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Stiftungsarbeit – Kunst soll bereichern

Im Gespräch mit Sebastian Pflum, neuer Geschäftsführer der Kunstsammlung der Stiftung Kunstforum

Herr Pflum, Sie verstärken seit dem 01. Oktober als neuer Geschäftsführer neben Ines Zinsch und Yvonne Heidemann die Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank gGmbH. Was ist die Stiftung Kunstforum und welche Bedeutung hat die dahinter stehende Kunstsammlung für die Region Berlin/Brandenburg?

Die Stiftung vereint seit 2007 die Kunst und Kulturförderung der Berliner Volksbank unter einem Dach. Ziel der Stiftung ist, die Kunst- und Kulturarbeit in der Region Berlin/Brandenburg zu fördern und Kunstinteressierte, Kunden aber auch Mitarbeiter zu inspirieren. Derzeit umfasst die Kunstsammlung der Berliner Volksbank rund 1.500 Werke aus der Zeit nach 1950 – größtenteils von Künstlerinnen und Künstlern aus Berlin, Ost- und Westdeutschland. Das ist ziemlich einzigartig – und die Sammlung gilt daher auch als eine der bedeutendsten Unternehmenssammlungen Deutschlands. Außerdem werden rund 2.000 Kunstwerke der Malerei, Grafik und Skulptur betreut, die nicht Bestandteil der Kunstsammlung sind.

Zum Wirkungsbereich des Kunstforums gehört auch das großartige Kinder- und Jugendprogramm „Werkstatt für Kreative“. Im Rahmen eines altersgerechten kunstpädagogischen Angebots werden passend zu den jeweiligen Ausstellungsthemen die von den Künstlern angewendeten Techniken, Themen und Motive näher erläutert und im praktischen Teil selbst kreativ erlebbar gemacht. So ist für jeden etwas dabei.

Stiftung Kunstforum

Rainer Fetting, Mauer, 1978, Dispersion auf
Leinwand, Kunstsammlung der Berliner
Volksbank | Foto: Rainer Fetting/Werkfotograf Peter Adamik (Kunstsammlung der Berliner Volksbank)

Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen? Wohin soll sich das Kunstforum der Berliner Volksbank entwickeln?

Zunächst werde ich zuhören, sehen und kennenlernen. Was wurde bisher gemacht und was ist schon alles geplant? Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, dieses kulturelle Juwel mit der beeindruckenden Sammlung und der „Werkstatt für Kreative“ noch mehr in den Fokus der Berliner und Brandenburger zu rücken. Lebendige Stiftungsarbeit findet aber nicht nur breitenwirksam statt, sondern soll auch ein kritisches Fachpublikum ansprechen. Hierfür steht der Stiftung unter anderem ein erfahrener Beirat mit Herrn Dr. Köhler und Herrn Prof. Dr. Eissenhauer zu Verfügung. Aber auch die systematische Weiterentwicklung der Sammlung wird eine reizvolle Aufgabe sein. Die größte Herausforderung und worauf ich mich im Moment am meisten freue ist, die Suche nach einem noch passenderen Standort für die Stiftung.

Bis zum 15. Dezember läuft noch die Ausstellung „Zeitenwende – 30 Jahre Mauerfall. Werke aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“. Was ist das Besondere an dieser Ausstellung?

Die Ausstellung ist die einzige Schau in Berlin, die es Künstlern aus der Zeit des ehemaligen Ost- und West-Berlins zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls ermöglicht, ihren Blick auf die Thematik zu präsentieren. Außerdem ist ein einzigartiger Film entstanden, den man sich unbedingt ansehen sollte. Deshalb kann ich es nur empfehlen, sich diese Ausstellung bis zum 15. Dezember 2019 im Kunstforum am Kaiserdamm 105 anzuschauen.

Sie werden sich sicher schon ein wenig mit den Werken in der Kunstsammlung der Berliner Volksbank vertraut gemacht haben. Welches ist Ihr Lieblingsbild– und warum?

Eine schwierige Frage, da es eher die Kontraste der Sammlung sind, die mich faszinieren. Wen soll man von den vielen tollen Künstlern hervorheben? Wolfgang Mattheuer oder Rainer Fetting, Werner Tübke oder Georg Baselitz, Markus Lüpertz oder A. R. Penck, Horst Antes, Herta Müller oder Sabina Grzimek? Bei einer so hochkarätigen Sammlung kann man nicht wirklich ein Lieblingswerk haben. (aw)

Bürgerstiftung: 20 Jahre Einsatz für Berlin und seine Bewohner

„Wir brauchen starke Bürgerstiftungen, damit aus der Gesellschaft heraus gute Konzepte für Jugend-, Kultur- und Sozialprojekte praktisch erprobt und weiterverbreitet werden können. Wenn sich in Städten und Landkreisen die Ideen-Reichen, die Zeit-Reichen und die Geld-Reichen unter dem Dach von Bürgerstiftungen zusammenfinden, dann entsteht von unten die Kraft, die wir zur Bewältigung der aktuellen Krisen so dringend brauchen.“

Diese Worte des renommierten Kriminologen sowie Initiators und Stifters der Bürgerstiftung Dr. Christian Pfeiffer, haben überzeugt. Und so zählen zu den Unterzeichnern des Gründungsaufrufs im Jahr 1999 u.a. Heinz Dürr, Harry Kupfer, Hanna-Renate Laurien, Elmar Pieroth, Wolf Jobst Siedler, und Richard von Weizsäcker.

 Das Motto der Bürgerstiftung: „Berliner helfen Berlinern“

Die Stiftung motiviert seit 20 Jahren Mitbürger zum gesellschaftlichen Engagement in der eigenen Stadt. Im Fokus der Projekte steht die Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien und Kindern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Derzeitige Projekte sind die Hausaufgabenbetreuung, der Integrative Familiensport, Kolja Kleebergs Kräutergärten für Berliner Schulen, LeseLust, Spielen Lernen, Tomatenparade, Umwelt-Detektive, Zauberhafte Physik und das Zweisprachige Bilderbuchkino. Das Zweisprachige Bilderbuchkino findet nicht nur in Kitas und Schulen statt, sondern wird auch für die Flüchtlingskinder in der Turnhalle der Freien Universität Berlin in Dahlem Dorf und auch an der Hans-Fallada-Schule angeboten.

 Bestens vernetzt, Vera Gäde-Butzlaff

Neue Vorsitzende der Bürgerstiftung Berlin ist seit einem Jahr Vera Gäde-Butzlaff. Ihr Ziel ist es, die Reichweite der bestehenden Aktivitäten auszuweiten und durch neue Projekte auf die Anforderungen der sich verändernden Rahmenbedingungen wie den Zuzug von ausländischen Kindern zu reagieren. Ein Wunsch von ihr für die nahe Zukunft ist, dass das am 20. September 2019 im Westhafen stattfindende Jubiläums-Art Dinner ein großer Erfolg wird. Künstler und Galerien haben wieder großzügig Kunstwerke gespendet. U. a. kommen Werke von Norbert Bisky, Helge Leiberg, A.R. Penck und Rupprecht Geiger unter den Hammer von Auktionator Kilian Jay von Seldeneck vom Auktionshaus Lempertz. Bundespräsident a.D. Dr. h.c. Wolfgang Thierse hat die Schirmherrschaft übernommen und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller wird das Grußwort sprechen.

Mit dem Erlös des diesjährigen Abends erweitert die Bürgerstiftung Berlin ihr Engagement in Berlin. Mehr als 10.000 Kinder werden jedes Jahr beim Heranwachsen und Spielen begleitet und mit Physik verzaubert. Sie erforschen als Umwelt-Detektive die Natur, arbeiten handwerklich in der Civitas Werkstatt, bilden Freundschaften und entdecken die Lust am Lesen. Die älteren Berlinerinnen erfreuen sich an den jungen Lese-Besuchen.

Stolze Bilanz der Bürgerstiftung: 500 Ehrenamtliche und 146 Projekte

Medienpartner des Abends ist der Tagesspiegel Berlin. Sponsoren sind u.a. die Berliner Volksbank und die Mercedes-Benz Niederlassung Berlin. Die Bilanz kann sich sehen lassen.

Dennoch werden im Jubiläumsjahr der Bürgerstiftung mehr denn je Menschen mit Zeit, Geld und Ideen zur Unterstützung gesucht. (dd)

 

www.buergerstiftung-berlin.de

Berliner Volksbank – Eine neue Ära

Zum Jahresbeginn wurde Carsten Jung zum Vorstandsvorsitzenden der Berliner Volksbank berufen. Die BERLINboxx sprach mit ihm über seine neue Rolle als Vorstandsvorsitzender, die Zukunft des Bankwesens und welche Rollen die Digitalisierung und FinTechs dabei spielen.

Seit dem 1. Januar sind Sie neuer Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank. Welche Akzente werden Sie in der Strategie setzen und was sind Ihre größten Herausforderungen?

In den nunmehr zehn Jahren, in denen ich Mitglied des Vorstands der Berliner Volksbank bin, habe ich an der Ausrichtung unseres Kreditinstituts maßgeblich mitgewirkt. Insofern ändert sich nur bedingt etwas als neuer Vorstandsvorsitzender. Die größte Herausforderung wird sein, das erfolgreiche Geschäftsmodell einer Genossenschaftsbank auch im Zeitalter der Digitalisierung für die Kunden gewinnbringend zu gestalten. Meine Vorstandskollegen und ich fühlen uns dafür gut gerüstet.

Wie sieht das Banking der Zukunft vor dem Hintergrund der strategischen Gesamtbankausrichtung aus? Was heißt Digitalisierung bei der Berliner Volksbank konkret?

Viele Dinge, die von jungen Unternehmen angestoßen werden, die digitale Finanzdienstleistungen entwickeln, sogenannte FinTechs, finden sich bereits heute im Leistungsspektrum unserer Bank. Für eine regionale Genossenschaftsbank bleibt es die Aufgabe, das richtige Augenmaß zwischen Filialen mit einem attraktiven Beratungsangebot, Produkten und Services zu finden, die digital in Anspruch genommen werden können. Dabei schließt das Eine das Andere nicht aus, sondern vielfach lassen sich digitale Prozesse mit „echter“ Beratung verbinden.

Sie können auf einen erfahrenen Vorstand bauen. Dabei sind mit Martina Palte und Dr. Caroline Toffel zwei Frauen. Die Berliner Volksbank kann auf eine starke Frauenquote in der Führungsriege verweisen. Ist das Politik des Hauses und welches Signal sendet das in der traditionell von Männern geprägten Bankenlandschaft aus?

Während in Politik und Wirtschaft noch häufig über eine Frauenquote diskutiert wird, ist das bei der Berliner Volksbank kein großes Thema. 2013 wurde das erste Mal eine Frau Mitglied des Vorstands und Marija Kolak, die bis zum Jahresende 2017 im Vorstand war, ist heute Präsidentin des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Aber nicht nur an der Spitze, sondern auch auf den ersten Führungsebenen sind Frauen zu 50 Prozent vertreten. Und auf den nachfolgenden Führungsebenen sind Frauen mit 39 Prozent vertreten und in der Gesamtbank machen Frauen mit über 60 Prozent den größten Teil der Belegschaft aus. Dieses Ergebnis haben wir ohne „Gender“-Programm, sondern aus unserer Unternehmenskultur selbständig entwickelt.

Berliner Volksbank erhält neue Hauptstadtrepräsentanz .

Die neue Hauptstadtrepräsentanz der Berliner Volksbank: Das Quartier Bundesallee feiert bereits im Mai 2019 Richtfest. | Foto: SSN Group AG

Stichwort Fintechs, Finanz-Start-ups, Blockchain-Technologie. Wie positioniert sich die Berliner Volksbank bei diesen Zukunftsthemen? Was genau macht die Berliner Volksbank Ventures Unternehmensbeteiligungsgesellschaft?

Wir finden diese Entwicklung außerordentlich spannend und sind als Berliner Volksbank Teil davon. So kooperieren wir mit interessanten Start-ups und investieren über unser Beteiligungsunternehmen Berliner Volksbank Ventures GmbH auch selbst. Einerseits wollen wir mit attraktiven Investments die Dynamik in diesem Bereich stützen. Andererseits ist es uns wichtig, die Bedürfnisse und Strukturen der zumeist jungen Unternehmen kennenzulernen. Mit VAI etwa sind wir noch weitergegangen und haben mit einem company builder gleich eine neue Plattform gegründet.

Bis zum 75-jährigen Jubiläum der Bank wollen Sie als Unternehmerbank Nummer 1 positioniert sein. Wie wollen Sie das erreichen und was heißt das in Wachstumszahlen?

Bereits heute sind wir im Geschäft mit Unternehmen in Berlin und Brandenburg sehr gut vertreten. In 2018 haben wir unser Neugeschäft auf rund zwei Milliarden Euro Kreditvolumen ausweiten und viele Unternehmer bei ihrem Wachstum unterstützen können. Derzeit investieren wir in unsere Standorte für Unternehmen und Firmenkunden und wollen künftig noch stärker als Strategieberater fungieren. Wir suchen zusätzliche Mitarbeiter, die daran mitwirken wollen, unsere Wachstumsstory zu schreiben! Das können auch Branchenkenner sein, die über entsprechendes Know-how verfügen, um die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen.

Das Kundenverhalten verändert sich. Junge Generationen haben ihre Bank im iPhone. Was bedeutet das für Ihr Filialnetz bzw. die Filialen, die traditionell in der Vergangenheit die Nähe zum Kunden dokumentierten? Und: Wie wollen Sie die Generation 4.0 oder die Digital Nerds erreichen?

Die Kombination aus digitalem Angebot und persönlicher Beratung ist der Schlüssel zum Erfolg. Allerdings muss Beratung nicht immer an jedem Standort stattfinden und es ist vorstellbar, dass sie zum Beispiel teilweise per Video erfolgt. Wir probieren neue Wege der Kommunikation aus. Aber unsere Erfahrungen zeigen, dass auch „Nerds“ in bestimmen Lebenslagen eine persönliche Beratung geradezu wünschen.

Was erwarten Sie von der Marktentwicklung 2019? Bleibt die Konjunktur robust, wie wird sich das wirtschaftliche Wachstum entwickeln, wird es einen Zinsschnitt geben? Wo sehen Sie Probleme?

Berlin wird auch im Jahr 2019 seine Erfolgsgeschichte und seinen Wachstumskurs fortsetzen. Dieser Aufschwung macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Im letzten Jahr wurde erstmals die Marke von 1,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen überschritten. Und auch für die nächsten Jahre sind die Beschäftigungspläne der ansässigen Unternehmen weiterhin positiv und demnach expansiv ausgerichtet.

Richtungsweisend für diese Erfolgsgeschichte ist der in Berlin stark ausgeprägte Branchenmix. Auch sehen wir, dass die geförderten Branchencluster – wie zum Beispiel Informations- und Kommunikationstechnik – einen nachhaltigen Beitrag für die Stadt leisten, genauso wie die lebendige Gründerszene, die sich in Berlin entwickelt hat und international Beachtung findet. Zudem profitieren alle von der äußerst dichten Hochschullandschaft.

Im Ergebnis ist Berlin eine bunte und vielschichtige Stadt im Wandel, was ihren Charme und ihre Anziehungskraft ausmacht. So wächst Berlin auch in seiner Einwohnerzahl, wodurch auch neue Herausforderungen für die Stadt entstehen. Wohnraum und Gewerbeflächen werden knapp und sind nur ein Teil der Nebenwirkungen des anhaltenden Wachstums. Viele Firmen sind zudem so gut ausgelastet, dass sie – auch bedingt durch einen Fachkräftemangel – aktuell über begrenzte Möglichkeiten bei der Annahme neuer Aufträge verfügen.

Letzte Frage: Als gebürtiger Berliner und ehemaliger Leistungssportler, was wünschen Sie sich persönlich von Ihrem ersten Jahr als Vorstandsvorsitzender?

Erfolge haben und diese auch feiern, ist einem Sportler nicht fremd. In diesem Sinne freue ich mich auf ein erfolgreiches Jahr, blicke den Herausforderungen zuversichtlich entgegen und hoffe sehr, dass sich die positive wirtschaftliche Entwicklung in Berlin und Brandenburg fortsetzt. (cr)