Millionenschwere Zuschläge für Lehrer an Brennpunkt-Schulen | Foto: pixabay.com

Millionenschwere Zuschläge für Lehrer an Brennpunkt-Schulen

An Schulen in sozialen Brennpunkten zu unterrichten, ist oftmals nicht attraktiv für Lehrer. Der Senat will nun neue Anreize schaffen, um den Lehrermangel an Brennpunkt-Schulen zu bekämpfen. Geplant ist ein Gehaltszuschlag für Lehrkräfte und Erzieher an Schulen mit hoher Armutsquote unter den Schülern.

Laut Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, soll sich dieser Zuschlag auf monatlich 300 Euro brutto belaufen. Etwa 2.000 der insgesamt 30.000 Lehrer an Berliner Schulen könnten von dem Vorhaben profitieren.

Nicht nur Lehrer profitieren

Lehrkräfte allein können oftmals die Aufgaben an Problemschulen nicht bewältigen. Kriminalität, schwierige Elternarbeit und Anforderungen der Inklusion erschweren den Schulalltag. Daher setzt das Land vor allem in Grundschulen auf Erzieher, die den Unterricht unterstützen. Die Erzieher können nun auch mehr Geld erhalten; ihre Zulage soll die nächsthöhere Gehaltsstufe vorwegnehmen. „Das kann bei jeder Person anders ausfallen – zwischen 70 und 350 Euro“, bestätigt Lasic. Man kann jedoch keine einheitliche Zulage auszahlen, da Erzieher im Gegensatz zu Lehrern an Tarifverträge gebunden sind.

Der Doppelhaushalt des Senats stellt 17 Millionen Euro für die Gehaltszuschläge zur Verfügung. Das Geld reicht damit allerdings nur für Pädagogen an etwa 50 von Berlins fast 800 Schulen. Allerdings können lediglich Schulen, an denen mindestens 80% der Schüler Sozialleistungen erhalten, das Geld in Anspruch nehmen. Der berlinweite Durchschnitt von Hartz-IV-Schülern liegt bei 35%, also deutlich unter dem der Brennpunkt-Schulen.

Entlastung von Quereinsteigern an Brennpunkt-Schulen

Derzeit unterrichten besonders viele Quereinsteiger an Brennpunkt-Schulen. Die Anreize der Regierung sollen voll ausgebildete Lehrer an die Schulen holen, nicht zuletzt, um die Quereinsteiger zu entlasten. Diese müssen nämlich häufig neben dem Unterricht ein Fach berufsbegleitend „nach“-studieren. Zusätzlich ist an den sozialen Brennpunkten pädagogisches Geschick gefragt. Obwohl Quereinsteiger in Crash-Kursen geschult werden, ersetzen diese kein vollwertiges Lehramtsstudium, welches auch pädagogische Ansätze vermittelt. Eine stärkere personelle Aufstellung von ausgebildetem Lehrpersonal kann Schüler, ebenso deren Eltern, im Alltag unterstützen.

Abschließend muss die Senatsverwaltung für Finanzen den Plan bestätigen. „Wir haben das letzte Gespräch mit der Senatsverwaltung für Finanzen noch nicht geführt, ich hoffe aber, dass wir es schaffen, dass es bei der vereinbarten Höhe von 300 Euro bleibt“, betonte Lasic gegenüber dem Tagesspiegel. Die Bildungspolitikerin hofft, die Zuschläge noch in diesem Jahr auszahlen zu können. Ob die Anreize tatsächlich mehr Lehrer an Problemschulen locken, bleibt jedoch fragwürdig. Denn es ist nicht gewiss, ob für die Pädagogen das zusätzliche Geld die Herausforderung an einer Brennpunkt-Schule zu unterrichten, aufwiegt. (ke)

 

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