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„Die Diskussionen von der Straße in die Schulen holen“ – Klimaschutz in der Schule

Schüler und Lehrer sollen mehr über Pläne für klimafreundliche Schulen diskutieren. Als erstes Bundesland arbeitet Berlin deshalb unter der Federführung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit den Klimaaktivisten von Fridays for Future (FFF) zusammen, um Klimaverträge mit Berliner Schulen anzuregen, Unterrichtsmaterialien vorzustellen und eine jährliche Konferenz einzuführen. Diesen Plan stellten Vertreter der Klima-Bewegung gemeinsam mit der Bildungssenatorin bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin vor.

Verträge über Ziele für den Klimaschutz

Ein konkretes Ziel der Kooperation sollen für jede Schule individuell ausgearbeitete Klimaverträge sein, in denen Schüler ihre eigenen Ziele für den Klimaschutz wie den Verzicht von Plastikverpackungen in der Schulcafeteria festhalten. Unterstützung bei der genauen Ausgestaltung der Verträge bekommen die Schulen von einem neu eingerichteten Klimabüro in der Senatsbildungsverwaltung. „Dazu werde eine Stelle geschaffen, die demnächst ausgeschrieben wird“, sagte Bildungssenatorin Scheeres.

Eine weitere Idee, die FFF gemeinsam mit der Bildungsverwaltung umsetzen will, ist eine jährliche Klimakonferenz. In diesem Rahmen sollen sich Schüler und Wissenschaftler bei Workshops und Vorträgen vernetzen, um zukünftig gemeinsame Projekte an Schulen zu planen. Eine erste solche Konferenz mit über 300 Teilnehmern gab es bereits im November 2019 im Zeiss-Planetarium in Prenzlauer Berg. FFF-Pressesprecherin Hannah Blitz erhofft sich von den Konferenzen auch diejenigen mitzunehmen, „die sich bisher nicht besonders für das Thema interessiert haben“.

Unterrichtsmaterialien zum Thema Nachhaltigkeit

Die Unterrichtsmaterialen zum Klimawandels entstanden gemeinsam mit der Initiative Scientists for Future. Teile der Öffentlichkeit seien sich immer noch nicht ausreichend über die Risiken in Verbindung mit dem Klimawandel im Klaren, erklärte Sprecher Gregor Hagedorn. Um das Wissen darüber zu verbreitern, seien nun Folien zu Themen wie dem Treibhauseffekt für Mittelstufe, Oberstufe und als Vertiefungsmaterialen verfügbar und sollen demnächst auf dem Bildungsserver abrufbar sein. Die neuen Unterrichtsmaterialen könnten auch jüngeren Schülern die Risiken des Klimawandels näherbringen. (red)

Weniger Müll und mehr Recycling – Berlin wird „Zero Waste City“

Die Hauptstadt soll umweltfreundlicher und nachhaltiger werden. Das ist das erklärte Ziel der Berliner Regierung. Bereits vor knapp zwei Wochen ist der Senat mit dem Beschluss des neuen Umwelt-Bußgeldkatalogs einen wichtigen Schritt in diese Richtung gegangen.

Nun hat das Berliner Abgeordnetenhaus auch das Leitbild „Zero Waste“ für die Hauptstadt beschlossen. Auf Initiative der Grünen hatte Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz den Bericht zum Thema „Abfallpolitik auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft – Berlin wird Zero Waste City“ vorgelegt.

Klimaschutz durch Abfallvermeidung

Nach dem Leitbild der „Zero Waste City“ sind bereits zahlreiche Projekte wie das „Sauber Stadt“-Paket, Foodsharing und nachhaltige Start-ups umgesetzt worden. Darüber hinaus arbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz eng mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) und verschiedenen Bildungseinrichtungen zusammenen. Die Kooperationen sollen ein öffentliches Bewusstsein für die Wichtigkeit der Abfallvermeidung schaffen.

Umweltsenatorin Günther möchte die bisher einzelnen Initiativen auf die gesamte Stadt ausweiten: „Wir entwickeln für Berlin eine moderne und umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft. Es geht darum, weniger Abfall zu erzeugen und Reststoffe als Rohstoffe wieder zu nutzen. Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Nur wenn wir uns schnell von der Wegwerfgesellschaft verabschieden, werden wir zu einer nachhaltigen Entwicklung kommen können.“

„Zero Waste“-Projekte und Maßnahmen

Um die Umweltziele in naher Zukunft noch effektiver umsetzen zu können, wird der Senat noch in diesem Jahr ein neues Abfallwirtschaftskonzept für 2020-2030 entwickeln. Allerdings wurden bereits einige Initiativen getestet. Zu einer erfolgreichen Maßnahme in diesem Jahr zählt zum Beispiel die verpflichtende Einführung der Biotonne zum 01. April 2019. Diese soll verhindern, dass Müll, der eigentlich biologisch abbaubar ist, fälschlicherweise in der Restmülltonne landet.

Eine weitere Initiative, die sich bereits in vielen Bereichen der Stadt umgesetzt hat, nennt sich „Better World Cup“. Ziel ist es, der Nutzung von Einwegbechern entgegenzuwirken. Dies soll erreicht werden, indem Konsumenten Mehrwegbecher als lukrative Alternative angeboten werden, etwa in dem sie im Fall eines Kaufs einen Rabatt auf das Getränk bekommen. Diese Initiativen sind neben Modellversuchen und Workshops für Schülerinnen und Schülern nur eine kleine Auswahl an zukünftigen Projekten – unter dem Motto „Wiederverwenden statt wegwerfen“ sind noch zahlreiche weitere Maßnahmen geplant. (sz)

„Extinction Rebellion“: Straßenblockaden für den Klimaschutz?

Während die Bundesregierung am Montag beim Klima-Forum in Sinsheim über Treibhausgaskontrollen diskutiert, protestieren seit den frühen Morgenstunden tausende Aktivisten in Berlin gegen den Klimawandel. Die Anhänger der ursprünglich britischen Organisation „Extinction Rebellion“ haben vorerst nicht vor, das Feld zu räumen – im Verlauf der Woche sind weitere Aktionen geplant.

„Rauf mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle!“

Sitzblockaden, Gesang, eine selbst gebaute Holzarche und rote Verkleidung – die Aktivisten von „Extinction Rebellion“ setzten bereits am Montag deutliche Zeichen für den Klimaschutz. Die Demonstranten versammelten sich am Großen Stern und dem Potsdamer Platz. Dort blockierten sie unter dem Motto „Rauf mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle!“ den Verkehr, der von der Polizei umgeleitet werden musste.

„Extinction Rebellion“ – Proteste verlaufen bisher friedlich

Unter den Teilnehmenden befinden sich junge Menschen und Familien mit Kindern, aber auch linksradikale Aktivisten. Bisher verliefen jedoch alle Aktionen friedlich – sowohl Demonstranten als auch polizeiliche Behörden verhielten sich ruhig und übten keine Gewalt aus. Auch die Befürchtung, Bahnhöfe und Flughäfen könnten von den Blockaden betroffen sein, hat sich vorerst nicht bestätigt.

Ab Montagnachmittag begannen mit regelmäßigen Unterbrechungen die Räumungen der Polizei. Mehrere hundert Menschen wurden bis zum späten Abend von den besetzten Knotenpunkten weggetragen. Allerdings verblieben immerhin einige wenige Demonstranten am Potsdamer Platz – teils selbst angekettet an Betonwannen, um einem Platzverweis durch die Behörden zu entgehen.

Kritik an aktueller Klimapolitik der Bundesregierung

Die aktuellen Proteste der „Extinction Rebellion“ in Berlin kommen nicht von ungefähr. Die „Fridays for Future“-Demonstrationen und die aktuelle Besprechung der Bundesregierung zur geplanten Klimapolitik bis zum Jahr 2030 am Montag gaben den Aktivisten neuen Aufwind. Im Raum stand außerdem der Vorwurf an die Bundesregierung, das Klimagesetz durch zu schwache Regelungen und fehlende Sanktionen aufzuweichen.

Da die Gruppierung im Verlauf der Woche weitere Aktionen angekündigt hat, ist abzuwarten, wie die Behörden mit den geplanten Protesten umgehen. Für die Umweltaktivistin und Kapitänin Carola Rackete, die sich in einer Rede am Mittwoch an alle Teilnehmenden wandte, steht bereits fest: „Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und ökologischen Notstand ausruft“. (sz)

Berliner Senat für mehr nachhaltiges Bauen – Berlin steigt zukünftig auf Holz um

Die Proteste der Fridays for Future-Bewegung und der Beginn des UN-Klimagipfels 2019 zeigen – das Thema Klimawandel ist in der Gesellschaft so brandaktuell wie noch nie. Debatten über einen verbesserten Klimaschutz und das Ziels des Berliner Senats, die Hauptstadt bis 2050 klimaneutral zu machen, wirken sich auch auf den Neubau aus. So soll künftig Nachhaltigkeit auf dem Bau stärker gefördert werden.

Dass die Hauptstadt Vorreiter in diesem Bereich ist, offenbart sich an dem zu Beginn des Jahres eröffneten B-Part am Gleisdreieck. Das partizipative Experimentierlabor ist vollständig aus Holz hergestellt und somit ein wichtiges Beispiel für eine nachhaltige Städteentwicklung.

Klimaschutz durch nachhaltiges Bauen – Berlin geht mit Vorbildfunktion voraus

In seiner Sitzung am 24. September verabschiedete der Senat den Bericht an das Abgeordnetenhaus über „Nachhaltigkeit auf dem Bau: Berlin baut mit Holz“. Um Gebäude zukünftig nachhaltiger zu bauen, sollen Alternativen zum Stahlbetonbau geschaffen und Holz als Ressource stärker genutzt werden. Der größte Vorteil des natürlichen Materials liegt auf der Hand: Durch die Verwendung des nachwachsenden Baustoffs können unglaubliche Mengen an CO2-Abgasen eingespart werden.

Laut der Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, soll Berlin vorrangehen und als Beispiel dienen: „Das Land Berlin will bei den eigenen Bauprojekten noch mehr mit Holz bauen. Damit will Berlin seiner Vorbildfunktion gerecht werden und möglichst viele Unternehmen zur Nachahmung motivieren. Mehr Holzbau ist ein wichtiges Element für den Klimaschutz.“

Die Weichen für den nachhaltigen Gebäudebau sind gestellt

Einer Umsetzung des geplanten Vorhabens steht bald nichts mehr im Weg. So wurde bereits eine rechtliche Grundlage für den Holzbau gelegt und die Berliner Bauordnung nach dem Senatsbeschluss modifiziert. Außerdem sensibilisieren Bildungsangebote der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und des Gesamtverbands Deutscher Holzhandel in Form von Fachdialogen regelmäßig Architekten, Holzbaufirmen und bauende Verwaltungsbehörden für dieser Thematik.

Förderprojekte sollen nachhaltiges Bauen voranbringen

Darüber hinaus haben die Senatsverwaltungen bereits ein neues Projekt im Visier. In Berlin-Marzahn tüfteln Architekten aktuell an einem 25 Millionen Euro Schulbau, der ausschließlich mit Holz umgesetzt werden soll. Forschende untersuchen in diesem Kontext, welche ökologischen und ökonomischen Vorteile, aber möglicherweise auch Einschränkungen der Holzbau mit sich bringt.

Weitere Maßnahmen für nachhaltiges Bauen sind bereits in Planung. Wie im Abschlussbericht des Senats angekündigt, unterstützt das Förderungsprogramm des Landes Berlin zukünftig Pilot- und Innovationsprojekte zum Holzbau. In diesem Zusammenhang ist es auch ein zentrales Ziel, die Strukturen des Holzbaus zu verbessern, um einen effizienten Einsatz der Ressource voranzutreiben. (sz)

Förderprogramm GründachPLUS sorgt für grüne Dächer in Berlin

Sie lassen die graue Stadt schöner erscheinen und sind gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz – grüne Dächer. Der Berliner Senat stellt jetzt 2,7 Millionen Euro Fördermittel für eine Begrünung in luftiger Höhe bereit.

Grüne Oasen für Berlin

Mit der Bepflanzung der Dächer möchte Umweltsenatorin Regine Günther (Bündnis 90/Die Grünen) Berlin grüner und vor allem ökologischer gestalten. Dafür hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz das neue Förderprogramm GründachPLUS gestartet. Insgesamt stehen bis 2023 2,7 Millionen Euro Fördermitteln für eine Dachbegrünung auf Berlins Dächern mit mehr als 100 Quadratmetern auf bestehenden Gebäuden für zur Verfügung.

Umgesetzt wird das Förderprogramm von der IBB Business Team GmbH, eine 100prozentige Tochter der Investitionsbank Berlin (IBB). Die Erstberatung für Interessenten übernimmt die Berliner Regenwasseragentur.

„Gründächer wirken gleich mehrfach: sie sind grüne Oasen für die Bewohner*innen, sie helfen gegen Hitzestress, verbessern durch ihre kühlende Wirkung das Mikroklima und sie speichern Regenwasser wie ein Schwamm – auch bei Starkregen. Damit sind Gründächer ein wichtiger Baustein, um die Stadt an den Klimawandel anzupassen“, erklärt Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Grüne Dächer – dem Klimawandel begegnen

Der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin, Dr. Jürgen Allerkamp, betont: „GründachPLUS trägt dazu bei, den Herausforderungen des Klimawandels mit einer nachhaltigen Maßnahme entgegenzutreten und gleichzeitig die Zukunft Berlins als grüne Metropole sicherzustellen. Wir freuen uns auf das neue Programm in unserem Angebot!“

Zudem seien die Gründächer eine notwendige Maßnahme des nachhaltigen Umgangs mit Regenwasser, so Dr. Darla Nickel, Leiterin der Berliner Regenwasseragentur. Denn die begrünten Dächer können 60 bis 80 Prozent des Regens zurückhalten, das später verdunstet. Durch die Wasserverdunstung entsteht dann ein Kühlungseffekt. Grüne Dächer erwärmen sich nur um 10 bis 20 Grad Celsius, wohingegen ein unbegrüntes Dach über 50 Grad heiß werden kann. Dadurch kann auf Klimaanlagen verzichtet werden und gleichzeitig entsteht auch eine dämmende Wirkung.

Anträge für eine Förderung können sowohl von Grundeigentümerinnen und -eigentümern gestellt werden als auch von Initiativ- und Interessengruppen, Vereinen, Begegnungsstätten, Seniorenheimen oder ähnliche Einrichtungen. (aw)

 

Zum Förderprogramm GründachPLUS

Die IBB Business Team GmbH hat das Förderprogramm GründachPLUS in eine neue Sparte ihres Portfolios eingegliedert: Die Fördergruppe „PLUS“. Insgesamt werden drei neue Förderprogramme für den Klimaschutz im Land Berlin diesen Namenszusatz erhalten. Diese richten sich an Grundeigentümerinnen und -eigentümer und unterstützen mit Kostenzuschüssen die Umsetzung von nachhaltigen Maßnahmen an Berliner Immobilien.

Luftreinhalteplan – So will der Berliner Senat die Luftqualität verbessern

In der Senatssitzung am Dienstag hat der Berliner Senat auf Vorschlag der Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, die zweite Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Berlin beschlossen. Damit soll sich die Luftqualität in der Hauptstadt erheblich verbessern und die Vorgaben zum Schutz der menschlichen Gesundheit schnell erfüllt werden.

„Unsere Modellierungen zeigen, dass wir mit den Maßnahmen des vorliegenden Luftreinhalteplans die Grenzwerte bis Ende 2020 einhalten werden. Berlin nimmt den Gesundheitsschutz sehr ernst und wir setzen alles daran, schnell eine gute Luftqualität zu gewährleisten“, erklärt Umweltsenatorin Regine Günther.

Besser atmen in Berlin

Da die Grenzwerte Partikel PM 10 (Feinstaub) seit 2015 eingehalten werden konnten, sollen mit dem neuen Konzept vor allem die Stickstoffdioxid-Emissionen gemindert werden. Denn aufgrund der anhaltenden Überschreitung des Immissionsgrenzwertes für NO2 wurde das Land Berlin am 9. Oktober 2018 vom Verwaltungsgericht Berlin verurteilt, Maßnahmen zu ergreifen, um die Grenzwerte bis Ende 2020 einzuhalten. Das Gericht hatte das Land Berlin auch verurteilt, Durchfahrtverbote für Dieselfahrzeuge zu verhängen, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.

So soll die Luftqualität verbessert werden

Wer das Klima schützen und die Luftqualität verbessern will, muss sich auch auf höhere Kosten und Einschränkungen einstellen. Denn künftig wird auf 33 weiteren Straßen in Berlin Tempo 30 gelten, um die Luft reinzuhalten. Außerdem dürfen auf Insgesamt acht Straßen ältere Dieselfahrzeuge (bis einschließlich Euronorm 5) nicht mehr fahren.

Des Weiteren wird die Nachrüstung und Flottenerneuerung bei Linienbussen und kommunalen Fahrzeugen fortgesetzt und es sollen noch mehr Dieselbusse der BVG durch Elektrobusse ersetzt werden. Im Zuge des Luftreinhalteplans wurden zudem fünf Berliner Fahrgastschiffe mit Abgasreinigung nachgerüstet.

Ein weiterer Punkt des Luftreinhalteplans betrifft die Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt. Innerhalb des S-Bahn-Rings wird diese von 40 auf 75 Prozent ausgeweitet.

Reaktion auf den Luftreinhalteplan gemischt

Die Berliner Wirtschaft bewertet das Konzept positiv. Dazu erklärt Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin:

„Dass nun ein Weg gefunden wurde, in Berlin die NOx-Grenzwerte ohne flächenhafte Verbotszonen einzuhalten, ist sehr zu begrüßen. Aus unserer Sicht werden vor allem die Modernisierung und Erweiterung des BVG Fuhrparks, die Schüler-, Azubi- und Jobtickets sowie die Förderung der Elektromobilität spürbare Effekte bringen. Auch die bereits im Koalitionsvertrag verankerte Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung ist sinnvoll, solange sie auch die Bedarfe der ansässigen Unternehmen berücksichtigt. Für die konkrete Umsetzung gilt es allerdings noch einige Punkte zu beachten. So werden die lokalen Durchfahrtverbote für Dieselfahrzeuge bis Euro-V die nahen Umfahrungsstrecken stark belasten, genauso wie auch viele Berliner Unternehmen. Deshalb müssen sie sofort wieder zurückgenommen werden, sobald sie nicht mehr erforderlich sind.“

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus hingegen steht (CDU, FDP, AfD) den Maßnahmen kritisch gegenüber. (aw)

Straßen, auf denen aus Gründen der Luftreinhaltung auf Abschnitten Tempo 30 angeordnet wird:

StraßeTempo-30-Strecke zwischen
Albrechtstr.Robert-Lück-Straße bis Neue Filandastraße
Badstr.Behmstraße bis Exerzierstraße
Breite Str./Schönholzer Str.Grabbeallee bis Mühlenstr.
Danziger Str.Schönhauser Allee bis Schliemannstraße
Dominicusstr.Ebersstr. bis Hauptstr.
Dorotheenstr.Wilhelmstr. bis Friedrich-Ebert-Platz
Elsenstr.Treptower Park bis Karl-Kunger-Straße
Erkstr.Karl-Marx-Str. bis Sonnenallee
Hermannstr.Mariendorfer Weg bis Silbersteinstr. (im Anschluss an Durchfahrtverbot Silbersteinstr. bis Emser Straße mit T30)
Invalidenstr.Alexanderufer bis Scharnhorststraße
Joachimstaler Str.Hardenbergplatz bis Kurfürstendamm
Kaiser-Friedrich-Str.Kantstraße bis Otto-Suhr-Allee
Klosterstr.Brunsbüttler Damm bis Pichelsdorfer Straße
Leonorenstr.Bernkastlerstr. bis Kaiser-Wilhelm Str.
Luxemburger Str.Genter Straße bis Müllerstraße
Mariendorfer DammWestphalweg bis Eisenacher Str.
Martin-Luther-Str.Lietzenburger Straße bis Motzstraße
MehringdammYorckstraße bis Bergmannstraße
MüllerstraßeSeestraße bis Antonstraße
Oranienburger Str.Roedernallee bis Wilhelmsruher Damm
Oranienstr.Moritzplatz bis Oranienplatz
Potsdamer Str.*Potsdamer Platz bis Kleistpark
Residenzstr.Amende Straße bis Lindauer Allee
Saarstr.Rheinstraße bis Autobahnbrücke
Scharnweberstr.Kapweg bis Afrikanische Straße
Schönholzer Str.Wollankstraße bis Parkstraße
SonnenalleeThiemannstr. bis Reuterstr.
Spandauer DammKlausener Platz bis Königin-Elisabeth-Str.
Tempelhofer Damm*Ordensmeisterstr. bis Alt-Tempelhof
Torstr.Prenzlauer Allee bis Chausseestraße
Turmstr.Stromstraße bis Beusselstraße
Wildenbruchstr.Sonnenallee bis Weserstraße
Wilhelmstr.Unter den Linden bis Dorotheenstr.

Straßen, für die auf Straßenabschnitten Durchfahrtverbote für Dieselfahrzeuge (einschließlich Euro 5 Abgasnorm) eingeführt werden:

Straße von bis
Leipziger StraßeLeipziger Platz (Ostseite)Charlottenstraße
BrückenstraßeKöpenicker StraßeHolzmarktstraße
ReinhardtstraßeCharitéstraßeKapelle-Ufer
Alt-MoabitGotzkowskystraßeBeusselstraße
FriedrichstraßeUnter den LindenDorotheenstraße
StromstraßeBugenhagenstraßeTurmstraße
HermannstraßeSilbersteinstraßeEmser Straße
SilbersteinstraßeHermannstraßeKarl-Marx-Straße

Berliner Senat finanziert grüne Dächer und neue Heizungen

Auf Vorlage von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) hat der Berliner Senat am Dienstag 9,5 Millionen Euro Fördergelder für Hausbesitzer freigegeben. Eigentümer können sich den Austausch von alten Ölheizungen und die Begrünung von Dächern finanzieren lassen. Damit soll der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden und die Stadt besser für die Klimaerwärmung gewappnet sein.

Berliner Senat unterstützt „1.000 grüne Dächer“  

3,5 Millionen Euro gibt es für das Förderprogramm „1.000 Grüne Dächer“. Die schnelle Klimaerhitzung sei schon jetzt in Berlin zu spüren, begründet die Umweltsenatorin ihre Initiative. Das Ziel ist es, 1.000 grüne Dächer in Berlin zu schaffen. Diese sollen das Regenwasser auffangen, um die Kanalisation bei Starkregen zu entlasten. Zudem kühlen sie durch Verdunstung die Stadt und verbessern die Luft. Nebenbei entstehe dadurch ein attraktiver Erholungsort für Menschen und neuer Lebensraum für Insekten und Vögel, so Günther.

Die Förderung wird auf Antrag als Zuschuss von 75 Prozent (maximal 60.000 Euro pro Gebäude, maximal 60 Euro pro Quadratmeter) für mindestens 100 Quadratmeter Dachfläche gewährt. Hinzu kommen Fördermittel von bis zu 100 Prozent für „besonders innovative, experimentelle und gemeinwohlorientierte Projekte mit Vorbildcharakter“, teilte die Umweltverwaltung mit.

Die Berliner Regenwasseragentur bietet schon im Vorfeld eine kostenlose Beratung zu Fragen der Dachbegrünung und zu den Möglichkeiten der Förderung an.

Austausch alter Ölheizungen  

Mit 6 Millionen Euro wird der Austausch von bis zu 1.200 alten Ölheizungen bezuschusst. Damit will Günther bis zu 30.000 Tonnen CO2 einsparen. Aktuell gibt es noch circa 66.000 Ölheizungen in Berlin. Der Verbrauch von Heizöl im Wohnungsbereich ist für den Ausstoß von 1,2 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Das sind gut sechs Prozent der gesamten Berliner CO2-Emissionen.

Die Hauptstadt kompensiere mit dem Förderprogramm die völlig verzerrten Steueranreize des Bundes, die ausgerechnet besonders klimaschädliche Ölheizungen bevorzugen, sagte Günther. Ihre Forderung an den Bund: endlich die Privilegierung von CO2-intensiven Energieträgern zu beenden. Alte Ölheizungen werden mit dem Fördergeld gegen neue Wärmepumpen, Holzpelletkessel oder Solarthermieanlagen ausgetauscht.

Vorrausichtlich ab August können sich Hausbesitzer bei der Investitionsbank Berlin-Brandenburg (IBB) bewerben. Zuvor müssen beide Programme noch durch den Landesrechnungshof freigegeben werden. (lb)

Positives Fazit nach IHK-Delegationsreise nach Tokio

Von Samstag, den 18. Mai bis Donnerstag, den 23. Mai, waren 27 Berliner Unternehmen und Vertreter von Verbänden mit dem regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller auf Delegationsreise in der japanischen Hauptstadt Tokio. Alle Anwesenden waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden und zogen ein positives Fazit.

Die erste Möglichkeit mit potentiellen Partnern ins Gespräch zu kommen

Delegationsreisen bieten deutschen Unternehmen die Chance, ihren Zielmarkt zu erkunden und erste Geschäftskontakte zu knüpfen. Japan gehört zu den wichtigsten Berliner Exportmärkten mit vielen potentiellen Partnern. So reisten verschiedene Berliner Unternehmen, die auf der Suche nach einem Partner für Japan und den asiatischen Raum waren, in die Hauptstadt.

Konkreten Vereinbarungen wurden unterzeichnet

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Wirtschaftsdelegation lagen auf den Bereichen Urbanisierung/ Infrastruktur, Gesundheitswirtschaft und digitale Wirtschaft.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin sieht Berlins Stärken eindeutig in den Bereichen Gesundheit, Digitales und Infrastruktur. Für ihn steht fest: „Die Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit werden von den Metropolen der Welt ausgehen. Berlin muss Teil davon sein und seinen Weg finden.“ Umso erfreuter ist er über die erfolgreichen Wirtschaftsgespräche die zur Unterzeichnung von konkreten Vereinbarungen geführt haben.

Auch die Alba Group und das japanische Unternehmen SEIU bestätigten zum Auftakt des Wirtschaftsforums Berlin Tokyo ihre Zusammenarbeit beim Bau einer Recyclinganlage in Japan. Umgekehrt plant der japanische Telekommunikationskonzern NTT Investitionen in Höhe mehrerer Millionen für den Bau eines Rechenzentrums in Berlin.

 „Die Metropolen werden zunehmend zu Treibern beim Klimaschutz und bei der Energiewende“

Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur hält die Zusammenarbeit der Metropolen ebenfalls für einen sehr wichtigen Schritt. Vor allem beim Klimaschutz und bei der Energiewende seien die Metropolen zunehmend die Treiber. „Berlin hat gute Chancen, mit Großstädten wie Tokio gemeinsame Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und Mobilität auf den Weg zu bringen“, sagte er.

Claus Biernoth, Vice President Sales der First Sensor AG, nutzte die Delegationsreise um den Aufbau einer japanischen Organisation für First Sensor zu prüfen und verschiedene Geschäftsmöglichkeiten mit namenhaften japanischen Unternehmen herauszuarbeiten.

Alle Beteiligten waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Tagung und blicken positiv in die Zukunft. „Erfahrungsgemäß braucht der Aufbau einer Partnerschaft Zeit, aber wir sind optimistisch, dass sich aus diesen Gesprächen mehr entwickelt“, so Leonhard Lischka, Geschäftsführer der Lischka GmbH und ebenfalls Teilnehmer der Delegation. (tf)

Klimaschutzpartner des Jahres 2019 ausgezeichnet

Die Gewinner des Wettbewerbs „Klimaschutzpartner des Jahres“ wurden vergangenen Montagabend mit einem Preis ausgezeichnet. Hierbei wurden drei Projekte, die in besonders herausragender Weise Energieeffizienz und Klimaschutz umsetzten, gekürt. Insgesamt waren 28 Teilnehmer im Wettbewerb um den Klimaschutzpreis angetreten. Die Verleihung fand im Rahmen der Berliner Energietage im Ludwig Erhard Haus statt.

„Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“

Die Schornsteinfeger Bezirksgruppe Friedrichshain-Kreuzberg hat mit ihrem Projekt „Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“ den Preis in der Kategorie „Erfolgreich realisierte Projekte“ gewonnen. Ihr Ziel ist, die Dienstleistungen des Berliner Schornsteinfegerhandwerks flächendeckend klimaneutral auszuführen.

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz sowie Laudator: dazu: „Die jungen Menschen, die jeden Freitag für den Klimaschutz demonstrieren, fordern von uns Lösungen. Zu diesen Lösungen müssen wir alle beitragen. Das Projekt der Schornsteinfeger aus Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, dass gute Ideen, die klein beginnen, große Wirkung haben. Der Ansatz, Handwerksleistungen CO2-neutral zu erbringen, ist auf das gesamte Handwerk übertragbar. Dazu erweist sich, dass Klimaschutz und betriebswirtschaftlicher Erfolg zusammen gehen: die Betriebe sparen Energiekosten und können zugleich ihren CO2-Aussstoß deutlich verringern. Das Projekt zeigt eindrucksvoll die Innovationskraft des Handwerks.“

Quartier „Wir“

In der Kategorie „Erfolgversprechende innovative Planungen“ konnte die Deimel Oelschläger Architekten Partnerschaft aus Berlin Weißensee mit dem Projekt Quartier „Wir“ überzeugen. In Weißensee entsteht ein soziales und vor allem nachhaltiges Stadtquartier, das komplett aus Holz gebaut wird. Zusätzlich wird es dort eine Kita und ein Schwimmbad geben. Somit entsteht ein quartierübergreifendes Angebot, das attraktive Möglichkeiten für die Umgebung anbietet.

„Das Quartier „Wir“ in Weißensee überzeugt vor allem durch seinen ganzheitlichen Ansatz. Neben der CO2-freundlichen Verwendung von Holz, als direktem Beitrag zum Klimaschutz, tragen gerade auch der innovative Mix relativ kleiner Individualflächen zugunsten großzügiger Gemeinschaftsangebote, die soziale Mischung und die Mischung der Wohn- und Eigentumsformen, zu einem langfristig nachhaltigen Wohnstandort bei.“, so Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer, in ihrer Laudatio.

Hybrides Löschfahrzeug

Den Preis für „Herausragende Projekte öffentlicher Einrichtungen“ erhielt die Berliner Feuerwehr mit ihrem Projekt „Hybrides Löschfahrzeug für die Berliner Feuerwehr“. Sie plant die Beschaffung und Erprobung eines innovativen Löschfahrzeugs. Ziel ist, den Einsatz des Fahrzeugs zu über 80% rein elektrisch zu betreiben. Hierfür wird die Berliner Feuerwehr gemeinsam mit einem Fahrzeughersteller noch Entwicklungsarbeit leisten.

Die Laudatorin Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende bei der Vattenfall Wärme Berlin AG: „Die Berliner Feuerwehr ist Retterin in der Not und mit ihrer Innovationspartnerschaft für Deutschlands erstes Elektrolöschfahrzeug zeigt sie eindrucksvoll, wie wichtig ihr das Ziel der Klimaneutralität ist.“  (lb)

Der Streit um eine CO2-Steuer geht in der CDU in die nächste Runde

Am Montag machten UN-Experten in ihrem aktuellen Bericht auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam. Wenn die globale Temperatur um zwei Grad Celsius steigt, könnte dies etwa fünf Prozent der Arten auslöschen. 99 Prozent der weltweiten Korallenriffe würden mit großer Wahrscheinlichkeit absterben. Die Koalitionsparteien wissen, dass das politische Handeln an die Klimaschutzziele ausgerichtet werden muss. Eine Steuer auf CO2 wird deshalb diskutiert.

Grüne kritisiert Distanzierung der CDU

Die Grünen wollen eine CO2-Bremse und den Emissionsausschuss per Gesetz reduzieren. Sie fordern, dass der Klimaschutz ins Grundgesetz aufgenommen wird und man jedes Gesetz auf seine Klimafolgen prüft. „Nach dem Vorbild der Schuldenbremse braucht es eine CO2-Bremse in der Verfassung“, sagte Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen.

Ganz anderer Meinung ist CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Am Wochenende hat sie sich gegen eine CO2-Steuer ausgesprochen und erntete dafür scharfe Kritik von der Opposition und Politikern aus der eigenen Partei. Sie meint, hinter einer CO2-Steuer verberge sich nichts anderes als eine stärkere Belastung für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas. Es gebe viele andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel den Emissionshandel und Innovationen.

EVP-Spitzenkandidat setzt auf „technologische Lösungen“

Zustimmung erhält Kramp-Karrenbauer in der Debatte von dem EU-Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU). „Ich glaube an technologische Lösungen, ich glaube nicht an neue Steuern, wie wir sie jetzt in Deutschland diskutieren“, erklärt er. Wenn Airbus einen Flieger bauen würde, der kein CO2 ausstößt, bräuchte man weder ein neues Gesetz, noch eine Regulierung wie oft man fliegen dürfe.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier steht einer CO2-Steuer kritisch gegenüber, da die möglichen Auswirkungen unklar sind. Für Berufspendler hätte eine CO2-Steuer beispielweise spürbare Folgen. Man müsse zuerst überprüfen, „welche Fehlsteuerungen damit verbunden sein könnten, zum Beispiel Fehlsteuerungen sozialer Art“.

Laut Bouffier seien sich immerhin alle Beteiligten einig, dass die Klimaziele erreicht werden müssen. „Streit über die Klimapolitik ist sicherlich nicht das, was wir brauchen.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) möchte noch vor der Sommerpause ein Konzept für einen CO2-Preis erstellen. Ein neues Modell soll den Ausstoß von Treibhausgasen teurer machen, damit die Bürger anfangen CO2 zu sparen. Des Weiteren sollen klimafreundliche Technologien gefördert werden. (tf)

Veranstaltungen

Petersberger Klimadialog X

Ministerinnen und Minister aus etwa 35 Ländern werden auf Einladung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze über Möglichkeiten für verstärkten Klimaschutz diskutieren und Lösungen für die internationalen Klimaverhandlungen ausloten.

Der Petersberger Klimadialog überbrückt damit die Zeit zwischen den Klimagipfeln und bringt jährlich Umweltminister aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern zu offenen Diskussionen zusammen.