Suchtverhalten bei Schülern: Kiffen ist Trumpf | Foto: pixabay.com

Suchtverhalten bei Schülern: Kiffen ist Trumpf

Zunächst die gute Nachricht: Potsdamer Jugendliche rauchen weniger Nikotin und trinken weniger Alkohol als noch vor gut zehn Jahren. Die schlechte Nachricht: Sie konsumieren mehr Cannabis. So lautet das Ergebnis einer Untersuchung der Koordinatorin für Suchtprävention der brandenburgischen Landeshauptstadt. Suchtbeauftragte Katrin Hayn legt in diesen Tagen ihren Bericht über die Erhebungen bei Brandenburgs Schülern vor – mit Schwerpunkt Potsdam.

Das Gesundheitsministerium befragt seit 2005 im Auftrag der Landessuchtkonferenz alle vier Jahre Zehntklässler aller Schularten zu ihrem Rauschmittelkonsum. Im Schulhalbjahr 2016/17 wurden 53 Prozent aller Schüler der Klassenstufe interviewt – insgesamt 10.724 Teenager. Gab 2005 noch jeder dritte Schüler an, regelmäßig Zigaretten zu rauchen, war es jetzt nur noch jeder Sechste. Auch das Einstiegsalter ist gestiegen von 13 auf 14 Jahren.

Studien zum Suchtverhalten

In dieses Alter fällt auch die erste Trunkenheit. Jeder Neunte greift regelmäßig zu Alkohol, 2005 war es noch jeder Vierte. Dafür kiffen Schüler umso fleißiger. 2005 drehte sich noch jeder 25. Schüler regelmäßig einen Joint, inzwischen ist es jeder 14. Katrin Hayn: „Diese Entwicklung ist nicht nur in Potsdam zu beobachten, sondern auch auf Landes- und Bundesebene.“ Ihre Vermutung: „Die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis könnte ein Grund sein.“

Zuletzt war die Legalisierungsdebatte im vergangenen Herbst während der Jamaika-Verhandlungen aufgeflammt. Eine Regierung aus Union, FDP und Grüne hätte Cannabis womöglich entkriminalisiert. Das Hanfkraut ist Deutschlands populärste illegale Droge, um die vier Millionen Menschen rauchen jährlich bis zu 400 Tonnen. Rund 2,4 Milliarden Euro verdient der Schwarzmarkt daran.

Warnung vor Depressionen und Schizophrenien

Gegner der Legalisierung haben Wissenschaftler wie den Hamburger Suchtmediziner Professor Rainer Thomasius auf ihrer Seite. Er warnt vor den Gefahren der THC-haltigen Droge: Sie könne Depressionen und Schizophrenien auslösen. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagt: „Wir haben in unserem Land genügend Schwierigkeiten mit den Folgen des Alkohol- und Tabakkonsums.“

Das kanadische Parlament ficht das offenbar nicht an. Als erstes Industrieland der Welt hat Kanada jetzt sowohl Anbau als auch Verkauf von Cannabis legalisiert. Der liberale Premierminister Justin Trudeau hatte es im Wahlkampf versprochen und verkündete den Vollzug über Twitter: „Es war zu einfach für unsere Kinder, Marihuana zu bekommen – und für Kriminelle, die Profite davon einzusacken. Heute ändern wir das.“

 

Justin Trudeau | Foto: Wikimedia Commons/Women Deliver

Justin Trudeau | Foto: Wikimedia Commons/Women Deliver

(hf)

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