Nach Genua-Drama: Keine absolute Sicherheit auf Berliner Brücken | Foto: pixabay.com

Nach Genua-Drama: Keine absolute Sicherheit auf Berliner Brücken

Nach dem Brückeneinsturz in Genua, Italien sorgen sich auch in Berlin immer mehr Bürger um den Zustand der Infrastruktur. Doch der Senat beschwichtigt – die Berliner Brücken seien „sehr sichere Bauwerke“. Durch regelmäßige Kontrollen und Begehungen werde die Sicherheit garantiert.

Berlin, die Stadt der Brücken. In der Hauptstadt gibt es 1085 Brücken, für den Rad-, Fuß-, Schienen-, und Automobilverkehr. Obwohl der Senat die Sicherheit der Brücken garantiert, gab es 2017 in der Stadt 42 landeseigene Brücken, die sich nur in einem ausreichenden, und zwei, die sich sogar in einem ungenügenden Zustand befanden. Nur etwa ein Viertel, 230 Brücken, bewerteten die Prüfer als gut oder sehr gut. Besorgniserregend ist auch die Bilanz bei den bundeseigenen Brücken. Bei diesen, meistens sind es Autobahnbrücken, befinden sich drei Viertel nur in einem befriedigenden oder ausreichenden Zustand. Bei einer Schulklasse mit solch einer Leistung wären vermutlich schon längst Konsequenzen gezogen worden. Wieso dann nicht auch bei der Infrastruktur?

Sperrungen und Beschränkungen auf Berliner Brücken

Der Zustand der Brücken ist das Ergebnis jahrelanger Sparpolitik. Das Personal in den entsprechenden Ämtern wurde abgebaut, Sanierungen erhielten kaum Mittel. Dennoch gehe von den Brücken keine akute Gefahr aus. Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung in der Senatsverwaltung für Verkehr betonte dem rbb gegenüber, dass Brücken es durch Risse „ankündigen“ würden, wenn sie in einen bedenklichen Zustand geraten. Sollte das geschehen, werde unverzüglich gehandelt. Jährlich werden etwa 100 kurzfristige Reparaturen an Berliner Brücken durchgeführt. Hinzu kommen langfristige, umfangreiche Sanierungsarbeiten an derzeit 20 Brücken.

Bei alten Brücken rechnet das Tiefbauamt die Statik nach, um zu überprüfen, ob die Brücke noch den Anforderungen des heutigen Verkehrs entspreche. Beispielsweise hat sich der Einsatz von LKWs erheblich erhöht. Außerdem finden alle drei Jahre ausführliche Kontrollen, und mehrmals jährlich Begehungen durch die Behörden statt. Bei Bedenken werden Verkehrsbeschränkungen oder Sperrungen eingesetzt, aktuell sind etwa 80 aktiv. So kann beispielsweise eine Brücke am Autobahndreieck Funkturm im Westen der Stadt nur noch einspurig von PKWs befahren werden. Auf anderen Brücken des Berliner Rings gilt vorsorglich Tempo 60 oder ein Überholverbot für LKWs.

Senat investiert in Sanierungsarbeiten

Aber was tut die Politik, um den Zustand der Infrastruktur zu verbessern? Der Senat kündigte umfassende Investitionen in die Sanierung von maroden Brücken an, die noch im laufenden Jahr aktiv werden sollen. Dorothee Winden, von der Senatsverwaltung für Verkehr, bezifferte die geplante Investitionssumme auf 41,5 Millionen Euro für Brücken, die dem Land gehören. Auch die Bundesbrücken wurden nicht vergessen: Für diese stehen 13,7 Millionen Euro bereit. „Berlin investiert nach Jahren des Sparens in erheblichem Umfang in die Sanierung und in den Neubau von Brücken“, erklärte Winden die Maßnahmen.

Die Investitionen sind zwar dringend notwendig, aber nicht zwingend ausreichend. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) schätzte 2017 die erforderliche Summe für Sanierungen der vorhandenen Brücken auf 1,3 Milliarden Euro. Auch von der Opposition wird die Aussage, die Berliner Brücken seien generell sicher, angezweifelt. Frank Scholtysek, verkehrspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kritisiert beispielsweise die erhebliche Anzahl von Brücken, die von den Prüfern schlecht bewertet wurden: „Das bedeutet, die Konstruktionen haben einen nicht ausreichenden Bauwerkszustand.“ Immerhin – die derzeit geplanten Investitionen sind ein Anfang für eine dringend erforderliche Instandsetzung. (ke)

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