Revival der DDR-Plattenbauten: Senat plant Dachbebauungen | Foto: pixabay.com

Revival der DDR-Plattenbauten: Senat plant Dachbebauungen

Lange Zeit waren die DDR-Plattenbauten verpönt – jetzt erleben sie ein Revival. Während noch vor einigen Jahren Geschosse abgetragen wurden, sollen viele Bauten ab 2019 um zwei Geschosse erhöht werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt beschloss der Senat am Dienstag.

Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung, zufolge, sei die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge der für das Projekt vorgesehene Partner. „Deren Flachdächer bieten ein großes Potenzial für zusätzliche Wohnungen“, so Lompscher. Fast 320.000 Quadratmeter Dachfläche, die das Unternehmen vorrangig in Lichtenberg besitzt, bieten Platz für die Aufstockung. Hierbei stehen Fünf- und Sechsgeschosser sowie Zehn- und Elfgeschosser des DDR-Bautyps WBS 70 im Fokus des Projekts.

Wohnungen aus Holz oder Stahl auf den Plattenbauten

Aus Gründen der Statik kommen für die Dachbebauung der Plattenbauten nur Leichtbaumaterialien wie Holz oder Stahl infrage. Damit eine schnelle Errichtung gewährleistet ist, sollen die Wohnungen als Fertigmodule bereitstehen. So könnten, laut Angaben der B.Z, auf 300 bestehenden Wohnungen 98 bis 120 neue platziert werden. Für den angespannten Berliner Wohnungsmarkt kämen solch schnelle Lösungen gerade recht.

Doch nur wenige Jahre zuvor ging die Politik einen ganz anderen Weg: Unter der rot-roten Regierung wurden ganze Geschosse von Plattenbauten abgetragen. Insgesamt 4.800 Wohnungen seien so verloren gegangen, so Lompscher. Dies war „ein Fehler, den andere verschuldet haben“,  ergänzte sie. Nun folgt also die politische Kehrtwende: Der Plattenbau ist wieder in.

Maßnahmen zur Beschleunigung

Drei neue Maßnahmen bilden hierbei die Rahmenbedingungen für die schnelle Errichtung der neuen Geschosse. Zum einen sollen Bäume zukünftig noch vor Vorlage der Baugenehmigung gefällt oder zurückgeschnitten werden können. Dadurch schafft der Senat mehr Flexibilität, da das Fällen von Bäume zwischen März und November, der Hauptsaison des Baugewerbes, aus Naturschutzgründen verboten ist. Erforderlich ist das Fällen durch eine andere Auflage der Politik: Die Bestimmungen für Flucht- und Rettungswege. Zukünftig sollen hier kostengünstige Spindeltreppen außerhalb des Gebäudes die noch erforderlichen gemauerten Fluchttreppenhäuser ersetzen. Zudem soll ein Förderprogramm für Aufzüge die oberen Geschosse leichter zugänglich machen. Dadurch steigt die Attraktivität dieser Wohnungen, wovon sowohl die Unternehmen als auch die zukünftigen Bewohner profitieren. Alle Maßnahmen sind Teil eines umfassenden, vom Senat vorgestellten Plans, der die Vereinfachung und Beschleunigung von Baugenehmigungsverfahren im Blick hat.

Obwohl die Grünen Bedenken in Bezug auf den Umweltschutz äußerten, sieht die Senatorin für Umwelt und Verkehr, Regine Günther (parteilos, für Grüne) keine großen Probleme in dem neuen Plan. „Berlin bleibt eine grüne Metropole“, so Günther. Als Ausgleich für die Baumfällungen brauche es aber neue Grünflächen im Umland, zum Beispiel auf Stadtgüterflächen in Brandenburg.

Weitere Möglichkeiten der Dachbebauung

Darüber hinaus kursiert in der Immobilienwelt seit einiger Zeit der Ansatz Tiny Houses auf Dächern zu platzieren. Für diese müssen allerdings noch rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, da die meisten Anbieter wie das Start-up Cabin Spacey noch in den Startlöchern stehen. Außerdem sind nicht alle Dächer belastbar genug für diese Art von Mikroapartments. Nicht nur Tiny Houses, auch die Bebauung von Discounterdächern ist ein neuer Ansatz, der zusätzlichen Wohnraum für die Berliner schaffen soll. Hier ist bereits ein entsprechendes Projekt in Aktion, das beispielsweise die Aufstockung von Supermarktdächern in Angriff nimmt. Berlin setzt also nicht nur auf flächenmäßige Ausdehnung zur Schaffung von Wohnraum, sondern geht zumindest moderat in die Höhe. (ke)

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