Nicht neu, aber ungewohnt: Jumbo-Jets auf dem Flughafen Tegel

Um der Masse an Fluggästen nach der AirBerlin Pleite gerecht zu werden, wird die Lufthansa im November bis zu 63 Mal mit Jumbo-Jets zwischen Berlin und Frankfurt pendeln. Für die BerlinerInnen kein ungewohntes Bild. Schon 2010 oder auch 2014, damals mit der deutschen Nationalmannschaft, wurde Tegel von Jumbo-Jets angesteuert. Eine Alternative ist vorerst auch nicht in Sicht. Die Fluggesellschaft schließt auch einen Weiterbetrieb mit den Jumbo-Jets nach diesen vier Wochen vorerst nicht aus.

Am vergangenen Mittwoch landetete die erste Boeing aus Frankfurt. Pressesprecher der Lufthansa Wolfgang Weber bestätigte gegenüber der Berliner Zeitung den betrieblichen Musterplan für die kommenden vier Wochen: „Die Großraumflugzeuge kommen von internationalen Fernflügen, sie werden jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten eingesetzt.“. So geht es für die Boeing am Donnerstag Morgen von Tegel aus nach Frankfurt und von dort weiter zu anderen Langstreckenzielen.

Groß, größer, Jumbo

Gegenüber dem Airbus A321 verfügt die Boeing 747-400 über weitaus mehr räumliche Kapazität und Sitzplätze: Mit 67 Sitzplätzen in der Business Class und 304 Plätzen in der Economy und Premium Economy Class, finden deutlich mehr Passagiere Platz. Allerdings werden auf den Flügen zwischen Berlin und Frankfurt nie alle Plätze besetzt – aus Zeitgründen. Das Ein- und Aussteigen in das Oberdeck des Jets über eine Treppe würde rund 10 Minuten dauern, so Weber gegenüber der Berliner Zeitung. „So viel Zeit haben wir leider nicht.“

Alles eine Frage der Zeit

Nicht nur das Ein- und Aussteigen wird zu einer Zeitfrage. Der maximale Aufenthalt in Tegel beträgt lediglich 50 Minuten. In dieser Zeit kann weder ein Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt, betankt oder können Speisen und Getränke geladen werden. Zu dem Zeitdruck kommt die Ausstattung Tegels. Der Flughafen war nie für größere Passagierflugzeuge entwickelt, geplant, geschweige denn gebaut worden. Das erste Problem tritt direkt nach der Landung auf. Die Fluggastbrücken sind nicht für Boeings ausgelegt. Also parkt die Boeing auf dem Vorfeld. Insgesamt vier Busse müssen vorfahren, um die Passagiere vom Rollfeld zum Terminal zu transportieren. Und auch das Personal ist nicht geschult für diese Größe von Flugzeugen, sodass der Ramp Agent jedes Mal aus Frankfurt mitgebracht werden muss.

Doch damit nicht genug: Große Maschinen benötigen auch einen größeren Personalstab – um die 14 Flugbegleiter. Neben den dadurch entstehenden erhöhten Personalkosten sind auch die Aufwendungen bei Jumbo-Jets in der Regel höher als sonst. Ein Jumbo-Jet benötigt mehr Treibstoff, hat einen hohen Schadstoffausstoß pro Fluggast, um die 144 Kilo Kohlendioxid, und auch die Flughafenentgelte, die sich nach Gewicht berechnen, sind höher.

Ohne Jumbo-Jets geht es nicht

Doch aufgrund der großen Nachfrage ist der Einsatz der Großraumflugzeuge, neben den Boeings auch größere Airbus Flugzeuge, laut Lufthansa derzeit unausweichlich.  Ein höherer Takt sei kaum möglich, denn es wird bereits im Stundentakt geflogen.

Das Kapitel Tegel und die Jumbo-Jets beginnt gerade erst. Der November wird zeigen, ob sich der Einsatz größerer Flugzeuge bewährt, um dem Ansturm gerecht zu werden. Zu berücksichtigen werden alsbald auch die Beschwerden der Anwohner über die höhere Lärmbelastung sein. (red)

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