Quereinsteiger: Zwei Drittel der Lehrer ohne Lehramtsstudium | Foto: pixabay.com

Quereinsteiger: Zwei Drittel der Lehrer ohne Lehramtsstudium

Heute beginnt für tausende Schüler in Berlin wieder der Schulalltag. Auch viele Lehrer werden zum ersten Mal in ihrem Leben vor einer Klasse stehen. Denn um die große Lücke beim Lehrpersonal zu schließen, hat die Regierung hunderte Lehrer eingestellt, die gar keine sind.

Über den Sommer konnten 2700 neue Lehrer eingestellt werden. Von diesen verfügen allerdings nur etwa 1000 über ein abgeschlossenes Lehramtsstudium. Die restlichen Lehrkräfte setzen sich aus Quereinsteigern und sogenannten „Lehrern ohne volle Lehrbefähigung“ zusammen. Quereinsteiger, es sind 738 neue, haben zumindest ein klassisches Schulfach studiert. Die 915 „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“, oder „LovL“, sind hingegen Akademiker, die kein explizites Schulfach studiert haben. Das können beispielsweise Archäologen oder Ethnologen sein. Häufig haben sowohl Quereinsteiger als auch „LovL“ als Willkommens- oder Vertretungslehrer gearbeitet; sie sind dem Schulalltag also nicht völlig fremd.

Viele „LovL“ sind an Berliner Grundschulen

Besonders groß ist der Lehrermangel an Berlins Grundschulen. Hier können allerdings nur 29% der neuen Lehrer ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen – 40% sind „LovL“. Doch genau die Grundschule ist der Ort, an dem gut ausgebildete Pädagogen notwendig sind. Schüler eignen sich hier die Grundlagen für den weiteren Bildungsweg an. Es ist für die Lehrer essenziell, zu verstehen wie Kinder lernen. Zwar sind vielen Eltern Lehrer ohne Lehramtsstudium lieber als Stundenausfälle, doch machen sie sich vor allem um die didaktischen Fähigkeiten des Lehrpersonals Sorgen, berichtete die B.Z. Dieser Sorge schließt sich der Landeselternausschuss an: „Die Alphabetisierung der Kinder, das Beibringen von Lesen, Schreiben und Rechnen, sollte man den Profis mit einer universitären Ausbildung überlassen“, erklärte Norman Heise, Vorsitzender des Elternverbundes.

„Wir haben in ganz Deutschland enorme Probleme, qualifizierte Grundschullehrer zu finden“, rechtfertigt Bildungssenatorin Sandra Scheeres ihre Politik. Außerdem habe man so die Lücke im Lehrpersonal fast schließen können. Doch aufgrund solcher Aussagen konfrontiert die Opposition die Senatorin mit Vorwürfen, sie wolle lediglich die Statistik aufbessern. Die CDU forderte unlängst den Rücktritt der Senatorin. „Wir fordern Senatorin Scheeres zum Rücktritt auf und von der SPD die Abgabe des Bildungsressorts“, heißt es von CDU-Fraktionschef Burkard Dregger. Durch das notdürftige Flicken weite sich der Bildungsnotstand aus. Auch andere Oppositionsparteien schlossen sich der Einschätzung der CDU an. „Mit einem solchen Personaltableau kann keine Bildungsoffensive – die so dringend benötigt wird – gestartet werden“, kritisierte Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der Berliner FDP-Fraktion, die Politik der Senatorin.

Es gibt mehr Schüler, es braucht mehr Lehrer

In diesem Jahr gibt es fast 8000 Schüler mehr als in vergangenen Jahren. Damit gibt es 359.000 Schüler an Berlins Schulen. „Bis zum Schuljahr 2025/26 rechnen wir mit einem Zuwachs von 53.000 Schülerinnen und Schülern“, sagte Scheeres. Das sind Indizien dafür, dass in den kommenden Jahren eine ähnliche Notlage entstehen könnte. Neben den kurzfristigen Lösungen, wie den „LovL“ oder Quereinsteigern, werden also zukunftsorientierte Lösungen dringend benötigt.

Eine Möglichkeit wäre es, den Lehrberuf über das Gehalt attraktiver zu gestalten. Berlin stellt viele Lehrer an, statt sie in den Beamtenstand zu heben. Nur könnten dann die „LovL“ auch ein höheres Gehalt fordern – sie verdienen wesentlich weniger als voll ausgebildete Pädagogen. Viele Schulen stellen die neuen Lehrer zudem nur auf ein oder zwei Jahre befristet ein. Um eine erneute Lücke in ein paar Jahren oder sogenannte „Kettenverträge“ zu verhindern, sollen die neuen Lehrer weiter qualifiziert, und letztendlich übernommen werden. Trotz all dieser Probleme scheint immerhin eines beseitigt – zum kommenden Schuljahresanfang wird es signifikant weniger Unterrichtsausfall geben. (ke)

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