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Start-ups: Warum gründen Frauen seltener?

Unter den deutschen Start-ups sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Das geht aus dem Female Founders Monitor des Bundesverbands Deutsche Start-ups hervor. Der Anteil der von Frauen gegründeten Unternehmen ist zwar in den letzten Jahren gestiegen, liegt aber immer noch bei lediglich 14,6 Prozent. Zwar sind inzwischen bei 28 Prozent der Firmen Frauen als Mitgründerinnen vertreten. Doch alle anderen – also 72 Prozent der Start-ups – werden ausschließlich von Männern begründet.

Frauen sollten bei der Gründung besser unterstützt werden, fordert der Bundesverband. Start-ups seien zwar in dieser Frage oft fortschrittlicher als die meisten traditionellen Unternehmen. Es gebe aber auch hier einen deutlichen Nachholbedarf.

Allzu häufig haben Gründerinnen mit Vorurteilen und offener Diskriminierung zu kämpfen. Die Studie zeigt, wo das Problem liegt: bei der Finanzierung. Die meisten Gründungen greifen zwar auf Ersparnisse und Privatkredite zurück, egal ob Frauen oder Männer dahinterstehen. Außerdem gibt es Fördermittel vom Staat. Aber mit diesen Mitteln lässt sich in der Regel nur eine Anfangsphase überbrücken. Soll das Start-up wachsen, dann muss ein Investor hinzukommen. Weil Start-ups mit einem relativ hohen Risiko verbunden sind, kommt meist nur ein Wagniskapitalgeber infrage. Und bei denen liegt das Problem: Sie fördern eher Männer als Frauen.

„Nicht waghalsig genug“

Woran liegt das? Eine Forschergruppe aus Schweden ist dieser Frage in einer Studie nachgegangen. Zwischen 2009 und 2010 beobachteten die Wissenschaftler Bewerbungsgespräche und die Entscheidungen der Kapitalgeber. Dabei legten sie den Schwerpunkt auf die Sprache, mit der die Investoren über die Gründerinnen und Gründer sprachen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die gleichen Attribute wurden ganz unterschiedlich bewertet – je nachdem, ob es um einen Mann oder eine Frau ging.

Jungen Männern zum Beispiel wurde ihr Alter als positive Eigenschaft ausgelegt, sie galten aus Investorensicht als „vielversprechend“. Junge Frauen hingegen wurden kurzerhand als „unerfahren“ eingestuft. Also als benachteiligt. Auch bei der Frage der Risikobereitschaft kamen unterschiedliche Bewertungen zustande. Wenn Männer Vorsicht zeigten, sahen die Prüfer sie als „besonnen“ und „vernünftig“ an. Doch vorsichtigen Frauen wurde angekreidet, sie seien „nicht waghalsig genug“ für die Geschäftswelt. Besonders sexistisch: Bei den Frauen spielte ihr Aussehen eine Rolle, bei Männern war es nicht einmal eine Bemerkung wert.

„Einen kühlen Kopf bewahren“ – Gründerin Annette Goldstein

Positive Vorbilder können Gründerinnen Orientierung geben, glauben die Initiatorinnen der Genossenschaft WeiberWirtschaft in Berlin. Deshalb veranstalten sie einmal im Jahr Anfang Dezember einen Gründerinnentag. In diesem Jahr findet er am 7.12. statt. Dort können sich Existenzgründerinnen miteinander austauschen, ihre Ideen vorstellen und Netzwerke knüpfen. Darüber hinaus bietet die WeiberWirtschaft ganzjährig Beratungen an. Und sie vermittelt nicht zuletzt Mikrokredite an Frauen, die gründen wollen.

„Die Gründung eines eigenen Unternehmens ist vielleicht das Spannendste, was man im Leben machen kann“, sagt auch die Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin Annette Goldstein. In letzter Zeit berate sie immer häufiger weibliche Firmenchefs. Gerade in der Gründungsphase sei es entscheidend, „einen kühlen Kopf zu bewahren“. Besonders wichtig sei es aber auch, einen ordentlichen Businessplan auszuarbeiten und das Ziel auch dann nicht aus den Augen zu verlieren  wenn unerwartete Schwierigkeiten auftreten. Das sagt die Chefin einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, deren Gesellschaft laut Manager Magazin den acht besten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland gehört.

Doch mit der richtigen Einstellung allein ist es nicht getan. Leider gäbe es in Deutschland immer noch zu viele bürokratische Hürden für Selbständige. Die würden Frauen in einigen Fällen noch härter treffen als Männer, meint die Expertin. Einzelne Mikrokredite allein könnten das Problem nicht lösen, denn Existenzgründerinnen bräuchten ein zuverlässiges Sicherheitsnetz, sowohl in sozialer als auch in finanzieller Hinsicht. Doch um das zu schaffen, wird ein Umdenken bei den Investoren nötig sein. (red)

Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR): Mehr als Quoten im Sinn

Frauen können auf die Berliner Stadtreinigung (BSR) zählen: Längst ist sie nicht mehr nur in Männerhand. „Sozial, gerecht und fair“ lautet der Leitspruch des kommunalen Unternehmens als chancengerechter Arbeitgeber. BERLINboxx sprach mit der BSR-Vorstandsvorsitzenden Tanja Wielgoß über systematische Frauenförderung, persönliche Erfahrungen und was es für die BSR heißt, eine familienfreundliche Arbeitgeberin zu sein.

Mögen Sie es, wenn man Sie eine Powerfrau nennt?

Ach, ich frage mich oft, was der Begriff wirklich meint. Ich finde, dass die meisten Menschen bei den Dingen „Power“ entfalten, die ihnen Spaß machen und einen Sinn für sie ergeben. Außerdem stellt sich die Frage, was eigentlich die Power-Ladestationen sind. Für mich sind es beispielsweise meine Familie und meine Freunde, aber auch der Sport. Spannend ist, dass Kraft tanken und Kraft aufwenden oft eng beieinander liegen.

 

Die BSR-Vorsitzende Tanja Wielgoß zeigt sich in Aktion | Foto; Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)

Die BSR-Vorsitzende Tanja Wielgoß zeigt sich in Aktion | Foto: Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)

 

Was genau tut Ihr Unternehmen, um Frauen zu fördern?

Wir sind auf einem guten Weg und bereits in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv. Auch wenn wir als BSR mit 38 Prozent Frauen in den ersten drei Führungsebenen gut aufgestellt sind, fällt uns immer wieder auf, wo es noch besser gehen könnte. Wir haben uns 40 Prozent als Etappenziel Ende im kommenden Jahr gesetzt. Ich bin davon überzeugt, dass es eigentlich eine Geschlechterquote von 40 Prozent geben sollte – und zwar auch in Bereichen, in denen der Frauenanteil heute bei 70 bis 80 Prozent liegt. Wichtig ist mir auch die Besetzung von Positionen, auf denen es bis dato bei der BSR noch nie eine Frau gab. Das ist ein klares Zeichen. Allerdings wird es eine Herausforderung werden, die ersten Frauen in der körperlich anspruchsvollen Müllabfuhr willkommen zu heißen. In der Reinigung haben wir das schon geschafft. Ich bin zuversichtlich, dass das auch bei Müllabfuhr klappen wird.

Frauenförderung schließt nicht die Familienfreundlichkeit mit ein, oder?

Familienfreundlichkeit sehe ich separat von der Frauenförderung. Familienfreundlichkeit haben zwar die Frauen zuerst eingefordert, aber die Männer ziehen inzwischen nach und profitieren von der weiblichen Wegbereitung. Unser Unternehmen ist allerdings zu allererst für Müllentsorgung und Stadtreinigung zuständig. Damit verbunden ist natürlich Schicht- und Wochenendarbeit. Die Kollegen und Kolleginnen organisieren ihre Familienzeit jenseits der klassischen Zeiten. Wir versuchen natürlich kreativ zu sein: Neben einer verlässlichen und frühzeitigen Dienstplanung, haben die Höfe „Familientouren“ entwickelt und die zeitlich außerhalb der Schichten angesiedelt sind. Eine neue Maßnahme ist die örtliche Kinderbetreuung an Brückentagen – wenn viele Kitas oder Schulen zu haben. Es geht um eine Vielzahl kleinerer Dinge und vor allem um gegenseitiges Verständnis. Viele Ideen entwickeln unsere beispielsweise Beschäftigten selber. Denn sie kennen die betrieblichen Belange und ihre jeweilige Situation am besten. Die Kunst ist es, beides zusammen zu bringen. (lj)

Veranstaltungen

Plan W – Der Kongress

Frauen gestalten Wirtschaft: Das ist allgemein bekannt – oder vielleicht doch nicht? Immer noch glauben ja viele Unternehmen ohne oder mit nur wenigen Frauen in Führungspositionen auskommen zu können. Und bei Kongressen verirren sich mitunter nur wenige Referentinnen ins Programm. Beides ist nicht akzeptabel – und die Süddeutsche Zeitung will helfen, das zu ändern. Das Magazin „PLAN W Frauen verändern Wirtschaft“ bringt Geschichten über starke Frauen und zeigt, wie Wirtschaft weiblicher und anders wird. Es schildert die brennenden Themen der Zeit – Innovation, Gerechtigkeit, Umwelt, Digitalisierung, Führung – aus einem umfassenden Blick.

Die Eröffnungsrede hält Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die neue Frau an der Spitze der größten Partei in Deutschland und mutmaßlich nächste Bundeskanzlerin. Für den Abschluss angefragt ist Christine Lagarde, mächtige Frau der internationalen Finanzwelt. Mit dabei sind Spitzenfrauen aus Konzernen und aus dem Mittelstand, Forscherinnen, Wissenschaftlerinnen, Influencerinnen, Gründerinnen und Start-up-Unternehmerinnen. 20 Panels, Keynotes, Streitgespräche und neue, innovative Gesprächsformate und viel Zeit für Networking.

(Anmeldung erforderlich)

shift|F – Changemanagement für Frauen in Medienunternehmen

Um die digitale Transformation in der deutschen Medienbranche erfolgreich zu meistern, braucht es mehr gemischte Führungsteams, die Innovationsprozesse initiieren, gestalten und begleiten. Doch nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Hier setzt shift|F an.

shift|F richtet sich an Frauen aus dem mittleren bis höheren Management von Unternehmen und vermittelt gefragtes Fachwissen und Tools in den Bereichen Transformational Leadership, Innovations- und Changemanagement.

Das Programm richtet sich an Unternehmen aus den Bereichen: Film, TV, Radio, Publishing, IT, Games und Musik.

(Anmeldung erforderlich und gebührenpflichtig)