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Modellprojekt EVEREST: Angekommen in der Arbeitswelt

Das Modellprojekt EVEREST für junge Geflüchtete zieht positive Zwischenbilanz und hat gute Aussichten für die Zukunft.

Vor mehr als zwei Jahren startete das Modellprojekt EVEREST mit dem Ziel, junge geflüchtete Menschen zwischen 17 und 27 Jahren erfolgreich in Ausbildung und sozialversicherungspflichtige Arbeit zu vermitteln. Das Projekt der Jugendberufshilfe tragen die Kooperationspartner Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, das SOS-Kinderdorf Berlin, Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH, Charité CFM, BSR sowie die VHS Berlin Mitte. Jetzt ziehen die Partner nach 24 Monaten eine erfreuliche Zwischenbilanz, denn sie konnten bisher 15 junge Geflüchtete so qualifizieren, dass sie in betriebliche Ausbildung oder Arbeit übergehen konnten. Aktuell nehmen 38 Geflüchtete an EVEREST teil.

Joachim Gröschke, Senatsverwaltung Bildung, Jugend und Familie betont: „Die gesellschaftliche und berufliche Integration von jungen Geflüchteten steht auf unserer Agenda ganz oben. Das Modellprojekt EVEREST ist dafür ein sehr gelungenes Beispiel, denn von der Berufsvorbereitung bis zum Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrag ziehen alle an einem Strang. Daher ist es auch notwendig, mit EVEREST aus der Modellphase in die Regelfinanzierung zu gehen.“ (red)

Berliner Arbeitsmarkt – positive Bilanz von der Arbeitssenatorin

Trotz des geringen Anstiegs der Arbeitslosenzahlen in Berlin gibt es eine positive Bilanz von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach. Gleichzeitig betont die Senatorin jedoch auch, dass die Arbeit noch nicht getan ist.

Situation am Berliner Arbeitsmarkt noch nicht zufriedenstellend

Zum Jahresbeginn ist die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt saisonbedingt um einen halben Prozentpunkt höher als noch im Vormonat. Betroffen sind vor allem die Bereiche Bau, Verkehr, Logistik und das Reinigungsgewerbe. In Berlin waren im Januar 155.838 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit liegt die Quote bei 8,1 Prozent. Dennoch lautet die Bilanz der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach: „steigende Beschäftigung, sinkende Arbeitslosenzahlen, gute Fortschritte bei der Integration von Geflüchteten“. Denn laut der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg sind aktuell die niedrigsten Zahlen zu Jahresbeginn seit dem Jahr 1991 zu verzeichnen.

Auch von der IHK-Berlin positive Rückmeldung zur Lage

Die Industrie und Handelskammer in Berlin ist insbesondere über die Entwicklungen in Bereich der betrieblichen Ausbildungen erfreut: „Im Jahresvergleich hat sich der Arbeitsmarkt auch im Januar 2019 hervorragend entwickelt“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder.

Doch bei der Arbeitslosenquote der 15- bis 25-Jährigen sei Berlin im Bundesländervergleich nach wie vor unter den Schlusslichtern. Nur eine betriebliche Ausbildung würde einen hervorragenden Schutz vor Arbeitslosigkeit bieten. „Insofern freuen wir uns sehr, dass im vergangenen Jahr in Berlin nicht nur sieben Prozent mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr gemeldet wurden, sondern 2018 auch die Anzahl der aktiven IHK-Ausbildungsbetriebe und der IHK-Ausbildungsverträge um vier Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung zeigt, dass junge Menschen in unserer Stadt bei der Planung ihrer Zukunft definitiv auch die betriebliche Ausbildung als Option in Erwägung ziehen sollten“, betont Eder.

Realität auf dem Berliner Arbeitsmarkt: Hetze, Stress und knappe Einkommen

Doch trotz Ihrer positiven Bilanz über den hiesigen Arbeitsmarkt, ist Arbeitssenatorin Breitenbach noch nicht zufrieden: „Die Ergebnisse sind erfreulich, aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Gute Arbeit setzt gute Rahmenbedingungen voraus, und die sind noch längst nicht überall gegeben“, lautet das Urteil der Senatorin.

Denn noch immer haben viele Berliner Beschäftigte, Hetze, Stress und knappe Einkommen zu beklagen. Dies ergab die kürzlich veröffentliche Befragung „Gute Arbeit in Berlin“. Dazu Elke Breitenbach: „Betriebe und Tarifpartner müssen mehr für gesunderhaltende Arbeitsbedingungen und auskömmliche Löhne tun. Aber auch wir als Land leisten mit der Eindämmung sachgrundloser Befristungen oder der geplanten kräftigen Erhöhung des Landesmindestlohns unseren Beitrag zu Guter Arbeit in Berlin.“

Im Gegensatz zur IHK sieht die Senatorin die Entwicklung im Bereich der Ausbildung junger Menschen nicht ganz so zuversichtlich. Zu viele Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber seien in 2018 leer ausgegangen. Doch gerade die Ausbildung sei die Basis der Fachkräftesicherung. „Wer ausbildet, investiert in die Zukunft“, betont die Senatorin.

Projekt „Einstieg zum Aufstieg“ – große Vermittlungsbörse für Flüchtlinge

Mit dem gemeinnützigen Projekt „Einstieg zum Aufstieg“ unterstützt der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) Flüchtlinge dabei, eine Beschäftigung oder eine Ausbildung zu finden. Dazu findet am 28. Januar 2019 Europas größte Vermittlungsbörse für Flüchtlinge im Estrel Hotel statt. Erwartet werden ca. 4.000 Besucher sowie rund 200 Aussteller (Berliner Unternehmen, Sozialverbände etc.). Auch der VBKI wird mit „Einstieg zum Aufstieg“ auf der Börse vertreten sein.

Projekt: Geflüchteten eine Chance auf dem Berliner Arbeitsmarkt geben

Seit der großen Flüchtlingswelle vor vier Jahren sind rund 85.000 Geflüchtete nach Berlin gekommen. Sie kommen aus Krisen- und Kriegsregionen. Zumeist sind sie aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Einige können bereits auf eine erfolgreiche berufliche Laufbahn in ihrem Heimatland zurückblicken, andere stehen noch ganz am Anfang ihres Berufslebens. Doch unabhängig von ihrem bisherigen beruflichen Erfahrungen verbindet die Geflüchteten eine hohe Motivation und das persönliche Interesse, in Berlin den „Einstieg zum Aufstieg“ zu schaffen.

„Einstieg zum Aufstieg“ – Wie können sich Unternehmen beteiligen?

Noch bis zum Freitag 25. Januar 2019 können Sie Ihren Personalbedarf – seien es Praktika, Ausbildungsplätze oder vollwertige Stellen – in Form von kurzen Tätigkeits- oder Stellenbeschreibungen beim VBKI melden. Dieser kommuniziert dann offene Vakanzen auf der Börse und unterstützt so auf einfachem Weg die Vermittlung von Interessenten an Arbeitgeber.

Ansprechpartner:

Henning Paulmann

Tel.: 01520 357 63 97

henning.paulmann@vbki.de

 

Weitere Informationen zur Beschäftigung und Ausbildung von Flüchtlingen erhalten Sie über die Bundesagentur für Arbeit oder die Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). (aw)

Neues Integrationskonzept verzögert sich: Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt für Geflüchtete

Zwei Jahre nach der Aufsetzung des Masterplans Integration und Sicherheit (2016) lahmt das Integrationskonzept an Berliner Schulen und in Betrieben. Häufig auch deswegen, weil nicht genug Fachleute vor Ort oder die Zuständigkeiten der Ansprechpartner unklar sind. Den Absprung in die Regelklassen oder die Berufsvorbereitung zu schaffen, steht so für Geflüchtete, die aufgrund des Erlebten zusätzliche Unterstützung benötigen, vor zahlreichen Hürden. Minderjährige Flüchtlinge lernen an Berliner Schulen in Willkommensklassen. In allen Altersstufen besuchen sie diese bis ihre Deutschkenntnisse für den Einstieg in den regulären Unterricht oder die Berufsvorbereitung ausreichen. Derzeit sind das noch 8800 Geflüchtete in 748 Klassen über die Bezirke verteilt. Manche Schulen der Bezirke konnten mehr Willkommensklassen einrichten als andere. Die Zahl der Migrationsberatungsstellen kommt bei der Verteilung jedoch nicht an den realen Bedarf heran.

Obwohl bisher keine genauen Zahlen vorliegen, sieht der Berliner Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen die Integration einiger Schüler zum Problem werden. Ein Teil der vor allem 16-jährigen lerne nicht schnell genug Deutsch, um nach dem absolvierten Jahr in der Willkommensklasse in die Anschlussqualifikation zu wechseln. Dies hat nicht nur hin und wieder Schulabbrüche und infolgedessen das Abrutschen einiger Jugendlicher zur Folge, sondern auch eine Stagnation im System der Integrationsklassen.

 

In den Berliner Willkommensklassen lernen nicht nur geflüchtete Kindern, sondern alle mit geringen Deutschkenntnissen. | Foto: pixabay.com

In den Berliner Willkommensklassen lernen nicht nur geflüchtete Kindern, sondern alle mit geringen Deutschkenntnissen. | Foto: pixabay.com

 

Integrationskonzept in den Willkommensklassen stagniert

Die Willkommensklassen gelten als wichtigster Baustein der Berliner Integrationspolitik. Neben Sprachbarrieren ist jedoch auch die Unterbringung der Geflüchteten ein hindernder Faktor für die Eingliederung. Mitgebrachte Traumata können sich in der Schule in Lernschwierigkeiten bis hin zu Verhaltensstörungen äußern. Sonderpädagogische Förderhilfe kann die zuständige Schule jedoch erst nach einem Jahr beantragen. Zudem klagen viele darüber, nicht leicht genug an die richtigen Ansprechpartner zu gelangen. Zuständigkeiten sind oft ungeklärt und die Suche danach kann zur Barriere werden, die Anstrengung überhaupt erst in Kauf zu nehmen.

Anfang 2017 standen immerhin noch 12.000 geflüchtete Kinder in Berlin ganz am Anfang ihrer schulischen Integration. Ab September sollen die Volkshochschulen nun verstärkt Sprachförderung anbieten, um zu helfen, die Deutschkenntnisse der Kinder auf das Niveau B1 zu ziehen. Zumindest die Hauptinformationen auf Standarddeutsch müssen verstanden werden, um sich für eine Ausbildung bewerben, oder im normalen Unterricht mithalten zu können. Weiterhin wird auch die Öffnung des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes für Geflüchtete mit Duldungsstatus, aber ohne geklärtes langfristiges Aufenthaltsrecht, angegangen.

 

2017 lernten noch 12.000 Kinder in Willkommensklassen, inzwischen sind es noch rund 9.000. | Foto: pexels.com

2017 lernten noch 12.000 Kinder in Willkommensklassen, inzwischen sind es noch rund 9.000. | Foto: pexels.com

 

Wer und wo sind die richtigen Ansprechpartner?

Germershausen fordert in diesem Zusammenhang eine gleichmäßigere Verteilung der modularen Unterkünfte über die Bezirke sowie die Einrichtung von gemeinschaftlichen Wohnkonzepten. Studentenwohnheime, in denen auch geflüchtete junge Menschen leben und die Einrichtung zusätzlicher Migrationsberatungsstellen, sind vorerst Lösungsansätze. Auch Unterstützungsangebote für die Lehrer der Willkommensklassen, die häufig nur eine Qualifikation für „Deutsch als Zweitsprache“ nicht jedoch als völlig neue Fremdsprache besitzen, gibt es. Sie müssen nur transparenter und offensiver bereit und übersichtlicher zur Verfügung stehen. Während die Bezirksstellen in Mitte beispielsweise über die schwierige Wohnsituation der Geflüchteten klagen, sind es in Steglitz-Zehlendorf gesundheitliche Fragen. In Spandau wird die unklare behördliche Zuständigkeit zum Problem. Die Senatsbildungsverwaltung  will die verschiedenen Probleme der Bezirke durch eine gesamtheitliche Infrastruktur verbessern. Seit Juli 2017 arbeiten neun Fachgremien an der Novellierung des Masterplans Integration und Sicherheit.

„Wir sind später dran als geplant“, räumte Germershausen gegenüber der Morgenpost ein. Das Integrationskonzept, das bereits im Juni vorgelegt werden sollte, lässt auf sich warten. Hierzu hatte man in den vergangenen Monaten Dialoge mit 2000 Akteuren, darunter Bürger, Helfer und Zuständige geführt. Vor allem um die Stimmung der Helfer, die sich nach der Flüchtlingswelle 2015 überfordert und allein gelassen gefühlt hatten, einzuschätzen. Nun drehe sich die Stimmung langsam wieder und die zu gehenden Schritten seien allen bewusst. Es scheint, als würde lediglich auf die Bereitstellung der entsprechenden Ressourcen gewartet – darunter der überarbeitete Masterplan.

 

Vor allem eine zahlenmäßig aufgestockte und bessere Verteilung der Migrationsberatungsstellen in den Bezirken wird gefordert. | Foto: pexels.com

 

10.000 Geflüchtete in Berliner Betrieben beschäftigt

Nicht nur mit der ersten Integrationsstufe, der Schulbildung, beschäftigt sich der Masterplan. Auch der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt soll erleichtert werden. Im Mai feierte Berlin zwar die 10.000 Aufnahme eines sozialversicherungspflichtigen Jobs eines Geflüchteten. Doch auch bei ungeklärter Bleibe soll eine Beschäftigung Geflüchteter stärker unterstützt werden. „Menschen, die noch keinen Aufenthaltstitel haben, aber voraussichtlich mehrere Jahre bleiben werden, müssen auf jeden Fall Zugang zu Ausbildung und Arbeit bekommen“, sagte Germerhausen der Morgenpost. Der Senat wolle ganz klar eine Integration von Anfang an und „nicht erst nach Klärung des Aufenthaltsstatus“.

Die Bundesregierung sieht seit langem Erleichterungen für Unternehmen vor, die Flüchtlinge ausbilden oder beschäftigen. Zusätzlich macht die 3+2-Regelung eine Ausbildung für Flüchtlinge attraktiv und gewährt ihnen mindestens zwei Jahre nach abgeschlossener Ausbildung, Aufenthalt. Unternehmen finden Informationen und Hilfestellungen zur Integration von Flüchtlingen auf der Website der IHK Berlin, die sicherlich nur eine von vielen ist. Laut Tagesspiegel begannen im vergangenen Jahr bereits 472 Geflüchtete eine Ausbildung in Berlin. Diese auf dem Arbeitsmarkt bereits untergebrachte Gruppe steht den im Februar 2018 über 27.000 als arbeitssuchend Gemeldeten gegenüber.

 

472 Geflüchtete machen derzeit eine Ausbildung in Berliner Betrieben. | Foto: pixabay.com

472 Geflüchtete machen derzeit eine Ausbildung in Berliner Betrieben. | Foto: pixabay.com

 

Wo Arbeit gefunden wurde

Unternehmen, die in Berlin ausbilden, benennen trotz vieler Fortschritte die gleichen Grundprobleme, die nur zum Teil hier vor Ort angegangen und entschärft werden können. Ungeklärte Aufenthaltstitel, Gemeinschaftsunterkünfte am Rand der Stadt ohne Ruhe und Privatsphäre zum Lernen, Sprachbarrieren und der fordernde Unterricht in der Berufsschule sind nur einige der Sorgen.

Die Deutsch Bahn, die 2016 bereits 200 Ausbildungsplätze und dieses Jahr 100 weitere schuf, hilft mit Nachhilfeunterricht. Wenn in der Berufsschule mal wieder keine Zeit und Mühe dafür aufgewendet werden kann. Ausbildungsbetreuer werden auf kulturelle Unterschiede geschult, um besser mit den Bedürfnissen und Gewohnheiten der neuen Auszubildenden umgehen zu können. Das Berliner Unternehmen Gegenbauer macht hoffnungsvolle, aber auch ernüchternde Erfahrungen mit seinen 80 fest angestellten Geflüchteten und den 15 in der Ausbildung. Hier gibt es zwei Fachleute für Integration, die den Betrieb nicht nur begleiten, sondern selbst dort arbeiten.

Rahmenbedingungen für geschätztes Lernen fehlen

Neben den Genannten und der Deutschen Post, bilden auch noch zahlreiche kleinere Betriebe und die Kliniken in Pflegeberufen aus. Auch in den Willkommensklassen schafften 2017 60 Prozent der Kinder im Grundschulalter den Übergang in die Regelklassen in weniger als sechs Monaten. Die Zahlen der Senatsbildungsverwaltung zeigen auch, dass weitere 19 Prozent nur sechs bis neun Monate brauchten. Aber was ist mit dem Fünftel, das nicht so schnell mitkommt? Vor allem die stagnierenden Deutschkenntnisse der Jugendlichen im pubertären Alter sorgen für sozialen Zündstoff. Es ist schon von innerstädtischen Brennpunkten wie dem Alexanderplatz die Rede, wo diese Frustration entladen wird.

 

Bildung ist der erste und wichtigste Schritt zur Integration. Um ihn nicht noch zu erschweren müssen Sozialpädagogen die Kinder, denen hier vieles fremd ist begleiten. | Foto: pexels.com

 

Neben einer besseren Lebensqualität für die Schulkinder müssen vor allem auch Lehrer und Betreuer sozialpädagogischer geschult werden. Wenn sie sich speziell mit den Sorgen der häufig traumatisierten Kinder beschäftigen können, sprechen sie ihre Sprache auf diese Weise. So kann das Lernen geschätzt und mit Vertrauen vorangetrieben werden. Nachdem das Problem von den Zuständigen nun erkannt wurde, sollte Berlin es sich hier nicht zur Angewohnheit machen, die Frist für die Präsentation der Lösungsansätze zu verschieben. (cn)

Dilekt Kolat: In der Pflege müssen wir die Ausbildungsplätze mindestens verdoppeln

Arbeit am Menschen aufwerten: Dilek Kolat, Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, über Pflegenotstand, Geschlechter-Stereotypen und wie Frauen für technische Berufe begeistert werden können.

Was wollen Sie tun, um die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu verbessern?

Erstens wollen wir die Entlohnung verbessern. Ein wichtiger Schritt sind allgemeinverbindliche Tarifverträge für die Altenpflege. Hier wird auch die Bundesregierung aktiv. Tarifverträge können eine gesamte Branche aufwerten, was bei der Pflege dringend notwendig ist. Hierzu werde ich die Sozial- und Wirtschaftspartner und -partnerinnen an einen Tisch holen. Zweitens brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen, die wesentlich von der Personaldecke in den Einrichtungen abhängen.

Ich fordere deshalb von der Bundesregierung ein Sofort-Investitionsprogramm für den raschen Ausbau von Ausbildungsplätzen. Aus meiner Sicht müssen eigentlich alle Krankenhäuser und Pflegeheime ihre Ausbildungsplätze mindestens verdoppeln, um ihren eigenen Fachkräftebedarf abzudecken.

Pflegeberufe sind meist Frauendomänen, Männer eine Seltenheit. Warum?

Bis in die 70er- und 80er Jahre hinein war jegliche Fürsorgearbeit in der Familie alleinige Aufgabe und Pflicht der Frauen – und zwar unbezahlt. Anerkennung für diese Tätigkeiten gab es nicht. Letztlich kämpfen wir noch heute gegen diesen Missstand an. In Deutschland wird die Arbeit mit Maschinen besser bezahlt, als die Arbeit mit Menschen.

In der Altenpflege liegt das Durchschnittseinkommen bei 2.400 Euro, während Facharbeiter und Facharbeiterinnen in der Metallindustrie durchschnittlich 4.300 Euro verdienen. In der Altenpflege liegt der Frauenanteil aktuell bei 77 Prozent, der Anteil der Männer immerhin bei 23 Prozent. Ich wünsche mir hier aber auch einen höheren Anteil. Meine Hoffnung ist, dass wenn sich die Entlohnung verbessert, sich dann auch mehr Männer für diese Berufe entscheiden.

Mit den Pflegestützpunkten wurden neue Maßstäbe gesetzt. Wie war die bisherige Resonanz?

Das System hat sich sehr gut etabliert. Fast 45.000 hilfe- und pflegebedürftige Menschen kommen pro Jahr in die 36 Beratungsstandorte, drei in jedem Stadtbezirk. Nach einer Befragung zur Kundenzufriedenheit sind rund 98 Prozent mit der Passgenauigkeit der Informationen sehr zufrieden bis zufrieden. Die Pflegestützpunkte sind Lotsen im System und helfen, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause gut versorgt werden können.

Berlin hat bundesweit die meisten Auszubildenden in technischen Berufen. Wie können technische Berufe für junge Frauen noch attraktiver gemacht werden?

Technik gilt leider oft immer noch als Männersache. Mädchen und jungen Frauen werden dadurch Interesse und Kompetenzen für Technik abgesprochen und das hat natürlich Einfluss auf das Berufswahlverhalten. Sie müssen an diese Berufe herangeführt und ermutigt werden. Voraussetzung ist die Sensibilisierung von Eltern, Erziehenden und Lehrenden. In Berlin laufen dazu eine Reihe erfolgreicher Projekte.

Wir gestalten beispielsweise den „Girls‘ Day“ mit vielfältigen Aktivitäten. Das Projekt „EnterTechnik“ bietet jungen Frauen ein ganzes Jahr der beruflichen Orientierung durch direktes Kennenlernen von technologieorientierten Unternehmen und entsprechenden Berufen. Ich selbst habe damals als Arbeitssenatorin das Projekt „Girlsatec“ ins Leben gerufen. Hier wirken junge Frauen als Vorbilder, die selbst eine technische Ausbildung machen oder absolviert haben, indem sie Schülerinnen vor der Berufswahl beraten. Wenig attraktiv für Frauen ist oft auch das Klima in männerdominierten, technologieorientierten Bereichen. Besonders dort muss die Arbeitswelt frauen- und familienfreundlicher werden. Jüngst habe ich die Kampagne „Gleichstellung gewinnt. Kulturwandel in Unternehmen“ mit der Handwerkskammer und der IHK gestartet. (lj)

 

Gemeinsam mit Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin und Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin startete Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat die Kampagne „Gleichstellung gewinnt – Kulturwandel in Unternehmen“. | Foto: CarinaKircher.de

Gemeinsam mit Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin und Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin startete Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat die Kampagne „Gleichstellung gewinnt – Kulturwandel in Unternehmen“. | Foto: CarinaKircher.de

 

SOS-Kinderdorf: „Botschaft für Kinder“ zieht Bilanz nach erstem Jahr

In Berlin gibt es 159 Botschaften von Staaten aus aller Welt. Eine weitere Gesandtschaft residiert nicht im vornehmen Botschaftsviertel, sondern in der Lehrter Straße 66 im ehemaligen Arbeiterquartier Moabit. Vielleicht ist es die wichtigste Vertretung in der Hauptstadt überhaupt: die „Botschaft für Kinder“. In der Eingangshalle präsentiert ein „Baum der Wünsche“ die Sehnsüchte nach einer Welt, in der sie es besser haben: „Alle bleiben gesund und haben mehr Freunde“, ist in bunter Kinderschrift aufs Papier gemalt.

Wir sind im  Inklusionshotel Rossi, ein Ausbildungsbetrieb für sozial benachteiligte Jugendliche. Das Rossi ist ein gemeinnütziger Betrieb der SOS Kinderdörfer. Ein Infozentrum in der Lobby stellt die Arbeit der Kinderdörfer vor. Diese etablieren das Hotel nicht nur als berufliche Chance, sondern auch als politisches Forum. Für viele ist das Haus solch ein Ort, an dem es im eigenen Tempo vorangeht und keiner fürchten muss, unterzugehen. Im Juli 2017 gründet SOS Kinderdorf e.V. die Botschaft mit Ausbildungsbetrieb. Nach einem Jahr zieht der Inklusionsbetrieb mit seiner sozialpolitischen Botschaft Bilanz. Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. Ein Großteil der Einrichtung und der regionalen, kulinarischen Genüsse produzieren andere SOS-Kinderdörfer. Wer in einem  der 28 Hotelzimmer übernachtet, fördert zugleich das Projekt.

 

Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jakowiak

Derzeit lernen 19 Auszubildende, die bei ihrem Berufsstart besondere Unterstützung bedürfen, in der Gastronomie und der Verwaltung. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jakowiak

 

Die „Botschaft für Kinder“ als gesellschaftlicher Schutzraum

„Kinder und Jugendliche sollen hier eine starke Stimme entwickeln und Botschafter in eigener Sache sein. Wir nehmen ihre Ideen, Wünsche und Interessen ernst“, erklärt Kirsten Spiewack, Leiterin des SOS-Kinderdorfs in Berlin. Gegenseitiges Verständnis und Unterstützung beim Lernen im Betrieb spielen im Rossi eine wichtige Rolle. 40 Prozent der Mitarbeiter haben ein Handicap oder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Heute arbeiten sie Seite an Seite mit einem Teamkollegen ohne Behinderung und können sich jederzeit an das Ausbildungspersonal oder die Sozialpädagogin wenden. Sie gehen selbstständig auf Gäste zu, haben Eselsbrücken für ihre Rechenschwäche oder Taktiken für den Umgang mit ihrer Nervosität entwickelt.

Eine Erwähnung des Hotels als Inklusionsbetrieb ist in den seltensten Fällen nötig. Das Gefühl aufgehoben zu sein schafft eine Arbeitsatmosphäre, in der zwar alle aufeinander achten, aber sich niemand mit Samthandschuhen angefasst fühlt. „Wir freuen uns besonders, dass wir ein halbes Jahr nach der Hoteleröffnung mit dem ersten Platz beim Förderpreis des Wirtschaftskreises Mitte für unsere integrative Arbeit ausgezeichnet wurden“, sagt Martina Rook, Hotelleiterin des Rossi.

 

Das Inklusionshotel Rossi erhielt bereits im ersten Betriebsjahr den Förderpreis des Wirtschaftskreises Mitte. | Foto: SOS-Kinderdorf e.V./ Matthias Jankowski

 

Konferenz, Kultur und soziales Engagement

Das Hotel bietet auch Tagungsräume an. In direkter Nähe zum Hauptbahnhof möchte man hier sein Potenzial noch weiter ausschöpfen und sich als attraktiver Standort positionieren. Doch auch hauseigene Veranstaltungen zu Themen, denen im Rahmen der Kinderdörfer eine Bühne gegeben werden soll, werden hier in Zukunft stattfinden. Die Kunst ehemaliger oder aktueller Bewohner der gemeinnützigen Einrichtungen wird hier ausgestellt. Das Inklusionshotel Rossi ist umgeben von kulturellen Sehenswürdigkeiten: dem Geschichtspark Zellengefängnis, der Kulturfabrik Moabit und dem Museums für Gegenwart im Hamburger Bahnhof. Auch das Brandenburger Tor, das Schloss Bellevue und der Reichstag werden schnell zu Fuß erreicht.

„Die Lobby für Kinder in schwierigen Lebenssituationen ist nicht groß. Die jungen Menschen, die wir hier ausbilden, brauchen dieses Angebot sehr dringend – und das wollen wir immer wieder ins Bewusstsein rufen“, erklärt Spiewack. Ihre verborgenen Talente können die Auszubildenden bei Kulturveranstaltungen erproben. Damit verschafft die „Botschaft für Kinder“ dem Projekt die notwendige Öffentlichkeit, um uns allen immer wieder in Erinnerung zu rufen, welche Werte im Leben wirklich zählen. (cn)

Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2018 ausgezeichnet

Am Montag zeichneten die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sowie die Handwerkskammer Berlins beste Ausbildungsbetriebe in drei Kategorien aus. Unter den über 70 Bewerbern befanden sich Unternehmen aus Berlin und solche, die hier einen Standort besitzen. Ziel des Preises ist es, andere Unternehmen zur Bewerbung zu motivieren und ihre Ausbildungsattraktivität für junge Menschen zu erhöhen. In Anbetracht des erhöhten Fachkräftemangels der Hauptstadt ist es vielen Unternehmen ein Anliegen ihre ausstehenden Ausbildungsplätze überhaupt erst mit Nachwuchs zu besetzen und die Azubis durch ein gutes Image an sich zu binden. Die zehn-köpfige Jury, darunter auch Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke), zeichnete Unternehmen mit besonderer Ausbildungsaktivität und Engagement für benachteiligte Jugendliche oder Geflüchtete aus.

Solchen Einsatz können beispielsweise zusätzliche Projekte für Azubis, ermöglichte Auslandspraktika und die Übernahme der Fahrt- oder Führerscheinkosten ausmachen. Im Falle der Frisch und Faust Tiefbau GmbH, die den Preis in der Kategorie 51-249 Mitarbeiter gewannen, äußert sich das Engagement in der Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung von Auszubildenden für ihre Berufsschule. Den Preis für eine Unternehmensgröße von mehr als 250 Mitarbeitern erhielt der Fachgroßhandel für Haustechnik und Industriebedarf, BÄR & OLLENROTH KG. Doch auch in kleineren Unternehmen, die in der Kategorie bis zu 50 Mitarbeiter ausgezeichnet wurden, bemisst sich die Aktivität und Beteiligung nicht an der Größe des Unternehmens. Der Berliner Standort des Farbenherstellers Brillux und die Kreuzberger Druckerei Druckzuck erhielten beide einen Preis. Letztere integrierten im letzten Jahr den ersten Geflüchteten in ihr Team und übernahmen somit eine größere Verantwortung, denn neben der Berufsschule findet noch Deutschunterricht statt (Quelle: rbb Abendschau).

Nachhilfe für die Berufsschule kann eine Form des besonderen Engagements sein. | Foto: pexels.com

Die Qualität der Ausbildung als gesellschaftliche Aufgabe

„Der Wettbewerb beweist eindrucksvoll, welch hohen Stellenwert die Qualität der Ausbildung in den Betrieben genießt. Denn Fakt ist: Die Berliner Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs und bietet mehr Ausbildungsplätze an als im vergangenen Jahr. Leider wächst auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Unsere jüngste IHK-Umfrage belegt, dass bei 40 Prozent der ausbildenden Unternehmen Lehrstellen vakant bleiben. Daran etwas zu ändern ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin. In diesem Zusammenhang weist er auch auf die rund 99.000 fehlenden Fachkräfte der Stadt hin.

Abgesehen von dem Imageproblem der Berufsausbildung und dem zu schnellen Suchen nach irgendeinem Studienfach, wird berlinweit auch jede dritte Ausbildung abgebrochen. Das Imageproblem hängt auch international nicht mit dem Ruf deutscher Betriebe zusammen, sondern mit der Bezahlung die sich Studierende im Gegensatz zu Auszubildenden und somit späteren Gesellen erhoffen. Auch das Studienfach wird jedoch häufig aufgrund der Fülle an Möglichkeiten und der meist lockeren Anwesenheitspflichten nach zwei Semester gewechselt oder beendet.

Die diesjährigen Gewinner und Betriebe kommen aus den verschiedensten Branchen. | Foto: pexels.com

Bei Berlins besten Ausbildungsbetrieben entscheidet der Charakter

Das 1969 von der großen Koalition verabschiedete Berufsbildungsgesetz, sorgte in Wirtschaft und Industrie damals für harsche Kritik. Für die Erlaubnis als Betrieb ausbilden zu dürfen, war damals eine Genehmigung durch Bund und Länder nötig. Auch die Berufsausbildung selbst, war in starre Formen gedrängt und weitreichende Zusatzqualifikationen waren erst nach der grundlegenden Novellierung des Gesetzes 2005 möglich. Heute kann die Wirtschaft angesichts der klaffenden Lücken, Auftragsüberbuchungen und Verzögerungen von Fertigstellungen, beispielsweise im Baufachgewerbe, weniger Ansprüche stellen.

Die diesjährigen Gewinner geben jedoch an, dass es ihnen bei der Auswahl und Einstellung der Auszubildenden vermehrt um die charakterlichen Eigenschaften und persönlichen Qualifikationen des Menschen ginge, anstatt um gute Noten (Quelle: Berliner Zeitung und rbb Abendschau). Teilnahmeberechtigt sind alle Unternehmen, die im Rahmen der dualen, betrieblichen Ausbildung Ausbildungsverträge bei der IHK oder der Handwerkskammer Berlin registriert haben und ab Ausbildungsbeginn 2015 aktiv ausbilden. Auch Start-ups und Unternehmen, die noch jünger als fünf Jahre sind, konnten sich in diesem Jahr wieder in einer eigenen Kategorie bewerben. (cn)

Otis baut Aufzüge, Fahrtreppen und Karrieren

Das amerikanische Unternehmen Otis wurde vor 165 Jahren gegründet und ist heute der weltgrößte Hersteller von Aufzügen, Fahrtreppen und Fahrsteigen. Es ist Teil der Unternehmensgruppe United Technologies Corporation (UTC), einem führenden Anbieter für die Luft- und Raumfahrt sowie Gebäudetechnikbranche. Otis verfügt über Fertigungsstätten in Europa, Asien und Amerika und ist in mehr als 200 Ländern und Regionen aktiv. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 68.000 Mitarbeiter, rund 2.500 davon in Deutschland.

Dabei ist Otis auch ein Arbeitgeber, der den Menschen spannende Perspektiven bietet und eine langjährige Beschäftigung seiner Mitarbeiter schätzt. Getreu dem Unternehmensslogan „Made to move you“ verbindet Otis Tradition mit Moderne und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Ganz gleich, ob Kunde oder Mitarbeiter. „Wir bei Otis sehen in jedem Mitarbeiter ein Talent. Wichtig ist es, dieses zu erkennen und gezielt zu fördern. Wir haben daher unterschiedliche ‚maßgeschneiderte‘ und auf die Fähigkeiten des Einzelnen angepasste Karrierechancen und -wege“, sagt Elisabeth Bohm, Geschaftsführerin Personal und Arbeitsdirektorin von Otis Deutschland. „Wir fördern unsere Talente durch gezielte Entwicklungsprogramme, Talentinitiativen und internationale Bildungsprogramme. Einzigartig macht uns unser UTC-Scholar-Programm, wo der Mitarbeiter einen Anspruch auf Übernahme der Kosten einer berufsbegleitenden Ausbildung hat, auch wenn diese total fachfremd ist.“

Umfassendes Unternehmensprogramm für die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter

Mit über 38.500 Abschlüssen weltweit, einer Gesamtförderhöhe von fast 1 Milliarde Euro und über 6.000 Teilnehmern in über 60 Ländern ist das UTC-Scholar- Programm eines der weltweit umfassendsten Unternehmensprogramme. Das Programm bietet Otis-Mitarbeitern die Möglichkeit, jede Art von Ausbildungsmaßnahmen ohne Rückzahlungsverpflichtung durchzuführen. Dabei finanziert Otis unter anderem berufsbegleitende Studien- und Weiterbildungsmaßnahmen. Dazu zählen Meisterausbildung oder Bachelor- und Masterstudiengänge.

„Die heutigen Auszubildenden sind die Mitarbeiter von morgen und damit die Zukunft unseres Unternehmens. Wir wollen junge Menschen mit Potenzial gewinnen und während ihrer Ausbildung begleiten“, so Bohm, „Denn die Aufgaben sind vielfältig und werden immer komplexer.“ Neben den vielfältigen Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen eröffnet der Weltmarktführer jungen Menschen Chancen für den Start ins Berufsleben. Das Unternehmen bietet 2018 deutschlandweit 33 Ausbildungsplätze zum Mechatroniker an. Darüberhinaus fünf Ausbildungsplätze für ein duales Studium in den Studiengängen BWL, Fachrichtung Industrie sowie seit 2018 Industrielle Elektrotechnik. Diese Ausbildungsquote liegt klar über dem Deutschlandschnitt und bestätigt die hohe Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren. Denn das klare Ziel der Ausbildung ist es, alle erfolgreichen Absolventen in ein Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

Diversity & Inclusion werden bei Otis gelebt

Neben den Ausbildungschancen legt Otis großen Wert darauf, eine Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben durch innovative Arbeitsmodelle wie mobiles Arbeiten zu gewährleisten. Selbstverständlich sind eine attraktive Vergütung und ein familiärer Umgang unter den Mitarbeitern – trotz der Größe des Marktführers. Otis achtet sehr darauf, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Religion, beruflichem Hintergrund, Kommunikationsstil oder sonstigen Persönlichkeitsmerkmalen, integriert und respektiert fühlt. (ak)

Bildung in Berlin: Verschenktes Potenzial

„Bildung ist nicht alles, aber ohne Bildung ist alles andere nichts“ – dieser in Anlehnung an Artur Schopenhauer zugespitzten These würde heutzutage wohl niemand auch nur andeutungsweise widersprechen wollen. Ein weiteres Axiom hat Aristoteles genial auf den Punkt gebracht: „(Aus)Bildung ist der beste Reiseproviant auf dem Weg zum hohen Alter“, schrieb er und erklärte Bildung damit zu einer das gesamte Leben beherrschenden Aufgabe.

So weit, so klar – oder doch nicht? Wer in die Geschichte blickt oder sich im Hier und Heute umschaut, der sieht so einige Errungenschaften, viel häufiger jedoch Erschütterndes. Nur in wenigen Hochphasen konnte Bildung die ihr zustehende Position einnehmen – in der Antike, in der Renaissance oder in der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Sonst herrscht überwiegend Dunkelheit. Bildung war über Jahrhunderte eine Machtfrage und erst seit einigen Jahrzehnten besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit zur allumfassenden Bildung der Mehrheit der Gesellschaft.

Besonders das Internet scheint jegliche Bildungsgrenzen zum Einsturz gebracht zu haben. Jedem steht nahezu jede Informationsquelle offen. Kein Thema, worüber im World Wide Web nichts zu finden wäre. Doch das genau ist das Problem. Um die neuen Möglichkeiten wirklich nutzen zu können, bedarf es staatlicher Fürsorge mit gleichen Bildungschancen für alle. Wie lange darum schon gerungen wird beweist Konfuzius. „Bildung soll allen zuganglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen“, forderte er – Worte, die heute genauso aus irgendeinem Parteiprogramm oder aus jeder beliebigen Bildungsbroschüre stammen konnten.

Spielball der Politik

Die Forderung nach mehr und besserer Bildung ist auch vor Ort Quelle heftiger Debatten. Jahrelang Spielball der Parteien stehen wir heute im Wortsinne vor den Trümmern verfehlter Bildungspolitik. Ein ganzes System ist ins Wanken geraten und es ist völlig unklar, ob es wieder stabilisiert werden kann oder ob es in den kommenden zum bildungs- politischen Kollaps kommt, der den Standort Berlin wirtschaftlich, politisch und kulturell schwer schädigen würde.

Besonders verheerend ist die Lage in den Schulen. Rasant wachsende Schülerzahlen, akuter Lehrermangel, fehlende oder ruinierte Schulgebäude en masse und eine auch hier überhandnehmende Bürokratie ergeben ein Gemisch, dessen Unverträglichkeit neben den Kindern und Jugendlichen zunehmend auch die Berliner Unternehmen zu spüren bekommen. So ist zum Beispiel der Mangel an geeigneten Auszubildenden nicht allein dem demografischen Wandel zuzuschreiben. Mitverantwortung trägt auch eine in vielen Fällen praxisferne und unzeitgemäße Schulbildung.

Was tun?

Warum ist Jugendarbeitslosigkeit trotz Fachkräftemangel in der Bundeshauptstadt noch so hoch? Was bedeutet die Lage im Bildungswesen für den Wirtschaftsstandort? Welche Möglichkeiten der Nachwuchsgewinnung haben die Unternehmen? Was kann die Wirtschaft selber tun, um die Ausbildungssituation zu verbessern? Diesen und anderen Fragen zum Thema (Aus)Bildung werden wir im Folgenden nachgehen.

Bildungspolitischer Aufbruch

Eines der größten Probleme in Berlin ist derzeit die vergleichsweise hohe Jugendarbeitslosigkeit, trotz steigendem Fachkräftemangel. Jeder achte Teenager unter 20 Jahren ist derzeit in der Hauptstadt ohne Job (im Marz 2018 genau 13.267 junge Menschen). Die Folgen der Experimente in der Bildungspolitik der vergangen zwei Jahrzehnte sind noch überall spürbar und müssen durch einen bildungspolitischen Aufbruch schnell behoben werden. Zusätzliche Gelder für die Bildungsinfrastruktur, insbesondere Ganztagsschul- und Betreuungsangebote, Digitalisierung und berufliche Schulen werden versprochen. Aber Geld allein genügt nicht. Genauso wichtig sind klare politische Vorgaben.

 

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

Trotz steigendem Fachkräftemangel verzeichnet Berlin eine hohe Jugendarbeitslosigkeit | Quelle: BA

 

Ursachenforschung

Experten vermuten, dass einer der Auslöser für die hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen die Schulbildung ist. Die schlechte Platzierung beim bundesweiten Ranking des INSM-Bildungsmonitors 2017, spricht für diese Annahme. Dort landete die Hauptstadt auf dem untersten Rang – Platz 16. Eine Konsequenz der harten Sparmaßnahmen im Bildungssektor in den letzten Jahren. Es fehlt an Lehrern und an zeitgemäßer Ausstattung. Wie sinnvoll Quereinsteigerprojekte sind, um mehr Lehrer zu gewinnen, lasst sich jetzt noch nicht abschließend sagen. Das werden die kommenden Jahre zeigen. Bezeichnend ist allerdings die Tatsache, dass Berlin jetzt schon beim Reformkurs Bildung 2.0 deutlich im Rückstand ist. Wenige Berliner Schulen sind digital gut aufgestellt und benutzen digitale Unterrichtsmaterialien wie SMART Boards oder iPads. Die Bildungspolitik erklärt zwar, die „Schulen sind für die Schüler da, nicht für die Wirtschaft“, das bedeutet aber nicht, dass auf eine wirtschaftsnahe Ausbildung verzichtet werden kann. Im Gegenteil, es ist im Interesse der Schüler genauso wie der Unternehmen, die ausbilden.

Drohende Gefahren

Eine wirkliche Herausforderung ist die äußerst heterogene Schülerschaft. Nirgendwo sonst werden so viele Kinder unterschiedlicher Nationalität beschult und ausgebildet, wie in Deutschlands Hauptstadt. Das ist Fakt, darf aber nicht als Vorwand dafür dienen, dass die Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche immer noch stark von der sozialen Herkunft abhängig sind. Jährlich brechen unter anderem aus diesem Grund rund 3.000 Jugendliche in Berlin ohne Abschluss die Schule ab. Das ist mit fatalen Folgen für ihre weitere Entwicklung verbunden, denn gering qualifizierte Arbeitskräfte werden immer weniger gebraucht. Gelingt es nicht, diese Jugendlichen zu integrieren, droht ihnen Arbeitslosigkeit und soziale Isolation. Um dem entgegenzuwirken, wollen Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familien, und Elke Breitenbach (Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, einige Veränderungen durchsetzen. Geplant sind eine Vielzahl von Maßnahmen, unter anderem mehr Sozialarbeiter an den Schulen und mehr Lehrpersonal durch die Forderung von Quereinsteigern.

Aus der Schule in den Beruf

Laut der IHK blieben 2017 nur elf Prozent der Bewerber unversorgt. Allerdings gaben insgesamt 30 Prozent der Befragten aus den Schulen nicht an, ob sie studierten, ins Ausland gingen oder was sie sonst nach dem Abschluss getan haben. Im letzten Jahr galt das für rund 6.200 junge Menschen. Diese Zahlen spiegeln sich auch am Rückgang der Bewerberzahlen für Betriebe wider, obwohl genügend Schulabgänger vorhanden sind, nutzen immer weniger Jugendliche die Möglichkeit der Vorbereitung auf das Berufsleben.

Dem soll zukünftig die engere Zusammenarbeit von dem Bund und Berlin mit der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg sowie der Bundesagentur für Arbeit entgegenwirken. „Mit Unterzeichnung der Initiative Bildungsketten unterstutzt die Bundesregierung unsere Strukturen und stärkt sie“, so Scheeres. Gemeinsam soll die Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf gefordert werden. Bildung soll zwar die Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben sein, dient aber nicht als Berufsvorbereitung. Die findet im Lehrplan der Schulen einfachen keinen Platz. Mittlerweile arbeitet allerdings die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales schon an dem Pilotprojekt „Erprobung neuer Zugange in die Ausbildung“. So soll das alte Übergangssystem an die neuen Herausforderungen, beispielsweise Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, angepasst werden.

 

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

Bildung wird für jeden eine immer wichtigere Lebensaufgabe | Foto: geralt/pixabay.com

 

Versäumnisse der Wirtschaft

Allerdings liegt die Verantwortung nicht nur in der Bildungspolitik, den Schulen oder den Elternhäusern, sondern auch bei den Unternehmen selbst. Bei aller Kritik an den ungenügenden Rahmenbedingungen im Bildungssektor, müssen sich viele Unternehmer fragen lassen, was sie selbst für die Nachwuchssicherung tun. Hier bietet sich ein ernüchterndes Bild. Nur rund 5.020 der ansässigen Industrie- und Handelsunternehmen bilden überhaupt aus – ein Bruchteil, angesichts über 152.144 steuerpflichtigen Unternehmen (Stand 2016). Befragt nach den Gründen, warum sie nicht ausbilden, schieben viele Unternehmer anderen die Schuld zu. Vorgeschoben werden der Mangel an Zeit für die Azubis, die hohen Betriebskosten und insbesondere die Ausrede in Zeiten des Fachkräftemangels keine geeigneten Bewerber zu finden. Gern wird auch der demographische Wandel als Argument angeführt, der aber bei einer so hohen Jugendarbeitslosigkeit kaum einen Einfluss haben sollte.

Einen Großteil des Nachwuchses zieht es bundesweit an die Universitäten. Im Wintersemester 2017/18 schrieben sich allein in Berlin rund 183.000 Menschen für ein Hochschulstudium ein – ein neuer Rekord! Für eine Berufsausbildung meldeten sich dagegen nur 20.816 (IHK Berlin – Stand 2017) junge Leute an. Die ganze Widersprüchlichkeit der Lage auf dem Markt für Ausbildungsstellen ist daran zu sehen, dass es trotz der der hohen Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Ausbildungsjahr, 1.197 unbesetzte Ausbildungsstellen und 2.348 unversorgte Bewerber gab.

Dazu kommt noch die hohe Quote derer, die ihre Berufsausbildung vorzeitig abbrechen. Eine Umverteilung der unversorgten Bewerber auf die freien Plätze wäre denkbar, aber die Rechnung geht nicht auf. Immer mehr Berliner Unternehmen beklagen sich über die mangelnde Qualifikation und Motivationen der jugendlichen Bewerber. Mittlerweile sind es neun von zehn Unternehmen, die auf die schlechte Qualifikation ihrer Bewerber sowie mangelnde Leistungsbereitschaft und Motivation aufmerksam machen. Aber auch hier muss differenziert werden, denn die Rahmenbedingungen einer beruflichen Ausbildung sind nach heutigen Maßstäben für junge Menschen einfach nicht mehr attraktiv genug, weswegen sich viele für ein Studium entscheiden. Allein steuerlich hat der Studentenstatus im Vergleich zur Position eines Azubis nicht von der Hand zu weisende Vorteile. Auch hier bedarf es, wie bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vermerkt, einer Anpassung beziehungsweise einer Auswertung der beruflichen Ausbildung. Das Berliner Bildungssystem braucht eine moderne duale Ausbildung, um gleichwertige Berufs- und Bildungschancen für junge Menschen bieten zu können.

 

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

Quelle: DGB Ausbildungsreport, Deutscher Gewerschaftsbund

 

Sinkende Ansprüche

Aus der Not wird eine Tugend gemacht – das gilt zurzeit vor allem für die Wirtschaft der Hauptstadtregion. Einige Unternehmen fuhren schon gar keine Einstellungstests mehr durch. Die nachgerückten jungen Bewerber bekommen dann auf Unternehmenskosten Nachhilfe. Andererseits lehnen Unternehmen eine Mindestvergütung für Azubis ab. „Weder ein Parlament noch ein Ministerium sollten darüber entscheiden, wieviel Geld Auszubildende bekommen. Das ist Sache der Betriebe und der Tarifparteien. Es besteht die Gefahr, dass eine politische Untergrenze eine ganze Reihe von Ausbildungstarifvertragen aushebelt“, gab der UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck zu Bedenken. Ohne Investition herrscht allerdings auch beim Nachwuchs Stagnation. Die Wirtschaft muss sich starker in die Nachwuchsgewinnung einbringen und langfristig ihre zukünftigen Fachkräfte heranziehen. Wer am Nachwuchs spart, hat wirtschaftlich keine Zukunft.

Ausbildungsqualität

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan wollte schon vor Jahren mit einer „PISA-Studie“ für Azubis die Ausbildungsqualität feststellen lassen. Letztlich scheiterte die Umsetzung bereits an der Finanzierung. Den Unternehmen hatte ein Azubi-PISA höchstwahrscheinlich nicht geschadet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) führte bereits 2012 einen Report mit Schwerpunkt Ausbildung durch. Darf man der Auswertung des DGB-Ausbildungsreports 2017 glauben, hat sich seitdem kaum etwas getan. Neben der Quantität der Bewerber, mangelt es in der Hauptstadt auch an der Qualität der Ausbildung in den Berufsschulen und den Betrieben. Es fehlt den Berufsschulen vor allem an finanziellen Mitteln, insbesondere für Instandsetzungen, Neubauten und technische Ausrüstung. Obwohl Reformen (allen voran das Berufsbildungsgesetz) zwingend notwendig sind, plädiert die DGB-Bundesjugendsekretarin Manuela Corte dafür, auch unter Zeit- und Handlungsdruck die pädagogische Komponente, garantiert durch qualifizierte Lehrer, der berufsschulischen Ausbildung nicht zu vernachlässigen. Auch braucht es laut der DGB von der Bundesregierung einheitliche Qualitätsstandards und eine gesetzliche Regelung, um Berufsschule und Betrieb besser zu verzahnen.

Die Auswertung des Reports zeigte aber auch ein mehr als wackliges Ausbildungsfundament bei den Betrieben. Fehlende Zusicherung der Übernahme, unbezahlte Überstunden und zum Teil fehlt sogar ein gesetzlich vorgeschriebener Ausbildungsplan. Wozu dann eine berufliche Ausbildung werden sich die Jugendlichen fragen. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund: Wie man sich bettet, so liegt man. Die Entwicklung und Sicherung des Fachkräftebedarfs ist aus bildungspolitischer Sicht eine der zentralen Aufgaben der Wirtschaft. Sie müssen letztlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schaffen, sodass sie für junge Menschen attraktiv sind, sie dort gut versorgt sind und zukünftig bleiben mochten. Auch die Unternehmen verkennen oft, Arbeit mit dem Nachwuchs ist eine Investition in die Zukunft.

Vorfahrt für die Ausbildung

Viele Unternehmen wurden gern mehr Beschäftigung aufbauen. Ohne die dringend benötigten Fachkräfte wird das allerdings schwer. Sie fehlen im Metall und Elektrohandwerk, im Bereich Sanitär, Heizung und Klima, im Dienstleistungsbereich und in der Bauwirtschaft, so das Fazit der UVB Kompakt 1/2018 Umfrage. Stetig sinkt die Anzahl der Jugendlichen, die sich für kaufmännische Berufe und auch technische Berufe entscheiden.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) befürchtete also zurecht eine weitere Verstärkung des Fachkräftemangels. Von der Bildungspolitik fordern sie eine Reformagenda unter dem Motto „Vorfahrt für die Ausbildung“. In der Verantwortlichkeit herrscht offenkundig zwischen der Bildungspolitik und der Wirtschaft noch Uneinigkeit. Berlin ist im Improvisieren recht gut, dennoch bedarf es mehr Dialogmöglichkeiten, zum Beispiel einen „Runden Tisch Bildung“, wie es die Redaktion der BERLINboxx vorschlagt. Schließlich gibt es einen nicht von der Hand zu weisen den Zusammenhang zwischen dem Bildungssystem und der Arbeitslosenquote. Wer schon als junger Mensch in die Arbeitslosigkeit gerät, rutscht schnell in die Langzeitarbeitslosigkeit ab. Das wäre verschenktes Potenzial. Die Hauptstadt hat ein stabiles Wirtschaftsklima, einen perfekten Nährboden für innovative Start-ups und genügend junge Menschen, um sich zu einem Top-Standort mit guten Fachkräften weiterzuentwickeln. Den Nachwuchs zu erreichen und eingehend zu fordern, sollte für die Politik wie auch die Wirtschaft oberste Priorität haben. Berlin muss auch aus beruflicher Sicht lebenswert sein.

Fordern und fördern

Unzählige Beispiele belegen: Kooperationen der Wirtschaft, mit Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen früher anzubahnen. Beispielhaft ist die Gewobag mit der Lernwerkstatt am Mehringplatz. Beide sind Teil der Initiative des Berliner Handwerks „Berliner Schulpate“. Deren Ziel ist es, Grundschulen und Unternehmen in Quartieren mit erhöhtem Förderbedarf zusammenzubringen und zu starken. Dank der Schulkooperationen können sich die Betriebe sozial engagieren und frühzeitig Schüler auf sich aufmerksam machen. Gemeinsame Projekte zwischen Bildung und Wirtschaft können den Schülern wertvolle Fähigkeiten für das Berufsleben mitgeben, ihnen schon frühzeitig eine berufliche Orientierung bieten. Wenn die Schulen, die Senatsverwaltung und die Unternehmen enger zusammenrucken und gemeinsam Projekte koordinieren, können die Übergangssysteme in den Beruf für junge Menschen nicht nur erleichtert werden, sondern auch dafür sorgen, dass sich wieder mehr Betriebe zur Ausbildung des Nachwuchses entschließen.

Einige Berliner Unternehmen haben das Potenzial des Selbst-aktiv-werdens bereits erkannt. Auszubildende werden individuell von den Betrieben gefordert, Trainee-Programme erleichtern den Übergang von der Schule oder dem Studium in den Berufsalltag und viele- Firmen bilden ihre Mitarbeiter auch intern kontinuierlich weiter. Vorbildlich ist auch die Berliner IHK, die sich mit einem Programm darauf spezialisiert hat Studienabbrecher aufzufangen und für einen Ausbildungsberuf im Handwerk anzuwerben. Immer mehr Betriebe bieten schon ähnliche Angebote an – mit Erfolg.

Potenzial entfalten

Die Wirtschaft der Hauptstadt kann den jungen Auszubildenden und Absolventen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern, indem sie gezielt auf sie zugehen oder sich mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen. Den einen Schuldigen zu suchen ist leicht, dabei teilen sich die Betriebe, die Schulen, die Elternhäuser und die Bildungspolitik die gesellschaftliche Verantwortung. Fakt ist: Wer sich seinen Nachwuchs selbst heranzieht, hat für die Zukunft vorgesorgt. Wenige deutsche Großstädte sind so multikulturell geprägt und besitzen ein so hohes Potenzial, bestehend aus jungen, aufgeschlossenen Menschen wie Berlin. Es fehlt nur noch der Impuls in die richtige Richtung. Das ist doch keine schlechte Ausgangslage. (lj)

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): Attraktive Ausbildung als Gebot der Stunde

Viele Berliner Unternehmen klagen über ein schlechtes Niveau der Schulabgänger. Es fehle oft an fachlichen Voraussetzungen, vor allem aber an Motivation und Begeisterungsfähigkeit. Wie die Unternehmen damit umgehen und was sie selber dagegen tun können – darüber sprachen wir mit Henning Banthien, Ausschussvorsitzender für Bildung und Wissenschaft im VBKI und Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH.

Herr Banthien, überall wird der Arbeitskräftemangel beklagt. Wie ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt?

Es wird anspruchsvoller. Guten Nachwuchs in ausreichender Zahl zu gewinnen, wird immer schwieriger. Das liegt aber nicht nur an der demografischen Entwicklung. Es gibt noch andere Gründe – zum Beispiel die immer häufiger fehlenden Kompetenzen der Schulabgänger. Das ist ein Hauptproblem und führt einerseits in die Schulen, aus denen unsere Bewerber kommen.

Den Schulen nun aber die Hauptschuld an der Misere zu geben, wäre falsch. Mitverantwortlich ist andererseits auch die Politik, die oft nicht die Bedingungen schafft, die Schulen für gute Arbeit brauchen. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Jugendlichen verändert. Es wird zunehmend schwer, sie überhaupt zu erreichen. Immer weniger junge Leute haben Lust auf eine Lehre, die wiederum leider in der allgemeinen Wahrnehmung an Attraktivität eingebüßt hat. Wir, also auch die Unternehmen, sind alle gefragt, hier die Werbetrommel zu rühren.

Was läuft da falsch?

Wir kennen unsere Jugendlichen nicht mehr richtig. Das ist das Problem. Um die jungen Menschen zu erreichen, müssen wir aber wissen, wofür sie sich interessieren und was sie antreibt. Wir müssen mehr darauf schauen, wie die Jugendlichen auf Veränderungen und Neuerungen reagieren. Interessieren sie sich direkt für Technik oder eher für gesellschaftliche Herausforderungen wie die Energiewende und über dieses gesellschaftliche Interesse führen wir sie zur Technik.

Zweitens spielt auch der digitale Wandel eine gewichtige Rolle. Wie wird sich dadurch die Art der Ausbildung ändern und wie können wir unter diesen Bedingungen junge Leute für uns zugewinnen? Die Digitalisierung wird zahlreiche Fragen ganz neu stellen und für die brauchen wir neue Antworten – auch in der Bildung. Diese darf aber nicht nur technische Aspekte zum Inhalt haben oder sich darauf reduzieren, wie gut die (digital) technische Ausstattung in den Lehrgebäuden ist. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, sind neue didaktische Wege, die im digitalen Zeitalter die Interessen und Einstellungen der Jugendlichen treffen. Nur wenn wir das alles verstehen, besteht die Chance, die Ausbildung wieder zu etwas Reizvollem im Leben eines Menschen werden zu lassen. Das fällt jedoch nicht einfach vom Himmel, sondern bedeutet eine neue Herausforderung für ausbildende Unternehmen.

Der VBKI plädiert seit Jahren für enge Kontakte zwischen Betrieb und Schule. Warum?

Die Antwort liegt auf der Hand. Nur wer sich kennt, kann auch aufeinander eingehen. Schule und Unternehmen sind keine einander fremde Welten. Wer genauer hinschaut, wird sogar viele Beziehungen zwischen beiden Seiten entdecken. Die wichtigste ist der Mensch, den beide Seiten mit spezifischen Mitteln und Methoden fit für das Leben machen.

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen kann der VBKI aufgrund eigener Erfahrungen den Unternehmen empfehlen?

Alles, was zum besseren Verständnis zwischen Schule und Unternehmen beitragt, eignet sich zur Zusammenarbeit. Oft gibt es in einer Region, und auch hier in Berlin, bereits zahlreiche Angebote im Bereich Schule-Wirtschaft-Kooperation. Der VBKI hat sich hier immer wieder bemüht größere Transparenz in die Angebote zu bringen und Schulen und Unternehmen zusammenzuführen.

Welche Formen der Zusammenarbeit haben sich in diesem Sinne bewährt?

Besonders bewährt hat sich das im VBKI entwickelte Lesepatenprojekt. 2005 gegründet, sind heute rund 2.200 ehrenamtliche Lese- und Lernpaten an Berliner Schulen unterwegs. Mission: Kindern zum Lesen zu motivieren und damit eine Lebenskompetenz stärken. Ein anderes Projekt betrifft die Qualifikation von Schulleitern.

Vor ein paar Jahren hat sich der VBKI mit der Senatsverwaltung zusammengesetzt und nach neuen Ansätzen für die Auswahl von Führungspersonal in Schulen gesucht. Heraus kam ein Programm, das erfolgreiches Personalmanagement aus der Wirtschaft mit dem Erfahrungswissen der Verwaltung verbindet. Das Projekt ist erfolgreich und wurde vom LISUM, Landesinstitut für Schule und Medien, in sein Programm aufgenommen. (lj)

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