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Zeremonie mit besonderer Beschallung: Grundsteinlegung im Carré Sama-Riga

Unterschiedlicher könnten die Szenen nicht sein: Vor dem Bauzaun klappern selbsternannte Bürgeraktivisten mit Kochlöffeln auf Töpfen, hinter dem Bauzaun die fleißigen Bauarbeiter mit Messern und Gabeln beim festlichen Buffett. Bei der Grundsteinlegung des Carré Sama-Riga am letzten Freitag, einer Veranstaltung, die traditionell für die beteiligten Gewerke gedacht ist, protestierte eine kleine Aktionsgruppe mit „XXL Scheppern“ gegen das Bauvorhaben der CG Gruppe in der Rigaer Straße. Die direkt gegenüber bauende KW-Development GmbH wird von den Aktivisten hingegen ignoriert. Rückfragen dazu werden auch nicht beantwortet. Fast scheint es, als wüssten die Aktivisten tatsächlich nicht, dass hier zwei Bauherren neue Wohnungen bauen. Und natürlich entspricht Christoph Gröner als Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, der sich zuletzt in einer großen Doku öffentlich präsentierte, auf den ersten Blick ideal dem kapitalistischen Feindbild.

Dabei scheint für das Carré Sama-Riga die extreme Ablehnung unbegründet. Eine Brache wird mit Wohnungen bebaut, ein altes Gebäude aus den 1890er Jahren, welches nicht unter Denkmalschutz steht, wird freiwillig saniert. Insgesamt entstehen in Alt- und Neubau über 130 Wohnungen mit Kaltmieten zwischen 11 und 13 Euro pro Quadratmeter sowie kleinere Gewerbeeinheiten. Keine Luxuswohnungen oder Eigentums-Penthäuser. Keine Entmietung und kein Abriss haben hier stattgefunden. Für die Grundsteinlegung wurde den umliegenden Gewerbetreibenden, die über Umsatzeinbußen durch die teilweise Sperrung der Rigaer Straße zum Schutz der Baustelle klagen, angeboten, Aufträge zu übernehmen. Das Angebot wurde abgelehnt. Auch sonstige Bemühungen der CG Gruppe, den Gewerbetreibenden zu besseren Umsätzen zu verhelfen, blieben umsonst. „Hier auf der Baustelle gibt es so viele Bauarbeiter, die sich über Frühstück- oder Mittagsangebot freuen würden. Wer hier einen mobilen Stand aufbaut, dem würden die Speisen aus der Hand gerissen“, sagt ein CG Mitarbeiter.

Projektentwickler Gröner fordert die Einhaltung der Gesetze des Rechtsstaates

Bei seiner Rede dankt Christoph Gröner den Gästen „die sich getraut haben zu kommen“, den Projektpartnern und den Bauarbeitern. Sein besonderer Dank gilt auch den Polizisten, die die Baustelle von den Aktivisten abschirmten. Warum dies dies nötig ist, wird ebenfalls in Gröners Rede klar: Offenbar wurden schon des Öfteren Autos von Mitarbeitern oder Baufahrzeuge beschädigt. Zuletzt wurden die Scheiben des Leipziger Architekturbüros eingeworfen – während die Mitarbeiter drinsaßen. Dass Gröner abschließend mit deutlichen Worten das Durchgreifen des Rechtsstaates fordert, ist unter diesen Umständen mehr als verständlich.

Tatsächlich eignet sich die CG Gruppe auf den zweiten Blick dann doch nicht als ideales Feindbild. Wer sich die Engagements des Projektentwicklers ansieht, muss feststellen, dass er neben seiner Bautätigkeit auch sozial aktiv ist. In Berlin wird seit Jahren der Verein Laughing Hearts unterstützt, der Kinder aus Heimen fördert. In diesem Jahr hat Gröner sogar einen Bauernhof gekauft, auf dem nun jede Woche zig Kinder dem Heimalltag für ein paar Tage entkommen können. Auch in anderen Städten engagiert man sich. So wurde zum Beispiel in Dresden die Sponsoringpatenschaft für das Kulturfestival „Palais Sommer“ übernommen.

In der Baugrube des Carré Sama-Riga ist das Scheppern nur im Hintergrund wahrzunehmen. Auch als die Gäste der Grundsteinlegung schon  gegangen sind und die Bauarbeiter wieder ihre Arbeit aufnehmen, trommeln die Aktivisten weiter. Die Anwohner werden sich gefreut haben. (red)

Berliner Wirtschaft zeigt Verantwortung

In Berlin sollen alle Menschen mit und ohne Behinderung gut zusammen leben können, heißt es im Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG). Leider sieht die Realität meist anders aus. In den wenigsten Unternehmen wird Inklusion tatsächlich gelebt. Nur wenige Berliner Unternehmen stellen überhaupt Menschen mit Behinderung ein. Dabei ist es so einfach diese in die Arbeitswelt zu integrieren. Seit mehr als einem Jahrzehnt setzt sich die gemeinnützige GmbH Arbeit für Menschen mit Behinderung (AfB) bereits für das wichtige Thema ein.

Nach höchsten ökologischen und ethischen Standards werden bei AfB ausgemusterte IT- und Mobilgeräte mit dem Ziel übernommen, so viele davon wie möglich wieder zu vermarkten. Nicht mehr nutzbare Hardware wird hingegen auseinandergenommen und recycelt. Dabei sind alle Arbeitsschritte barrierefrei gestaltet, wodurch diese auch von Menschen mit Behinderung erledigt werden können. Diese unvergleichbare unternehmerische Idee vereint diverse Vorteile für alle Beteiligten: Elektroschrott wird minimiert und Recycling gefördert, Menschen mit Behinderung werden in einem regelrechten Arbeitsverhältnis beschäftigt und Firmen von alten Geräten sowie der Entsorgungslast befreit.

Auf dem Weg zum weltweit führenden gemeinnützigen Unternehmen der IT-Branche

Große und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands sind bereits begeisterte Partner geworden. Die Idee von AfB-Gründer Paul Cvilak ist einzigartig und hat Unternehmen wie Vattenfall, Pfizer und Siemens überzeugt. Dabei ist AfB selbst ein Familienunternehmen, Cvilaks Tochter sind ebenfalls im Unternehmen tätig. Die Familie verfolgt dabei seit der Gründung die ehrbare Vision, das weltweit führende gemeinnützige Unternehmen der IT-Branche zu werden – die größte Integrationsfirma Deutschlands ist AfB bereits. Ein Leuchtturmprojekt, das vielen Menschen Hoffnung gibt und Diversity erlebbar macht. Die Partner aus der Wirtschaft unterstützen die Initiative so erfolgreich, dass AfB heute bundesweit an neun und europaweit an fünf Standorten arbeitet. Seine 10. Filiale eröffnete der engagierte Unternehmer Cvilak, der für seine Arbeit kürzlich mit der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, bereits 2012 in Berlin und gewann im gleichen Jahr den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien“.

Der Erfolg fußt dabei nicht nur auf dem guten Ruf und der sozial ökologischen Idee. Die Prozesse sind gut durchdacht und effizient. Insbesondere auf den sorgfältigen Umgang mit den Daten auf den ausrangierten Geräten wird großen Wert gelegt. „In den heutigen Zeiten ist es für die Unternehmen existentiell, dass ihre Daten sicher vor dem Zugriff Dritter sind und nach der Abgabe alter Geräte zuverlässig gelöscht werden. Die meisten wissen aber gar nicht, wie sie das machen sollen. Auch in diesem Zusammenhang geben uns viele Firmen gerne ihre Gerate, weil wir von Anfang an einen sicheren Prozess implementiert haben, der nachvollziehbar ist“, erklärt Cvilak.

Datenschutz und Nachhaltigkeit bewegen AfB

Dieser zertifizierte Prozess garantiert, dass sämtliche Datenträger nach höchsten Sicherheitsstandards gelöscht oder geschreddert werden. Per IT-Sicherheitstransport werden die entsprechenden Geräte durch AfB eigenes Personal und mit eigenem Fuhrpark bei den Partnerunternehmen abgeholt und zur nächstgelegenen Niederlassung transportiert. Dort wird dann je nach Zustand des Gerätes entschieden, ob es mit neuer Software bespielt und anschließend mit bis zu drei Jahren Gewährleistung verkauft oder in seine Einzelteile zerlegt und recycelt wird.

Die Nachhaltigkeit der eigenen Geschäftsprozesse ist einer der Grundpfeiler für Cvilaks unternehmerisches Handeln. Seit 2015 ist es das erste Sozialunternehmen, das die EU-CSR-Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung erfüllt. Die Entsprechenserklärung nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex als Social Enterprise übermittelt dabei unter anderem den Anspruch Botschafter der digitalen Inklusion zu sein und Klimapositiv handeln zu wollen, um durch die eigenen Wertschöpfungsprozesse nachweislich Umweltschaden zu reduzieren.

Partner gesucht

Bisher wurden durch die vorbildliche Arbeit von AfB über 327 Arbeitsplätze geschaffen, davon circa 45 Prozent für Menschen mit Handicap. Gemeinsam mit der BERLINboxx startet AfB die Initiative: „Berliner Unternehmen schaffen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung“. Die Schaffung von 50 Arbeitsplätzen, davon 25 für Menschen mit Behinderung, im Jahr 2018, ist das Ziel für die Hauptstadtregion. Jahr für Jahr werden in der Hauptstadt tausende Geräte abgeschrieben. Diese sollten nicht eingelagert oder für viel Geld entsorgt werden. Als Partner von AfB fördert stattdessen jedes Unternehmen und jede Behörde den Umweltschutz und die Inklusion.

Um das Ziel zu erreichen, müssen insgesamt 100.000 Geräte bis zum Ende des Jahres abgegeben werden. „Wir freuen uns, über vielfältige Unterstützung in Berlin. In den nächsten Wochen gehen wir auf Partnersuche. Ich bin sicher, dass die soziale Verantwortung der Berliner Unternehmer und Manager dazu beitragen wird, dass Behinderte bessere Chancen auf einen Job bekommen“, so Paul Cvilak und Dr. Angela Wiechula, Herausgeberin der BERLINboxx und Partnerin der Initiative. (uc)

Urbane Mitte: Zufall, Stein und Hyperloop

Berlins Stadtbild befindet sich durch einen historischen Stilmix im stetigen Wandel. Das MakeCity, das Festival für Architektur und Andersmachen, gibt noch bis zum 01.07.2018 Impulse und Strategien für eine innovative und nachhaltige Stadtplanung.

Ein besonderes Highlight wird am letzten Festivaltag stattfinden: Unter dem Titel „Zufall, Stein und Hyperloop“ findet ab 13:30 Uhr auf dem Grundstück des Projektes Urbane Mitte am Gleisdreieck, direkt neben dem BRLO Brwhouse, eine Paneldiskussion statt. Speaker verschiedener Branchen werden ihre Blickwinkel auf das Thema Stadtentwicklung darlegen.

Die Stadt im stetigen Wandel

Beim Panel sollen Fragen wie „Wie können wir unsere Städte abseits ferner Zukunftsszenarien anders denken, bauen und gestalten? Hier und jetzt?“ kontrovers diskutiert werden. Dafür beschäftigten sich die Panelteilnehmer mit jenen Treibern, die den komplexen Wachstums- und Veränderungsprozessen von Metropolen zugrunde liegen. Mit dem Zufall, da er alle Planungs- und Realisierungsprozesse mitgestaltet. Mit der Hardware, die als steingewordener Raum den Stadtkörper formt. Und mit den Menschen und Gütern, die sich bewegen oder bewegt werden und damit die urbanen Nervenstränge frequentieren und formen. Alle drei Komponenten bestimmen die Urbanität, Lebensqualität und Wandlungsfähigkeit einer Metropole.

Teilnehmer des Panels sind u.a.:

  • Dr. Meike Niedbal | Head of Biz Dev DB Station & Service, Project Lead Smart Cities
  • Jackie Thomae | Ratgeberbuch- & Bestseller-Autorin, Journalistin, Trend- & Transformationsexpertin
  • Dimitri Hegemann | Gründer Tresor, Berlin-Detroit Connection, Happy Locals u. a., Freiraumgestalter & Nighttime Economist
  • Darius Moeini | Co-Founder Numa Berlin, Project Lead Accelerator & Smart City Innovation Program, Urban Change Expert
  • Markus Penell | Partner / GF O&O Baukunst, Kurator O&O Depot, Architekt der Urbanen Mitte am Gleisdreieck
  • plus Special Guest

Dr. Christian Ankowitsch, Journalist und Sachbuchautor, wird die Veranstaltung moderieren.

Urbane Mitte am Gleisdreieck

Im Rahmen des MakeCity Festivals wurden für jede dieser drei Dimensionen besondere Gäste eingeladen. Diese werden mit den Besuchern die Möglichkeiten einer anderen Stadt diskutieren und sie subjektiv kartographieren.

Stattfinden werden die Gespräche am Berliner Gleisdreieck. Der urbane Hub steht beispielhaft für die Veränderung und die Dynamik Berlins. Früher wurden hier Waren und Güter umgeschlagen. Heute rattern Hochbahnen durch den beliebten Park am Gleisdreieck. In naher Zukunft wird hier auf 3,2 Hektar ein neues Stück Stadt entstehen.

Konzipiert wurde das Panel von Ortner & Ortner Baukunst und COPRO, für deren Stadtentwicklung „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ Ortner & Ortner Baukunst den Masterplan entworfen hat – sowie vom B-PART, dem „Lab For Urban Shift“ auf dem Projektgrundstück der Urbanen Mitte am Gleisdreieck. Die Moderation übernimmt Christian Ankowitsch, Sachbuchautor und Journalist. (red)

Frauen in Führung: Wo wollen wir eigentlich hin?

„Mittelmäßige Männer in Spitzenjobs sind für eine Frau genauso eine Zumutung wie für einen Mann herausragende Frauen an oberster Stelle“, so beschreibt die Unternehmerin und Publizistin Margarita Mathiopoulos den Stand der Dinge in den Führungsetagen. Ob Managerinnen, Bürgermeisterinnen oder Senatorinnen, in keiner deutschen Großstadt sind Frauen in Führung und Führungspositionen so präsent wie in Berlin. Dennoch herrscht immer noch keine Chancengleichheit, der Aufstieg für Frauen ist weiterhin beschwerlich. Grund genug, hinter die Kulissen zu schauen und die Hauptstadt mit ihren Female Leaders auf den Prüfstand zu stellen.

Machen sich Gleichstellungsinitiativen und Frauenquote bereits bemerkbar? Wie sind erfolgreiche Frauen in der Hauptstadt organisiert und vernetzt? Was kann aus politischer und unternehmerischer Sicht für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere getan werden? Was ist der Status Quo?

Frauen brauchen im Job einen langen Atem

„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung“, wusste der große Physiker Albert Einstein. In der praktischen Personalpolitik sieht es mitunter anders aus. Gute Leistung wird bei Männern und Frauen immer noch nicht gleich bezahlt. Derzeit herrscht eine Gender-Pay-Gap (Geschlechter- Gehaltslücke) von rund 21 Prozent bei gleicher Leistung. Dies ist nur eine von vielen Hürden, die Businessfrauen zu meistern haben. Die anderen lauten: Teilzeitarbeit, unbezahlte care-Arbeit und schlechte Betreuungssituationen sind nur die Spitze eines Eisberges.

Eine moderne berufstätige Frau benötigt einen langen Atem. Zwar soll die Frauenquote die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen beheben, aber noch fehlt es an Chancengleichheit, Frauenförderung und Familienfreundlichkeit. Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen allmählich nachziehen und die vorherrschende Arbeitskultur kritisch hinterfragen: Wo stehen wir und wo wollen wir eigentlich hin?

Ist die Frauenquote gescheitert?

Das Managerinnen-Barometer 2017 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt: In Unternehmensvorständen hat sich praktisch nichts bewegt. Bei Banken und Versicherungen haben Frauen geringe Chancen überhaupt in die Vorstände aufzusteigen. In der Bau- und Immobilienwirtschaft sieht es nicht besser aus. Ist die Frauenquote gescheitert?

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ist zuvor als Bezirksbürgermeisterin von Neukölln vor allem durch ihre Null- Toleranz-Politik gegenüber Kriminellen bekannt geworden. Als Unterstützerin der Frauenquoten möchte sie nun meldefaulen Unternehmen an den Kragen. Welche Sanktionen die betreffenden Unternehmen erwarten könnten, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Seit fast 40 Jahren wird die Frauenquote als Instrument der Personalpolitik kontrovers diskutiert – geändert hat sich unterdessen wenig. Die verbindliche Geschlechterquote von 30 Prozent ist seit 2016 für die Aufsichtsräte von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen Pflicht. Derzeit (Stand Januar 2018) betrifft die Quote bundesweit allerdings nur 108 Unternehmen und wird schleppend umgesetzt. Grund ist unter anderem, dass die Frauenquote nur für einen geringen Anteil von Großunternehmen mit circa 2.000 Beschäftigten verpflichtend ist.

Frauen in Führung – Transparenz soll gefördert werden

Abhilfe soll durch Präsenz und Transparenz geschaffen werden. Hier fährt die Politik deutlich den Kuschelkurs. Ein Beispiel ist die bestehende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, die mit dem Entgelttransparenzgesetz gelöst werden sollen. Das Gesetz dient zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen (seit 6. Juli 2017 in Kraft). Lohntransparenz soll Frauen dabei unterstützen ihren Anspruch auf gleiches Entgelt bei gleicher Arbeit besser durchsetzen zu können. Viel Aufwand für wenig Nutzen. Wünschenswert wäre es in den Unternehmen anzufangen und deren Arbeitskultur unter die Lupe zu nehmen.

In Berlin sind Frauen mit Führungsfunktion keine Seltenheit – mehr als jede dritte Führungsposition ist laut den Zahlen der Arbeitsagentur mit einer Frau besetzt. 49,2 Prozent der Verwaltungs- Führungsetagen sind weiblich vertreten. Im Bereich Erziehung und Bildung ist der Anteil mit 68,5 Prozent deutlich höher. Gravierend unterrepräsentiert sind Frauen allerdings in der Bauwirtschaft: Von den 5.370 Leitungspositionen werden 5.022 von Männern beansprucht. Das macht einen mageren Frauenanteil von 6,5 Prozent (Stand Februar 2018) aus. Insgesamt sind 36,2 Prozent aller Führungspositionen in Berlin von Frauen besetzt. Dünn besiedelt ist allerdings nach wie vor die oberste Hierarchieebene.

Ursachen sind Generations- und Wirtschaftsproblem

Auf der Suche nach Ursachen wird schnell deutlich: Es handelt sich um ein Generations- und Wirtschaftsproblem. Das Generationsproblem beginnt schon im Kindesalter, indem veraltete Geschlechterrollen aus dem Umfeld übernommen werden. Aus diesem Grund werden viele Berufsgruppen weiterhin geschlechterspezifisch dominiert. In Pflegeberufen findet sich wenig männliches Personal, andersherum finden sich in der Industrie oder im Handwerk nur vereinzelt Frauen. Experten fanden heraus, dass Frauen ihren späteren Beruf überwiegend aus einer Komfortzone auswählen, die rund 20 weiblich dominierte Berufe umfasst. Verstärkt wird dieser Zustand dadurch, dass die Arbeitsbedingungen und die Bezahlungen in den Berufsgruppen außerhalb der Komfortzone noch nicht angepasst wurden. Es ist schwierig das jeweils andere Geschlecht für eine Berufsgruppe zu gewinnen, wenn die Aufstiegschancen beschwerlich oder fast unmöglich scheinen. Davon betroffen sind in Berlin vor allem Industrie, Handwerk und Rechtspflege. Ein Umstand, der nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte.

Von ungefähr kam der Wertewandel jedoch nicht. Vorreiterinnen wie Spitzen-Managerin Vera Gäde-Butzlaff (Vivantes), haben den Weg für mehr Erfolgsunternehmen in Frauenhand geebnet. Selbst die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) präsentiert sich mit einer Frau an ihrer Führungsspitze: IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm ist eine von deutschlandweit drei Frauen, die eine solche Position innehaben. Ebenso leistet Dr. Sigrid E. Nikutta als Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) großartige Arbeit und zeigt, dass Karriere auch mit fünf Kindern möglich ist. Mit dem Frauenförderplan verdeutlicht die BVG vor allem, dass die Vereinbarkeit von Familie und Karriere vom ganzen Unternehmen unterstützt werden kann. Die Erfahrung zeigt: Sobald Frauen in Führung sind, ändert sich auch die Unternehmenskultur. Häufiger begeistern sich Frauen auch für Karrieren in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) oder in der Politik.

Initiativen finden Unterstützung

Tatsächlich werden viele Initiativen für Mädchen und Frauen vom Bund wie vom Land Berlin tatkräftig unterstützt. Bereits 2005 wurde die Landesinitiative Chancengleichheit in der Berliner Wirtschaft von der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie ins Leben gerufen. Ein weiteres Projekt der Initiative ist Kobra, ein Koordinierungs- und Beratungszentrum für die Weiterbildung von Frauen, in dem sich Betriebe unter anderem zur Frauenförderung beraten lassen können. Für mehr Frauen in Führungspositionen engagieren sich auch Institutionen aus der Wirtschaft. Beispielsweise der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) oder die IHK Berlin, die mit ihren vielfältigen Veranstaltungen für die Vernetzung von weiblichen Führungskräften sorgt. Denn Initiativen und Events beschäftigen sich nicht ausschließlich mit der Förderung und Unterstützung von Frauen, sondern bieten darüber hinaus auch eine Plattform zum Austausch.

Dennoch haben sich die Zeiten geändert und es wird sich schon viel früher für Chancengleichheit eingesetzt. Insbesondere die Förderung der Begeisterung von Schulkindern für die verschiedensten Berufe jenseits herkömmlicher Geschlechterzuschreibungen zeigt allmählich Erfolge. Musterprojekte sind der jährliche Girls’ Day und das Äquivalent des Boys’ Day. Seit 2002 erhalten dort vor allem Mädchen einen Einblick in Technik-und Industrieunternehmen. Gerade in den Ausbildungen und Studiengängen der MINT-Fächer ist der weibliche Anteil erschreckend gering. Mit dem Aktionstag rund um die Berufswahl hat sich aber zumindest die Lage in Berlin schon positiv gewandelt. Mittlerweile ist die Hauptstadt Vorreiter, was Frauen in technischen Berufen betrifft. Ein Anfang ist geschafft, es bleibt dennoch genug Luft nach oben.

Gleichstellungskampagne und Frauennetzwerke – viele Wege führen zum Ziel

Als Meilenstein wurde auch die Kampagne „Gleichstellung gewinnt – Kulturwandel in den Unternehmen“, initiiert von der Senatorin für Gesundheit, Gleichstellung und Pflege, Dilek Kolat, auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit IHK-Präsidentin Kramm und dem Präsidenten der Handwerkskammer Berlin (HWK), Stephan Schwarz, unterschrieben sie Anfang des Jahres eine Charta zur Gleichstellung in den Unternehmen. Vom Wiedereinstieg nach der Elternzeit bis hin zum Berufscomeback von Arbeitnehmern jenseits des 40. Lebensjahres, werden neue Arbeitsmodelle präsentiert. Politik und Wirtschaft setzen sich für mehr weibliche Führungskräfte ein, doch steht ein Kulturwandel noch aus. Er sollte nicht als Belastung, sondern aus unternehmerischer Sicht als Chance angesehen werden. Schließlich schafft eine moderne Unternehmenskultur mehr Vielfalt und Wettbewerbsfähigkeit.

Viele Wege führen zum Ziel – Wie organisieren und vernetzen sich eigentlich die Businessfrauen in der Stadt? Netzwerke gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Schnell wird es unübersichtlich, da sie sich thematisch überschneiden oder wie Webseiten schon jahrelang nicht aktualisiert wurden. Wichtig ist letztlich: Netzwerke müssen den eigenen Anforderungen entsprechen und mit der Lebensrealität vereinbar sein. Das setzt eine Aktualität und Nachhaltigkeit voraus sowie eine gute Organisation. Allen voran der seit 1954 aktive Wirtschaftsverband deutscher Unternehmerinnen (VdU) oder die stadtbekannte Weiberwirtschaft. Frauen in die Aufsichtsräte (FIdAR e.V.) ist eine Initiative und ein Appell zugleich – für mehr Frauen in den deutschen Aufsichtsräten. Unabhängig, überparteilich, überregional und vertraulich lautet ihr Credo. Aktuell ist ihre Präsidentin Monika Schulz-Strelow ist eine der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Wachsender Beliebtheit erfreuen auch international ausgelegte Frauenvereinigungen wie Business and Professional Women Germany e.V. oder das „we are PANDA“- Netzwerk. Aber was genau bewirken diese Netzwerke?

Sensibilisierung als langwieriger Prozess

Allen gemein ist: Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft mehr für Frauen in Führungspositionen zu sensibilisieren und sie auf diesem Weg unterstützend zu begleiten. Kontakte sind für die Karriere Gold wert. Natürlich muss differenziert werden, denn die Ausrichtung und Leistungen sind in jedem Netzwerk anders ausgerichtet. Einige bieten spezielle Mentoren-Programme für junge Frauen an, andere Wettbewerbe oder Jobvermittlungen für die Mitglieder. Zu nennen sind auch Vereine, die sich auf eine Berufsgruppe konzentrieren, wie Bündnisse für Ärztinnen, Juristinnen, Journalistinnen und oder Akademikerinnen allgemein. Aber auch für das digitale Business und die Technik gibt es eigene Netzwerke, wie Femtech Alumnae e.V. (eine Initiative der TU Berlin) oder webgrrls.de e.V.

Wegweisend sind ebenfalls unabhängige Programme, die Weiterbildungen für Frauen fördern. Ausgezeichnet wurde unter anderem sparkx, ein Leadership- Programm für Frauen in Medienunternehmen. Starke Partner hat auch der Frauen-Karriere-Index, die zum gemeinsamen Strategie- und Erfahrungsaustausch zum Thema „gleichberechtigte Teilhabe“ einladen. Bei so vielen Möglichkeiten verwundert allerdings, die scheinbar problematische Umsetzung.

Vielfalt ist Chefsache

Was muss noch geschehen, damit Frauen leichter in Führungspositionen aufsteigen können? Sicher, Kampagnen wie „Unternehmen mit Frauen an die Spitze“ leisten großartige Arbeit, aber das allein wird auf Dauer nicht genügen. Mittelständische Unternehmen müssen sich auch ohne politische Vorgaben oder Initiativen mit Themen wie Chancengleichheit auseinandersetzen. Vielfalt ist Chefsache: Je flexibler und moderner das Arbeitsmodell ist, umso mehr Bewerber, sprich potenzielle Fachkräfte sprechen sie an. Frühzeitig Begeisterung wecken, motivieren und Vorbilder etablieren, lautet beispielsweise die Unternehmensleitlinie zur Frauenförderung bei Idealo, Online-Preisvergleichsportal mit Sitz in Berlin-Kreuzberg.

Natürlich lassen sich flexiblere Modelle bei Start-ups und neugegründeten Unternehmen viel müheloser im kleinen Stil erproben. Dennoch sollten die mittelständischen Unternehmen mehr Engagement zeigen, um auch für Frauen attraktivere Bedingungen zu schaffen, nicht nur weil es vorteilhaft fürs eigene Image ist. Es muss nicht ein ausgearbeiteter Frauenförderplan sein, denn Familienplanung betrifft in der Arbeitswelt beide Geschlechter. Wichtig ist dort anzusetzen, wo es Schwierigkeiten gibt und das ist häufig die Vereinbarkeit von Kind und Karriere.

Ausblick: Arbeit 4.0 und weiter?

Woran es meist scheitert, ist der Wiedereinstieg. Familienfreundlichkeit betrifft vor allem Frauen in Führung. Viele Frauen entscheiden sich aufgrund starrer Arbeitsmodelle und wenig Verhandlungsspielraum gegen die Karriere oder den Aufstieg in die Führungsspitze. Eben dort ist die Wirtschaft gefragt. Unternehmen müssen nicht unbedingt kreativ werden, sondern nur die Vorteile der digitalisierten Arbeitswelt nutzen, indem Internet und mobile Arbeitsplätze für berufstätige Müttern und Vätern mehr Flexibilität im Arbeitsalltag gewährleisten. Arbeit 4.0 könnte als digitale Reform der bestehenden Arbeitsformen und -verhältnisse die Lösung von morgen sein. Anpassungsfähigere Arbeitsmodelle ermöglichen beispielsweise das Arbeiten per Home Office (Arbeit von Zuhause), durch mobile Zugänge (per Cloud Computing). Zudem ist Job-Sharing ein neues Modell, das durchaus von den Berliner Unternehmen aufgegriffen werden könnte. Zwei Berufstätige teilen sich in Teilzeit denselben Job und können so in gemeinsamer Abstimmung Familien und Arbeit managen.

Was wird der nächste Schritt sein? – Fragt sich selbstverständlich auch unsere Redaktion der BERLINboxx. Wird die Frauenquote bald mehr Unternehmen betreffen? Erhöht sich die Quote auf 50 Prozent? Fragen über Fragen. Der Kulturwandel in der Wirtschaft hat bereits begonnen und hat das Potenzial des Wirtschaftsfaktors Frau längst erkannt. Jedoch müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam, oder auch unabhängig voneinander, familienfreundliche Infrastrukturen begünstigen. Das heißt: Unternehmen bieten Arbeitsmodelle an, die Beruf und Familie miteinander vereinbar machen. Das können Betriebskindergärten, flexible Teilzeitmodelle und vieles mehr sein.

Zurückhaltung bei neuen Modellen

Noch ist die Berliner Unternehmenskultur sehr zurückhaltend hinsichtlich neuer Modelle, aber das wird sich mit den Frauen an Berlins Spitze zunehmend wandeln. Je mehr positive Beispiele präsent werden, umso schneller wird sich der Kulturwandel vollziehen. Die Wirtschaft könnte sich ein Beispiel an den Frauen-Netzwerken nehmen, denn die folgen dem Grundsatz: zuhören, austauschen, lernen und in die Praxis umsetzen. Es schadet auch nicht, wenn Unternehmen die Frauen dort abholen, wo sie sich gerade befinden. Worauf es letztlich ankommt ist doch, wohin sie gemeinsam gehen wollen – an die Spitze. (lj)

Das Palmöl-Dilemma: Steht das Pflanzenfett zu Recht in der Kritik?

Palmöl ist wegen seiner großen Vielseitigkeit und den geringen Herstellungskosten weltweit inzwischen das wichtigste Pflanzenöl. Vor allem aus der Lebensmittel– und Kosmetikindustrie ist es nicht mehr wegzudenken. Unter den pflanzlichen Fetten ist es der Superstar – dreimal so ertragreich wie Raps, leichter zu verarbeiten als Kokosfett. Die Palmöl-Produktion steht aber zugleich für vernichtete Regenwaldflächen, strittige Landrechte und katastrophale Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen. Dabei wird Palmöl längst nicht nur umfassend in Lebensmitteln, sondern vor allem auch in Kosmetika verwendet.

Alternative Ansätze: Ist eine faire Produktion von Palmöl möglich?

Unternehmen wie The Body Shop, Yves Rocher und Rituals werben für tierversuchsfreie Kosmetik, weitgehend natürliche Inhaltsstoffe und gründen oder fördern Projekte zur Durchsetzung dieser Standards. Der Kosmetikhersteller Dr. Bronner‘s hat sich bereits 2005 dazu entschieden, ausschließlich auf Rohstoffe aus Biolandbau und fairem Handel zu setzen und die Produktionsverhältnisse komplett umzukrempeln. Dazu gründete Dr. Bronner’s Tochtergesellschaften wie Serendipalm Co. oder Serendipol Co. in Ländern, aus denen das Unternehmen seine Rohstoffe für die Seifenproduktion bezieht. Außerdem werden die Projekte anderer Wohltätigkeits- und Naturschutzorganisationen tatkräftig unterstützt und zum Teil sogar weiter ausgebaut.

Dr. Bronner’s unterstützt verstärkt lokale Kleinbauern und fördert die gezielte und selbstständige Verwirklichung der Gemeinde. Als Mitglied der World Fair Trade Organization (WTFO) werden bereits 90 Prozent der verwendeten Inhaltsstoffe aus Biolandbau bezogen. So wurde 2007 das inzwischen von der ghanaischen Tochtergesellschaft geführte Projekt Serendipalm Co. für die Herstellung von Bio- und Fair Trade-Palmöl ins Leben gerufen. Über 500 Bauern von Farmen, auf denen keine Vergrößerung, Rodungen oder Artenvertreibungen stattgefunden haben, beliefern das Projekt bereits. Die örtlichen Kleinbauern wurden mit Setzlingen versorgt, die es ermöglichen, höhere Erträge auf gleicher Fläche zu erzielen.

Regenwaldrodungen und strittige Landrechte prägen das Image von Palmöl. | Foto: pexels.com

Regenwaldrodungen und strittige Landrechte prägen das Image von Palmöl | Foto: pexels.com

Fairness durch soziale Projekte

Nach ähnlichem Verfahren wurde bereits 2005 das Projekt zur Gewinnung von Bio- und Fair Trade-Kokosöl, Serendipol, in Sri Lanka und inzwischen auch in Kenia initiiert. Diese und viele weitere Projekte arbeiten durch Bodenwartung, die Vergrößerung der Abnahmefarmen, lokale Verbesserung der Lebensqualität und die Schulung der Kleinbauern darauf hin, durch die Erhöhung der Bodenqualität und Lebensqualität der Produkteure, auch eine Erhöhung der Produktivität und Profitabilität zu erreichen. Der Standort in Sri Lanka gehört inzwischen zur weltweit führenden Quelle für Fair Trade Virgin Coconut Oil (VCO). Das Projekt in Kenia wurde trotz weiterlaufender Kundschaft an lokale Partner übergeben. Ein Teil der Erlöse kam sozialen Projekten zugute. So wurden Jugendgruppen unterstützt, denen  bessere Lebensbedingungen ermöglicht werden sollen. Außerdem wurde der Aufbau öffentlicher Sanitäranlagen und einer Geburtenstation finanziert.

Umweltfreundliche Alternativen und Verantwortung

Ein bewusster Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit bedeutet jedoch nicht nur das Bewusstsein für Inhaltsstoffe, Produktionsbedingungen und Lokalität zu schärfen. Es erfordert beispielsweise auch, auf die verwendete Verpackung, produzierten Müll und Minimalismus zu achten. Verzicht auf Plastiktüten oder das Mitbringen von Stoffbeuteln ist schon längst common sense. Unverpackt-Läden, Vermeidung von Plastik, Ersatz durch Papierverpackungen oder Gebrauchsgegenstände aus Holz werden ebenfalls immer populärer. Dennoch wird Palmöl, das nicht nur im Ruf steht, Umwelt und Lebensräume zu zerstören, sondern auch gesundheitsschädigend sein soll, kritisch gesehen. Das Pflanzenfett schmeckt ähnlich wie Butter und ist in allerhand Fertiggerichten, Süßigkeiten, Babynahrung, Seifen und Streichcremes enthalten. Beschränkt man sich auf die Nutzung von Kosmetika, die Palmöl enthalten, dürfte die Frage nach den Produktionsstandards die Entscheidende sein.

Im Rahmen einer Round Table-Diskussionsrunde lädt Dr. Bronner‘s zur Beantwortung der Frage ein: „Kann Palmöl unter ökologisch und sozial verantwortungsvollen Bedingungen hergestellt werden?“. Im Berliner Standort in den Hackeschen Höfen wird am 26. Juni zu 19 Uhr debattiert. Diskutiert wird dabei sicher auch die Frage, ob auch nachhaltige und verantwortungsbewusste Erzeuge zu Recht oder zu Unrecht in der Kritik stehen. (cn)

100 Jahre Berliner Pressekonferenz: Fanal für die Pressefreiheit

Um die Verankerung der Pressefreiheit ging es schon vor 100 Jahren, als die Berliner Pressekonferenz gegründet wurde – das Thema ist weiterhin hochaktuell. Der Vorsitzende der Berliner Pressekonferenz, Thomas Klein, hatte zum 100-jährigen Jubiläum der Berliner Pressekonferenz Can Dündar, den ehemaligen Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, als Ehrengast ins Restaurant „Hugos“ im 14. Stock des Hotels „Intercontinental“ an der Budapester Straße geladen. Der 56-Jährige, der aktuell in Deutschland lebt, wurde 2015 in der Türkei der Spionage und des Landesverrats angeklagt. Die Strafandrohung liegt für ihn bei mehreren Jahren Haft.

„Wenn sich in der Türkei so viele wertvolle Journalisten an einem Ort treffen wollen würden, müsste das wahrscheinlich im Gefängnis stattfinden“, so Dündar. „Seien Sie solidarisch mit den Kollegen, die in der Türkei um die Meinungsfreiheit kämpfen“, forderte er die Anwesenden auf und äußerte die Hoffnung, dass man eines Tages in einer freien Türkei zusammen kommen könne. Nach seinem flammenden Plädoyer für Meinungsfreiheit, das Recht auf kritische Berichterstattung und eine freie Presse erhielt der Journalist minutenlange standing ovations von den anwesenden Gästen aus der Berliner Politik, Wirtschaft und natürlich den Medien.

 

Mit standing ovations gefeiert: Ehrengast Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ | Foto: Charles Yunck

Mit standing ovations gefeiert: Ehrengast Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ | Foto: Charles Yunck

 

Politiker loben die Pressekonferenz als Instanz der Pressefreiheit

„Es ist erschreckend, dass so etwas in einem befreundeten Land passiert“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und warb darum, es bewusst als Glück zu empfinden, „dass wir so offen und frei zusammen leben können“. Zu den Gratulanten zum 100-jährigen Jubiläum zählte auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die das im internationalen Vergleich einmalige Format der Selbstorganisation von Journalisten lobte und frei nach Voltaire zitierte: „Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters attestierte der Berliner Pressekonferenz ein ausgeprägtes journalistisches Selbstbewusstsein „sich zur Feier dieses Jubiläums auch Redner aus der Politik auf die Bühne zu holen.“ Foto: Charles Yunck

Kulturstaatsministerin Monika Grütters attestierte der Berliner Pressekonferenz ein ausgeprägtes journalistisches Selbstbewusstsein „sich zur Feier dieses Jubiläums auch Redner aus der Politik auf die Bühne zu holen.“ | Foto: Charles Yunck

 

Aus Sicht von Thomas Klein gehören Demokratie und eine freie Presse unweigerlich zusammen. „Dass wir aktuell immer noch über Themen wie Presse- und Meinungsfreiheit sprechen müssen, hätten wir uns nicht träumen lassen.“ Doch auch der digitale Umbruch ist für den Qualitätsjournalismus nicht nur Chance, sondern ebenso eine Herausforderung. „In Zeiten von Facebook, Newsfeeds und Fake News braucht es engagierte Journalisten, die sich für eine unabhängige und qualitätsvolle Berichterstattung einsetzen“, so Klein.

 

Gastgeber Thomas Klein (l.) neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dem Unternehmer Nadir Guediri (r.), COPRO Projektentwicklungs GmbH | Foto: Charles Yunck

Gastgeber Thomas Klein (l.) neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller und dem Unternehmer Nadir Guediri (r.), COPRO Projektentwicklung GmbH | Foto: Charles Yunck

 

Spargelessen mit langer Tradition

Das traditionelle Spargelessen der Berliner Pressekonferenz ist das Frühlings-Highlight im Terminkalender der Top-Entscheider Berlins. Dementsprechend hoch war die Dichte an Senatoren und wichtigen Repräsentanten der Berliner Wirtschaft. An den lebhaften Tischgesprächen nahmen neben den Senatsmitgliedern Regine Günther, Dilek Kolat, Katrin Lompscher, Andreas Geisel und Ramona Pop, Landessportbundpräsident Klaus Böger, Lotto-Vorstand Marion Bleß, Handelsverbandschef Nils Busch-Petersen, Polizeipräsidentin Barbara Slowik, Rabbiner Yehuda Teichtal, Abgeordnetenhauspräsident Ralf Wieland, Erzbischof Heiner Koch und der frühere Regierende Bürgermeister Walter Momper teil.

 

Investor Dr. Harry van Caem mit Bausenatorin Lompscher | Foto: Charles Yunck

Investor Dr. Harry van Caem mit Bausenatorin Lompscher | Foto: Charles Yunck

 

Neben Medienprominenz wie Gaby Papenburg, Ulrich Meyer oder Christine Richter, zukünftige Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, waren zahlreiche Größen aus der Wirtschaft wie Carsten Heinrich vom Immobilien-Branchenprimus Berkshire Hathaway HomeServices Rubina Real Estate, Andreas Knierim, Berliner Zoo, Hartmut Engler, Gegenbauer Unternehmensgruppe, Nadir Guediri, COPRO Projektentwicklung GmbH, Charité-Vorstand Karl Max Einhäupl, Bernhard Hansen, SSN Group, Herbert Dzial, HD Gruppe, Susanne Tattersall, Tattersall•Lorenz, und der niederländische Investor Dr. Harry van Caem gekommen. (ak)

 

Engagiert in Berlin: SSN Group Deutschlandchef Bernhard Hansen mit dem Regierenden Bürgermeister | Foto: Charles Yunck

Engagiert in Berlin: SSN Group Deutschlandchef Bernhard Hansen mit dem Regierenden Bürgermeister | Foto: Charles Yunck

Tradition versus Moderne: Wie kann Berlin die Wohnungsnot beseitigen?

Berlin braucht bis 2030 mindestens 194.000 neue Wohnungen, um mit dem Wachstum der Stadt Schritt zu halten und den mehr als angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Dies ergab sich aus einem Zwischenbericht zum Stadtentwicklungsplan 2030, den die zuständige Senatorin Katrin Lompscher im Oktober 2017 dem Senat vorlegte.

Eine erschütternde Bilanz, die eigentlich sofortiges politisches Handeln erfordert. Doch an einen verbindlichen und detaillierten Masterplan traut sich die Senatsbaudirektorin bisher nicht ran.

Berlins Kleingärten könnten die Lösung für die Wohnungsnot bedeuten

Der Anwalt und Projektentwickler Arne Piepgras hat sich nun mit einer Idee eingebracht, die die Wohnungsnot mittelfristig beseitigen könnte. Sein Versuch sich mit einem offenen Brief an Berlins Bausenatorin Gehör zu verschaffen, blieb ohne Erfolg. Sie reagierte bisher nicht. Doch Herr Piepgras wird nicht müde, es weiter zu versuchen. Am vergangenen Wochenende veröffentlichte er nunmehr einen zweiten Brief, der seinen zugegebenermaßen brisanten Vorschlag noch weiter erläutert:

Kleingartenanlagen sollen für den Bau von günstigen Wohnungen zumindest teilweise weichen.  Zugegebenermaßen berührt er damit ein Tabu. Kleingärten sind einer gewissen Generation heilig und haben eine starke Lobby. Sogar im Rot-Rot-Grünen Koalitionsvertrag wurde eine dauerhafte Sicherung der Anlagen festgehalten. Insgesamt sind rund drei Prozent der Stadtfläche, ca. 3000 Hektar, mit den privaten Grünflächen bedeckt. Laut einer Kalkulation von Piepgras, könnten auf dieser Fläche etwa 400.000 Wohnungen gebaut werden. Doppelt so viele, wie man in Berlin in den nächsten zwölf Jahren braucht.

Berlin braucht unkonventionelle Lösungen, um sexy zu bleiben

Die Kalkulation birgt also Luft nach unten: Wird nur die Hälfte der Kleingartenfläche bebaut, ist Berlins Wohnungsproblem gelöst. Da sicherlich auch noch andere Flächen erschlossen werden können, reicht ggf. sogar ein Drittel der Flächen, um ein großes Problem dieser Stadt zu beheben. Denn gibt es erstmal wieder annähernd genug Wohnungen, entspannt sich auch die Mietpreissituation.

Ist es angesichts dieser scheinbar einfachen Lösung für ein prekäres und existentielles Problem nicht zwingend nötig, zumindest eine Debatte darüber zu führen? Wieso darf eine ältere Generation von Menschen in zentraler, gut angeschlossener Lage die Hälfte des Jahres wirtschaften und die jungen Familien müssen ins Brandenburger Umland ziehen und teilweise mehrstündige Pendelverbindungen in Kauf nehmen, weil die Mietpreise in Berlin für sie nicht mehr zahlbar sind?

Sind Kleingärten überhaupt noch zeitgemäß? Wäre es vielleicht sinnvoller die in Teilzeit und privat genutzten Anlagen an den Stadtrand zu legen, einen Teil der innerstädtischen Anlagen in gemeinsam genutzte Stadtgärten zu verwandeln und den verbliebenen Teil eben für den Wohnungsbau zu nutzen?

Dies sind alles berechtigte Fragen, die dringend in einer öffentlichen Debatte geklärt werden müssen, sinnvoll organisiert und begleitet von der Politik. Warum kann sich Frau Lompscher die Arroganz leisten, neue Vorschläge in der von ihr versäumten Wohnungsbaufrage gänzlich zu ignorieren?

Die Kleingartenanlage Kolonie Westend erstreckt sich auf ca. 600 x 800 m und ist bestens angebunden an die U-Bahn, die Stadtautobahn und sogar ein Klinikum und eine Sportanlage befinden sich im direkten Umfeld. Auch das Spreeufer ist nicht weit. Ist es wirklich so abwegig einen kleinen Teil davon mit Wohnungen zu bebauen?

 

Die Not am Wohnungsmarkt muss zum Umdenken bewegen

Angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt müssen auch die eingefleischten Berliner auf die jüngeren zum großen Teil zugezogenen Familien zugehen. Letztendlich muss es hier einen gemeinsamen Lösungsversuch geben oder wie Arne Piepgras es formuliert, nur „Zusammen“ kann etwas erreicht werden.

Andernfalls wird Berlin einen Ausverkauf der Restflächen an die höchstbietenden, aller Wahrscheinlichkeit nach ausländischen Investoren erleben. Nicht jeder Bezirk nutzt so vehement sein Vorkaufsrecht wie Florian Schmidt in Friedrichshain / Kreuzberg.

Um für alle jetzigen und zukünftigen Berliner genügend Wohnraum zu schaffen, werden unangenehme oder zumindest unorthodoxe Lösungen unabdingbar sein. Auch die Idee von Aldi auf Supermärkten Wohnungen zu bauen, war zunächst ungewöhnlich und stieß auf Kritik. Inzwischen sind die ersten Modellprojekte bereits im Bau, denn ganz so abwegig ist die Idee auf den zweiten Blick eben doch nicht.

So erlebt es auch Arne Piepgras mit seinem Vorschlag. Inzwischen hat er durchaus einige Unterstützer gewonnen. Nun fehlt nur noch die Reaktion der Bausenatorin. (uc)

Berlin braucht bis 2030 mehr Flächen für neue Wohnungen

Der Begleitkreis zum Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030 hat sich in seiner 5. Sitzung am 22. Januar unter der Leitung von Senatorin Katrin Lompscher abschließend mit den Grundlagen des Stadtentwicklungsplans Wohnen beschäftigt. Dabei wurde noch einmal deutlich, welch gravierende Auswirkungen die stark wachsenden Einwohnerzahlen Berlins auf den zukünftigen Flächenbedarf haben.

Die Bevölkerung Berlins ist in nur sechs Jahren (2011 bis 2016) um eine Viertelmillion gewachsen, das entspricht der Einwohnerzahl der Stadt Kiel. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass schon heute 77.000 Wohnungen fehlen. Aufgrund des großen Drucks auf dem Wohnungsmarkt sind sowohl die Mieten als auch die Kaufpreise deutlich gestiegen. Um die Bewohnerinnen und Bewohner Berlins auch künftig mit leistbarem Wohnraum versorgen zu können und die Mietpreissteigerung zu dämpfen, sollen bis 2030 194.000 Wohnungen gebaut werden.

Berlin braucht mehr Flächen für neue Wohnungen

Da die derzeit benannten Potenziale für maximal 179.000 Wohnungen reichen, müssen für mindestens 15.000 Wohnungen zusätzliche Flächen gefunden werden. Außerdem wird Raum für die Verkehrserschließung und für notwendige Infrastruktur wie Schulen und Kitas benötigt. Darüber hinaus muss Vorsorge getroffen werden, dass auch nach 2030 noch genügend Flächen für zukünftige Entwicklungen zur Verfügung stehen.

Besonders wichtig ist die Schaffung von leistbarem Wohnraum. Städtischen Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Der Senat hat deshalb das ehrgeizige Ziel formuliert, dass von den 100.000 Wohnungen, die bis 2021 benötigt werden, 30.000 Wohnungen von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften errichtet werden sollen. Wohnungsbaugenossenschaften sollten bei der Baulandbeschaffung besser unterstützt werden.

Intellligente Nachverdichtung bleibt eine Option

Im Begleitkreis wurden die mit dem Wohnungsbedarf einhergehenden Konflikte, aber auch die Chancen hervorgehoben. So entstehen neue Stadtquartiere und auch bestehende Quartieren können durch intelligente Nachverdichtung profitieren. Zum Beispiel durch neue Wohnformen, klimagerechte Bauweisen, neue Stadtplätze und Einkaufsmöglichkeiten oder durch eine verbesserte Verkehrserschließung.

Die Konsequenzen aus diesen beispielhaft genannten Befunden werden im Zentrum der nächsten Begleitkreissitzung stehen. Dazu Senatorin Katrin Lompscher: „Wir werden die zahlreichen wertvollen Hinweise in den kommenden Wochen in unsere Arbeit aufnehmen und in der nächsten Sitzung des Begleitkreises Anfang Mai ausführlich über die daraus ableitbaren Handlungsansätze diskutieren.“

BPW diskutiert Berlins Zukunft als Gründungshauptstadt

 

Berlins Startup-Szene boomt. Die Hauptstadt hat sich zum internationalen Hotspot für Gründungen entwickelt. Einer der ältesten Akteure im Gründungsgeschehen ist der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW). Mit seinen nunmehr 23 Jahren ist die Gründungsinitiative schon fast ein Oldtimer in der Szene und begleitet jedes Jahr hunderte Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg von der Idee zum Geschäftskonzept.

Doch was geschieht nach der Gründung? Kann die Hauptstadtregion die Erfolgskonzepte halten und Abwanderung verhindern? Ist die derzeit vorherrschende positive Aufbruchstimmung nachhaltig oder droht sie zu kippen? Darüber hat der BPW am Donnerstag im Rahmen des GSG-Forums mit Sebastian Blecke, Gastgeber des Abends und Geschäftsführer der GSG Berlin, Sascha Schubert, stellvertretender Vorsitzender und Regionalleiter Berlin beim Bundesverband Deutsche Startups, Quirin Schwanck, Mitgründer von Prince Charles und Mitbetreiber des Parker Bowles, sowie Alexander Piutti, Business Angel und Seriengründer, diskutiert.

Berlins Potential als Gründungshauptstadt

Einig waren sich alle: Berlin hat Potenzial. Momentan sei die Hauptstadt ein Flugzeug auf der Startbahn, das noch nicht abgehoben habe. Doch was braucht die Stadt, um als internationale Gründungs-Metropole richtig durchzustarten?

Sascha Schubert: „Berlin hat gute Voraussetzungen, um sich weiterhin im Wettbewerb der Metropolen zu behaupten – eine breite Hochschullandschaft mit zahlreichen Gründerzentren und gute Finanzierungsmöglichkeiten. Aber es mangelt noch immer an Support. Es fehlen einheitliche englischsprachige Ansprechpartner in der Verwaltung, Prozesse sind nicht digitalisiert und Infrastrukturen nicht vorhanden. Der Senat muss endlich Gas geben. Sonst ist der Place-to-be für Startups vielleicht bald nicht mehr Berlin, sondern eine andere Stadt.“

Quirin Schwanck: „Die Dezentralität ist ein riesen Pluspunkt für Berlin. Darin steckt ihr größtes Potenzial. Denn das Gründungsgeschehen konzentriert sich nicht nur auf die Stadtmitte. Überall entstehen neue erfolgreiche Startup-Hubs. Wichtig ist, dies als Chance zu begreifen und nicht mehr nur in der Kategorie S-Bahn-Ring zu denken.“

Alexander Piutti: „Die Energie in der Stadt ist gigantisch. Jedoch dürfen wir uns nicht auf dem positiven Momentum ausruhen. Es gibt noch viele Herausforderungen. Ein zentraler Aspekt für die Zukunft sind digitale Parallelstrukturen. Es müssen die richtigen Angebote geschaffen und nicht nur bestehende Prozesse optimiert werden.“

Sebastian Blecke: „Ein junges Unternehmen, das wachsen will und Fachkräfte sucht, kann nicht an den Rand von Berlin ziehen, wenn die Mobilitätsangebote nicht stimmen. Günstige Gewerbeflächen, digitale Verwaltungen, moderne Mobilitätskonzepte und ein attraktives Stadtleben als Anziehungspunkt für internationale Fachkräfte sind die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Gründer-Metropole. Da stehen wir größtenteils noch am Anfang. Nun gilt es, die positive Stimmung richtig zu nutzen und das Flugzeug zum Abheben zu bringen.“

BPW will Gründungsgeschehen weiter ankurbeln

Auch der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg hat es sich zum Ziel gesetzt, das Gründungsgeschehen weiter anzukurbeln. Mit mehr als 200 eingereichten Geschäftskonzepten in der ersten Wettbewerbsstufe 2018 stehen die Chancen für neue Rekordzahlen gut. Bereits am 1. Februar erfahren die sechs Finalisten der Wettbewerbskategorie BPW Plan und die drei Finalisten aus BPW Canvas, ob sie es auf die Bühne geschafft haben. Am 15. Februar schließt die erste Wettbewerbsphase mit der traditionellen großen Prämierungsfeier in der Investitionsbank Brandenburg (ILB).

Die GSG Berlin ist seit über einem Jahrzehnt treuer Premiumpartner des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg und lädt regelmäßig zu Diskussion und Erfahrungsaustausch im Rahmen des GSG-Forums ein. Sie ist der ideale Partner, wenn es um die Umsetzung von Geschäftsideen geht. Mit rund 900.000 m² an 45 Standorten gehört sie zu den führenden Büro- und Gewerbeflächenanbietern Berlins. Rund 1.800 Unternehmen zählen zur Mieterschaft und haben bereits die passenden Flächen gefunden: Ob Hightech-Unternehmen, Kreativagentur, klassischer Dienstleister oder produzierendes Gewerbe – für jede Nutzung gibt es die richtigen Flächen von 20 bis 20.000 m². (red)

Vegane Ernährung – Definition & Regeln

Laut dem Vegetarierbund leben etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan – Tendenz stetig steigend. Doch was heißt es genau vegan zu leben und ist vegane Ernährung gesund?

Definition und Regeln des Veganismus

Der Veganismus ist eine besondere Form des Vegetarismus. Anders als die Vegetarier verzichten Veganer nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auch auf alle anderen tierischen Produkte, wie Milch, Eier oder Honig.

Der Veganismus geht sogar noch einen Schritt weiter. Denn vegan zu leben, bedeutet noch mehr als nur vegan zu essen. So schließt die vegane Lebensweise auch das Tragen von Kleidungsstücken, die tierischen Ursprunges sind, aus. Demnach tragen Veganer kein Leder, keine Seide oder Wolle. Viele nehmen diese Definition von vegan jedoch nicht allzu genau, sodass man zahlreiche vermeintliche Veganer in Berlin mit Wollpulli sieht.

Die Vorteile einer veganen Lebenseinstellung

Die vegane Lebenseinstellung basiert für die meisten an erster Stelle auf einer Art Ideologie. Es geht um das Mitgefühl mit dem Planeten, der Umwelt und natürlich den Tieren. Veganer sind grundsätzlich gegen die Massentierhaltung und setzen gerne sich für den Umweltschutz ein. Insgesamt ist die vegane Lebensweise dadurch geprägt, dass natürliche Ressourcen besser genutzt werden.

Dabei geht es auch um den menschlichen Körper, denn vegane Ernährung ist kalorienarm und gesund. Veganer essen viel weniger Fast Food, greifen gerne zu Vollkornprodukten und essen vor allem mehr pflanzliche Lebensmittel. Pflanzen sind reich an natürlichen Antioxidantien, welche vor Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen degenerativen Erkrankungen schützen. Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Flavonoide, Polyphenole oder OPC werden derzeit ausgiebig auf ihre medizinische Wirksamkeit hin erforscht. Nachweislich positiv wirkt sich streng gelebter Veganismus auch auf die Cholesterinwerte aus, diese sinken durch vegane Ernährung. Dass pflanzliche Fette gesünder sind als tierische, haben die uns die Ökotrophologen schon oft genug postuliert.

Ist vegane Ernährung gesund?

Ernährungswissenschaftler sind sich bei der Beurteilung der veganen Ernährung alles andere als einig. So ist immer wieder die Rede von der Gefahr von Nährstoffdefiziten. Vor allem während der Schwangerschaft, in der Stillzeit und während des jugendlichen Wachstums ist das Risiko einer Mangelernährung bei veganer Ernährung sehr hoch. Besonders für die Eiweißzufuhr wird es problematisch. Denn Eiweiß wird im Optimalfall in tierischer und pflanzlicher Form benötigt, um dem menschlichen Stoffwechsel ausreichend Nährstoffe zuführen zu können. Gerade bei den Mikronährstoffen muss man als Veganer besonders achtgeben. Veganer brauchen z. B. alternative Quellen für Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen, Calcium Vitamin D und B-Vitamine wie B2 oder B12. Diese Zufuhr müssen Veganer ggf. über vegane Nahrungsergänzungen regeln.

Veganer verzichten freiwillig auf viele Dinge im Leben. Dennoch ist es sehr schwierig zu 100 Prozent vegan zu leben. In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Realität, sind überall Stoffe tierischen Ursprunges verborgen, denen man sich nur schwer vollständig entziehen kann. So sind in vielen Textilien „nicht-textile Bestandteile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet, Brotaufstriche enthalten häufig Gelatine, wie übrigens auch viele Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel in Kapseln oder als Dragees. Und Milchprodukte sind allgegenwertig. Insofern bleibt die vegane Lebensweise insofern ein Stück weit ein Ideal, dem man sich soweit wie möglich annähern kann.

Vegan leben ist eine Lebenseinstellung

Zwar ist Veganismus eine Form des Vegetarismus, jedoch sind die Restriktionen weitreichender. Zugunsten der Umwelt verzichten Veganer auf weit mehr als Vegetarier und die Einschnitte betreffen neben der Ernährung auch die Wahl der Kleidung und vieles mehr. In mancher Hinsicht ist das nicht immer gut für die Gesundheit, denn es können vor allem bei Kindern Mangelerscheinungen auftreten.

Wer vegan leben möchte, entscheidet sich nicht nur für eine andere Ernährung, sondern für eine alternative Lebensweise. Und so entstehen immer neue Vegetarismus Formen, bei denen nicht so streng auf die Regeln geachtet wird. Gerade jungen Menschen ist es einerseits wichtig, ein Statement für Natur und Nachhaltigkeit abzugeben, andererseits jedoch auch einen gesunden Lebensstil zu zelebrieren – dazu gehört auch, sich nicht durch zu strikte Vorschriften zu stressen oder durch völligen Verzicht seiner Gesundheit zu schaden. Man darf sich also nicht wundern, wenn man in Berlin auch mal einen selbsternannten Veganer beim Bio-Schlachter trifft. (uc)

Veranstaltungen

Konferenz ERF 2018: European Resources Forum

Zum vierten Mal seit 2012 veranstaltet das Umweltbundesamt (UBA) vom 27. bis 28. November 2018 die internationale Konferenz „Europäisches Ressourcen-Forum“ (ERF). Die Konferenz findet im Ludwig Erhard Haus in Berlin statt. Erwartet werden rund 400 Gäste aus bis zu 40 Ländern.

Die Konferenz Europäisches Ressourcen-Forum 2018 richtet sich an Entscheidungsträger sowie Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Im Anschluss an das ERF 2018 veranstaltet das Umweltbundesamt am 29. November 2018 das Nationale Ressourcen-Forum 2018.

Ziel des Europäischen Ressourcen-Forums ist es, ein europäisches und internationales Diskussionsforum im Themenfeld „Schonung natürlicher Ressourcen“ bereitzustellen, das auf die politische und wissenschaftliche Debatte des Themas fokussiert.

Nach den drei erfolgreichen Veranstaltungen in den Jahren 2012, 2014 und 2016 hat sich das ERF zu einer wichtigen Plattform für die Diskussion um eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen in Europa und international entwickelt.

Der ERF 2018 will einen Beitrag zur Entwicklung und Umsetzung gemeinsamer Positionen für die Politikgestaltung in Europa und international leisten. Der ERF ist ein wichtiges Instrument für die Kommunikation des Themas Ressourcenschonung und für die Einrichtung von Netzwerken sowie die Bildung von Stakeholder-Allianzen.