Ein dynamisches Duo: yolandi.workerbot und Erfinder Matthias Krinke | Foto: pi4_robotics GmbH

pi4_robotics GmbH: Roboter im Alltag

Gründer, Erfinder oder Visionär? Eigentlich ist pi4_robotics-Geschäftsführer Matthias Krinke von allem etwas. Seit der Eröffnung seines workerbotkiosks im BIKINI BERLIN kommen viele Fragen auf. Meine wohl brennendste: Wie interagiert eigentlich ein Roboter?

In unmittelbarer Nähe des Humboldthains befindet sich mit Unternehmen wie Robozän, Robots & Girls und pi4_robotics der wichtigste Robotik-Hotspot der Stadt. Schon bevor ich die pi4-Geschäftsräume betrete, treffe ich auf eine große Roboterdame – die Empfangsdame. Auffällig ist die Firmenfarbe Grün, die überall präsent ist – vom Roboter bis hin zum Polohemd des Geschäftsführers mit pi4-Logo.

Robophil von Beginn an

Roboter wollte der Diplom-Ingenieur schon immer bauen, dazu studierte er Elektrotechnik/Automatisierungstechnik mit Spezialisierung auf Robotik in München. Bereits 1994 gründete er dann die pi4_robotics GmbH in Berlin. Von Anfang an war es seine Intention, Roboter von ihrem Fabrikdasein zu befreien und im Servicebereich anzusiedeln – im direkten Kontakt mit dem Menschen. Hilfreich sind dabei unter anderem die fast schon kindlichen Gesichtszüge. „Das ist bewusst so gewählt“, so Krinke. „Ein totes Ding beunruhigt nur sein Gegenüber.“ Auch ein Robo-Klon ist die wuchtige Empfangsdame auf Rollen nicht. Als humanoider Roboter kann sie interagieren und ist perfekt in ihr Arbeitsumfeld integriert; dennoch ist sie optisch klar von einem Menschen unterscheidbar.

Mittlerweile sind Roboter fast überall in der Wirtschaft einsetzbar, wenn sie über die entsprechenden optischen und sensorischen Fähigkeiten verfügen. Für seine Kunden entwickelt Krinke zum Beispiel spezifisch auf den Einsatzort und die Tätigkeiten angepasste Roboter beziehungsweise Robotersysteme.

Vielfältige Einsatzbereiche

Abgesehen von der Industrie werden Roboter in Zukunft vor allem im Kundenservice – wie Kundenempfang, Anrufannahme, Mailbeantwortung – eine tragende Rolle spielen. Viele erhoffen sich auch den Einsatz von Robotern in der Pflege direkt am Menschen, aber laut Krinke, ist das eher unwahrscheinlich. „In Japan hat man daran gearbeitet, aber das liegt wieder auf Eis“, sagt er. Grund seien Sicherheitsbestimmungen. Auch abseits der Pflege ist es schwierig, Mensch und Maschine zusammenarbeiten zu lassen. Die Abstimmung aufeinander ist nicht wirtschaftlich, da Roboter aus Sicherheitsgründen viel langsamer arbeiten müssten.

Robo-Standort Berlin

Berlin könnte sich eigentlich zu einer Robot City mausern. Unverständlich ist für den Unternehmer, dass pi4 im Bereich Robotik inzwischen fast allein dasteht. Insolvent, verkauft und verzogen – das Aussterben der kleinen mittelständischen Unternehmen betrifft nicht nur die Berliner Robotik-Industrie. Trotz guter Förderungen auf Landes- und Bundesebene wird erst jetzt den Aufkäufen aus dem Ausland von der Regierung Einhalt geboten. „Gesamtgesellschaftlich ist es wichtig, dass Berlins Hightech-Firmen auch hier bleiben“, erklärt Krinke. Auch ihm boten bereits internationale Großinvestoren verlockende Summen an. Verkauft hat er nie und das wird auch so bleiben.

Am Ende unseres Gesprächs lüftet Krinke dann doch noch das Geheimnis und gibt Einblick in die Sicht der Roboter-Empfangsdame. In schwarz-weiß werde ich mit farblich markierten Kreuzen aufgezeichnet. Meine Gesichtsmerkmale werden identifiziert und gespeichert. „Sie erkennt Sie wieder“, sagt Krinke lachend. Tatsächlich reagiert die Roboterdame und zwinkert mir freundlich zu. (lj)

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