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Millionenschwere Zuschläge für Lehrer an Brennpunkt-Schulen

An Schulen in sozialen Brennpunkten zu unterrichten, ist oftmals nicht attraktiv für Lehrer. Der Senat will nun neue Anreize schaffen, um den Lehrermangel an Brennpunkt-Schulen zu bekämpfen. Geplant ist ein Gehaltszuschlag für Lehrkräfte und Erzieher an Schulen mit hoher Armutsquote unter den Schülern.

Laut Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, soll sich dieser Zuschlag auf monatlich 300 Euro brutto belaufen. Etwa 2.000 der insgesamt 30.000 Lehrer an Berliner Schulen könnten von dem Vorhaben profitieren.

Nicht nur Lehrer profitieren

Lehrkräfte allein können oftmals die Aufgaben an Problemschulen nicht bewältigen. Kriminalität, schwierige Elternarbeit und Anforderungen der Inklusion erschweren den Schulalltag. Daher setzt das Land vor allem in Grundschulen auf Erzieher, die den Unterricht unterstützen. Die Erzieher können nun auch mehr Geld erhalten; ihre Zulage soll die nächsthöhere Gehaltsstufe vorwegnehmen. „Das kann bei jeder Person anders ausfallen – zwischen 70 und 350 Euro“, bestätigt Lasic. Man kann jedoch keine einheitliche Zulage auszahlen, da Erzieher im Gegensatz zu Lehrern an Tarifverträge gebunden sind.

Der Doppelhaushalt des Senats stellt 17 Millionen Euro für die Gehaltszuschläge zur Verfügung. Das Geld reicht damit allerdings nur für Pädagogen an etwa 50 von Berlins fast 800 Schulen. Allerdings können lediglich Schulen, an denen mindestens 80% der Schüler Sozialleistungen erhalten, das Geld in Anspruch nehmen. Der berlinweite Durchschnitt von Hartz-IV-Schülern liegt bei 35%, also deutlich unter dem der Brennpunkt-Schulen.

Entlastung von Quereinsteigern an Brennpunkt-Schulen

Derzeit unterrichten besonders viele Quereinsteiger an Brennpunkt-Schulen. Die Anreize der Regierung sollen voll ausgebildete Lehrer an die Schulen holen, nicht zuletzt, um die Quereinsteiger zu entlasten. Diese müssen nämlich häufig neben dem Unterricht ein Fach berufsbegleitend „nach“-studieren. Zusätzlich ist an den sozialen Brennpunkten pädagogisches Geschick gefragt. Obwohl Quereinsteiger in Crash-Kursen geschult werden, ersetzen diese kein vollwertiges Lehramtsstudium, welches auch pädagogische Ansätze vermittelt. Eine stärkere personelle Aufstellung von ausgebildetem Lehrpersonal kann Schüler, ebenso deren Eltern, im Alltag unterstützen.

Abschließend muss die Senatsverwaltung für Finanzen den Plan bestätigen. „Wir haben das letzte Gespräch mit der Senatsverwaltung für Finanzen noch nicht geführt, ich hoffe aber, dass wir es schaffen, dass es bei der vereinbarten Höhe von 300 Euro bleibt“, betonte Lasic gegenüber dem Tagesspiegel. Die Bildungspolitikerin hofft, die Zuschläge noch in diesem Jahr auszahlen zu können. Ob die Anreize tatsächlich mehr Lehrer an Problemschulen locken, bleibt jedoch fragwürdig. Denn es ist nicht gewiss, ob für die Pädagogen das zusätzliche Geld die Herausforderung an einer Brennpunkt-Schule zu unterrichten, aufwiegt. (ke)

 

PlusPeter: „Studierende müssen von potenziellen Arbeitgebern früher abgeholt werden“

Papierstapel gelten in der digitalisierten Arbeitswelt als altmodisch. Nicht jedoch an den Universitäten – noch nicht, meint Cecil von Croy. Der CEO des Berliner Start-ups PlusPeter ermöglicht Studierenden kostenloses Drucken. Nun soll die Plattform Studierenden das Leben und Lernen auf vielseitige Weise auch digital erleichtern. Ein Gespräch über Gewohnheitsmenschen, Werbung, die sich auszahlt und neue Arbeitsplätze.

BERLINboxx: Vor kurzem hat PlusPeter zweijähriges Bestehen gefeiert. War euer Plan von Anfang an darauf ausgerichtet von Print auf Digital umzusteigen, oder fühlt man sich unter Umständen auch von der Digitalisierung anderer Start-ups angespornt?

Cecil von Croy: Für uns war immer klar, dass wir uns im Online-Bereich etablieren möchten. Das Drucken war für uns der Zugang zur studentischen Zielgruppe. Wir haben ein Wertversprechen gesucht, dass wir den Studierenden kinderleicht vorstellen können und das bei ihnen auch das Interesse an unseren anderen Produkten weckt. Wir kamen auf das kostenlose Drucken, weil es Studierenden einen echten Mehrwert bietet. Somit ging es darum auszumachen wo wir uns gerade am Anfang von anderen unterscheiden, um User zu akquirieren. Den Studierenden, die unsere Plattform jetzt nutzen, können wir nun andere Produkte, vor allem zum Thema Lernen anbieten. Wir generieren, basierend auf dem Kernprodukt, schrittweise Nutzerzahlen.

BERLINboxx: Wenn Drucken nur der „Trailer“ für den Launch der ausgefeilten Funktionen war, habt ihr dann vor, irgendwann komplett davon Abstand zu nehmen? Wie sehen die Pläne aus?

Cecil von Croy: Solange Studierende noch drucken – und ich sehe das die nächsten zehn bis 15 Jahre noch gegeben – soll Drucken in jedem Fall ein Teil der Plattform bleiben. Lustigerweise hat das Drucken an den Universitäten seit dem Zeitalter des Internets sogar exponentiell zugenommen. Wir sehen alle, dass es eine Veränderung geben wird. Doch selbst die Schüler*innen, die jetzt aus der Schule kommen, sind zu 90 Prozent noch an das Offline-Lernen gewöhnt. Solange das nach wie vor der Fall ist und Studierende immer noch so Lernen oder es ihnen so beigebracht wird, werden sie neue Modelle an der Universität nicht innerhalb kürzester Zeit adaptieren. Deshalb wird auch in den nächsten Jahren noch gedruckt werden. Auch wenn der Trend langfristig in eine andere Richtung geht – Online.

BERLINboxx: Also praktisch der Mensch als Gewohnheitstier. Trotzdem eure Gründungsidee einmalig ist, wie wollt ihr euer Alleinstellungsmerkmal weiterhin fördern?

Cecil von Croy: Wir bauen derzeit ein ganz neuartiges Lern-Tool auf. Bisher haben wir es geschafft, der größte Player Europas auf dem Offline-Lernmarkt zu werden. Hier wollen wir jetzt auch Online ausbauen, denn momentan gibt es da nur zwei bis drei Tools, wie z.B. den Adobe-Reader oder PDF-Viewer, die Online-Lernen ermöglichen. Hierzu entwickeln wir gerade ein Tool, welches nicht nur das Lernen effizienter macht, sondern vor allem das gemeinsame Lernen fördert. Wir wollen eine riesige Wissensplattform aufsetzen, die Wissensaustausch vorantreibt. So das große Ziel.

BERLINboxx: In Bezug auf eure Gründungsidee sprecht ihr davon die Lücke zwischen Studierenden und Unternehmen zu schließen, um diese für potenzielle Berufschancen näher zusammenzubringen. Das ist bisher durch Werbung in den gedruckten Skripten geschehen, die Studierende bei euch bestellen. Wie stellt ihr euch dieses Konzept auf der Online-Plattform vor?

Cecil von Croy: Unsere Mission ist es, Studierende beim Lernen zu unterstützen, sie mit unseren Lernangeboten fit zu machen und sie dann, basierend darauf, mit der Zukunft zu verknüpfen. Das ermöglichen wir inzwischen genauso Online wie Offline. Natürlich haben wir begonnen mit dem Skript viele Studierende auf passende Unternehmen bzw. potenzielle Arbeitgeber aufmerksam zu machen, da wir dort Printwerbung platzieren können. Inzwischen schaffen wir das aber auch über die sozialen Medien und das E-Mail Marketing oder andere Start-up-Produkte wie Jodel. Nach heutigem Stand haben wir schon mehr Online- als Offline-Produkte, über die wir Studierende mit Unternehmen zusammenbringen.

BERLINboxx: Wie kommt es bei Studierenden an, über On- oder OfflineWerbung darauf aufmerksam gemacht zu werden, welche Unternehmen für sie interessant sein könnten?

Cecil von Croy: Sie sind mehr als dankbar. Nach unserem eigenen Studium haben wir bemerkt, dass eine gesamte Zielgruppe an Studierenden bisher komplett vernachlässigt wurde. Ich spreche von dem typisch europäischen Denken, dass Studierende für Unternehmen erst interessant werden, wenn sie die Universität mit einem Abschluss verlassen. In Amerika, wo ich studierte, habe ich das anders erlebt. Dort holt man Studierende schon früher ab, denn in der Zukunft sind genau sie die einkommens- und einkaufsstärksten Kräfte. Sie sind die „Leader“ von morgen, wenn man so will. Schon frühzeitig zu wissen, wer sie sind und mit ihnen in Kontakt zu treten, ist für Unternehmen essentiell. Studierende profitieren erst recht davon, schon frühzeitig ihre potenziellen Arbeitgeber kennenzulernen.

 

Cecil von Croy, CEO von PlusPeter, lernte potenzielle Arbeitgeber während seines Studiums in den USA früher kennen, als das in Deutschland der Fall ist. | Foto: PlusPeter

 

BERLINboxx: Ihr arbeitet in dieser Hinsicht mit unglaublich vielen Universitäten zusammen. Was hat euch zur Berliner Standortwahl bewogen?

Cecil von Croy: Wir kommen alle aus der Start-up-Szene und haben hier in Berlin dementsprechend einfach die besten Möglichkeiten groß zu werden und zu Networken. Es gibt keine andere deutsche Stadt, die annähernd so Tech-afin und breitgefächert ist. Hier gibt es die Möglichkeit top Personal aufzugabeln. Wie beispielsweise die Tech-Developer, die man in Berlin zehnmal öfter findet als woanders.

BERLINboxx: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft in der Gründungsmetropole Berlin aus? Studi-Plattformen, die das studentische Leben und Lernen in vielen Bereichen erleichtern, wird es bald wie Sand am Meer geben – was bietet ihr?

Cecil von Croy: Ich will nicht zu viel verraten, da wir momentan noch über eine eventuelle Zusammenarbeit mit anderen Start-ups verhandeln. Aber ich kann es am besten daran deutlich machen: Was will ein*eine Student*in wirklich können? Die meisten E-Learning Plattformen in Deutschland kreieren eigenen Content mit Marketing-Inhalten oder filmen unterstützende YouTube-Videos. Das Problem dabei ist, dass Studierende nur eine Sache wirklich beherrschen möchten und das ist das Skript. Das sind die Lerninhalte, die Studierenden während der Vorlesung vermittelt werden und die Klausurrelevant sind. Um eine Klausur zu bestehen müssen sie das Skript, das aus diesen Informationen besteht, beherrschen. Da kommen wir ins Spiel. Wir drucken das ganze natürlich Offline aus, aber auch Online bereiten wir genau diese Skripte smart auf, für effizienteres und gemeinsames Lernen.

Bewerbungsaufruf für die Innovatoren der Hauptstadtregion

Reinhold Hartwig, Geschäftsführer von GA Generic Assays, ist der Stolz anzusehen. Er durfte den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017 mit nach Hause nehmen. Aus seiner Sicht sind Wettbewerbe wie der Innovationspreis Berlin Brandenburg die beste Gelegenheit, um auf das eigene Unternehmen öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen: „Innovative Produkte müssen auch vermarktet werden. Durch den Innovationspreis haben wir bemerkt, was PR für ein Unternehmen bedeutet“, so Hartwig. „Plötzlich wurden wir auch von der Politik des Landes Brandenburg wahrgenommen. Wer eine innovative Entwicklung vorzuweisen hat, sollte seine Chance nutzen.“

Nun läuft die Bewerbungsphase 2018 und im Rahmen des 2. Innovationsfrühstücks bei der Investitionsbank Berlin (IBB) informierte das Organisationsteam des Wettbewerbs über das Bewerbungsprozedere. Neben Reinhold Hartwig war auch Michael Unbehauen, FU Berlin/DendroPharm (Preisträger 2016), zu Gast und berichtete aus erster Hand über seine Erfahrungen mit dem Innovationspreis: „Nicht zu unterschätzen ist der Effekt, den eine solche Auszeichnung auch auf die Mitarbeiter hat. Die Wertschätzung von außen, die eine hart erarbeitete Entwicklung anerkennt, schafft eine Motivation, die sehr deutlich bei den Mitarbeitern ankommt.“

„Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar“

Die Investitionsbank Berlin (IBB) ist langjähriger Partner und Unterstützer des Innovationspreises. Für Heinz-Joachim Mogge, Abteilungsleiter für Kundenberatung Wirtschaftsförderung der IBB, steht fest: „Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar.“

Der Innovationspreis Berlin Brandenburg ist einer der wichtigsten Wirtschaftspreise der Hauptstadtregion. 1984 in Westberlin ins Leben gerufen, loben die Länder Berlin und Brandenburg seit 1992 den Wettbewerb jährlich gemeinsam aus. Somit ist der Innovationspreis nicht nur traditionsreich, sondern gewinnt in Zeiten von Start-ups und Digitalinnovationen stetig an Bedeutung. Aufgefordert zur Bewerbung sind alle Innovatoren, Entwickler, Gründer und Tüftler der Hauptstadtregion, die zukunfts- und marktfähige Entwicklungen vorzuweisen haben.

Die Innovationen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen

Die Arbeitsplätze von morgen werden durch die Innovationen von heute geschaffen und gefördert, so das Credo des Preises. Als Instrument der Wirtschaftsförderung orientiert sich der Wettbewerb daran, dass für die Zukunft der Hauptstadtregion eine dynamische Entwicklung in den Zukunftsbranchen ausschlaggebend sei. Zugleich ist es Ziel des Innovationspreises Berlin Brandenburg, als lebendiger Jahrgangsprozess für engagierte Innovatorinnen und Innovatoren sowie für Innovationsförderer und öffentliche Entscheidungsträger eine breit angelegte und ergebnisorientierte Netzwerkplattform bereitzustellen. Ein reger Austausch und gegenseitige Impulse sind ein fester Bestandteil des Innovationspreises.

 

In diesem Jahr ist es noch einfacher als bisher sich für den Innovationspreis zu bewerben. | Foto: BERLINboxx

 

Bewerbungsphase für den Innovationspreis 2018 noch bis zum 07. Juli

Aktuell ist die Bewerbungsphase noch in vollem Gange. Noch gute drei Wochen, bis zum 7. Juli, besteht die Möglichkeit, seinen Hut in den Ring zu werfen und damit die Chance zu wahren, zu einem der Preisträger 2018 gekürt zu werden. Immerhin gibt es für jeden der bis zu fünf Gewinner auch noch ein Preisgeld von 10.000 Euro abzuräumen. Dabei ist es in diesem Jahr einfacher als jemals zuvor, am Wettbewerb teilzunehmen. Das sogenannte 2-Click-Verfahren über die Homepage des Innovationspreises ist unkompliziert und kann rasch abgeschlossen werden – einer Bewerbung steht also nichts mehr im Weg. Die diesjährigen Innovationspreise werden durch die Vertreter der Wirtschaftsverwaltungen der beiden Länder dann am 30. November im Kommunikationsmuseum in Berlin verliehen. (cn)

Link zur Bewerbung: www.innovationspreis.de/bewerbung/bewerbung.html

Lehrermangel: In Berlin fehlen mehr als 1.200 Lehrer

Aufgrund des sich vergrößernden Personalmangels , spitzt sich die Lage an Berliner Schulen immer mehr zu. Für das kommende Jahr werden mehr als 1.200 Lehrer benötigt, doch der Lehrermarkt ist so gut wie leer gefegt.

Um die Lücke zu schließen, setzt Bildungssenatorin Scheeres neben Quereinsteiger nun auch auf Pensionäre und Lehramtsstudenten.

Für das kommende Schuljahr braucht Berlin 3.000 Lehrer

Wie die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Pressekonferenz am vergangenen Montag bestätigte, gibt es derzeit an Berliner Schulen eine Versorgungslücke. Demnach fehlen nach den Sommerferien in Berlin etwa 500 Lehrer. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich 160 Pensionäre bereit erklärt, weiterzuarbeiten.

Die dramatische Lage um den Lehrermangel wird allerdings noch größer. Denn für das kommende Schuljahr werden 3.000 zusätzliche Lehrer gebraucht, um Pensionäre zu ersetzen und auf die steigende Schülerzahlen reagieren zu können. Laut der Bildungssenatorin konnten bislang von den 3.000 freien Lehrerstellen 1750 besetzt werden. 1250 sind allerdings noch offen.

Quereinsteiger sollen Lehrermangel ausgleichen

Um die Mangelsituation in den Griff zu bekommen, setzt Berlin nun auf sogenannte Quereinsteiger. Das sind diejenigen, die eine fachliche Ausbildung absolviert, aber kein Lehramt studiert haben. Die Quote der Quereinsteiger lag zuletzt bei rund 43 Prozent. „Es kann sein, dass wir jetzt über 50 Prozent kommen“, so Scheeres.

Für das bevorstehende Schuljahr haben sich 2.000 Quereinsteiger beworben, von denen jedoch nur 1.000 die Voraussetzungen erfüllten. Die Quereinsteiger werden vor allem in den Mangelfächern Mathematik, Musik, Sport und Physik eingesetzt.

Scheeres‘ Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Angesichts des akuten Lehrermangels, hat Scheeres Maßnahmen entwickelt, die die Streichung von einigen Schulangeboten vorsehen. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres. Dabei hatte die Senatorin in der Vergangenheit stets betont, wie wichtig zusätzliche Förderstunden doch seien.

Darüber hinaus soll die Verteilung der Lehrer gerechter werden. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, so die Senatorin. Des Weiteren gibt Scheeres Lehramtsstudenten die Möglichkeit, auf Minijob-Basis zu unterrichten. Ob es wirklich eine gute Lösung ist, Quereinsteiger oder Lehramtsstudenten einzusetzen, bleibt fragwürdig. Denn um den Unterricht sinnvoll gestalten zu können, fehlt es ihnen an qualifizierter pädagogischer Ausbildung. (dn)

Digitale Lernplattformen befinden sich auf dem Vormarsch

Stephan Bayer machte sprichwörtlich aus seiner Not eine Tugend, besser gesagt eine Geschäftsidee. Das war 2008, als er BWL- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studierte. Wie vielen anderen Studenten machten auch ihm die Prüfungsvorbereitungen immer wieder zu schaffen. Da er vor allem Probleme mit dem sturen Auswendiglernen hatte, suchte Stephan Bayer nach einer anderen Lernmethode. Die Lösung brachte ein mit seiner Kamera aufgenommener Kurzfilm in Vorbereitung einer Mathematikprüfung. Jetzt erschloss sich ihm der Prüfungsstoff viel besser. Diese Erfahrung machten auch seine Kommilitonen, denen er sein Lernvideo zur Verfügung stellte. Diese kleine Geschichte markiert die Grundsteinlegung für seine mittlerweile mehrfach ausgezeichnete digitale Lernplattform sofatutor.com. Bayers Idee revolutionierte den Lernmittelmarkt. Er selber wurde einer der bekanntesten Experten für digitale Bildung und Lernmotivation.

Mit knapp 14.000 Lernvideos und 42.000 interaktiven Übungsaufgaben ist sein Berliner Unternehmen sofatutor einer der digitalen Vorreiter der deutschen Bildungslandschaft. Förderpartner der Lernplattform ist unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Digitale Lernmaterialien für über 20 Fächer

Bayer und sein Team haben inzwischen digitale Lernmaterialien für 23 Fächer entwickelt. Besonders viel Wert legt er auf einen innovativen und zeitgemäß gestalteten Inhalt. Ansprechen sollen die digitalen Lernoptionen Schüler von der Grundschule bis zum Abitur, aber auch Auszubildende und Studierende finden passende Lerninhalte auf der Onlineplattform. Besonders wichtig ist Bayer die Einbeziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie sollen Spaß am Lernen haben. „In unseren neuesten digital animierten Videos zum Beispiel bauen wir Mathethemen in kleine Geschichten mit bunten und witzigen Charakteren ein. Kindern fällt es leichter, Fragen zu verstehen, wenn sie den Sinn dahinter verstehen“, erläutert Gründer Bayer. Also bietet er mit seinem Unternehmen neben Videos, interaktiven Übungen sowie Druckvorlagen für Arbeitsblätter auch einen Hausaufgaben- Chat an.

Täglich können Schüler mit fachspezifischen Lehrern chatten, um den Lernstoff und die Hausaufgaben besser erfassen und dann losen zu können. „Dort bekommen Schüler eine direkte Rückmeldung mit konkreten Tipps und Hinweisen zu offenen Problemstellungen, die zur richtigen Lösung verhelfen, ohne sie bloß vorzugeben“, erklärt Bayer. All diese Optionen können die jungen Plattformnutzer bequem von zu Hause in Anspruch nehmen. Bei sofatutor ist der Name Programm.

Wachstum stärkt die Position auf dem Bildungsmarkt

Anfang 2018 gewann die sofatutor GmbH mit Frog Capital einen neuen Gesellschafter hinzu. Investiert werden sollen rund drei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Onlineplattform sowie in den Ausbau ihrer Position auf dem Bildungsmarkt in der DACH-Region.

Zudem engagiert sich das junge Unternehmen in unterschiedlichen Kooperationsprojekten im Bereich „digitaler Unterricht“. Jüngst startete ein Projekt mit dem Bundesland Bremen. Das konnte der entscheidende Erfolgsfaktor für Bayers Online-Lernplattform „Made in Berlin“ sein. (lj)

Otis baut Aufzüge, Fahrtreppen und Karrieren

Das amerikanische Unternehmen Otis wurde vor 165 Jahren gegründet und ist heute der weltgrößte Hersteller von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen. Es ist Teil der Unternehmensgruppe United Technologies Corporation (UTC), einem führenden Anbieter für die Luft- und Raumfahrt sowie Gebäudetechnikbranche. Otis verfügt über Fertigungsstätten in Europa, Asien und Amerika und ist in mehr als 200 Ländern und Regionen aktiv. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 68.000 Mitarbeiter, rund 2.500 davon in Deutschland.

Dabei ist Otis auch ein Arbeitgeber, der den Menschen spannende Perspektiven bietet und eine langjährige Beschäftigung seiner Mitarbeiter schätzt. Getreu dem Unternehmensslogan „Made to move you“ verbindet Otis Tradition mit Moderne und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Ganz gleich, ob Kunde oder Mitarbeiter. „Wir bei Otis sehen in jedem Mitarbeiter ein Talent. Wichtig ist es, dieses zu erkennen und gezielt zu fördern. Wir haben daher unterschiedliche ‚maßgeschneiderte‘ und auf die Fähigkeiten des Einzelnen angepasste Karrierechancen und -wege“, sagt Elisabeth Bohm, Geschaftsführerin Personal und Arbeitsdirektorin von Otis Deutschland. „Wir fördern unsere Talente durch gezielte Entwicklungsprogramme, Talentinitiativen und internationale Bildungsprogramme. Einzigartig macht uns unser UTC-Scholar-Programm, wo der Mitarbeiter einen Anspruch auf Übernahme der Kosten einer berufsbegleitenden Ausbildung hat, auch wenn diese total fachfremd ist.“

Umfassendes Unternehmensprogramm für die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter

Mit über 38.500 Abschlüssen weltweit, einer Gesamtförderhöhe von fast 1 Milliarde Euro und über 6.000 Teilnehmern in über 60 Ländern ist das UTC-Scholar- Programm eines der weltweit umfassendsten Unternehmensprogramme. Das Programm bietet Otis-Mitarbeitern die Möglichkeit, jede Art von Ausbildungsmaßnahmen ohne Rückzahlungsverpflichtung durchzuführen. Dabei finanziert Otis unter anderem berufsbegleitende Studien- und Weiterbildungsmaßnahmen. Dazu zählen Meisterausbildung oder Bachelor- und Masterstudiengänge.

„Die heutigen Auszubildenden sind die Mitarbeiter von morgen und damit die Zukunft unseres Unternehmens. Wir wollen junge Menschen mit Potenzial gewinnen und während ihrer Ausbildung begleiten“, so Bohm, „Denn die Aufgaben sind vielfältig und werden immer komplexer.“ Neben den vielfältigen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen eröffnet der Weltmarktführer jungen Menschen Chancen für den Start ins Berufsleben. Das Unternehmen bietet 2018 deutschlandweit 33 Ausbildungsplätze zum Mechatroniker an. Darüberhinaus fünf Ausbildungsplätze für ein duales Studium in den Studiengängen BWL, Fachrichtung Industrie sowie seit 2018 Industrielle Elektrotechnik. Diese Ausbildungsquote liegt klar über dem Deutschlandschnitt und bestätigt die hohe Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren. Denn das klare Ziel der Ausbildung ist es, alle erfolgreichen Absolventen in ein Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

Diversity & Inclusion werden bei Otis gelebt

Neben den Ausbildungschancen legt Otis großen Wert darauf, eine Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben durch innovative Arbeitsmodelle wie mobiles Arbeiten zu gewährleisten. Selbstverständlich sind eine attraktive Vergütung und ein familiärer Umgang unter den Mitarbeitern – trotz der Größe des Marktführers. Otis achtet sehr darauf, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Religion, beruflichem Hintergrund, Kommunikationsstil oder sonstigen Persönlichkeitsmerkmalen, integriert und respektiert fühlt. (ak)

Bildung in Berlin: Verschenktes Potenzial

„Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist alles andere nichts“ – dieser in Anlehnung an Artur Schopenhauer zugespitzten These würde heutzutage wohl niemand auch nur andeutungsweise widersprechen wollen. Ein weiteres Axiom hat Aristoteles genial auf den Punkt gebracht: „(Aus)Bildung ist der beste Reiseproviant auf dem Weg zum hohen Alter“, schrieb er und erklärte Bildung damit zu einer das gesamte Leben beherrschenden Aufgabe.

So weit, so klar – oder doch nicht? Wer in die Geschichte blickt oder sich im Hier und Heute umschaut, der sieht so einige Errungenschaften, viel häufiger jedoch Erschütterndes. Nur in wenigen Hochphasen konnte Bildung die ihr zustehende Position einnehmen – in der Antike, in der Renaissance oder in der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Sonst herrscht überwiegend Dunkelheit. Bildung war über Jahrhunderte eine Machtfrage und erst seit einigen Jahrzehnten besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit zur allumfassenden Bildung der Mehrheit der Gesellschaft.

Besonders das Internet scheint jegliche Bildungsgrenzen zum Einsturz gebracht zu haben. Jedem steht nahezu jede Informationsquelle offen. Kein Thema, worüber im World Wide Web nichts zu finden wäre. Doch das genau ist das Problem. Um die neuen Möglichkeiten wirklich nutzen zu können, bedarf es staatlicher Fürsorge mit gleichen Bildungschancen für alle. Wie lange darum schon gerungen wird beweist Konfuzius. „Bildung soll allen zuganglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen“, forderte er – Worte, die heute genauso aus irgendeinem Parteiprogramm oder aus jeder beliebigen Bildungsbroschüre stammen konnten.

Spielball der Politik

Die Forderung nach mehr und besserer Bildung ist auch vor Ort Quelle heftiger Debatten. Jahrelang Spielball der Parteien stehen wir heute im Wortsinne vor den Trümmern verfehlter Bildungspolitik. Ein ganzes System ist ins Wanken geraten und es ist völlig unklar, ob es wieder stabilisiert werden kann oder ob es in den kommenden zum bildungs- politischen Kollaps kommt, der den Standort Berlin wirtschaftlich, politisch und kulturell schwer schädigen würde.

Besonders verheerend ist die Lage in den Schulen. Rasant wachsende Schülerzahlen, akuter Lehrermangel, fehlende oder ruinierte Schulgebäude en masse und eine auch hier überhandnehmende Bürokratie ergeben ein Gemisch, dessen Unverträglichkeit neben den Kindern und Jugendlichen zunehmend auch die Berliner Unternehmen zu spüren bekommen. So ist zum Beispiel der Mangel an geeigneten Auszubildenden nicht allein dem demografischen Wandel zuzuschreiben. Mitverantwortung trägt auch eine in vielen Fällen praxisferne und unzeitgemäße Schulbildung.

Was tun?

Warum ist Jugendarbeitslosigkeit trotz Fachkräftemangel in der Bundeshauptstadt noch so hoch? Was bedeutet die Lage im Bildungswesen für den Wirtschaftsstandort? Welche Möglichkeiten der Nachwuchsgewinnung haben die Unternehmen? Was kann die Wirtschaft selber tun, um die Ausbildungssituation zu verbessern? Diesen und anderen Fragen zum Thema (Aus)Bildung werden wir im Folgenden nachgehen.

Bildungspolitischer Aufbruch

Eines der größten Probleme in Berlin ist derzeit die vergleichsweise hohe Jugendarbeitslosigkeit, trotz steigendem Fachkräftemangel. Jeder achte Teenager unter 20 Jahren ist derzeit in der Hauptstadt ohne Job (im Marz 2018 genau 13.267 junge Menschen). Die Folgen der Experimente in der Bildungspolitik der vergangen zwei Jahrzehnte sind noch überall spürbar und müssen durch einen bildungspolitischen Aufbruch schnell behoben werden. Zusätzliche Gelder für die Bildungsinfrastruktur, insbesondere Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen werden versprochen. Aber Geld allein genügt nicht. Genauso wichtig sind klare politische Vorgaben.

 

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

 

Ursachenforschung

Experten vermuten, dass einer der Auslöser für die hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen die Schulbildung ist. Die schlechte Platzierung beim bundesweiten Ranking des INSM-Bildungsmonitors 2017, spricht für diese Annahme. Dort landete die Hauptstadt auf dem untersten Rang – Platz 16. Eine Konsequenz der harten Sparmaßnahmen im Bildungssektor in den letzten Jahren. Es fehlt an Lehrern und an zeitgemäßer Ausstattung. Wie sinnvoll Quereinsteigerprojekte sind, um mehr Lehrer zu gewinnen, lasst sich jetzt noch nicht abschließend sagen. Das werden die kommenden Jahre zeigen. Bezeichnend ist allerdings die Tatsache, dass Berlin jetzt schon beim Reformkurs Bildung 2.0 deutlich im Rückstand ist. Wenige Berliner Schulen sind digital gut aufgestellt und benutzen digitale Unterrichtsmaterialien wie SMART Boards oder iPads. Die Bildungspolitik erklärt zwar, die „Schulen sind für die Schüler da, nicht für die Wirtschaft“, das bedeutet aber nicht, dass auf eine wirtschaftsnahe Ausbildung verzichtet werden kann. Im Gegenteil, es ist im Interesse der Schüler genauso wie der Unternehmen, die ausbilden.

Drohende Gefahren

Eine wirkliche Herausforderung ist die äußerst heterogene Schülerschaft. Nirgendwo sonst werden so viele Kinder unterschiedlicher Nationalität beschult und ausgebildet, wie in Deutschlands Hauptstadt. Das ist Fakt, darf aber nicht als Vorwand dafür dienen, dass die Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Jährlich brechen unter anderem aus diesem Grund rund 3.000 Jugendliche in Berlin ohne Abschluss die Schule ab. Das ist mit fatalen Folgen für ihre weitere Entwicklung verbunden, denn gering qualifizierte Arbeitskräfte werden immer weniger gebraucht. Gelingt es nicht, diese Jugendlichen zu integrieren, droht ihnen Arbeitslosigkeit und soziale Isolation. Um dem entgegenzuwirken, wollen Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familien, und Elke Breitenbach (Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, einige Veränderungen durchsetzen. Geplant sind eine Vielzahl von Maßnahmen, unter anderem mehr Sozialarbeiter an den Schulen und mehr Lehrpersonal durch die Forderung von Quereinsteigern.

Aus der Schule in den Beruf

Laut der IHK blieben 2017 nur elf Prozent der Bewerber unversorgt. Allerdings gaben insgesamt 30 Prozent der Befragten aus den Schulen nicht an, ob sie studierten, ins Ausland gingen oder was sie sonst nach dem Abschluss getan haben. Im letzten Jahr galt das für rund 6.200 junge Menschen. Diese Zahlen spiegeln sich auch am Rückgang der Bewerberzahlen für Betriebe wider, obwohl genügend Schulabgänger vorhanden sind, nutzen immer weniger Jugendliche die Möglichkeit der Vorbereitung auf das Berufsleben.

Dem soll zukünftig die engere Zusammenarbeit von dem Bund und Berlin mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg sowie der Bundesagentur für Arbeit entgegenwirken. „Mit Unterzeichnung der Initiative Bildungsketten unterstutzt die Bundesregierung unsere Strukturen und stärkt sie“, so Scheeres. Gemeinsam soll die Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf gefordert werden. Bildung soll zwar die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben sein, dient aber nicht als Berufsvorbereitung. Die findet im Lehrplan der Schulen einfachen keinen Platz. Mittlerweile arbeitet allerdings die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales schon an dem Pilotprojekt „Erprobung neuer Zugange in die Ausbildung“. So soll das alte Übergangssystem an die neuen Herausforderungen, beispielsweise Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, angepasst werden.

 

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

 

Versäumnisse der Wirtschaft

Allerdings liegt die Verantwortung nicht nur in der Bildungspolitik, den Schulen oder den Elternhäusern, sondern auch bei den Unternehmen selbst. Bei aller Kritik an den ungenügenden Rahmenbedingungen im Bildungssektor, müssen sich viele Unternehmer fragen lassen, was sie selbst für die Nachwuchssicherung tun. Hier bietet sich ein ernüchterndes Bild. Nur rund 5.020 der ansässigen Industrie- und Handelsunternehmen bilden überhaupt aus – ein Bruchteil, angesichts über 152.144 steuerpflichtigen Unternehmen (Stand 2016). Befragt nach den Gründen, warum sie nicht ausbilden, schieben viele Unternehmer anderen die Schuld zu. Vorgeschoben werden der Mangel an Zeit für die Azubis, die hohen Betriebskosten und insbesondere die Ausrede in Zeiten des Fachkräftemangels keine geeigneten Bewerber zu finden. Gern wird auch der demographische Wandel als Argument angeführt, der aber bei einer so hohen Jugendarbeitslosigkeit kaum einen Einfluss haben sollte.

Einen Großteil des Nachwuchses zieht es bundesweit an die Universitäten. Im Wintersemester 2017/18 schrieben sich allein in Berlin rund 183.000 Menschen für ein Hochschulstudium ein – ein neuer Rekord! Für eine Berufsausbildung meldeten sich dagegen nur 20.816 (IHK Berlin – Stand 2017) junge Leute an. Die ganze Widersprüchlichkeit der Lage auf dem Markt für Ausbildungsstellen ist daran zu sehen, dass es trotz der der hohen Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Ausbildungsjahr, 1.197 unbesetzte Ausbildungsstellen und 2.348 unversorgte Bewerber gab.

Dazu kommt noch die hohe Quote derer, die ihre Berufsausbildung vorzeitig abbrechen. Eine Umverteilung der unversorgten Bewerber auf die freien Plätze wäre denkbar, aber die Rechnung geht nicht auf. Immer mehr Berliner Unternehmen beklagen sich über die mangelnde Qualifikation und Motivationen der jugendlichen Bewerber. Mittlerweile sind es neun von zehn Unternehmen, die auf die schlechte Qualifikation ihrer Bewerber sowie mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation aufmerksam machen. Aber auch hier muss differenziert werden, denn die Rahmenbedingungen einer beruflichen Ausbildung sind nach heutigen Maßstäben für junge Menschen einfach nicht mehr attraktiv genug, weswegen sich viele für ein Studium entscheiden. Allein steuerlich hat der Studentenstatus im Vergleich zur Position eines Azubis nicht von der Hand zu weisende Vorteile. Auch hier bedarf es, wie bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vermerkt, einer Anpassung beziehungsweise einer Auswertung der beruflichen Ausbildung. Das Berliner Bildungssystem braucht eine moderne duale Ausbildung, um gleichwertige Berufs- und Bildungschancen für junge Menschen bieten zu können.

 

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

 

Sinkende Ansprüche

Aus der Not wird eine Tugend gemacht – das gilt zurzeit vor allem für die Wirtschaft der Hauptstadtregion. Einige Unternehmen fuhren schon gar keine Einstellungstests mehr durch. Die nachgerückten jungen Bewerber bekommen dann auf Unternehmenskosten Nachhilfe. Andererseits lehnen Unternehmen eine Mindestvergütung für Azubis ab. „Weder ein Parlament noch ein Ministerium sollten darüber entscheiden, wieviel Geld Auszubildende bekommen. Das ist Sache der Betriebe und der Tarifparteien. Es besteht die Gefahr, dass eine politische Untergrenze eine ganze Reihe von Ausbildungstarifvertragen aushebelt“, gab der UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck zu Bedenken. Ohne Investition herrscht allerdings auch beim Nachwuchs Stagnation. Die Wirtschaft muss sich starker in die Nachwuchsgewinnung einbringen und langfristig ihre zukünftigen Fachkräfte heranziehen. Wer am Nachwuchs spart, hat wirtschaftlich keine Zukunft.

Ausbildungsqualität

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan wollte schon vor Jahren mit einer „PISA-Studie“ für Azubis die Ausbildungsqualität feststellen lassen. Letztlich scheiterte die Umsetzung bereits an der Finanzierung. Den Unternehmen hatte ein Azubi-PISA höchstwahrscheinlich nicht geschadet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) führte bereits 2012 einen Report mit Schwerpunkt Ausbildung durch. Darf man der Auswertung des DGB-Ausbildungsreports 2017 glauben, hat sich seitdem kaum etwas getan. Neben der Quantität der Bewerber, mangelt es in der Hauptstadt auch an der Qualität der Ausbildung in den Berufsschulen und den Betrieben. Es fehlt den Berufsschulen vor allem an finanziellen Mitteln, insbesondere für Instandsetzungen, Neubauten und technische Ausrüstung. Obwohl Reformen (allen voran das Berufsbildungsgesetz) zwingend notwendig sind, plädiert die DGB-Bundesjugendsekretarin Manuela Corte dafür, auch unter Zeit- und Handlungsdruck die pädagogische Komponente, garantiert durch qualifizierte Lehrer, der berufsschulischen Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Auch braucht es laut der DGB von der Bundesregierung einheitliche Qualitätsstandards und eine gesetzliche Regelung, um Berufsschule und Betrieb besser zu verzahnen.

Die Auswertung des Reports zeigte aber auch ein mehr als wackliges Ausbildungsfundament bei den Betrieben. Fehlende Zusicherung der Übernahme, unbezahlte Überstunden und zum Teil fehlt sogar ein gesetzlich vorgeschriebener Ausbildungsplan. Wozu dann eine berufliche Ausbildung werden sich die Jugendlichen fragen. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund: Wie man sich bettet, so liegt man. Die Entwicklung und Sicherung des Fachkräftebedarfs ist aus bildungspolitischer Sicht eine der zentralen Aufgaben der Wirtschaft. Sie müssen letztlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, sodass sie für junge Menschen attraktiv sind, sie dort gut versorgt sind und zukünftig bleiben mochten. Auch die Unternehmen verkennen oft, Arbeit mit dem Nachwuchs ist eine Investition in die Zukunft.

Vorfahrt für die Ausbildung

Viele Unternehmen wurden gern mehr Beschäftigung aufbauen. Ohne die dringend benötigten Fachkräfte wird das allerdings schwer. Sie fehlen im Metall und Elektrohandwerk, im Bereich Sanitär, Heizung und Klima, im Dienstleistungsbereich und in der Bauwirtschaft, so das Fazit der UVB Kompakt 1/2018 Umfrage. Stetig sinkt die Anzahl der Jugendlichen, die sich für kaufmännische Berufe und auch technische Berufe entscheiden.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) befürchtete also zurecht eine weitere Verstärkung des Fachkräftemangels. Von der Bildungspolitik fordern sie eine Reformagenda unter dem Motto „Vorfahrt für die Ausbildung“. In der Verantwortlichkeit herrscht offenkundig zwischen der Bildungspolitik und der Wirtschaft noch Uneinigkeit. Berlin ist im Improvisieren recht gut, dennoch bedarf es mehr Dialogmöglichkeiten, zum Beispiel einen „Runden Tisch Bildung“, wie es die Redaktion der BERLINboxx vorschlagt. Schließlich gibt es einen nicht von der Hand zu weisen den Zusammenhang zwischen dem Bildungssystem und der Arbeitslosenquote. Wer schon als junger Mensch in die Arbeitslosigkeit gerät, rutscht schnell in die Langzeitarbeitslosigkeit ab. Das wäre verschenktes Potenzial. Die Hauptstadt hat ein stabiles Wirtschaftsklima, einen perfekten Nährboden für innovative Start-ups und genügend junge Menschen, um sich zu einem Top-Standort mit guten Fachkräften weiterzuentwickeln. Den Nachwuchs zu erreichen und eingehend zu fordern, sollte für die Politik wie auch die Wirtschaft oberste Priorität haben. Berlin muss auch aus beruflicher Sicht lebenswert sein.

Fordern und fördern

Unzählige Beispiele belegen: Kooperationen der Wirtschaft, mit Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen früher anzubahnen. Beispielhaft ist die Gewobag mit der Lernwerkstatt am Mehringplatz. Beide sind Teil der Initiative des Berliner Handwerks „Berliner Schulpate“. Deren Ziel ist es, Grundschulen und Unternehmen in Quartieren mit erhöhtem Förderbedarf zusammenzubringen und zu starken. Dank der Schulkooperationen können sich die Betriebe sozial engagieren und frühzeitig Schüler auf sich aufmerksam machen. Gemeinsame Projekte zwischen Bildung und Wirtschaft können den Schülern wertvolle Fähigkeiten für das Berufsleben mitgeben, ihnen schon frühzeitig eine berufliche Orientierung bieten. Wenn die Schulen, die Senatsverwaltung und die Unternehmen enger zusammenrucken und gemeinsam Projekte koordinieren, können die Übergangssysteme in den Beruf für junge Menschen nicht nur erleichtert werden, sondern auch dafür sorgen, dass sich wieder mehr Betriebe zur Ausbildung des Nachwuchses entschließen.

Einige Berliner Unternehmen haben das Potenzial des Selbst-aktiv-werdens bereits erkannt. Auszubildende werden individuell von den Betrieben gefordert, Trainee-Programme erleichtern den Übergang von der Schule oder dem Studium in den Berufsalltag und viele- Firmen bilden ihre Mitarbeiter auch intern kontinuierlich weiter. Vorbildlich ist auch die Berliner IHK, die sich mit einem Programm darauf spezialisiert hat Studienabbrecher aufzufangen und für einen Ausbildungsberuf im Handwerk anzuwerben. Immer mehr Betriebe bieten schon ähnliche Angebote an – mit Erfolg.

Potenzial entfalten

Die Wirtschaft der Hauptstadt kann den jungen Auszubildenden und Absolventen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern, indem sie gezielt auf sie zugehen oder sich mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Den einen Schuldigen zu suchen ist leicht, dabei teilen sich die Betriebe, die Schulen, die Elternhäuser und die Bildungspolitik die gesellschaftliche Verantwortung. Fakt ist: Wer sich seinen Nachwuchs selbst heranzieht, hat für die Zukunft vorgesorgt. Wenige deutsche Großstädte sind so multikulturell geprägt und besitzen ein so hohes Potenzial, bestehend aus jungen, aufgeschlossenen Menschen wie Berlin. Es fehlt nur noch der Impuls in die richtige Richtung. Das ist doch keine schlechte Ausgangslage. (lj)

Rasante Umbrüche durch Digitalisierung in Berlin

Wie hoch ist die Bedeutung der Digitalisierung für Großstädte wie Berlin? In die Hauptstadt zieht es neue Kompetenzzentren für maschinelles Lernen und von künstlicher Intelligenz profitierende Start-ups, die für ein neu gestaltetes Arbeitsumfeld sorgen. Deutschland, vor allem aber Berlin als Gründermetropole, will in der Entwicklung von KI nicht hinter großen Investoren der digitalen Zukunft wie China und den USA zurückbleiben. Zum Auftakt des 21. Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fordern Politiker ein nachhaltiges Geschäftsmodell und befürworten Investitionen in digitale Bildung.

 

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

 

Menschliche Arbeit wird austauschbar

Etwa 70.000 Berliner arbeiten im digitalen Umfeld der Hauptstadt. In der Eröffnungsrede des 21. DGB-Bundeskongresses sprach Bundespräsident Frank Walter Steinmeier unter anderem über die Neugestaltungen durch die Digitalisierung der letzten Jahre. Neben einer geforderten „Ethik der Digitalisierung“,thematisierte er auch die Gestaltung dieser für eine zukünftige Arbeit mit der KI. „Wir müssen die Digitalisierung so gestalten, dass sie Arbeit aufwertet und nicht ersetzt“, so Steinmeier.

Der Unterschied zu vergangenen technologischen und industriellen Umwälzungen sei die Betroffenheit aller Berufsfelder von einem eventuellen Austausch durch intelligente Systeme. Diese können dann Busse selbst fahren lassen, Bücher katalogisieren oder das Postsystem revolutionieren. Die große Menge an heutzutage zu verarbeitenden Daten treibt auch die maschinelle Innovation hierfür voran.

Digitalisierung der Arbeitsplätze

Nachhaltige Digitalisierung ist nicht nur aus Material- und Umweltsicht bisher fragwürdig, sondern auch in Bezug auf die Schaffung und Kürzung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sorgen die zunehmende Nutzung des Internets und mehrerer Devices für eine starke Erhöhung der Stromnachfrage. Materiell betrachtet ist die Basis der Geräte, die uns mit dem schnellen Internet verbinden, schon aufgrund ihrer Produktionsprozesse nicht konstruktiv. Doch auch die zunehmenden Aufgaben, die von mit KI arbeitenden Systemen gelöst werden können, betreffen alle Berufsgruppen. So wird von einer Wegrationalisierung der Arbeitsplätze und größer werdenden Einkommensschere der kommenden 20 Jahre gesprochen.

Gerade für die Start-up Branche sind diese selbstdenkenden – zum Teil auch selbstständig lernenden – Systeme attraktiv und Berlin als Standort einträglich. Rund die Hälfte aller auf KI setzenden deutschen Start-ups siedelt sich derzeit in Berlin an. Grund dafür ist, abgesehen von der hohen Lebensqualität trotz verhältnismäßig niedriger Gewerbemieten, auch die einfache Rekrutierung guter Mitarbeiter.  Als IT-Standort und europäische Gründermetropole hat sich Berlin einen internationalen Namen gemacht.

 

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

 

Den Nachwuchs zieht es an die Spree

Für Oktober ist die Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für maschinelles Lernen in Berlin geplant.Von dessen Angebot können Informatikinteressierte für ihre Jobs der Zukunft profitieren. Schon 2017 wurde das von den großen Berliner Universitäten getragene Einstein Center Digital Future im Robert-Koch-Forum (Mitte) in Betrieb genommen. Es wurde zu Forschungszwecken rund um Themen wie Smart Housing und Mobilität sowie zur digitalen Bildung des Nachwuchses, gegründet. Ziel ist es digitalen Nachwuchs zu gewinnen und abseits von großen Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook, wieder eine Vorreiter-Position einzunehmen.

Weitere Projekte, wie ein Internet-Institut, sind in Planung. Den Standort hierfür gewann Berlin in einer Ausschreibung des Bildungsministeriums vor anderen deutschen Städten. Auch die EU-Kommission erhöhte ihre Förderung für die KI im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. In diesem wird vorgesehen bis 2020 rund 1,5 Milliarden Euro zu investieren und 2,5 Milliarden Euro mit Co-Investitionen zu mobilisieren. (cn)

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): Attraktive Ausbildung als Gebot der Stunde

Viele Berliner Unternehmen klagen über ein schlechtes Niveau der Schulabgänger. Es fehle oft an fachlichen Voraussetzungen, vor allem aber an Motivation und Begeisterungsfähigkeit. Wie die Unternehmen damit umgehen und was sie selber dagegen tun können – darüber sprachen wir mit Henning Banthien, Ausschussvorsitzender für Bildung und Wissenschaft im VBKI und Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH.

Herr Banthien, überall wird der Arbeitskräftemangel beklagt. Wie ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt?

Es wird anspruchsvoller. Guten Nachwuchs in ausreichender Zahl zu gewinnen, wird immer schwieriger. Das liegt aber nicht nur an der demografischen Entwicklung. Es gibt noch andere Gründe – zum Beispiel die immer häufiger fehlenden Kompetenzen der Schulabgänger. Das ist ein Hauptproblem und führt einerseits in die Schulen, aus denen unsere Bewerber kommen.

Den Schulen nun aber die Hauptschuld an der Misere zu geben, wäre falsch. Mitverantwortlich ist andererseits auch die Politik, die oft nicht die Bedingungen schafft, die Schulen für gute Arbeit brauchen. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Jugendlichen verändert. Es wird zunehmend schwer, sie überhaupt zu erreichen. Immer weniger junge Leute haben Lust auf eine Lehre, die wiederum leider in der allgemeinen Wahrnehmung an Attraktivität eingebüßt hat. Wir, also auch die Unternehmen, sind alle gefragt, hier die Werbetrommel zu rühren.

Was läuft da falsch?

Wir kennen unsere Jugendlichen nicht mehr richtig. Das ist das Problem. Um die jungen Menschen zu erreichen, müssen wir aber wissen, wofür sie sich interessieren und was sie antreibt. Wir müssen mehr darauf schauen, wie die Jugendlichen auf Veränderungen und Neuerungen reagieren. Interessieren sie sich direkt für Technik oder eher für gesellschaftliche Herausforderungen wie die Energiewende und über dieses gesellschaftliche Interesse führen wir sie zur Technik.

Zweitens spielt auch der digitale Wandel eine gewichtige Rolle. Wie wird sich dadurch die Art der Ausbildung ändern und wie können wir unter diesen Bedingungen junge Leute für uns zugewinnen? Die Digitalisierung wird zahlreiche Fragen ganz neu stellen und für die brauchen wir neue Antworten – auch in der Bildung. Diese darf aber nicht nur technische Aspekte zum Inhalt haben oder sich darauf reduzieren, wie gut die (digital) technische Ausstattung in den Lehrgebäuden ist. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, sind neue didaktische Wege, die im digitalen Zeitalter die Interessen und Einstellungen der Jugendlichen treffen. Nur wenn wir das alles verstehen, besteht die Chance, die Ausbildung wieder zu etwas Reizvollem im Leben eines Menschen werden zu lassen. Das fällt jedoch nicht einfach vom Himmel, sondern bedeutet eine neue Herausforderung für ausbildende Unternehmen.

Der VBKI plädiert seit Jahren für enge Kontakte zwischen Betrieb und Schule. Warum?

Die Antwort liegt auf der Hand. Nur wer sich kennt, kann auch aufeinander eingehen. Schule und Unternehmen sind keine einander fremde Welten. Wer genauer hinschaut, wird sogar viele Beziehungen zwischen beiden Seiten entdecken. Die wichtigste ist der Mensch, den beide Seiten mit spezifischen Mitteln und Methoden fit für das Leben machen.

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen kann der VBKI aufgrund eigener Erfahrungen den Unternehmen empfehlen?

Alles, was zum besseren Verständnis zwischen Schule und Unternehmen beitragt, eignet sich zur Zusammenarbeit. Oft gibt es in einer Region, und auch hier in Berlin, bereits zahlreiche Angebote im Bereich Schule-Wirtschaft-Kooperation. Der VBKI hat sich hier immer wieder bemüht größere Transparenz in die Angebote zu bringen und Schulen und Unternehmen zusammenzuführen.

Welche Formen der Zusammenarbeit haben sich in diesem Sinne bewährt?

Besonders bewährt hat sich das im VBKI entwickelte Lesepatenprojekt. 2005 gegründet, sind heute rund 2.200 ehrenamtliche Lese- und Lernpaten an Berliner Schulen unterwegs. Mission: Kindern zum Lesen zu motivieren und damit eine Lebenskompetenz stärken. Ein anderes Projekt betrifft die Qualifikation von Schulleitern.

Vor ein paar Jahren hat sich der VBKI mit der Senatsverwaltung zusammengesetzt und nach neuen Ansätzen für die Auswahl von Führungspersonal in Schulen gesucht. Heraus kam ein Programm, das erfolgreiches Personalmanagement aus der Wirtschaft mit dem Erfahrungswissen der Verwaltung verbindet. Das Projekt ist erfolgreich und wurde vom LISUM, Landesinstitut für Schule und Medien, in sein Programm aufgenommen. (lj)

Berliner Schule – Spiegelbild unserer Gesellschaft

Bildungsdesaster – so hieß es in den vergangenen Jahren oftmals, wenn von den  Schulen in Berlin die Rede war. Inzwischen hat sich viel getan und noch mehr ist geplant: Angefangen von der Schulbauoffensive, über das Quereinsteigerprogramm für Lehrer bis zur Etablierung neuer Lehrinhalte. Über die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen sprachen wir mit Sandra Scheeres, der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Frau Scheeres, die Situation in den Berliner Schulen wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Wie schätzen Sie die Situation des Berliner Schulwesens ein?

Die Berliner Schule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Das heißt: Berliner Lehrkräfte müssen mit sehr unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern arbeiten. Dabei sehen sie sich im Schulalltag mit deren verschiedenen Lebensläufen und Lernvoraussetzungen konfrontiert. Hinzu kommen Schüler, die problematische Einstellungen und Vorurteile mit in die Schulen hineintragen, was dann zu Konflikten führen kann. Schule ist heute mehr als reine Wissensvermittlung. Es geht jetzt auch darum, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und das soziale Miteinander zu stärken. Problematisch ist zum Beispiel die Haltung vieler Elternhäuser, die bei Schwierigkeiten in der Erziehung, diese gern der Schule aufbürden. Das ist eine sehr schwierige und herausfordernde Aufgabe.

Die Schulen haben zurzeit mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen – steigenden Schülerzahlen, fehlende Schulgebäude und so weiter. Wie gehen Sie diese Probleme an?

In den nächsten Jahren brauchen wir bis zu 70.000 zusätzliche Schulplätze. Das ist in der Tat eine Herausforderung, an der wir auch schon sehr intensiv arbeiten. Mehr Schülerinnen und Schüler bedeuten mehr Lehrkräfte und mehr Schulplätze. Neben dem Schwerpunkt der Fachkräftegewinnung hat der Senat eines der zentralen Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht: Die Berliner Schulbauoffensive, durch die 5,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren in den Schulbau und die Schulsanierung fließen. Aktuell haben wir den Schulbaufahrplan veröffentlicht. Das ist eine übersichtliche Datensammlung, die schulscharf darstellt, wer wann was an der jeweiligen Schule saniert oder baut. Diese Transparenz ist einmalig. Der Schulbaufahrplan dient uns als Steuerungsinstrument. Die notwendigen Erweiterungen bergen auch die Chance, neue pädagogische Anforderungen in der Architektur umzusetzen. Wir haben dafür ein Raum- und Funktionsprogramm erarbeitet. Das berücksichtigt die pädagogischen Erfordernisse unserer Zeit und die Anforderungen, die neben der reinen Wissensvermittlung an Schülerinnen und Schüler gestellt werden: Kreativität, Eigenverantwortlichkeit und Teamfähigkeit. Dafür gibt es für alle schulischen Akteure ausreichend Begegnungs- und Kommunikationsbereiche, die im Rahmen einer inklusiven Ganztagsschule den Aufenthalt in den Berliner Schulen interessanter und vielfältiger gestalten.

In Berlin droht Lehrermangel. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Man hätte schon vor zehn Jahren die Weichen stellen müssen, um jetzt ausreichend ausgebildete Lehrer zu haben. Als ich mein Amt als Bildungssenatorin vor 6,5 Jahren übernahm, musste ich noch darum kämpfen, Lehrerstellen im System zu behalten, weil wir sinkende Schülerzahlen hatten. Inzwischen herrscht bundesweit ein Fachkräftemangel und die sogenannten Mangelfächer werden jedes Jahr mehr. Waren es am Anfang nur die MINT-Fächer, sind es heute auch Englisch, Musik und Sport. Wir waren in Berlin nicht untätig und haben die Studienplätze für Studierende im Grundschullehramt vervierfacht und die Absolventenzahlen insgesamt in den Hochschulverträgen erhöht. Aber der Wettbewerb zwischen den Bundesländern ist groß. Berlin hat neben einer guten Bezahlung mit monatlich 5.300 Euro den Vorteil, eine sehr attraktive Stadt zu sein, sodass wir auch viele Bewerbungen aus anderen Bundesländern erhalten.

Wie sollen mehr Fachkräfte gewonnen werden und welche Rolle spielen Quereinsteiger?

Fachkräftegewinnung steht für mein Haus an oberster Stelle. Ich habe vor vier Jahren den Berlin-Tag eingeführt, eine halbjährliche Informationsmesse rund um den Lehrkräfte- und Erzieherberuf. Berlin hat in der vergangenen Legislatur 10.000 Lehrkräfte eingestellt, im vergangenen Jahr waren es 3.000. Das ist ein immenser Kraftakt für alle Beteiligten. Für mich ist es alternativlos, auch Quereinsteiger in die berufsbegleitende Lehrkräfteausbildung aufzunehmen. Wer das nicht will, muss sich die Fragen stellen, ob er im Gegenzug Unterrichtsausfall, größere Klassen oder sogar eine Erhöhung der Deputatstunden für Lehrkräfte in Kauf nehmen will. Das sind nicht meine Vorstellungen. Quereinsteigende haben überwiegend zwei Schulfächer studiert. Zusammen mit den anderen Referendaren absolvieren sie den 18-monatigen Vorbereitungsdienst, an dessen Ende die Staatsprüfung steht. Berlin hat momentan einen Anteil von 4,2 Prozent Quereinsteigern, die sich mithilfe von Mentorinnen und Mentoren gut in die Berliner Schulen integrieren. Dass sie dabei Unterstützung benötigen, ist keine Frage. Die werden wir im kommenden Schuljahr weiterhin optimieren.

Im vergangenen Jahr wurde ein gigantisches Schulbauprogramm  auf den Weg gebracht. Wie weit ist die Umsetzung vorangeschritten?

Es hat sich eine ganze Menge getan. Das Bedürfnis nach Daten sowie transparenten Informationen zum Thema Schulbau ist angesichts der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und benötigten Schulplätze gestiegen. Wo passiert was? Wer ist verantwortlich: Bezirk oder Senat? Dazu habe ich in der vergangenen Woche eine umfassende Datensammlung Schulbau vorgestellt, die das jeweilige Maßnahmen-Controlling enthält. Ein derartiger Fahrplan ist einmalig in Berlins Schulbaugeschichte und auch in Deutschland. Eine wichtige Maßnahme war die Installierung der Task Force Schulbau. In Verbindung damit, ist die Zuordnung der einzelnen Maßnahmen an die Baudienstleiter erfolgt. Festgelegt wurde die Verteilung der Standorte, die von der Howoge oder der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Baudienstleister übernehmen werden. Die Mittel für das Schulbauprogramm stehen zur Verfügung und auf Landesebene wurden Partizipationsstrukturen eingerichtet. Manchmal wird übersehen, dass parallel zu dieser Aufbauphase der Berliner Schulbauoffensive natürlich auch saniert, geplant und gebaut wurde und wird. Nach über 100 Sanierungsmaßnahmen an Berliner Schulen im letzten Jahr sind hier insbesondere die ersten zehn Wettbewerbsentwürfe für neue Schulen sowie die Errichtung von dutzenden von modularen Ergänzungsbauten zu nennen. (red)

Veranstaltungen

ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind in Deutschland, sind in vielen Regionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und auch umgekehrt öffnen sich akademische Einrichtungen zunehmend der Zusammenarbeit mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden. Wo aber verläuft die Grenze zwischen Kooperation und Einflussnahme? Wer bestimmt, welche Forschungsprojekte finanziert, welche Professoren berufen, welches Firmenlogo an der Hörsaaltür steht? Welche neuen Möglichkeiten schaffen Drittmittel aus der Wirtschaft für finanzschwache Hochschulen, und wo begrenzen sie die Lehr- und Forschungsfreiheit?

Diese und weitere Fragen diskutieren hochkarätigen Referenten auf der diesjährigen ZEIT KONFERENZ Hochschule & Bildung.

Preisverleihung „Berufsbildung ohne Grenzen“

Im Rahmen des Bundesprogramms „Berufsbildung ohne Grenzen“ zeichnet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Betriebe aller Größen aus, die sich mit ihrem Engagement für Auslandspraktika während der betrieblichen Ausbildung besonders verdient gemacht haben.

Bei der Preisverleihung lernen die Teilnehmer Betriebe und Auszubildende kennen, für die Auslandspraktika oder die Aufnahme junger Menschen aus dem Ausland gelebter Arbeitsalltag ist. Sie erfahren aus erster Hand, wie die praktische Umsetzung erfolgreich gelingt und was der „spürbare“ Mehrwert solcher Auslandspraktika für Betriebe und Auszubildende beziehungsweise junge Fachkräfte ist. Sie werden dort auch die Gelegenheit haben, den direkten Kontakt zu den Mobilitätsberatern- und Mobilitätsberaterinnen zu suchen, die in einem Netzwerk die internationale Mobilität von Auszubildenden – auch in der öffentlichen Wahrnehmung – voranbringen.

(Anmeldung erforderlich)

TEACH#EU – New perspectives on European education

Wie lässt sich das Thema „Europa“ im schulischen wie außerschulischen Bereich erfolgreich vermitteln? Wie lässt es sich effektiv und nachhaltig in die Bildungssysteme Europas einbinden? Und wie lassen sich insbesondere junge Menschen für das Thema begeistern? Im Rahmen der internationalen Fachkonferenz TEACH#EU gehen Expert*innen, internationale Entscheidungsträger*innen aus dem Bereich der Bildungspolitik, Stakeholder der schulischen sowie außerschulischen Bildung gemeinsam mit Fachpublikum und Öffentlichkeit diesen Fragen nach.

Willkommen und dann? Ein Teil der Jugendlichen kommen nicht im Schul- und Ausbildungssystem an

Willkommensklassen sollten helfen, geflüchtete Kinder und Jugendliche in das deutsche Schul- und Ausbildungssystem zu integrieren, damit die, die bleiben eine Bildungs- und Integrationsperspektive haben. Einige Zahlen zeigen jedoch, dass diese Kinder und Jugendlichen längst nicht alle im deutschen Schul- und Ausbildungssystem ankommen. Irgendwo zwischen Willkommensklasse und System gehen diese jungen Menschen verloren.

Woran liegt dies? Sind Willkommensklassen nicht das richtige Konzept oder liegt es vielmehr an den spezifischen Hintergründen und Situationen der Flüchtlinge?

(Anmeldung erforderlich und gebührenpflichtig)