Karstadt am Hermannplatz
Die Karstadt Filiale am Hermannplatz zwischen Kreuzberg und Neukölln soll nach dem Vorbild der 1920er Jahre umgestaltet werden. | Foto: Jörg Zägel [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Neue Pläne für Karstadt am Hermannplatz

Über die Neubaupläne des österreichischen Immobilien- und Handelsunternehmens SIGNA Holding GmbH für das Karstadt am Hermannplatz wird seit einiger Zeit stark diskutiert. Bereits im August letzten Jahres hatte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, der sich gerade den Vorwürfen der Aktenmanipulation stellen muss, die Pläne des Immobilienunternehmens abgelehnt: „Ich bedauere, dem Vorhabenträger keine besseren Nachrichten überbringen zu können und bedanke mich das Engagement der SIGNA GmbH und dem Büro Chipperfield.“

Nun scheint es so, als wolle die SIGNA-Gruppe, die Galeria Karstadt Kaufhof im Juni 2019 komplett übernommen hatte, dem Bezirk entgegenkommen. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, seien die von Kritikern befürchteten Luxuswohnungen und Hotels des Unternehmens doch nicht geplant.

Initiative Hermannplatz: „Wir nehmen uns das Recht auf Stadt“

Doch die Bedenken gegen das Projekt sind noch nicht aus dem Weg geräumt. Noch immer gibt es deutliche Gegenstimmen, auch von Seiten der Bevölkerung. Am heutigen Dienstag sind daher als Reaktion auf die Präsentation der Umbaupläne des Immobilienunternehmens im Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss Gegendemonstrationen zu erwarten.

So hat die Initiative Hermannplatz, die sich für den Erhalt des Gebäudes in seiner jetzigen Form ausspricht, eine Kundgebung im Rathaus Neukölln geplant. Die Kritiker des Großprojekts von SIGNA befürchten lang andauernde Bauarbeiten, den Verlust von Arbeitsplätzen und eine drohende Immobilienblase. Außerdem üben sie auch Kritik an der CDU, die ebenfalls heute ihren Antrag „Neukölln unterstützt das Neubauvorhaben von Karstadt am Hermannplatz“ vorstellt: „Die CDU meint, über unsere Köpfe hinweg beschließen zu können, dass ‚Neukölln’ das Bauvorhaben von SIGNA unterstützt. Sie vertritt damit ausschließlich die Interessen des Immobilienkonzerns und handelt frontal gegen die Interessen der Neuköllner*innen“, so ein Mitglied der Initiative.

Mischquartier zum Wohnen und Arbeiten

Geht es nach den Projektentwicklern von SIGNA, soll die 1929 gebaute Warenhausimmobilie an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln zu einem Mischquartier umgebaut werden. In dem rund 72.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex sind unter anderem Büros, Wohnungen und soziale Einrichtungen geplant. Außerdem sollen eine große Markthalle und eine öffentlich zugängliche Dachterrasse entstehen, um die Lebensqualität des Kiezes zu steigern.

Die Baupläne orientieren sich dabei an den Ursprüngen des Gebäudes in den 1920er Jahren. Damals konnte man in „Europas modernstem Warenhaus“ nicht nur Einkäufe tätigen, sondern auf der großzügigen Dachterrasse auch Essen gehen oder tanzen. In der Ausstellung „90 Jahre Karstadt am Hermannplatz“, die bereits im September letzten Jahres eröffnete, können Interessierte die Entwicklung des Traditionsgebäudes von 1929 bis heute verfolgen.

Baustadtrat Schmidt will keinen „Monumentalbau“

Nach dem „Nein“ des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg im August 2019 hatte SIGNA noch im Oktober vergangenen Jahres ein Hoffest am Hermannplatz organisiert, um den öffentlichen Dialog zu fördern und die Kiezbewohner stärker am Projekt zu beteiligen. „Ein lebendiger Ort, an dem jeder willkommen ist – das ist unsere Vision für das neue Karstadt-Gebäude am Hermannplatz“, so Timo Herzberg, CEO von SIGNA Real Estate Germany.

Bisher sträubt sich Schmidt aber weiterhin gegen das Vorhaben des Immobilienunternehmens. In einer Stellungnahme des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg im August 2019 begründete er die Absage unter anderem mit der aus seiner Sicht nicht angemessenen „Reinszenierung“ des Gebäudes als Shoppingcenter. Außerdem befürchte er zu hohen Mieten durch die kostenintensive Umstrukturierung des Gebäudes, das historisch für die Stadt bedeutsam ist. (sz)

 

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