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„In Berlin werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen“

Im Gespräch mit Ute Jacobs, Geschäftsführende Direktorin des Estrel Berlin

„Tagen, Wohnen, Entertainment – Alles unter einem Dach“. So lautet das Motto des Estrel Berlin. In einem Gebäudekomplex verbindet sich ein Vier-Sterne-Hotel mit dem Estrel Festival Center und dem multifunktionalen Estrel Congress Center. Hier finden jedes Jahr etwa 1.800 Veranstaltungen statt.

Bereits seit 1999 gehört zu Ihrem Hotel das Estrel Congress Center. Wie kam es damals zu der Idee, an das Hotel ein Kongresszentrum anzuschließen?

Vor 1999 verfügte das Estrel Hotel lediglich über den Estrel Saal mit 1.050 Quadratmetern als größtem Tagungsraum sowie viele kleinere Räume für Veranstaltungen. Sehr schnell wurde deutlich, dass das bei Weitem nicht ausreicht. Unsere Kunden benötigten größere Veranstaltungsräume, die auch Events mit mehreren Tausend Gästen ermöglichten. In weiser Voraussicht hatte Estrel-Eigentümer Ekkehard Streletzki für sein Prestigeprojekt ein ausreichend großes und baulich perfekt erweiterbares Grundstück entlang der Ziegrastraße erworben, sodass der Bau des Estrel Congress Center schnell und unkompliziert umgesetzt werden konnte. 2015 wurde das Congress Center nochmals auf insgesamt 25.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche vergrößert und in diesem Jahr haben wir mit einem weiteren 3.500 Quadratmeter großen Anbau begonnen. Diese Entscheidungen haben sich als absolut richtig erwiesen, denn das Estrel hat sich mittlerweile auch international einen Namen als ausgezeichnete Kongresslocation gemacht.

Estrel Berlin

Das Motto des Estrel Berlin: „Tagen, Wohnen, Entertainment – Alles unter einem Dach“ Foto: Estrel Berlin/Manuel Frauendorf

Was zeichnet Berlin als Tagungs- und Kongressstandort im Vergleich zu anderen Standorten in Deutschland aus?

Berlin ist mit seiner bewegten Geschichte, kulturellen Vielfalt, Freiheit und Toleranz nach wie vor eine der attraktivsten Städte der Welt und zieht jährlich Besucher in zweistelliger Millionenhöhe an. Dies macht Berlin natürlich auch als Tagungs- und Kongressstandort sehr attraktiv. Zudem werden in Berlin als Regierungssitz alle wichtigen Entscheidungen getroffen, sodass die Hauptstadt für viele Unternehmen, Verbände und Organisationen „Pflichtstandort“ ist. Einzigartig ist auch die Startup-Szene in Berlin. Keine andere Stadt in Deutschland zieht so viele Gründer und Investoren an.

Haben sich in den letzten Jahren die Sicherheitsanforderungen bei Tagungen und Kongressen verschärft?

Aufgrund vergangener terroristischer Anschläge auf Großveranstaltungen oder das Loveparade-Unglück 2010 in Duisburg sind die Sicherheitsanforderungen in den vergangenen Jahren deutlich stärker in den Fokus gerückt, insbesondere von Seiten der Veranstalter. Das Estrel trägt diesem Anspruch natürlich Rechnung und arbeitet von Anfang an mit ausgewiesenen Sicherheitsexperten zusammen, mit denen für jede Veranstaltung das passende Sicherheitskonzept entwickelt und umgesetzt wird.

Ihr neustes Projekt ist der Estrel Tower. Wie geht es damit voran?

Derzeit laufen alle Planungen und Vorbereitungen, um Mitte nächsten Jahres den Baubeginn einzuleiten. (aw)

SOS-Kinderdorf: „Botschaft für Kinder“ zieht Bilanz nach erstem Jahr

In Berlin gibt es 159 Botschaften von Staaten aus aller Welt. Eine weitere Gesandtschaft residiert nicht im vornehmen Botschaftsviertel, sondern in der Lehrter Straße 66 im ehemaligen Arbeiterquartier Moabit. Vielleicht ist es die wichtigste Vertretung in der Hauptstadt überhaupt: die „Botschaft für Kinder“. In der Eingangshalle präsentiert ein „Baum der Wünsche“ die Sehnsüchte nach einer Welt, in der sie es besser haben: „Alle bleiben gesund und haben mehr Freunde“, ist in bunter Kinderschrift aufs Papier gemalt.

Wir sind im  Inklusionshotel Rossi, ein Ausbildungsbetrieb für sozial benachteiligte Jugendliche. Das Rossi ist ein gemeinnütziger Betrieb der SOS Kinderdörfer. Ein Infozentrum in der Lobby stellt die Arbeit der Kinderdörfer vor. Diese etablieren das Hotel nicht nur als berufliche Chance, sondern auch als politisches Forum. Für viele ist das Haus solch ein Ort, an dem es im eigenen Tempo vorangeht und keiner fürchten muss, unterzugehen. Im Juli 2017 gründet SOS Kinderdorf e.V. die Botschaft mit Ausbildungsbetrieb. Nach einem Jahr zieht der Inklusionsbetrieb mit seiner sozialpolitischen Botschaft Bilanz. Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. Ein Großteil der Einrichtung und der regionalen, kulinarischen Genüsse produzieren andere SOS-Kinderdörfer. Wer in einem  der 28 Hotelzimmer übernachtet, fördert zugleich das Projekt.

 

Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jakowiak

Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jakowiak

 

Die „Botschaft für Kinder“ als gesellschaftlicher Schutzraum

„Kinder und Jugendliche sollen hier eine starke Stimme entwickeln und Botschafter in eigener Sache sein. Wir nehmen ihre Ideen, Wünsche und Interessen ernst“, erklärt Kirsten Spiewack, Leiterin des SOS-Kinderdorfs in Berlin. Gegenseitiges Verständnis und Unterstützung beim Lernen im Betrieb spielen im Rossi eine wichtige Rolle. 40 Prozent der Mitarbeiter haben ein Handicap oder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Heute arbeiten sie Seite an Seite mit einem Teamkollegen ohne Behinderung und können sich jederzeit an das Ausbildungspersonal oder die Sozialpädagogin wenden. Sie gehen selbstständig auf Gäste zu, haben Eselsbrücken für ihre Rechenschwäche oder Taktiken für den Umgang mit ihrer Nervosität entwickelt.

Eine Erwähnung des Hotels als Inklusionsbetrieb ist in den seltensten Fällen nötig. Das Gefühl aufgehoben zu sein schafft eine Arbeitsatmosphäre, in der zwar alle aufeinander achten, aber sich niemand mit Samthandschuhen angefasst fühlt. „Wir freuen uns besonders, dass wir ein halbes Jahr nach der Hoteleröffnung mit dem ersten Platz beim Förderpreis des Wirtschaftskreises Mitte für unsere integrative Arbeit ausgezeichnet wurden“, sagt Martina Rook, Hotelleiterin des Rossi.

 

Das Inklusionshotel Rossi erhielt bereits im ersten Betriebsjahr den Förderpreis des Wirtschaftskreises Mitte. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jankowski

 

Konferenz, Kultur und soziales Engagement

Das Hotel bietet auch Tagungsräume an. In direkter Nähe zum Hauptbahnhof möchte man hier sein Potenzial noch weiter ausschöpfen und sich als attraktiver Standort positionieren. Doch auch hauseigene Veranstaltungen zu Themen, denen im Rahmen der Kinderdörfer eine Bühne gegeben werden soll, werden hier in Zukunft stattfinden. Die Kunst ehemaliger oder aktueller Bewohner der gemeinnützigen Einrichtungen wird hier ausgestellt. Das Inklusionshotel Rossi ist umgeben von kulturellen Sehenswürdigkeiten: dem Geschichtspark Zellengefängnis, der Kulturfabrik Moabit und dem Museums für Gegenwart im Hamburger Bahnhof. Auch das Brandenburger Tor, das Schloss Bellevue und der Reichstag werden schnell zu Fuß erreicht.

„Die Lobby für Kinder in schwierigen Lebenssituationen ist nicht groß. Die jungen Menschen, die wir hier ausbilden, brauchen dieses Angebot sehr dringend – und das wollen wir immer wieder ins Bewusstsein rufen“, erklärt Spiewack. Ihre verborgenen Talente können die Auszubildenden bei Kulturveranstaltungen erproben. Damit verschafft die „Botschaft für Kinder“ dem Projekt die notwendige Öffentlichkeit, um uns allen immer wieder in Erinnerung zu rufen, welche Werte im Leben wirklich zählen. (cn)