Studie der HU Berlin zeigt: Soziale Ungleichheit steigt in Berlin | Foto: pixabay.com

Studie: Mietkosten verstärken soziale Ungleichheit

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) bezeichneten die Wohnungsnot in deutschen Städten bereits als die „große soziale Frage unserer Zeit“. Nun ist dies durch eine wissenschaftliche Studie der Berliner Humboldt-Universität in Kooperation mit dem University College in London bestätigt worden.

Die Studie zeigt, dass die Schere zwischen Arm und Reich durch die steigenden Miet- und Wohnkosten in Deutschland immer weiter auseinander geht. Die Forscher haben die Einkommens- und Verbraucherstichprobe der Amtlichen Statistik zwischen 1993 und 2013 beobachtet und Daten von insgesamt mehr als 100.000 Menschen ausgewertet.

Geringverdiener müssen demzufolge im Verhältnis zu ihrem Einkommen immer mehr für eine Wohnung bezahlen. Die Kosten für Mieten und Wohnen bei Personen mit den höchsten Einkommen sind jedoch gesunken. Mussten diese vor 25 Jahren für Wohnraum noch 16 Prozent des Einkommens abgeben, waren es 2013 nur noch 14 Prozent. Bei den Menschen mit den geringsten Einkommen, stiegen die prozentualen Wohnkosten hingegen von 27 auf 39 Prozent.

Studie zeigt: Einkommen ärmerer Menschen prozentual stärker gesunken

„Der überproportionale Anstieg der Wohnkosten verschärft die Ungleichheit in Deutschland. Die Schere geht an zwei Seiten auseinander“, so Bernd Fitzenberger, Mitautor und Leiter des Ökonometrie-Instituts an der Humboldt-Universität. Er verweist auf die wachsende Lohnungleichheit, denn der Studie zufolge sanken die Reallöhne für die untersten 20 Prozent der Einkommen in dem Untersuchungszeitraum um acht Prozent. Bei mittleren Einkommen entwickelten sich die Reallöhne zwischen 1993 und 2013 leicht positiv. Bei Personen mit den höchsten Einkommen stiegen die Reallöhne am stärksten um durchschnittlich sieben Prozent.

Besitzen oder erwerben Gutverdiener Immobilien, müssen sie im Vergleich zu den 90er Jahren relativ gesehen weniger dafür bezahlen. Die Forscher begründen das mit niedrigen Erwerbs-, Bestands- und Zinskosten. „Die niedrigeren Bestandskosten wurden aber nicht an die Mieter weitergegeben“, sagte Fitzenberger. Gutverdiener hätten so in den vergangenen Jahren Vermögen anhäufen können, während sich die Vermögensbildung bei Geringverdienern – vor allem bei den Jüngeren – verringert habe. Fitzenberger erwartet, „dass die steigende Ungleichheit in der Ersparnisbildung zu höherer Vermögensungleichheit in der Zukunft führt“.

Kosten bei Neuvermietung steigen stark – nicht nur in den Metropolen

Separate Zahlen für Berlin wurden nicht erhoben, allerdings wurde beobachtet, dass überdurchschnittlich viele Geringverdiener in die Großstädte ziehen. Das verstärkt den Druck auf den Wohnmarkt, vor allem bei Single-Haushalten. Durch die rasante Zunahme der Bevölkerung in der Hauptstadt stiegen die Preise bei Neuvermietungen stiegen die Preise zuletzt sehr stark. Berlin ist in diesem Zusammenhang weltweiter Spitzenreiter mit Zunahmen der Mietpreise zwischen 2016 und 2017 um 20,5 Prozent.

Dabei sind vor allem Großstädte wie Berlin betroffen, aber auch im sogenannten „Speckgürtel“ oder in Klein- und Mittelstädten sind die Preise deutlich gestiegen. Lediglich für Luxuswohnungen aus den teuersten Preissegmenten sind die Preise weniger gestiegen.

Eine weitere Folge der Wohnungsnot ist, dass sich die Zahl der Wohnungslosen in Berlin in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt hat. Aktuell sind 37.000 Menschen in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Hinzu kommen rund 13.000 Menschen, die bei Freunden und Verwandten wohnen. Experten befürchteten, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren weiter ansteigen werden. (red)

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