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Mittelstand formuliert Leitsätze für Digitalisierungsprozess

Die Chancen der Digitalisierung wird der Mittelstand erfolgreich nutzen können, wenn die politischen und unternehmerischen Rahmenbedingungen den besonderen Erfordernissen des Mittelstandes entsprechen. Auch im Bildungsbereich, bei der Finanzierung, bei datenschutz- und arbeitsrechtlichen Regelungen muss die Politik den digitalen Veränderungen in einer mittelstandsgerechten Form Rechnung tragen.

Die in der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand kooperierenden Verbände und Organisationen haben deshalb jetzt zentrale Leitsätze für mittelstandsgerechte Rahmenbedingungen des Digitalisierungsprozesses vorgelegt. Die Leitsätze benennen die zentralen politischen und unternehmerischen Handlungsfelder dafür, dass die Digitalisierung im Mittelstand gelingt. Die Verbände treten dafür ein, für die Digitalisierungspolitik im Bundeskanzleramt eine zentrale Stelle zur Koordinierung der Aktivitäten und Initiativen zu schaffen.

Flächendeckende Breitbandversorgung auch im ländlichen Raum unabdingbar

Um die wirtschaftlichen Potenziale der Digitalisierung gerade auch im ländlichen Raum aktivieren zu können, ist aus Sicht des Mittelstandes eine flächendeckende Breitbandversorgung unabdingbar. Weiterhin vorhandene weiße Flecken müssten zügigst geschlossen werden. Breitbandversorgung sei als eine Grundversorgung zu begreifen, die nicht nur in den urbanen Ballungszentren, sondern dringend auch im ländlichen Raum in gleicher Qualität zur Verfügung stehen müsse.

Die Verbände erkennen an, dass ein effektiver Datenschutz die Voraussetzung ist, um im digitalen Raum das Persönlichkeitsrecht zu wahren. Allerdings müsse der Datenschutz an-gemessen und ausgewogen bleiben. Notwendig seien praxistaugliche Regelungen. Selbst-verpflichtende Vereinbarungen sollten eine höhere Akzeptanz erfahren.

Wettbewerb auf Augenhöhe muss sichergestellt werden

Der Mittelstand dringt darauf, zwischen den mittelständischen Marktakteuren und vielfach global agierenden Plattformbetreibern einen Wettbewerb auf gleicher Augenhöhe sicherzustellen. Die Plattformökonomie erfordere faire Wettbewerbsbedingungen, gerade auch mit Blick auf die Besteuerung der digitalen Wirtschaft im Vergleich zur „herkömmlichen“ Wirtschaft. Zudem müsse die ökonomische Verfügbarkeit der für Unternehmen marktrelevanten Daten unabhängig von der Unternehmensgröße ermöglicht werden, wobei gleichzeitig Werte wie der Berufsgeheimnisschutz sowie der datenschutzkonforme Umgang mit persönlichen Daten zu gewährleisten sind.

Der Mittelstand fordert, die Digitalisierung bildungspolitisch weiter zu unterfüttern. Die digitale Ausstattung der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen muss auf dem aktuellen Stand sein, und die Lehrkräfte müssen entsprechend qualifiziert werden. Nicht zielführend sind nach Auffassung der Verbände hingegen Pläne, die Bundesagentur für Arbeit zu einer bundesweiten Qualifizierungsinstanz umzugestalten.

Digitale Arbeitswelt erfordert Anpassungen

Die aus der „analogen Zeit“ stammenden Arbeitszeitregelungen sollten nach Auffassung der Verbände an die Erfordernisse der digitalen Arbeitswelt angepasst werden. Die sich verändernden Rahmenbedingungen erforderten mehr Flexibilität von Mitarbeitern wie Unternehmern. Die Europäische Arbeitszeitrichtlinie gebe hier Spielräume, die der deutsche Gesetz-geber dringend nutzen müsse. Einseitig auf die Interessen der Beschäftigten ausgerichtete arbeitsrechtliche Regelungen belasteten – und das nicht nur im Kontext der Digitalisierung – mittelständische und personalintensive Unternehmen in besonderem Maße. Weitere Beeinträchtigungen der unternehmerischen Personalplanung müssten unbedingt vermieden wer-den.

Die Digitalisierung erfordert aus Sicht der Verbände eine angemessene Finanzierung. Der Mittelstand setzt sich dafür ein, bei „soft investments“ neue Finanzierungsmodelle zu entwickeln, da herkömmliche Herangehensweisen bei der Kreditbewertung dort an ihre Grenzen stoßen. Um die Finanzierungskraft mittelständischer Unternehmen zu stärken, sollten für Digitalisierungsinvestitionen weitere Möglichkeiten wie etwa verkürzte, dem Stand der Technik entsprechende Abschreibungsmöglichkeiten genutzt werden. Die im Technologiesektor bestehenden Investitions-Fördervarianten sollten stärker auf die digitale Transformation im Mittelstand hin fokussiert werden.

Wichtigkeit der IT-Sicherheit wird noch unterschätzt

In ihren Leitsätzen weisen die Mittelstandsverbände darauf hin, dass die IT-Sicherheit weiter erhöht werden muss. Die Privatwirtschaft müsse die Lösungen zur Gewährleistung von IT-Sicherheit liefern, die Politik den dafür geeigneten Rahmen setzen. Als erfreulich werten die Verbände, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BIS) sich nun auch gezielt der mittelstandsspezifischen Herausforderungen der IT-Sicherheit annimmt. Eine zu-nehmende Bedeutung misst der Mittelstand zudem der digitalen Standardisierung und der Kompatibilität von Softwarelösungen und Produktionslösungen zu.

Der Mittelstand fordert, das E-Government endlich in der Breite und über alle föderalen Ebenen hinweg voranzubringen. Deutschland hinke auf dem Weg zur Digitalisierung des Verwaltungshandelns seinen Möglichkeiten weiter hinterher. Statt der bisher praktizierten digitalen Insellösungen brauche es ein Gesamtkonzept. (red)

Mittelständische Unternehmen trotz Social Entrepreneurship in Bedrängnis

Mittelständische Unternehmen haben den deutschen Arbeitsmarkt in den letzten Jahren extrem geprägt. Kleine Unternehmen und Selbstständige sind mit einer klaren Vorbildfunktion vorangegangen und haben gezeigt, dass sozial geprägte Wertvorstellungen keine Handelsbremse darstellen. Und doch halten große Unternehmen weiterhin an veralteten, starren Unternehmensstrukturen fest – und scheinen damit durchzukommen. Denn Mittelständische Unternehmen geraten zunehmend in Bedrängnis. In Zeiten von politischer Unentschlossenheit, die Fusionen von Riesenkonzernen wie Thyssenkrupp und Tata Steel ermöglichen, stellt sich die Frage, welche Rolle Social Entrepreneurship im deutschen Unternehmertum überhaupt noch spielt.

Florian Tanyildiz im Interview

Florian Tanyildiz, Autor und Landesvorsitzender bei DIE JUNGEN UNTERNEHMER in Berlin, erlebt täglich, wie sich der Umgang mit den deutschen Arbeitnehmern zunehmend verschlechtert. „Die letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig den Deutschen die soften Faktoren im Arbeitsalltag sind. Gerade die Generation Y fordert soziales Engagement in allen Bereichen. Die Flüchtlingskrise hat bewiesen, wie viele Menschen gerne helfen möchten. Für viele ist Gehalt allein deshalb schon lange kein Faktor mehr für Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Das innere Bedürfnis der Menschen etwas Nachhaltiges zu leisten steigt stetig – doch mit diesem Bedürfnis leider auch der Trend, dass soziale Arbeit zu Lasten von “Niedriglohnidealisten“ gestemmt werden muss.“ Die Taschen werden sich an anderer Stelle voll gemacht. Das beste Beispiel dafür sind Pflegeeinrichtungen. Bundesweit steigen die Nachfrage und Umsätze. Doch die Pflegefachkräfte profitieren am Wenigsten von dieser Entwicklung, dürfen sich aber auf die Schulter klopfen, weil sie Bedürftigen helfen.

Social Entrepreneurship fängt im Kleinen an

Kleine Unternehmen sollten sich jedoch nicht entmutigen lassen auch weiterhin soziales Engagement im eignen Umfeld zu verwirklichen. Dies fängt zum Beispiel bereits bei der Kinderbetreuung der eigenen Mitarbeiter an. Der Erfolg des deutschen Mittelstandes gründet sich eben auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und ist Personen zu verdanken, die mehr als nur ökonomische Interessen verfolgen. Die Schere zwischen arm und reich wird breiter und die Mitte zunehmend vergessen. Das gilt nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Unternehmen in Deutschland. „Kleine Unternehmen werden nicht von Prozessanweisungen und Formblättern geleitet, die Chance liegt in der Kreativität und Produktivität eines motivierten Teams, das Berge versetzen kann“, so Tanyildiz.

Politik setzt erstes, wichtiges Zeichen 

Im Jahr 2016 wurde seitens der Politik das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz erlassen, das vor allem große Unternehmen dazu bringen soll, sich an wichtige Grundsätze des Social Entrepreneurships zu halten. Für Tanyildiz ein wichtiger erster Schritt, doch erst die Zukunft wird zeigen, inwieweit sich die Unternehmen tatsächlich daran halten. Er selbst ist von der freien Marktwirtschaft überzeugt. „Man muss aber anerkennen, dass die bisherigen politischen Bemühungen, Großkonzerne dazu zu bringen angemessene Steuern zu zahlen, gescheitert sind. Das hat verschiedenste Gründe, aber unterm Strich fühlen sich rechtschaffene Mittelständler längst abgehängt. Wir erbringen und versteuern unsere Leistungen vor Ort. Jeder Vorstoß, dieses Grundprinzip endlich auch bei den Großkonzernen durchzusetzen, ist zu begrüßen.“

Social Entrepreneure weisen also auch weiterhin den Weg in die Zukunft. Das von der Familie Tanydiliz geführte Ausbildungszentrum OTA geht dabei mit gutem Beispiel voran. In dem Familienunternehmen Bildung werden benachteiligte Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf in Berufsorientierungs-, Berufsvorbereitungs- und Berufsausbildungsmaßnahmen in gewerblich-technischen, kaufmännischen und Berufen im Dienstleistungsbereich ausgebildet. Wer sich also eine Veränderung in der Gesellschaft wünscht, darf dabei nicht auf die Politik als einen der Hoffnungsträger setzen. Sondern ein jeder selbst muss für die Verbesserung einstehen, die er sich erhofft. (red)

 

Mittelstandsvereinigung: Jens Spahn, Daniel Zimmer und Laseroptik erhalten Mittelstandspreis

Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) zeichnet Finanz-Staatssekretär Jens Spahn, den zurückgetretenen Chef der Monopolkommission Daniel Zimmer und das Unternehmen Laseroptik im November mit dem Deutschen Mittelstandspreis aus. Damit würdigt die MIT deren herausragendes Engagement für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft.

Jens Spahn ist Mitglied des CDU-Präsidiums und seit zwei Jahren Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Wolfgang Schäuble. Er erhält den Mittelstandspreis in der Kategorie Politik. Die Laudatio hält der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Die Entscheidung über die Preisträger traf eine unabhängige Jury. Die Jury-Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Gitta Connemann, begründete das Votum der Jury mit Spahns Einsatz für solide Finanzen, kluge Investitionen und spürbare Entlastungen der Bürger: „In der CDU-Fraktion ist Jens Spahn ein frischer Denker, der die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft wahrt.“

In der Kategorie Gesellschaft zeichnet die MIT den früheren Präsidenten der Monopolkommission, Professor Daniel Zimmer, aus. Zimmer war seit 2008 Mitglied der Monopolkommission und ab 2012 deren Vorsitzender. Vor einem Jahr trat er im Streit um die Ministererlaubnis für eine Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka zurück. Damals setzte sich der frühere Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel über Zimmers Einschätzung hinweg, dass „die nachteiligen Wettbewerbswirkungen nicht mit hinreichender Sicherheit durch Gemeinwohlvorteile ausgeglichen“ würden. „Daniel Zimmer hat mit seinem Festhalten an ordnungspolitischen Prinzipien Rückgrat bewiesen und ein deutliches Zeichen gegen die Ignoranz des damaligen Wirtschaftsministers gesetzt“, so Connemann. Die Laudatio hält der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki.

Der Mittelstandspreis in der Kategorie Unternehmen geht an die Laseroptik GmbH aus Garbsen. Der Hersteller von Laserspiegeln zeichnet sich nach Ansicht der MIT durch eine positive Haltung gegenüber allen Altersklassen und Lebensphasen aus. Ruheständler gehörten dort nicht zum „alten Eisen“, sondern werden über das Rentenalter hinaus weiterbeschäftigt. Die Laudatio hält Gitta Connemann. (red)

Veranstaltungen

Bundesball „Der Große Preis des Mittelstandes“

Die Oskar-Patzelt-Stiftung nimmt sich bundesweit der Würdigung hervorragender Leistungen mittelständischer Unternehmen an und verleiht jährlich im Herbst den Wirtschaftspreis „Großer Preis des Mittelstandes”.

An die Auszeichnungsgala schließt sich der glanzvolle Bundesball der Oskar-Patzelt-Stiftung an, mit abwechslungsreicher Unterhaltung und reichhaltigem Büfett.

BDI/KfW Forum Mittelstand – Zeit für neue Mittelstandspolitik?!

Gerade für den „German Mittelstand“ wird der Megatrend Digitalisierung zur großen Herausforderung. Unzureichende digitale Infrastruktur, fehlendes e-Government, Angst vor dem Verlust vertraulicher Daten und der Mangel geeigneter Mitarbeiter sind nur einige Probleme. Was sind die Konzepte der deutschen Politik, um den industriellen Mittelstand zu stärken und seine Digitalisierung zur Erfolgsgeschichte zu machen? Wie sieht Deutschland 2030 aus? Was sind die größten Hürden bis zum „Mittelstand 4.0“?

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und weitere hochrangige Gäste aus Politik und Wirtschaft diskutieren über diese und weitere Themen.