandra Scheeres, der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Frau Scheeres, die Situation in den Berliner Schulen wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Wie schätzen Sie die Situation des Berliner Schulwesens ein?

Die Berliner Schule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Das heißt: Berliner Lehrkräfte müssen mit sehr unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern arbeiten. Dabei sehen sie sich im Schulalltag mit deren verschiedenen Lebensläufen und Lernvoraussetzungen konfrontiert. Hinzu kommen Schüler, die problematische Einstellungen und Vorurteile mit in die Schulen hineintragen, was dann zu Konflikten führen kann. Schule ist heute mehr als reine Wissensvermittlung. Es geht jetzt auch darum, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und das soziale Miteinander zu stärken. Problematisch ist zum Beispiel die Haltung vieler Elternhäuser, die bei Schwierigkeiten in der Erziehung, diese gern der Schule aufbürden. Das ist eine sehr schwierige und herausfordernde Aufgabe.

Die Schulen haben zurzeit mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen – steigenden Schülerzahlen, fehlende Schulgebäude und so weiter. Wie gehen Sie diese Probleme an?

In den nächsten Jahren brauchen wir bis zu 70.000 zusätzliche Schulplätze. Das ist in der Tat eine Herausforderung, an der wir auch schon sehr intensiv arbeiten. Mehr Schülerinnen und Schüler bedeuten mehr Lehrkräfte und mehr Schulplätze. Neben dem Schwerpunkt der Fachkräftegewinnung hat der Senat eines der zentralen Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht: Die Berliner Schulbauoffensive, durch die 5,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren in den Schulbau und die Schulsanierung fließen. Aktuell haben wir den Schulbaufahrplan veröffentlicht. Das ist eine übersichtliche Datensammlung, die schulscharf darstellt, wer wann was an der jeweiligen Schule saniert oder baut. Diese Transparenz ist einmalig. Der Schulbaufahrplan dient uns als Steuerungsinstrument. Die notwendigen Erweiterungen bergen auch die Chance, neue pädagogische Anforderungen in der Architektur umzusetzen. Wir haben dafür ein Raum- und Funktionsprogramm erarbeitet. Das berücksichtigt die pädagogischen Erfordernisse unserer Zeit und die Anforderungen, die neben der reinen Wissensvermittlung an Schülerinnen und Schüler gestellt werden: Kreativität, Eigenverantwortlichkeit und Teamfähigkeit. Dafür gibt es für alle schulischen Akteure ausreichend Begegnungs- und Kommunikationsbereiche, die im Rahmen einer inklusiven Ganztagsschule den Aufenthalt in den Berliner Schulen interessanter und vielfältiger gestalten.

In Berlin droht Lehrermangel. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Man hätte schon vor zehn Jahren die Weichen stellen müssen, um jetzt ausreichend ausgebildete Lehrer zu haben. Als ich mein Amt als Bildungssenatorin vor 6,5 Jahren übernahm, musste ich noch darum kämpfen, Lehrerstellen im System zu behalten, weil wir sinkende Schülerzahlen hatten. Inzwischen herrscht bundesweit ein Fachkräftemangel und die sogenannten Mangelfächer werden jedes Jahr mehr. Waren es am Anfang nur die MINT-Fächer, sind es heute auch Englisch, Musik und Sport. Wir waren in Berlin nicht untätig und haben die Studienplätze für Studierende im Grundschullehramt vervierfacht und die Absolventenzahlen insgesamt in den Hochschulverträgen erhöht. Aber der Wettbewerb zwischen den Bundesländern ist groß. Berlin hat neben einer guten Bezahlung mit monatlich 5.300 Euro den Vorteil, eine sehr attraktive Stadt zu sein, sodass wir auch viele Bewerbungen aus anderen Bundesländern erhalten.

Wie sollen mehr Fachkräfte gewonnen werden und welche Rolle spielen Quereinsteiger?

Fachkräftegewinnung steht für mein Haus an oberster Stelle. Ich habe vor vier Jahren den Berlin-Tag eingeführt, eine halbjährliche Informationsmesse rund um den Lehrkräfte- und Erzieherberuf. Berlin hat in der vergangenen Legislatur 10.000 Lehrkräfte eingestellt, im vergangenen Jahr waren es 3.000. Das ist ein immenser Kraftakt für alle Beteiligten. Für mich ist es alternativlos, auch Quereinsteiger in die berufsbegleitende Lehrkräfteausbildung aufzunehmen. Wer das nicht will, muss sich die Fragen stellen, ob er im Gegenzug Unterrichtsausfall, größere Klassen oder sogar eine Erhöhung der Deputatstunden für Lehrkräfte in Kauf nehmen will. Das sind nicht meine Vorstellungen. Quereinsteigende haben überwiegend zwei Schulfächer studiert. Zusammen mit den anderen Referendaren absolvieren sie den 18-monatigen Vorbereitungsdienst, an dessen Ende die Staatsprüfung steht. Berlin hat momentan einen Anteil von 4,2 Prozent Quereinsteigern, die sich mithilfe von Mentorinnen und Mentoren gut in die Berliner Schulen integrieren. Dass sie dabei Unterstützung benötigen, ist keine Frage. Die werden wir im kommenden Schuljahr weiterhin optimieren.

Im vergangenen Jahr wurde ein gigantisches Schulbauprogramm  auf den Weg gebracht. Wie weit ist die Umsetzung vorangeschritten?

Es hat sich eine ganze Menge getan. Das Bedürfnis nach Daten sowie transparenten Informationen zum Thema Schulbau ist angesichts der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und benötigten Schulplätze gestiegen. Wo passiert was? Wer ist verantwortlich: Bezirk oder Senat? Dazu habe ich in der vergangenen Woche eine umfassende Datensammlung Schulbau vorgestellt, die das jeweilige Maßnahmen-Controlling enthält. Ein derartiger Fahrplan ist einmalig in Berlins Schulbaugeschichte und auch in Deutschland. Eine wichtige Maßnahme war die Installierung der Task Force Schulbau. In Verbindung damit, ist die Zuordnung der einzelnen Maßnahmen an die Baudienstleiter erfolgt. Festgelegt wurde die Verteilung der Standorte, die von der Howoge oder der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Baudienstleister übernehmen werden. Die Mittel für das Schulbauprogramm stehen zur Verfügung und auf Landesebene wurden Partizipationsstrukturen eingerichtet. Manchmal wird übersehen, dass parallel zu dieser Aufbauphase der Berliner Schulbauoffensive natürlich auch saniert, geplant und gebaut wurde und wird. Nach über 100 Sanierungsmaßnahmen an Berliner Schulen im letzten Jahr sind hier insbesondere die ersten zehn Wettbewerbsentwürfe für neue Schulen sowie die Errichtung von dutzenden von modularen Ergänzungsbauten zu nennen. (red)

Berliner Senat will 720 marode Schulen sanieren

Heruntergekommene Wände, kaputte Fenster oder verwahrloste Sporthallen – seit langer Zeit steht das Thema marode Schulen in Berlin in der Diskussion. Eltern, Schüler und Lehrer warten schon Jahre darauf, dass endlich was unternommen wird.

Nun hat der Senat hat endlich konkrete Pläne für die Sanierung von mehr als 720 Schulen. Von einzelnen Sanierungen bis hin zum kompletten Neubau ist alles dabei.

720 Schulen werden saniert

Erstmals gibt es für die Schullandschaft der Hauptstadt einen genauen Überblick über geplante Sanierungs- und Baumaßnahmen. Mit Stolz stellten die Bildungssenatorin Sandra Scheeres, der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen und die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher am vergangenen Dienstag den Schulbaufahrplan vor. „Dass wir ein solches Dokument haben, das gab es noch nie“, so Scheeres. Insgesamt umfasst der Plan 740 Seiten, in denen die Sanierung von 720 Berliner Schulen vorgesehen ist. In dem Plan sind sowohl die konkreten Maßnahmen als auch die Kosten sowie die zuständigen Behörden tabellarisch nach Bezirken aufgeführt.

Während die einzelnen Bezirke die Aufgabenträger sind, übernimmt das Land Berlin über die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie die landeseigene Wohnungsgesellschaft Howoge die großen Neubau- und Sanierungsprojekte. Etwa 5,5 Milliarden Euro sollen die geplanten Maßnahmen kosten. Das Geld dafür kommt aus unterschiedlichen Programmen und Kredite, die Howoge aufnehmen soll. Mit 41,6 Millionen Euro ist die John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf das teuerste Projekt.

 

Bausenatorin Katrin Lompscher, Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen stellen die Maßnahmen zur Berliner Schulbauoffensive vor | Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Bausenatorin Katrin Lompscher, Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen stellen die Maßnahmen zur Berliner Schulbauoffensive vor | Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

 

Auch 60 neue Schulen im Schulbaufahrplan

Neben den Sanierungsmaßnahmen von 720 Schulen ist auch der Bau von 60 neuen Schulen geplant. Denn im Zuge des Bevölkerungswachstums braucht Berlin auch zunehmend mehr Bildungseinrichtungen. Wie Senatorin Lompscher informierte, sind die ersten zehn Projekte im Rahmen des Programms „Modellvorhaben beschleunigter Schulbau“ (MOBS) bereits in der Umsetzung. Weitere 22 Grundschulen befinden sich bereits in der Planung.

Von den rund 60 neuen Schulen wird die Howoge 29 übernehmen. Die verbliebenen Bildungseinrichtungen baut die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Wie Lompscher am Dienstag verkündete, werden sie meisten Schulen in Pankow (16) und Lichtenberg (10) entstehen. Derzeit werden schon einige Schulen saniert oder räumlich erweitert. Sowohl die Sanierungen als auch die Neubauten sollen voraussichtlich 2027 fertiggestellt werden. (dn)