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Die Wirtschaft in der Hauptstadtregion feiert 30 Jahre Mauerfall

Beim traditionellen Jahresempfang der Unternehmensverbände Berlin/Brandenburg (UVB) wurde mit 600 Gästen im KaDeWe das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls und die Verbundenheit der Hauptstadtregion gefeiert. Fazit des Abends: Präsident Dr. Büchner sieht noch großes Wachstumspotenzial für Berlin und Brandenburg.

Hauptstadtregion – Landesgrenze keine Trennungslinie

Vor dem 30. Jubiläum des Mauerfalls haben die Unternehmen in der Hauptstadtregion dazu aufgerufen, das erfolgreiche Zusammenwachsen des Landes stärker zu würdigen. „Berlin und Brandenburg sind heute eine der spannendsten und dynamischsten Regionen in Deutschland. Wir sollten stolz auf das sein, was wir seit 1989 gemeinsam erreicht haben, statt das Trennende zu betonen“, sagte Dr. Frank Büchner, Präsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), bei der Eröffnung des traditionsreichen Bierabends am Mittwochabend im KaDeWe.

„Wirtschaftlich ging es vielen Menschen noch nie so gut.“ Mutige Unternehmer und ihre Beschäftigten in Berlin wie in Brandenburg hätten nach dem Fall der Mauer zusammen die Soziale Marktwirtschaft aufgebaut, befand Dr. Büchner weiter. „Vor allem mittelständische Betriebe aus den Bereichen Industrie, Digitalwirtschaft, Bau, Handel, Logistik, Gesundheitswirtschaft oder Tourismus haben die Region in den vergangenen Jahren wieder ganz nach vorne gebracht“, sagte der Präsident des Spitzenverbands. „Ich bin mir sicher, dass wir in Sachen Produktivität und Innovationen noch vieles erreichen können, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen.“ Berlin und Brandenburg sollten hier noch viel intensiver zusammenarbeiten, die Landesgrenze dürfe keine Hürde sein.

Wirtschaft und Politik aus der Hauptstadtregion zu Gast im KaDeWe

Zu dem Jahresempfang begrüßte er zusammen mit UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck rund 600 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Medien. Der UVB-Jahresempfang ist eines der wichtigen gesellschaftlichen Ereignisse in der Hauptstadt. Gekommen waren in diesem Jahr der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey, Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, die Mitglieder des Berliner Senats sowie der brandenburgischen Landesregierung.

Bierabend des UVB – Harmonie zwischen Politik und Wirtschaft

Besonders begrüßte Dr. Büchner die neu gewählten Abgeordneten des Landtags und wünschte den künftigen Koalitionspartnern SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen viel Glück und Erfolg für ihre Arbeit. Durch verstärkte Investitionen in die Infrastruktur und in die Digitalisierung könne es zukünftig besser gelingen, dass der wachsende Wohlstand überall im Land ankomme. Mit Blick auf Berlin wies Dr. Büchner auf die wirtschaftliche Abschwächung und die konjunkturellen Risiken hin. Im Hinblick darauf müsse das Land alles vermeiden, was den Investitionsstandort belastet. „Angesichts der Beschlüsse zum Mietendeckel sind viele Unternehmen besorgt und verunsichert.“

Die Gäste

Bundes- und Landespolitik waren prominent vertreten u. a. mit: Dr. Franziska Giffey (SPD),  Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Thomas Heilmann (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages, Kai Wegner (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages; Landesvorsitzender CDU Berlin, Christoph Meyer (FDP), Mitglied des Deutschen Bundestages, Landesvorsitzender FDP Berlin, Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, Ralf Wieland (SPD), Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ramona Pop (Bü90/Die Grünen), Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Jugend, Bildung und Familie, Regula Lüscher, Staatssekretärin im Ressort Stadtentwicklung und Wohnen, Senatsbaudirektorin, Raled Saleh (SPD), Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin

Der UVB konnte wichtige Wirtschaftsvertreter aus seinem „herbstlichen Gipfeltreffen“ begrüßen: Markus Voigt, Präsident VBKI, Udo Marin, Geschäftsführer VBKI, Werner Gegenbauer, Aufsichtsratsvorsitzender Unternehmensgruppe Gegenbauer; Präsident Hertha BSC, Gerhard Wilhelm, Sprecher der Geschäftsführung der Spielbank Berlin, Engelbert Lütke Daldrup, Flughafen-Chef, FBB Flughafen Berlin Brandenburg, Matthias Trunk, Vorstandsmitglied GASAG AG, Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung Messe Berlin GmbH, Frank Schmeichel, Gründer Business Network und Verleger BERLINboxx-Wirtschaftsmagazin, Christian Andresen, Inhaber The Mandala Hotel, Präsident Hotel- und Gaststättenverband Berlin (DEHOGA), Vera Gäde-Butzlaff, Vorsitzende des Aufsichtsrats von Vivantes, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Berlin (red)

Trotz harter Debatten im politischen Tagesgeschäft: Beim Bierabend des UVB an der Fotowand einhellige Harmonie zwischen Wirtschaft und Politik – auch die Bundespolitik gab sich die Ehre!

Bild 1: Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey fankiert von Christian Amsinck, UVB-Hauptgeschäftsführer und Dr. Frank Büchner

Bild 2: Wirtschaftssenatorin Ramona Pop umrahmt von Christian Amsinck, UVB-Hauptgeschäftsführer und Dr. Frank Büchner, Präsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB).

Bild 3: Wirtschaft im Einklang! (v.l.n.r.) Christian Amsinck, UVB-Hauptgeschäftsführer, Gerhard Wilhelm, Sprecher der Geschäftsführung der Spielbank Berlin, Dr. Frank Büchner, Präsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB)

Neues Stadion für Hertha BSC: die ewige Suche nach einem passenden Grundstück

Am Rande des Olympiaparks, auf dem Gelände des Flughafen Tegel, auf dem zentrale Festplatz – der Fußballverein Hertha BSC wird bei seiner Suche nach einem Grundstück für ein neues Stadion nicht müde. Doch auch bei dem zentralen Festplatz im Norden von Berlin als Standort scheinen die Gegenargumente zu überwiegen.

Ausweichplan: Zentraler Festplatz

Nachdem die Pläne von Hertha BSC, am Rand des Olympiaparks eine Arena zu bauen, vorerst gescheitert sind, hatte die Landesregierung vier mögliche Alternativen für ein neues Stadion prüfen lassen. Die Mieter einer kleinen Genossenschafts-Siedlung wollten dem Bauprojekt nicht weichen.

Von den vier Alternativen liegen drei auf dem Gelände des heutigen Flughafens Berlin-Tegel (westlich der Landebahn, auf der Landebahn nahe dem TXL-Terminal und auf dem nördlichen Rollfeld in der Nähe des Flughafensees) und eines auf dem zentralen Festplatz. Die Senatsverwaltung prüft die Standorte seit Mitte September. An den Gesprächen sind sowohl die landeseigene Tegel Projekt GmbH, die fachlich zuständigen Senatsverwaltungen und der Profiverein selbst beteiligt.

Neues Stadion für Hertha BSC: noch ist alles offen

Ob es dem Berliner Senat jedoch gelingt, Hertha BSC am Flughafen Tegel ein Grundstück für die gewünschte neue Fußballarena zu ermöglichen, ist nach wie vor offen. Denn statt ursprünglich bis Ende Oktober wird jetzt doch länger geprüft. „Das war nicht Thema in der Staatssekretärskonferenz“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder am Dienstag gegenüber der Berliner Zeitung. „Aber es gab eine interne Runde, die sich mit dem Thema befasst hat. Das ist aber noch kein Anlass für öffentliche Mitteilungen.“ Bisher wurde nur bekannt, dass die Verhandlungen „konstruktiv“ verliefen, aber noch kein Ergebnis vorliege. Auch die nach Bericht des Bild-Zeitung bevorzugte Variante „Zentraler Festplatz“ östlich der Stadtautobahn A111 wurde von Seiten des Berliner Senats bisher nicht bestätigt.

Uneinigkeit bei der Eignung

Zwischen dem Profiverein Hertha BSC und dem Berliner Senat herrscht noch Uneinigkeit über die Eignung des zentralen Festplatzes. Der Bundesligaverein ist bisher der Ansicht, dass dieses Grundstück für das geplante Stadion einschließlich der notwendigen Infrastruktur zu klein sei. Entsprechende Sportexperten der rot-rot-grünen Regierung sind an diesem Punkt anderer Meinung.

Unabhängig davon hat der Standort Tegel ein generelles Problem: Es gibt nur eine mangelhafte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Zudem sind die Flächen auf dem heutigen Flughafen Tegel (TXL), der im nächsten Herbst stillgelegt werden und zu einem Wissenschafts- und Industriepark plus Wohnquartier entwickelt werden soll, weitgehend verplant. Soll hier noch ein Stadion entstehen, müssten weit vorangeschrittene Bebauungspläne korrigiert werden.

Wohin mit den Schaustellern?

Eine weitere Frage: Was passiert mit Schaustellern? Bisher wurde der zentrale Festplatz für verschiedene Volksfeste und andere Veranstaltungen genutzt. Diese wären dann nicht mehr möglich und die Schausteller müssten weichen. Hinzukommt: Auch zu diesen Anlässen gab es immer wieder Überlastungen des öffentlichen Nahverkehrs. (aw)

WerkStadtForum City West erarbeitet gemeinsame Ziele und Strukturen für die City West

Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf? Darauf möchte das WerkStadtForum City West eine Antwort finden.

Auf Initiative des Bezirks Charlottenburg Wilmersdorf, der AG City e.V., der IHK, dem VBKI und dem Werkbund startete deshalb am 09.09.2019 das WerkStadtForum City West mit der ersten Sitzung des Kuratoriums. Eingeladen wurden die Teilnehmer von Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Charlottenburg Wilmersdorf, Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City e.V. und Gottfried Kupsch Vorstand AG City e.V.

Aufbauend auf diese erste Veranstaltung fand am dann am 26.09.2019 der erste Workshop mit ca. 40 Vertretern der Stadtgesellschaft statt, zu denen auch Vertreter der Fraktionen der BVV des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gehörten. Dort sollten erste Ziele erarbeitet werden. Weitere Veranstaltungen sind für die kommenden Wochen und Monate geplant. Darüber hinaus soll im WerkStadtForum City West ein ständiger Dialog zum Thema Zukunftsgestaltung City West stattfinden, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

WerkStadtForum City West: Pläne für die Zukunft von Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf steht an einem wegweisenden Wendepunkt, an dem auf viele Fragen und Probleme Antworten gefunden werden müssen. Das Stadtleben muss für alle wieder attraktiver werden, indem die Aufenthaltsqualität zukunftsorientiert und nachhaltig verbessert wird. Jetzt kommt es darauf an, wie alle Beteiligten diese seltene Chance ergreifen und Charlottenburg-Wilmersdorf in die Zukunft führen.

Das WerkStadtForum City West hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, im Dialog mit einem fachlich vielseitig aufgestellten Teilnehmerkreis, die Bedürfnisse der Stadt in einem Workshop Format zu diskutieren, Handlungsempfehlungen für ein notwendiges Leitbild zu erarbeiten und im Anschluss konkrete Umsetzungsempfehlungen für zukünftige Bauprojekte abzuleiten.

Schwerpunkte sind neben der räumlichen Orientierung auf die City West und ihre Bedeutung für die Gesamtstadt die Themen Verkehr und Mobilität, soziale Komponenten wie Wohnen und Versorgung, Stadtraum und Stadtökologie (Freiräume und deren Funktion, Städtebau, Stadtgrün, Energie, Nachhaltigkeit) Baugeschichte und Denkmalschutz, Kultur und Medien, sowie Gewerbe, zu dem die Entwicklung der Einzelhandelsflächen, Büroflächen und die Entwicklung des Tourismus gehören. Alles wird dabei immer unter der Prämisse betrachtet, dass die Identität der Stadt nicht verloren gehen darf.

Die Workshops des WerkStadtForum City West

Zu den Workshops des WerkStadtForum City West kommen ca. 40 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammen. „Wir haben nicht nur Unternehmer, Politiker und Verbände, sondern auch die Kirchengemeinde und Vertreter der Universitäten für eine Zusammenarbeit gewinnen können“, sagt Gottfried Kupsch, Vorstand der AG City e.V. „Damit haben wir die organisatorischen Voraussetzungen, um für die City West einen umfassenden Raumkonsens zwischen den unterschiedlichen Interessen zu finden, wie wir ihn im Grunde auch für ganz Berlin bräuchten.“

Dem 16-köpfigen Kuratorium gehören unter anderem Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt in Charlottenburg-Wilmersdorf, Gottfried Kupsch von der AG City e.V., Jochen Brückmann von der IHK, Michael Knoll vom VBKI sowie Tim Heide vom Werkbund an.

Dem Kuratorium gehören ferner an:

  • Andreas Schulten (bulwiengesa)
  • Christoph Langhof (Langhof Architekt)
  • Stefan Jäckel (ST raum a)
  • Sebastian Seelig (BuroHappold Engineering)
  • Dr. Wolfgang Schäche (Beuth Hochschule)
  • Matthias Blessing (Fachanwalt für öffentliches Baurecht)
  • Stephan Allner (DIE WOHNKOMPANIE)
  • Benedikt Scholler (Drees & Sommer)

„Das Kuratorium soll als ein fachliches Gremium alle Prozesse des Forums begleiten und durch Anregungen und Hinweise verbessern sowie die Inhalte präzisieren und schärfen, um Ergebnisse zu erreichen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden können“, sagt Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender der AG City e.V. „Das Kuratorium ist jedoch nicht Entscheidungsträger hinsichtlich der Beurteilung und Genehmigung von Projekten.“ Diese Aufgabe stehe allein dem Bezirk zu. Die Organisation und Moderation des WerkStadtForum City West liegt in den Händen von Caroline Lehmann und Wolf Uwe Rilke. (red)

Ateliernot in Berlin: Künstler in den Uferhallen haben „Eigenbedarf“

Die Angst vor Eigenbedarf und Immobilienverkauf raubt derzeit nicht nur vielen Berliner Mietern den Schlaf. Auch die Künstler in den Weddinger Uferhallen sorgen sich und machen eine Ausstellung zum Thema. Die Investorengruppe Augustus Capital hat das ursprünglich denkmalgeschützte Areal 2017 aufgekauft. Seitdem ist die Zukunft des Kunst- und Kulturstandortes ungewiss. Die Hauptstadt pflegt zwar das Image einer Creative City, aber die Realität sieht anders aus. Raumnot, steigende Mieten, immer weniger bezahlbare Ateliers und Privatisierungen lassen kreative Orte in der Stadt verschwinden.

Um auf diese Problematik hinzuweisen, haben die in den Uferhallen arbeitenden Künstler und Künstlerinnen die Ausstellung „Eigenbedarf“ konzipiert. Was – Für – Wen? So lautet die Frage auf drei im Wind wehenden Fahnen von Peter Droboschke am Eingangstor. Antje Blumenstein predigt von einer weißen Styroporkanzel „die Schaffung einer schönen neuen Welt“ und Lena von Goedeke lässt überdimensionale Banknoten flattern.

90 Künstler auf 19.000 Quadratmetern

In der Ausstellung gibt es künstlerische Gedankenspiele zur Zukunft des Areals: Zum Beispiel ein Modell der „neuen Uferhallen“ von Peter Klare, das mit einem in die alten Bestände eingefügten, kreisrunden Einbau alle einbinden will. Unter den Künstlern sind auch bekannte Namen wie Monica Bonvicini, Maria Eichhorn und Katharina Grosse. Viele Beiträge der von Isabelle Meiffert kuratierten Ausstellung setzen sich mit dem Gebäudeensemble auseinander, stehen im räumlichen Kontext, zeigen Visionen oder reflektieren die aktuellen Prozesse.

Die Linien scheinen in der Uferstraße 8 gezogen: auf der einen Seite die Künstler, die Angst um ihre hier beheimateten Ateliers haben, auf der anderen die Käufer. Findet im Wedding die nächste große Gentrifizierung statt? Droht einem Kulturstandort erster Güte mit mehr Ateliers als überall sonst in der Stadt, der außerdem Konzerträume, Tanzprojekte, Theaterinszenierungen, Tonstudios und Probenräume beherbergt, der Ausverkauf? Oder könnte es zu einer gütlichen Einigung kommen?

Kunst oder Kommerz?

Aktuell sitzen Ephraim Gothe, der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Mitte, seine Denkmalpfleger, die neuen Besitzer und deren Architekten, das Büro Ortner + Ortner, am Tisch, um eine Lösung zu finden. Mit einem Trick verschafften sich die Künstler ebenfalls Zugang zu den Verhandlungen, indem sie bei der Bilanzpressekonferenz des Kultursenators im April einfach dazwischenfragten, warum sie als Nutzer nicht beteiligt werden, die Gespräche seit einem Dreivierteljahr ohne sie laufen. Jetzt dürfen sie dabeisitzen, wenn auch ohne Stimmrecht. Entschieden ist offiziell noch nichts. (dd)

Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 1. September.

Ausstellung in den Uferhallen, Uferstraße 8, Berlin-Wedding

Öffnungszeiten: 16-20 Uhr, Montag geschlossen

Sommerfest der SPD am Tempelhofer Hafen

Kaiserwetter herrschte beim Sommerfest der Berliner SPD im Tempelhofer Hafen. Gastgeber, Michael Müller, SPD- Landeschef und Regierender Bürgermeister von Berlin, war in bester Stimmung und konnte neben seinen SPD-Senatskollegen Andreas Geisel, Dilek Kalayci, Matthias Kollatz, Sandra Scheeres auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sowie die Parteichefs von CDU, Kai Wegner und FDP, Sebastian Czaja begrüßen.

Neben der Politik-Prominenz genossen auch wichtige Vertreter der Berliner Wirtschaft den Sommerabend am Wasser: Jörg Simon, Chef der Berliner Wasserbetriebe, Zoodirektor Andreas Knieriem, Spielbank-Chef Gerhard Wilhelm, BVG-Chefin Sigrid Nikutta, Covivio-Vorstand Dr. Daniel Frey, S-Bahn-Chef Peter Buchner, TLG-Vorstandsvorsitzender Barak Bar-Hen und Aufsichtsratsvorsitzender Sacha Hettrich, IBB-Chef Jürgen Allerkamp sowie PSD-Bank Vorstandssprecherin Grit Westermann.

Großes Gesprächsthema beim Sommerfest der SPD – das wachsende Berlin

Das wachsende Berlin, aber auch die Verantwortung für die jährlich 50.000 Neu-Berliner waren Gesprächsthema, ebenso natürlich die Frage welches Duo wird das Rennen um den SPD-Parteivorsitz gewinnen. Viel Applaus erhielt die Kandidatin Gesine Schwan, die sich zusammen mit Ralf Stegner um das bedeutende Amt bewirbt. Nur Koalitionspartner „Die Linke“ glänzte durch Abwesenheit. Das ist auch nicht verwunderlich bei der Dauerkontroverse mit Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, die die sonst erfolgreiche Koalition belastet.

Gute Stimmung und Lob für die Bildungssenatorin

Großes Lob von Müller für Bildungssenatorin Sandra Scheeres, die unter schwersten Bedingungen für die 360.000 Schüler in Berlin ein reibungsloses Schuljahr organisiert hat. Eine Meisterleistung! Berlin hat nicht nur ein modernes Schulgesetz, sondern befindet sich mit dessen Umsetzung in die Praxis inmitten eines tiefgreifenden Reformprozesses. Denn es geht um nichts Geringeres als die Chancen der jungen Generation und damit um die Zukunft unserer gesamten Gesellschaft, lobte Müller.

Der Regierende wirkte souverän, er wird immer staatsmännischer und gewinnt an Profil. Das würde man der großen Volkspartei SPD insgesamt wünschen, hieß es bei den Gästen.

Weitere Promis die sich bis spät in den Abend bei einem schmackhaften Buffet bestens unterhielten, waren Wolfgang Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei des Landes Berlin, Dr. Frank Nägele, Staatssekretär für Verwaltungs- und Infrastrukturmodernisierung in der Senatskanzlei, Aleksander Dzembritzki, Staatssekretär für Sport des Landes Berlin,  Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, die Ex-Regierenden Bürgermeister Walter Momper und Klaus Wowereit, Ex-Bürgermeisterin von Berlin und Sozialsenatorin Ingrid Stahmer, Timo Rohwedder, Olympiastadion Berlin, Landessportbund-Präsident Thomas Härtel sowie Andreas R. Becher, Präsident Bund Deutscher Architekten und BBU-Chefin Maren Kern. (fs)

Klimaschutzpartner des Jahres 2019 ausgezeichnet

Die Gewinner des Wettbewerbs „Klimaschutzpartner des Jahres“ wurden vergangenen Montagabend mit einem Preis ausgezeichnet. Hierbei wurden drei Projekte, die in besonders herausragender Weise Energieeffizienz und Klimaschutz umsetzten, gekürt. Insgesamt waren 28 Teilnehmer im Wettbewerb um den Klimaschutzpreis angetreten. Die Verleihung fand im Rahmen der Berliner Energietage im Ludwig Erhard Haus statt.

„Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“

Die Schornsteinfeger Bezirksgruppe Friedrichshain-Kreuzberg hat mit ihrem Projekt „Dienstleistungen CO2-neutral ausführen“ den Preis in der Kategorie „Erfolgreich realisierte Projekte“ gewonnen. Ihr Ziel ist, die Dienstleistungen des Berliner Schornsteinfegerhandwerks flächendeckend klimaneutral auszuführen.

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz sowie Laudator: dazu: „Die jungen Menschen, die jeden Freitag für den Klimaschutz demonstrieren, fordern von uns Lösungen. Zu diesen Lösungen müssen wir alle beitragen. Das Projekt der Schornsteinfeger aus Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, dass gute Ideen, die klein beginnen, große Wirkung haben. Der Ansatz, Handwerksleistungen CO2-neutral zu erbringen, ist auf das gesamte Handwerk übertragbar. Dazu erweist sich, dass Klimaschutz und betriebswirtschaftlicher Erfolg zusammen gehen: die Betriebe sparen Energiekosten und können zugleich ihren CO2-Aussstoß deutlich verringern. Das Projekt zeigt eindrucksvoll die Innovationskraft des Handwerks.“

Quartier „Wir“

In der Kategorie „Erfolgversprechende innovative Planungen“ konnte die Deimel Oelschläger Architekten Partnerschaft aus Berlin Weißensee mit dem Projekt Quartier „Wir“ überzeugen. In Weißensee entsteht ein soziales und vor allem nachhaltiges Stadtquartier, das komplett aus Holz gebaut wird. Zusätzlich wird es dort eine Kita und ein Schwimmbad geben. Somit entsteht ein quartierübergreifendes Angebot, das attraktive Möglichkeiten für die Umgebung anbietet.

„Das Quartier „Wir“ in Weißensee überzeugt vor allem durch seinen ganzheitlichen Ansatz. Neben der CO2-freundlichen Verwendung von Holz, als direktem Beitrag zum Klimaschutz, tragen gerade auch der innovative Mix relativ kleiner Individualflächen zugunsten großzügiger Gemeinschaftsangebote, die soziale Mischung und die Mischung der Wohn- und Eigentumsformen, zu einem langfristig nachhaltigen Wohnstandort bei.“, so Christine Edmaier, Präsidentin der Architektenkammer, in ihrer Laudatio.

Hybrides Löschfahrzeug

Den Preis für „Herausragende Projekte öffentlicher Einrichtungen“ erhielt die Berliner Feuerwehr mit ihrem Projekt „Hybrides Löschfahrzeug für die Berliner Feuerwehr“. Sie plant die Beschaffung und Erprobung eines innovativen Löschfahrzeugs. Ziel ist, den Einsatz des Fahrzeugs zu über 80% rein elektrisch zu betreiben. Hierfür wird die Berliner Feuerwehr gemeinsam mit einem Fahrzeughersteller noch Entwicklungsarbeit leisten.

Die Laudatorin Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende bei der Vattenfall Wärme Berlin AG: „Die Berliner Feuerwehr ist Retterin in der Not und mit ihrer Innovationspartnerschaft für Deutschlands erstes Elektrolöschfahrzeug zeigt sie eindrucksvoll, wie wichtig ihr das Ziel der Klimaneutralität ist.“  (lb)

Die Zukunft des Sports ist auch digital: Spielmacher der Hauptstadt diskutieren in der Spielbank Berlin über das Phänomen e-sport

Ist der e-sport eine Alternative zum Sport oder gar dessen Zukunft? Suchtgefahr, Gewaltverherrlichung und die große Marktmacht einiger weniger kommerzieller Spielehersteller sind Gründe für den Deutschen Olympischen Sportbund, eher zurückhaltend bei der Anerkennung des e-sport zu sein. Die Runde der Spielmacher des Berliner Fußball-Verbands hat da weniger Berührungsängste und diskutierte unter dem Motto „e&Sports“, was die Chancen, aber auch Gefahren und Risiken des weltweiten Phänomens, das vor allem junge Menschen fasziniert, sind.

Diskussion mit Größen der Community

Als Diskutanten waren namhafte nationale und internationale Größen der Community geladen, die mit Moderatorin Andrea Loth über das Thema sprachen. Ralf Reichert, Gründer und Geschäftsführer des ESL – Electronic Sports League, wurde auch schon der „Ecclestone des e-sport“ genannt und ist weltweit einer der größten Veranstalter von e-sport-Events, die mittlerweile große Hallen füllen. Sein Bruder Tim Reichert ist in ähnlichen Gefilden unterwegs, er ist Chief Gaming Officer bei Schalke 04, dem Verein, der das Thema e-sport in Deutschland maßgeblich mitgestaltet. Die Runde wurde durch die Suchttherapeutin und –expertin Dr. Ulrike Albrecht-Sonnenschein, die sich auch mit den Risiken des e-sport befasst, vervollständigt.

Sport or no sport – Die Diskussionsrunde: v.l.n.r. Ralf Reichert, Andrea Loth, Tim Reichert, Dr. Ulrike Albrecht-Sonnenschein | Foto: Dirk Lässig

Längst geht der Trend weltweit in Richtung e-sport. Nicht nur Millionen junger Menschen spielen selbst, vor allem auch als Zuschauersport zieht der e-sport die Massen an. Große Konzerne wie Mercedes oder Vattenfall haben den Trend erkannt und unterstützen als Sponsoren Teams und Veranstaltungen. McDonalds hat darüber hinaus verkündet, sämtliche Sponsorings aus dem klassischen Sport ab 2020 auf den e-sport zu übertragen.

E-Sports: Die Zukunft des Sports?

Ralf Reichert, der als Macher des deutschen e-sport gilt, sieht im e-sport schon längst kein Phänomen mehr, sondern die Zukunft des Sports. Denn im Ausland ist e-sport schon längst ein Mega-Business und gilt als anerkannte Sportart. Und das ohne jede pädagogische Bedenken oder Debatten. Reichert gilt in der Branche als Mastermind. Er hat aus Videospielen ein erfolgreiches Mega-Event gemacht. „Mir war relativ früh klar, dass Gaming der nächste große Zuschauersport wird”, so Reichert. „Wir wollten den Kids, die früher als Nerds abgestempelt wurden, eine Bühne geben. Heute sind sie teilweise Stars.”  Erfolgreiche Top-Gamer sind nicht nur Stars der Branche, sondern gehen auch schon mal mit mehreren Millionen an Preisgeldern nach Hause.

Für Tim Reichert, der die FC Schalke 04 Esports GmbH leitet, ist die Entwicklung unvermeidlich: „Die junge Generation wächst mit der Technik um Instagram, Twitter und Facebook ganz natürlich auf. Computerspielen wird immer mehr das Fernsehgucken ersetzen! Unsere Spiele verfolgen in Deutschland bis zu 200.000 Zuschauer live. Inklusive Nachbetrachtung sind es etwa 500.000 Zuschauer aus ganz Europa. Außer den ganz großen Sportarten wie Fußball, Basketball oder American Football gibt es keinen vergleichbaren Sport, der so populär ist.“ Suchtexpertin Dr. Ulrike Albrecht-Sonnenschein warnt bei aller Euphorie auch vor den Gefahren des e-sport: „Wichtig ist, dass Kinder und auch Eltern ein Bewusstsein dafür entwickeln, wann Kinder spielen und wie viel Zeit sie an der Konsole oder dem Computer verbringen. Wie bei jeder Sucht gilt auch hier, dass ein gesundes soziales Umfeld die Risiken erheblich verringert.“

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci und Gastgeber David Schnabel | Foto: Dirk Lässig

Doch ist denn e-sport nun ein richtiger Sport? Der klassische Sportbegriff passt nicht hundertprozentig auf den des e-sports, weil es unterschiedliche Komponenten gibt. „E-sport ist eher eine Weiterentwicklung, eine natürliche Addition. Denn auch im e-sport geht es um Wettkampf und um den Leistungsgedanken. Motorische Fähigkeiten sind gefragt, eine gute Hand-Auge-Koordination ist essenziell“, so Tim Reichert.

„Von ‚Fifa 19‘ auf den Bolzplatz“

Jörg Wirtgen, Vizepräsident des BFV, sieht in der Entwicklung auch für den klassischen Sport Chancen: „E-sport beschäftigt Millionen junger Menschen. Davor können wir die Augen nicht verschließen. Ich sehe einige Unterschiede zum klassischen Sport, aber eben auch viele Gemeinsamkeiten. Positiv ist aus meiner Sicht, dass junge Menschen beides kombinieren können: Von ‚Fifa 19‘ auf den Bolzplatz? Aus meiner Sicht die logische Konsequenz.“

Veranstalter Jörg Wirtgen | Foto: Dirk Lässig

Zu Gast waren außerdem Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, Carlos „ocelote“ Rodriguez, weltweit erfolgreicher „League of Legends“-Spieler und Gründer von G2 esports, Thomas Klein, Journalist und Vorsitzender der Berliner Pressekonferenzdie Mitglieder des Boards der Spielmacher und zahlreiche namhafte Gästen aus Politik, Sport und Wirtschaft. Dazu gehörten Spielbank-Geschäftsführer David Schnabel, ASB-Präsidiumsmitglied Dr. Karl Kauermann, LSB-Präsident Thomas Härtel und Senatssprecher a.D. Richard Meng.

Die Runde der Spielmacher zu Gast in der Spielbank Berlin | Foto: Dirk Lässig

Parallelen zwischen e-sport und Glücksspiel

Spielbank-Geschäftsführer David Schnabel sieht einige Parallelen zwischen e-sport und dem Glücksspiel: „Mit der fortschreitenden Popularität und Beliebtheit dieses neuen sportlichen Phänomens werden sich auch die Politik und die Öffentlichkeit mit diesem Thema beschäftigen müssen, um faire und sichere Spielregeln für alle Teilnehmer zu definieren. Hier können wir als Spielbankbetreiber sicherlich unterstützen, da wir als seriöse Anbieter im Glücksspielbereich bereits vor vielen Jahren zielführende und funktionierende Jugend- und Spielerschutzmaßnahmen in unsere Prozesse und Abläufe integriert haben, ohne dadurch die Faszination für unsere Spielangebote einzuschränken. Wichtig ist ein Dialog auf Augenhöhe, der nicht stigmatisiert und Weiterentwicklung verhindert. Die Vorträge und die Diskussion heute haben gezeigt, dass ein solcher Austausch möglich ist.“

Das Board des Spielmacher

Das Board der Spielmacher wurde 2018 von Jörg Wirtgen gegründet und besteht aus 31 wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Playern Berlins und darüber hinaus. Sie treffen sich viermal jährlich an besonderen Orten in Berlin, um mit spannenden Referenten zu Themen ins Gespräch zu kommen, die den Fußball betreffen, aber sich auch auf andere Bereiche übertragen lassen. Es entsteht kein Expertenvortrag der Referenten, sondern die Möglichkeit, in einer kleinen, moderierten Runde in den Austausch zu treten und dabei die große Kraft des Gesellschaftsphänomens Sport zu reflektieren, zu verstehen und sie zu nutzen, sodass das Gremium im Berliner Fußball-Verband eine wichtige gesellschaftspolitische Funktion erfüllt. (ak)

Erster Entwurf für die Mietobergrenze von Stadtentwicklungs-Senatorin Lompscher

Kurz nach Erscheinen des Mietspiegels präsentiert Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, ihren Entwurf zum Mietendeckel. Demnach solle es eine Mietobergrenze geben – sowohl für Neuvermietungen als auch für bestehende Mietverhältnisse. Mieterhöhungen sollen trotzdem weiterhin möglich sein.

Mietobergrenze – deckeln statt einfrieren

Der Mietspiegel 2019 zeigt, dass die Mieten durch staatliche Regulierungen in den letzten zwei Jahren weniger stark angestiegen sind als in den Jahren zuvor. Trotzdem können sich viele Einwohner die Mieten nicht leisten und müssen ihre Wohnungen verlassen. Vor allem Mieterinnen und Mieter von Altbauwohnungen sind, aufgrund des besonders hohen Anstiegs, stark betroffen.

Um einen weiteren Anstieg der Mieten zu verhindern, will der rot-rot-grüne Senat die steigenden Mieten nun deckeln. Dabei sollen die Mieten nicht, wie von der SPD gefordert, „eingefroren“ werden. „Die gegenwärtige Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt rechtfertigt ein generelles Aussetzen von Mieterhöhungen nicht“, begründet die Senatorin. Mieterhöhungen sollen demnach weiterhin möglich sein, nur eben mit einer Obergrenze.

Die Grünen wollen einen Mietenstopp für fünf Jahre

Wie genau der Mietendeckel gestaltet werden soll, ist noch unklar und wird derzeit von den Senatsverwaltungen und Mietrechtsexperten diskutiert. Eine Sorge ist die starke Belastung der Berliner Verwaltung, die mit einer Flut an Anträgen für Ausnahmegenehmigungen rechnen müsste. Des Weiteren ist unklar, ob es rechtlich überhaupt erlaubt ist, eine Höchstmiete für alle Wohnungen festzulegen. Die Höhe der Obergrenze müsse „noch abschließend ermittelt und bestimmt werden“, heißt es im Entwurf.

Iris Spranger, wohnungspolitische Sprecherin der Berliner SPD, kann dem Entwurf der Senatorin nicht zustimmen. „Ich bin dafür, dass wir die Mieten einfrieren“, sagte sie. Die Gefahr bestehe sonst, dass Vermieter, die aktuell weniger als die Höchstmiete verlangen, die Miete bis zur Obergrenze erhöhen.

Ganz anderer Meinung ist Katrin Schmidberger, Sprecherin für Wohnen der Berliner Grünen. „Wir wollen den Mietendeckel möglichst scharf stellen“, äußert sie sich. Sie plädiert für einen Mietenstopp über fünf Jahre in Kombination mit einer Deckelung der Miete bei Wiedervermietungen. Außerdem schlägt sie vor, die Miethöhen je nach Wohnungsgröße und Baualtersklasse in einer Tabelle festzulegen.

Ein regulärer Gesetzentwurf soll noch dieses Jahr kommen. (tf)

Der Streit um eine CO2-Steuer geht in der CDU in die nächste Runde

Am Montag machten UN-Experten in ihrem aktuellen Bericht auf eine dramatische Entwicklung aufmerksam. Wenn die globale Temperatur um zwei Grad Celsius steigt, könnte dies etwa fünf Prozent der Arten auslöschen. 99 Prozent der weltweiten Korallenriffe würden mit großer Wahrscheinlichkeit absterben. Die Koalitionsparteien wissen, dass das politische Handeln an die Klimaschutzziele ausgerichtet werden muss. Eine Steuer auf CO2 wird deshalb diskutiert.

Grüne kritisiert Distanzierung der CDU

Die Grünen wollen eine CO2-Bremse und den Emissionsausschuss per Gesetz reduzieren. Sie fordern, dass der Klimaschutz ins Grundgesetz aufgenommen wird und man jedes Gesetz auf seine Klimafolgen prüft. „Nach dem Vorbild der Schuldenbremse braucht es eine CO2-Bremse in der Verfassung“, sagte Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen.

Ganz anderer Meinung ist CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Am Wochenende hat sie sich gegen eine CO2-Steuer ausgesprochen und erntete dafür scharfe Kritik von der Opposition und Politikern aus der eigenen Partei. Sie meint, hinter einer CO2-Steuer verberge sich nichts anderes als eine stärkere Belastung für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas. Es gebe viele andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel den Emissionshandel und Innovationen.

EVP-Spitzenkandidat setzt auf „technologische Lösungen“

Zustimmung erhält Kramp-Karrenbauer in der Debatte von dem EU-Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU). „Ich glaube an technologische Lösungen, ich glaube nicht an neue Steuern, wie wir sie jetzt in Deutschland diskutieren“, erklärt er. Wenn Airbus einen Flieger bauen würde, der kein CO2 ausstößt, bräuchte man weder ein neues Gesetz, noch eine Regulierung wie oft man fliegen dürfe.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier steht einer CO2-Steuer kritisch gegenüber, da die möglichen Auswirkungen unklar sind. Für Berufspendler hätte eine CO2-Steuer beispielweise spürbare Folgen. Man müsse zuerst überprüfen, „welche Fehlsteuerungen damit verbunden sein könnten, zum Beispiel Fehlsteuerungen sozialer Art“.

Laut Bouffier seien sich immerhin alle Beteiligten einig, dass die Klimaziele erreicht werden müssen. „Streit über die Klimapolitik ist sicherlich nicht das, was wir brauchen.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) möchte noch vor der Sommerpause ein Konzept für einen CO2-Preis erstellen. Ein neues Modell soll den Ausstoß von Treibhausgasen teurer machen, damit die Bürger anfangen CO2 zu sparen. Des Weiteren sollen klimafreundliche Technologien gefördert werden. (tf)

Digitalkonferenz re:publica: Steinmeier fordert vernünftigere Debattenkultur und mehr Regeln im Netz

Am Montagvormittag eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erstmals die Digitalkonferenz re:publica in Berlin und appellierte an Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook und Co. etwas zur Sicherung der Debattenqualität im Internet beizutragen. Er wünscht sich sachlichere Debatten und eine Demokratie, die auch digital gelingt.

Soziale Netzwerke und Großkonzerne müssen sich an Spielregeln halten

„Soziale Netzwerke müssen  ihre Verantwortung für die Demokratie endlich wahrnehmen und endlich in die Tat umsetzen“, betont Steinmeier in seiner Eröffnungsrede und spricht sich für eine vernünftigere und zivilisiertere Debattenkultur im Internet aus. „Wer mit einer Plattform einen politischen Diskursraum schafft, der trägt Verantwortung für die Demokratie – ob er es will oder nicht“, sagt er und wirft den Onlineplattformen mangelnden Einsatz vor.

Gerade politische Debatten im Internet würden derzeit oft dazu neigen „toxisch“ zu werden. „Wir brauchen glasklare Herkunftssiegel für Informationen – und das vor allem, wenn es um politische Werbung geht.“ Hetzer und Demagogen haben es seiner Meinung nach viel zu einfach, Lügen und unseriöse Informationen zu verbreiten, weshalb demokratische Regulierungen dringend nötig seien. Der effektivste Weg sei laut Steinmeier Transparenz über Geldflüsse und Abhängigkeiten – notfalls könne man die Plattformen per Gesetz zu dieser Transparenz zwingen. Wer sich nicht an die Regeln halte, der müsse mit Konsequenzen und Strafen rechnen.

Motto: „too long didnt read“

Auch an die demokratische Mehrheit appellierte Steinmeier und forderte dazu auf, mehr Engagement zu zeigen. Die Zivilgesellschaft dürfe sich nicht zurückziehen oder einschüchtern lassen.

Die dreitägige Konferenz steht diesmal unter dem Motto „too long didnt read“ (übersetzt: zu lang, habe ich nicht gelesen). Angespielt wird damit auf „das Kleingedruckte“ und fehlende inhaltliche Tiefe. Steinmeier interpretiert das Motto nicht nur als Weckruf an die politische Debattenkultur im Netz, sondern ganz allgemein. „Ein notwendiger Weckruf, wie ich finde, gegen den Zeitgeist von Verkürzung und Vereinfachung.“ (tf)