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Abschreckung und Bürgernähe: Fünf mobile Polizeiwachen für Berlin

Am Alexanderplatz hat sich das Konzept schon eingespielt. Die Containerwache auf dem Platz, die Polizei-Ermittlungsgruppe „Alex“ und eine verbesserte Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwälten sei auf einem guten Wege, sagt Innensenator Andreas Geisel (SPD). Es gebe vermehrt Strafanzeigen, die Zahl der Gewalttaten in Mitte sinke. Heute will er fünf neue mobile Polizeiwachen vorstellen, die an Orten mit viel Kriminalität in Berlin vorfahren sollen. Mit den Mercedes-Benz-Sprintern will die Polizei präsent sein als Ansprechpartner für Bürger und Kriminelle abschrecken.

Die neuen Polizeibusse sind wie eine Polizeistation ausgestattet mit beleuchteter Markise, Klimaanlage, Kühlbox, Funkanlage, Notebook mit Anbindung ins Polizei-Datennetz und Scanner. Die mobilen Wachen sind mit drei Beamten besetzt und fahren jeden Tag für sechs Stunden verschiedene Kriminalitätsbrennpunkte an. Dazu werden bis zu zehn weitere Beamte in der Umgebung ausschwärmen. Allerdings warnt der Innensenator vor übertriebenen Erwartungen: „Dass die Kriminalität verschwindet, ist sehr unwahrscheinlich.“

 

Die neuen Polizeibusse sind wie eine Polizeistation ausgestattet. | Foto: Bundespolizei

Die neuen Polizeibusse sind wie eine Polizeistation ausgestattet. | Foto: Bundespolizei

 

Mobile Polizeiwachen an kriminalitätsbelasteten Orten

Als Hotspots wurden der Nollendorfplatz ausgewählt, wo täglich 13 Straftaten registriert werden, Vorplatz Staaken-Center an der Heerstraße in Spandau, das Märkische Zentrum am Wilhelmsruher Damm, der S-Bahnhof Schönweide und der Vorplatz U-Bahnhof Warschauer Straße, wo an die hundert Drogendealer aktiv sind. Im Vorfeld buhlten Politiker und Bürger um die Standorte. Allein in Spandau sammelten Anwohner tausend Unterschriften für diesen zusätzlichen Schutz.

Die mobilen Wachen sind seit längerem geplant. Flankierend zu der steigenden Anzahl von Polizeikräften hat Innensenator Geisel in den vergangenen eineinhalb Jahren die technische Ausstattung verstärkt und ihre Einsatzmöglichkeiten ausgeweitet. Mit seinen Vorhaben, die Videoüberwachung in der Stadt auszuweiten und an Orten mit viel Kriminalität Kameras fest zu installieren, stößt er jedoch auf Kritik der linken und grünen Koalitionspartner.

Mehr Befugnisse für Polizisten

Rund eine halbe Million Euro wurden in die fünf Busse investiert. An den kriminalitätsbelasteten Orten haben die Polizeibeamten mehr Befugnisse und können beispielsweise Menschen auch ohne einen konkreten Tatverdacht kontrollieren. (hf)

 

Brennpunkt Berlin: Neue Sicherheitsmaßnahmen am Alexanderplatz

Die Hauptstadt wächst im Rekordtempo. Allerdings hat der Berlin Boom auch so seine Schattenseiten. Mit dem enormen Bevölkerungswachstum nehmen auch die Straftaten zu, aber der Personalbestand der Polizei wird dem nicht angepasst. Die Hauptstadt hat trotz Kriminalitätsrückgang im bundesweiten Vergleich die schlechteste Bilanz. Im letzten Jahr wurden in der Kriminalitätsstatistik Berlin 568.860 Straftaten erfasst. Das große Sorgenkind ist derzeit der Alexanderplatz.

Gewalt unter dem Fernsehturm

Mittlerweile ist der beliebte Touristik Hotspot und gefragte Treffpunkt für Jugendliche der gefährlichste Ort in Berlin. Statistisch gesehen, passieren zwischen Fernsehturm und Neptunbrunnen täglich sieben Diebstähle und zwei Körperverletzungen. Hierbei sind die regelmäßigen Massenschlägereien, Messerstechereien und Drogendelikte am Alex noch nicht inbegriffen. Was wird dagegen getan?

Mehr Sicherheit am Alexanderplatz

Der Senat und die Polizei versuchen das Kriminalitätspotential aktiv durch verschiedene Maßnahmen einzudämmen. So wurde die Polizeipräsenz am Alexanderplatz erhöht und wird mit der neuen Polizeiwache, die im Dezember bezugsfertig sein soll, für mehr Sicherheit sorgen. Rund um die Uhr werden ein Bundespolizist und zwei Bezirkspolizisten sieben Tage die Woche vor Ort sein. Seit dem 1. November gibt es sogar noch eine eigene Ermittlungsgruppe „Alex“, um die den Anwohner und die umliegenden Gewerbebetreiber vor gewaltbereiten Gruppen zu schützen. Darüber hinaus soll ein am Alexanderplatz gelegener Jugendaktionsraum (Jara) Abhilfe schaffen. An diesem Freitag wird der 30 Quadratmeter große Container Jara eröffnet. Der gemeinnützige Träger Moabiter Ratschlag wird das Jugendzentrum übernehmen.

Dort sollen Jugendliche sich treffen können, Kreativangebote und Beratung wahrnehmen können. Das Ziel der Senatorin für Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres, ist es, die jungen Leute abzufangen, bevor sie in Kontakt mit kriminellen Gruppierungen geraten. Für das Projekt werden bis Ende 2018 rund 140.000 Euro zur Verfügung gestellt. Ob die Maßnahmen dauerhaft für weniger Straftaten am Alexanderplatz sorgen werden, bleibt abzuwarten. Zudem müsste auch überlegt werden, ob es nicht sinnvoll wäre, Bus- und Tramhaltestellen zu versetzen. Mehr als 360.000 Menschen laufen täglich über den Alex, viele davon nutzen den Verkehrsknotenpunkt zum Umsteigen. Vielleicht könnte eine andere Raumverteilung das Konfliktpotential schon eindämmen. (red)

 

 

Innensenator Geisel: Polizei Berlin ist und bleibt attraktiver Arbeitgeber

In den vergangenen Wochen gab es vermehrt Debatten, öffentliche Berichte und Behauptungen, dass die Berliner Polizei als angeblich unattraktiver Arbeitgeber ein Bewerberproblem habe. Mit einem Faktencheck tritt die Berliner Polizei dem konsequent entgegen und zeigt auf, wie sich die Situation wirklich darstellt.

„Die Berliner Polizei ist und bleibt ein attraktiver Arbeitgeber. Der Polizeiberuf – ein Beruf, der von Herausforderungen, Abwechslung und Teamarbeit lebt – ist bei jungen Schulabgängern weiterhin äußerst beliebt. In diesem Jahr bewarben sich 18.137 Menschen bei der Polizei Berlin, mehr als 2014, 2015 und 2016. Es ist nur folgerichtig, dass bei steigenden Einstellungszahlen auch die Zahl der Bewerber steigen muss, damit wir aus der Fülle der Kandidaten die besten Nachwuchspolizistinnen und –polizisten für die Hauptstadt gewinnen können“, erklärt Innensenator Andreas Geisel (SPD).

„Die rot-rot-grüne Koalition hat die Einstellungszahlen auf jährlich 1.200 Polizistinnen und Polizisten gesteigert. Das allein ist schon eine Verdreifachung bspw. im Vergleich zum Jahr 2008. Im neuen Doppelhaushalt 2018/19 werden allein bei der Polizei 795 neue Stellen geschaffen. Mit den hohen Einstellungszahlen und diesen neuen Personalstellen wird nicht nur das altersbedingte Ausscheiden von Polizisten aufgefangen, sondern der Personalbestand der Berliner Polizei wieder kontinuierlich erhöht. Das ist notwendig, um bestehende Personaldefizite auszugleichen und zugleich mehr Polizeipräsenz in der wachsenden Stadt Berlin zu zeigen. Es stimmt, dieser Personalaufwuchs wird einige Zeit in Anspruch nehmen, denn die Ausbildung der Polizistinnen und Polizisten dauert drei Jahre. Aber den kritisierenden Oppositionsparteien sage ich, dass die politische Leistung nicht im bloßen Beklagen des Status quo liegt, sondern in dessen beharrlicher Veränderung. Die hohen Einstellungszahlen der Polizei zeigen den deutlich veränderten politischen Willen der Koalition. Und die hohen Bewerberzahlen sprechen für seine Realisierbarkeit. In den Händen der erfolgreichen Bewerber von heute liegt Berlins Sicherheit der nächsten Jahre“, so Geisel.