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Wasserstadt Spindlersfeld – Wohnen im VEB Blütenweiß

Die Nutzung des brach liegenden Gebietes war lange Zeit umstritten. Jetzt soll das alte Gelände einer Wäscherei zu einer modernen Wasserstadt umgebaut werden

1873 verlagerte Wilhelm Spindler seine „Anstalt zur chemischen Reinigung, Wäscherei und Färberei“ nach Köpenick und gründete somit die größte Wäscherei Deutschlands. Heute liegt das Gelände brach und der denkmalgeschützte Ringbau aus rotem Backstein verfällt.

Doch Investoren kamen auf den Plan, die kleine Stadt in der Stadt wieder aufleben zu lassen. Zu den Zeiten, als die Wäscherei noch aktiv war, gab es Wohnungen für die Arbeiter, ein Ärztehaus sowie zwei Banken. Vor über zehn Jahren erwarb die Kanton Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH das 100.000 Quadratmeter große Gelände für etwa 10 Millionen Euro. Der Berliner Architekt Klaus Theo Brenner entwarf die Pläne für das Areal, auf dem mehr als 800 Wohneinheiten zum Teil mit Bootsstegen entstehen sollen.

Allerdings verzögerten sich die Pläne immer wieder. Aufgrund der ehemaligen chemischen Wäscherei war der Boden mit Schadstoffen verseucht. In einem aufwendigen Prozess wurden der Boden und das Grundwasser gereinigt. Doch auch heute noch sind die Sicherheitsarbeiten nicht vollständig abgeschlossen und demnach dokumentiert. Außerdem mussten diverse Gutachten erstellt werden, die den Lärm- und Natur- sowie Tierschutz aufzeigen. Auch die Anwohner wollten mitreden. Bedenken kamen wegen der Höhe der Bauten auf, da diese andere Gebäude in den Schatten stellen würden. Es wird außerdem dafür gekämpft, dass der grüne Uferstreifen am Rand für Jedermann bestehen bleibe. Dieser müsse jedoch dann den geplanten Bootstegen weichen.

Es ist also noch nicht vollends geklärt, wann das Baugebiet komplett bewohnbar ist. Fertiggestellt sind bereits das Pförtnerhaus, Casa Medici und das alte Kutscherhaus. Auszeigeobjekte sollen unter anderem die beiden „Spindlertowers“ werden. Hier entstehen 21 Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen von 50 bis über 200 Quadratmeter Grundfläche. Weiterhin sind etliche Lofts, Penthouses, Reihen- und Townhouses geplant. Gehofft wird mit einer Fertigstellung Ende 2018, realistischer sei allerdings Anfang 2019.

(Foto: wikimdia.org)

 

 

 

Berliner Innovationsfrühstück – Bewerben leicht gemacht

Bewerber für den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017 tauschten sich mit Preisträgern bei der Investitionsbank Berlin aus

Deutschlands ältester Innovationspreis geht 2017 in seine 34. Runde. Bis zum 7. Juli haben Innovatoren Zeit, ihre Ideen bei der neu berufenen Jury einzureichen. Das Innovationsfrühstück soll einen Zugang zum Innovationspreis  schaffen und somit alle offenen Fragen rund um die perfekte Bewerbung beantworten: Erfüllt meine Innovation die nötigen Voraussetzungen für eine Bewerbung? Wo kann ich mich bewerben und auf welchem Weg? Was genau muss eine Bewerbung beinhalten? In guter Tradition teilten sie ihre Erfahrungen mit dem Preis und informierten über den Wettbewerbsablauf, die Modalitäten und die Teilnahmevoraussetzungen.

Das Interesse am Innovationsfrühstück war groß, denn bis zu fünf Preisträgern des Innovationspreises Berlin Brandenburg 2017 winken je 10.000 EUR. Insgesamt zehn Nominierungen durch die Jury sind möglich.

Berliner Preisträger teilen ihre Erfahrungen

Ronald Liebermann (shoutr labs UG) und Dr. Albrecht Krüger (SENTECH Instruments GmbH), die 2016 zu den fünf Preisträgern zählten, berichteten über ihre Erfahrungen mit der Auszeichnung. Sie erläuterten den Teilnehmenden, wie schnell und vor allem einfach eine Registrierung ist. Besonders interessierten sich die Gäste auch für den enormen Marketingschub, der mit der Auszeichnung als innovatives Unternehmen in der Hauptstadtregion einhergeht.

Doch nicht nur der wirtschaftliche Aspekt spielt hier eine Rolle. Dr. Albrecht Krüger, der die Jury im Vorjahr mit seiner neuen Messmethode für Solarzellen überzeugte, betont die Wichtigkeit der Auszeichnung für alle seine Mitarbeiter. Schließlich sei dies nicht die Arbeit von ihm alleine, sondern alle zusammen haben an der innovativen Idee gearbeitet und somit den Innovationspreis gewonnen. Und das macht natürlich stolz: „Es stärkt das Unternehmen von innen!“ so der Unternehmer.

Zwei Jahre hat der Geschäftsführer mit seinen Mitarbeitern an seiner Idee getüftelt. Die Überzeugung, sich schließlich für den Innovationspreis zu bewerben kam, als er die anderen Nominierten in den Jahren zuvor gesehen hat und sich sagte: „Das können wir auch.“  Es ist schließlich ein Wettbewerb, bei dem man sich gegenseitig anspornt. Aber: „Ein bisschen Glück muss man natürlich auch haben“, so Albrecht Krüger.

Preisträger 2016: Dr. Albrecht Krüger (SENTECH Instruments GmbH). Bildquelle: BERLINboxx

Die Ideen der Bewerber verfügen über ein großes Spektrum und verteilen sich über verschiedene Themenbereiche. Der Schwerpunkt, den die Jury am Ende legt,  kann von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein.

IBB: Spannende Berliner Innovationen müssen gefördert finanziert werden – für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Hauptstadtregion

Forschung und Entwicklung (F&E) ist die Zukunft, Innovationen brauchen finanzielle Unterstützung. Diese bietet die Investitionsbank Berlin in großer Bandbreite. Insbesondere die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) profitierten von den Leistungen. „Es sind die Berliner KMU, die Innovationen entwickeln und umsetzen und damit die wirtschaftliche Zukunft der Region mitgestalten. Mit unseren Förderangeboten unterstützen wir diese Unternehmen gerne dabei. Wichtig ist für uns dabei immer, das Potenzial einer Idee und des Erfinders auch richtig einzuschätzen. Und hierin haben meine Kollegen in den vergangenen Jahren sehr viel Kompetenz aufgebaut“, sagt Stephan Hoffmann, Bereichsleiter Wirtschaftsförderung IBB. Der Trend zu mehr Innovationen sei in Berlin immer noch sehr markant. Der Anteil der Unternehmen, die neue Produkte oder Verfahren eingeführt hätten, sei auch in diesem Jahr wieder erfreulich groß. Gerade die Berliner KMU investierten im Verhältnis zum Umsatz mehr Geld in Innovationsprozesse als in anderen Teilen Deutschlands. Der Innovationspreis Berlin Brandenburg habe dabei sicherlich seinen Anteil an der Innovationsfreude in der Region.

Stephan Hoffmann, Bereichsleiter Wirtschaftsförderung IBB. Bildquelle: BERLINboxx

Stephan Hoffmann betont den enormen Vorteil für die Preisträger, aber auch für die Nominierten und sogar die Bewerber. Der Innovationspreis schafft „ein neues Image“ sowie einen „großen Nutzen“, da eine Auszeichnung und die damit verbundenen Veranstaltungen neue Netzwerke und Kooperationen ermöglichen.

Als einer der langjährigsten Partner unterstützt die IBB bereits seit 2001 den Innovationspreis Berlin Brandenburg. Damit leistet die Bank einen zusätzlichen Beitrag, die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen zu fördern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die IBB ist die Förderbank für Berlin und hat 2016 für Projekte rund 266 Millionen Euro Fördermittel bewilligt und ist über die IBB Beteiligungsgesellschaft mbH Beteiligungen beziehungsweise Eigenkapitalfinanzierungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro eingegangen.

So gehts weiter: Der Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017

Eine unabhängige, 2017 neu berufene Experten-Jury prüft nach dem Ende der Bewerbungsphase die eingegangenen Bewerbungen und wählt bis zu zehn Nominierte aus, die im Rahmen einer Pressekonferenz im November der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Am 1. Dezember 2017 werden die bis zu fünf Preisträger dann im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Potsdam geehrt. Sie erhalten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 10.000 EUR und profitieren von einem enormen Renommee und Marketingeffekt für ihr Unternehmen.

Der Innovationspreis Berlin Brandenburg wird jährlich von den Wirtschaftsverwaltungen der Länder Brandenburg und Berlin ausgelobt. Mehr als 150 Preisträger der Hauptstadtregion wurden in den letzten 33 Jahren bereits für ihr herausragendes und innovatives Schaffen ausgezeichnet.

 

Jetzt bewerben unter:

www.innovationspreis.de

 

Und wie Vorjahrespreisträger Dr. Krüger abschließend klar stellt, lohnt sich eine Bewerbung in jedem Fall . „Man hat gar nichts zu verlieren. Nur zu gewinnen!“ (fr)

 

Der Polarisierer – Mut und Disruption als Lebensprinzip

Die Autobiografie von Dr. Dr. Rainer Zitelmann

Unumstritten war er nie: Als Historiker, Cheflektor, Journalist, Autor und Unternehmer. Seine klare, strukturierte und konsequente Haltung zu Themen ist sein Erfolgsrezept. Rainer Zitelmann ist kein Opportunist, kein Schwarmschwimmer, kein Umfaller. Er steht für seine Überzeugungen und findet einen Weg, Ideen und Ziele praxisnah umzusetzen. Damit hat er Zeichen gesetzt und Profil gezeigt und – nicht gerade üblich für Geisteswissenschaftler und Journalisten – wirtschaftlichen Erfolg gehabt. Aber Reichtum, über den er auch schreibt, ist nicht alles was er erreicht hat.

Im Historikerstreit hat er entgegen des Zeitgeistes konservative Positionen vertreten; als Cheflektor bei Ullstein hat er Akzente mit Autoren, die nicht Lieblinge der Linksschickeria waren, gesetzt und damit die gesellschaftspolitische Diskussion angeregt. Als Welt-Autor und Chef der täglich erscheinenden Immobilienseite hat er – wie auch als Unternehmer im Bereich Immobilienkommunikation – wesentlich dazu beigetragen, dass die junge Branche der Immobilienwirtschaft sich professionalisiert und in der öffentlichen Wahrnehmung an Bedeutung gewinnt.

Als Bestsellerautor hat er ein Gespür für Trendthemen: Fitness (Erfolgsfaktoren im Kraftsport), Reichtum (Psychologie der Superreichen) und eben die eigene Vita als Verkörperung des Erfolgsmenschen (Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu). Das Ego konsequent zu leben, Rigorismus zur Lebensphilosophie zu machen und im besten amerikanischen Sinne den Erfolg zu zelebrieren, zeigt, dass Zitelmann sich nicht am biederen, pessimistischen Deutschen orientiert, sondern ein Kosmopolit ist. Mit 60 Jahren erntet er nun seine Früchte, die er in einem höchst disziplinierten Arbeitsleben gepflanzt hat. Und gewissermaßen kehrt er mit seiner wissenschaftlichen Arbeit – er hat soeben zum zweiten Mal promoviert – zu seinen Ursprüngen zurück. Einen pädagogischen Eros hat das Buch allerdings als Lebenskonzept für die junge Generation, die sich nicht gerade durch revolutionäre Attitüden und Visionen auszeichnet: Wage das Neue, sei mutig, öffne Dich neuen Lebenswelten und bleibe Du selbst. Die eigentliche Botschaft seiner Autobiografie ist mitnichten eine eitle Selbstbeweihräucherung, sondern eine hoffnungsvolle und zukunftsweisende Inspiration: Erstarre nicht in bequemen Strukturen, sondern sei Abenteurer und Entdecker, brenne für Deine Ideen und habe Mut, sie umzusetzen.

 

Frank Schmeichel

 

Dr. Dr. Rainer Zitelmann: Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu. Mein Leben als Historiker, Journalist und Investor, FinanzBuch Verlag, 2017

Eine Stadt die nicht schläft – und die nicht baut

Berlin pulsiert rasend schnell – doch wenn es ums Bauen geht, steht die Stadt. Ein Beispiel

Über die Bauvorhaben Berlins könnte man einen Film drehen. Eine Komödie, ja, vielleicht sogar eine Satire – Lustig und unglaubwürdig! Denn das, was in dieser Stadt vor sich geht, wenn es um das Thema Bauen geht, ist kaum zu glauben. Eine Stadt wie Berlin. Fast 4 Millionen Einwohner, Hauptstadt, Sitz der großen Politik. Man könnte meinen, gerade hier sollten Planungen und Umsetzungen kein Problem darstellen – falsch gedacht. Diese Erkenntnis gibt es nicht erst seit BER, dem Paradebeispiel für Kostenexplosion, Fehlplanungen, Versäumnisse und nicht eingehaltene Absprachen.

Bereits in den 1930er-Jahren kamen Stadtplaner auf die Idee, im Osten der Stadt eine Trasse zu bauen, die den Norden und den Süden verbinden und mit ihrer Leistungsfähigkeit die angrenzenden Bezirke entlasten soll. Die Idee der sogenannten Tangentialen Verbindung Ost (TVO) wurde geboren. Der erste Abschnitt wurde schließlich in den 1970er-Jahren im Norden gebaut. Der zweite Ende der 1990er im Süden. Und die Mitte? Die fehlt. Pläne für den 6,5 Kilometer langen Abschnitt wurden in den 1990er-Jahren vorgestellt. Die Strecke soll entlang der Hauptverkehrsachsen von Karlshorst, Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Köpenick verlaufen. Doch das Projekt wurde ad acta gelegt und auf das Jahr 2030 verschoben. Aufgeschoben auf vierzig Jahre, dann liegt die Verantwortung nicht mehr bei den jetzigen Planern – Das ist die beliebteste Eigenschaften von Berliner Entscheidungsträgern: Sich nicht zuständig fühlen, eben typisch Berlin!

Zwar wurden die Forderungen von Bürgerinitiativen erhört und das Projekt 2007 wieder aufgenommen, doch ein Ende der Planungen oder gar eine Umsetzung ist nicht in Sicht. Die Verzögerungen sorgen dafür, dass immer wieder neue Regierungen für die Planung verantwortlich sind. Die aktuelle rot-rot-grün Koalition beispielsweise möchte unbedingt einen Radschnellweg entlang der Trasse sehen – ein Vorhaben, welches den Bau weiter verzögern wird. Geplant ist, dass erst Anfang 2018 die endgültige Trassenvariante festgelegt wird. Mit dem Planfeststellverfahren und Genehmigungen könnte der Bau schließlich Ende 2020 beginnen – so die Idee. Ein weiteres Problem bringt natürlich die Finanzierung mit sich. Die Fördergelder laufen 2021 aus. Was dann geschieht, ist ungewiss. Und warum daran jetzt schon denken?

Doch dieses Projekt ist nur ein Beispiel und somit das perfekte Abbild von Berlins trostloser Verwaltungswüste. Aber warum immer Berlin? In der sich alles andere rasend schnell bewegt, Millionen von Menschen aus aller Welt auf den Straßen unterwegs sind und ihrem Tun nachgehen?

Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegel, hat es mit seinem Kommentar ziemlich gut getroffen: Baustellen, verspäteter Nahverkehr und überforderte Bürgerämter sind schon längst institutionalisierte Vorkommisse bei den Berliner Bürgern. Nachrichten, wie „eine für Gleisbauten gesperrte U-Bahn-Linie 1, bei der selbst die BVG ihren Kunden abrät, den Ersatzbus zu nehmen, weil der auf der ebenfalls aufgerissenen Ersatzstrecke nur stecken bleiben wird.“ überrascht kaum noch jemanden. Jeder ist darauf eingestellt, dass die Standesämter kollabieren und Eltern Monate darauf warten müssen, dass die Geburtsurkunde ausgestellt wird und sie das Kindergeld beantragen können. Man nimmt es hin und schluckt seinen Frust runter. Ist halt Berlin.

Es ist ein Chaos, was sich in dieser Stadt abspielt. Der Senat unternimmt nichts, doch ist es nicht ein totaler Verlust des Ansehens, wenn die eigenen Bürger der Regierung die Unfähigkeit schon als festes charakteristisches Merkmal zugesprochen haben? Aber „warum auch ein System der organisierten Unverantwortlichkeit ändern, das seit Jahrzehnten beweist, dass damit kein Staat zu machen ist, geschweige denn eine Stadt voranzubringen?“ wie es Nowakowski weiter schreibt.

Der Berliner Bürger muss sich also dem Desinteresse hingeben uns sich diesem Chaos anpassen, Verlierer der Stadt, der sich weiterhin in überfüllte Bahnen quetschen muss, im Stau wartet und die Nerven in Bürgerämtern verliert. Eben typisch Berlin!

Foto: © Pexels

„Ja, ich will!“: Im Berliner Dungeon ist Widerstand zwecklos

Verlobung in der Folterkammer
Abschreckung oder Vorbereitung auf die kommenden Jahre? Berliner Dungeon bietet schrecklich-schöne Location für Verlobung an

Vielleicht müssen die einen oder anderen zu ihrem Glück gezwungen werden. Diese Aussage bekommt bei der neusten Aktion des Berliner Dungeon eine ganz andere Bedeutung. Denn aktuell sucht das berühmt-berüchtigte Horror-Kabinett in Berlin mutige junge Männer, die ihrer Freundin einen Antrag machen wollen – mitten in der Folterkammer, umgeben und diversen Folterinstrumenten. Nur etwas für wahre Romantiker!

Wer die Ehe als Gefängnis sieht, eingesperrt, den Freiheiten beraubt und zum spaßlosen Leben verdonnert, dem kommt eine Verlobung in einer äußerst abgefahrenen Location doch gerade richtig. Denn das, was nach der Verlobung kommt, kann ja nur befreiender und glücklicher werden. Wer mit Daumenschraube oder Kieferbrecher zum „Ja, ich will“ gezwungen wird, hat anschließend sicherlich mehr zu lachen oder?

Und mal ganz ehrlich, bei einem romantischen Candlelight-Dinner? Im Sonnenuntergang? Vor laufender Kamera? Diese ausgelutschten Ideen bleiben den unkreativen Menschen vorbehalten und sind ja geradezu überladen mit Kitsch. Also wieso nicht gleich auf die harte Tour?

Ob die Freundin es einem jemals verzeihen wird, dafür kann niemand garantieren. Auf jeden Fall wird  wohl ein denkwürdiges Ereignis im Gedächtnis bleiben. Für die Unentschlossenen, ein Nein wird nicht akzeptiert, bleibt immerhin noch die Streckband und Zungenstange. So werden die liebevollen Herren ihrer zukünftigen Verlobten auf jeden Fall ein „Ja“ entlocken. Was will Mann mehr?

Was wie ein abgefahrener Werbegag vom Berliner Dungeon klingt, können Interessenten tatsächlich erleben. Bewerbungen gehen an info@berlindungeon.de. Herzliches Beileid an die Auserwählten Folterkammer-Verlobten!

 

(Foto: wikimedia.com)

 

Veranstaltungshighlight für Politik, Medien und Unternehmer der Hauptstadt – Das traditionelle Spargelessen der Berliner Pressekonferenz mit dem Regierenden Bürgermeister

Es ist das Frühjahrs-Highlight im Kalender der Berliner Politik und Wirtschaft: Das traditionelle Spargelessen der Berliner Pressekonferenz mit dem Regierenden Bürgermeister. Wenn die Berliner Pressekonferenz, die älteste Journalistenvereinigung Deutschlands, im Restaurant „Hugo’s“ im Hotel Intercontinental zum exklusiven Lunch lädt, folgt die Elite aus Politik und Wirtschaft der Hauptstadt diesem Ruf. Gastgeber Thomas Klein, Vorsitzender der Berliner Pressekonferenz und damit Dirigent für alle in Berlin akkreditierten Medien, von der New York Times über das Wallstreet Journal bis hin zur Berliner Morgenpost und dem Tagesspiegel, schüttelte viele Hände der prominenten Gäste.

 

Allein die hohe Senatorendichte sprach für sich: Innensenator Andreas Geisel, Verkehrssenatorin Regine Günther, Gesundheitssenatorin Dilek Kolat, Justizsenator Dirk Behrendt, Bausenatorin Katrin Lompscher und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop waren gekommen. Hohe Repräsentanten in der Hauptstadt akkreditierter Staaten, wie der britische Botschafter Sir Sebastian Wood, der schwedische Botschafter Per Thöresson und der ukrainische Botschafter Andrii Meinyk sorgten für internationales Flair. Die Bundesregierung wurde vertreten durch die Staatsministerin für Kultur, Professor Monika Grütters. Außerdem kamen der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh, die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek, FDP-Fraktionsvorsitzender Sebastian Czaja, der Präsident der Handwerkskammer Stephan Schwarz und viele andere, die Berlin mitgestalten.

 

Ehrengast Michael Müller wirkte trotz der NRW-Wahl gelöst und wertete als positives Zeichen, dass die Berliner SPD in den vergangenen Wochen einen regen Zulauf zu verzeichnen hatte. Zu den Schwerpunkten seiner Rede zählten aber vor allem die entschiedene Durchsetzung von Werten wie Presse- und Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Sicherheit. „Nur auf der Grundlage von gemeinsamen Werten können sich Berlin und die Menschen weiter entwickeln und die Stadt und die Gesellschaft weiter voranbringen“, sagte Müller. Sorgen bereitet ihm auch der Umgang mit Journalisten in Ländern wie der Türkei. Dass die Türkei einer Ländergruppe zuzurechnen sei, in der mit die meisten Journalisten inhaftiert seien, bezeichnete Michael Müller als „schrecklich“. „Istanbul ist unsere Partnerstadt, viele haben Freunde und Familie in der Türkei. Da müssen wir uns engagieren“, so Müller.

 

Andreas Schrobback, Gründer und Geschäftsführer der AS Unternehmensgruppe, der als Sponsor der Berliner Pressekonferenz das Spargelessen unterstützte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei seiner unternehmerischen Tätigkeit auch etwas für die Gesellschaft zu tun. Das Hauptaugenmerk des Immobilienunternehmers liegt auf dem fortschreitenden demografischen Wandel, weshalb ein Großteil der von ihm sanierten denkmalgeschützten Objekte barrierefrei ist und für pflegebedürftige Senioren fachgerecht hergerichtet wird. „Als Unternehmer kann ich nicht die Augen vor dem gesellschaftlichen Wandel verschließen. Ich sehe es als meine Verantwortung an, Wohnraum zu schaffen, der nicht nur für eine junge Zielgruppe attraktiv ist, sondern auch älteren Menschen ein Zuhause bietet.“

Andreas Schrobback (l.) gemeinsam mit Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

 

Weitere bedeutende Gäste des hochkarätigen Events waren unter anderem Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Marten Bunnemann, Senior Vice President Business Development and Distributed Energies bei Eon, Etienne Petit, Direktor Deutschland der Veolia und Marcel Pelzer, Direktor Corporate & Government Affairs der ManpowerGroup Deutschland.

 

v.l.n.r. Andreas Dahlke, Bausenatorin Katrin Lompscher, Andreas Schrobback und Siegfried Nehls

 

 

Titelbild: Andreas Schrobback (r.) mit Innensenator Andreas Geisel

 

Bildquelle: Dirk Lässig

Glanzlicht im gesellschaftlichen Leben der Hauptstadt – Das traditionelle Spargelessen der Berliner Pressekonferenz mit dem Regierenden Bürgermeister

Es ist das Frühjahrs-Highlight im Kalender der Berliner Politik und Wirtschaft: Das traditionelle Spargelessen der Berliner Pressekonferenz mit dem Regierenden Bürgermeister. Wenn die Berliner Pressekonferenz, die älteste Journalistenvereinigung Deutschlands, im Restaurant „Hugo’s“ im Hotel Intercontinental zum exklusiven Lunch lädt, folgt die Elite aus Politik und Wirtschaft der Hauptstadt diesem Ruf. Gastgeber Thomas Klein, Vorsitzender der Berliner Pressekonferenz und damit Dirigent für alle in Berlin akkreditierten Medien, von der New York Times über das Wallstreet Journal bis hin zur Berliner Morgenpost und dem Tagesspiegel, schüttelte viele Hände der prominenten Gäste.

Allein die hohe Senatorendichte sprach für sich: Innensenator Andreas Geisel, Verkehrssenatorin Regine Günther, Gesundheitssenatorin Dilek Kolat, Justizsenator Dirk Behrendt, Bausenatorin Katrin Lompscher und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop waren gekommen. Hohe Repräsentanten in der Hauptstadt akkreditierter Staaten, wie der britische Botschafter Sir Sebastian Wood, der schwedische Botschafter Per Thöresson und der ukrainische Botschafter Andrii Meinyk sorgten für internationales Flair. Die Bundesregierung wurde vertreten durch die Staatsministerin für Kultur, Professor Monika Grütters. Außerdem kamen der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh, die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek, FDP-Fraktionsvorsitzender Sebastian Czaja, der Präsident der Handwerkskammer Stephan Schwarz und viele andere, die Berlin mitgestalten.

Ehrengast Michael Müller wirkte trotz der NRW-Wahl gelöst und wertete als positives Zeichen, dass die Berliner SPD in den vergangenen Wochen einen regen Zulauf zu verzeichnen hatte. Zu den Schwerpunkten seiner Rede zählten aber vor allem die entschiedene Durchsetzung von Werten wie Presse- und Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Sicherheit. „Nur auf der Grundlage von gemeinsamen Werten können sich Berlin und die Menschen weiter entwickeln und die Stadt und die Gesellschaft weiter voranbringen“, sagte Müller. Sorgen bereitet ihm auch der Umgang mit Journalisten in Ländern wie der Türkei. Dass die Türkei einer Ländergruppe zuzurechnen sei, in der mit die meisten Journalisten inhaftiert seien, bezeichnete Michael Müller als „schrecklich“. „Istanbul ist unsere Partnerstadt, viele haben Freunde und Familie in der Türkei. Da müssen wir uns engagieren“, so Müller.

Bedeutende Vertreter der Berliner Wirtschaft pflichteten Müller in vielen Punkten bei. So auch Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, einer der innovativsten und erfolgreichsten Projektentwickler Berlins. „Ich begrüße sehr, dass der Regierende Bürgermeister so leidenschaftlich für unsere Stadt eintritt. Die von ihm angesprochen Werte sind auch der SANUS AG wichtig, denn nur auf dieser Grundlage können wir es gemeinsam schaffen, Berlin als lebenswerte und sichere Stadt noch weiter voranzubringen“, so Nehls.

 

v.l.n.r. : Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, Christoph Gröner, Vorstand CG Gruppe, Michael Müller, Regierender Bürgermeister, Thomas Klein, Vorsitzender Berliner Pressekonferenz, Andreas Schrobback, Geschäftsführer AS Unternehmensgruppe

Die Pressefreiheit ist ein Grundstein für jede Demokratie und sollte nicht gering geschätzt, sondern verteidigt werden. Gastgeber Thomas Klein freut sich, dass dieses wichtige Thema durch den Regierenden Bürgermeister angesprochen wurde: „Das Spargelessen mit dem Regierenden Bürgermeister ist ein Forum für wichtige Entscheider aus Politik und Wirtschaft, um sich über die Entwicklung Berlins auszutauschen. Ganz besonders liegt mir am Herzen, dass in diesem Umfeld Themen, wie etwa der Umgang mit Journalisten in der Türkei, nicht ausgespart bleiben und die Bedeutung der Pressefreiheit betont wurde.“

Weitere bedeutende Gäste des hochkarätigen Events waren unter anderem Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Marten Bunnemann, Senior Vice President Business Development and Distributed Energies bei Eon, Etienne Petit, Direktor Deutschland der Veolia und Marcel Pelzer, Direktor Corporate & Government Affairs der ManpowerGroup Deutschland.

 

Titelbild: Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG und Bausenatorin Katrin Lompscher

Bildquelle: Dirk Lässig

Landesregierungen: „Neuer Schub für die Zusammenarbeit“ von Berlin und Brandenburg

Auf ihrem ersten Treffen nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl haben die Landesregierungen Brandenburgs und Berlins in Wildenbruch bei Potsdam Schwerpunkte der Kooperation erörtert. Ministerpräsident Dietmar Woidke und der Regierende Bürgermeister Michael Müller sprachen im Anschluss vor der Presse von einem „neuen Schub für die Zusammenarbeit“. Beide Kabinette verabredeten für das Frühjahr nächsten Jahres eine weitere gemeinsame Kabinettssitzung.

Wirtschaftspolitik

In der Wirtschaftspolitik setzen beide Landesregierungen weiter auf die von ihnen beschlossene Gemeinsame Innovationsstrategie innoBB. In deren Rahmen soll die erforderliche weitere Verzahnung der Innovationspolitik mit der Industriepolitik, der Internationalisierung und der Digitalisierung voran gebracht werden. Eine engere Abstimmung wird auch im Ernährungsbereich angestrebt, um dem wachsenden Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach regionalen Produkten besser bedienen zu können. Strategisch weiterentwickelt werden soll die Zusammenarbeit im Tourismus.

Pendlerverkehr

Berlin und Brandenburg wollen die Herausforderungen der zunehmenden Pendlerverkehre gemeinsam lösen und sehen den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg hierbei in einer koordinierenden Rolle. Einig sind sich die Landesregierungen, dass es ein attraktives Angebot für die Pendler im öffentlichen Personennahverkehr geben muss. Dazu werden Berlin und Brandenburg die Verkehrsangebote mit der anfallenden Ausschreibung des Elbe-Spree-Netzes ausweiten. Zur Beseitigung von Engpässen in der Infrastruktur werden Berlin und Brandenburg gemeinsam mit der Deutschen Bahn eine Steuerungsgruppe einrichten.

Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Richtung Polen

Weiteres gemeinsames Anliegen beider Landesregierungen bleibt der zügige Ausbau der Verkehrsinfrastruktur Richtung Polen. Die Kabinette setzten sich für einen zügigen zweigleisigen Ausbau der Strecke Berlin-Stettin ein und regten eine gemeinsame Arbeitsgruppe aller beteiligten Akteure an, um das Ziel schneller zu erreichen. Ebenso eindringlich appellierten sie an die Verantwortlichen im Bund und bei den Bahnen in Deutschland und Polen, alsbald wieder schnelle Fernzüge aus Berlin Richtung Breslau auf die Schiene zu setzen. Beide Kabinette machten deutlich, dass sie mit dem erfolgreichen Kulturzug nach Breslau in Vorleistung gegangen waren, um Zeit für eine gemeinsame Lösung auch nach Dezember 2018 zu ermöglichen. Nun müssten sich Bund und DB-Spitze bewegen. (red)

Mehr Mut im Wohnungsbau

Kommentar

Von Dr. Ingolf Neunübel

Die Warnsignale sind unüberhörbar: Dem Wohnungsbau in Berlin geht es nicht gut. Laut Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg sank die Zahl genehmigter Neubauwohnungen von Januar bis März dieses Jahres, also in nur drei Monaten um dramatische 8,5 Prozent. Das Ziel der rot-rot-grünen Koalition von jährlich 20.000 neuen Wohnungen nimmt damit utopische Züge an.

Es ist paradox: Statt mehr werden weniger dringend gebrauchte Wohnungen gebaut, die Suche nach bezahlbarem Wohnraum hat sich nicht nur in Citylagen zum Glücksspiel entwickelt, aus Angst vor exorbitant steigenden Mieten scheuen immer mehr Berliner einen Umzug.

Skeptiker scheinen recht zu behalten. Die Berliner Politik findet kein Konzept zur Lösung der Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Schon die Große Koalition hat vor den Herausforderungen kapituliert und auch Rot-Rot-Grün weist keinen Weg aus der Misere.

Trotzdem ist kein Platz zum Lamentieren. Vielmehr müssen die Ursachen dieser Entwicklung schnellstens analysiert und endlich wirkliche Lösungen eingeleitet werden. Das erwarten die Berlinerinnen und Berliner von der Politik. Der Verlautbarungen sind genug, wir wollen positive Veränderungen sehen.

Gefragt ist vor allem mehr Mut, neue Wege zu beschreiten. Ein weites Feld dafür bietet die bisher weitgehend fehlende Kooperation zwischen städtischen, genossenschaftlichen und privaten Wohnungsbaugesellschaften. Es wird viel davon geredet, aber Fortschritte sind kaum erkennbar. Anstatt die Probleme gemeinsam anzugehen, verschanzt man sich in ideologischen Schützengräben, und keiner wagt sich aus der Deckung.

Es ist die Aufgabe der Politik hier mutig voranzugehen, aber nicht nur verbal, sondern mit sichtbaren Schritten. Das Thema lässt sich beliebig drehen und wenden – entscheidend jedoch sind konkrete Maßnahmen. So muss es zum Beispiel nach dem Kooperationsvertrag zwischen Politik und den städtischen Wohnungsbaugesellschaften einen solchen auch mit willigen privaten Unternehmen geben. Zurzeit ist das Gegenteil der Fall: Aufgrund immer neuer Auflagen ziehen sich private Investoren eher vom Berliner Markt zurück als sich hier zu engagieren.

Wie gesagt: Möglichkeiten, in dieser Richtung voranzukommen gibt es viele. Jetzt kommt es darauf an, sich zu bewegen. Mut wird sich dabei auszahlen.

„Wir brauchen ein Umdenken in der Politik“

Pankow ist mit etwa 400.000 Einwohnern nicht nur der bevölkerungsreichste, sondern mit jährlich über 5.000 Neu-Pankowern auch der am schnellsten wachsende Berliner Bezirk. So erfreulich diese Entwicklung ist, so anspruchsvoll sind die daraus resultierenden Anforderungen an Politik und Verwaltung. Das bestätigte uns Vollrad Kuhn (Bü90/Die Grünen), Pankows neuer stellvertretender Bürgermeister und Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste.

 

Herr Kuhn, die ersten 100 Tage in Ihrer neuen Rolle sind vorüber. Wie fühlen Sie sich?

Gut, auch wenn mich die Fülle an Aufgaben schon etwas überrascht hat. Ich habe so viel auf dem Tisch, dass ich so manches Problem mit ins Bett nehme.

Welche Themen bereiteten Ihnen bisher die meisten Kopfschmerzen?

Es gibt Projekte, die entweder stocken oder fast einen richtigen Neustart oder zumindest eine neue Justierung brauchen – zum Beispiel Pankower Tor/Möbel Krieger oder Michelangelostraße. Letzteres ist mit vielen Problemen behaftet, z.B. Restitutionsansprüche, mögliche Reduzierung von kostenlosen Parkplätzen, Nachverdichtung im Bestand, sodass die Bebauung heftigste Proteste hervorruft und auch weiter erzeugen wird. Dann haben wir natürlich die marode Infrastruktur. Vor allem die Straßen sind ein großes Problem. Das Straßennetz, das teilweise aus dem neunzehnten Jahrhundert ist, reicht nicht mehr aus. Neben den großen gibt es aber auch viele kleinere Dinge – Wünsche nach Verkehrsberuhigungen, Ärger wegen Verkehrslärm oder weil in der Nähe die letzte Bankfiliale oder die letzte Postfiliale schließen. Das sind alles Themen, an denen ich wenig ändern kann. Trotzdem versuche ich zu helfen.

In den 90er Jahren waren Sie bereits Kommunalpolitiker. Was hat sich seitdem verändert?

Damals waren die Bezirke noch kleiner und wir hatten größere Bezirksämter mit sechs Stadträten plus Bürgermeister. Jetzt sind die Bezirke fusioniert, die Bezirksämter sind aber verkleinert worden und die Verwaltung ist 15 Jahre lang kaputtgespart worden. Wir haben hier 2.100 Beschäftigte im Bezirksamt. Davon sind zwei Drittel über 50 Jahre alt. Wir fangen jetzt langsam an, wieder einzustellen, aber auch wir bekommen den Arbeitskräftemangel zu spüren. Die Leute, die wir brauchen, sind gar nicht da.

Eines der drängendsten Probleme ist die Wohnungssituation. Wie sieht es damit in Pankow aus?

Wir haben sehr große Wohnungsbaupotenziale, die größten in ganz Berlin – ein Potenzial von über 20.000 Wohnungen. Wir haben auch sehr viele Bauanträge für Wohnungen. 2015 wurden ungefähr 1.700 genehmigt, 2016 schon 3.300. Es geht also weiter nach oben bei sinkendem Personal im Amt. Wir haben ja sehr viele Vorhaben der kommunalen Gesellschaften, vor allem der GESOBAU und Gewobag. Potenziale gibt es zum Beispiel in Niederschönhausen oder auch in Berlin Buch. 1.900 Wohnungen ungefähr könnten in Buch entstehen. Das Ludwig-Hoffmann-Quartier und Herr Dahlke als Investor sind hier als positives Beispiel zu nennen.

Es gibt auch Karow, Karow-Süd und das größte Projekt Blankenburg Süd. Da laufen die vorbereitenden Untersuchungen des Senats. Hier soll ein Entwicklungsgebiet entstehen mit rund 6.000 Wohnungen. Dafür wurde die Elisabeth-Aue erstmal aufgegeben. Volle Konzentration auf Blankenburg Süd heißt das Motto – Verlängerung der Straßenbahn, der Bau neuer Verkehrstrassen, teilweise auch durch Kleingartengebiete usw. usw. Da wird ziemlich viel passieren. Dann das Krieger-Projekt am Güterbahnhof Pankow, mit rund 1.000 geplanten Wohnungen. Allerdings ist bei dem Vorhaben noch vieles unklar.

Die Lösung welcher Probleme liegt Ihnen besonders am Herzen?

Das Thema Energiewende ist mir ganz wichtig, dass wir das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm auch auf Pankow runterbrechen. Ich habe mich auch mit dem Geschäftsführer der Berliner Energieagentur getroffen und wir haben gemeinsam überlegt, was man machen könnte. Ein anderes wichtiges Ziel von mir ist es, den Flächenfraß im Zaume zu halten. Behutsame Nachverdichtung, möglichst nicht zu viel Fläche versiegeln, das Grün erhalten und anders mit Wasser umgehen. Dezentrales Regenwassermanagement ist ein ganz großes Thema auch im Koalitionsvertrag, an dem ich mitgewirkt habe. Flächengerechtigkeit für Verkehrsteilnehmer ist auch ein wichtiges Thema für den Umweltverbund. Mit Staatssekretär Jens-Holger Kirchner bin ich im Gespräch zum Thema Radverkehr. Dem Bündnis Radverkehr zwischen Senat und Bezirk wollen wir natürlich beitreten, wenn es so weit ist und wollen gemeinsam versuchen, die Situation für die Radfahrer zu verbessern.

Gibt es absehbar Ziele, die die Verkehrssituation spürbar verbessern?

Ja, es gibt durchaus gute Beispiele aus anderen Städten und es gibt auch Planer, die damit schon entsprechend umgehen. Zum Beispiel autofreie Stadtviertel, in denen man sich verpflichtet, wenn man in so ein Gebiet zieht, sich kein Auto anzuschaffen, sondern mit Car Sharing und Umweltverbund unterwegs ist. Das wären Konzepte, die zukunftsfähig sind.

Wir müssen dann auch natürlich wegkommen vom Lieferverkehr, der mit Verbrennungsmotoren stattfindet. Wir haben Onlinehandel, Lieferung von Lebensmitteln, Zalando, Amazon, das nimmt immer mehr zu und verändert den ganzen Konsumentenprozess und den Handel. Es sind so viele Geschäftsideen, die dahinterstecken, aber man muss verhindern, dass die immer mehr die Straßen verstopfen.

Halten Sie es für realistisch, bis 2050 CO2-frei zu sein als Hauptstadt?

Das ist ein realistisches Ziel, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Politik muss auch umsteuern und die entsprechenden Standards in öffentlichen Gebäuden umsetzt. Wir müssen die Stadt mit ihren Gebäuden als CO2-Senker nutzen. Ein anderes Beispiel ist der Verkehr. Da muss sich viel ändern. Auch der Flugverkehr und unser Flugverhalten müssen hinterfragt werden. Im Umland müssen wir in erneuerbare Energieanlagen investieren. Wir sollten auch überlegen, wie der ökologische Fußabdruck der Waren ist, die in die Stadt kommen oder die wir exportieren. Das liegt eben auch an der Art, wie wir Waren herstellen und welche Dienstleistungen wir anbieten. Die Mischung macht’s eben auch hier. Es muss immer jemand den Finger in die Wunde legen und es muss eine starke Politik geben, die das wirklich will, die die Leute auch dazu überzeugen kann, mitzuziehen.