Lieferräder mit Pendix-Elektromotor. | Foto: PIN Mail AG

Rückenwind für Postdienstleister: Umrüstung der Lastenräder zu E-Bikes

Seit der Öffnung des Marktes für Postdienstleistungen 2008, sind private Postdienstleister nicht mehr aus deutschen Briefkästen wegzudenken. Ausgeliefert wird zumeist mit dem Fahrrad. Etwa 60 Kilo wiegt ein voll beladenes Rad, die Zusteller müssen häufig anspruchsvolle Strecken im jeweiligen Stadtdschungel bewältigen. Eine Lösung sehen viele Zustelldienste in der Nachrüstung ihrer Räder zu E-Bikes. Der private Zusteller PIN Mail AG und die Zwickauer Pendix GmbH kooperieren nun, um auch älteren Mitarbeitern weiterhin einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten. Die Auslieferungen werden zudem auf körperlich fordernden Strecken erheblich erleichtert. Pendix stellt Umbausätze für Fahrräder her und bietet nachrüstbare Elektromotoren an. Durch die Umrüstung vieler Postunternehmen auf grünen, klimaneutralen Transport sind diese auch für Lastenräder immer gefragter.

„Zustellräder sind teuer in der Anschaffung und nicht leicht zu fahren. Rüsten die Kurierdienste ihre Flotte nun mit einem Elektroantrieb nach, macht das das Leben für die Zusteller leichter“, sagt Thomas Herzog, Gründer und Geschäftsführer von Pendix. Er spricht damit die zu Tausenden vertretenen Fahrradflotten hierzulande an. Insgesamt könne man schätzungsweise eine halbe Million Fahrräder mit eDrive Elektromotoren nachrüsten.

Rückenwind statt Knochenjob

Seit Ende 2016 sind testweise fünf Räder des PIN Mail Zustelldienstes mit Rückenwind unterwegs. Im Herbst 2017 wurden weitere 27 Nachrüstsätze eingebaut und einem Langzeittest unterstellt. Motivation für die Nachrüstung ist es, den Zustellern den täglichen „Knochenjob“ zu erleichtern. „Wahre Helden“ hat das Unternehmen seine Mitarbeiter in einer großangelegten Öffentlichkeitskampagne genannt, denen sie nun die Arbeit erleichtern wollen. Gerade in einer Großstadt wie Berlin seien Briefzusteller täglich vor besondere Herausforderungen gestellt. Ständiges Anfahren und Bremsen, teilweise sehr anspruchsvolle Strecken gelte es zu bewältigen.

Zwar befinde man sich mit den Pendix-Antrieben noch in einer Testphase, diese sehe jedoch bisher auch auf dem „besonderen Berliner Pflaster“ sehr vielversprechend aus. Wirkliche Anfangsschwierigkeiten habe es nicht gegeben. Nur über den Ladezyklus der Akkus und die damit verbundenen Standzeiten der Räder müsse man sich noch ein messtechnisches Bild verschaffen um diese effizient in den Umschlagplan einzubauen.

Kompakter Akku, der Rückenwind für Zusteller liefert. | Foto: PIN Mail AG

Kompakter Akku, der Rückenwind für Zusteller liefert. | Foto: PIN Mail AG

Etablierte Postdienstleister unterstützen den jungen Markt

„Die Nachrüstantriebe sind ja noch ein recht junger Markt. Wir gehen davon aus, dass ein Akku etwa fünf bis sechs Jahre hält. Das Gute an dem Pendix-System ist, dass es möglich ist, den Akku auszuwechseln auch wenn neue, noch effizientere Akku-Technologien auf den Markt kommen. Der Antrieb muss dann nicht mit ausgewechselt werden, geschweige denn gleich das ganze Rad“, so Fricke. Mit leerem Akku sei noch kein Mitarbeiter ins Depot zurückgekehrt.

Im Rahmen eines Pilotprojektes entschlossen sich auch die anderen fünf großen Berliner Postunternehmen, es der PIN AG gleich zu tun. Um den städtischen Lieferdienst und Andrang auf den Straßen zu reduzieren, legen ebenso DHL, UPS, DPD, GLS und Hermes die letzte Meile bis vor die Haustür per Lastenrad zurück. Unter dem Kürzel KoMoDo – Kooperative Nutzung von Mikro-Depots durch die Kurier-, Express-, Paket-Branche setzen sich die Postdienste für den nachhaltigen Einsatz von Lasträdern ein. Von der Senatsverwaltung für Verkehr und dem Umweltbundesamt als Forschungsprojekt gefördert, geht es bei diesem Zusammenschluss vor allem um den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsarten. Für den Umschlag der Pakete von großen, häufig in zweiter Reihe parkenden Abgas-Schleudern zu effizienten, platzsparenden und klimaneutralen Lastenrädern, gibt es spezielle „Mikro-Hubs“ in Berlin. Die grüne Hauptstadtpost der PIN AG versendet bereits 100 Prozent CO2-neutral, vom Einwurf bis zur Zustellung.

Der klimaneutrale Trend der Mobilitätsbranche

„Nachhaltiger, umweltbewusster und menschenverträglicher Verkehr ist auf Dauer nur auf zwei Rädern möglich“, erklärt Pendix-Mitgründer Herzog. Auch er kommt ursprünglich aus dem Motorsport, sieht elektrisch angetriebene Fahrräder jedoch als sportliche Alternative, um auch nach 10 Kilometern nicht völlig erschöpft auf der Arbeit anzukommen. Dieses Prinzip soll nun auch den Zustellern der PIN AG ermöglicht werden. Das Unternehmen setzt neben der klimaneutralen Bilanz seiner Fahrräder, vor allem auf die gesundheitliche Förderung ihrer Mitarbeiter. „Uns geht es dabei vor allem um die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Auch die älteren Kolleginnen und Kollegen in unserer Mannschaft sollen gerne zur Arbeit kommen und ihre Erfahrung dauerhaft einbringen können. Ihr Feedback ist uns extrem wichtig“, so Fricke.

Fahrräder oder nachgerüstete E-Bikes rücken als Verkehrsmittel der Zukunft immer mehr in den Fokus – zumindest für die Mobilitätsbranche und die Verbraucher. Während die Politik noch die Förderung von Elektroautos als oberste Priorität ausruft, legen Start-ups bereits nachhaltige Lösungen und Alternativen vor. Der Trend von Tempo 30-Teststrecken, Fahrverboten für alte Diesel, modernen Klapprädern und Fahrradkreuzungen geht zu autofreien Innenstädten. (cn)

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