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Eröffnet der BER doch noch 2020?

Am Flughafen BER prüft der TÜV aktuell die Technik. Von 41 angesetzten Tagen sind zweieinhalb bereits vorbei und bislang sollen die Prüfer zufrieden gestimmt sein.

Flughafenaufsichtsrat glaubt, dass der BER wie geplant 2020 eröffnet

Aktuell laufen am neuen Hauptstadtflughafen wichtige Technikprüfungen durch den TÜV. Ihr Ausgang bestimmt, ob der BER wirklich im Oktober 2020 eröffnet werden kann. „Der TÜV war mit den ersten zweieinhalb Prüftagen zufrieden“, bestätigt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Anschluss an eine Sondersitzung des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg am vergangenen Montag.

Aufgrund des positiven Feedbacks geht es jetzt auch in die Feinplanung des ORAT-Programms (Operational Readiness an Airport Transfer). Neben einer Überprüfung aller Abläufe am neuen Flughafen gehört dazu auch der Umzug der Flughafeneinrichtung von Tegel nach Schönefeld.

Suche nach Komparsen für einen Test

Ende des Jahres soll klar stehen, ob der BER tatsächlich rechtzeitig im Herbst 2020 eröffnet wird. Und dann wollen die BER-Verantwortlichen damit beginnen, etwa 20.000 Menschen als Komparsen zu werben. Mit ihnen soll dann der Betrieb an einem ganz normalen Reisetag erprobt werden. Die Generalprobe mit den Testern findet nächsten Sommer statt. Dann sollen auch Geschäfte und Gastronomie fertig gestellt sein.

BER – eine Geschichte von Baumängeln und Technikproblemen

Der eine oder andere Berliner bzw. Brandenburger wird sich vielleicht erinnern, dass es im Februar 2012 bereits schon einmal einen ähnlichen Probelauf gab. Damals fanden parallel noch Bauarbeiten statt. Ob es nächsten Sommer wieder so sein wird? Die BER-Verantwortlichen werden jedenfalls nicht müde, zu versichern, dass nun alle Baumängel und Technikprobleme behoben seien.

Zwei große Probleme bestehen jedoch noch immer, die eine Eröffnung gefährden könnten. Zum einen ist die letzte von insgesamt zwölf Anlagen der Brandschutztechnik noch nicht fertig. Dabei handelt es sich um Tausend Kilometer lange Kabelsysteme die alle anderen Anlagen mit Informationen, Steuerbefehlen und Energie versorgen. Zum anderen sind Kabelschächte und andere Installationen damals mit Dübeln befestigt worden, die den zwischenzeitlich geänderten Bauvorschriften nicht mehr entsprechen.

Dennoch versichert Rainer Bretschneider, Aufsichtsrat-Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg: „Der Aufsichtsrat geht in Gänze davon aus, dass wir das letzte Ziel, Oktober 2020, halten.“

Wir bleiben gespannt. (aw)

Flughafen Schönefeld: Auf Umwegen in den Urlaub

Pünktlich zum Beginn der Berliner Sommerferien und zum Urlaubsstart für viele Familien stellt die Deutsche Bahn den S-Bahnverkehr zum Flughafen Schönefeld ein. Ausgerechnet zum Beginn der Hauptreisezeit begannen die Bauarbeiten an der S-Bahnstrecken der Linien S9 und S45. Im gestellten Ersatzverkehr kam es bereits am ersten Tag zu Problemen.

Chaos auf dem Weg zum Flughafen Schönefeld

Die wichtigsten Bahnverbindungen zum Flughafen Schönefeld sind ab Bahnhof Baumschulenweg bis zum 5. Juli unterbrochen. Zudem sind die Linien S46, S47, S8, und S85 beeinträchtigt. Deshalb müssen Reisende auf einen Schienenersatzverkehr (SEV) umsteigen. Doch bereits am Mittwoch kam es zu chaotischen Szenarien.

Ab Baumschulenweg fahren Ersatzbusse zum Airport. Allerdings funktionierten diese am Mittwochvormittag teilweise noch nicht richtig. Bei dem SEV der Linie S9 Richtung Flughafen Schönefeld kam es zu langen Schlangen und Verspätungen. Einige Personen mussten vom Busfahrer aufgefordert werden, die Busse zu verlassen, da diese überfüllt waren. „Die folgenden Busse kommen in unregelmäßigen Abständen“, teilte ein zuständiger Mitarbeiter der S-Bahn Berlin vor Ort mit. Grund für die Unregelmäßigkeiten seien zu wenige Busse und ein Unfall gewesen, so der Mitarbeiter weiter.

Unwissende Busfahrer – drängelnde Urlauber

Viele Fahrgäste zeigten überraschenderweise Verständnis für die Gleisbauarbeiten. Allerdings bemängelten sie die langen Wartezeiten und unkoordinierte Organisation sowie die fehlende Auskunft über spätere Busse. Auch die Busfahrer konnten den Reisenden keine weiteren Informationen über die Ersatzbusse geben. „Wann der nächste Bus kommt, weiß ich nicht“, sagte ein Busfahrer, „Die stehen im Stau“. Da die meisten Personen nicht weiter warten wollten, wurde beim Einsteigen gepöbelt, gedrängelt und geschubst.

3,3 Kilometer Gleise werden ausgetauscht

Die Zahl der Flugpassagiere wird sich in den Sommerferien definitiv erhöhen. Deswegen rät die S-Bahn Berlin von der Anreise mit den Ersatzbussen ab. Stattdessen empfiehlt sie direkt mit den Regionalzügen der Linien RE7 und RB14 aus dem Stadtzentrum anzureisen.

Die Bauarbeiten an den Gleisbetten der Strecke seien nicht aufschiebbar, teilte die Bahn mit. Zwischen Grünau und dem Grünauer Kreuz sowie zwischen Adlershof und Schöneweide müssten insgesamt 3,32 Kilometer Gleise ausgetauscht werden, so die S-Bahn. Zudem werde währenddessen eine Entwässerungsleitung erneuert und der S-Bahnhof Schöneweide erhälte, nach über 100 Jahren Betrieb eine Generalüberholung.

Die Bahn wollte den Fahrgäste eigentlich einen Gefallen tun, wie aus ihrer Ankündigung zu den Bauarbeiten deutlich wird: „Wenn viele Berliner und Brandenburger im Urlaub sind, nutzt die DB diese Zeit und investiert in die Instandhaltung. Daher wird in den kommenden Wochen fleißig gebaut, was sich auch auf den S-Bahnverkehr auswirkt“.

CDU ist anderer Meinung

CDU-Abgeordneter Oliver Friederici bezeichnet den gewählten Zeitraum hingegen als „sehr unglücklich gewählt“. Zumeist sei es richtig, wenn große Baustellen an Verkehrswegen auf die Ferienzeit gelegt werden, aber bei der Zuführung zu einem Flughafen sei das etwas anderes, so Friederici. Er meint: „Da gelten ja die umgekehrten Gesetze. Dann hätte man lieber in der Schulzeit bauen sollen“. (lb)

Regierungsterminal am BER nicht repräsentativ genug

Am Rand des neuen Flughafens ist der erste Terminal komplett fertig. Doch der aktuelle Regierungsterminal am BER wird nur eine Übergangslösung bleiben. Denn der Bund möchte eine größere Empfangshalle für Staatsgäste.

Regierungsterminal am BER soll Übergangslösung bleiben

Wann der neue Hauptstadtflughafen fertig sein wird, ist noch immer ungewiss. Doch immerhin ein Terminal steht bereits einsatzbereit seit letztem Herbst. Der 70-Millionen-Neubau für Regierungsmitglieder und Staatsgäste ist als Zwischenlösung gedacht, bis 2025 das endgültige Regierungsterminal fertig ist. Neben vollausgestatteten Büros verfügt das Terminal  über Dolmetscherkabinen und einen Pressekonferenzraum. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben sich nun erneut in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz dafür ausgesprochen, diese Überganglösung dauerhaft zu nutzen. Noch ist der Brief unbeantwortet.

Dauerhafte Lösung nicht möglich

Trotz Kosten in Millionenhöhe – aktuell sind 344 Millionen Euro veranschlagt – möchte der Bund einen neuen Regierungsterminal am BER bauen. „Um den international üblichen protokollarischen Anforderungen gerecht zu werden, ist für das Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene repräsentative Gestaltung vorgesehen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bundesregierung.

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) kritisiert die Pläne für den neuen Terminal deutlich. „Wenn es um Repräsentation geht, dann sollte man das bereits bestehende Terminal nutzen und gegebenenfalls qualitativ aufwerten. Als Finanzminister kann ich die Forderung des Bundes, noch einmal 344 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand zu nehmen, nur mit einem Kopfschütteln quittieren. Auch der Bundesregierung sollte klar sein, dass am BER nur noch eine Devise gelten kann: Sparsamkeit!“, kommentiert Görke die Aussage der Bundesregierung.

Regierungsterminal am BER Dauerstreitthema zwischen Bund und Ländern

Bereits seit Jahren wird der Streit um den Regierungsflughafen am BER zwischen den Flughafengesellschaftern, den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund geführt. Eine Lösung scheint immer noch nicht in Sicht. Doch immerhin für die Weiternutzung des 70-Millionen-Neubaus gibt es bereits eine Lösung. Zieht die Bundesregierung 2025 in den neuen Regierungsterminal, soll der Vorgängerbau von Geschäftsfliegern mit ihren kleineren Maschinen genutzt werden. (aw)

Eine Eröffnung des Flughafen BER vor 2021 unwahrscheinlich

Der Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ ist wohl einer der größten „Skandale“ in der deutschen Baugeschichte. Nach sechs gescheiterten Inbetriebnahmen verzögert sich die Eröffnung des Flughafen BER weiter. Denn aus einem aktuellen Lagebericht für die oberste Bauaufsicht Brandenburg und aus einem Statusbericht des TÜV Rheinland gehen hervor, dass der Flughafen noch gravierende Defizite bei den technischen Systemen aufweist. Der TÜV hatte zehn Anlagen geprüft und in sechs davon wurden „wesentliche Mängel“ festgestellt.

Mit den Planungen begannen die Schwierigkeiten

Die ersten Pläne für einen Ausbau des Flughafens Schönefeld existierten bereits in den 1960er Jahren. Doch erst nach der deutschen Wiedervereinigung stieg die Notwendigkeit einer großflächigen Kapazitätserweiterung stark an.

So begannen 1990 die ersten Planungen für einen neuen Hauptstadtflughafen in Berlin. Der Flughafen, der ursprünglich Berlin Brandenburg International heißen sollte und auf dessen Standort man sich für Schönefeld einigte, scheiterte jedoch 2003 an der Privatisierung.

Die gescheiterten Eröffnungen

Schließlich musste das Projekt aus öffentlichen Kassen finanziert werden, weshalb zunächst eine Absegnung des Staats erforderlich war. Dadurch war schon im Vorfeld klar, dass der Flughafen nicht wie geplant 2007 eröffnen wird. Somit wurde bereits 2003 die erste geplante Eröffnung verschoben.

Auch der zweite für 2011 geplante Eröffnungstermin scheiterte nach dem mehrere Jahre verspäteten Spatenstich im September 2006.

Der nächste Rückschlag der sich im auch im öffentlichen Gedächtnis einbrannte, folgte dann im Mai 2012: Die Eröffnung des BER für den Juni desselben Jahres  wurde abgesagt. Grund für die Absage waren Probleme bei den Brandschutzanlagen, wobei diese bis heute noch als eine große Herausforderung darstellen.

Die Kosten steigen uns Unermessliche

Seit der geplatzten Eröffnung im Jahr 2012 wurden zusätzlich 3,3 Milliarden Euro Steuergelder für den Bau bewilligt, wodurch die Kosten auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen sind. Ursprünglich waren „nur“ 2,5 Milliarden Euro kalkuliert und die Kosten steigen heute immer noch ins Unermessliche.

Selbst fünf Jahre nach dem Debakel im Jahr 2012 kann der Flughafen, der eine Fläche von 1470 Hektar umfasst, immer noch nicht in Betrieb genommen werden.

Der Eröffnungstermin wird voraussichtlich am 15. Dezember dieses Jahres vom Flughafen-Chef Engelbert Lütke Daldrup bekannt gegeben werden. Laut dem Tagesspiegel ist jedoch eine Eröffnung vor 2021 unwahrscheinlich.

Was dies für die anderen Berliner Flughäfen bedeutet

Der nach dem vierten Bundeskanzler benannte Flughafen soll auf lange Sicht die anderen Berliner Flughäfen Schönefeld, Tegel und Tempelhof ersetzen, wobei letzterer bereits 2008 geschlossen wurde.

Im Zuge der Bundestagswahlen 2017 fand in der Hauptstadt ebenfalls ein Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tegel statt. Dabei stimmten rund 56 Prozent für eine Offenhaltung. Trotzdem stehen die Signale aus der Politik auf Schließung.  Berlin kann eine Entscheidung nicht alleine treffen, da das Land Brandenburg und der Bund auch Eigentümer der Flughafengesellschaft sind.

Da sich die Eröffnung des Flughafen BER nun erneut verzögert, wird Tegel wohl noch einen geraumen Zeitraum geöffnet bleiben. Bis dahin wird sicher auch die Debatte über die Schließung fortgeführt werden. (dn)