Peter Buchner: S-Bahn Berlin ist auf einem guten Weg | Foto: Deutsche Bahn AG, 2013

Peter Buchner: S-Bahn Berlin ist auf einem guten Weg

Auf der Eisenbahnfachmesse InnoTrans standen die Berliner in der vergangenen Woche Schlange, um eine Neuheit in Augenschein zu nehmen. Die von der Stadler Pankow GmbH entwickelten Prototypen der neuen S-Bahn der Baureihe 483 und 484. Obwohl diese erst 2021 auf den Ringbahnlinien auf die Schiene kommen, ist das ein eindrucksvolles Zeichen für die Modernisierung der Flotte. Mehr als 250 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die Züge investiert, berichtete S-Bahn-Chef Peter Buchner beim INFRANEU-Frühstück im Berlin Capital Club am Gendarmenmarkt.

Glücksfall Buchner

Buchner, der seit 2009 die Geschicke der S-Bahn leitet, ist ein ausgewiesener Verkehrsexperte und hat mehr Qualität in die vielschichtigen Aufgabenfelder der S-Bahn Berlin gebracht. Prof. Dr. Dieter Flämig, geschäftsführender stellvertretender Vorsitzender von INFRANEU, bezeichnete Buchner als Glücksfall für das Verkehrsunternehmen. Der Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit (INFRANEU) lädt regelmäßig Gäste zu Gesprächen ein, um wirtschaftliche und politische Themen zu diskutieren.

Mehr als 430 Millionen Fahrgäste befördert die Berliner S-Bahn jährlich, eine Mammutaufgabe für die Säule des öffentlichen Nahverkehrs. Der Bahnmanager hat dabei zahlreiche Herausforderungen zu meistern: Marode Technik, veralteter Wagenpark und zunehmende Störungen von außen. Dem begegnet Buchner mit seinem Team mithilfe einer Qualitätsoffensive und einem umfassenden Investitionsprogramm in die technische Infrastruktur.

Qualitätsverbesserung

Peter Buchner setzt dabei auf besondere Instrumente, um schnell konkrete Verbesserungen in das Tagesgeschäft der Deutsche Bahn-Tochtergesellschaft zu implementieren. So hat er eine Art Taskforce ins Leben gerufen, also 50 Mitarbeiter, die neben ihrer Haupttätigkeit mitwirken, um direkt Qualitätsverbesserungen in das S-Bahn-Netz zu ermöglichen. Der interdisziplinäre Ansatz der S-Bahner ermöglicht einen fundierten und themenübergreifenden Hebel bei diesem effektiven Steuerungsinstrument.

Zum interdisziplinären Ansatz gehören unter anderem Verbesserungen im Bereich des Kundenservice, der Sicherheit und dem Liniennetz. Letzteres erweitert die S21 durch eine neue Nord-Süd-Verbindung, die sich gegenwärtig noch im Bau befindet. Schon 2020 sollen hier erste Züge auf den neuen Gleisen rollen. Mit der neuen S21 kommt eine Verbindung vom Nordring über den Hauptbahnhof bis zur Yorkstraße schrittweise hinzu.

Digitaler Service

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die digitalen Angebote der S-Bahn Berlin. Seit 2012, als die S-Bahn ihren Twitter-Account ins Leben rief, hat sich die Zahl der Abonnenten auf stolze 202.000 erhöht. Damit folgen mehr Leute der S-Bahn als den Twitter-Seiten von Microsoft Deutschland, Siemens und Volkswagen Deutschland zusammen. Doch nicht nur auf Twitter, auch mithilfe der S-Bahn-App können sich Kunden über Verspätungen und Ausfälle der Züge in Echtzeit informieren. Zukünftig sollen derartige Informationen auch an den Bahnhöfen und in den Zügen selbst verfügbar sein. Anzeigetafeln an Bahnhöfen sollen demnach präzise anzeigen, wann der nächste Zug einfährt und welche Möglichkeiten Wartende haben, die Problemstellen zu umfahren. In den Zügen der neuen Generation selbst versorgen digitale Anzeigetafeln die Passagiere über den Fortschritt auf der Strecke und zu erwartende Verspätungen.

 In puncto Sicherheit in den Bahnhöfen verstärkte die S-Bahn in den vergangenen Monaten bereits das Einsatzpersonal massiv. „Unser Anspruch ist es, dass sich alle Kunden auf der Fahrt mit der S-Bahn wohl und sicher fühlen“, erklärte Buchner. Neben zusätzlichen Sicherheitskräften während der Nacht weitet die Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn deswegen auch ihre Videoüberwachung aus. Diese kommt nicht nur an den Bahnhöfen, sondern auch in den neuen Zügen der Baureihe 483 und 484 zum Einsatz.

Die neuen Wagen der Baureihe 483 und 484 | Foto: Volkmar Otto/Messe Berlin GmbH

Die neuen Wagen der Baureihe 483 und 484 | Foto: Volkmar Otto/Messe Berlin GmbH

Qualitätsoffensive greift: Verbesserung der Pünktlichkeit

Im Feld der Verspätungen hat sich die S-Bahn allerdings nicht viel vorzuwerfen: Im Februar lag die Pünktlichkeitsquote bei 94 Prozent. Dennoch plädiert der S-Bahn-Chef für ehrgeizige 96 Prozent Pünktlichkeit. Im Juli hätten sie dieses Ziel fast erreicht, sie lagen sogar darüber, so Buchner. Doch dann kamen ihnen ein paar schlechte Tage voller Ausfälle und Verspätungen in die Quere. Sie zogen die Quote nach unten. Das Qualitätsprogramm schient laut der Zahlen zu greifen. Andernfalls hätte die S-Bahn ihre Pünktlichkeit im kurzen Zeitraum zwischen Februar und Juli nicht dermaßen erhöhen können.

Obwohl die Fertigungsphase der neuen Züge der Baureihen 483 und 484 größtenteils abgeschlossen ist, vergeht bis zu deren Einsatz noch einige Zeit. Vorerst werden die Bahnen auf einem Testgelände und nachfolgend auf ausgewählten Strecken im S-Bahn-Netz getestet. Ab 2021 sollen sie dann vorrangig die Ringbahnlinien S41 und S42 befahren. Die von Peter Buchner vorgestellte Qualitätsoffensive forciert jedoch nicht nur die Wagen an sich, sondern alle Bereiche, in denen die S-Bahn tätig ist. So können sich durch die umfassenden Verbesserungen nicht nur die knapp 3.000 Mitarbeiter des Unternehmens, sondern alle 1,4 Millionen tägliche Passagiere der S-Bahn freuen. (red)

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