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Zwischen Kloster, Markt und Rathaus: Historische Mitte wird restauriert

Ein Projekt zur Stadtreparatur, das 800 Jahre Berliner Geschichte wieder aufleben lassen soll, wird nun endlich konkret. Seit 15 Jahren wird diskutiert, geplant und als unzureichend wieder verworfen. Nun soll die ehemalige historische Mitte Berlins zwischen Rotem Rathaus, Klosterruine und Nikolaiviertel wiederhergestellt werden. Auf einem 100 Hektar umfassenden Areal unweit der Spree, soll architektonisch repariert werden, was Krieg und Nachkriegsplanung sowie zahlreiche Abrisse, Durchbrüche und Verbreiterungen zerstörten. Das Land Berlin wird am ältesten Platz der Stadt, dem inzwischen stark frequentierten Verkehrsknotenpunkt Molkenmarkt sowie rund um das Klosterviertel modern anpassen und neu errichten. Für die Umleitung der unverzichtbaren städtischen Verbindungsstraßen Grunerstraße und Stralauer Straße wurden bereits einige Bäume gefällt. Sie machen Platz für drei Wohnungsneubauten und die Cafés, Geschäfte und Galerien, die das Viertel beleben sollen.

Der Etappenbau startet mit der 18 Millionen Euro teuren Verlegung der genannten Schnellstraßen, damit der Verkehr weiter fließen kann. Archäologen bereiten sich auf die Ausgrabungen vor, die bis in das Jahr 1500 zurückdatierte Grundrissreste zutage fördern könnten. Auch ihnen soll ausreichend Zeit gegeben werden, damit die historischen Funde später sichtbar konserviert als Teil des Viertels wirken können. Das größte Grabungsprojekt seit der Wende, findet auf einer 25.000 Quadratmeter großen Untersuchungsfläche statt.

Archäologen bereiten sich im Viertel um den Molkenmarkt auf die Ausgrabungen vor, die bis in das Jahr 1500 zurückdatierte Grundrissreste zutage fördern könnten. | Foto: pixabay.com

Als historische Mitte seiner Identität beraubt

Von den 1500 Bauten um 1840 sind heute, fast 180 Jahre später, nur noch 12 historisch erhalten. Was vom Krieg zerstört, den Nazis später als Verwaltungszentrum geplant und den Stadtplanern der DDR als Großkreuzung nicht fertiggestellt wurde, liegt heute größtenteils brach. Die verbliebenen historisch bedeutenden Gebäude im Umfeld liegen isoliert und beziehungslos zueinander und berauben das Viertel einer Identität. Das Gebiet ist durch Monostrukturen von Bürobauten und Verwaltungen nahezu ohne relevante Wohn- oder Ladennutzung geprägt.

Ein riesiger Kreisverkehr, ungefilterte Abgase und geschäftiger Lärm bestimmen das kriegsversehrte Viertel hinter dem Roten Rathaus. Die Gesellschaft Historisches Berlin (GHB) kämpft seit 25 Jahren für den Wiederaufbau. Im Juni 2017 ebnete Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) erstmals den Weg dafür, die Stadtreparatur großflächig anzugehen. Über das Rathausforum hinaus, in nahezu allen Gebieten des historischen Stadtkerns, soll nun mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Archäologische Fenster, Verbindungskorridore und Wohnungstüren

Nach Verlegung der städtischen Verbindungsstraßen und den Ausgrabungen kann das Neubauprojekt in frühestens vier Jahren starten. Die 440 geplanten Wohnungen werden mindestens zur Hälfte von den Wohnungsbaugesellschaften Degewo und WBM realisiert. Auch ein Großteil der anderen Grundstücke soll in städtischer Hand bleiben, berichtete der Tagesspiegel. Zum einen stellt dies die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sicher. Zum anderen wird so der geschichtliche Standort mit zusätzlichen Einblicken gewahrt.

Architektonisch soll jedoch zeitgenössisch und nicht nostalgietreu wie im nahegelegenen Nikolaiviertel gedacht werden. Bei der Freilegung der Klosterfundamente, dem sensibelsten Bereich des Viertels, muss jedoch besonders vorsichtig vorgegangen werden. Die Anschaulichkeit und Sichtbarkeit der 800-jährigen Geschichte soll durch archäologische Fenster erhöht werden. Neben dem Wohnungsbau und der Verkehrsberuhigung, sind Einblicke in eine Zeit vor der Berliner Großstadt, eine zentrale Intention des Projektes. An dem zukünftig vielseitigen Knotenpunkt des Molkenmarktes sind zusätzlich breitere Fußgängerpromenaden und eine Tramverbindung zwischen Alexanderplatz und Potsdamer Platz geplant.

Ausschnitt aus dem 3D-Innenstadtmodell für die historische Mitte Berlin. | Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Stimmungsprofil durch Bürgerdialoge

Manfred Kühne, Abteilungsleiter Städtebau der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, führte hierzu bereits Bürgerdialoge im Rahmen des MakeCity Festivals. Weitere sind für September angesetzt. Die abzureißenden Bürobauten könnten die Planung jedoch noch ins Wanken geraten lassen. Denn wo Büroblöcke abgerissen werden sollen, wünscht man sich dass die Nutzer zur Belebung des Viertels bleiben. Man möchte niemanden vertreiben und sieht die Dialoge deshalb als ausschlaggebenden Entscheidungsfaktor an. Auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) sieht die Lebhaftigkeit und Authentizität des Quartiers im Vordergrund. „Wir haben jetzt die Chance einen der ältesten Stadtteile im historischen Zentrum Berlins wieder für die Menschen zurückzugewinnen. Dort, wo heute eine sechsspurige Straße den Raum dominiert, schaffen wir ein urbanes und lebenswertes Stadtquartier“, so Geisel.

Zur Historie des Stadtkerns veröffentlichte der Berliner Stadthistoriker und FU-Professor Felix Escher kürzlich ein prägnantes Werk. „Die Mitte Berlins – Geschichte einer Doppelstadt“ überzeugt durch eine Sammlung und Aufbereitung an ehemaligen Nutzungen, Stadtplänen, Visualisierungen und bisherigen Entwürfen. Nach der Lektüre seien Berlins Bewohner „besser ausgerüstet für kommende Entscheidungen“, wie die Berliner Zeitung rezensierte. Denn der ebenso winzige wie wertvolle Stadtteil gehöre allen Berlinern. (cn)

Kosten für Berliner Einheitsdenkmal steigen weiter

Die Kosten für das in Berlin geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal fallen höher aus als ursprünglich angenommen: Zusätzlich zu den zuletzt kalkulierten 15 Millionen Euro werden weitere 2,5 Millionen Euro benötigt, wie aus einem Bericht von Kulturministerien Monika Grütters hervorgeht.

Initiative „Denkmal Deutsche Einheit“ will Denkmal errichten

Anlässlich des 10. Jahrestages der Friedlichen Revolution gründeten Florian Mausbach, ein deutscher Stadtplaner, Günther Nooke, DDR-Bürgerrechtler und deutscher Politiker, Jürgen Engert, Journalist, und Lothar de Maizière, deutscher Politiker, die Initiative „Denkmal Deutsche Einheit“. Ziel der Initiative war es, ein Denkmal in Erinnerung an die Friedliche Revolution von 1989 und an die deutsche Wiedervereinigung von 1989/1990 zu errichten. Der Initiative schlossen sich zahlreiche Persönlichkeiten der Öffentlichkeit an.

Um die Menschen zu würdigen, die den Mut hatten, sich gegen das DDR-Regime zu stellen, haben die Gründer am 13. Mai 1998 in einem offenen Brief Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundesratsvorsitzenden Gerhard Schröder und den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen dazu aufgefordert, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal erbauen zu lassen.

Deutscher Bundestag spricht sich für die Errichtung des Denkmals aus

Nachdem der Antrag für das Einheitsdenkmal im April 2000 im Kulturausschuss des Bundestages abgelehnt wurde, nahm der Bürgerverein „Deutsche Gesellschaft“ das Projekt wieder auf. Erst am 09. November 2007 sprach sich der Bundestag für die Errichtung des Monuments aus. Erbaut werden soll es auf dem großen Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, das 1950 von der DDR-Führung abgerissen wurde.

Nach dem Beschluss des Bundestages wurde Anfang 2009 ein zweistufiger Gestaltungswettbewerb ausgelobt, der jedoch abgebrochen wurde, da die Jury sich nicht für einen Entwurf entscheiden konnte. Einige Monate später, am 1. Juli 2009, beschloss der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien, einen zweiten Wettbewerb. 2011 wurde der Entwurf „Bürger in Bewegung“ von Johannes Milla (Stuttgart) und Sasha Waltz (Berlin) zum Sieger gekürt.

Das Einheitsdenkmal soll nun 17 Millionen Euro kosten

Die Baugenehmigung für die Errichtung des Denkmals wurde im Oktober 2015 erteilt. Im April 2016 wurden jedoch schon kurze Zeit später die Planungen für den Bau von dem Haushaltsausschuss des Bundestages gestoppt. Denn er argumentierte mit der Kostensteigerung von 10 auf mehr als 14 Millionen Euro. 2017 initiierten die Fraktionschefs von CDU und SPD, Volker Kauder und Thomas Oppermann, jedoch einen neuen Beschluss, indem der Bau des Monuments erfolgreich bewilligt wurde.

Grund für die steigenden Kosten sei zum einen der Aufwand für die Sanierung des Sockels. Zum anderen liegt es an der steigenden Vergütung, für die für den Bau beauftragte Agentur Milla & Partner. Ursprünglich sollte das Denkmal nächstes Jahr zum 30. Jahrestag des Mauerfalls eingeweiht werden. Dieser Termin wird nun nach aller Voraussicht nicht einzuhalten sein. (dn)