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Klimaschutzpartner des Jahres 2019 ausgezeichnet

Die Gewinner des Wettbewerbs „Klimaschutzpartner des Jahres“ wurden vergangenen Montagabend mit einem Preis ausgezeichnet. Hierbei wurden drei Projekte, die in besonders herausragender Weise Energieeffizienz und Klimaschutz umsetzten, gekürt. Insgesamt waren 28 Teilnehmer im Wettbewerb um den Klimaschutzpreis angetreten. Die Verleihung fand im Rahmen der Berliner Energietage im Ludwig Erhard Haus statt.

„Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“

Die Schornsteinfeger Bezirksgruppe Friedrichshain-Kreuzberg hat mit ihrem Projekt „Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“ den Preis in der Kategorie „Erfolgreich realisierte Projekte“ gewonnen. Ihr Ziel ist, die Dienstleistungen des Berliner Schornsteinfegerhandwerks flächendeckend klimaneutral auszuführen.

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz sowie Laudator: dazu: „Die jungen Menschen, die jeden Freitag für den Klimaschutz demonstrieren, fordern von uns Lösungen. Zu diesen Lösungen müssen wir alle beitragen. Das Projekt der Schornsteinfeger aus Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, dass gute Ideen, die klein beginnen, große Wirkung haben. Der Ansatz, Handwerksleistungen CO2-neutral zu erbringen, ist auf das gesamte Handwerk übertragbar. Dazu erweist sich, dass Klimaschutz und betriebswirtschaftlicher Erfolg zusammen gehen: die Betriebe sparen Energiekosten und können zugleich ihren CO2-Aussstoß deutlich verringern. Das Projekt zeigt eindrucksvoll die Innovationskraft des Handwerks.“

Quartier „Wir“

In der Kategorie „Erfolgversprechende innovative Planungen“ konnte die Deimel Oelschläger Architekten Partnerschaft aus Berlin Weißensee mit dem Projekt Quartier „Wir“ überzeugen. In Weißensee entsteht ein soziales und vor allem nachhaltiges Stadtquartier, das komplett aus Holz gebaut wird. Zusätzlich wird es dort eine Kita und ein Schwimmbad geben. Somit entsteht ein quartierübergreifendes Angebot, das attraktive Möglichkeiten für die Umgebung anbietet.

„Das Quartier „Wir“ in Weißensee überzeugt vor allem durch seinen ganzheitlichen Ansatz. Neben der CO2-freundlichen Verwendung von Holz, als direktem Beitrag zum Klimaschutz, tragen gerade auch der innovative Mix relativ kleiner Individualflächen zugunsten großzügiger Gemeinschaftsangebote, die soziale Mischung und die Mischung der Wohn- und Eigentumsformen, zu einem langfristig nachhaltigen Wohnstandort bei.“, so Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer, in ihrer Laudatio.

Hybrides Löschfahrzeug

Den Preis für „Herausragende Projekte öffentlicher Einrichtungen“ erhielt die Berliner Feuerwehr mit ihrem Projekt „Hybrides Löschfahrzeug für die Berliner Feuerwehr“. Sie plant die Beschaffung und Erprobung eines innovativen Löschfahrzeugs. Ziel ist, den Einsatz des Fahrzeugs zu über 80% rein elektrisch zu betreiben. Hierfür wird die Berliner Feuerwehr gemeinsam mit einem Fahrzeughersteller noch Entwicklungsarbeit leisten.

Die Laudatorin Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende bei der Vattenfall Wärme Berlin AG: „Die Berliner Feuerwehr ist Retterin in der Not und mit ihrer Innovationspartnerschaft für Deutschlands erstes Elektrolöschfahrzeug zeigt sie eindrucksvoll, wie wichtig ihr das Ziel der Klimaneutralität ist.“  (lb)

5. Berliner Wirtschaftsfördertag der IBB – gewerblich, mobil und elektrisierend

Knapp 300 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Gründerinnen und Gründer nahmen heute Morgen am 5. Berliner Wirtschaftsfördertag der Investitionsbank Berlin teil. Unter dem Motto „Berliner Wirtschaft – gewerblich, mobil und elektrisierend“ diskutierten die Teilnehmer aktuelle Themen wie umweltfreundliche Mobilität und digitale Transformation. Mithilfe anwesender Experten sollten Lösungen und Konzepte für anstehende Herausforderungen entwickelt werden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der Begrüßung durch Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank Berlin. Im anschließenden Gespräch mit Senatorin Ramona Pop ging es um „Investitionen in die umweltfreundliche Mobilität von morgen“. Abschließend folgten einige Beiträge von Experten rund um Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten.

Ramona Pop: „Wir lassen die Berliner Unternehmen mit dieser Herausforderung nicht allein.“

Besonders großes Interesse und Unterstützung gab es für die E-Mobilität, worüber sich die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWiEnBe) sehr erfreut zeigte. Mit ihrem Förderungsprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ (WELMO) will die Senatsverwaltung kleinen und mittleren Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft Anreize bieten, auf elektrisch betriebene Fahrzeuge umzusteigen. Die Fahrzeug-Förderung betrifft die ganze Bandbreite an Elektromobilität und reicht von Elektro-Kleintransportern und Elektroautos bis zu E-Rollern und E-Bikes.

„Berlin als wachsende Stadt hat eine besondere Verantwortung für den Klima- und Gesundheitsschutz. Wir sorgen für leiseren und saubereren Wirtschaftsverkehr in der Stadt.“, sagte Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Mit dem Förderprogramm der WELMO solle die Beschaffung, das Leasing und die Errichtung von Ladeinfrastruktur im gewerblichen Umfeld unterstützt werden. „Wir lassen die Berliner Unternehmen mit dieser Herausforderung nicht allein. Bisher haben wir seit Einführung des Programms im September 2018 rund 1.600 Fahrzeuge und 300 Ladeinfrastrukturen mitfinanziert“, verkündete sie erfreut die große Nachfrage.

Appell an Berliner Unternehmen

Auch das 2018 angelaufene Programm GründungsBONUS habe laut dem IBB-Vorstandsvorsitzenden einen sehr guten Start hingelegt. „Seit Beginn haben wir knapp 150 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 7,3 Millionen Euro bewilligt“, erklärte er.

Durch das Programm führte die IBB Business Team GmbH. Sie unterstützt Gründungsvorhaben innerhalb des ersten Jahres nach Gründung mit Zuschüssen bis zu 50 Prozent bzw. 50.000 Euro auf die Kosten für Investitionen, Betriebsmittel und Personal.

Dr. Jürgen Allerkamp appellierte abschließend an die Berliner Unternehmen, sich beraten zu lassen und die Förder- und Finanzierungsangebote der IBB in Anspruch zu nehmen. Außerdem informiert er die Unternehmen darüber, dass sie die meisten Programme bei der IBB auch online beantragen können. (tf)

Berliner Mobilitätsgesetz: Hohe Investitionen für barrierefreie, sichere und klimafreundliche Mobilität

Großstädte wie Stockholm und London haben zur Erhaltung ihrer Lebensqualität bereits eine City-Maut eingeführt. In dem skandinavischen Land beschwert sich kaum einer der wohlhabenden Einwohner über die Stausteuer und in London fahren die meisten ohnehin lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob sich so eine drastische Maßnahme auch in Berlin problemlos umsetzen ließe, ist unklar. Um eine ganzheitliche Verbesserung des Verkehrssystems zu erreichen, zielt das Berliner Mobilitätsgesetz auf eine nachhaltige Verkehrswende ab.

„Wenn die Zahl der Autos weiter wächst, steuert Berlin in eine Sackgasse“

Die Idee einer autogerechten Stadt hat Berlin enorm geprägt und verändert. So wurden Straßenbahnsysteme abgeschafft und die Zahl der Radfahrer nahm ab. Die Folge: Einwohner können sich heute kaum vor lärmenden Autobahnen retten. Trotzdem scheint der Platz auf Berlins Straßen für die vielen Autos immer noch nicht auszureichen und der Druck auf das Berliner Verkehrssystem steigt stetig.

Nicht nur, dass die Zahl der Autounfälle angestiegen ist, auch der hohe Kohlendioxid-Ausstoß schadet unserer Gesundheit und dem Klima. Harald Moritz, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen warnt vor einer Sackgasse, auf die Berlin zusteuert. Erst in den letzten Jahren kam vermehrt das Bewusstsein dafür, dass die Anzahl an Autos zu hoch ist und unsere Lebensqualität negativ beeinflusst. London und Stockholm haben es geschafft ihre Lebensqualität durch die Einführung einer City-Maut zu erhalten, betont Moritz. Kopenhagen hingegen setze verstärkt auf die Förderung des Radverkehrs.

Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und Klimaschutz

Durch das gestiegene Umweltbewusstsein der Berlinerinnen und Berliner in den letzten Jahren wuchs die Zahl der Radfahrer erneut und auch der Nahverkehr ist für viele Einwohner attraktiver geworden. Trotzdem müssen laut Moritz härtere Maßnahmen ergriffen werden, sonst drohe ein Verkehrskollaps.

Gemeinsam mit den Einwohnern der Hauptstadt, möchte die rot-rot-grüne Koalition mithilfe des Mobilitätsgesetzes und einer nachhaltigen Ausrichtung an einer Verkehrswende arbeiten. Darin enthalten ist zum Beispiel ein Ausbauprogramm für den Radverkehr und die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Im Fokus stehen der Klimaschutz, Barrierefreiheit und der Vorrang von umweltschonenden Transportmitteln. Rund 28 Millionen Euro sollen in die Infrastruktur, sowie in neue Busse und Bahnen investiert werden, um mehr Platz auf den Straßen zu schaffen und gleichzeitig die Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen. (tf)

 

Die Vordenkerin: Regine Günther überzeugt mit Weitsicht und Zielstrebigkeit

Wie leben und arbeiten wir 2030, wie bewegen wir uns in zehn Jahren fort? Regine Günther versucht auf diese Zukunftsfragen zu antworten und zwar jenseits von Tages- und Klientelpolitik. Das provoziert dann schon mal, zum Beispiel wenn Sie die Berliner auffordert, ihre Autos abzuschaffen. Aber Berlins Verkehrssenatorin ist eben konsequent, wenn sie nach siebzig Jahren Fokussierung auf das Auto Auto neue Mobilitätskonzepte fordert und umzusetzen versucht. Und dabei ist sie weniger revolutionär als mancher Kritiker denkt, denn Megatrends weisen in genau diese Richtung. Das Umweltbewusstsein ist signifikant gestiegen, Elektromobilität ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen und dabei, in den nächsten Jahren einen historischen Wandel im Individualverkehr und öffentlichen Verkehr zu vollziehen. Das Denken der Generation Y ist nicht mehr auf Besitzstand fokussiert, sondern stützt sich auf Kategorien des Teilens und gemeinsamen Nutzens. Neue Verkehrsmittel, von Elektrorollern über Sammeltaxis bis E-Scooter, stehen vor dem Durchbruch und werden das Thema kombinierte Verkehre forcieren.

Stadtraum für Wohnen, Büros und Grün statt für Autos

Der Tanz um das goldene Kalb Auto ist passé, der Deutschen liebstes Kind – zumindest für die jungen Generationen – ist nicht mehr das Auto. Die Senatorin hat also eigentlich gute Argumente auf ihrer Seite, wenn sie eine neue Mobilität auf der Basis des ÖPNV fordert. Dafür hat sie ein Mobilitätskonzept für die Hauptstadt entwickelt, es ist bisher das einzige einer deutschen Großstadt. Das Ende der autogerechten Stadt also ein fossiles Konzept? Günther plädiert für Freiwilligkeit, wenn es um die Abschaffung des Autos geht und setzt auf Vernunft. „Der Stadtraum ist zu wertvoll, um ihn für Autos zu reservieren“, und „auf den Flächen, die die 1,4 Millionen Kraftfahrzeuge beanspruchen, kann Wohnen, Büros und Grün entstehen“, so zwei überzeugende Thesen der Senatorin, die erst zwei Jahre im Amt ist und schon viel bewegt hat. Dennoch weiß sie, dass auch wenn das Verständnis für ihre Politik gewachsen ist, diese Veränderung nur langfristig vollzogen werden muss. Realistisch resümiert sie: „Wir haben jetzt die Fundamente für eine neue Mobilität gelegt.“ Und in der Tat, bis die neue Mobilität Realität geworden ist, wird es noch viele Jahre brauchen. Die Menschen müssen dabei mitgenommen werden, die Industrie muss den Wandel mitgestalten und – ganz wichtig – die Angebote im ÖPNV müssen attraktiver werden, damit ein „Umsteigen“ auch funktioniert.

Infrastruktur für den Siemens-Campus und die Urbane Mitte am Gleisdreieck

Es stehen gewaltige Aufgaben an: Die Infrastrukturnetze von S- und U-Bahn müssen ertüchtigt werden. Schienen und Straßennetze erneuert oder neu gebaut werden. Die neu entstehenden Stadtquartiere wie den Siemens-Campus oder die Urbane Mitte am Gleisdreieck müssen Mobilitätsangebote machen. Mit der Siemens-Bahn oder dem Neubau der S21 am Gleisdreieck sind die richtigen Weichen gestellt worden. Hier arbeitet das Land Berlin konstruktiv und mit guten Resultaten mit der Deutschen Bahn zusammen. Daneben sind allein elf Wohnquartiere in Planung, die von der Verkehrsinfrastruktur angeschlossen werden müssen. Es ist eine gewaltige Aufgabe. Und diese Projekte müssen nicht nur finanziert werden, sie müssen auch fachmännisch bearbeitet werden. Die Finanzmittel seien nicht das drängende Problem in Zeiten von vollen Kassen, aber eine arbeitsfähige Verwaltung muss nach Jahren des Personalabbaus wieder aufgebaut werden, so Regine Günther zu den organisatorischen Herausforderungen dieses gesellschaftspolitischen Wandels in der Metropolregion.

Günther will die lebenswerte Stadt der Zukunft

Man spürt die klare Strategie, die die weitsichtige – und doch häufig unterschätzte – Senatorin im Kopf hat, und erkennt ebenso klar die Zukunft unserer Städte, die so sauberer und lebenswerter werden. Und ebenso erkennt man das für das Gelingen dieses Verkehrskonzeptes 2030 zwingend erforderliche Erfolgskriterium der wachsenden Infrastruktur. Hier müssen die verschiedenen Akteure der Politik und Stadtgesellschaft gemeinsam und konstruktiv mitwirken, damit wir eine neue Ära der lebenswerten Stadt der Zukunft begründen können. Der TourismusDialog.Berlin hat mit der Veranstaltung „Unterwegs in Berlin – heute und morgen mobil genug?“ dazu einen wertvollen Beitrag geleistet. (red)

Neue Elektrobusse: BVG nimmt sich China zum Vorbild

Ob mit dem Bus oder mit der Bahn – Tagtäglich nutzen Millionen Einwohner, Pendler und Touristen die Berliner öffentlichen Verkehrsmittel. Und die Zahl steigt weiterhin. So konnten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr einen Rekord von über eine Milliarde Fahrgäste erzielen. Neben einem ausreichenden Platzangebot für Fahrgäste und der Pünktlichkeit der Bahnen und Busse ist vor allem auch die Umweltfreundlichkeit ein wichtiger Qualitätsaspekt im Nahverkehr.

„Berlin soll mobiler, gesünder, sicherer und klimafreundlicher werden“, heißt es von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima. So soll besonders in den nächsten Jahren die Elektromobilität im Personen- und Güterverkehr eine bedeutende Rolle spielen. Im Hinblick darauf, hat die BVG bereits neue Elektrobusse bestellt. „Am 1. März 2019 wollen Solaris und EvoBus mit ihren Lieferungen beginnen“, sagt Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe. 30 neue, elektrisch angetriebene Busse sollen ab nächstem Frühjahr in Betrieb genommen werden. Welche Strecken die neuen Busse fahren werden, ist noch unklar. Dies wird noch mit dem Senat abgestimmt. Es sollen Linien in Gebieten mit hoher Stickoxidbelastung im Gespräch sein.

China macht es vor

China etabliert sich immer mehr zum Vorreiter der Elektromobilität. In der chinesischen Stadt Shenzhen fahren bereits mehr als 16.000 Elektrobusse. Die chinesische Millionenmetropole ist sogar weltweit die erste Stadt, die ihre gesamte Busflotte auf Elektroantrieb umgestellt hat. Die Umstellung hat dabei nur acht Jahre gedauert.

Währenddessen fahren in der deutschen Hauptstadt gerade einmal fünf von den insgesamt 1.500 Bussen der BVG mit elektrischem Antrieb. Das soll sich nun ändern. Zurück von der Dienstreise nach China, haben es sich die Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klima, Regine Günther (parteilos, für Grüne) und BVG-Chefin Sigrid Nikutta zur Aufgabe gemacht, deutlich mehr Elektrobusse in den Betrieb aufzunehmen. Die große Herausforderung soll dabei sein, bis 2030 die gesamte Busflotte der landeseigenen Verkehrsbetriebe so umzustellen, dass ausschließlich mit Stromantrieb gefahren wird. „Ein ambitioniertes Ziel, aber zu schaffen“, so Nikutta. Rund 18 Millionen Euro kostet das Vorhaben die Berliner Verkehrsbetriebe.

 

Bis 2030 will die BVG die gesamt Busflotte auf den Elektroantrieb umstellen | Foto: BVG/Oliver Lang

 

Berlin soll eine Vorreiterstellung einnehmen

Mit dem Kauf der neuen Elektrobusse ist allerdings noch nicht alles erledigt. Denn die umweltfreundlichen Transportmittel benötigen entsprechende Lademöglichkeiten. Hierzu soll zunächst eine Depot-Ladestation am Betriebshof Indira-Gandhi-Straße in Alt-Hohenschönhausen entstehen. Die ersten 30 E-Busse werden anfangs dort ihre Strecken beginnen und auch enden. Nachfolgend rüstet die BVG sukzessiv weitere Bahnhöfe um. Daher werden die neuen E-Busse vorerst überwiegend auf kleineren Nebenstrecken eingesetzt. Während herkömmliche Busse mit Dieselmotor täglich eine Strecke zwischen 200 und 500 Kilometer zurücklegen, beträgt die Laufzeit bei einem E-Bus lediglich 150 Kilometer. Daher werden 1.857 E-Busse benötigt, um die Fahrleistung  der derzeit 1.500 fahrenden Dieselbusse in Berlin erbringen zu können.

Zwar sind Elektrobusse teuer und können nur kurze Strecken fahren, doch bieten sie eine umweltfreundliche Alternative, um den Nahverkehr klimaneutral zu gestalten. (dn)

Berliner Mobilität: Halbsaubere Luft und gefährliche Straßenabschnitte

Berlins Luft kann jetzt an einigen Verkehrskontenpunkten sorgenloser eingeatmet werden. Tempo 30-Strecken zur Luftreinhaltung des stark belasteten Innenstadtverkehrs haben positive Wirkung gezeigt. Die Belastung durch Stickstoffdioxid, ein Verbrennungsprodukt das hauptsächlich Dieselmotoren ausstoßen, ist seit März gesunken. Gemessene Werte in der Leipziger Straße, welche die Senatsumweltverwaltung nun veröffentlichte, lassen hoffen.

Nach den bisherigen Erfolgen der fünf Teststrecken, gibt es nun ein Datum für die Entschleunigung weiterer zentraler Streckenabschnitte. Ab dem 3. September soll auch der Tempelhofer Damm und die Hauptstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Tempo 30 fließen. Die Kantstraße in Charlottenburg wird ab November zur Teststrecke. Prüfungen zeigten auch, dass sich bis zu 97 Prozent der Autofahrer an das Tempo in der Leipziger Straße und der seit Juni aufgenommenen Potsdamer Straße hielten. Zu bestimmten Zeiten floss der Verkehr hier jedoch auch vor dem Luftreinhaltungsgebot nicht schneller.

Tests zeigen erste grüne Wirkung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte bereits 2016 gegen mindestens 28 deutsche Städte Klage eingereicht. Denn der Jahresmittelwert des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids wurde in den Innenstädten aufgrund des starken Verkehrsaufkommens häufiger überschritten als eingehalten. Um seine Bürger*innen zumindest teilweise vor dem für Herzkreislaufsystem und Atemwege schädlichen Gas zu schützen, schreibt die Europäische Union einen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm vor. In der Leipziger Straße ergab sich nun, dass die ursprünglichen März-Werte von 56 Mikrogramm, im Mai zunächst auf 50 sanken. Im Juni waren sogar nur noch 39 Mikrogramm in der Luft vorhanden. Auch das mit den Abgasen ausgestoßene Stickstoffmonooxid sank von 48 auf 19 Mikrogramm in der Leipziger Straße. Rechnet man alle giftigen Stickoxide zusammen, reduzierte sich die Belastung in der ersten dreimonatigen Testphase bereits um 60 Mikrogramm.

 

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

Erweiterung der Teststrecken: Ähnliche Schilder wird man bald häufiger in der Innenstadt sehen. | Foto: pixabay.com

 

Mit der Einführung von Testabschnitten hatte man begonnen um Fahrverbote, wie in Hamburg und kürzlich in Stuttgart eingeführt, möglichst zu vermeiden. Der Senat setzt stattdessen auf die Förderung der Elektromobilität und hatte hierfür zusätzlich zur Umweltprämie starke Subventionen in Berlin veranschlagt. Messungen sollten zeigen, ob sich auch mit langsamerem, dafür fließendem Verkehr, die gleichen Ziele ohne eine Verdrängung bestimmter Automodelle erreichen ließe. Da der Stickstoffdioxidausstoß beim Anfahren am höchsten ist, sollen für selteneres Anhalten auch Ampelschaltungen angepasst werden.

Gefahr nicht gleich gebannt: Feinstaubbelastung von außerhalb

Den bisherigen Erfolgen entgegen, steht die Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe an die  Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb, berichtete der Tagesspiegel infolge der bisherigen Ergebnisse. Dies ergab eine Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Leipzig, 2017) auf die sich der Senat beruft. Wind trage die Partikel der Kraftwerke, Nicht-Berliner Heizungen und auch der Schifffahrt in die Hauptstadt.

Rund 65 Prozent der luftgetragenen Partikel, die giftige Stoffe wie Blei und Arsen enthalten und etliche Zeit in der Atmosphäre verweilen, kämen von außerhalb. Durch elf Berliner Messstationen wurden 15 Prozent der Belastung auf den Straßenverkehr zurückgeführt. Hier hauptsächlich auf den Abrieb von Reifen und die Aufwirbelung der Partikel. Lediglich vier Prozent des Feinstaubs entstünden durch Abgase. Unbebaute Grünflächen, die Häuserschluchten aufbrechen, können die Belastung reduzieren. Angesichts dieser Alternativen wäre man jedoch wieder bei der Frage der Wohnungsnot gegenüber oder besser innerhalb einer lebenswerten, grünen Stadt.

 

Mehr als die Hälfte der Feinstaubbelastung in Berlin kommt von außerhalb Berlins. | Foto: pexels.com

 

Fehlgeleitete Mobilitätspolitik?

Wie die Stickoxidbelastung waren die Feinstaubwerte auf der Teststrecke Leipziger Straße zwar gesunken, sie seien jedoch stark wetterabhängig. Jahresmittelwerte könnten nur nach längerfristigen Beobachtungen zu Ergebnissen führen, erklärte der Tagesspiegel. Für Rückschlüsse der gesünderen Werte auf den eingedämmten Verkehr sei es also auch nach zwölf Monaten noch zu früh.

Luthe nahm dies zum Anlass die Mobilitätspolitik des rot-rot-grünen Senats noch einmal als fehlgeleitet und kontextlos zu kritisieren: „Wir sehen, dass es eine Vielzahl von weiteren Quellen gibt, die deutlich gravierender sind als der Pkw-Verkehr. Mit denen muss man sich zuerst beschäftigen, bevor man in die Freiheit der Berliner eingreift.“ Der Senat konterte jedoch, die Ursachen die sich in Berlin fänden, seien „vornehmlich dem Verkehrs- und Heizungssektor“ zuzuordnen.

Aggressionen, Gefahren und Kontrollen im Winterschlaf

Während sich auf insgesamt 8,2 Kilometer Teststrecken der Autoverkehr entschleunigt, geht der tägliche Kampf um die rücksichtsvolle Platzverteilung auf Berliner Straßen weiter. Der Tagesspiegel richtete online inzwischen einen #Gefahrenmelder ein. Angesichts der tödlichen Verkehrsunfälle zweier Kinder, könne mit der Beseitigung bestimmter infrastruktureller Mängel nicht mehr gewartet werden. Leser sind aufgerufen Gefahrenstellen, wie gefährliche Fahrradstrecken, fehlende Mittelinseln oder unzureichend gesicherte Baustellen, der Redaktion zu melden. Nach 500 eingegangen Mails, die letztendlichen Hilferufe aus dem alltäglichen Verkehrsleben sind, ist es Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. Die Ergebnisse sind auf einem interaktiven Stadtplan visualisiert.

 

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

Häufigste Gefahren sind abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. | Foto: pixabay.com

 

Häufigste Gefahren seien abrupt endende Radwege, die auch noch zugeparkt seien, abenteuerliche Ausweichwege an Baustellen und Umleitungen auf die Gehwege. Die schmalen Gehwege auch noch zwischen Radfahrern und Fußgängern aufzuteilen, provoziere nur erneut Aggressionen. Zum anderen werden fehlende Zebrastreifen, die sich vor allem auf viel zu locker gesicherten Schulwegen rar machen, angeführt. Passanten gaben an sich auf schmalen, selten zu erspähenden Mittelinseln nach viel zu kurzen Grünphasen zu drängen. Zahlenmäßig dominierten Infrastrukturmängel, die in den letzten Wochen nicht selten in Katastrophen endeten. Der Kontrolldruck sei jedoch auch auf das Fehlverhalten, allen voran die Falschparker, zu erhöhen.

Viele Faktoren beleuchten die Berliner Mobilität

Sinkende Einsatzzahlen der Polizei können nicht die Antwort auf kleine Erfolge des Berliner Mobilitätsgesetzes oder verantwortungsvolle Bürger in Tempo 30-Zonen sein. Nach einer gewährten Gewöhnungszeit von vier Wochen haben die Behörden nun auch in der Potsdamer Straße Radarkontrollen angekündigt. Das Hinweisportal, welches die Verkehrsverwaltung vor zwei Jahren für Bürgerhinweise auf mangelhaft gesicherte Baustellen errichtet hatte, ist jedoch im permanenten Winterschlaf. Unzählige Anträge werden dort lediglich an die Bezirke weitergeleitet, deren Aufgabe es wäre diese Mängel zu beseitigen. Von ihnen hört man jedoch meist nie wieder etwas.

Die Berliner Mobilität ist bislang nur auf dem Papier und in den Wunschträumen mancher auf dem richtigen Weg. Zuständigkeiten und reale Kontrollen werden weiterhin zu oft weitergegeben und die Mitfahrenden verunsichert über die tatsächlichen Erfolge stehen gelassen. (cn)

Mobilitätsgesetz und digitale Infrastruktur als Chance für Berlins Klima

Pünktlich zur Verabschiedung des Berliner Mobilitätsgesetzes am Donnerstag, werden in Berlin weitere Lösungsansätze für die Mobilität der Zukunft diskutiert. Deutschlandweit ist der Gesetzesentwurf, der einen Vorrang für klimaschonende Verkehrsarten vorsieht einmalig. „Das Mobilitätsgesetz läutet das Ende der autoprivilegierten Stadt ein“, kommentierte Verkehrssenatorin Regine Günther den rot-rot-grünen Erfolg. Die Opposition aus CDU und FDP sowie die AfD stimmten dagegen. Für letztere Parteien stehe die bundesweite Einmaligkeit des Gesetzes auf dem Prüfstand und könne einer wachsenden Stadt nicht gerecht werden. Zudem ist sich die Bundesregierung einig, dass eine digitale Infrastruktur, in welche die Mobilitätskonzepte einer pulsierenden Stadt eingebunden sind, nicht mehr aus dem modernen Berlin wegzudenken sei.

Zwei kürzlich durchgeführte Studien beleuchten sowohl die reale Berliner Mobilitätssituation als auch den deutschlandweiten Verkehr. Eine Umfrage der Berliner Sparkasse analysierte die am häufigsten genutzten Verkehrsmittel und gewünschten Reformen der Berliner. Während eine bislang unveröffentlichte Studie des Bundesverkehrsministeriums, die der Morgenpost vorliegt, die bundesweite Mobilität unter die Lupe nahm. Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums befragte das Institut Infas 2017 mehr als 300.000 mobile Bundesbürger. Zusätzlich bot das Barcamp #mobltcamp Diskussionsteilnehmern in Berlin letzte Woche die Möglichkeit sich über aktuelle Themen der Mobilitätswende auszutauschen. Unter dem Titel „rethink mobility“ setzte die Mitmach-Konferenz den Schwerpunkt vor allem auf Chancen einer ausgebauten digitalen Infrastruktur. Diese würde das Auto nicht von der Straße „verbannen“, sondern auf intelligente und klimaneutrale Elektromobilität setzen.

Digitale Infrastruktur nötig, Skepsis angebracht

Die Ergebnisse des #mobltcamp unterstützen die Erkenntnis der Bundesregierung zur Digitalisierung. Denn die Bundesregierung möchte in den nächsten Jahren einen zweistelligen Milliardenbetrag in den Ausbau der digitalen Infrastruktur, mit Schwerpunkt Verkehrspolitik investieren. Laut #mobltcamp erkannten die Teilnehmer und Experten wie Staatssekretär Dr. Gerhard Schulze, des Verkehrsministeriums, die digitale Vernetzung innerhalb der Stadt als wichtigsten Fortschritt an. Zukunftsweisende Mobilitätskonzepte und die Digitalisierung seien nicht nur eng verzahnt, sondern nicht mehr voneinander trennbar. In diesem Zusammenhang wurde vor allem autonomes Fahren und Elektromobilität, aber auch die Fahrradinfrastruktur thematisiert.

Autonome Autos der Zukunft werden durch digitale Daten zukünftig verstärkt miteinander kommunizieren müssen, um beispielsweise Staus und Unfälle zu vermeiden. Auch die Auskunft über das Verhalten des Fahrers und seine exakten Aufenthaltsorte und –zeiten sind dabei von Bedeutung. Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich, dass die Deutschen selbstfahrenden Autos bislang jedoch skeptisch gegenüberstehen. Befürworten 75 Prozent der Chinesen und 85 Prozent der Inder die Technologie, sind es in Deutschland lediglich 45 Prozent. Bei der Sparkassen-Umfrage gaben sogar nur 17 Prozent der Berliner an, selbstfahrende Autos nutzen zu wollen, wären sie in Deutschland zugelassen. Diese Umfragewerte würden vor allem auf die unausgereifte Technik angesichts zahlreicher Unfälle, zurückgehen.

 

Die Deutschen stehen selbstfahrenden Autos bisher jedoch skeptisch gegenüber. | Foto: pexels.com

Die Deutschen stehen selbstfahrenden Autos bisher skeptisch gegenüber. | Foto: pexels.com

 

Trotz starken Autoverkehrs am Ball bleiben

Nach Bremen ist Berlin gemeinsam mit Hamburg das Bundesland in dem die meisten Strecken mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. 15 Prozent der Berliner legen viele Wege bereits mit dem Fahrrad zurück, bundesweit sind es elf Prozent der Strecken. Dieser Anteil ist seit 2002 bundesweit jedoch lediglich um zwei Prozent gestiegen – trotz der oft angekündigten Verkehrswende. Das Auto dominiert mit 60 Prozent weiterhin das Verkehrsgeschehen in Deutschland. Vor allem in ländlichen Regionen, in denen der Arbeitsweg durchschnittliche 16 Kilometer lang ist, wird zumeist der motorisierte Individualverkehr favorisiert.

Verkehrssenatorin Günther begründete die Relevanz des Berliner Mobilitätsgesetzes  am Donnerstag damit, nicht den Anschluss an die weltweite Mobilitätswende verlieren zu wollen. Auch die fahrradfreundliche Hauptstadt und eine „Vision Zero“, für eine Stadt ohne Verkehrstote, sind erklärte Ziele. „Wir haben ein klares Ziel: eine lebenswerte Stadt“, so Günther. Laut der Sparkassen-Umfrage nutzen jedoch nur neun Prozent der Berliner üblicherweise das Fahrrad. Jeder dritte Berliner hält einen Ausbau der Radwege jedoch direkt nach der Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs für die wichtigste Maßnahme der neuen Verkehrspolitik. 39 Prozent geben zudem an, sich für das Rad zu entscheiden, gäbe es sichere Verkehrswege. Die Zahlen sprechen Bände. Trotz der deutschlandweiten Zahlen erinnern die umweltnahen Berliner Umfrageergebnisse  daran, dass die Mobilitätswende mithilfe sicheren Verkehrs für alle Verkehrsteilnehmer nur einen Schritt entfernt sein kann.

 

Berliner geben an öfter das Fahrrad zu wählen, gäbe es sichere Verkehrswege. Bisher ist der Ausbau der Berliner Fahrradinfrastruktur dürftig umgesetzt worden. | Foto: pixabay.com/ timelynx

Berliner geben an öfter das Fahrrad zu wählen, gäbe es sichere Verkehrswege. Bisher ist der Ausbau der Berliner Fahrradinfrastruktur dürftig umgesetzt worden. | Foto: pixabay.com/ timelynx

 

Nur Ansätze einer Verkehrswende sichtbar

Während bundesweit nur ca. 11 Prozent  der Deutschen Bus und Bahn wählen, sind die Öffentlichen die bevorzugten Verkehrsmittel der Berliner. 44 Prozent nutzen den ÖPNV der Hauptstadt. Das Berliner Mobilitätsgesetz gestattet Bussen nicht nur ein schnelleres Abschlepprecht bei Falschparkern, sondern möchte die BVG bis 2030 auch komplett klimaneutral fahren lassen. Zudem wird im Senat kontrovers über den Ausbau des Straßenbahn- und U-Bahn-Netzes diskutiert. Mehr als die Hälfte der Berliner halten den Ausbau des ÖPNV für die wichtigste Maßnahme der Berliner Verkehrsinfrastruktur. 58 Prozent würden ihn auch häufiger nutzen, setze man die oft erwägte Maßnahme des kostenlosen Nahverkehrs durch.

Die Zahlen der Berliner Sparkasse zeigen für Berlin einen sehr umweltbewussten Umgang mit den mobilen Möglichkeiten. Die bundesweite Studie erkennt die Verkehrswende im Rahmen der oft erwarteten Gesamtdynamik nur in Ansätzen. Dass mehr Menschen auf Bus, Bahn und das Rad umsteigen, liege weniger an erfolgreichen politischen Weichenstellungen. Der Zuzug in die Großstadtregionen und ein dementsprechender Anstieg an Beschäftigungen seien stattdessen verantwortlich, zitierte die Morgenpost die Studienautoren.

 

Der öffentliche Nahverkehr rangiert auf Platz Eins der beliebtesten Berliner Verkehrsmittel. Auch bundesweit nimmt die Nutzung von Bus und Bahn zu. | Foto: pixabay.com

 

Klimafreundlich im Rahmen der Möglichkeiten

Emissionsfreien Autoverkehr innerhalb des S-Bahnrings wünschen sich 38 Prozent der 1000 befragten Berliner. Die BVG plant die Anschaffung von eigenen Abschleppwagen, um die mehr als 8000 Behinderungen des letzten Jahres schneller zu beheben. Das Mobilitätsgesetz sieht 100 Kilometer lange Radschnellwege vor. Vier Millionen der 72 Millionen Fahrräder in Deutschland haben bereits einen Elektroantrieb. Jeder 5. Berliner gibt an auf diese Variante umzusteigen, würden E-Bikes günstiger werden. Einige Arbeitgeber stellen diese bereits auf dem Unternehmenscampus zur Verfügung.

Kurzum: Vor allem in der grünen Hauptstadt wird immer besonnener mit dem Thema Mobilität umgegangen – bundesweit dagegen eher den Möglichkeiten entsprechend. Den bisherigen Finanzspritzen, Entwürfen und Trends werden deutschlandweit noch viele „Zwischenreformen“ folgen, ist sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) trotzdem sicher. „Wir werden  bis 2030 eine Revolution der Mobilität erleben“, so Scheuer. Mit Vorantreiben der klimafreundlichen Elektromobilität und der in Zukunft vorausschauenden Fahrweise der autonomen Autos, muss sich hoffentlich nicht mehr um Sicherheit, Platz und Verdrängung gestritten werden. (cn)

Das gesunde „E“: Berlin fördert Elektromobilität für Betriebe

Der ehemalige „Dieselgipfel“ bekommt einen gesünderen Namen und die Berliner Unternehmen sauberere Fahrzeuge. Die Vermeidung von Fahrverboten und die Luftverbesserung der Innenstadt standen im Fokus der gestrigen Mobilitätsgespräche im Roten Rathaus. Mit dem neuen Förderprogramm „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ will Berlin die Umstellung gewerblicher Fuhrparks auf effiziente Elektromobilität vorantreiben. Durch hohe Zuschüsse des Landes Berlin, die erstmals mit der Umweltprämie des Bundes kombinierbar sind, sollen Elektroautos für Unternehmen attraktiver werden.

Das mit sechs Millionen Euro finanzierte Programm soll im Juli beginnen und bis Ende 2019 laufen. Anderthalb Jahre wird der Kauf eines klimafreundlichen Elektrofahrzeugs inklusive des Ausbaus der Lade-Infrastruktur staatlich unterstützt. Von der Förderung sollen vor allem der gewerbliche Verkehr, Taxis und gemeinnützige Betriebe mit hoher Fahrtendichte in der Innenstadt profitieren. Ziel ist es das Aufkommen von Klimagasen und gesundheitsschädlichem Stickoxid trotz vermiedener Fahrverbote zu reduzieren.

Die Verantwortung wächst

Nicht nur die bereits angegangene Umrüstung der Berliner Taxi-Flotte, sondern auch Pflege– und Sozialdienste, Mietwagenbetriebe sowie Paket- und Kurierdienste werden zum Umstieg animiert. Ansprechpartner ist die Investitionsbank Berlin (IBB), die den erhofften Zuwachs an Förderungsanträgen entgegennimmt. Bisher sind lediglich 3.500 Elektroautos in Berlin zugelassen. Das sind rund 0,3 Prozent aller 1,2 Millionen Autos. Für Unternehmen lohnte sich die teure Anschaffung eines Elektrofahrzeuges für den Betrieb häufig aus finanziellen Gründen nicht. Die Förderung macht den Umstieg nicht nur attraktiv und nachhaltig, sondern auch in Zukunft konkurrenzfähig.

„Eine wachsende Stadt bedeutet auch wachsende Mobilitätsanforderungen. Damit wächst auch unsere Verantwortung und die Herausforderungen, die Mobilitätsbedürfnisse mit Klimaschutz und Gesundheitsschutz überein zu bringen. Die Elektrifizierung des Wirtschaftsverkehrs ist dabei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Mobilitätswende. Wir lassen die Berliner Unternehmen nicht allein mit der Herausforderung“, so Wirtschaftssenatorin Ramona Pop.

 

Für die Anschaffung von gewerblichen Elektrofahrzeugen gibt es ab Juli eine Doppelförderung. | Foto: pexels.com

Für die Anschaffung von gewerblichen Elektrofahrzeugen gibt es ab Juli eine Doppelförderung. | Foto: pexels.com

 

Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität

4.000 Euro zahlt die Bundesregierung bisher beim Kauf eines elektrisch angetriebenen Pkw oder kleinen Nutzfahrzeuges. Diese Umweltprämie wird nun bundesweit erstmalig durch das Land Berlin mit zusätzlichen 4.000 Euro aufgestockt. Außerdem zahlt das Land weiterhin Abwrackprämien in Höhe von 1.000 bis 1.500 Euro bei Verschrottung des alten Diesels oder Benziners. Die Beiträge gelten für mit Brennstoffzelle oder Batterie betriebene Pkw oder kleinere Lastenfahrzeuge bis 2,25 Tonnen. Für Plug-In Hybride gewährt der Senat ab Juli 3.000 Euro Zuschuss. Die Entscheidung zur Umrüstung des Fuhrparks wird zusätzlichen mit staatlichen finanzierten Beratungsangeboten unterstützt. Damit kann ein Betrieb ein Elektrofahrzeug zukünftig für bis zu 9.000 Euro weniger erwerben.

Noch wichtiger ist die finanzielle Unterstützung der Lade-Infrastruktur für die Elektromobilität. Häufig wird das schwach ausgebaute Netz als Grund für die Entscheidung gegen ein E-Fahrzeug angegeben. Entscheidet sich ein Unternehmen für die Errichtung einer Ladesäule auf dem gewerblichen Grundstück, schießt Berlin nun rund 2.500 Euro dazu. Für öffentlich nutzbare Schnellladepunkte werden bis zu 30.000 Euro Zuschuss gewährt, um die Infrastruktur auch weiterhin über den Lieferverkehr hinaus zu sichern.

 

Kernpunkt des Förderprogramms: der Ausbau der Lade-Infrastruktur für die Elektromobilität. | Foto: pexels.com

 

Aufgeschoben, nicht aufgehoben

„Das umfangreiche Maßnahmenpaket macht deutlich, dass wir interessenübergreifend eine saubere, klimaschonende und gesunde Mobilität für Berlin erreichen wollen. Durch die von mir auf Bundesebene geforderte und nun erfolgte Aufhebung des Verbotes von Doppelförderungen können wir jetzt eine finanziell attraktive Förderung von Elektromobilität für die Berliner Wirtschaft auflegen. Uns eint auch weiterhin das Bestreben, Fahrverbote in Berlin möglichst zu vermeiden. Daran halten wir fest, erklärt der Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Durch die Berliner Strategie der attraktiven Elektromobilität durch verdoppelte Zuschüsse werden die drohenden Fahrverbote bisher nur aufgehalten. Die auf autofreie Innenstädte klagenden  Naturschutzbünde ziehen mit ihren Anliegen im Herbst vor Gericht. Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land Berlin wird voraussichtlich im Oktober 2018 verhandelt. Die Kumulation der Zuschüsse von Bund und Land ist bundesweit jedoch eine bisher einmalige Aktion.

Die Wirtschaft wünscht sich weitere Schritte

IHK-Präsidentin Beatrice Kramm begrüßt die Konkretisierung des Förderprogramms, mahnt jedoch, dass es bislang Lücken im Angebot von größeren, elektrisch betriebenen Lieferwagen gäbe. Eine Alternative wird in der finanziellen Förderung von Gasantrieben gesehen, die für den größeren Lieferverkehr bereits auf dem Markt sind. Sie sind weitaus weniger belastend für die Umwelt als bisher genutzte Lkws mit Dieselantrieb.

„Durch die Kombinierbarkeit von Bundes- und Landesförderung wird die E-Mobilität für Unternehmen wirtschaftlich. Damit die Ladeinfrastruktur kein Hemmschuh bleibt, hat die IHK Berlin mit mehreren Parkhausbetreibern die Initiative ,Berliner Elektroparkhäuser‘ gestartet. Die Teilnehmer werden bis Ende 2019 über 200 Ladestationen zusätzlich in Berliner Parkgaragen aufbauen“, erklärt Kramm. Wie der Senat, so sieht auch die Handelskammer den Ausbau der Lade-Infrastruktur als entscheidenden Faktor für die Erhöhung der Akzeptanz von E-Mobilität. (cn)

Neustart in Deutschland: Uber will E-Bikes in Berlin verleihen

Nachdem sein umstrittendes Geschäftsmodell 2015 in Deutschland verboten wurde, steigt der Fahrdienstleister nun auf ein neues Konzept um und will demnächst Elektrofahrräder in Berlin anbieten. „Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland und wir sind hier, um einen neuen Ansatz umzusetzen“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Uber ist ein Fahrdienstvermittler, der sich vor allem in den USA einen Namen gemacht hat. Mit seiner Dienstleistung UberPop werden private Fahrer, die ein Pkw besitzen, an beförderungswillige Kunden vermittelt. Um das Unternehmen weiter auszubauen, sei eine Expansion nach Europa nowendig. Das Unternehmen sieht vor allem Deutschland als wichtigen Markt.

Gescheiterte Expansion nach Europa

Während in den USA sich das Geschäftsmodell als erfolgreich erwiesen hat, hagelte es in Europa heftige Kritik. Vom Europäischen Gerichtshof wurde der Fahrdienstleister nicht als Vermittler eingestuft und wird daher nicht mehr als ein klassischer Taxidienst gesehen. Nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) in Deutschland müssten somit alle UberPop Fahrer eine Taxikonzession besitzen. Da die vermittelten Fahrer somit ohne Lizenz fahren, hat das Landgericht Frankfurt den Dienst im März 2015 für gesetzeswidrig erklärt. Uber hat diesen Dienst infolgedessen Ende Mai des selben Jahres vollständig eingestellt.

Das Umweltbewusstsein in der Hauptstadt wächst. Mittlerweile steigen immer mehr Menschen auf Elektrofahrzeuge um. Dies hat auch der Fahrdienstvermittler Uber erkannt und will künftig die Vermittlung von Elektrofahrräder anbieten. „Wir wollen die Elektrifizierung unterstützen. Nur mit Autos lässt sich Mobilität in Städten nicht stemmen“, sagte Dara Khosrowshahi

Neustart mit Elektrofahrräder

Bislang hat Uber elektrisch angetriebene Fahrräder nur in San Francisco angeboten. Mit Berlin wäre dies der zweite Ort. Erst im April hat der US-Fahrdienstleister das Start-up Jump übernommen. Die orangefarbenen E-Bikes vom New Yorker Start-up Jump will Uber bis Ende des Sommers auf die Straßen bringen.

 

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

 

Uber wäre damit allerdings nicht der einzige Dienstleister, der solche umweltbewussten Fahrmöglichkeiten anbietet. In Berlin konkurrieren bereits Anbieter wie Nextbike, oBikes oder Lidl-Bike am Markt.

Uber plant schon nächstes Projekt: UberGreen

Berlin spielt eine zentrale Rolle bei der Mobilität. Neben Elektrofahrrädern gibt es auch Sharing-Dienstleister, die elektrisch betriebene Autos oder auch Roller anbieten. Mit UberGreen will der Fahrdienstvermittler demnächst auch Elektroautos zur Verfügung stellen. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit Autoherstellern, um passende Fahrzeuge zu finden“, so der Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty.

In München startete bereits die Testphase mit 30 Renault Fahrzeugen. Auch in Berlin sollen bald Elektroautos zum Einsatz kommen. Geplant ist, dieses Angebot europaweit anzubieten. (dn)

Future Mobility Week – Die Mobilität der Zukunft

Ob Elektroautos, -fahrräder, -lokomotive oder -busse – Die umweltschonenden Fahrzeuge gewinnen immer mehr an Bedeutung. Vor allem in der deutschen Hauptstadt ist Elektromobilität ein fester Bestandteil im Verkehrsalltag geworden. Mittlerweile findet man die umweltfreundlichen Fahrzeuge überall in der Stadt.

Im Hinblick auf das zunehmende Bewusstsein für eine mobile und klimafreundliche Stadt veranstaltet der Tagesspiegel gemeinsam mit der eMO und dem Forschungscampus Mobility2Grid vom 08. bis zum 12. April 2018 die Future Mobility Week.

Elektromobilität wird immer alltagstauglicher

Deutschland denkt immer umweltbewusster. So wollen die Menschen nicht nur schnell und reibungslos ihr Ziel erreichen, sondern auch umweltfreundlich von A nach B gelangen. Dies haben ebenfalls die Automobilhersteller erkannt und wandeln sich zu Mobilitätsdienstleistern. Mit car2go oder DriveNow bieten Daimler und BMW Car-Sharing-Möglichkeiten mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen an.

Immer mehr Automobilhersteller wollen dem Trend nachgehen: Volkswagen plant bis zum Jahr 2025 bis zu drei Millionen Elektroautos pro Jahr produzieren. Mercedes will bis 2022 sein Angebot auf mehr als zehn Elektromodelle erweitern und BMW hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2019 eine halbe Million Elektrowagen und Plug-in-Hybride auf den Straßen zu haben. „Die E-Automärkte werden sich weltweit weiter dynamisch entwickeln“, so Nicolai Müller von der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company. Elektromobilität ist demnach kaum mehr wegzudenken. Vor allem nimmt sie im Zuge des Klimawandels und der Luftverschmutzung eine immer bedeutende Rolle in der Verkehrswende ein.

Autonomes Fahren: Die intelligente Mobilität der Zukunft

Nicht nur Elektrofahrzeuge werden den Mobilitätsmarkt stark verändern, sondern auch das Konzept des autonomen Fahrens. Die Vision einer autonomen Fortbewegung gab es schon seit Jahrzehnten. Doch nun bleibt es nicht länger eine Vision. Die ersten autonomen Fahrzeuge gibt es bereits. Seit Ende März fahren in Berlin erstmals vier autonom fahrende Kleinbusse auf dem Campus Charité Mitte. Das Konzept des autonomen Fahrens bietet älteren Personen und Menschen mit Behinderung eine komfortable Fortbewegungsmöglichkeit.

Derzeit befinden sich noch andere Projekte im Probebetrieb oder sind in Planung. So kündigte die Deutsche Bahn in Berlin Projekte zum autonomen Fahren im öffentlichen Straßenverkehr an. Noch ist die Technologie nicht ganz ausgefeilt, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge vollkommene Sicherheit gewähren. Doch wird autonomes Fahren auch zukünftig ein wichtiges Thema der Mobilität sein.

Berlin wird zum Zentrum der Mobilität

Die Future Mobility Week auf dem EUREF-Campus bringt bundesweit die Mobilitätsentscheider aus Wirtschaft, Politik und Kommunen zusammen. Den Auftakt macht der Tagesspiegel mit dem Future Mobility Summit am 09. und 10. April. Der Gipfel thematisiert die Mobilität der Zukunft und die Zielsetzung der neuen Bundesregierung. Er zeigt State-of-the-Art-Technologien, lädt zur Testfahrt ein und adressiert die zentralen Fragen der Umsetzung. An den Future Mobility Summit schließt sich die sechste Hauptstadtkonferenz Elektromobilität der eMO. An diesem Tag erfahren die Teilnehmer näheres zur Mobilitätswende. 500 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik diskutieren, inwiefern die Innovationen helfen, die Verkehrswende umzusetzen. Eine wichtige Rolle wird hier das autonome Fahren spielen.

 

 

Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende und Vorstand Betrieb der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), auf dem Future Mobility Summit | Foto: Verlag Der Tagesspiegel GmbH

Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstandsvorsitzende und Vorstand Betrieb der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), auf dem Future Mobility Summit | Foto: Verlag Der Tagesspiegel GmbH

 

Am 12. April wird das Forschungscamp Mobility2Grid die Future Mobility Week mit der Konferenz Lab2Reality abschließen. Die Konferenz behandelt die Perspektive der Wissenschaft und die Frage nach Integration von Energie und Mobilität. Wissenschaftliche Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops geben den Teilnehmern einen Einblick, wie sich die Mobilität in Zukunft gestalten könnte. (dn)

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