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Art Dinner 2018: Kunstauktion für den guten Zweck

Kunst und Kultur für einen guten Zweck – das versprach die bereits siebte Auflage des Art Dinners der Bürgerstiftung Berlin. Im Zuge der diesjährigen Veranstaltung konnten die 350 geladenen Gäste exklusive Kunstwerke für einen guten Zweck ersteigern. Denn die Erlöse kommen den Projekten der Bürgerstiftung Berlin zur Leseförderung an Berliner Brennpunktschulen zugute.

„Nichts, was Sie für Kinder tun ist jemals verschwendet“, betonte die anwesende Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey. Sie war außerdem Schirmherrin des Art Dinners. Lobende Worte kamen zudem von Michael Müller, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, der die gesellschaftlich wertvolle Arbeit der Stiftung hervorhob.

Führungswechsel während des Art Dinners

Darüber hinaus bot der Abend noch einen weiteren Anlass zum Feiern: Den feierlichen Stabwechsel der Führungsspitze. Ab sofort steht Top-Managerin Vera Gäde-Butzlaff der renommierten Bürgerstiftung vor. Noch bis Februar dieses Jahres war Vera Gäde-Butzlaff die Vorsitzende der GASAG AG. „Wir sind froh und dankbar eine so erfahrene Führungspersönlichkeit für die Bürgerstiftung Berlin gewonnen zu haben“, so der Vorsitzende des Stiftungsrates, Klaus Siegers. Denn neben ihrer Arbeit im Vorstand des Stiftungsrates ist die ehemalige Richterin als Vorsitzende im Aufsichtsrat des Krankenhausbetreibers Vivantes GmbH tätig. Also überrascht es wenig, dass der Stiftungsrat sie einstimmig zur Nachfolgerin wählte.

Die bisherige Vorsitzende Heike Maria von Joest legte ihr zehnjähriges Engagement in der Stiftung nieder. „Heike Maria von Joest hat die Bürgerstiftung Berlin in außerordentlicher Weise nach vorne gebracht, das Stiftungs- und Spendenvolumen beachtlich erhöht und die Stiftung in der öffentlichen Wahrnehmung unserer Stadt als einem wesentlichen Akteur der Ehrenamts-Szene ganz neu etabliert“, dankte Klaus Siegers, der ausscheidenden Vorsitzenden sehr herzlich.

 

Großer Andrang im Saal der Mercedes-Welt| Foto: Andreas Amann

Großer Andrang im Saal der Mercedes-Welt am Salzufer | Foto: Andreas Amann

Erlöse im sechsstelligen Bereich

Die stolze Summe von 103.200 Euro konnte die Auktion unter der professionellen Leitung von Kilian Jay von Seldeneck vom Kunsthaus Lempertz im Rahmen des Art Dinners erzielen. Neben Skulpturen der unterschiedlichsten Formen, Größen und Materialien gab es eine „Silent Auction“ während des Dinners. Hier konnten die Gäste per Höchstgebot besondere Events ersteigern. Unter anderem gehörten dazu die Teilnahme an einer Redaktionssitzung des Tagesspiegels oder ein Tagestrip auf die Rennbahn Hoppegarten.

Die Erlöse des Abends kommen dem Projekt LeseLust und dem Interaktiven Bilderbuchkino zugute. Darüber hinaus erhalten Schulen unter der Prämisse, dass sie ihre Büchereien aufstocken, eine allgemeine finanzielle Förderung. Über 10.000 Kinder profitierten in der Vergangenheit bereits davon. In Rahmen des Projekts LeseLust besuchen 500 ehrenamtliche Paten einmal wöchentlich Schulen und Kitas. Ziel ist es, Kinder für das Lesen und Themenfelder wie Naturwissenschaften zu begeistern.

Solche Projekte zeigen: Die Stiftung ist auf ehrenamtliches Engagement, Spenden sowie Charity -Veranstaltungen angewiesen. Events wie das Art Dinner setzen daher ein Zeichen für die Bereitschaft und das Interesse der Berliner, für einen guten Zweck aktiv zu werden. (red)

Bürokratie erschwert Migranten den Einstieg ins Arbeitsleben

Es ist paradox – auf der einen Seite fehlen in Berlin tausende Fachkräfte, auf der anderen stehen unzählige Bewerber, die nicht arbeiten dürfen. Gemeint sind Geflüchtete und Migranten, die arbeiten können und wollen, aber keine Genehmigung besitzen. Grund dafür sind bürokratische Vorgänge, die Flüchtlingen und Migranten den Weg ins Arbeitsleben erschweren. Durch lange Wartezeiten und fehlende Vernetzung der Behörden ziehen sich die Genehmigungsprozesse unnötig in die Länge.

Das sind verschenkte Integrationschancen, da eine Ausbildung und die Möglichkeit, arbeiten zu können, essentiell für die Berliner Wirtschaft und eine gelungene Integration sind. Am Arbeitsplatz können Migranten nicht nur das Alltagsleben kennenlernen, sondern ebenso die deutsche Sprache lernen. Durch Interaktionen, anstelle von theoretischen Beispielen, werden typische und häufig gebrauchte Phrasen und Wörter schnell erlernt. Auf „eigenen Beinen zu stehen“ hat zusätzlich nicht nur den Vorteil, dass das Selbstwertgefühl gestärkt wird, es entlastet auch die Sozialsysteme. Während Migranten auf ihre Arbeitserlaubnis warten, zahlt das Land für sie die Wohnungs-, Fahrt- sowie Lebenshaltungskosten. Verdienen sie ihr eigenes Geld, fallen derartige Kosten logischerweise weg und der Staat gewinnt neue Steuerzahler dazu. Ein Gewinn für den Staat und die Migranten.

Fachkräftemangel spitzt sich weiter zu

Verwunderlich scheinen solche Zustände vor allem, wenn man sie in den Kontext des deutschen Fachkräftemangels setzt. Allein in Berlin fehlen Schätzungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge derzeit 121.000 Fachkräfte. Bis 2030 könnte sich diese Zahl berlinweit auf 230.000 leere Stellen nahezu verdoppeln. Am schwersten vom Mangel sind Berufe im Bereich des Baugewerbes, Handels und Gastgewerbes betroffen. Doch auch im Gesundheitswesen fehlen zunehmend Arbeitskräfte. Daraus resultiert eine Frage: Wieso erteilt das Land den arbeitswilligen Flüchtlingen und Migranten keine Erlaubnis zum Arbeiten?

Häufig scheitert es an bürokratischen Auflagen. Allein die Anerkennung eines ausländischen Ausbildungsabschlusses stellt oft ein Problem dar. Beispielsweise den Beruf des Altenpflegers gibt es dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) zufolge in seiner jetzigen Form nur in Deutschland. Um eine Gleichwertigkeitsstellung durchzuführen, fehle daher in anderen Ländern die passende Ausbildung. Darüber hinaus gibt es Wartende, die in Deutschland in den vergangenen Jahren bereits eine Ausbildung absolviert haben, anschließend jedoch auf die weiterführende Arbeitsgenehmigung aufgrund von bürokratischen Auflagen wochenlang warten müssen.

Organisationen bieten Hilfe für Geflüchtete und Migranten

Doch selbst wenn die Abschlüsse und Unterlagen vorhanden sind, steht häufig noch ein weiteres Problem im Raum: Die Sprache. Viele Antragsdokumente sind nur auf Deutsch verfügbar und es mangelt an Hilfen wie Übersetzern. „Als türkische Bewerberin mit Englischkenntnissen wäre ich verzweifelt“, schildert Alev Deniz, Leiterin des Netzwerkes „Integration durch Qualifikation“ (IQ). Daher bietet das Netzwerk Bewerbern mit ausländischen Abschlüssen Hilfe bei der Antragsstellung. Doch auch hier mangelt es an Personal, vor allem durch den steigenden Bedarf an Beratungen. „Wir brauchen deshalb unbedingt mehr unabhängige Beratungsstellen“, so Deniz.

Nicht nur unabhängige Organisationen, auch die Politik fordert Handlungen. In der vergangenen Woche beriet daher der Ausschuss für Integration, Arbeit und Soziales über mögliche Vereinfachungen für die komplexen bürokratischen Auflagen. „Wir müssen nochmal mit alle Kammern und Beteiligte an einen Tisch holen“, fordert Elke Breitenbach (Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales. Das Ziel ist, die Bürokratie zu vernetzen, um die Genehmigungs- und Anerkennungsprozesse zu beschleunigen. Hier birgt aber die Digitalisierung große Chancen: Es wäre eine Möglichkeit, dass ein Antragssteller nur einen einzigen elektronischen Antrag stellt, statt dies bei jedem Amt einzeln zu tun. Doch von einer digitalen Verwaltung ist Berlin zum jetzigen Zeitpunkt noch weit entfernt. Ob derartige Maßnahmen das Problem lösen werden, wird sich noch zeigen. Fest steht jedoch, dass an der momentanen Situation etwas geändert werden muss. (ke)

Personaltrends der Arbeit 4.0: Was verbirgt sich dahinter?

Neue Formen der Arbeit organisieren die Funktionsweise von Unternehmen neu. Arbeitnehmer verstehen ‚Arbeit‘ heute anders als vor ein, zwei Generationen. Das bedeutet neue Anforderungen an die Arbeitsorganisation, an Recruitingprozesse und an Führung. Was sind die unterschiedlichen Personaltrends und Ansätze mit Blick auf Arbeit 4.0?

Neue Arbeit und New Work

Tobias Kremkau ist Coworking Manger des St. Oberholz in Berlin und empfiehlt eine grundsätzliche Unterscheidung von Neue Arbeit und New Work. „Bei neuer Arbeit steht das innere Bedürfnis des Menschen, etwas aus seiner individuellen Sicht Sinnvolles zu tun, im Vordergrund“, sagt er. Sozialphilosoph Frithjof Bergmann, der diesen Begriff entwickelte, meint damit nicht Arbeitsweisen, Organisationsmodelle oder irgendwelche Anreize, die Unternehmen ihren Arbeitnehmer anbieten. Einzig und allein die Frage, was jemand machen möchte, wofür er ein inneres Feuer hat, sei demnach relevant. „New Work hingegen ist der Oberbegriff für alle Veränderungen innerhalb der Wirtschaft. Das New ist hier quasi eine Situationsbeschreibung, die geprägt ist von neuen Technologien, der Digitalisierung, Entwicklungen wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz.“ In der Wirtschaft geht es aber nicht primär um Arbeit, fasst Lars Vollmer pointiert den Denkfehler vieler New-Work-Gurus zusammen, sondern um auf den Kunden ausgerichtete Prozesse.

Collaboration Tools: Personaltrends gehen zur Flexibilität

Für den Erfolg von Projekten und Unternehmen ist es heute mehr denn je relevant, dass fachübergreifend zusammengearbeitet wird. Nur wenn die Kompetenzen aller relevanten Akteure zusammengeführt werden können, ist ein erfolgreiches Arbeiten möglich: Tandemploy aus Berlin hat eine Software as a Service Lösung für ein Matching von Mitarbeitern entwickelt, „und zwar nach dem Button-Up-Prinzip“, wie Inhaberin Jana Tepe betont. Das bedeutet: Tandemploy vernetzt mit der Software Mitarbeiter innerhalb einer Organisation für flexible Arbeits(zeit)-modelle und Kollaborationsformen aller Art – und sorgt so für einen Wissenstransfer, Öffnung von Silostrukturen, mehr Innovationskraft und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit.

„Früher hat man Kampagnen mit Konsumenten gemacht, heute bindet man dauerhaft und strukturiert das gesamte Ökosystem eines Unternehmens ein“, sagt Jan Fischer von Innosabi. Das Münchner Unternehmen hat eine Software entwickelt, um die Komplexität von Konzernen zu handhaben, gerade auch im internationalen Kontext. Und dazu gehört auch die Einbindung von Kunden und Konsumenten. Aus technischer Sicht heißt das: Wie gehe ich damit um, dass ich verschiedene Sprachen habe? Wie autoübersetze ich die Inhalte, so dass diese vertraulich bleiben und eine gute Qualität bieten? Wie bilde ich Besonderheiten in verschiedenen Ländern ab? „All das sind Innovations- und Ideenprogramme, die einheitlich geführt und gemanaged werden müssen.“

Einen anderen Ansatz wählt Zenjob aus Berlin: Das HR-Tech-Start-up fungiert als Personalvermittlungsplattform zwischen Unternehmen und Studierenden. Beide Seiten sind auf der Suche nach Lösungen, und beide führ Zenjob zusammen. Die ‚Talents‘ registrieren sich via App. Bei Personalengpässen fragen Unternehmen über ihr Zenjob Konto online Personal an. Es gibt ein Bewertungssystem in beide Richtungen, um die Zufriedenheit aller Akteure zu sichern.

Coaching von Führung und Mitarbeitern

„Generationenvielfalt und geänderte Arbeitsformen verändern auch Führung ganz entscheidend“, sagt HR-Expertin Heike Andreschak. Leader, Manager oder Coach – zu verstehen, dass und wie visionäre Führung, perfektes Management und unterstützendes Coaching Hand in Hand gehen können, ist der entscheidende Schlüssel zum Führungserfolg. „Dazu kommt: Führung ist durch den Anstieg projektbezogener Arbeit weniger dauerhaft: heute bin ich Führungskraft und morgen Experte in einem anderen Projektteam.“ Also zeigt sich auch hier, dass die Personaltrends zur Flexibilität der einzelnen Kräfte geht.

Bei aller Diskussion um neue Personaltrends in der Arbeit sollten geerdete Ansätze, die sich immer noch als sehr zeitgemäß erweisen, nicht aus dem Blick verloren werden, sagt Coach Michael Pohl. Teams funktionieren nicht wie Maschinen. Als lebendige soziale Systeme durchlaufen sie vielmehr Entwicklungsphasen, die denen des einzelnen Menschen nicht unähnlich sind. Jedes Team, jede zielgerichtete Teamarbeit entwickelt sich nach gruppendynamischen Gesetzmäßigkeiten in vier wesentlichen Phasen: 1. Forming / Orientierung, 2. Storming / Frustration (Richtungssuche und Auseinandersetzung über Verfahrensfragen),3. Norming / Beschlussphase (Aufgreifen von Konsenslinien), 4. Performing / Produktionsphase. „Nicht jedes Team kann das Beste sein, aber jedes Team kann das Beste aus seinen Möglichkeiten machen“, sagt der Coaching-Experte.

Unternehmen sorgt für Bildung und Gesundheit der Mitarbeiter

„Die Arbeitsplätze werden sich wandeln. Lebenslanges Lernen ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird immer stärker einer alltägliche Notwendigkeit“, sagt Ralf Münchow, stellvertretender Leiter der Projektgruppe „Wissenschaftsjahr Arbeitswelten der Zukunft“ beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Dabei ist Einsatz von uns allen gefragt: Es braucht Offenheit und Neugier von uns allen, sich auf die neuen Technologien, auch außerhalb des Arbeitslebens, einzulassen. Darüber hinaus ist es entscheidend, dass Unternehmen und Betriebe branchenübergreifend für ihre Angestellten und Arbeiter Möglichkeiten schaffen, sich stetig weiterzubilden.“ Auch hier gehen die Personaltrends zum vielfältigen Einsatz der Mitarbeiter. Sie konzentrieren sich nicht länger auf eine einzelne Tätigkeit, sondern können durch verschiedene Lernprozesse in mehreren Aufgabenbereichen arbeiten.

Außerdem ist betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) erforderlich für die Zufriedenheit aller Mitarbeiter. BGM muss nach Einschätzung von Kundendienst-Verband-Vorstand Guido Geller schon in einem frühen Stadium einsetzen. „Maßnahmen sollen schließlich nicht nur Beschwerden lindern, sondern sie im Idealfall gar nicht erst entstehen lassen. Mir ist es wichtig, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen fest verankert werden – im Bewusstsein von Unternehmen und ihren Führungskräften, aber auch bei den Service-Mitarbeitern selbst. Die eben genannten Aspekte müssen eine Selbstverständlichkeit werden und Teil einer Unternehmens- oder Organisationsstrategie.“ Flexibilität, Wandelbarkeit und umfassendes Lernen: Die Personaltrends zeigen, dass der einzelne Mitarbeiter in Zuge der Arbeit 4.0 in den Vordergrund rückt. (red)

 

Millionenschwere Zuschläge für Lehrer an Brennpunkt-Schulen

An Schulen in sozialen Brennpunkten zu unterrichten, ist oftmals nicht attraktiv für Lehrer. Der Senat will nun neue Anreize schaffen, um den Lehrermangel an Brennpunkt-Schulen zu bekämpfen. Geplant ist ein Gehaltszuschlag für Lehrkräfte und Erzieher an Schulen mit hoher Armutsquote unter den Schülern.

Laut Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, soll sich dieser Zuschlag auf monatlich 300 Euro brutto belaufen. Etwa 2.000 der insgesamt 30.000 Lehrer an Berliner Schulen könnten von dem Vorhaben profitieren.

Nicht nur Lehrer profitieren

Lehrkräfte allein können oftmals die Aufgaben an Problemschulen nicht bewältigen. Kriminalität, schwierige Elternarbeit und Anforderungen der Inklusion erschweren den Schulalltag. Daher setzt das Land vor allem in Grundschulen auf Erzieher, die den Unterricht unterstützen. Die Erzieher können nun auch mehr Geld erhalten; ihre Zulage soll die nächsthöhere Gehaltsstufe vorwegnehmen. „Das kann bei jeder Person anders ausfallen – zwischen 70 und 350 Euro“, bestätigt Lasic. Man kann jedoch keine einheitliche Zulage auszahlen, da Erzieher im Gegensatz zu Lehrern an Tarifverträge gebunden sind.

Der Doppelhaushalt des Senats stellt 17 Millionen Euro für die Gehaltszuschläge zur Verfügung. Das Geld reicht damit allerdings nur für Pädagogen an etwa 50 von Berlins fast 800 Schulen. Allerdings können lediglich Schulen, an denen mindestens 80% der Schüler Sozialleistungen erhalten, das Geld in Anspruch nehmen. Der berlinweite Durchschnitt von Hartz-IV-Schülern liegt bei 35%, also deutlich unter dem der Brennpunkt-Schulen.

Entlastung von Quereinsteigern an Brennpunkt-Schulen

Derzeit unterrichten besonders viele Quereinsteiger an Brennpunkt-Schulen. Die Anreize der Regierung sollen voll ausgebildete Lehrer an die Schulen holen, nicht zuletzt, um die Quereinsteiger zu entlasten. Diese müssen nämlich häufig neben dem Unterricht ein Fach berufsbegleitend „nach“-studieren. Zusätzlich ist an den sozialen Brennpunkten pädagogisches Geschick gefragt. Obwohl Quereinsteiger in Crash-Kursen geschult werden, ersetzen diese kein vollwertiges Lehramtsstudium, welches auch pädagogische Ansätze vermittelt. Eine stärkere personelle Aufstellung von ausgebildetem Lehrpersonal kann Schüler, ebenso deren Eltern, im Alltag unterstützen.

Abschließend muss die Senatsverwaltung für Finanzen den Plan bestätigen. „Wir haben das letzte Gespräch mit der Senatsverwaltung für Finanzen noch nicht geführt, ich hoffe aber, dass wir es schaffen, dass es bei der vereinbarten Höhe von 300 Euro bleibt“, betonte Lasic gegenüber dem Tagesspiegel. Die Bildungspolitikerin hofft, die Zuschläge noch in diesem Jahr auszahlen zu können. Ob die Anreize tatsächlich mehr Lehrer an Problemschulen locken, bleibt jedoch fragwürdig. Denn es ist nicht gewiss, ob für die Pädagogen das zusätzliche Geld die Herausforderung an einer Brennpunkt-Schule zu unterrichten, aufwiegt. (ke)

 

PlusPeter: „Studierende müssen von potenziellen Arbeitgebern früher abgeholt werden“

Papierstapel gelten in der digitalisierten Arbeitswelt als altmodisch. Nicht jedoch an den Universitäten – noch nicht, meint Cecil von Croy. Der CEO des Berliner Start-ups PlusPeter ermöglicht Studierenden kostenloses Drucken. Nun soll die Plattform Studierenden das Leben und Lernen auf vielseitige Weise auch digital erleichtern. Ein Gespräch über Gewohnheitsmenschen, Werbung, die sich auszahlt und neue Arbeitsplätze.

BERLINboxx: Vor kurzem hat PlusPeter zweijähriges Bestehen gefeiert. War euer Plan von Anfang an darauf ausgerichtet von Print auf Digital umzusteigen, oder fühlt man sich unter Umständen auch von der Digitalisierung anderer Start-ups angespornt?

Cecil von Croy: Für uns war immer klar, dass wir uns im Online-Bereich etablieren möchten. Das Drucken war für uns der Zugang zur studentischen Zielgruppe. Wir haben ein Wertversprechen gesucht, dass wir den Studierenden kinderleicht vorstellen können und das bei ihnen auch das Interesse an unseren anderen Produkten weckt. Wir kamen auf das kostenlose Drucken, weil es Studierenden einen echten Mehrwert bietet. Somit ging es darum auszumachen wo wir uns gerade am Anfang von anderen unterscheiden, um User zu akquirieren. Den Studierenden, die unsere Plattform jetzt nutzen, können wir nun andere Produkte, vor allem zum Thema Lernen anbieten. Wir generieren, basierend auf dem Kernprodukt, schrittweise Nutzerzahlen.

BERLINboxx: Wenn Drucken nur der „Trailer“ für den Launch der ausgefeilten Funktionen war, habt ihr dann vor, irgendwann komplett davon Abstand zu nehmen? Wie sehen die Pläne aus?

Cecil von Croy: Solange Studierende noch drucken – und ich sehe das die nächsten zehn bis 15 Jahre noch gegeben – soll Drucken in jedem Fall ein Teil der Plattform bleiben. Lustigerweise hat das Drucken an den Universitäten seit dem Zeitalter des Internets sogar exponentiell zugenommen. Wir sehen alle, dass es eine Veränderung geben wird. Doch selbst die Schüler*innen, die jetzt aus der Schule kommen, sind zu 90 Prozent noch an das Offline-Lernen gewöhnt. Solange das nach wie vor der Fall ist und Studierende immer noch so Lernen oder es ihnen so beigebracht wird, werden sie neue Modelle an der Universität nicht innerhalb kürzester Zeit adaptieren. Deshalb wird auch in den nächsten Jahren noch gedruckt werden. Auch wenn der Trend langfristig in eine andere Richtung geht – Online.

BERLINboxx: Also praktisch der Mensch als Gewohnheitstier. Trotzdem eure Gründungsidee einmalig ist, wie wollt ihr euer Alleinstellungsmerkmal weiterhin fördern?

Cecil von Croy: Wir bauen derzeit ein ganz neuartiges Lern-Tool auf. Bisher haben wir es geschafft, der größte Player Europas auf dem Offline-Lernmarkt zu werden. Hier wollen wir jetzt auch Online ausbauen, denn momentan gibt es da nur zwei bis drei Tools, wie z.B. den Adobe-Reader oder PDF-Viewer, die Online-Lernen ermöglichen. Hierzu entwickeln wir gerade ein Tool, welches nicht nur das Lernen effizienter macht, sondern vor allem das gemeinsame Lernen fördert. Wir wollen eine riesige Wissensplattform aufsetzen, die Wissensaustausch vorantreibt. So das große Ziel.

BERLINboxx: In Bezug auf eure Gründungsidee sprecht ihr davon die Lücke zwischen Studierenden und Unternehmen zu schließen, um diese für potenzielle Berufschancen näher zusammenzubringen. Das ist bisher durch Werbung in den gedruckten Skripten geschehen, die Studierende bei euch bestellen. Wie stellt ihr euch dieses Konzept auf der Online-Plattform vor?

Cecil von Croy: Unsere Mission ist es, Studierende beim Lernen zu unterstützen, sie mit unseren Lernangeboten fit zu machen und sie dann, basierend darauf, mit der Zukunft zu verknüpfen. Das ermöglichen wir inzwischen genauso Online wie Offline. Natürlich haben wir begonnen mit dem Skript viele Studierende auf passende Unternehmen bzw. potenzielle Arbeitgeber aufmerksam zu machen, da wir dort Printwerbung platzieren können. Inzwischen schaffen wir das aber auch über die sozialen Medien und das E-Mail Marketing oder andere Start-up-Produkte wie Jodel. Nach heutigem Stand haben wir schon mehr Online- als Offline-Produkte, über die wir Studierende mit Unternehmen zusammenbringen.

BERLINboxx: Wie kommt es bei Studierenden an, über On- oder OfflineWerbung darauf aufmerksam gemacht zu werden, welche Unternehmen für sie interessant sein könnten?

Cecil von Croy: Sie sind mehr als dankbar. Nach unserem eigenen Studium haben wir bemerkt, dass eine gesamte Zielgruppe an Studierenden bisher komplett vernachlässigt wurde. Ich spreche von dem typisch europäischen Denken, dass Studierende für Unternehmen erst interessant werden, wenn sie die Universität mit einem Abschluss verlassen. In Amerika, wo ich studierte, habe ich das anders erlebt. Dort holt man Studierende schon früher ab, denn in der Zukunft sind genau sie die einkommens- und einkaufsstärksten Kräfte. Sie sind die „Leader“ von morgen, wenn man so will. Schon frühzeitig zu wissen, wer sie sind und mit ihnen in Kontakt zu treten, ist für Unternehmen essentiell. Studierende profitieren erst recht davon, schon frühzeitig ihre potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen.

 

Cecil von Croy, CEO von PlusPeter, lernte potenzielle Arbeitgeber während seines Studiums in den USA früher kennen, als das in Deutschland der Fall ist. | Foto: PlusPeter

 

BERLINboxx: Ihr arbeitet in dieser Hinsicht mit unglaublich vielen Universitäten zusammen. Was hat euch zur Berliner Standortwahl bewogen?

Cecil von Croy: Wir kommen alle aus der Start-up-Szene und haben hier in Berlin dementsprechend einfach die besten Möglichkeiten groß zu werden und zu Networken. Es gibt keine andere deutsche Stadt, die annähernd so Tech-afin und breitgefächert ist. Hier gibt es die Möglichkeit top Personal aufzugabeln. Wie beispielsweise die Tech-Developer, die man in Berlin zehnmal öfter findet als woanders.

BERLINboxx: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft in der Gründungsmetropole Berlin aus? Studi-Plattformen, die das studentische Leben und Lernen in vielen Bereichen erleichtern, wird es bald wie Sand am Meer geben – was bietet ihr?

Cecil von Croy: Ich will nicht zu viel verraten, da wir momentan noch über eine eventuelle Zusammenarbeit mit anderen Start-ups verhandeln. Aber ich kann es am besten daran deutlich machen: Was will ein*eine Student*in wirklich können? Die meisten E-Learning Plattformen in Deutschland kreieren eigenen Content mit Marketing-Inhalten oder filmen unterstützende YouTube-Videos. Das Problem dabei ist, dass Studierende nur eine Sache wirklich beherrschen möchten und das ist das Skript. Das sind die Lerninhalte, die Studierenden während der Vorlesung vermittelt werden und die Klausurrelevant sind. Um eine Klausur zu bestehen müssen sie das Skript, das aus diesen Informationen besteht, beherrschen. Da kommen wir ins Spiel. Wir drucken das ganze natürlich Offline aus, aber auch Online bereiten wir genau diese Skripte smart auf, für effizienteres und gemeinsames Lernen.

Bewerbungsaufruf für die Innovatoren der Hauptstadtregion

Reinhold Hartwig, Geschäftsführer von GA Generic Assays, ist der Stolz anzusehen. Er durfte den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017 mit nach Hause nehmen. Aus seiner Sicht sind Wettbewerbe wie der Innovationspreis Berlin Brandenburg die beste Gelegenheit, um auf das eigene Unternehmen öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen: „Innovative Produkte müssen auch vermarktet werden. Durch den Innovationspreis haben wir bemerkt, was PR für ein Unternehmen bedeutet“, so Hartwig. „Plötzlich wurden wir auch von der Politik des Landes Brandenburg wahrgenommen. Wer eine innovative Entwicklung vorzuweisen hat, sollte seine Chance nutzen.“

Nun läuft die Bewerbungsphase 2018 und im Rahmen des 2. Innovationsfrühstücks bei der Investitionsbank Berlin (IBB) informierte das Organisationsteam des Wettbewerbs über das Bewerbungsprozedere. Neben Reinhold Hartwig war auch Michael Unbehauen, FU Berlin/DendroPharm (Preisträger 2016), zu Gast und berichtete aus erster Hand über seine Erfahrungen mit dem Innovationspreis: „Nicht zu unterschätzen ist der Effekt, den eine solche Auszeichnung auch auf die Mitarbeiter hat. Die Wertschätzung von außen, die eine hart erarbeitete Entwicklung anerkennt, schafft eine Motivation, die sehr deutlich bei den Mitarbeitern ankommt.“

„Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar“

Die Investitionsbank Berlin (IBB) ist langjähriger Partner und Unterstützer des Innovationspreises. Für Heinz-Joachim Mogge, Abteilungsleiter für Kundenberatung Wirtschaftsförderung der IBB, steht fest: „Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar.“

Der Innovationspreis Berlin Brandenburg ist einer der wichtigsten Wirtschaftspreise der Hauptstadtregion. 1984 in Westberlin ins Leben gerufen, loben die Länder Berlin und Brandenburg seit 1992 den Wettbewerb jährlich gemeinsam aus. Somit ist der Innovationspreis nicht nur traditionsreich, sondern gewinnt in Zeiten von Start-ups und Digitalinnovationen stetig an Bedeutung. Aufgefordert zur Bewerbung sind alle Innovatoren, Entwickler, Gründer und Tüftler der Hauptstadtregion, die zukunfts- und marktfähige Entwicklungen vorzuweisen haben.

Die Innovationen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen

Die Arbeitsplätze von morgen werden durch die Innovationen von heute geschaffen und gefördert, so das Credo des Preises. Als Instrument der Wirtschaftsförderung orientiert sich der Wettbewerb daran, dass für die Zukunft der Hauptstadtregion eine dynamische Entwicklung in den Zukunftsbranchen ausschlaggebend sei. Zugleich ist es Ziel des Innovationspreises Berlin Brandenburg, als lebendiger Jahrgangsprozess für engagierte Innovatorinnen und Innovatoren sowie für Innovationsförderer und öffentliche Entscheidungsträger eine breit angelegte und ergebnisorientierte Netzwerkplattform bereitzustellen. Ein reger Austausch und gegenseitige Impulse sind ein fester Bestandteil des Innovationspreises.

 

In diesem Jahr ist es noch einfacher als bisher sich für den Innovationspreis zu bewerben. | Foto: BERLINboxx

 

Bewerbungsphase für den Innovationspreis 2018 noch bis zum 07. Juli

Aktuell ist die Bewerbungsphase noch in vollem Gange. Noch gute drei Wochen, bis zum 7. Juli, besteht die Möglichkeit, seinen Hut in den Ring zu werfen und damit die Chance zu wahren, zu einem der Preisträger 2018 gekürt zu werden. Immerhin gibt es für jeden der bis zu fünf Gewinner auch noch ein Preisgeld von 10.000 Euro abzuräumen. Dabei ist es in diesem Jahr einfacher als jemals zuvor, am Wettbewerb teilzunehmen. Das sogenannte 2-Click-Verfahren über die Homepage des Innovationspreises ist unkompliziert und kann rasch abgeschlossen werden – einer Bewerbung steht also nichts mehr im Weg. Die diesjährigen Innovationspreise werden durch die Vertreter der Wirtschaftsverwaltungen der beiden Länder dann am 30. November im Kommunikationsmuseum in Berlin verliehen. (cn)

Link zur Bewerbung: www.innovationspreis.de/bewerbung/bewerbung.html

Lehrermangel: In Berlin fehlen mehr als 1.200 Lehrer

Aufgrund des sich vergrößernden Personalmangels , spitzt sich die Lage an Berliner Schulen immer mehr zu. Für das kommende Jahr werden mehr als 1.200 Lehrer benötigt, doch der Lehrermarkt ist so gut wie leer gefegt.

Um die Lücke zu schließen, setzt Bildungssenatorin Scheeres neben Quereinsteiger nun auch auf Pensionäre und Lehramtsstudenten.

Für das kommende Schuljahr braucht Berlin 3.000 Lehrer

Wie die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Pressekonferenz am vergangenen Montag bestätigte, gibt es derzeit an Berliner Schulen eine Versorgungslücke. Demnach fehlen nach den Sommerferien in Berlin etwa 500 Lehrer. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich 160 Pensionäre bereit erklärt, weiterzuarbeiten.

Die dramatische Lage um den Lehrermangel wird allerdings noch größer. Denn für das kommende Schuljahr werden 3.000 zusätzliche Lehrer gebraucht, um Pensionäre zu ersetzen und auf die steigende Schülerzahlen reagieren zu können. Laut der Bildungssenatorin konnten bislang von den 3.000 freien Lehrerstellen 1750 besetzt werden. 1250 sind allerdings noch offen.

Quereinsteiger sollen Lehrermangel ausgleichen

Um die Mangelsituation in den Griff zu bekommen, setzt Berlin nun auf sogenannte Quereinsteiger. Das sind diejenigen, die eine fachliche Ausbildung absolviert, aber kein Lehramt studiert haben. Die Quote der Quereinsteiger lag zuletzt bei rund 43 Prozent. „Es kann sein, dass wir jetzt über 50 Prozent kommen“, so Scheeres.

Für das bevorstehende Schuljahr haben sich 2.000 Quereinsteiger beworben, von denen jedoch nur 1.000 die Voraussetzungen erfüllten. Die Quereinsteiger werden vor allem in den Mangelfächern Mathematik, Musik, Sport und Physik eingesetzt.

Scheeres‘ Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Angesichts des akuten Lehrermangels, hat Scheeres Maßnahmen entwickelt, die die Streichung von einigen Schulangeboten vorsehen. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres. Dabei hatte die Senatorin in der Vergangenheit stets betont, wie wichtig zusätzliche Förderstunden doch seien.

Darüber hinaus soll die Verteilung der Lehrer gerechter werden. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, so die Senatorin. Des Weiteren gibt Scheeres Lehramtsstudenten die Möglichkeit, auf Minijob-Basis zu unterrichten. Ob es wirklich eine gute Lösung ist, Quereinsteiger oder Lehramtsstudenten einzusetzen, bleibt fragwürdig. Denn um den Unterricht sinnvoll gestalten zu können, fehlt es ihnen an qualifizierter pädagogischer Ausbildung. (dn)

Digitale Lernplattformen befinden sich auf dem Vormarsch

Stephan Bayer machte sprichwörtlich aus seiner Not eine Tugend, besser gesagt eine Geschäftsidee. Das war 2008, als er BWL- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studierte. Wie vielen anderen Studenten machten auch ihm die Prüfungsvorbereitungen immer wieder zu schaffen. Da er vor allem Probleme mit dem sturen Auswendiglernen hatte, suchte Stephan Bayer nach einer anderen Lernmethode. Die Lösung brachte ein mit seiner Kamera aufgenommener Kurzfilm in Vorbereitung einer Mathematikprüfung. Jetzt erschloss sich ihm der Prüfungsstoff viel besser. Diese Erfahrung machten auch seine Kommilitonen, denen er sein Lernvideo zur Verfügung stellte. Diese kleine Geschichte markiert die Grundsteinlegung für seine mittlerweile mehrfach ausgezeichnete digitale Lernplattform sofatutor.com. Bayers Idee revolutionierte den Lernmittelmarkt. Er selber wurde einer der bekanntesten Experten für digitale Bildung und Lernmotivation.

Mit knapp 14.000 Lernvideos und 42.000 interaktiven Übungsaufgaben ist sein Berliner Unternehmen sofatutor einer der digitalen Vorreiter der deutschen Bildungslandschaft. Förderpartner der Lernplattform ist unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Digitale Lernmaterialien für über 20 Fächer

Bayer und sein Team haben inzwischen digitale Lernmaterialien für 23 Fächer entwickelt. Besonders viel Wert legt er auf einen innovativen und zeitgemäß gestalteten Inhalt. Ansprechen sollen die digitalen Lernoptionen Schüler von der Grundschule bis zum Abitur, aber auch Auszubildende und Studierende finden passende Lerninhalte auf der Onlineplattform. Besonders wichtig ist Bayer die Einbeziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie sollen Spaß am Lernen haben. „In unseren neuesten digital animierten Videos zum Beispiel bauen wir Mathethemen in kleine Geschichten mit bunten und witzigen Charakteren ein. Kindern fällt es leichter, Fragen zu verstehen, wenn sie den Sinn dahinter verstehen“, erläutert Gründer Bayer. Also bietet er mit seinem Unternehmen neben Videos, interaktiven Übungen sowie Druckvorlagen für Arbeitsblätter auch einen Hausaufgaben- Chat an.

Täglich können Schüler mit fachspezifischen Lehrern chatten, um den Lernstoff und die Hausaufgaben besser erfassen und dann losen zu können. „Dort bekommen Schüler eine direkte Rückmeldung mit konkreten Tipps und Hinweisen zu offenen Problemstellungen, die zur richtigen Lösung verhelfen, ohne sie bloß vorzugeben“, erklärt Bayer. All diese Optionen können die jungen Plattformnutzer bequem von zu Hause in Anspruch nehmen. Bei sofatutor ist der Name Programm.

Wachstum stärkt die Position auf dem Bildungsmarkt

Anfang 2018 gewann die sofatutor GmbH mit Frog Capital einen neuen Gesellschafter hinzu. Investiert werden sollen rund drei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Onlineplattform sowie in den Ausbau ihrer Position auf dem Bildungsmarkt in der DACH-Region.

Zudem engagiert sich das junge Unternehmen in unterschiedlichen Kooperationsprojekten im Bereich „digitaler Unterricht“. Jüngst startete ein Projekt mit dem Bundesland Bremen. Das konnte der entscheidende Erfolgsfaktor für Bayers Online-Lernplattform „Made in Berlin“ sein. (lj)

Otis baut Aufzüge, Fahrtreppen und Karrieren

Das amerikanische Unternehmen Otis wurde vor 165 Jahren gegründet und ist heute der weltgrößte Hersteller von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen. Es ist Teil der Unternehmensgruppe United Technologies Corporation (UTC), einem führenden Anbieter für die Luft- und Raumfahrt sowie Gebäudetechnikbranche. Otis verfügt über Fertigungsstätten in Europa, Asien und Amerika und ist in mehr als 200 Ländern und Regionen aktiv. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 68.000 Mitarbeiter, rund 2.500 davon in Deutschland.

Dabei ist Otis auch ein Arbeitgeber, der den Menschen spannende Perspektiven bietet und eine langjährige Beschäftigung seiner Mitarbeiter schätzt. Getreu dem Unternehmensslogan „Made to move you“ verbindet Otis Tradition mit Moderne und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Ganz gleich, ob Kunde oder Mitarbeiter. „Wir bei Otis sehen in jedem Mitarbeiter ein Talent. Wichtig ist es, dieses zu erkennen und gezielt zu fördern. Wir haben daher unterschiedliche ‚maßgeschneiderte‘ und auf die Fähigkeiten des Einzelnen angepasste Karrierechancen und -wege“, sagt Elisabeth Bohm, Geschaftsführerin Personal und Arbeitsdirektorin von Otis Deutschland. „Wir fördern unsere Talente durch gezielte Entwicklungsprogramme, Talentinitiativen und internationale Bildungsprogramme. Einzigartig macht uns unser UTC-Scholar-Programm, wo der Mitarbeiter einen Anspruch auf Übernahme der Kosten einer berufsbegleitenden Ausbildung hat, auch wenn diese total fachfremd ist.“

Umfassendes Unternehmensprogramm für die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter

Mit über 38.500 Abschlüssen weltweit, einer Gesamtförderhöhe von fast 1 Milliarde Euro und über 6.000 Teilnehmern in über 60 Ländern ist das UTC-Scholar- Programm eines der weltweit umfassendsten Unternehmensprogramme. Das Programm bietet Otis-Mitarbeitern die Möglichkeit, jede Art von Ausbildungsmaßnahmen ohne Rückzahlungsverpflichtung durchzuführen. Dabei finanziert Otis unter anderem berufsbegleitende Studien- und Weiterbildungsmaßnahmen. Dazu zählen Meisterausbildung oder Bachelor- und Masterstudiengänge.

„Die heutigen Auszubildenden sind die Mitarbeiter von morgen und damit die Zukunft unseres Unternehmens. Wir wollen junge Menschen mit Potenzial gewinnen und während ihrer Ausbildung begleiten“, so Bohm, „Denn die Aufgaben sind vielfältig und werden immer komplexer.“ Neben den vielfältigen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen eröffnet der Weltmarktführer jungen Menschen Chancen für den Start ins Berufsleben. Das Unternehmen bietet 2018 deutschlandweit 33 Ausbildungsplätze zum Mechatroniker an. Darüberhinaus fünf Ausbildungsplätze für ein duales Studium in den Studiengängen BWL, Fachrichtung Industrie sowie seit 2018 Industrielle Elektrotechnik. Diese Ausbildungsquote liegt klar über dem Deutschlandschnitt und bestätigt die hohe Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren. Denn das klare Ziel der Ausbildung ist es, alle erfolgreichen Absolventen in ein Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

Diversity & Inclusion werden bei Otis gelebt

Neben den Ausbildungschancen legt Otis großen Wert darauf, eine Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben durch innovative Arbeitsmodelle wie mobiles Arbeiten zu gewährleisten. Selbstverständlich sind eine attraktive Vergütung und ein familiärer Umgang unter den Mitarbeitern – trotz der Größe des Marktführers. Otis achtet sehr darauf, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Religion, beruflichem Hintergrund, Kommunikationsstil oder sonstigen Persönlichkeitsmerkmalen, integriert und respektiert fühlt. (ak)

Bildung in Berlin: Verschenktes Potenzial

„Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist alles andere nichts“ – dieser in Anlehnung an Artur Schopenhauer zugespitzten These würde heutzutage wohl niemand auch nur andeutungsweise widersprechen wollen. Ein weiteres Axiom hat Aristoteles genial auf den Punkt gebracht: „(Aus)Bildung ist der beste Reiseproviant auf dem Weg zum hohen Alter“, schrieb er und erklärte Bildung damit zu einer das gesamte Leben beherrschenden Aufgabe.

So weit, so klar – oder doch nicht? Wer in die Geschichte blickt oder sich im Hier und Heute umschaut, der sieht so einige Errungenschaften, viel häufiger jedoch Erschütterndes. Nur in wenigen Hochphasen konnte Bildung die ihr zustehende Position einnehmen – in der Antike, in der Renaissance oder in der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Sonst herrscht überwiegend Dunkelheit. Bildung war über Jahrhunderte eine Machtfrage und erst seit einigen Jahrzehnten besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit zur allumfassenden Bildung der Mehrheit der Gesellschaft.

Besonders das Internet scheint jegliche Bildungsgrenzen zum Einsturz gebracht zu haben. Jedem steht nahezu jede Informationsquelle offen. Kein Thema, worüber im World Wide Web nichts zu finden wäre. Doch das genau ist das Problem. Um die neuen Möglichkeiten wirklich nutzen zu können, bedarf es staatlicher Fürsorge mit gleichen Bildungschancen für alle. Wie lange darum schon gerungen wird beweist Konfuzius. „Bildung soll allen zuganglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen“, forderte er – Worte, die heute genauso aus irgendeinem Parteiprogramm oder aus jeder beliebigen Bildungsbroschüre stammen konnten.

Spielball der Politik

Die Forderung nach mehr und besserer Bildung ist auch vor Ort Quelle heftiger Debatten. Jahrelang Spielball der Parteien stehen wir heute im Wortsinne vor den Trümmern verfehlter Bildungspolitik. Ein ganzes System ist ins Wanken geraten und es ist völlig unklar, ob es wieder stabilisiert werden kann oder ob es in den kommenden zum bildungs- politischen Kollaps kommt, der den Standort Berlin wirtschaftlich, politisch und kulturell schwer schädigen würde.

Besonders verheerend ist die Lage in den Schulen. Rasant wachsende Schülerzahlen, akuter Lehrermangel, fehlende oder ruinierte Schulgebäude en masse und eine auch hier überhandnehmende Bürokratie ergeben ein Gemisch, dessen Unverträglichkeit neben den Kindern und Jugendlichen zunehmend auch die Berliner Unternehmen zu spüren bekommen. So ist zum Beispiel der Mangel an geeigneten Auszubildenden nicht allein dem demografischen Wandel zuzuschreiben. Mitverantwortung trägt auch eine in vielen Fällen praxisferne und unzeitgemäße Schulbildung.

Was tun?

Warum ist Jugendarbeitslosigkeit trotz Fachkräftemangel in der Bundeshauptstadt noch so hoch? Was bedeutet die Lage im Bildungswesen für den Wirtschaftsstandort? Welche Möglichkeiten der Nachwuchsgewinnung haben die Unternehmen? Was kann die Wirtschaft selber tun, um die Ausbildungssituation zu verbessern? Diesen und anderen Fragen zum Thema (Aus)Bildung werden wir im Folgenden nachgehen.

Bildungspolitischer Aufbruch

Eines der größten Probleme in Berlin ist derzeit die vergleichsweise hohe Jugendarbeitslosigkeit, trotz steigendem Fachkräftemangel. Jeder achte Teenager unter 20 Jahren ist derzeit in der Hauptstadt ohne Job (im Marz 2018 genau 13.267 junge Menschen). Die Folgen der Experimente in der Bildungspolitik der vergangen zwei Jahrzehnte sind noch überall spürbar und müssen durch einen bildungspolitischen Aufbruch schnell behoben werden. Zusätzliche Gelder für die Bildungsinfrastruktur, insbesondere Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen werden versprochen. Aber Geld allein genügt nicht. Genauso wichtig sind klare politische Vorgaben.

 

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

 

Ursachenforschung

Experten vermuten, dass einer der Auslöser für die hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen die Schulbildung ist. Die schlechte Platzierung beim bundesweiten Ranking des INSM-Bildungsmonitors 2017, spricht für diese Annahme. Dort landete die Hauptstadt auf dem untersten Rang – Platz 16. Eine Konsequenz der harten Sparmaßnahmen im Bildungssektor in den letzten Jahren. Es fehlt an Lehrern und an zeitgemäßer Ausstattung. Wie sinnvoll Quereinsteigerprojekte sind, um mehr Lehrer zu gewinnen, lasst sich jetzt noch nicht abschließend sagen. Das werden die kommenden Jahre zeigen. Bezeichnend ist allerdings die Tatsache, dass Berlin jetzt schon beim Reformkurs Bildung 2.0 deutlich im Rückstand ist. Wenige Berliner Schulen sind digital gut aufgestellt und benutzen digitale Unterrichtsmaterialien wie SMART Boards oder iPads. Die Bildungspolitik erklärt zwar, die „Schulen sind für die Schüler da, nicht für die Wirtschaft“, das bedeutet aber nicht, dass auf eine wirtschaftsnahe Ausbildung verzichtet werden kann. Im Gegenteil, es ist im Interesse der Schüler genauso wie der Unternehmen, die ausbilden.

Drohende Gefahren

Eine wirkliche Herausforderung ist die äußerst heterogene Schülerschaft. Nirgendwo sonst werden so viele Kinder unterschiedlicher Nationalität beschult und ausgebildet, wie in Deutschlands Hauptstadt. Das ist Fakt, darf aber nicht als Vorwand dafür dienen, dass die Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Jährlich brechen unter anderem aus diesem Grund rund 3.000 Jugendliche in Berlin ohne Abschluss die Schule ab. Das ist mit fatalen Folgen für ihre weitere Entwicklung verbunden, denn gering qualifizierte Arbeitskräfte werden immer weniger gebraucht. Gelingt es nicht, diese Jugendlichen zu integrieren, droht ihnen Arbeitslosigkeit und soziale Isolation. Um dem entgegenzuwirken, wollen Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familien, und Elke Breitenbach (Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, einige Veränderungen durchsetzen. Geplant sind eine Vielzahl von Maßnahmen, unter anderem mehr Sozialarbeiter an den Schulen und mehr Lehrpersonal durch die Forderung von Quereinsteigern.

Aus der Schule in den Beruf

Laut der IHK blieben 2017 nur elf Prozent der Bewerber unversorgt. Allerdings gaben insgesamt 30 Prozent der Befragten aus den Schulen nicht an, ob sie studierten, ins Ausland gingen oder was sie sonst nach dem Abschluss getan haben. Im letzten Jahr galt das für rund 6.200 junge Menschen. Diese Zahlen spiegeln sich auch am Rückgang der Bewerberzahlen für Betriebe wider, obwohl genügend Schulabgänger vorhanden sind, nutzen immer weniger Jugendliche die Möglichkeit der Vorbereitung auf das Berufsleben.

Dem soll zukünftig die engere Zusammenarbeit von dem Bund und Berlin mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg sowie der Bundesagentur für Arbeit entgegenwirken. „Mit Unterzeichnung der Initiative Bildungsketten unterstutzt die Bundesregierung unsere Strukturen und stärkt sie“, so Scheeres. Gemeinsam soll die Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf gefordert werden. Bildung soll zwar die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben sein, dient aber nicht als Berufsvorbereitung. Die findet im Lehrplan der Schulen einfachen keinen Platz. Mittlerweile arbeitet allerdings die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales schon an dem Pilotprojekt „Erprobung neuer Zugange in die Ausbildung“. So soll das alte Übergangssystem an die neuen Herausforderungen, beispielsweise Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, angepasst werden.

 

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

 

Versäumnisse der Wirtschaft

Allerdings liegt die Verantwortung nicht nur in der Bildungspolitik, den Schulen oder den Elternhäusern, sondern auch bei den Unternehmen selbst. Bei aller Kritik an den ungenügenden Rahmenbedingungen im Bildungssektor, müssen sich viele Unternehmer fragen lassen, was sie selbst für die Nachwuchssicherung tun. Hier bietet sich ein ernüchterndes Bild. Nur rund 5.020 der ansässigen Industrie- und Handelsunternehmen bilden überhaupt aus – ein Bruchteil, angesichts über 152.144 steuerpflichtigen Unternehmen (Stand 2016). Befragt nach den Gründen, warum sie nicht ausbilden, schieben viele Unternehmer anderen die Schuld zu. Vorgeschoben werden der Mangel an Zeit für die Azubis, die hohen Betriebskosten und insbesondere die Ausrede in Zeiten des Fachkräftemangels keine geeigneten Bewerber zu finden. Gern wird auch der demographische Wandel als Argument angeführt, der aber bei einer so hohen Jugendarbeitslosigkeit kaum einen Einfluss haben sollte.

Einen Großteil des Nachwuchses zieht es bundesweit an die Universitäten. Im Wintersemester 2017/18 schrieben sich allein in Berlin rund 183.000 Menschen für ein Hochschulstudium ein – ein neuer Rekord! Für eine Berufsausbildung meldeten sich dagegen nur 20.816 (IHK Berlin – Stand 2017) junge Leute an. Die ganze Widersprüchlichkeit der Lage auf dem Markt für Ausbildungsstellen ist daran zu sehen, dass es trotz der der hohen Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Ausbildungsjahr, 1.197 unbesetzte Ausbildungsstellen und 2.348 unversorgte Bewerber gab.

Dazu kommt noch die hohe Quote derer, die ihre Berufsausbildung vorzeitig abbrechen. Eine Umverteilung der unversorgten Bewerber auf die freien Plätze wäre denkbar, aber die Rechnung geht nicht auf. Immer mehr Berliner Unternehmen beklagen sich über die mangelnde Qualifikation und Motivationen der jugendlichen Bewerber. Mittlerweile sind es neun von zehn Unternehmen, die auf die schlechte Qualifikation ihrer Bewerber sowie mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation aufmerksam machen. Aber auch hier muss differenziert werden, denn die Rahmenbedingungen einer beruflichen Ausbildung sind nach heutigen Maßstäben für junge Menschen einfach nicht mehr attraktiv genug, weswegen sich viele für ein Studium entscheiden. Allein steuerlich hat der Studentenstatus im Vergleich zur Position eines Azubis nicht von der Hand zu weisende Vorteile. Auch hier bedarf es, wie bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vermerkt, einer Anpassung beziehungsweise einer Auswertung der beruflichen Ausbildung. Das Berliner Bildungssystem braucht eine moderne duale Ausbildung, um gleichwertige Berufs- und Bildungschancen für junge Menschen bieten zu können.

 

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

 

Sinkende Ansprüche

Aus der Not wird eine Tugend gemacht – das gilt zurzeit vor allem für die Wirtschaft der Hauptstadtregion. Einige Unternehmen fuhren schon gar keine Einstellungstests mehr durch. Die nachgerückten jungen Bewerber bekommen dann auf Unternehmenskosten Nachhilfe. Andererseits lehnen Unternehmen eine Mindestvergütung für Azubis ab. „Weder ein Parlament noch ein Ministerium sollten darüber entscheiden, wieviel Geld Auszubildende bekommen. Das ist Sache der Betriebe und der Tarifparteien. Es besteht die Gefahr, dass eine politische Untergrenze eine ganze Reihe von Ausbildungstarifvertragen aushebelt“, gab der UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck zu Bedenken. Ohne Investition herrscht allerdings auch beim Nachwuchs Stagnation. Die Wirtschaft muss sich starker in die Nachwuchsgewinnung einbringen und langfristig ihre zukünftigen Fachkräfte heranziehen. Wer am Nachwuchs spart, hat wirtschaftlich keine Zukunft.

Ausbildungsqualität

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan wollte schon vor Jahren mit einer „PISA-Studie“ für Azubis die Ausbildungsqualität feststellen lassen. Letztlich scheiterte die Umsetzung bereits an der Finanzierung. Den Unternehmen hatte ein Azubi-PISA höchstwahrscheinlich nicht geschadet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) führte bereits 2012 einen Report mit Schwerpunkt Ausbildung durch. Darf man der Auswertung des DGB-Ausbildungsreports 2017 glauben, hat sich seitdem kaum etwas getan. Neben der Quantität der Bewerber, mangelt es in der Hauptstadt auch an der Qualität der Ausbildung in den Berufsschulen und den Betrieben. Es fehlt den Berufsschulen vor allem an finanziellen Mitteln, insbesondere für Instandsetzungen, Neubauten und technische Ausrüstung. Obwohl Reformen (allen voran das Berufsbildungsgesetz) zwingend notwendig sind, plädiert die DGB-Bundesjugendsekretarin Manuela Corte dafür, auch unter Zeit- und Handlungsdruck die pädagogische Komponente, garantiert durch qualifizierte Lehrer, der berufsschulischen Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Auch braucht es laut der DGB von der Bundesregierung einheitliche Qualitätsstandards und eine gesetzliche Regelung, um Berufsschule und Betrieb besser zu verzahnen.

Die Auswertung des Reports zeigte aber auch ein mehr als wackliges Ausbildungsfundament bei den Betrieben. Fehlende Zusicherung der Übernahme, unbezahlte Überstunden und zum Teil fehlt sogar ein gesetzlich vorgeschriebener Ausbildungsplan. Wozu dann eine berufliche Ausbildung werden sich die Jugendlichen fragen. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund: Wie man sich bettet, so liegt man. Die Entwicklung und Sicherung des Fachkräftebedarfs ist aus bildungspolitischer Sicht eine der zentralen Aufgaben der Wirtschaft. Sie müssen letztlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, sodass sie für junge Menschen attraktiv sind, sie dort gut versorgt sind und zukünftig bleiben mochten. Auch die Unternehmen verkennen oft, Arbeit mit dem Nachwuchs ist eine Investition in die Zukunft.

Vorfahrt für die Ausbildung

Viele Unternehmen wurden gern mehr Beschäftigung aufbauen. Ohne die dringend benötigten Fachkräfte wird das allerdings schwer. Sie fehlen im Metall und Elektrohandwerk, im Bereich Sanitär, Heizung und Klima, im Dienstleistungsbereich und in der Bauwirtschaft, so das Fazit der UVB Kompakt 1/2018 Umfrage. Stetig sinkt die Anzahl der Jugendlichen, die sich für kaufmännische Berufe und auch technische Berufe entscheiden.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) befürchtete also zurecht eine weitere Verstärkung des Fachkräftemangels. Von der Bildungspolitik fordern sie eine Reformagenda unter dem Motto „Vorfahrt für die Ausbildung“. In der Verantwortlichkeit herrscht offenkundig zwischen der Bildungspolitik und der Wirtschaft noch Uneinigkeit. Berlin ist im Improvisieren recht gut, dennoch bedarf es mehr Dialogmöglichkeiten, zum Beispiel einen „Runden Tisch Bildung“, wie es die Redaktion der BERLINboxx vorschlagt. Schließlich gibt es einen nicht von der Hand zu weisen den Zusammenhang zwischen dem Bildungssystem und der Arbeitslosenquote. Wer schon als junger Mensch in die Arbeitslosigkeit gerät, rutscht schnell in die Langzeitarbeitslosigkeit ab. Das wäre verschenktes Potenzial. Die Hauptstadt hat ein stabiles Wirtschaftsklima, einen perfekten Nährboden für innovative Start-ups und genügend junge Menschen, um sich zu einem Top-Standort mit guten Fachkräften weiterzuentwickeln. Den Nachwuchs zu erreichen und eingehend zu fordern, sollte für die Politik wie auch die Wirtschaft oberste Priorität haben. Berlin muss auch aus beruflicher Sicht lebenswert sein.

Fordern und fördern

Unzählige Beispiele belegen: Kooperationen der Wirtschaft, mit Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen früher anzubahnen. Beispielhaft ist die Gewobag mit der Lernwerkstatt am Mehringplatz. Beide sind Teil der Initiative des Berliner Handwerks „Berliner Schulpate“. Deren Ziel ist es, Grundschulen und Unternehmen in Quartieren mit erhöhtem Förderbedarf zusammenzubringen und zu starken. Dank der Schulkooperationen können sich die Betriebe sozial engagieren und frühzeitig Schüler auf sich aufmerksam machen. Gemeinsame Projekte zwischen Bildung und Wirtschaft können den Schülern wertvolle Fähigkeiten für das Berufsleben mitgeben, ihnen schon frühzeitig eine berufliche Orientierung bieten. Wenn die Schulen, die Senatsverwaltung und die Unternehmen enger zusammenrucken und gemeinsam Projekte koordinieren, können die Übergangssysteme in den Beruf für junge Menschen nicht nur erleichtert werden, sondern auch dafür sorgen, dass sich wieder mehr Betriebe zur Ausbildung des Nachwuchses entschließen.

Einige Berliner Unternehmen haben das Potenzial des Selbst-aktiv-werdens bereits erkannt. Auszubildende werden individuell von den Betrieben gefordert, Trainee-Programme erleichtern den Übergang von der Schule oder dem Studium in den Berufsalltag und viele- Firmen bilden ihre Mitarbeiter auch intern kontinuierlich weiter. Vorbildlich ist auch die Berliner IHK, die sich mit einem Programm darauf spezialisiert hat Studienabbrecher aufzufangen und für einen Ausbildungsberuf im Handwerk anzuwerben. Immer mehr Betriebe bieten schon ähnliche Angebote an – mit Erfolg.

Potenzial entfalten

Die Wirtschaft der Hauptstadt kann den jungen Auszubildenden und Absolventen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern, indem sie gezielt auf sie zugehen oder sich mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Den einen Schuldigen zu suchen ist leicht, dabei teilen sich die Betriebe, die Schulen, die Elternhäuser und die Bildungspolitik die gesellschaftliche Verantwortung. Fakt ist: Wer sich seinen Nachwuchs selbst heranzieht, hat für die Zukunft vorgesorgt. Wenige deutsche Großstädte sind so multikulturell geprägt und besitzen ein so hohes Potenzial, bestehend aus jungen, aufgeschlossenen Menschen wie Berlin. Es fehlt nur noch der Impuls in die richtige Richtung. Das ist doch keine schlechte Ausgangslage. (lj)

Veranstaltungen

ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind in Deutschland in vielen Regionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und auch umgekehrt öffnen sich akademische Einrichtungen zunehmend der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden. Wo aber verläuft die Grenze zwischen Kooperation und Einflussnahme? Wer bestimmt, welche Forschungsprojekte finanziert, welche Professoren berufen, welches Firmenlogo an der Hörsaaltür steht? Welche neuen Möglichkeiten schaffen Drittmittel aus der Wirtschaft für finanzschwache Hochschulen, und wo begrenzen sie die Lehr- und Forschungsfreiheit?

Diese und weitere Fragen diskutieren hochkarätige Referenten auf der diesjährigen ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung.

20 Jahre Berufsorientierungsprogramm – 10 Jahre Rückblick und 10 Jahre Ausblick

Unter dem Motto „20 Jahre Berufsorientierungsprogramm – 10 Jahre Rückblick und 10 Jahre Ausblick“ feiert das Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek wird die Veranstaltung eröffnen. Herausragende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bildung und Wissenschaft geben gemeinsam Einblicke in die Zukunft der beruflichen Orientierung. Weiterhin wird es fachliche Impulse, Beiträge aus der Praxis und Austauschmöglichkeiten zu aktuellen Handlungsfeldern geben.

(Anmeldung erforderlich)