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Wohnungseigentumsgesetz: Forderungen der Experten

„Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis die Politiker das geltende Wohnungseigentumsgesetz (WEG) an die Bedürfnisse der Zeit anzupassen wagten. Für Verwalter als die entscheidende Schnittstelle in diesem Prozess ist ein rechtssicherer Rahmen, verbunden mit Antworten auf Fragen von Elektromobilität bis hin zu energetischer Sanierung, unabdingbar“, stellte der Präsident des BVI Bundesfachverbands der Immobilienverwalter, Thomas Meier, die Dringlichkeit des Reformprozesses dar. Bei einer hochkarätig besetzten Veranstaltung mit mehr als 130 Teilnehmern sowie Vertretern aus Politik und Praxis brachten der BVI und der Immobilienverband IVD die Positionen und Erfahrungswerte ihrer Mitglieder ein und nutzten so die Gelegenheit, die vorliegenden Gesetzesentwürfe zum Wohneigentumsrecht zu diskutieren.

BVI-Präsident Meier erneuerte auf der Konferenz zur WEG-Reform im dbb forum berlin die Forderungen von Immobilienverwaltern. „Das WEG-Recht hat großen Einfluss auf den Alltag und die Lebensqualität sehr vieler Menschen und deswegen braucht es die Reform jetzt. Wohnungseigentümergemeinschaften und Immobilienverwalter müssen befähigt werden, möglichst konfliktfrei und reibungslos zu agieren“, sagte Meier in einem Grußwort.

Reformen im Wohnungseigentumsgesetz

Der Vize-Präsident des IVD und Vorsitzende des Bundesfachausschusses Immobilienverwalter, Markus Jugan, betonte: „Die heutige Konferenz soll ein wichtiger Impuls für die geplante Reform sein. Immer wieder führen die gleichen Schwierigkeiten zu Konflikten in der WEG-Gemeinschaft. Ein besseres, praxistauglicheres Wohnungseigentumsgesetz ist daher auch ein Beitrag zur Wohnungseigentumsförderung, die sich die Große Koalition ja zurecht auf die Fahnen geschrieben hat.“

Der Diskussionsentwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz greife allerdings nur zwei Themenkomplexe auf. Der Entwurf des Bayerischen Staatsministeriums gehe inhaltlich weit darüber hinaus. „Wir regen an, dass alle beide Novellierungsvorschläge und unsere Anregungen bei dem Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden“, so Jugan.

In dem von BVI und IVD gemeinsam veranstalteten Fachforum trugen die Verbände unter anderem folgende Änderungsvorschläge zum Wohnungseigentumsgesetz vor.

Barrierefreiheit und Elektromobilität

Bisher war für bauliche Maßnahmen in diesen Bereichen die Zustimmung aller Eigentümer einer Gemeinschaft notwendig. Die Verbände schlagen vor, entsprechende Maßnahmen als Maßnahmen ordnungsgemäßer Verwaltung zu kodifizieren. Zudem plädieren sie dafür, einzelnen Eigentümern einen Duldungsanspruch gegenüber anderen Eigentümern zu vermitteln. Auch sollen Instandsetzungs- und Folgekosten gesetzlich geregelt werden.

Beschlusskompetenz

Gemeinsame Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft sind bislang an die Bedingung geknüpft, dass mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Eigentümer und der Miteigentumsanteile anwesend sind. Die Verbände schlagen daher vor, die Absenkung des für Beschlussfassungen notwendigen Quorums zur Disposition der Gemeinschaft zu stellen.

Außerdem sieht das jetzige Wohnungseigentumsgesetz lediglich die Möglichkeit vor, dass die Kostenverteilung bei Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen nur für den Einzelfall mit einer Mehrheit von drei Viertel aller stimmberechtigten Eigentümern und mehr als der Hälfte aller Miteigentumsanteile beschlossen werden kann. Soll hingegen eine generelle Änderung des Verteilungsmaßstabes (z.B. Sanierung aller Fenster) erfolgen, müssen alle Eigentümer zustimmen. Dies erschwert die Durchsetzung genereller Maßnahmen an bestimmten Gebäudeteilen. Die Verbände schlagen vor, den Begriff „Einzelfall“ im Gesetz zu streichen. Bislang müssen alle Eigentümer zustimmen, wenn eine generelle Änderung des Verteilungsmaßstabes erfolgen soll. BVI und IVD setzen sich dafür ein, solche Beschlüsse bereits mit einfacher Mehrheit fällen zu können.

Umlaufbeschluss

Beschlüsse, die im schriftlichen Verfahren, dem sogenannten Umlaufverfahren, erfolgen, müssen bisher von allen Eigentümern getragen werden. In der Praxis scheitern derartige Beschlussfassungen häufig an der Zustimmung aller Eigentümer, sodass unter Umständen notwendige Maßnahmen nicht zeitnah umgesetzt werden können. Die Verbände schlagen vor, diese Bedingung auf eine doppelt qualifizierte Mehrheit abzusenken, um die Gemeinschaft auch unabhängig von Eigentümerversammlungen handlungsfähiger zu machen.

Anzahl Beiratsmitglieder

Bislang umfasst der Verwaltungsbeirat laut Gesetz drei Mitglieder, sofern die Teilungserklärung keine Abweichung vorsieht. Der IVD schlägt vor, der Eigentümergemeinschaft das Recht einzuräumen, die Anzahl der Beiratsmitglieder selber bestimmen zu können.

Inkassovorgänge

Derzeit hat der von einer Eigentümergemeinschaft bestellte Verwalter keine originäre Befugnis, säumiges Hausgeld gerichtlich oder außergerichtlich einzutreiben. Nur die Eigentümergemeinschaft kann ihm diese Befugnis im Einzelfall erteilen. Außerdem gibt es bislang keine gesetzliche Regelung zur Fälligkeit des Hausgeldes. Die Verbände schlagen daher vor, den Verwalter per Generalklausel im Gesetz zu ermächtigen, selbst Inkassomaßnahmen zu veranlassen. Zudem plädieren sie für eine gesetzliche Regelung der Fälligkeitsregel für Wohngeldzahlungen.

Instandsetzung- und Instandhaltungsmaßnahmen

Bislang müssen die Eigentümer dem Verwalter für sämtliche Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßmaßnahmen eine gesonderte Befugnis erteilen. BVI und IVD schlagen vor, eine Generalklausel zu schaffen, die dem Verwalter erlaubt, aus eigener Kompetenz derartige Maßnahmen zu ergreifen. Die Summe, über die der Verwalter hier verfügen darf, soll auf 8% bis 10% der im Wirtschaftsplan festgesetzten Instandsetzungskosten begrenzt werden.

Offene Fremdgeldkonten

Bisher gibt es keine klare gesetzliche Regelung zur Art der Kontenführung in Eigentümergemeinschaften. In der Praxis durchaus üblich sind immer noch Treuhandkonten, die auf den Namen des Verwalters laufen. Im Interesse einer ordnungsgemäßen Verwaltung und zum Schutze des Gemeinschaftsvermögens vor Privatinsolvenz des Verwalters und Drittgläubigerzugriffen schlagen BVI und IVD vor, dem Verwalter die gesetzliche Verpflichtung aufzuerlegen, eingenommene Gelder von seinem Vermögen gesondert zu halten und offene Fremdgeldkonten zu führen.

Für den Gesetzgeber erläuterten auf dem Fachforum der Staatssekretär im Bundesjustizministerium Gerd Billen, der zuständige Referatsleiter Ministerialrat Wolfram Marx sowie die Referatsleiterin im Bayerischen Justizministerium, Ministerialrätin Dr. Katrin Herresthal, die derzeit vorliegenden Entwürfe. Experten des BVI und IVD, z.B. Rechtsanwalt Uwe Wanderer, Richter Dr. Oliver Elzer und Dr. Stefan Ollig, Geschäftsführer der Vonovia Immobilien Treuhand GmbH, kommentierten diese Entwürfe im wechselseitigen Austausch.

In der abschließenden Podiumsdiskussion brachten federführend an den Entwürfen beteiligte Bundestagsabgeordnete ihre Schwerpunkte bei der anstehenden Reform im Wohnungseigentumsgesetz ein. (red)

Kleingartenflächen als Mittel gegen die Wohnungsnot?

Arne Piepgras hat ein heißes Eisen angefasst. Als Rezept gegen die akute Wohnungsnot in der Hauptstadt fordert  der Investor und Projektentwickler einen „Masterplan Berlin“ von der Politik. Kernpunkt: Die innerstädtischen Kleingärten, die der Stadt gehören, sollten mit Wohnungen bebaut werden. Als Alternative sollen Ausweichflächen für die Laubenpieper zur Verfügung gestellt werden. Inzwischen hat der Vorschlag zahlreiche Unterstützer gefunden, wie etwa Andreas Becher, Vorsitzender des Berliner Landesverbandes beim Bund Deutscher Architekten. Der Architekt forderte kürzlich im Interview die Stadt auf,  „endlich ihre Schrebergärten zu bebauen„. In einer Umfrage hat sich eine Mehrheit der Berliner Bevölkerung für eine zumindest teilweise Bebauung der Kleingärten ausgesprochen. Sinnvoll oder vollkommen abwegig? Die BERLINboxx hat mit Arne Piepgras gesprochen.

BERLINboxx: Herr Piepgras, was haben Sie eigentlich gegen Kleingärtner?

AP: Das ist schon gleich das erste Missverständnis. Ich halte das Kleingartenkonzept zwar für etwas aus der Zeit gefallen, gegen Kleingärtner an sich habe ich aber gar nichts. Allerdings bin ich der Meinung, dass in Zeiten der Not – und diese Zeiten sind in Berlin angebrochen – sich alle Berliner Bürgerinnen und Bürger solidarisch verhalten sollten. Dass sie das können, haben ja gerade die Berliner in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Diesen Geist der Solidarität fordere ich ein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

Arne Piepgras fordert von der Politik ein Umdenken | Foto: BERLINboxx

 

Großteil der Kleingartenflächen im Landeseigentum

BERLINboxx: Was genau ist Ihr Plan?

AP: Zunächst einmal zu den Fakten: Die Kleingärten Berlins belegen insgesamt eine Fläche von 30 Mio. qm, von denen 20 Mio. qm im Eigentum des Landes stehen. Die übrigen 10 Mio. qm stehen meist im Eigentum von Post, Bahn und anderen großen Institutionen.

Der erste Schritt wäre, dass das Land Berlin diese 10 Mio. qm ankauft. Da es sich noch nicht um Bauland handelt und das Land über das Baurecht entscheidet, könnte der Ankauf relativ günstig erfolgen. Notfalls ist für diese Übertragung auch die Unterstützung durch den Bund einzufordern. Nach diesem ersten Schritt wären dann mehr oder weniger alle Kleingärten im Landeseigentum.

KITAS und Schulen müssen gebaut werden!

BERLINboxx: Und dann?

AP: Danach sollten alle diese Flächen nach Maßgabe eines noch zu erstellenden Masterplans einer Bebauung zugeführt werden.

So könnten 400.000 bis 600.000 bezahlbare Wohnungen entstehen, die alle im Eigentum der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften stünden. Die Mieten sollten – je nach Ausstattung und Lage – bei 6,50€/qm beginnen und 9,50€/qm nicht übersteigen.

Eine Variante wäre noch, einen Teil dieser Wohnungen günstig an Berliner Familien zu veräußern, beispielsweise für einen Quadratmeterpreis von 3.000 €. Da die Baukosten bei etwa 2.000€/ qm liegen und die Grundstücke überwiegend umsonst wären, würden den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften so Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe zufließen.

Mit einem Teil dieser Gelder könnten dann die 150 KITAS und 50 Schulen gebaut werden, die Berlin so dringend benötigt.

Man darf nicht vergessen: Der gegenwärtige Zustand ist schlicht rechtswidrig. Jede Familie mit Kind im entsprechenden Alter hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen KITA –Platz. Dieses Recht wird zurzeit in Berlin täglich 3.500 Mal gebrochen und es ist absehbar, dass sich dieser Rechtsbruch in den kommenden Jahren auf 25.000 Familien erhöhen wird. Ich halte dies für einen unsäglichen Skandal!

Bei den angedachten Preisen für die Wohnungen würde eine 100 qm Wohnung noch 300.000 € kosten, was bei den gegenwärtigen Zinsverhältnissen einen Schuldendienst von monatlich 1.000 € ausmacht. Eine solche Belastung könnten sich nach meiner Einschätzung viele Familien leisten, zumal sie heute oft eine Miete zahlen, die ähnlich hoch ist. Um die Bankfinanzierung zu erleichtern, könnte das Land im Übrigen Bürgschaften herausgeben, um etwaig fehlendes Eigenkapital zu ersetzen.

Der beste Schutz vor künftigen Mietpreissteigerungen ist immer noch die Bildung von Wohneigentum. Hier sollte das Land Berlin helfen und nicht zu dogmatisch denken.

Politik könnte Fehler der Vergangenheit korrigieren

BERLINboxx: Wie meinen Sie das?

AP: Nun, nachdem vor wenigen Jahren die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften auf Geheiß der Politik noch massenhaft Wohnungen an Privatinvestoren verscherbelt haben, gilt jetzt die Devise: Das Land Berlin verkauft gar nichts mehr, allenfalls werden Erbbaurechte vergeben!

Ich glaube: Wieder falsch! Es kann doch nicht schaden, 30 – 40 Prozent der entstehenden Wohnungen in einem großangelegten Programm gezielt Berliner Familien zum Kauf anzubieten. Die Wohnungsbaugesellschaften hätten trotzdem am Ende des Tages mehr Wohnungen im Bestand als jemals zuvor, was sich preisdämpfend auf den gesamten Markt auswirken würde und darauf kommt es an. Schließlich hätte die Politik hier die Möglichkeit, den in der Vergangenheit begangenen Fehler des Verkaufs zu korrigieren und gleichzeitig hierbei noch ein gutes Geschäft zu machen.

Insgesamt gilt, dass sich die Politik geschmeidig die Marktverhältnisse zunutze machen sollte, anstatt immer wieder untaugliche Versuche zu unternehmen, die Gesetze des Marktes zu ignorieren.

Größere Flächen gibt es in Berlin kaum noch

BERLINboxx: Viele Berlinerinnen und Berliner meinen, die Bebauung der Kleingärten sei gar nicht nötig, da genügend andere Flächen für eine Bebauung zur Verfügung stünden. Was sagen Sie dazu?

AP: Diese Annahme ist falsch! Richtig ist, dass vor 20 Jahren, als ich mit meiner Tätigkeit als Immobilienentwickler begann, es im Stadtgebiet noch viele große Flächen gab, die für eine Neubebauung zur Verfügung standen. Diese Zeiten sind aber längst vorbei, nur ist dies in den Köpfen vieler Leute noch nicht angekommen. Auch wird der Platzbedarf gewaltig unterschätzt. Für eine Schule mit Sportplatz benötigt man alleine eine Fläche von 30.000 qm. Zeigen Sie mir doch nur fünf solcher Flächen in geeigneter Lage! Sie werden es nicht können.

Nein, es bleibt dabei: Großen Problemen kann man nur mit großen Antworten begegnen und das heißt, dass eine Bebauung der Kleingärten zur Lösung der aufgetretenen Probleme unumgänglich ist. Sie wird ohnehin erfolgen, weil der Druck im Kessel sich immer mehr erhöhen wird und wir schon in wenigen Jahren chaotische Verhältnisse haben werden.

Entweder wir bauen jetzt nach einem Masterplan Berlin zu einer Gartenstadt um, oder wir fahren alle gemeinsam gegen die Wand. Betroffen werden in erster Linie die „kleinen Leute“ sein, die sich das Wohnen in der Innenstadt schlicht nicht mehr leisten werden können.

Gartenstadt Berlin?

BERLINboxx: Gartenstadt Berlin, wie meinen Sie das?

AP: Nun, ich stelle mir die Bebauung der Kleingartenflächen schon aus ökologischen Gründen sehr grün vor. Jede größere Fläche sollte neben den Wohngebäuden mit Gründächern auch einen öffentlichen Park haben. Im Übrigen könnte man sich bei der Gestaltung an den Gartenstädten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts orientieren. Hieraus könnte man auch den Kleingärtnern ein Angebot machen.

Alternativen für Kleingärtner

BERLINboxx: Wie sollte das aussehen?

AP: Zunächst: Selbst wenn sich die Politik jetzt zeitnah und ernsthaft des Themas annehmen sollte, ist mit dem Beginn von Bauarbeiten nicht vor dem Jahr 2021 zu rechnen. Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme würde nochmals 10 – 15 Jahre dauern, so das eine Vielzahl der jetzigen Kleingärtner schon aus Altersgründen von meinem Vorschlag gar nicht betroffen wäre.

Im Übrigen habe ich immer betont, das nicht angedacht ist, die Kleingärtner ohne ein Angebot von ihren Gärten zu vertreiben, wie es bislang leider häufig geschehen ist.

Ich würde allen Kleingärtnern drei Angebote unterbreiten, unter denen sie frei wählen können.

Das erste Angebot lautet: Jeder Kleingärtner erhält eine finanzielle Entschädigung, die in der Höhe abhängig ist von der Größe der Parzelle und der aufstehenden Bebauung. Nach dem Kleingartengesetz darf die Laube bekanntlich inklusive Freisitz eine maximale Größe von 24 qm haben. Die Realität sieht anders aus. Es sind in den vergangenen Jahrzehnten oftmals richtige Wohngebäude entstanden, häufig ohne Baugenehmigung, vom Brandschutz will ich gar nicht reden. Ich glaube hier wurde vom Land Berlin über Jahre gezielt weggeschaut, woraus eine Art illegaler Wildwuchs entstanden ist. Da aber – wie vorstehend vorgerechnet – bei Umsetzung meines Vorschlags genug Geld im Topf ist, sollte man hier nicht kleinlich sein und die Kleingärtner auch für Gebäude entschädigen, die nicht legal entstanden sind.

Das zweite Angebot lautet: Keine Abfindung in Geld, dafür ein Freizeitgrundstück mit 400 qm Fläche im Umland, auf den Flächen der ehemaligen Stadtgüter. Der Kaufpreis würde symbolische 1.000€ betragen, die Kleingärtner wären nicht mehr Pächter, sondern Eigentümer und könnten dieses Eigentum von Generation zu Generation weitergeben.

Das dritte Angebot ist vielleicht für viele Kleingärtner das interessanteste: Keine Abfindung in Geld und auch kein Ersatzgrundstück vor den Toren der Stadt, sondern Anmietung (oder Ankauf) einer Parterrewohnung in den entstehenden Wohngebäuden, mit vorgelagertem Garten, der je nach Größe der Wohnung zwischen 80 und 120 qm groß sein sollte. Das reicht für das Gemüsebeet und die Hollywoodschaukel und der Grill haben auch noch Platz. Miete: 6,50€/qm auf 20 Jahre fest oder Kauf mit dem Kleingärtnerrabatt für 2.700€/qm.

Berlin als Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland

BERLINboxx: Das hört sich alles so einfach an!

AP: Es ist so einfach! Alles was es braucht, ist der Mut für eine große Lösung, die dann durchaus die Blaupause für alle Ballungsgebiete in Deutschland sein könnte. Die Berliner Politiker haben die einmalige Chance zu beweisen, dass sie zu einer klugen und vorausschauenden Politik bereit und in der Lage sind. Bislang zeigte sich die Politik allerdings als mut- und kraftlos und was am allerschlimmsten ist, als völlig phantasielos. Man erstarrt in Angst vor dem Widerstand der Kleingärtner, statt die Chancen zu nutzen, die sich aus den riesigen Bauflächen ergeben. Wir sollten dankbar sein, dass wir über diese Flächen verfügen, die den Umbau der Stadt zu einem viel besseren Ort ermöglichen.

Steuergelder für den Erwerb von Häusern?

BERLINboxx: Sind Sie nicht etwas ungerecht? Schließlich ist angedacht, die einstöckigen Supermärkte mit Wohnungen zu überbauen und der Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt übt in den Millieuschutzgebieten massenhaft das Vorkaufsrecht der Gemeinde aus. Sind dies keine Lösungen für das Problem?

AP: Mit Entschiedenheit: nein! Die Überbauung von Supermärkten ist schon aus statischen Gründen kaum möglich, möglich wäre allenfalls ein Abriss und eine folgende Neubebauung. Da ich selber als Projektentwickler 15 Supermärkte in Berlin gebaut habe, weiß ich mit Gewissheit, dass die profitorientierten privaten Betreiber niemals auf die ebenerdigen PKW-Stellplätze verzichten werden, da diese ganz entscheidend den Umsatz bestimmen. Die neuen Wohnungen befänden sich also auf einer Stellplatzanlage und morgens 6 Uhr kommt der Liefer-LKW! Wohnqualität sieht anders aus, Gartenstädte finde ich besser.

Und was Herrn Baustadtrat Florian Schmidt betrifft, so ist festzuhalten, dass er viele Millionen Steuergelder in die Hand nimmt, um damit Häuser in Milieuschutzgebieten zu erwerben. Ich halte dieses Verhalten für rechtlich problematisch, zumal so nicht eine einzige Wohnung zusätzlich entsteht und es in Milieuschutzgebieten auch andere Möglichkeiten gibt, die Spekulation zu begrenzen. Beispielsweise dadurch, dass man die Aufteilung in Wohneigentum untersagt. Ich halte das, was hier geschieht für eine Veruntreuung von Steuergeldern. Herr Schmidt handelt bestimmt mit besten sozialen Absichten, aber bekanntlich ist das Gegenteil von „gut“ nicht „schlecht“, sondern „gut gemeint“. Diese Symbolpolitik des Herrn Schmidt kommt den Berliner Haushalt teuer zu stehen.

Lösung Tempelhofer Feld?

BERLINboxx: Und die Bebauung des Tempelhofer Feldes?

AP: Eine Bebauung wäre sicher wünschenswert, wobei ich kein Freund von halben Sachen bin. Das Gelände hat eine Größe von 3 Millionen qm. Auf 20 Prozent hiervon, sprich auf 600.000 qm, könnte man einen zentralen Park bauen. Den Rest würde ich wiederum als Gartenstadt gestalten, mit viel Grün und damit verbunden viel Lebensqualität für die Bürger. Von einer bloßen Randbebauung, wie sie in letzter Zeit vorgeschlagen wird, halte ich gar nichts.

Im Übrigen nochmals: Berlin hat nicht nur ein Wohnungsproblem, sondern auch ein damit verbundenes Infrastrukturproblem. Neben Wohnungen brauchen wir dringend KITAS und Schulen in Größenordnungen und die sollten sinnvoller Weise über das ganze Stadtgebiet verteilt sein. Das kann das Tempelhofer Feld allein nicht leisten.

BERLINboxx: Wollen Sie den Berliner Politikern noch etwas auf den Weg geben?

AP: Macht mal hinne, die Zeit drängt! (red)

 

EXPO REAL 2018: Themen, Trends, Rekorde

Im Herbst ist EXPO-Zeit! Europas größte B2B-Fachmesse konnte auch in diesem Jahr wieder neue Rekorde aufstellen: Rund 45.000 Besucher (6,6 Prozent mehr als im Vorjahr) besuchten die Stände von fast 2.100 Ausstellern auf der EXPO REAL in München.

Zwischen dem 08. und 10. Oktober strömten Fachleute, Planer, Ingenieure, Städtebauer, Finanzinstitute, Vertreter der Städte, Makler und Berater aus aller Welt in die bayrische Landeshauptstadt, um ihre Ideen und Projekte zu präsentieren. Die Besucher kamen aus insgesamt 72 Ländern und repräsentierten sämtliche bedeutende Metropolregionen. Neu dabei waren Immobilienstandorte wie Liverpool oder Sofia, was die expandierende Tendenz der Messe verdeutlicht. Grundsätzlich zeigten all die Rekorde vor allem eines: Die Immobilienwirtschaft boomt nach wie vor. Seit Jahren befindet sie sich im Aufschwung und ein Ende der Party ist nicht in Sicht.

Hauptstadtregion stark vertreten

Berlin und Brandenburg waren auf der EXPO REAL wieder stark repräsentiert. Am Gemeinschaftsstand der Hauptstadtregion stellten 50 Partnerunternehmen aus Projektentwicklung, Consulting, Förderung und Facility Management ihre Projekte und Dienstleistungen vor. Zudem kamen viele Berliner Fachbesucher nach München, um die einmalige Networkinggelegenheit zu nutzen.

Die Podiumsdiskussionen auf dem Berlin-Stand machten eins deutlich: In Berlin passiert viel, die Stadt verändert sich fortlaufend. Außerdem erfreut sie sich nach wie vor großer Beliebtheit. „Wenn es so weiterläuft, wird das Wachstum der Stadt von den Menschen getrieben, die in der Stadt leben und arbeiten wollen und die Spaß an Berlin haben. Unternehmen, die zukunftsgewandte Projekte realisieren wollen, finden die dafür benötigten Menschen in Berlin. Das ist positiv und verändert Berlin“, so Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, auf der Messe.

Inspirierendes Stadtquartier

Doch um den Zuzug von Privatpersonen und Unternehmen sowie die damit verbundene Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen befriedigen zu können, muss noch mehr geschehen. Die Devise lautet: Bauen, bauen, bauen! Ein Beispiel für ein neues Stadtquartier, bei dem das Thema „Neues Arbeiten“ eine wichtige Rolle spielt, ist die Urbane Mitte am Gleisdreieck der COPRO AG. Hier entstehen bis 2025 sieben Gebäude mit Höhen zwischen 25m und 90m, in denen alle Aspekte des idealen Lebens und Arbeitens harmonisch vereint werden: Neues Arbeiten, Mobilität, geförderte Kunst und Kultur, Innovation sowie Digitalisierung schaffen ein Stadtquartier mit hoher sozialer Verantwortung.

Das Quartier zeichnet sich vor allem auch durch seine besondere Verkehrsanbindung aus. Neben zwei U-Bahnlinien (U1 und U2) gibt es eine direkte Anbindung an den Fernradweg. Außerdem soll hier ein S-Bahnhof der Linie S21 (City-S-Bahn) entstehen, wodurch das Projekt zu einem herausragenden ÖPNV-Verkehrsknotenpunkt von Berlin wird.

Marc F. Kimmich, Vorstand der COPRO AG, stellte auf der Messe sein Pionierprojekt B-Part vor, das im Februar 2019 eröffnen wird und einen Ausblick erlaubt auf die Kreativ und Innovationskraft des geplanten Quartiers. B-Part ist ein Labor für das ideale Stadtquartier der Zukunft. Auf 1.000 Quadratmetern bietet das temporäre Holzgebäude direkt am Park am Gleisdreieck Raum für alle, die mit neuen Formen von Leben und Arbeiten in der sich wandelnden Stadt experimentieren wollen. Im von St. Oberholz gemanagten Coworking-Bereich entstehen rund 100 Plätze für flexibles Arbeiten. Ein öffentliches Café, Ausstellungen, Kunst und Kultur, Panels und Publikationen zu Urban Future-Themen stehen im B-Part für Kollaboration und Partizipation. Kimmich ist sicher, dass viele Innovationsfelder, die im B-Part einen Blick auf die Zukunft erlauben, auch im Projekt Urbane Mitte Berlin am Gleisdreieck zur Anwendung kommen und das Stadtquartier damit zu einem Innovationstreiber machen.

Auf dem Foto (v.l.n.r.) Bernd Duda, Leiter der Geschäftsstelle Berlin, Berlin Hyp AG; Marc F. Kimmich, Vorstand, COPRO AG; Dorothee Wetzler-Stöbe, Moderatorin; Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen | Foto: Business Network

Auf dem Foto (v.l.n.r.) Bernd Duda, Leiter der Geschäftsstelle Berlin der Berlin Hyp AG; Marc F. Kimmich, Vorstand der COPRO AG; Dorothee Wetzler-Stöbe, Moderatorin; Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen | Foto: Business Network

Topaktuelle Diskussionen

Im Zuge der dreitägigen Messe hatten alle Teilnehmer ausreichend Gelegenheit, um über aktuelle Themen der Baubranche zu diskutieren. Die „soziale Frage unserer Zeit“, der Wohnungsmangel in Deutschland, gehörte zu den meistdiskutierten nationalen Schwerpunkten. Gunther Adler, Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, sprach sich für die Relevanz neuer Lösungen und Maßnahmen aus: „Mit einem gemeinsamen Maßnahmenpaket von Bund, Ländern, Kommunen und Verbänden müssen wir die soziale Frage angehen.“

Wenig überraschend war die Kritik an der Politik der Bundesregierung, die auf der EXPO REAL laut wurde. Die Baubranche beklagte stockende Genehmigungsprozesse und einschränkende Auflagen. „Statt auf eine weitere Verschärfung des Mietrechts sollte sich die Politik in erster Linie auf die Beschleunigung von Planungs- und Baugenehmigungsprozessen konzentrieren“, bemängelte Andreas Mattner, Präsident des ZIA. Trotz des Wohnungsmangels ist der deutsche Wohnportfoliotransaktionsmarkt auf dem Weg, sein zweitbestes Ergebnis in den vergangenen zehn Jahren einzufahren. Auf beachtliche 14,7 Milliarden Euro summiert sich das Volumen des bisherigen Jahresverlaufes. Das ging aus einer Analyse des Immobilienberatungsunternehmens NAI Apollo hervor.

Der Schweizer Projektentwickler SSN Group, der vorwiegend in deutschen Metropolregionen aktiv ist, sieht eine große Chance für die Zukunft in der Entwicklung ganzer Quartiere. Er stellte sein Milestone-Projekt VAI Campus in Stuttgart vor. „Die Entwicklung von Quartieren stellt uns als Entwickler vor ganz besondere Herausforderungen. Kurz gesagt: Vielfalt, Nachhaltigkeit und Qualität sind aus meiner Sicht die entscheidenden Faktoren für die Quartiersentwicklung der Zukunft“, so SSN CEO Michael Tockweiler.

Die SSN Group bei der Vorstellung ihres Projekts

Die SSN Group bei der Vorstellung des Projekts in Stuttgart | Foto: SSN Group

Digitalisierung bietet großes Potenzial

Einig waren sich die Fachbesucher allerdings bei einem anderen Thema: Digitalisierung. Dazu präsentierten mehr als 60 junge Technologieunternehmen ihre Innovationen im Real Estate Innovation Forum (REIN) auf der EXPO REAL. Um auf den aktuellen Trend zu reagieren, erweiterten die Veranstalter den Umfang des REINs in diesem Jahr. Wolfgang Moderegger, REIN-Gründer und -Initiator erklärte: „Mit dem Real Estate Innovation Network ist es uns gelungen, ein europäisches Ökosystem für Innovationen in der Immobilienbranche aufzubauen.“

Auch über das REIN hinaus war das Thema Digitalisierung in allen Bereichen der Messe vertreten. „Daten sind der Wert der Zukunft. Die Immobilienwirtschaft befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium der Digitalisierung“, sagte Stefan Lutz, CEO von IBM Deutschland, auf der Messe. Pilotprojekte großer Unternehmen, wie das erste vollständig digital geplante und realisierte BIM-Projekt der CG Gruppe in Erfurt, verdeutlichen das Potenzial der Digitalisierung für das Baugewerbe. „Durch die neuen Technologien können Fehler frühzeitig erkannt und behoben werden, was Kosten spart und die Qualität steigert“, erklärte Christoph Gröner, der Vorstand und Gründer der CG Gruppe bei deren Empfang auf der EXPO REAL. Immobilienpionier Siegfried Nehls, Vorstand und Gründer des Berliner Projektentwicklers SANUS AG, fasste zusammen: „Die Ideen sind alle da – wir müssen sie nur umsetzen!“

Immobilienexperte Christoph Gröner auf der Veranstaltung Der Berliner Wohnungsmarkt aus Expertensicht | Foto: Runze & Casper

Die EXPO REAL als Ort zum Networking

Neben vielfältigen Fachgesprächen war Networking wieder ein zentraler Bestandteil der EXPO REAL.  „Zahlreiche Start-ups haben Kooperationspartner und Investoren gefunden“, freute sich Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung von Messe München. Denn ein Vorteil der EXPO REAL, im Vergleich zu anderen Immobilienmessen ist, dass sie das gesamte Spektrum der Immobilienwirtschaft abbildet. Und somit ist sie Ideal für Start-ups, die Investoren suchen.

Die Berliner Immobilienexperten von Berkshire Hathaway HomeServices Rubina Real Estate nutzen die Messe, um ihr internationales Netzwerk weiter auszubauen. Sie sprachen mit den Kollegen von Lennar International aus den USA. Topthema: Natürlich der Berliner Immobilienmarkt, der längst auch für US-Anleger zu den weltweiten Hotspots zählt.

Foto: Rony Tamayo (r.), Vice President international Lennar International, Carsten Heinrich (2.v.r.), CEO Berkshire Hathaway HomeServices Rubina Real Estate, Oliver Diethert (2.v.l.), Head of Akquisition Hathaway HomeServices Rubina Real Estate) und Chris Riebold (l.), Strategic Advisor Lennar International | Foto: Berkshire Hathaway HomeServices Rubina Real Estate

Zudem können sich die Teilnehmer über strukturelle Veränderungen in allen Bereichen der Branche austauschen. „Das auf Sachwerte abzielende institutionelle Kapital steigt an. Wir befinden uns in der Reifephase des klassischen Immobilienzyklus – und wir sehen große strukturelle Veränderungen durch den demografischen Wandel und bei der Nutzung von physischen Räumen“, fasste John O’Driscoll, European Head of Transactions bei AXA IM – Real Assets, die Gesamtsituation der Immobilienwirtschaft zusammen. Trotz der weltweiten Reifephase im Konjunkturzyklus stieg die Investitionstätigkeit auf dem Weltmarkt der aktuellen Studie „Winning in Growth Cities“ zufolge auf grandiose 1,8 Billionen US-Dollar.

Es zeigt sich: Auch in diesem Jahr war die EXPO REAL in München der Treffpunkt für das Who is Who der Immobilienwirtschaft. Trotz dunkler Wolken am Himmel war die Stimmung gelöst. Insbesondere im Zusammenhang mit der lange aufgeschobenen Digitalisierung der Branche zeigt sich endlich wahrer Pioniergeist. Was daraus wird – auf der EXPO REAL 2019 gibt es ganz sicher Antworten! (red)

Zu wenig Bauland verschärft Lage am Wohnungsmarkt

Der Berliner Wohnungsmarkt ist weiterhin sehr angespannt. Es fehlen Wohnungen in hoher Zahl, darunter in erster Linie preiswerte Mietwohnungen. Angebotsdefizite auf hohem Niveau bestehen auch im mittleren  Mietsegment. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Das sind die zentralen Befunde des „IBB Wohnungsmarktbarometer 2018“. Rund 200 Expertinnen und Experten des Berliner Wohnungsmarktes geben darin ihre Einschätzungen zur Lage am Berliner Wohnungsmarkt  ab. Als die größten Probleme am Mietwohnungsmarkt identifizieren die Befragten die Baulandknappheit, die steigenden Nettokaltmieten und den Widerstand gegen neue Bauvorhaben. Die Baulandknappheit gewinnt bei den genannten Problemlagen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal an Relevanz. Für zwei Drittel der Experten steht die Baulandfrage an oberster Stelle.

Jede fertiggestellte Wohnung zählt auf dem Wohnungsmarkt

In der aktuellen Situation zählt jede fertiggestellte Wohnung. Doch seit geraumer Zeit werden deutlich mehr Wohnungen genehmigt als fertiggestellt. Welche Gründe gibt es für diese Diskrepanz? „Besonders häufig nennen die Befragten spekulative Absichten, aber auch Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft, komplexe Bauvorschriften oder Widerstände gegen neue Bauvorhaben“, sagt Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der Investitionsbank Berlin (IBB). „Durch Gründe wie diese wird der dringend benötigte zusätzliche Wohnraum nur deutlich zeitversetzt oder gar nicht realisiert.“

Mehr private Investoren gesucht

Leistet der öffentlich geförderte Mietwohnungsbau einen Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes? Hier ist das Meinungsbild der Experten gespalten. Jeder zweite Befragte misst dem öffentlich geförderten Mietwohnungsbau einen mittleren bis sehr großen Beitrag zur Marktentlastung bei, die andere Hälfte allerdings nur einen geringen bzw. gar keinen. Als Gründe hierfür wurden vor allem die geringen Fertigstellungszahlen bzw. der zu geringe Anteil am aktuellen Neubau genannt. Diese dringend benötigten Wohnungen entstehen bisher vor allem durch die Aktivitäten der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. „Beim geförderten Mietwohnungsbau brauchen wir auch einen größeren Beitrag der privaten Investoren. Wir suchen daher gezielt diese Zusammenarbeit, um zu einer breiteren Entlastung des Wohnungsmarktes zu kommen“, erklärt Dr. Jürgen Allerkamp.

Weiter Eigentumswohnungen gefragt

Beim Wohneigentum  werden  besondere Bedarfe weiterhin für Eigentumswohnungen gesehen. Im Miet- wie im Eigentumsbereich sind vor allem Wohnungen im unteren und mittleren  Preissegment von Bedeutung. Gefragt sind dabei kompakte bis mittelgroße Wohnungen.

Das Investitionsklima für den Neubau von Wohnraum sowie für Bestandsmaßnahmen und den Erwerb bestehenden Wohnraums  schätzen die Wohnungsmarktexperten derzeit positiv ein. Im Ausblick gehen sie jedoch in allen Segmenten von nennenswerten Eintrübungen aus. Das beste Investitionsklima besteht gegenwärtig für den Neubau von Eigentumswohnungen. (red)

Digitales Bauen auf der EXPO: Wegbereiter CG Gruppe

Es ist wieder so weit: Die EXPO REAL, Europas größte B2B-Fachmesse für Immobilien und Investitionen, lockt auch dieses Jahr Tausende Besucher in die bayerische Landeshauptstadt. Hier treffen sich die Fachleute, Planer, Ingenieure, Städtebauer, Finanzinstitute, Vertreter der Städte, Makler und Berater aus aller Welt, um ihre Ideen und Projekte zu präsentieren. Mit über 40.000 Teilnehmern aus 75 Ländern ist die EXPO REAL Treffpunkt der gesamten Wertschöpfungskette der Immobilienbranche. In diesem Jahr kann die Messeleitung wieder einen neuen Rekord vermelden: Mit 2.041 Ausstellern sind rund 40 mehr vertreten als noch im Vorjahr. Zum ersten Mal dabei sind Aviva Investors, der Managementarm des britischen Versicherungskonzerns Aviva, der US-Immobilienmanager Heitman und das Immobilienberatungsunternehmen Avison Young.

Highlight: Empfang der CG Gruppe

Ein Highlight der diesjährigen EXPO steht jetzt bereits fest. Auf dem Empfang der CG Gruppe, dem größten Mietwohnungsentwickler Deutschlands, ging es auf dem hochkarätig besetzten Podium um eines der dringlichsten Themen der Immobilienwelt. Stichwort: BIM und digitales Bauen. Wolfgang Tiefensee (Wirtschaftsminister Thüringen) Thomas Geisel (Oberbürgermeister Düsseldorf) und GASAG-Chef Gerhard Holtmeier diskutierten mit Christoph Gröner, Vorstand und Gründer der CG Gruppe, über den Wohnungsbau der Zukunft.

Christoph Gröner wurde seinem Ruf als der unumstrittene Treiber und Innovator der Immobilienbranche gerecht. So betonte er erneut, dass die CG Gruppe angemessenen Wohnraum für alle schaffen will. „Um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, müssen die Digitalisierung und die Industrialisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft deutlich vorangetrieben werden“, so Gröner. Der Gründer der CG Gruppe ist überzeugt, dass BIM (Building Information Modeling) zum Selbstverständnis der Bau- und Immobilienindustrie gehören muss. Das Ziel, die Produktion von Wohnflächen ohne Abstriche an der Qualität industriell zu schaffen, könne nur durch BIM gelingen. Denn durch das digitale Verfahren seien Transparenz und Darstellbarkeit gewährleistet.

Innovator der Immobilienbrnache Christoph Gröner. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

Vordenker Christoph Gröner. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

BIM-Pilotprojekt der CG Gruppe

Gröner hat bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er seinen Worten auch Taten folgen lässt. Erst vor wenigen Tagen gab die CG Gruppe bekannt, dass sie das Bahrenfelder Carré in Hamburg als BIM-Pilotprojekt realisiert. Es ist damit das erste Projekt der CG Gruppe, dessen Prozesskette von der Planung bis zur Bauausführung vollkommen digital ist. „BIM ist der Schlüssel für innovatives, schnelles, kostengünstiges Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien“, so Gröner.

Einen weiteren Schlüssel zur Zukunft des Bauens sieht Christoph Gröner außerdem in der Vorfertigung von Bauteilen:„Bei guter Planung wäre ein Haus mit Fertigteilen in einem Viertel der Zeit gebaut. Wenn dann auch die Innenwände noch als Teilfertigwände erstellt würden, dann wäre ein Haus ohne irgendwelche qualitativen Einbußen in sechs bis neun Monaten gebaut.“ Laut Gröner kann die Vorfertigung die Produktivität um das Sechsfache erhöhen. Wenn in der Halle vorproduziert wird, auch mithilfe von Robotern, könne der Lohnanteil am fertigen Gebäude um bis zu 60 Prozent reduzieren werden.

Fertigteilwerk in Erfurt

In Erfurt baut die Unternehmensgruppe gerade ein Fertigteilwerk. Hier sollen ab dem kommenden Jahr die ersten Fertigteile vom Band laufen, und zwar Betonwände und -decken, alles ab der Bodenplatte. Bei bis zu 97 % Vorfertigung sei dann kaum noch Handarbeit nötig. Bis zu 2000 Wohnungen sollen auf diese Weise jährlich gebaut werden können. Die Gefahr der Typisierung und der Wiederholung sieht Gröner nicht. Im Gegenteil: „Weil wir hier in Mitteleuropa eine Stadtentwicklung pflegen, sollte in der Stadt alles aufeinander abgestimmt sein, beispielsweise die Fassaden. Das entspricht unserer Wohnkultur, wir brauchen Vielfalt.“

Bei der Digitalisierung müsse die Politik eine Vorreiterrolle spielen, beispielsweise bei Bauanträgen. Wenn Genehmigungsverfahren digitalisiert würden, so Gröner, könnten die Sachbearbeiter das Doppelte abarbeiten. Aber: „Die Digitalisierung wird von der Politik leider vernachlässigt.“

Thomas Geisel, OB Düsseldorf. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

Thomas Geisel, OB Düsseldorf. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

Laut Thomas Geisel, OB Düsseldorf, „kann man die digitale Transformation der Immobilienbranche von den Verwaltungen nicht erwarten. Da müssen innovative Unternehmen wie die CG Gruppe nach vorne.“

Digitale Baubranche ist in Asien schon viel weiter

Dabei schaut Christoph Gröner schon lange über den Tellerrand hinaus. Er sprach über die aktuellen Entwicklungen der digitalen Baubranche in Hongkong und Singapur: „Dort ist man schon jetzt viel weiter und erhält auch staatliche Förderung.“

Feiern und Networken gehören auf der EXPO dazu. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

Feiern und Networken gehören auf der EXPO dazu. Foto: Cathleen Herwarth von Bittenfeld

Auf der EXPO REAL ist das Thema jedenfalls längst angekommen. Real-Estate-IT spielt hier eine immer größere Rolle. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr mit dem Real Estate Innovation Network Forum sind in diesem Jahr knapp 40 Startups sowie auch bereits etablierte PropTech-Unternehmen versammelt. Hier finden die Diskussionen über Entwicklungen und Trends in den verschiedenen Bereichen der Immobilienwirtschaft statt. Dabei bleibt zu hoffen, dass sich weitere Akteure aus der Branche ein Beispiel an der CG Gruppe nehmen. So könnten sie Ideen und Vision wahr werden lassen, um der Immobilienwelt die notwendigen Impulse für die Zukunft liefern. (ak)

 

 

Innovativ, digital, effizient: Zukunftsweisendes BIM-Projekt

In Hamburg errichtet die CG Gruppe gemeinsam mit der Zechbau GmbH das Bahrenfelder Carré. Im attraktiv durchmischten Stadtquartier sollen über 16.500 Quadratmeter Wohnfläche, davon 4.070 Quadratmeter geförderter Wohnraum, zur Verfügung stehen. Zudem beinhaltet die Planung weitere 2.650 Quadratmeter Gewerbefläche. Die Besonderheit des Projektes: Die Realisierung und Planung des Bauvorhabens erfolgt durch BIM (Building Information Modeling).

BIM Building Information Modeling

„BIM ist der Schlüssel für innovatives, schnelles, kostengünstiges Planen, Bauen und Betreiben von Immobilien. In der Zusammenarbeit mit der Zechbau GmbH werden wir bei diesem Projekt neue technologische Maßstäbe setzen und diese bei unseren deutschlandweiten Projektentwicklungen kontinuierlich weiter ausbauen“, sagt Jürgen Kutz, Vorstand der CG Gruppe.
Als BIM-Pilotprojekt der CG Gruppe ist die Planung und Realisierung des Bahrenfelder Carré vollkommen digital. Wurden Entwürfe bisher vor allem gezeichnet, verlegt BIM die Planungen von Architekten, Ingenieuren und Technikern in den virtuellen Raum des 3D-Gebäudemodells. Alle Gebäudeparameter und Bauteilinformationen fließen hier zusammen. Somit stehen sie allen Beteiligten nachfolgend zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung. Kongruenzprobleme sind so nicht erst auf der Baustelle feststellbar: Durch eine detaillierte Entschlüsselung in der Planungsphase können Fehler frühzeitig erkannt und ausgeräumt werden. Das spart Zeit und somit Kosten bei gleichzeitig hoher Qualität und Individualität des Gebäudes.

 

Die Baugrube des mit BIM geplantenBahrenfelder Carré. Bildquelle: CG Gruppe

Die Baugrube des mit BIM geplanten Bahrenfelder Carré. Bildquelle: CG Gruppe

 

Fertigstellung des Quartiers Anfang 2021

Die Arbeiten in Bahrenfeld sind bereits in vollem Gang: Die Erd- und Tiefbauarbeiten sind abgeschlossen, die Baugrube steht kurz vor der Fertigstellung. Mit dem Bahrenfelder Carré entstehen rund um einen intensiv begrünten, ruhigen Innenbereich Wohn- und Geschäftshäuser. Sie beinhalten insgesamt 289 freifinanzierte und geförderte 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen zur Miete sowie Gewerbeflächen für Einzelhandel. Für diese sind bereits Mietverträge mit Einzelhändlern aus den Segmenten Lebensmittel und Drogerie sowie einem Kreditinstitut abgeschlossen. Die Fertigstellung des Quartiers ist für Februar 2021 geplant. (red)

Berliner Büromarkt: Leerstandsquote sinkt weiter

Zum Ende des dritten Quartals erreicht der bisherige Flächenumsatz des Jahres 2018 auf dem Berliner Büromarkt 591.200 Quadratmeter. Er liegt damit 16 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres von 704.000 Quadratmetern. So stellt es Cushman & Wakefield in seiner aktuellen Büromarktstudie fest. Das Vermietungsvolumen bleibt mit dem erzielten Resultat jedoch auf einem hohen Niveau: Der Flächenumsatz übertrifft den Fünfjahresdurchschnitt für den Vergleichszeitraum der ersten drei Quartale um neun Prozent. Um ganze 28 Prozent übertrifft es sogar den langjährigen Zehnjahresdurchschnitt.

Angebotsmangel auf dem Büromarkt

Flächenanmietungen von Flexible-Workspace-Anbietern bleiben bislang unter dem Niveau des Vorjahres. Wurden in den ersten neun Monaten 2017 rund 26.000 Quadratmeter vermietet, so waren es im aktuellen Jahr nur 20.800 Quadratmeter. Weitere Gesuche sind im Markt vorhanden, doch wird es für die Anbieter schwerer, geeignete Flächen für ihre Konzepte zu finden. Ein Jahresumsatz wie im letzten Jahr, als 65.000 Quadratmeter für Flexible-Workspace-Flächen umgeschlagen wurden, ist für das Jahr 2018 eher unwahrscheinlich.

Als hemmender Faktor für den Flächenumsatz wirkt auch das stetig geringer werdende Flächenangebot im Bestand. Ende des dritten Quartals erreicht der Leerstand einen neuen Tiefstand von 307.200 Quadratmetern. Die Leerstandsquote beträgt Ende September lediglich 1,6 Prozent, zum Ende des Halbjahres waren es noch 2,2 Prozent. In den stark nachgefragten zentralen Lagen Berlins ist der Büromarkt noch angespannter. Hier sind nur noch rund 89.000 Quadratmeter für einen kurzfristigen Bezug verfügbar. Ein ähnlich niedriges Leerstandniveau gab es in Berlin zuletzt Anfang der 1990er-Jahre.

Großnutzer bevorzugt

Antje Helmer, Associate Director bei Cushman & Wakefield in Berlin, sagt: „Insbesondere für Nutzer, die Flächen im Segment unter 1.000 Quadratmetern suchen, ist es kaum noch möglich, kurzfristig geeignete Flächen zu finden. Während Großnutzer mit einem längeren Planungshorizont auf Projektentwicklungen ausweichen, ist eine Wartezeit von mehreren Jahren für kleinere Unternehmen keine Option. Zudem bevorzugen Eigentümer in der Regel zunächst die Anfragen von Großnutzern, bevor sie kleinteilige Flächen in ihren Projektentwicklungen anbieten.“ Dieser Trend war auch im dritten Quartal zu beobachten: Sechs der sieben Verträge über mehr als 5.000 Quadratmeter Bürofläche wurden als Vorvermietungen in Projektentwicklungen unterzeichnet. Im Gesamtjahr war dies bei zehn von 15 Verträgen in dieser Größenklasse der Fall.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Flächen in Neubauprojekten vom Büromarkt bereits absorbiert ist. Für die Flächen, die bis zum Jahresende fertig gestellt werden sollen (rund 42.000 Quadratmeter), beträgt die Vorvermietungsquote 75 Prozent. Von den mehr als 600.000 Quadratmetern neuer Büroflächen, die für 2019 erwartet werden, sind bereits heute mehr als 60 Prozent vermietet.

Durchschnitts- und Spitzenmieten steigen weiter

Der Wettbewerb um die knappen Flächen spiegelt sich in der Mietpreisentwicklung wider: Die nachhaltig erzielbare Spitzenmiete ist in den letzten zwölf Monaten um 4,50 Euro auf jetzt 32,00 Euro pro Quadratmeter und Monat gestiegen.

„Für besondere Flächen, wie zum Beispiel in den oberen Etagen des Office Towers Upper West, liegen die Preise mittlerweile deutlich über der Spitzenmiete von 32 Euro. Es ist davon auszugehen, dass für Bürotürme, die zukünftig an den Markt kommen, wie beispielsweise am Hauptbahnhof und in der MediaSpree, im Einzelfall Mietabschlüsse von mehr als 40 Euro pro Quadratmeter im Monat möglich sind. Der Wettbewerb um diese Flächen wird die Spitzenmiete weiter in die Höhe treiben“, so Antje Helmer.

Auch die über alle Neuabschlüsse der letzten zwölf Monate gewichtete Durchschnittsmiete befindet sich weiterhin im Aufwind. Sie notiert aktuell bei 19,70 Euro pro Quadratmeter und Monat. In den zentralen Bürolagen ergibt sich ein Durchschnittswert von 23,30 Euro monatlicher Quadratmetermiete. Damit spannt sich die Situation auf dem Büromarkt zunehmend an. (red)

ÜBerlin – Verkauf im Steglitzer Kreisel hat begonnen

Die Baumaßnahmen an der weit über Berlin hinaus sichtbaren Landmark am Steglitzer Kreisel laufen bereits auf Hochtouren. Ab sofort können interessierte Käufer im neu eröffneten Infopoint an der Schloßstraße 80 alle Details zu ÜBerlin mit seinen 330 Wohneinheiten erfahren.

Jürgen Kutz, Vorstand der CG Gruppe AG, freut sich über die Eröffnung: „Wir haben bereits eine lange Liste von Reservierungen. Nun sind die komplexen Vorbereitungen zum offiziellen Vertriebsstart planmäßig erfüllt. Damit können wir den von den Interessenten ersehnten Startschuss zum Verkauf geben.“

 

Der ÜBerlin Tower. | Foto: bloomimages

 

Internationale Nachfrage für ÜBerlin

Unterschiedliche Lagen und Größen der Wohnungen im ÜBerlin von 46 – 230 m² bieten Erwerbsmöglichkeiten für ein breites Spektrum von Eigentümern. Das zeigt sich bereits an der Resonanz: Die Käuferanfragen zum ÜBerlin stammen nicht nur von Interessenten aus Berlin und dem gesamten Bundesgebiet. Auch international stößt das einzigartige Projekt auf große Nachfrage.

Infopoint vor Ort

Dazu der verantwortliche Objektleiter Vertrieb Lars Kittelmann: „Ich bin begeistert, mit wieviel Herzblut die Interessenten aus Berlin und darüber hinaus an unserem außergewöhnlichen Projekt teilhaben. Gerne beraten wir Käufer in allen relevanten Fragen in unserem neuen Infopoint vor Ort.“

 

Vertrieb für ÜBerlin ist gestartet. Foto: CG Gruppe

Vertrieb für ÜBerlin ist gestartet. | Foto: CG Gruppe

 

Mit der in Kürze beginnenden Abnahme der alten Fassadenteile des Hochhauses wird die Transformation des Steglitzer Kreisels zu ÜBerlin auch äußerlich erlebbar. (ak)

Jörg Thiele zum neuen VBI-Präsidenten gewählt

In den vergangenen Wochen formierte der Verband beratender Ingenieure (VBI) eine neue Verbandsführung. Zum neuen Präsidenten wurde Dipl.-Ing. Jörg Thiele, Vorsitzender der Geschäftsführung der Iproplan Planungsgesellschaft mbH aus Chemnitz in Sachsen, gewählt. Damit tritt er in die Fußstapfen von Dr.-Ing. Volker Cornelius, der zuvor das Amt 15 Jahre lang ausführte und nicht erneut kandidierte.

Als Verband unabhängiger Ingenieure ist der VBI in beratender und planender Position tätig. Derzeitig gehören ihm etwa 2.000 Mitglieder an, die in ihren Unternehmen rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigen. Besonderen Fokus legt der VBI auf einen fairen Leistungswettbewerb und die freie Berufsausübung von Ingenieuren. Zu diesem Zweck bündelt er technische, wirtschaftliche und ökologische Interessen der Mitglieder und berät entsprechend Politik und Wirtschaft.

Thiele: Ein Mann, viele Ämter

Vor seiner Wahl zum Präsidenten war Thiele schon für die Verbandsspitze tätig. Bereits seit 2009 vertrat er die Interessen der Mitglieder als Vizepräsident. Seine Stelle als Vizepräsident nimmt nun Dr.-Ing. Peter Warnecke (Assmann Beraten + Planen GmbH) in Zusammenarbeit mit dem zweiten Vizepräsidenten Dr.-Ing. Joachim Knüpfer (HPC AG) ein.

Neben seiner Tätigkeit als Vorstand des VBI vertritt Thiele den Verband auch im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Als Mitglied des Wirtschaftsbeirats der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie als Mitglied des Fachbeirates der Germany Trade & Invest (gtai) setzt Thiele sich weiter für die Interessen der unabhängigen Ingenieure in Wirtschaft und Politik ein. Darüber hinaus gehört er dem Hochschulrat der Technischen Universität Dresden an und engagiert sich dort für die gute Ausbildung der Ingenieure von Morgen.

 

VBI-Präsident Jörg Thiele | Foto: Ines Escherich

VBI-Präsident Jörg Thiele | Foto: Ines Escherich

Mietgliederinteressen als Führungskompass

Zentraler Bestandteil der Verbandsarbeit sollen, Thiele zufolge, weiterhin die Interessen der Vereinsmitglieder sein. In seiner Antrittsrede erklärte der frisch gewählte Präsident, er wolle „den VBI als führenden Wirtschaftsverband und als attraktives Netzwerk der planenden und beratenden Ingenieurunternehmen in Deutschland weiter voranbringen“. Da alle Mitglieder als unabhängige Ingenieure tätig sind, ist es nur logisch, dass auch die Interessen ihrer Unternehmen im Fokus der Vereinsarbeit stehen. Thiele setzt sich dafür ein, den „Mitgliedsunternehmen mehr Hilfestellung dabei zu geben, neue Märkte und Kunden zu erschließen.“ Das beinhaltet die Schaffung fairer Wettbewerbs- und Rahmenbedingungen für Ingenieure durch den Kontakt mit Ministerien und Verwaltungen, beispielsweise aus der Berliner Politik.

Derzeitige Probleme des Landes, wie die Wohnungsnot, beschäftigen naturgemäß den Verband beratender Ingenieure. In Zukunft sollen deswegen verstärkt der Hoch- und Wohnungsbau im Fokus der Verbandsarbeit stehen, plädierte Thiele in seiner Antrittsrede. Kostengünstige Lösungen für energieeffiziente Quartiere seien daher unumgänglich, auch um nachhaltig zu bauen. Ohne geeigneten Nachwuchs sind derartige Aufgaben allerdings nicht zu meistern: Es ist notwendig, die „Werbetrommel für den Arbeitsplatz Ingenieurbüro“ zu rühren und Interessierten ein realitätsgetreues Bild vom Ingenieursberuf, der sowohl aus Tätigkeit im Büro als auch Arbeit auf der Baustelle besteht, zu vermitteln. (sl)

VBI-Präsident Jörg Thiele (r) im Gespräch mit BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Lang | Foto: Torsten George

VBI-Präsident Jörg Thiele (r) im Gespräch mit BDI-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Lang | Foto: Torsten George

Regierung stellt Ergebnisse des Wohngipfels vor

Die Wohnungsnot in Deutschland erreicht ungeahnte Ausmaße. Seit 2013 stiegen in 79 von 80 deutschen Großstädten die Mieten dramatisch. Schätzungen der IG Bau zufolge sind in diesem Jahr 300.000 neue Wohnungen im Bau. Viel zu wenige, denn vor allem in Berlin spitzt sich die Lage immer weiter zu. Jährlich müssten es deutschlandweit 375.000 neue Wohnungen sein, vorausgesetzt die Koalition will ihr Ziel von 1,5 Millionen Wohnungen bis 2021 einhalten. Fest steht: Die Bundesregierung muss, wortwörtlich, eine Schippe drauflegen. Dazu diskutierten Politiker und Vertreter der Wirtschaft beim Wohngipfel am vergangenen Freitag im Kanzleramt über mögliche Maßnahmen.

Bereits kurz nach dem Wohngipfel kritisieren führende Verbände wie der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) die Ergebnisse des Treffens. „Neben Ankündigungen, die bereits im Koalitionsvertrag festgesetzt und zum Teil bereits umgesetzt wurden, hat sich die Bundesregierung leider wieder einmal auf Verbote und Eingriffe unter anderem in das Mietrecht konzentriert“, resümierte Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA die Ergebnisse des Wohngipfels. Im Wesentlichen einigen sich Bund und Länder im Abschlusspapier für eine Beschleunigung im Wohnungsneubau. Zusätzlich könnte die Digitalisierung der Baubehörden Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigen.

Wohnungsmangel: Die soziale Frage unserer Zeit

Jedoch herrschen Zweifel an der Effektivität der Ergebnisse des Wohngipfels. Denn die Interessen der verschiedenen Parteien könnten widersprüchlicher nicht sein. „Deshalb könnten sich die vereinbarten Maßnahmen gegenseitig ausbremsen oder an Kraft verlieren“, befürchtete Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW).

Immerhin waren sich in einem Punkt alle einig: Der Wohnungsmangel ist die soziale Frage unserer Zeit. Es braucht leicht umsetzbare Instrumente, um die drastischen Mietsteigerungen zu bekämpfen. Von letzteren besonders stark betroffen sind Großstädte wie Berlin – in der Hauptstadt stiegen die Mieten einer Analyse von Immowelt zufolge seit 2012 um ganze 51 Prozent. Die Preissteigerungen betreffen überproportional die weniger wohlhabenden Bürger. Denn die Wohnungen fehlen nicht im überteuerten Luxus-Segment, sondern im Mittelstand und bei den Geringverdienern.

Entlastung von Mietern

Neuregelungen in Form einer „Wohngeldreform“ sollen nun den Geringverdienern helfen. Die Reform stärkt laut Beschlussvorlage des Wohngipfels das „Leistungsniveau und die Reichweite des Wohngeldes“. Sie soll am 1. Januar 2020 in Kraft treten, allerdings besteht derzeit noch kein ausgereiftes Konzept. Genaue Auflagen gibt es hingegen bei der Umlage von Modernisierungskosten: Zukünftig dürfen Vermieter nur noch acht Prozent der Kosten auf die Mieter umlegen. Zuvor waren es elf Prozent. Die Umlage soll verhindern, dass Vermieter durch aufwändige und kostspielige Modernisierungen alteingesessene Mieter aus ihren Wohnungen treiben.

Zwar verschärfte die Regierung in den letzten Monaten bereits Instrumente wie die Mietpreisbremse ein, jedoch lässt der Erfolg nach wie vor auf sich warten. Auch Erfolge des kürzlich eingeführten Baukindergeldes, das Familien beim Wohnungsbau unterstützt, sind erst zukünftig absehbar. Ihm entgegen steht die hohe Grunderwerbssteuer. In den letzten 12 Jahren erhöhten die Bundesländer die Grunderwerbssteuer ganze 27 Mal.  Eine hohe Grunderwerbssteuer versperrt Familien, die einen Anspruch auf das Baukindergeld haben, dennoch den Weg ins Eigenheim.

Vorteile für Bauunternehmer

Bei Mietwohnungen hingegen stehen vor allem die Bauherren im Fokus. Unterstützung für Bauunternehmer bietet hier die sogenannte Sonder-AfA. Durch sie verbessern sich die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten beim Mietwohnungsbau, was den verstärkten Neubau fördern soll. Jedoch gingen die gegenwärtigen Richtlinien der Sonder-AfA an der Realität vorbei, bemängelte der BFW-Präsident Ibel. „Die maximale Obergrenze für Baukosten ist so niedrig angesetzt, dass sie gerade in den Ballungsgebieten kaum in Anspruch genommen werden kann“, so Ibel. Erforderlich sei eine Anpassung der Kennzahlen an die tatsächliche Situation in den Großstädten.

Als Abhilfe im Wohnungsneubau beschloss die Regierung auf dem Wohngipfel, bundeseigenes Bauland an Länder und Kommunen günstig abzutreten. Beispielsweise in Berlin, wo unbebaute Flächen knapp sind, könnte eine größere Verfügbarkeit von Bauland die Grundstückskosten senken. Im Endeffekt sorgt das für geringere Mieten. Darüber hinaus könnte der Bund auf seinen Grundstücken selbst zum Bauherrn werden. Für ein stärkeres Eingreifen des Bundes wäre allerdings eine Veränderung des Grundgesetzes nötig.

Trotz Wohngipfel: Markt entscheidet über Miethöhen

Trotz aller vorgestellten Ergebnisse darf nicht vergessen werden, dass allein der Wohnungsmarkt über die Miethöhen bestimmen darf. Eine größere Angebotsvielfalt ist daher die Grundvoraussetzung für sinkende Preise. Demnach sollte der Bund sich vor allem darauf konzentrieren, das im Koalitionsvertrag erklärte Ziel, den Neubau von 1,5 Millionen Wohnungen, zu erreichen. Die auf dem Wohngipfel beschlossenen Maßnahmen sind ein erster Schritt in die Richtung, jedoch längst nicht ausreichend. Der Bund muss selbst zur Tat schreiten und durch die Grundgesetzänderung die Möglichkeit erhalten, verstärkt in den Wohnungsbau einzugreifen. Denn egal, woher die Hilfe kommt: Sie wird dringend benötigt. Alle Parteien müssen an einem Strang ziehen, um das Probleme der Wohnungsnot effektiv zu bekämpfen. (ke)

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