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GASAG: Treiber der Energiewende

1998 unterschrieb die GASAG die erste Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin. Was ist seitdem erreicht worden?

Die Vereinbarung wird alle fünf Jahre verlängert. Wir haben sie also schon viermal unterschrieben und werden sie auch gern ein weiteres Mal unterzeichnen. Bis 2015 haben wir fast 1,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Erneuerbare Energien wie Windkraft und Bio-Erdgas tragen einen großen Teil dazu bei. So haben wir alte Heizungen, die noch mit Öl und Kohle betrieben wurden, ausgetauscht. Wir sehen uns nicht nur als Treiber der Energiewende in Berlin, sondern auch als Partner für alle Stakeholder. Wir können andere Unternehmen nur aufrichtig ermuntern, über solche Vereinbarungen nachzudenken. Klimaschutz wird auf diese Weise auch ein Teil von Geschäftsmodellen.

Was sind Ihre Milestones für 2019?

Als Energieunternehmen planen wir langfristiger. Insgesamt wollen wir in unsere Kerngeschäftsfelder Netz, Vertrieb und Dienstleistungen weiter ausbauen und unseren Kundenstamm erweitern. Unser erklärtes Ziel ist es, eine CO2-neutrale Zukunft mitzugestalten. Um dies zu erreichen, werden wir in den kommenden drei Jahren 400 Millionen Euro investieren. Des Weiteren wird unser Portfolio durch die Produktion erneuerbarer Energien ergänzt. All das sind Bestandteile unserer Strategie GASAG 2025.

Wie positioniert sich die GASAG als Infrastrukturdienstleister in einem sich dramatisch wandelnden Energiemarkt?

Erdgas ist in Berlin mit über 50 Prozent der wichtigste Brennstoff für die Wärmeversorgung. Fast jedes zweite Gebäude ist bereits an das Erdgasnetz angeschlossen. Unser Ziel ist, dass auch unsere Kunden den Klimaschutz stärker fokussieren und zum Beispiel durch die Klimaprämie zum Wechsel von Öl auf Gas motiviert werden. Es gibt immer noch 20 Prozent Ölheizungen, da müssen wir ran.

Welche Strategien verfolgt die GASAG als breit aufgestellter Energieerzeuger und -dienstleister im Bereich Digitalisierung? Wo sind noch Potenziale, die Sie heben wollen?

Wer die Kunden da abholen will, wo sie stehen, kommt um digitale Konzepte nicht herum. Die Technik hilft uns dabei, den Kunden immer stärker in den Mittelpunkt zu stellen, ihn besser zu verstehen und den Kontakt in beide Richtungen zu intensivieren. Viele wollen halt nicht mehr ins Kundenzentrum kommen, erwarten aber trotzdem zeitgemäßen Service. Zudem hat Digitalisierung bereits jetzt in zahlreichen Prozessen, bei Produkten oder in der Kommunikation zu effizienten und intelligenten Abläufen beigetragen.

In Zukunft werden in Städten und Quartieren ganz andere Energie- und Mobilitätsvoraussetzungen herrschen. Welchen Beitrag für nachhaltige Stadtquartiere kann die GASAG dabei leisten?

Der EUREF-Campus beweist eindrucksvoll, was wir dank unserer Erfahrung und unserem fachlichen Know-how zur Energiewende in Quartieren beitragen können. Der Campus wird bereits seit 2014 CO2-neutral versorgt und das zu marktgerechten Preisen. Auch unser Tochterunternehmen GASAG Solution Plus hat viele Projekte, in denen Klimaschutz und Erneuerbare Energien ein Thema sind.

Langfristig sollten in den Städten Energiespeicherlösungen eingeplant werden. Die GASAG hat nahe des Olympiastadions einen großen Erdgasspeicher, der bis 2023 stillgelegt werden soll. Ich sehe hier die Möglichkeit, den Speicher sinnvoll zu nutzen und darin zum Beispiel Wasserstoff, umgewandelt aus Erneuerbaren Energien, einzuspeichern. Generell kann das Gasnetz auf diese Weise ein starkes Instrument für die Energiewende werden.

Sie gehen ja bereits vielfältige Partnerschaften ein, ich nenne nur Gegenbauer und die CG Gruppe. Welche Rolle wird die GASAG im Jahr 2030 spielen?

Wichtig ist mir, dass beide Seiten lernen und von Partnerschaften profitieren können. Grundsätzlich sind wir mit unseren Angeboten schon sehr gut aufgestellt. Aber wir wissen, dass sich die Immobilienwirtschaft weiter verändern wird, wo wir 2030 stehen werden, wissen wir dementsprechend jetzt noch nicht final. Aber die Richtung ist klar: Vom Dach bis in den Keller, vom Einfamilienhaus bis zum Quartier können wir dem Kunden liefern, was er braucht. Ob Wärme, Kälte, Versorgungskonzepte, Erneuerbare Energien oder Mobilitätslösungen.

Was sind die aktuellen Forschungsfelder der GASAG und mit welchen Institutionen kooperieren Sie?

Wir haben als Unternehmen selber keinen eigenen Forschungsbereich. Umso wichtiger ist für uns, auch als Berlin Partner, die Kooperation mit anderen Berliner Institutionen. Ein gutes Beispiel ist das InfraLab Berlin, ein Co-Working- und Co-Creation-Projekt der sechs großen Infrastrukturunternehmen, BSR, BVG, BWB, Vattenfall, Veolia und der GASAG, auf dem EUREF-Campus. Gemeinsam wollen wir einen Beitrag für die Entwicklung Berlins leisten, indem wir in enger Zusammenarbeit mit Politik, Industrie und Wissenschaft Smart City-Projekte realisieren.

Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit der GASAG aus?

Derzeit sind wir wirtschaftlich gut aufgestellt. Mit dem Jahr 2018 waren wir zufrieden. Um jedoch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir strategische Veränderungen vornehmen. Dazu gehört auch, dass wir das Unternehmen etwas verschlanken müssen.

Sie spielen auch im Markt der Elektromobilität eine Rolle. Wie sehen Sie hier die Perspektiven und was ist Ihr Beitrag für eine flächendeckende Versorgung?

Mobilität ist ein sehr wichtiges Thema, das sich sehr gut mit dem Thema Energie koppeln lässt. Das Stichwort Eco-Mobilität spielt hier eine wichtige Rolle. Grundsätzlich sehe ich die Elektromobilität im Bereich Stadtverkehr angesiedelt. Hier bringen wir uns als Unternehmen deutlich ein. Unser Leasingangebot mit einem E-Smart lief sehr gut, was uns darin bestätigt, neue Angebote in diesem Bereich zu schaffen. Gemeinsam mit ubitricity bieten wir Ladelösungen für zu Hause. Und auch in neuen Stadtquartieren entwickeln wir neue Energielösungen, wie etwa in der Tiefgarage installierte E-Ladesäulen. Außerdem arbeiten wir derzeit an einem konkreten Angebot für das Handwerk und die Taxibranche. Unser Ziel wird esdabei sein, gemeinsam mit einem Automobilhersteller Erdgasfahrzeuge in nennenswerter Größenordnungen in den Markt zu bringen, als Alternative zum Diesel. Damit haben wir schon früher gute Erfahrungen gemacht, ich erinnere an die Aktion „1000 Umwelttaxis“.

Potenzial sehe ich zum Beispiel auch im ÖPNV. So könnten die Fahrzeuge mit Biogas betrieben werden, was der Umwelt zugutekommt. Auch im Schwerlastverkehr wäre der Einsatz von Erdgas eine Alternative zum Diesel, um schnell etwas für den Klimaschutz und für die Luftreinhaltung zu tun. Und deutlich leiser sind diese Fahrzeuge auch. Das Berliner Erdgas-Tankstellennetz könnte aus dem Stand 10.000 zusätzliche Fahrzeuge versorgen.

Die GASAG ist ja traditionell ein Good Corporate Citizen. Welche Schwerpunkte beim bürgerschaftlichen Engagement wollen Sie persönlich setzen?

In der Hauptstadtregion haben wir tiefe Wurzeln und hier sind wir zuhause. Deshalb legen wir auf Partnerschaften sehr viel Wert. Unser längstes und größtes Sponsoring ist und bleibt das für die Eisbären Berlin. Dieses Engagement besteht schon seit 22 Jahren, wodurch natürlich auch eine emotionale Bindung entstanden ist. Neben dem Sport unterstützen wir aber auch andere kulturelle Vereine oder Veranstaltungen, wie etwa die Einheitsfeier im vergangenen Jahr rund ums Brandenburger Tor. Wir sehen uns als Partner der Bürger und sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst. (cr)

Wirtschaftswachstum: „Berlin ist international wettbewerbsfähig“

Im Gespräch mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis 90/Die Grünen) Die BERLINboxx sprach mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop über das anhaltende Wirtschaftswachstum Berlins, welche Bedeutung die Ansiedlung des Siemens Innovations-Campus für die Stadt hat und wie die Berliner Wirtschaft langfristig vom jetzigen Boom profitieren kann.

Frau Pop, Berlin hat sich im Wettbewerb um Siemens gegen internationale Standorte wie Singapur durchgesetzt. Was genau waren die Standortvorteile von Berlin?

Siemens wurde 1847 in Berlin gegründet – diese Berliner Erfolgsgeschichte werden wir nun zusammen weiterentwickeln. Gemeinsam mit dem Berliner Traditionsunternehmen wollen wir Zukunft gestalten. Berlin und Siemens sind starke und verlässliche Partner. Wir haben in den letzten Monaten erfolgreich die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Siemens in den Wirtschaftsstandort Berlin investiert. Der Einsatz hat sich gelohnt: Wir haben uns gegen die internationale Konkurrenz durchgesetzt, Siemens wird 600 Millionen Euro in den Innovations-Campus investieren. Siemens findet hier in Berlin alles für die Zukunftsthemen Smart Infrastructures, Energie und Mobilität. Unsere Stadt ist mit der boomenden Digitalwirtschaft, den internationalen Talenten, unserer Forschungsdichte und der modernen Industrie der passende Standort für den Campus.

Was versprechen Sie sich von der Ansiedlung? Welche gesamtstädtische Bedeutung hat sie?

Auf dem Siemens Innovations-Campus werden Synergien durch das Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen, die in bestimmten, für Siemens und Berlin wichtigen Innovationsfeldern und Schlüsseltechnologien zum Tragen kommen. Damit wird der Industriestandort gestärkt und gleichzeitig der Weg zur Smart City fortgesetzt. Der Innovations- Campus sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue. Dieses zukunftsweisende Projekt ist bedeutend für Siemens, die Siemensstadt und ganz Berlin. Auch die Signalwirkung ist nicht zu unterschätzen: Dass Siemens sagt, wir bleiben und investieren in Deutschland und gehen nicht nach Asien oder die USA zeigt, dass Berlin international wettbewerbsfähig ist.

Berlin gilt als Start-up-Hauptstadt Europas. Städte wie Lissabon oder Warschau wollen zu ebendieser werden. Wie wollen Sie den Titel „verteidigen“?

Berlin hat weltweit eine enorme Strahlkraft als Digital- und Start-up-Metropole. Deutschlandweit liegt die Hauptstadt bei den Neugründungen auf dem Spitzenplatz. Zwei Drittel des Risikokapitals, das 2017 in Deutschland von Start-ups akquiriert werden konnte, landete bei Berliner Unternehmen – insgesamt drei Milliarden Euro. Wir setzen Impulse für Innovation und bringen Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Wir bieten beste Rahmenbedingungen, nach wie vor vergleichsweise geringe Lebenshaltungskosten, die Nähe zu europäischen Märkten und Fachkräfte in den schnell wachsenden Branchen Fintech, Gesundheit und der Digitalindustrie. Wir ruhen uns auf dieser positiven Entwicklung nicht aus, sondern arbeiten stetig weiter an vielen Projekten, um das erfolgreiche Ökosystem zu stärken.

Günstige Mieten, Freiräume und eine besondere Kultur haben Berlin früher ausgemacht. Die Stadt wird immer teurer, Gewerbeflächen sind Mangelware. Das schreckt Unternehmen/Start-ups mehr und mehr ab. Wird Berlin dem Wachstum noch gerecht? Welche Standortvorteile können in Zukunft überzeugen?

Um die Potenziale unseres dynamischen Wirtschaftswachstums weiterhin ausschöpfen und in weiteren Arbeitsplatzzuwachs umsetzen zu können, ist ein ausreichendes Flächenangebot für die Sicherung, Erweiterung und Neuansiedlung von Unternehmen wichtig. Bei aller Unterstützung für die Anstrengungen zur Schaffung neuen Wohnraums dürfen wir die Arbeitsplatzentwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Arbeitsplätze können nur erhalten oder neu geschaffen werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Daher verfolgen wir eine engagierte Gewerbeflächenpolitik, der in Zeiten der wachsenden Stadt eine ständig steigende Bedeutung zukommt.

Wie wollen Sie die Umsetzung des „Masterplans Industrie“ vorantreiben?

Auch die Entscheidung von Siemens, in Berlin den Innovations-Campus zu entwickeln, bestätigt: Berlin hat sich als innovativer Industriestandort etabliert. Unsere Industrie ist sehr stark, wo industrielle Produktion und industrienahe Dienstleistungen verschmelzen, insbesondere an der Schnittstelle von Forschung und Digitalisierung. Mit dem Masterplan Industrie stärken wir diese neuen Industriebereiche, da sie zu einer nachhaltigen, ökologischen Modernisierung der Wirtschaft beitragen. Der Masterplan Industriestadt Berlin ist eine gemeinsam getragene Strategie des Senats, des Netzwerks Industriepolitik sowie der Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft. Wir stellen über die neue Geschäftsstelle Masterplan Industrie ein zentrales Projektmanagement für den Masterplan insgesamt sicher.

Wie wollen Sie dafür sorgen, dass die Berliner Wirtschaft nicht nur jetzt boomt, sondern auch nachhaltiger wird und Berlin perspektivisch auch etwas vom jetzigen Boom hat?

Die Krisenjahre Berlins blieben nicht ohne Folgen für die Stadt. Und die Folgen sind immer noch spürbar. Aber wir holen nun Versäumtes nach und investieren in die Zukunft. Wir haben ein entschlossenes Investitionsprogramm für Berlin gestartet: für Schulen und Kitas, Krankenhäuser, ein Stadtwerk für die Energiewende; wir bauen den öffentlichen Nahverkehr aus und fördern die Fahrradinfrastruktur.

Und wir handeln vorsorglich: Zum Jahreswechsel werden wir die 3,7 Milliarden Euro Schulden aus den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise getilgt haben. Wir halten also die Schuldenbremse bereits im laufenden Konjunkturzyklus ein. Das können andere Bundesländer nicht von sich behaupten. Wir haben Berlin gut vorbereitet auf schwächere Phasen, schließlich werden auch internationale Risiken größer. Wir haben hohe Investitionsmittel für die nächsten Jahre gesichert und können damit trotz Schuldenbremse Konjunkturimpulse setzen.

Geht der Aufwärtstrend auch 2019 so weiter? Welches Wirtschaftswachstum erwarten Sie?

Die Berliner Wirtschaft setzt ihren Wachstumskurs fort und schafft in einem überdurchschnittlichen Maße neue Arbeitsplätze. In der Hauptstadt behalten die Wachstumskräfte die Oberhand. Taktgeber ist der Branchenmix aus stark wachsenden Dienstleistungsbranchen und robustem Produzierenden Gewerbe. Ich rechne für das Jahr 2018 mit einem Wachstum von etwa 2,7 Prozent. Trotz internationaler Risiken erwarten wir für 2019 zurzeit 2,3 Prozent Wachstum. Damit liegen wir weiter über dem Bundesdurchschnitt. Jetzt gilt es, diesen Prozess zu verstetigen und die Weichen für eine mittel- und langfristig erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung zu stellen. (cr)

„Immer noch sehr sexy, aber nicht mehr ganz so arm“

Im Gespräch mit Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin


Zum neuen Jahr sprach die BERLINboxx mit dem Regierenden Bürgermeister über Berlins Image, Erfolge und Herausforderungen der vergangenen zwei Jahre, die aktuelle angespannte Lage des Wohnungsmarktes sowie Berlins wirtschaftliche Entwicklung.

Herr Müller, es ist Halbzeit für die rot-rot-grüne Koalition in Berlin. Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus? Was waren Erfolge? An welchen Punkten hakt es noch? Und was haben Sie sich für die zweite Halbzeit vorgenommen?

Ab Februar 2019 sind wir in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode. Wir werden dann in einer Klausur die Schwerpunkte durchgehen und miteinander verabreden, wo wir auf dem begonnenen Weg weitergehen und wo es notwendig ist, nachzusteuern oder neue Initiativen zu ergreifen.

Unbestreitbar gibt es ja sichtbare Erfolge wie zum Beispiel die Ansiedlung von Siemens, verbunden mit einer Investition von 660 Millionen Euro oder unseren großartigen Erfolg bei der Exzellenzinitiative. Sieben von neun Clustern, die wir im Rennen hatten, sind aufgenommen worden. Das ist bundesweite Spitze. Und nicht zu vergessen ist auch, dass wir einen so großen Investitionshaushalt haben wie nie zuvor.

Berlin wächst, der Wirtschaftstrend ist positiv. Lange war Berlin „arm aber sexy“. Wie sollte der Slogan heute lauten?

Es ist schwierig, diese Stadt mit einem griffigen Slogan zu versehen. Berlin macht eine so grundlegende Entwicklung durch, dass das nicht mehr mit einem Einzeiler zu fassen ist. Wir entwickeln uns zu einem Wissenschafts- und Gesundheits-Hotspot, wir sind Start-up-Hauptstadt, wir wollen zeigen, wie Digitalisierung und Arbeit, also die 4. Industrielle Revolution gut funktioniert. Alles das ist Berlin und natürlich noch viel mehr. Schon be Berlin, die Dachmarke der Stadt, hat ja deutlich gemacht, dass man in Berlin seine Ideen verwirklichen kann und dass das alles zusammen die Hauptstadt ausmacht. Man könnte sagen: Immer noch sehr sexy, aber nicht mehr ganz so arm!

Stichwort Verdrängung: Wie kann verhindert werden, dass die Berliner Mischung zerstört und der „Otto-Normal-Berliner“ aus den innerstädtischen Kiezen verdrängt wird?

Wohnen ist eine Frage der sozialen Sicherheit. Deshalb wird der Senat weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, zum Beispiel der Mietpreisbremse oder dem Neubau durch städtische

Wohnungsbaugesellschaften, für genügend bezahlbaren Wohnraum in der Stadt sorgen. Natürlich möchte jeder Berliner und jede Berlinerin, auch die Neuberlinerinnen und Neuberliner am liebsten in unmittelbarer Nähe zu Alexanderplatz, Kudamm oder der Schlossstraße wohnen. Der Druck auf innerstädtische Quartiere ist deshalb enorm hoch. Wir setzen uns darum im Bundesrat unter anderem für eine Verschärfung der Mietgesetzgebung ein. So wollen wir zum Beispiel, dass die Modernisierungsumlage weiter auf höchstens sechs Prozent gesenkt wird. Auch bei Gewerbemieten macht Berlin Vorschläge im Bundesrat, die den Anstieg abmildern können.

Zusammen mit den Bezirken wollen wir den spekulativen Kauf von Häusern, Grundstücken oder Wohnungen möglichst unterbinden. Ich habe gesagt, wir kaufen jedes Grundstück oder Wohnhaus, das uns der Bund, der ja über einige Immobilien in Berlin verfügt, anbietet. Dazu stehe ich. Weiterhin möchten wir kommunale Baugrundstücke nur noch in Erbbaurecht an sozial orientierte Bauträger vergeben. Sollten Private die Bedingungen für sozialen Wohnungsbau erfüllen, können auch sie zum Zuge kommen.

Alles das soll dafür sorgen, dass Wohnen in Berlin bezahlbar bleibt. Es ist jedoch, wie in allen anderen großen Städten so, dass der Druck auf den Wohnungsmarkt trotz dieser Maßnahmen zunimmt, insbesondere dadurch, dass seit einigen Jahren und immer noch jedes Jahr mehr als 40.000 Menschen in diese Stadt ziehen.

Eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes zur Schaffung von Wohnraum ist wieder im Gespräch. Die SPD hat sich jüngst dafür ausgesprochen. Wäre damit der Volksentscheid von 2014 gekippt? Viele haben sich gegen eine Bebauung ausgesprochen, da sie befürchteten, das Tempelhofer Feld werde zubetoniert. Sind die Ängste begründet? Und kann sich Berlin eine Freifläche wie diese überhaupt noch leisten, während die Stadt gleichzeitig unter steigenden Miet- und Kaufpreisen für Gewerbe-, Büro- und Wohnflächen ächzt?

Es gibt ein Gesetz, das klar definiert, was auf dem Tempelhofer Feld geht und was nicht. Aber eine Ewigkeitsgarantie für Gesetze gibt es auch nicht. Durch das Parlament oder einen Volksentscheid können Gesetze geändert werden. Ich gehe davon aus, dass mit dem Druck, der weiterhin im Wohnungsmarkt besteht, die Diskussion um eine mögliche Randbebauung am Tempelhofer Feld, genauso wie um die Elisabeth-Aue wieder beginnt. Ich denke, das wird zum Ende der Legislaturperiode oder in der nächsten der Fall sein. Wer sich mit der Wohnungssituation in der Stadt ernsthaft auseinandersetzt, muss alle Möglichkeiten prüfen können, ohne Denkverbote. Das sind wir den Berlinerinnen und Berlinern schuldig.

Die Digitalisierung schreitet unaufhörlich voran. Gleichzeitig wird etwa der Berliner Verwaltung vorgeworfen, sie sei noch zu analog. Wieso geht es an dieser Stelle nicht voran?

In der letzten Legislaturperiode ist hier nicht genug geschehen. Das war der Grund, warum wir im Dezember 2016 die Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik ernannt haben. Seitdem geht es voran, aber es ist eben nicht so, dass von einem Tag auf den anderen jede Dienstleistung elektronisch verfügbar ist und wir in papierlosen Büros arbeiten. Alleine die unterschiedlichen Standards in den Behörden, vom Bürgeramt bis zur Senatskanzlei, stellen eine große Herausforderung dar. Der Anfang ist aber gemacht. Mit dem E-Government-Gesetz, das 2016 beschlossen wurde, haben wir das IT Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ) zum zentralen Betreuer aller IT-Systeme in den einzelnen Behörden gemacht. Das ITDZ hat momentan rund 700 Mitarbeiter. Für 2019 sind 140 neue Stellen dort bewilligt und in fünf Jahren werden es bis zu 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein.

Man muss aber auch wissen, der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute ist sehr umkämpft. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, ist eine Herausforderung. Insbesondere auch deshalb, weil Berlin nicht das einzige Bundesland ist, das die Digitalisierung vorantreiben will. Trotzdem herrscht hier kein Stillstand. Vieles bei der Umstellung zum E-Government spielt sich erstmal nicht sichtbar für die Bürgerinnen und Bürger ab. An einigen wenigen Stellen ist es aber schon konkret: Seit März 2018 haben wir das Servicekonto eingerichtet, für das sich jeder Bürger registrieren kann. Da geht es darum, alle Onlinedienstleistungen für alle Berlinerinnen und Berliner einheitlich und personalisiert verfügbar zu machen. Jetzt haben wir mit der Ausstellung der Anwohner-Parkvignette und der Beantragung des Kita-Gutscheins begonnen. Langfristig werden dies rund 100 Onlinedienstleistungen sein.

Wie kann es sein, dass Ansiedlungen wie die der Google-Stiftung in Kreuzberg durch Anwohner und Initiativen zunichte gemacht werden? Kann Berlin sich so etwas leisten und kann das abschreckend auf zukünftige Unternehmensplanungen wirken? Wie lässt sich die Weltoffenheit Berlins erhalten?

Am Ende ist es die Entscheidung des Unternehmens gewesen, den Campus dort nicht einzurichten. Gleich zu sagen, dass die Politik schuld ist, ist etwas zu einfach. Was Politik tun muss, ist die Bedingungen dafür zu schaffen, dass beides möglich ist: Erhalt der Kieze und gleichzeitig Offenheit für Neues. Ich war im letzten Jahr dort und habe mir das Konzept zeigen lassen, das aus meiner Sicht tragfähig und spannend war und gut zu Berlin, auch nach Kreuzberg, gepasst hätte. Insofern bedauere ich die Unternehmensentscheidung, glaube aber nicht, dass damit andere abgeschreckt werden, in die Stadt zu kommen und hier zu investieren. Die Zahlen sprechen dagegen. Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit schrumpft. Die seit vier Jahren anhaltende Phase der Hochkonjunktur erweist sich als stabil. Das wirtschaftliche Wachstum lag 2017 bei 3,1 Prozent. Für 2018 wird ein ähnlicher Wert prognostiziert. Berlin hat weiterhin von allen Bundesländern das höchste Beschäftigungswachstum. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr gut 41.000 Neugründungen, rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist bundesweite Spitze. In Berlin werden fast so viele neue Digitalunternehmen gegründet wie in Hamburg und München zusammen. Seit vier Jahren entsteht im Schnitt alle 20 Stunden ein neues Digitalunternehmen. Und wir sind immer noch Start-up-Hauptstadt. (cr)

Wirtschaftsstandort Berlin: Immer mehr Betriebe in der Hauptstadt

Der Wirtschaftsstandort Berlin ist bei Betrieben weiterhin sehr beliebt. Dies ergeben jüngste Berechnungen der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auf Grundlage aktueller Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Immer mehr Betriebe zieht es in die Hauptstadt

Berlin hat weiterhin einen starken Zuwachs an Betrieben zu verzeichnen. So ist die Zahl der Betriebe mit mindestens einer sozialversicherungspflichtig tätigen Person in den letzten drei Jahren um 5,6 Prozent auf rund 98.800 gestiegen. In absoluten Zahlen bedeutet dies knapp 5.300 mehr Betriebe, die sich in Berlin angesiedelt haben. Im Vergleich: Bundesweit gab es gerade einmal einen Anstieg von 1,3 Prozent. Sowohl bei den kleinen als auch bei den mittelgroßen und großen Betrieben waren die Zuwachsraten in der Hauptstadt in den Jahren 2015 bis 2018 stets höher als im Rest der Republik.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zu den Entwicklungen des Wirtschaftsstandortes: „Der Standort Berlin entwickelt sich hoch dynamisch. Dies bestätigt der Zuwachs an Betrieben, der deutlich stärker ausfällt als im Bundesdurchschnitt und ein weiteres Indiz für die Wachstumskräfte in der Hauptstadt ist. Auch für das laufende Jahr rechne ich mit wirtschaftlichem Aufschwung in Berlin. Das Wichtigste: Die Wirtschaftsentwicklung kommt bei den Berlinerinnen und Berlinern an. Mit der wachsenden Zahl an Betrieben ist ein deutliches Plus an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung verbunden.“

Wirtschaftsstandort Berlin: Mehr Betriebe mehr Arbeitsplätze

Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse in Berlin hat sich in den vergangenen drei Jahren um 12,6 Prozent erhöht. Insbesondere kleine, mittelgroße und große Betriebe haben daran Anteil. Allein 10 Prozent des Zuwachses an Beschäftigungen erfolgten hier. Bundesweit lag die Zuwachsrate nur bei 6,8 Prozent.

Viele Dienstleistungsbetriebe in Berlin

Vor allem für die Dienstleistungsbranche scheint Berlin attraktiv zu sein. Gut neun von zehn der neuen Betriebe in den letzten drei Jahren waren in diesem Wirtschaftsbereich. Dadurch ist die Dienstleistungsbranche ein zentraler Impulsgeber für Berlin. Gerade bei den Informations- und Kommunikationsdienstleistungen gab es einen starken Branchenzuwachs. Hier ist die Zahl der Betriebe um etwa 18 Prozent gestiegen. (aw)

Frauentag: Neuer Feiertag für die Bundeshauptstadt

Es ist beschlossene Sache: Berlin bekommt 2020 einen neuen gesetzlichen Feiertag. Der Internationale Frauentag am 8. März wird zukünftig für die Berliner ein arbeitsfreier Tag sein. Für diese Entscheidung erhielt die rot-rot-grüne Landesregierung jedoch nicht nur Beifall.

Der Internationale Frauentag ist ab 2020 Feiertag in Berlin

Nachdem am Donnerstag das Abgeordnetenhaus mehrheitlich eine entsprechende Gesetzesnovelle beschloss, ist der Internationale Frauentag ab dem 8. März 2020 ein gesetzlicher Feiertag in Berlin. Außerdem wurde festgelegt, dass auch der 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2020 einmalig ein arbeitsfreier Tag sein wird.
Bisher hatten die Berliner lediglich neun Feiertage – so wenige wie kein anderes Bundesland. Mit dem Frauentag sind es nun zehn. Im Vergleich: In Bayern, dem Bundesland mit den meisten Feiertagen in der Bundesrepublik, wird an dreizehn Tagen im Jahr nicht gearbeitet.

Frauentag als gesetzlicher Feiertag: Entscheidung umstritten

Die Berliner SPD, die den Internationalen Frauentag vorgeschlagen hatte, empfindet diesen Beschluss als wichtigen Schritt für die Gleichstellung von Mann und Frau: „Der heutige Tag ist ein ganz großes Zeichen dafür, dass wir auf dem Weg der Gleichstellung von Frau und Mann weiterkommen. Aber auch ein Zeichen dafür, dass noch sehr viel vor uns liegt. Dieser Erfolg gibt uns weiblichen Politikerinnen noch einmal extra viel Motivation, dass wir unseren Kampf für eine gerechtere Gesellschaft, für gleiche Rechte und gleiche Chancen auch für die Frauen fortsetzen“, so Derya Caglar, gleichstellungspolitische Sprecherin SPD-Fraktion. Auch Anja Kofbinger, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion befürworte die Wahl, da es sich um einen religionsunabhängigen Feiertag handle, der gut zum multireligiös und atheistisch geprägten Berlin passe.

Die Berliner Wirtschaft hingegen spricht von einem teuren Wahlgeschenk für die Berliner. „Den zusätzlichen Feiertag kann sich Berlin überhaupt nicht leisten. Das Land verzichtet ohne Not auf 160 Millionen Euro Wirtschaftsleistung. Der Abstand zum Bundesdurchschnitt wird damit noch größer. Trotz der zuletzt guten Jahre mit ordentlichem Wachstum darf Berlin noch lange nicht die Hände in den Schoß legen. Das zeigen auch die jüngsten Daten zum Länderfinanzausgleich: Wer 4,4 Milliarden Euro von anderen Ländern bezieht, sollte alles daran setzen, seine Wirtschaftskraft zu steigern, um nicht länger Kostgänger zu sein“, betont Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK Berlin, hält den Feiertag aus Sicht der Wirtschaft schlicht für eine Fehlentscheidung.

CDU, FDP und AfD kritisieren vor allem die Wahl des Tages. Für geeigneter hielten die Oppositionsparteien den Reformationstag am 31. Oktober. Er ist bereits in den anderen Ost- sowie in den Nordländern ein Feiertag.

Internationaler Frauentag – zum Hintergrund

Der Internationale Frauentag hat seinen Ursprung in der Konferenz sozialistischer Frauen im Jahr 1910 in Kopenhagen. Initiatorin war damals die Frauenrechtlerin Clara Zetkin. Ursprünglich fand der Frauentag am 19. März statt, erst später setzte sich dann der 8. März durch. Bei den damit verbundenen Kundgebungen in Deutschland gehörte vor allem die Einführung des Frauenwahlrechts zu den wichtigsten Forderungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Frauentag in der Bundesrepublik kaum noch eine Bedeutung. In der DDR hingegen wurde ab 1947 offiziell gefeiert, um Gleichberechtigung zu fördern und die Arbeit der Frauen zu würdigen. Ab 1970 gewann dann, befeuert durch die damalige Frauenbewegung, der Frauentag auch im Westen an Bedeutung. (aw)

Girls` Day – Berufsorientierungsprojekt für Mädchen geht in die nächste Runde

Unter dem Motto: „ Entdecke deine Talente in Handwerk, Industrie, Technik, Informatik, Wissenschaft und Forschung“ findet am 28. März 2019 erneut der Girls` Day-Mädchenzukunftstag statt. Wieder sind Unternehmen und Organisationen aufgerufen, Schülerinnen die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten auszuprobieren.

Melden Sie Ihr Unternehmen zum Mädchen-Zukunftstag an.

© girls-day.de | Gordon Welters

Girls`Day – Mädchen entdecken ihre Talente

Seit dem Start 2001 haben insgesamt rund 1,9 Millionen Mädchen an dem Projekt teilgenommen. Jedes Jahr beteiligen sich Unternehmen und Organisationen mit rund 10.000 Veranstaltungen. Damit ist der Girls` Day das weltweit größte Berufsorientierungsprojekt, welches sich gezielt an Schülerinnen richtet. Die Möglichkeit, ihre Kompetenzen in den Bereichen Handwerk, Industrie, Technik, Informatik, Wissenschaft und Forschung auszutesten, erfreut sich jedes Jahr großer Beliebtheit bei den Mädchen.

Das Besondere an dieser Veranstaltung ist, dass die Mädchen und jungen Frauen Einblick und Perspektiven jenseits der traditionellen Berufswahl, frei von Geschlechterklischees und Rollenzuschreibungen, bekommen. Darüber hinaus erhalten sie die Möglichkeit, Frauen in Führungspositionen aus Wirtschaft und Politik, die eine Vorbildfunktion einnehmen, zu begegnen.

Aufruf an Organisationen, Betriebe und Hochschulen

Am 28. März 2019 findet wieder deutschlandweit der Girls` Day für Mädchen ab der 5. Klassenstufe statt. Wie bereits in den vergangenen Jahren übernimmt der Bezirksbürgermeister von Reinickendorf Frank Balzer die Schirmherrschaft über den Mädchenzukunftstag 2019.

Ihr Angebot können Sie kostenlos über die Aktionslandkarte:

www.girls-day.de

eintragen.

Diese Plattform nutzen interessierte Mädchen, Eltern und Lehrkräfte zur Aktionssuche und Kontaktaufnahme. Die Mädchen werden Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation etwa drei bis vier Stunden besuchen.

(aw)

Siemens errichtet Innovations-Campus in der Hauptstadt

Der von Siemens geplante Innovationscampus mit Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro wird in Berlin verwirklicht. Eine Investition dieses Umfangs durch ein einzelnes Unternehmen hat es in Berlin seit Jahrzehnten nicht gegeben. Diese Standort-Entscheidung hat Siemens getroffen, mit der Berliner Landesregierung wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Der Konzern plant, auf einem Areal von 35 Hektar einen Campus mit Büros, Labors, Forschungsflächen und Wohnungen und ein Hotel zu errichten. Die Forschungsbereiche Energiesysteme, Elektromobilität, Industrie 4.0, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz sollen an dem Standort angesiedelt werden. Es handelt sich um die größte Investition des deutschen Weltkonzerns an seinem Gründungsort.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sprach von einem „sehr guten Tag für Berlin“, nicht nur für den Wissenschaftsstandort, sondern für alle Bürger. Siemens-Chef Joe Kaeser sagte, es gehe darum, „Arbeiten und Leben an einem Ort zu verbinden.“

Enge Zusammenarbeit mit dem Bezirk Spandau

Zur Wahl stand entweder eine große Investition am historischen Standort Berlin an der Nonnendammallee oder ein Zukunftscampus auf der grünen Wiese am Rande einer asiatischen Metropole. Wenn es nicht Berlin würde, wäre das Projekt international ausgeschrieben worden.

„Diese Entscheidung ist gut für Siemens, für Berlin und für Spandau“, so der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. „Damit wird die Siemensstadt wieder das, was sie einmal war: Ein Ort für Erfindergeist in Verbindung mit wirtschaftlichem Erfolg. Dafür stand und steht zukünftig wieder der Gründungsort des Weltkonzerns Siemens.“

Mit dem Innovationscampus erweitert sich das Entwicklungsband West noch einmal beträchtlich. In den Fragen der Infrastruktur erwartet Spandau nun vom Berliner Senat, dass er die offenen Fragen des öffentlichen Personennahverkehrs für das gesamte Entwicklungsband West schnell beantwortet und die notwendigen Maßnahmen mit höchster Priorität vorantreibt. Dazu zählen z. B. der Wiederaufbau der Siemensbahn oder eine schneller Anschluss des Innovationscampus an das zukünftige Entwicklungsgebiet Tegel. Dabei sollte im Sinne des Innovationscampus geprüft werden, ob neue zukunftsträchtige Technologien zum Einsatz kommen könnten.

Ein Zeichen für die starke Wirtschaftsentwicklung der Stadt

Das Bezirksamt war von Anfang an in die ressortübergreifende Arbeitsgruppe eingebunden. Es wird die Entwicklung des Innovationscampus mit großer Intensität und in ressortübergreifender Zusammenarbeit unterstützen. Dies betrifft etwa die Entwicklung des Planungsrechtes und die Fragen der Infrastruktur. Damit setzt Spandau die Tradition der guten und intensiven Zusammenarbeit mit Siemens fort. Die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe hat einmal mehr gezeigt: Berlin kann sehr viel mehr, als der Stadt derzeit nachgesagt wird. Der gemeinsame Wille hat zum Erfolg geführt. Dennoch: Jetzt erst beginnt die Arbeit so richtig.

Applaus kommt auch von der IHK Berlin: „Die Entscheidung des Siemens-Vorstandes, den geplanten Innovationscampus in Berlin zu verwirklichen, ist ein großartiger Beleg für die starke Wirtschaftsentwicklung der Stadt“, so IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm. „Berlin ist ein herausragender Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion. Unternehmen wie Siemens vereinen diesen Dreiklang und finden in der Hauptstadt den Nährboden dafür. Denn die Industrie der Zukunft setzt auf Kreativität, Internationalität und digitale Vernetzung – allesamt Qualitäten, die sich an wenigen Standorten weltweit so dynamisch entwickeln wie in Berlin. Die Siemens-Entscheidung zeigt außerdem, dass sich aktive Wirtschaftspolitik und konstruktives Entgegenkommen für Unternehmen, Senat und damit die ganze Stadt lohnen.“

Siemens statt Google: Pluspunkt für Spandau

Letztlich haben wohl mehrere Gründe die Siemens-Vorstände von Berlin überzeugt. Der Konzern muss sowieso etwas anfangen mit seinen nicht voll ausgenutzten Flächen in der Siemensstadt. Zudem ist Berlin als Ort für die Rekrutierung von jungen Talenten wirklich eine gute Wahl. Außerdem verhandelt der Konzern völlig unabhängig von dem großen Immobilieninvestment seit Monaten mit dem Land Berlin über einen Forschungs- und Entwicklungscampus für 60 Millionen Euro.

„Das ist in dieser Woche ein gutes Signal, nachdem das mit Google passiert ist“ sagte der CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff. Er bezog sich auf die Entscheidung des amerikanischen Internet-Giganten, auf ein geplantes Start-up-Zentrum in Kreuzberg nach Protesten aus der Nachbarschaft zu verzichten.

Siemens hat lange Tradition in Berlin

Das deutsche Traditionsunternehmen Siemens hat seine Wurzeln in Berlin. Die Stadt ist der Gründungsort des Konzerns, im Bezirk Spandau entstand ab 1900 der nach dem Unternehmen benannte Stadtteil Siemensstadt mit Fabriken und Werkssiedlungen. Der Innovationscampus soll auf dem Gelände entstehen, auf dem sich das alte Dynamowerk und das Schaltwerk befinden. Berlin ist noch heute der größte Produktionsstandort von Siemens mit mehr als 11.000 Mitarbeitern. (ak)

31. Leadership Lounge: Die neue Arbeitswelt gestalten

„New Work – Wie machen es die anderen?“ Zu dieser Frage werden Referenten aus der Berliner Wirtschaft bei der 31. Leadership Lounge am 29. November in Berlin Einblicke in die gelebte Praxis geben. Denn die Arbeitswelt verändert sich rasant. Alte Methoden müssen neuen Formen der Zusammenarbeit weichen. Wer nicht aufpasst, verliert schnell den Anschluss. Ein Panel aus renommierten Fachleuten wird hierbei zu den Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 Stellung beziehen.

31. Leadership Lounge: Drei Vorträge zum Umgang mit der Vuca-Welt

André Wilhelmi ist People Manager bei der FlixMobility Tech GmbH. Die Firma hinter den grünen Flixbussen arbeitet mit einer innovativen Methode der zielgerichteten Unternehmenssteuerung: „Objectives and Key Results“ (OKR). Dieses Management-System wurde von Tech-Konzernen wie Google bekannt gemacht und wird zur Steuerung bei sich schnell ändernden Gegebenheiten eingesetzt. Was hat es damit genau auf sich? Und wie können andere Unternehmen von der Leadership-Erfahrung von FlixMobility Tech profitieren? Diese und weitere Fragen wird André Wilhelmi in seinem Vortrag beantworten.

Dr. Sascha Fagel ist Technischer Leiter bei der KV Telematik GmbH. Er wird von der Einführung von agilem Projektmanagement (Scrum) in seinem Unternehmen berichten. Der Schwerpunkt des Vortrags liegt auf der Umsetzung agiler Methoden innerhalb klassischer Strukturen im Gesundheitssystem. Wie die Mischung aus gewachsenen Strukturen und innovativen Strategien gelingen kann, wird Sascha Fagel anhand von Beispielen aus seiner Praxis zeigen.

In einem weiteren Vortrag gibt Dr. Heike Hartrath von der Daimler AG Einblicke, wie sich ein Konzern konsequent in Richtung moderne Leadership Culture entwickelt, wie Aufbruchstimmung das Unternehmen erfasst, aber auch welche Wiederstände es gibt.

Das renommierte Networking-Event in Berlin

Die „Leadership Lounge“ wird bereits seit 2009 regelmäßig von der Change Management Beratung berliner team und dem SEMINARIS Campus Hotel gemeinsam veranstaltet und gehört zu den wichtigsten Networking-Veranstaltungen in der deutschen Hauptstadt. Hier treffen sich Manager, HRler und Unternehmer mit Wissenschaftlern zum Austausch. Experten nutzen die zudem Gelegenheit, um spannende Kollegen und neue Leute kennenzulernen. Führungskräfte finden hier Inspirationen für die eigenen Zukunftsstrategien. Neben interessanten Vorträgen gibt es nicht zuletzt leckeres Essen und guten Wein zum Genießen. (red)

Robuste Aufschwungphase in Berlin hält an

Die Berliner Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer robusten Aufschwungphase. Für 2018 rechnet die Investitionsbank Berlin (IBB) mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 2,7%, nach 3,1% in 2017. Damit bleibt die Wachstumsdynamik in Berlin erneut höher als der bundesdeutsche Durchschnitt (1,9%), auch wenn sie sich im weiteren Verlauf langsam  abschwächt. Auch der Arbeitsmarkt setzt die positive Dynamik im vierten Quartal leicht gebremst fort. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im Juli im Vorjahresvergleich noch einmal deutlich um 49.500 auf 1,48 Mio. gestiegen. Mit einer Wachstumsrate von 3,5% liegt Berlin an der Spitze aller Bundesländer und 1,3 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt.

Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender der Investitionsbank Berlin, begrüßt diese Aufschwungphase: „In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin um insgesamt 165.000 erhöht. Einen großen Anteil daran hat die Digitalwirtschaft, die sich in Berlin sehr wohl fühlt. Hier ist nach aktuellen Berechnung der IBB-Volkswirte jeder 7. neue Job in Berlin entstanden.“

Allerdings, so die Analyse der Volkswirte, führt das anhaltende Wachstum zu einer Überauslastung der Berliner Wirtschaft und es kommen zunehmend bremsende Effekte zum Zuge. Vor allem Fachkräfteknappheit belastet die schon seit langem expandierende Wirtschaft zunehmend. Die daraus resultierenden Kapazitätsengpässe machen vor allem der Bauindustrie und den unternehmensnahen Dienstleistungen zu schaffen.

Industrie in der Aufschwungphase

Lagen die Auftragseingänge der Berliner Industrie im Zeitraum Januar bis August 2017 noch fast 12% unter dem Vorjahreswert, wurde in 2018 im selben Zeitraum ein Anstieg der Industriebestellungen von 2,1% gemeldet. Nachdem die Berliner Industrie das Bruttoinlandsprodukt 2017 mit einem Rückgang um 400 Mio. EUR belastet hatte, dürfte sie 2018 wieder positiv zum Wirtschaftswachstum der Stadt beitragen. In den ersten acht Monaten 2018 sind die Umsätze der Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereits um 2,0% gestiegen.

Wachstum bei Dienstleistungen

Die Betriebe im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen haben im ersten Halbjahr 2018 mit einem Umsatzwachstum von 3,4% gegenüber dem Vorjahreshalbjahr ein robustes Ergebnis erreicht, das jedoch hinter dem von 2017 zurückbleibt (+9,5%). Die Umsätze in diesem Wirtschaftssegment belaufen sich auf rund 32 Mrd. EUR, knapp 30% der Umsätze in Berlin insgesamt.

Sinkende Baugenehmigungen

Seit 2011 sind im Schnitt Jahr für Jahr 40.000 Menschen nach Berlin gezogen. In der deutschen Hauptstadt besteht deshalb dringender Bedarf nach Wohnungen. Nötig wären pro Jahr mindestens 20.000 neue Wohnungen, allerdings wurden in 2017 nur 15.669 neue Wohnungen in Berlin fertiggestellt. Grund ist der rekordhohe Überhang an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, der derzeit bei 58.460 liegt (+15% gegenüber Vorjahr).

Zudem sind im Zeitraum Januar bis August 2018 die Baugenehmigungen wieder rückläufig. So wurden nur noch 15.856 Wohnungen genehmigt (-1% gegenüber dem Vorjahreszeitraum), darunter 13.389 Neubauten (-19%). Die Bedarfslücke am Immobilienmarkt lässt sich kurzfristig nicht vollständig schließen. Vor allem der Fachkräftemangel in vielen Bau- und Handwerksberufen, fehlende Kapazitäten, aber auch immer komplexere Bauvorschriften, schwieriger zu erschließende Grundstücksflächen, langwierige öffentliche Debatten und steigende Baukosten bremsen die Bautätigkeit. Für 2018 und 2019 prognostizieren die Volkswirte der Investitionsbank Berlin rund 16.500 bzw. 18.500 fertiggestellte Wohnungen und damit einen leichten Anstieg gegenüber 2017. In den ersten acht Monaten 2018 stiegen die Umsätze im Bauhauptgewerbe deutlich um 19,2% auf 2,8 Mrd. EUR. Und auch bei den Bauauftragseingängen konnte gegenüber dem Vorjahreszeitraum in diesem Zeitraum ein Plus von rund 28,1% verbucht werden. Die Bauwirtschaft wird auch 2018 positiv zum Berliner Wachstum beitragen. (red)

Berliner Konjunktur-Bericht: Ein goldener Herbst

95 Prozent der Berliner Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als gut oder zufriedenstellend. Das ergab die traditionelle Umfrage zur Konjunktur im Herbst von Handwerkskammer Berlin und IHK Berlin, bei der mehr als 1200 Unternehmen mitgemacht haben. Auch die Geschäftserwartungen sind weiterhin optimistisch. Getrübt wird die Hochstimmung der Unternehmen lediglich durch den zunehmenden Fachkräftemangel.

Nie zuvor liefen die Geschäfte der Berliner Unternehmen so gut wie in den vergangenen sechs Monaten. Beim Handwerk erreicht der Geschäftsklimaindex mit 139 Punkten neue Rekordwerte. Bei 66 Prozent der Unternehmen laufen die Geschäfte gut, lediglich fünf Prozent der Befragten berichten von einer schleppenden Geschäftstätigkeit.

Grenzen des Wachstums

Die Unternehmen blicken auch weiterhin optimistisch in die Zukunft, jedoch sind die Geschäftserwartungen im Vergleich zum Frühjahr leicht rückläufig. Der Erwartungsindikator, der sich aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen saldiert, verliert vier Zähler. Ein Saldo von 28 Punkten ist zwar weiterhin ein hervorragender Wert, zeigt aber auch, dass viele Berliner Unternehmen trotz immer besser laufender Geschäfte Grenzen des Wachstums sehen.

Ein Grund dafür ist die angespannte Fachkräftesituation, die den befragten Unternehmen zunehmend Sorge bereitet: 74 Prozent der Befragten sehen den Fachkräftemangel als Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung – im vergangenen Jahr waren es 62 Prozent. Über alle Branchen hinweg will mehr als jedes dritte Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen. Oft bleibt die Suche nach Fachkräften jedoch erfolglos.

Konjunktur im Handwerk gut wie nie

„Die Konjunktur im Handwerk ist wie der Sommer in diesem Jahr – der Sonnenschein am Himmel über Berlin hört einfach nicht auf. Die Geschäftsergebnisse und auch die Erwartungen sind so gut wie noch nie. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Trend sich verändern wird“, findet Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. Der Baubereich im Handwerk boome und sei einer der Motoren der Konjunktur dieser Stadt. „Berlin ist und bleibt eine Baustelle – und das ist auch gut so“, sagt Wittke.

Diese Einschätzung teilt auch Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin: „Die Berliner Unternehmen wachsen und überzeugen weltweit auf den Märkten. Berlin ist wichtigster deutscher Standort für digitale Geschäftsmodelle, etwa Fintechs, die zum dynamischen Treiber des Aufschwungs der Stadt geworden sind.“ Doch wachse der Standort nicht schnell genug mit den Berliner Unternehmen und ihren Märkten mit. Immer mehr Unternehmen melden Wachstumsrisiken an – weil Flächen, Fachkräfte, Verkehrs- und Digitallösungen fehlen. „Diese Effekte summieren sich und gefährden mittelfristig den Aufschwung der Stadt. Berlin muss an seiner strukturellen Fitness als Wirtschaftsstandort arbeiten. Der Senat muss in Infrastruktur und Bildung investieren, Gewerbeflächen sichern und entwickeln. Sonst stößt der Konjunkturboom an seine Grenzen“, warnt Edger.

Die Ergebnisse teilen sich wie folgt auf die spezifischen Branchen auf:

Handwerk

Das Berliner Handwerk ist in Hochstimmung. Der Geschäftsklimaindex – der sowohl die aktuellen Einschätzungen der Geschäftsergebnisse der letzten sechs Monate als auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden sechs Monate einschließt – bricht alle bisherigen Rekorde. Aktuell steht er bei 139 Punkten. Damit wird das bisherige Allzeithoch aus dem Herbst 2017 um weitere sechs Zähler übertroffen. In keiner der Umfragen seit 1991 waren die die Messwerte so gut. Sowohl der Saldo aus den Meldungen zu den erreichten Geschäftsergebnissen (54 Punkte) als auch der Erwartungshaltungs-Saldo (25 Punkte) erreichen absolute Spitzenwerte. Hintergrund dieser ausgezeichneten Stimmungslage sind die anhaltend gute Auftragslage sowie die starke Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen der Berliner Handwerksunternehmen.

Bauindustrie

In einer stark wachsenden Stadt wie Berlin gibt es naturgemäß einen großen Bedarf an Wohn- und Gewerberaum sowie an öffentlicher Infrastruktur. Entsprechend gut geht es der Berliner Bauindustrie. 80 Prozent der Unternehmen berichten von guten Geschäften, bei lediglich einem Prozent der Betriebe laufen die Geschäfte schlecht. Der Saldo von 79 Punkten entspricht dem besten jemals gemessenen Wert. Angesichts der sehr guten Konjunktur zweifeln einige Unternehmen inzwischen, dass die Geschäfte noch besser laufen werden – daher gehen die Erwartungen leicht zurück und der Saldo sinkt um acht auf nunmehr 15 Zähler. Nahezu alle Betriebe der Bauindustrie haben Sorgen wegen des Fachkräftemangels: 97 Prozent der Unternehmen benennen diesen Faktor als größtes Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. Lediglich drei Prozent der Betriebe rechnen für die Zukunft mit einem Personalabbau. Von einer steigenden Beschäftigtenzahl gehen 19 Prozent der Betriebe aus.

Handel

Der Handel scheint konjunkturellen Gegenwind zu spüren: Der Saldo zur aktuellen Geschäftslage sinkt zum zweiten Mal in Folge und beträgt aktuell 40 Punkte. Jedes zweite Berliner Handelsunternehmen  bewertet die aktuelle Lage als gut, nur jedes zehnte berichtet von einer schlechten Geschäftslage. Auch bei der Einschätzung für die kommenden Monate sind die Unternehmen weniger zuversichtlich: Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Erwartungen fällt auf 15 Punkte. Dementsprechend gehen auch die Investitionsabsichten zurück. Die Branche stellt sich auf unruhigere Zeiten ein, der Aufbau von Beschäftigung wird sich voraussichtlich verlangsamen.

Gastgewerbe

Der extrem warme und trockene Sommer hat bei den Unternehmen des Berliner Gastgewerbes zu einem neuen Höhenflug geführt. Rund 70 Prozent der Unternehmen sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, nur etwa jedes zehnte schätzt die Lage eher negativ ein. Damit erreicht der Indikator mit 61 Punkten wieder ein erfreulich hohes Niveau. Die Erwartungen der Unternehmen bleiben stabil auf einem Kurs um die 30 Punkte. Die Investitionsabsichten bewegen sich weiterhin auf einem hohen Level – hier wurde ein Indexwert von 40 Punkten ermittelt. 87 Prozent der Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterzahl konstant halten, acht Prozent wollen neu Arbeitskräfte einstellen. Fünf Prozent hingegen gehen von einer sinkenden Mitarbeiterzahl aus. Auch für diese Branche ist der Fachkräftemangel das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung.

Dienstleistungsunternehmen

Dass die Berliner Konjunktur seit Jahren floriert, liegt zum großen Teil an der Dienstleistungsbranche. Sie setzte auch im Herbst 2018 positive Impulse. 70 Prozent der Unternehmen sprechen von guten Geschäften, lediglich drei Prozent sind unzufrieden. Allerdings scheint wegen der guten Geschäftslage der Spielraum für weitere Verbesserung ausgereizt – die Zahl der Stimmen, die weitere Verbesserungen der Geschäfte erwarten, nimmt ab. Dies ist nicht zuletzt der angespannten Fachkräftesituation geschuldet, die für drei Viertel der Betriebe ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellt. 42 Prozent der Betriebe möchten neue Stellen schaffen, ob diese Pläne umgesetzt werden können, ist aufgrund des Fachkräfteengpasses aber fraglich. (red)

 

Veranstaltungen

Tag der Deutschen Industrie 2019

Der TDI 2019 reflektiert Politik, Tech-Trends und Wettbewerbsfähigkeit. Das Thema Europa steht im Fokus. Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen resultieren aus dem Brexit und der Europawahl? Was ist nötig, um Europas Stabilität und Innovationskraft zu stärken?

Mehrere Bühnen und Foren bieten Raum für die gemeinsame Suche nach Antworten, Meinungen und Analysen. Der TDI ist die größte Industriekonferenz des BDI.

LANGE NACHT DER INDUSTRIE 2019

Die LANGE NACHT DER INDUSTRIE (kurz LNDI) verbindet: die Industrie als Innovations- und Wirtschaftskraft mit den Menschen der Region.

Berlin ist ein technologie- und wissensgetriebener Industriestandort mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften. Neben namhaften großen industriellen Arbeitgebern wird die Industrielandschaft der Hauptstadt, die sich durch einen breiten Branchenmix auszeichnet, durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt, unter ihnen auch viele Weltmarktführer, Hidden Champions und innovative Start-ups.

Im Fokus der industriepolitischen Aktivitäten stehen die Zukunftsthemen Industrie 4.0, Smart City, Digitalisierung, Intelligente Mobilität und 3D-Druck.

Faszinierende Unternehmen jeder Größe und vieler Branchen öffnen an diesem Abend ihre Tore und empfangen Schüler*, Studierende, Arbeits- und Ausbildungsplatzsuchende, Berufstätige vom Helfer bis zum Akademiker und interessierte „Nachbarn“. Zu entdecken – häufig erstmalig – gibt es mitreißende Herstellungsprozesse, vielfältige Produkte und zukunftssichere Berufsbilder.

(Anmeldung erforderlich)