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Mietspiegel 2019: Die Mieten in Berlin steigen weiterhin – nur langsamer

Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, stellte gestern im Rahmen einer Pressekonferenz den Berliner Mietspiegel 2019 vor. Das Ergebnis zeigt: die Mieten für Wohnungen in Berlin steigen nur noch halb so schnell wie vor zwei Jahren. Die Meinungen der Parteien und Verbände fallen diesbezüglich ganz unterschiedlich aus. Man ist sich aber einig, dass der langsamere Anstieg weder ein Grund zur Entwarnung, noch die Lösung für das  Problem der Wohnungsnot sei.

„Eine nachhaltige Entlastung funktioniert nur durch neu errichtete Wohnungen“

Laut dem Mietspiegel 2019 zahlen Berlins Mieter im Durchschnitt 6,72 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter und Monat für ihre Wohnung. Das sind 33 Cent mehr als vor zwei Jahren. Die Mieten sind somit seit 2017 um fünf Prozent gestiegen, was verglichen mit den vergangenen Jahren ein deutlich schwächerer Anstieg ist. Von 2015 bis 2017 beispielweise, stiegen die Mieten noch um 55 Cent.

Besonders auffällig sind die hohen Oberwerte von kleinen Altbauwohnungen in einfachen Wohnlagen.  Dort werden in den Oberwerten bis zu 12,97 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

Der langsamere Anstieg sei „kein Grund zur Entwarnung, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass die mietenstabilisierenden Maßnahmen des Landes Berlin Wirkung zeigen“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher bei der Vorstellung des neuen Mietspiegels.

Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der IHK, ist ähnlicher Meinung. „Die Bestandsmieten in Berlin steigen weiter, nur weniger rasant. Wer allein schon diese Nachricht als Entspannung für den Berliner Wohnungsmarkt deutet, lenkt davon ab, dass noch enorme Aufgaben unbewältigt sind.“ Eine nachhaltige Entlastung würde nur durch neu errichtete Wohnungen funktionieren und das Ziel liegt dabei bei 20.000 pro Jahr.

„Um dieses Ziel zu erreichen, müssen ausreichend Flächen für den Wohnungsbau bereitgestellt werden.“ Dass in diesem Zusammenhang von einigen Senatsmitgliedern endlich wieder über die Randbebauung des Tempelhofer Feldes nachgedacht werde, sei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, so Kramm.

FDP: „Du sollst nicht stehlen“

Die Reaktionen auf den Mietspiegel 2019 fielen sehr unterschiedlich aus. Für die FDP steht nach wie vor die Forderung im Vordergrund, den Wohnungsneubau deutlich auszuweiten. Enteignungen oder ein Landesmietendeckel würden dieses Vorhaben in keiner Weise vorantreiben. So enthüllten Generalsekretär Sebastian Czaja und Landesvorstand Christoph Mayer am Montag vor der Präsentation der Senatorin ihr neues Kampagnenplakat zum Thema Enteignungen: „Du sollst nicht stehlen“ steht darauf als Anspielung auf die Enteignungsdebatte. Darunter der Hashtag #BauenStattKlauen. „Jetzt wollen sie klauen anstatt zu bauen – das ist verlogen. Wir brauchen endlich Entscheidungen, die das Wohnungsproblem durchgreifend lösen“, äußert sich FDP-Landesvorstand Mayer. (tf)

Sebastian Czaja, Generalsekretär der FDP (l.) und Christoph Meyer, Landesvorsitzender der FDP (r.) am Montag 13. Mai um 9.30 Uhr vor der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin-Wilmersdorf.

Sebastian Czaja, Generalsekretär der FDP (l.) und Christoph Meyer, Landesvorsitzender der FDP (r.) am Montag 13. Mai um 9.30 Uhr vor der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin-Wilmersdorf. | Foto: Helmut Metzner

Visionen für die Hauptstadt – Berlin Partner Lunch Break im B-Part Am Gleisdreieck

Das Thema Stadtentwicklung 2019 in Berlin in Verbindung mit einem unaufgeregt konstruktiven Optimismus anzugehen ist aktuell in der Hauptstadt eher ungewöhnlich. Dem Vorstandsvorsitzenden der Copro AG, Marc F. Kimmich gelingt dieser Spagat jedoch: Die perfekte Voraussetzung für das aktuelle Copro-Projekt, die Urbane Mitte Am Gleisdreieck und damit auch für Berlin. Als Gastgeber – gemeinsam mit Annabell Dörksen von Berlin Partner – begrüßte Kimmich die Teilnehmer des Berlin Partner Lunch Breaks im neuen Labor für die Stadt der Zukunft, dem B-Part Am Gleisdreieck und nutzte die Gelegenheit, den Gesprächsteilnehmern seine positive Grundhaltung mit auf den Weg zu geben.

Zum Thema „Flächenmanagement in Berlin“ diskutierten Andreas Schulten, Vorstand der bulwiengesa AG, Unternehmensberater Dr. Markus Vogel und Berlin Partner-Geschäftsführer Dr. Stefan Franzke mit Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt. Das rapide Wachstum der Hauptstadt fordert nicht nur Berlins Bewohner, sondern vor allem auch die politischen Entscheider und die Entwickler. Gibt es überhaupt noch genügend Flächen, um die Spree-Metropole auch morgen noch weiter zu bauen? Sind Hochhäuser vielleicht die Lösung für die steigende Nachfrage? Wie funktioniert Verdichtung in Berlin ohne die ebenfalls dringend benötigten Freiräume zuzubauen?

Angebot und Nachfrage in der wachsenden Stadt

Dr. Stefan Franzke beobachtet den Wohnungsmarkt aus einer ökonomischen Perspektive. Das Flächenangebot kann aus seiner Sicht mit der Nachfrage nicht mithalten. Ältere Menschen suchen erfolglos kleinere Wohnungen, junge Familien wollen sich vergrößern, auch hier sei der Markt nicht in der Lage, der Nachfrage gerecht zu werden.

Geschichtsunterricht in B-Part Am Gleisdreieck

Obwohl Platzprobleme erst seit Kurzem eine Rolle spielen, die Situation ist in Berlin nicht ohne historisches Beispiel. Bereits vor 100 Jahren erforderte Berlins rasantes Wachstum schon einmal große Veränderungen. Dr. Stefan Franzke sieht die Schaffung von Großberlin als Vorbild für eine gelungene Stadtentwicklung. Der gesamtgestalterische Anspruch könnte in der heutigen Entwicklung als Beispiel dienen. Andreas Schulten hingegen sieht die destruktive öffentliche Auseinandersetzung als großes Problem: „Stadtentwicklung wird für die lauten Bürger gemacht. Das ist falsch, wir müssen Politik für unsere nächste Generation machen.“

Eine nachhaltige Stadtentwicklung ist vonnöten

Meist dauert es nicht lange, bis in einer Diskussion über Berliner Bauflächen das Tempelhofer Feld zur Sprache kommt. Die Entscheidungsfindung zur Bebauung des ehemaligen Flughafengeländes halten die Diskutanten für nicht endgültig abgeschlossen. Aber auch über das Tempelhofer Feld hinaus ist sich Dr. Markus Vogel sicher, dass Berlin genügend Flächen besitzt, um gegenwärtigen und zukünftigen Bevölkerungszuwächsen zu begegnen. Mit der dezentralen Stadt bringt er einen wichtigen Punkt in die Debatte ein: Orte außerhalb des S-Bahn-Rings wie Reinickendorf oder Adlersdorf haben erhebliche Potentiale und einen wichtigen Stellenwert im Stadtgefüge. Eine nachhaltige Stadtentwicklung sei jedoch zu lange verschlafen worden und müsse jetzt vorangebracht werden, auch im Austausch und Dialog mit der Zivilgesellschaft.  Nur eine offene Stadt mit einem breiten gesellschaftlichen Spektrum könne auch den Zuzug von Kapital leisten, den Berlin benötigt.

Als Denkanstöße konnten die Teilnehmer des Lunch Breaks darüber hinaus innovative Wohnformen und -konzepte wie Coworking und Mikrowohnen, das Konzept von Quartieren für 24 Stunden und eine Anpassung der Berliner Traufhöhe auf bis zu 60 Meter, mit in den Nachmittag nehmen.

Holz gewordener Optimismus

Gastgeber Kimmich bleibt dennoch weiter optimistisch. Das Konzept von B-Part Am Gleisdreieck löst seine Versprechen ein. Der luftige Holzbau zeigte sich als Location für Zukunftsdiskussionen, denn B-Part wurde gestaltet, um in der Stadt von morgen zu arbeiten. Der Holzbau steht auf dem Gelände, auf dem die Urbane Mitte Am Gleisdreieck entstehen wird und wird als Coworkingspace genutzt. (mw)

Beschluss über Einführung eines Berliner Mietendeckels

Berlins SPD beschließt die Einführung des Mietendeckels und vertagt den Beschluss zur Enteignung.

Bauen, kaufen, deckeln. So lautet das Konzept, welches Mieterhöhungen stoppen und Mieterinnen sowie Mieter schützen soll. Am Sonnabend entschied sich die Berliner SPD einstimmig für das Konzept eines Berliner Mietendeckels. Folglich sollen alle Mieten in Berlin für fünf Jahre eingefroren werden. Der Mietendeckel soll vor allem zunächst Luft schaffen, bis sich der Mietmarkt durch Neubau und Kauf entspannt hat. Mitunter soll es Vermietern außerdem untersagt sein, Mieten bis zur Obergrenze des Mietspiegels zu erhöhen. Bis 2021 soll der Mietenstopp eingeführt werden. Das Ziel dabei ist, das Mietpreisniveau zu stabilisieren und den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Die SPD fordert darüber hinaus eine Erhöhung  des Wohnungsneubaus von derzeit 15.000 Wohnungen auf jährlich 25.000. Dies soll vor allem dem Kernproblem, dem Mangel an Wohnungen, entgegenwirken und mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bis Juni soll Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) dem Senat eine durchsetzbare Regelung vorlegen, um das Vorhaben so schnell wie möglich umsetzen zu können.

Keine Entscheidung über Enteignung

Zum Thema Enteignung von Wohnungskonzernen gehen die Meinungen stark auseinander. Hier setzte sich der Regierende Bürgermeister und SPD-Landeschef Michael Müller vorläufig mit einer Verschiebung durch. Die restliche SPD positionierte sich bisher nicht zum Volksbegehren zur Enteignung. Auch die CDU äußert Kritik an dem Vorhaben. Vorerst wurde der Beschluss auf den nächsten SPD-Landeskongress im Herbst vertagt. Zu den rechtlichen und finanziellen Auswirkungen von Enteignungen gebe es bisher nur „gefühlte Fakten“, betont Julian Zado, Vize-Landeschef der SPD. Außerdem stehe man noch am Anfang der Diskussion und benötigt mehr Zeit.

Schon ab dem 06. April sammeln Mieterinitiativen Unterschriften für das Volksbegehren „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. Dies wird vor allem von den Linken unterstützt und auch die Grünen dürften sich diesbezüglich positiv positionieren. Die Jusos diskutieren heute schon Enteignungen bei mehr als 20 Wohnungen. (tf)

Weiterer Rückgang der Baugenehmigungen für Berlin

Wie das Landesamt für Statistik mitteilte, erlebte die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Quartal 2018 einen weiteren Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) verweist als Sprachrohr der Immobilienwirtschaft wiederholt auf schnellere Grundstücksvergaben und mehr Bauland. Bereits 2017 war in Deutschland ein Rückschritt beim Bau von Wohnungen erlebt worden.

Der Rückschritt bei den erteilten Wohnungsbaugenehmigungen beläuft sich ebenfalls im ersten Quartal 2018 bereits auf 19 Prozent. Diese Zahl schließt Bauvorhaben für Neubau, den Ausbau von Büro- und Gewerbeflächen für Wohnzwecke und den Bau von Eigentumswohnungen ein. Der Einbruch führt nicht nur zu einer Verschärfung der Berliner Wohnungsnot. Experten schätzen, dass die verzögerte Fertigstellung neuer Wohnungen auch  für einen weiteren Anstieg der Mieten um 12 Prozent sorgen könnte.

Durch Mieten und Mangel in einen anderen Kiez

Schon 2017 wurde als Jahr der geringsten Baugenehmigungen seit 2010 verzeichnet. Jetzt ist der Bausenat noch vorsichtiger und mit zur Verfügung gestelltem Bauland lässt er lange auf sich warten. Die 880 genehmigten Anträge auf Bauvorhaben von Januar bis März 2018, beinhalten nicht nur Wohnungsbau, sondern auch Gewerbeflächen. So sind es in Berlin ausschließlich 4325 bewilligte Wohnungen im ersten Quartal, mit denen die Wohnungsnot reduziert werden soll. In diese kann jedoch noch lange nicht eingezogen werden. Außer den Zuziehenden, sind auch Wohnungssuchende aus finanziellen Gründen betroffen, die bezahlbaren Wohnraum für den Familienzuwachs suchen. Die Wohnungssuche findet jedoch selten im eingewurzelten Kiez statt, sondern bedeutet häufig den Umzug in ein anderes Viertel. So kletterten Berliner Kaltmieten seit 2005 um 50 Prozent in die Höhe, wie Statista informiert. Alte Mietverträge mit durchschnittlichen Quadratmeterpreisen unter fünf Euro, werden beim Umzug durch Mietpreise von zehn Euro aufwärts ersetzt. Ein Umzug in Bezirken mit für Berlin unterdurchschnittlichen Nettokaltmieten ist nur noch in Treptow-Köpenick, Spandau und Marzahn-Hellersdorf möglich. Hier liegen die Quadratmeterpreise allgemein noch unter acht Euro.

„Es geht darum, Kostentreiber zu identifizieren, zu beseitigen und Widersprüche aufzulösen. Die Bauvorschriften müssen entschlackt und Bauen wieder einfacher, schneller und kostengünstiger werden. Nur so können wir ausreichend bezahlbaren Wohnraum für alle Menschen schaffen“, so Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Der Wohnungsbau braucht mehr Baugenehmigungen. | Foto: pexels.com

Baugenehmigungen als Spiegel des Investitionsklimas

Über 1.600 Mitgliedsunternehmen aus ganz Deutschland sind im BFW vertreten, die für 50 Prozent des Wohnungsneubaus verantwortlich sind. Anlässlich der veröffentlichten Zahlen, prognostiziert der Verband einen Fertigstellungsrückgang des Wohnungsbaus auf 250.000. Jedoch hatte die Bundesregierung von mindestens 375.000 deutschlandweit benötigten Wohnungen gesprochen. Insbesondere die Immobilienlobbyisten fordern die Verfügbarkeit des dringend erforderlichen Baulandes und schnellere Verfahren.

Die Genehmigungszahlen gelten als Ausdruck des Investitionsklimas und der Bereitschaft der Wohnungsunternehmen. Die größten Investitionshürden für den Wohnungsneubau stellen die administrativen und bauordnungsrechtlichen Hindernisse sowie der Mangel an Baugrundstücken dar. Hinzu kommt die Arbeit an der Kapazitätsgrenze, die Bauunternehmen aufgrund von Fachkräftemangel erleben.

Unter Druck und im Verzug                                                                                         

„Die sinkenden Baugenehmigungszahlen des ersten Quartals zeugen von den Versäumnissen der Politik aus den vergangenen Jahren. So haben sich die politischen Rahmenbedingungen laut 60 Prozent unserer befragten Mitgliedsunternehmen im letzten Jahr verschlechtert“, kommentierte BFW-Präsident Ibel.

Linken-Politikerin Lompscher steht nun unter großem Druck behördliche Prozesse zu beschleunigen, damit Anträge zukünftig schneller bearbeitet und Wohnungen fertiggestellt werden können. Auch der Regierende Bürgermeister, Michael Müller, ehemals selbst Stadtentwicklungssenator, wird sich für diese Politik verantworten müssen.

In die Höhe wachsen

Insgesamt können attraktive Wohnräume an zentralen Standorten in den kommenden Jahren nur mit zusätzlicher Verdichtung gewonnen werden. Daher wird es erforderlich sein, in die Höhe zu bauen. Denn viele möchten gleichzeitig mit Nähe zum Grünen wohnen und inmitten einer abwechslungsreichen Mischung aus Wohnblock und Freizeitaktivitäten leben. Es erscheint jetzt essentiell mit innovativen Bauvorhaben an die Arbeit zu gehen. Sodass die für eine Großstadt vergleichsweise entspannte Infrastruktur Berlins erhalten bleibt. (cn)